[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Sicherungsanlage zur Bereitstellung eines
gesicherten Bahnübergangs.
[0002] Ungesicherte Bahnübergänge stellen auch aktuell immer noch eine Gefährdung für Mensch
und Material dar, weil es infolge von Unachtsamkeiten immer wieder zu Unfällen kommt,
die zum Teil leider sogar mit Todesfolge enden.
[0003] Ein sicheres Rezept gegen die vermeidung dieser Unfälle besteht in der Einrichtung
von gesicherten Bahnübergängen, die in der Regel mit einem Schlagbaum und optischen
Warnleuchten ausgerüstet sind. Um bei diesen gesicherten Bahnübergängen eine hohe
Verfügbarkeit und damit Sicherheit der Funktion zu gewährleisten, werden diese Bahnübergänge
in der Regel von Stellwerken aus gesteuert und überwacht. Neben diesem vergleichsweise
hohen Aufwand für die Ausrüstung und Anbindung an ein Stellwerk sowie für die Wartung
kommt zudem noch der Aufwand für die elektrische Leistungsversorgung hinzu, sodass
allein hierführ zum Teil Leitungslängen im zweistelligen Kilometerbereich erforderlich
sind. Derartige Bahnübergänge sind beispielsweise aus den
deutschen Offenlegungsschriften DE 197 25 320 A1 und
DE 199 00 696 A1 sowie dem
deutschen Patent DE 199 28 317 C2 bekannt.
[0004] Aus Kostengründen ist es daher in der Regel unmöglich, alle ungesicherten Bahnübergänge
mit derartigen Sicherungsanlagen auszustatten. Berücksichtigt man jedoch, dass es
beispielsweise allein auf dem Gebiet der Schweiz etwa 5.000 solcher ungesicherter
Bahnübergänge gibt, bei denen es sich in der Regel um Flur-, Wander-, Spazier- und
Reitwege sowie um Zufahrten zu einzelnen Gebäuden handelt, besteht dennoch ein erheblicher
Wunsch danach, auch eine nicht vernachlässigbaren Teil dieser ungesicherten Bahnübergänge
mit Sicherungsanlagen auszustatten.
[0005] So werden beispielsweise in Einzelfällen Sicherungsanlagen installiert, die mit einem
gleich hohen Sicherheitslevel ausgestattet sind, wie dieser beispielsweise mit den
oben genannten Anlagen für Hauptstrasse realisiert ist. Aufgrund der vergleichsweise
hohen Kosten ist es jedoch oft so, dass die betroffenen Anwohner, die Gemeinden, die
Kooperationen und Firmen in der Regel ihren Anteil an den Kosten für die mit hohem
Sicherheitslevel ausgeführten Sicherheitsanlagen nicht bezahlen wollen/können und
ein Bahnübergang daher ungesichert bleibt, auch wenn ein Bedürfnis für seine Sicherung
bestehen würde.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Sicherungsanlage
für einen Bahnübergang anzugeben, die einen vergleichsweise hohen Sicherheitslevel
aufweist und trotzdem im Preis erheblich günstiger ausgestaltet werden kann.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch eine Sicherungsanlage zur Bereitstellung
eines gesicherten Bahnüberganges gelöst, welche die folgenden Komponenten umfasst:
a) eine Anzahl von die Zugrichtung auflösenden Schienenkontakten;
b) eine Anzahl von optischen und/oder akustischen Warnelementen;
c) eine Steuereinheit für die Erfassung der Signale der Schienenkontakte und zur entsprechenden
Steuerung der Warnelemente;
d) eine der Steuereinheit zugeordnete Kommunikationseinheit zur drahtlosen Kommunikation
zwischen der Steuereinheit und einer leittechnischen Einheit; und
e) eine autarke Energieversorgungseinheit zur Versorgung der vorstehenden Komponenten
mit elektrischer Leistung.
[0008] Auf diese Weise wird eine Sicherungsanlage geschaffen, die über einen vereinfachten
inselartig betreibbaren Aufbau verfügt und die dennoch aufgrund der Kommunikationsmöglichkeit
in der Lage ist, Daten zu empfangen und/oder Daten, insbesondere Störungsmeldungen,
zu senden.
[0009] Um einerseits mit der an der Sicherungsanlage zur Verfügung stehenden Energie besonders
sparsam zu haushalten und andererseits eine hinsichtlich der Leuchtmittel wartungsarme
Lösung zu erzielen, ist es vorteilhaft, wenn die optischen Warnelemente LED-Leuchtmittel
umfassen. An dieser Stelle können bei Verwendung von LED-Leuchtmittel auch aus dem
Strassenverkehr bekannte Ampelanlagen mit Gelb- und Rotlicht verwendet werden.
[0010] Eine besondere sichere und hinsichtlich der benötigten Leistung ausreichende Energieversorgung
ergibt sich, wenn die Energieversorgungseinheit als autarke Photovoltaik-Einheit mit
einem Speicherakku ausgestaltet ist und/oder wenn die Energieversorgungseinheit eine
Induktionsschleife aufweist, in der durch das Magnetfeld von Tranktionsrückströmen
Spannungen induziert werden.
[0011] Besonders vorteilhaft ist der Einsatz der Koaununikationseinrichtung in einer Weise,
dass in der Steuereinheit eine Anzahl von Störungskriterien definiert sind, bei deren
Eintreten über die Kommunikationseinrichtung eine entsprechende Störungsmeldung abgesetzt
wird. Damit ist es nicht erforderlich den Zustand der Sicherungsanlage von einem abgesetzten
Stellwerk oder einem abgesetzten Leitsystem aus zu kontrollieren, sondern die Meldung
verläuft in umgekehrter Richtung über eine drahtlose Kommunikation, falls die Sicherungsanlage
eine gemäss den Störungskriterien definierten unerwünschten zustand annimmt. Die Kommunikationseinrichtung
kann dabei als GSM-Modul oder als GSM-R-Module oder als UMTS-Modul ausgestaltet sein.
Denkbar sind natürlich auch noch andere drahtlose Übertragungsverfahren.
[0012] Um das Energiemanagement weiter auszugestalten, kann es vorgesehen sein, die Leistungsabgabe
der Energieversorgungseinheit in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit an elektrischer
Leistung zu steuern. Bei einem niedrigen Ladezustand der Energieversorungseinheit
kann beispielsweise die Blinkdauer der Leuchtmittel verkürzt und/oder das Verhältnis
von ausgeschaltetem Leuchtmittel zu eingeschaltetem Leuchtmittel vergrössert werden.
Alternativ oder auch ergänzend hierzu kann der Steuereinheit ein Helligkeitssensor
zugeordnet sein, wobei die Steuereinheit in Abhängigkeit von der ermittelten Helligkeit
die Abstrahlcharakteristik der Warnelemente einstellt. Auch mit dieser Massnahme ist
es möglich, die Helligkeit der Leuchtmittel an die Umgebungshelligkeit anzupassen
und beispielsweise bei Dämmerung und Dunkelheit erheblich weniger elektrische Leistung
für die Leuchtmittel zu verbrauchen. Bei der Verwendung von LED-Signalen können so
beispielsweise nur noch Untermengen der LED-Gesamtheit angesteuert werden.
[0013] Um eine weitere Möglichkeit zum sparsamen Umgang mit der elektrischen Energie ausschöpfen
zu können, können in der Steuereinheit Zeitintervalle definiert sein, während derer
elektrische Verbraucher ausgeschaltet sind. So können beispielsweise auf einem Nebengleisübergang
grössere Lücken im Fahrplan oder auch die Nacht als derartige Intervalle definiert
werden. Es kann aber auch möglich sein, dass sich die gesamte Sicherungsanlage erst
dann einschaltet, wenn ein Zug den ersten Schienenkontakt betätigt hat und sich wieder
ausschaltet, wenn der Zug den letzten Schienenkontakt betätigt hat.
[0014] Damit die Zeitintervalle dann auch wirklich den gewünschten täglichen Intervallen
entsprechen, kann der Steuereinheit zum Abgleich der zeitintervalle mindestens eine
Funkuhr zugeordnet sein.
[0015] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung können den übrigen Unteransprüchen
entnommen werden.
[0016] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend anhand der Zeichnung näher
erläutert. Dabei zeigt die Zeichnung in schematischer Darstellung eine Bahnstrecke
S mit vier Bahnübergängen BUel bis BUe4, die mit jeweils einer Sicherungsanlage SA
gemäss der vorliegenden Erfindung gesichert sind. Jede Sicherungsanlage SA umfasst
gleisseitig drei Paare von die Zugfahrtrichtung auflösenden Schienenkontakten SK1,
SK2 und SK3 und ein Lichtsignal LS auf jeder Seite des Gleises. Zur Energieversorgung
sind ein Solarmodul SM und eine Induktionsschleife L für eine Induzierung von Spannungen
durch Tranktionsrückströme vorgesehen. Weiter umfasst jede Sicherungsanlage SA eine
Steuereinheit SE, die über eine speicherprogrammierbare Steuerung SPS, eine Schnittstelle
I_SK für die Schienenkontakte SK1 bis SK3, eine Schnittstelle I_LS für die Lichtsignale,
eine Energieversorgungseinheit PS und eine Schnittstelle I_GSM für eine drahtlose
Kommunikation verfügt. Der SPS sind ausserdem ein Helligkeitssensor HS und eine Funkuhr
FU zugeordnet.
[0017] Fährt nun beispielsweise ein Zug auf der Strecke S von der Station A zur Station
B, passiert er den ersten Bahnübergang BUel. Dabei wird zunächst das erste Schienenkontaktpaar
SK1 aktiviert. Mit deren Aktivierung werden der Ladezustand der Energieversorgungseinheit
PS und das Signal des Helligkeitssensors HS abgefragt und eine entsprechende Ansteuerung
der Lichtsignale LS, die optional auch noch über ein akustisches Warnelement verfügen
können, vorgenommen. Die als LED-Array ausgestalteten Lichtsignale LS werden entsprechend
der Helligkeit und des Ladezustands in besonderer Weise angesteuert, um möglichst
rationell mit der zur verfügung stehenden Energie umzugehen. Die Steuerung ist dabei
beispielsweise so vorgesehen, dass mit abnehmender Helligkeit die Anzahl der zum Leuchten
gebrachten LED's abnimmt und mit abnehmendem Ladezustand die Blinkdauer herabgesetzt
und/oder die Periode zwischen zwei Leuchtphasen heraufgesetzt wird. So können beispielsweise
auch Blitzdauern von nur 1/1000 sec. vorgesehen sein, wie sie beispielsweise aus der
stromsparenden Befeuerung von Flugzeugen bekannt sind. Mit der Betätigung des in Zugfahrtrichtung
hinteren Kontakts des unmittelbar in der Nähe des Bahnübergangs BUe1 angeordneten
Schienenkontaktpaars SK3 werden dann die Lichtsignale LS ausgeschaltet und die Steuereinheit
SE wieder in einen Stand-By-Modus geschaltet.
[0018] Wegen der autarken Funktion der Sicherungsanlage SA ist der Umgang mit der zur Verfügung
stehenden elektrischen Leistung besonders effizient vorzunehmen. Aus diesem Grund
können in der SPS auch Intervalle definiert sein, während derer sämtliche nicht benötigte
elektrische Verbraucher ausgeschaltet sind. Zum zeitlichen Abgleich dieser nach der
Systemzeit der SPS gesteuerten Intervalle wird das Signal der Funkuhr FU genutzt,
die für eine von der Sicherungsanlage SA unabhängige Zeitbasis sorgt.
[0019] In der SPS sind weiter eine Anzahl von Störungskriterien definiert, wie beispielsweise
"Schienenkontaktpaar SK1 oder SK2 nicht innerhalb einer vorbestimmten zeitdauer betätigt",
"kein Stromfluss oder zu hoher Stromfluss zum Lichtsignal LS", "Ladezustand zu niedrig"
oder dergleichen, setzt die Steuereinheit über ihre Kommunikationsschnittstelle I_GSM
eine Störungsmeldung zu einem die Strecke S steuernden Leitsystem CS ab. Hierzu verfügt
eine leitsystemseitige Steuereinheit SEL ebenfalls über die Schnittstelle I_GSM, eine
speicherprogrammierbare Steuerung SPS und eine Schnittstelle I_CS zum Leitsystem CS.
Mit einer entsprechenden Serviceschnittstelle I_S kann die Sicherungsanlage SA dann
von der leitsystemseitigen Steuereinheit SEL ferngeprüft oder von der Steuereinheit
SE vor Ort geprüft werden.
[0020] Auf diese Weise ist eine Sicherungsanlage SA geschaffen, die besonders preiswert
hinsichtlich der Erstinstallation ist, und die trotzdem eine hohe verfügbarkeit bei
gleichzeitig guter Wartbarkeit aufweist. Aufgrund der intelligenten Steuerung der
Leistungsaufnahme können so auch Warnereignisse bei niedrigem Speicherzustand der
Energieversorungseinheit PS bedient werden.
1. Sicherungsanlage (SA) zur Bereitstellung eines gesicherten Bahnüberganges (BUe1 bis
Bue4), umfassend:
a) eine Anzahl von die Zugrichtung auflösenden Schienenkontakten (SK1, SK2, SK3);
b) eine Anzahl von optischen und/oder akustischen Wamelementen (LS) ;
c) eine Steuerungseinheit (SE) für die Erfassung der Signale der Schienenkontakte
(SK1, SK2, SK3) und zur entsprechenden Steuerung der Warnelemente (LS);
d) eine der Steuerungseinheit (SE) zugeordnete Kommunikationseinheit (I_GSM) zur drahtlosen
Kommunikation zwischen der Steuerungseinheit (SE) und einer leittechnischen Einheit
(CS); und
e) eine Energieversorgungseinheit (PS) zur Versorgung der vorstehenden Komponenten
mit elektrischer Leistung.
2. Sicherungsanlage (SA) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die optischen warnelemente (LS) LED-Leuchtmittel umfassen.
3. Sicherungsanlage (SA) nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Energieversorgungseinheit (PS) als autarke Photovoltaik-Einheit (SM) mit einem
Speicherakku ausgestaltet ist.
4. Sicherungsanlage (SA) nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
in der Steuerungseinheit (SE) eine Anzahl von Störungskriterien definiert sind, bei
deren Eintreten über die Kommunikationseinheit (I_GSM) eine entsprechende Störungsmeldung
abgesetzt wird.
5. Sicherungsanlage (SA) nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Kommunikationseinheit (I_GSM) als GSM-Modul ausgestaltet ist.
6. Sicherungsanlage (SA) nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Leistungsabgabe der Energieversorgungseinheit (PS) in Abhängigkeit von der verfügbarkeit
an elektrischer Leistung steuerbar ist.
7. Sicherungsanlage (SA) nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Steuerungseinheit (SE) ein Helligkeitssensor (HS) zugeordnet ist und dass die
Steuereinheit (SE)in Abhängigkeit von der ermittelten Helligkeit die Abstrahlcharakteristik
der Warnelemente (LS) einstellt.
8. Sicherungsanlage (SA) nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
in der Steuerungseinheit (SE) Zeitintervalle definiert sind, während derer elektrische
Verbraucher ausgeschaltet sind.
9. Sicherungsanlage (SA) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Steuerungseinheit (SE) zum Abgleich der zeitintervalle mindestens eine Funkuhr
(FU) zugeordnet ist.