[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung an einer Spinnereivorbereitungsmaschine,
insbesondere Strecke, Karde oder Kämmmaschine, mit einem Streckwerk, einem Streckwerksunterteil,
in dem Unterwalzen gelagert sind, und einem Streckwerksoberteil, in dem Oberwalzen
gelagert sind, wobei das Oberteil von einer Entlastungsstellung in eine Belastungsstellung
und zurück überführbar ist.
[0002] In Streckwerken von beispielsweise Kämmmaschinen und Strecken werden üblicherweise
ein oder mehrere Faserbänder klemmend zwischen den paarweise hintereinander angeordneten
Unter- und Oberwalzen verstreckt, um ein gleichmäßiges Faserband am Ausgang dieser
Textilmaschine zu erhalten. Die Oberwalzen werden in aller Regel durch Federn oder
pneumatische Druckelemente gegen die Unterwalzen gepreßt, um eine zuverlässige Klemmung
des mindestens einen Faserbandes zu erhalten. Andererseits soll bei Stillstand des
Streckwerks und damit der Walzen möglichst wenig Druck auf das im Streckwerk befindliche
Fasermaterial ausgeübt werden, damit z.B. Honigtau bei Baumwolle und Avivage bei Chemiefasern
und andere bei Erwärmung klebrig werdende Substanzen nicht durch die noch warmen Streckwerkswalzen
erwärmt und auf die Walzenoberflächen übertragen werden. Diese würden ansonsten bei
Neustart der Maschine zu unerwünschten Wickeln um die Walzen führen.
[0003] Ein zum Teil erfolgreicher Lösungsansatz für dieses Problem ist von der Rieter Strecke
RSB-D 30 her bekannt, bei der bei Stillstand bzw. Unterbrechung der Produktion ein
auf das Streckwerksoberteil wirkender Hebel durch ein Magnetventil entlastet wird,
woraufhin das Streckwerksoberteil aufgrund der genannten Druckzylinder ein Stück weit
angehoben wird, verbleiben aber noch mit ihrem Eigengewicht auf dem Fasermaterial
und den Unterwalzen. Da die Oberwalzen in der Entlastungsstellung des Streckwerksoberteils
immer noch auf den Unterwalzen aufliegen, ist keine vollständige Entlastung des Faserverbands
sowie eine Verhinderung des Verklebens aufgrund der erwärmten Oberwalzen möglich.
Es sei noch angemerkt, daß zur Verriegelung des Streckwerks das Streckwerksoberteil
durch den Hebel wieder nach unten in Richtung auf die Unterwalzen gezogen und in dieser
Position verriegelt wird.
[0004] Weiterhin ist aus der
DE 198 39 885 A1 eine entsprechende Vorrichtung bei einer Strecke bekannt, bei der die Ausgangswalze
um einen vorgegebenen Betrag von der zugehörigen Unterwalze abgehoben wird, um z.B.
das Festkleben von Fasermaterial zu verhindern. Die übrigen Oberwalzen liegen weiterhin
mit ihrem Eigengewicht in entlasteter Stellung auf den jeweiligen Unterwalzen auf.
[0005] Bei einer in der
DE 103 31 759 A1 beschriebenen Weiterentwicklung der Vorrichtung gemäß der
DE 198 39 885 A1 werden eine oder mehrere Oberwalzen von den zugehörigen Unterwalzen abgehoben, wobei
den Lagern mindestens einer Oberwalze jeweils elastisch belastete Elemente zugeordnet
sind, um die Oberwalzenlager bei Entlastung anzuheben.
[0006] Nachteilig bei den bekannten Vorrichtungen ist, daß die Einrichtungen zum Anheben
der Oberwalzen insgesamt aufwendig und damit auch kostenträchtig sind. Auch eine höhere
Störanfälligkeit ist die Folge, da eine Vielzahl von Bauelementen für jede Oberwalze
bzw. die entsprechenden Oberwalzenlager notwendig ist.
[0007] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Vorrichtung gemäß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 zur Verfügung zu stellen, bei der die Nachteile des Standes der Technik
überwunden werden.
[0008] Diese Aufgabe wird bei der Vorrichtung der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
daß eine Zwangsführungseinrichtung für das Streckwerksoberteil auf dessen Weg aus
der Entlastungsstellung in die Belastungsstellung und aus der Belastungsstellung in
die Entlastungsstellung vorgesehen ist, wobei die Zwangsführungseinrichtung das Streckwerksoberteil
in der Entlastungsstellung derart anhebt, daß die Oberwalzen vollständig von den Unterwalzen
abgehoben sind.
[0009] Die Vorteile der Erfindung liegen insbesondere darin, daß die Druckwalzen des Streckwerksoberteils
mittels der Zwangsführungseinrichtung definiert abgehoben werden und die Oberwalzen
nicht mehr mit dem Fasermaterial zwischen den Walzenpaaren in Berührung kommen. Im
Gegensatz zum Stand der Technik sind hierbei nicht die Belastungselemente für die
einzelnen Streckwerkswalzen für die Entlastung zuständig, sondern die Zwangsführungseinrichtung.
Dies hat zudem den Vorteil, daß mittels einer einzigen Einrichtung alle Oberwalzen
von den Unterwalzen abgehoben werden, was die Konstruktion vereinfacht.
[0010] Besonders bevorzugt ist die Zwangsführungseinrichtung derart ausgebildet, daß das
Streckwerksoberteil auf dem gesamten Weg zwischen der Entlastungsstellung und der
Belastungsstellung zwangsgeführt ist. Diese Maßnahme kommt einer kontrollierten Führung
des Streckwerksoberteils zugute, so daß keine sprunghaften Bewegungen des Streckwerksoberteils
auftreten können. Gleichfalls ist eine kontrolliertere Kraftausübung auf das Streckwerksoberteil
realisierbar.
[0011] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist das Streckwerksoberteil mittels
der Zwangsführungseinrichtung in der Belastungsstellung verriegelbar. Eine eigene
Anordnung zum Fixieren des Streckwerksoberteils in der Belastungsstellung ist somit
hinfällig. Die Zwangsführungseinrichtung erfüllt gemäß dieser Ausführungsform der
Erfindung zumindest zwei Aufgaben, einerseits das definierte Abheben der Oberwalzen
und andererseits die Verriegelung des Streckwerksoberteils in der Arbeits- bzw. Belastungsstellung.
[0012] Vorteilhafterweise ist das Streckwerksoberteil in bekannter Weise gegenüber dem Streckwerksunterteil
verschwenkbar ausgebildet. Diese Konstruktion ermöglicht nicht nur eine einfache Handhabung
und Zugänglichkeit des Streckwerks; auch die erfindungsgemäße Zwangsführung läßt sich
bei einer derartigen Ausbildung in einfacher Weise realisieren, da lediglich eine
Schwenkachse das Streckwerksunterteil mit dem Streckwerksoberteil miteinander verbindet.
[0013] Besonders bevorzugt umfaßt die Zwangsführungseinrichtung mindestens einen Druckzylinder,
der vorteilhafterweise seitlich des Streckwerks angeordnet ist. Zweckmäßigerweise
sind hierbei links und rechts des Streckwerks jeweils ein Druckzylinder, vorzugsweise
Pneumatikzylinder, vorgesehen. Der mindestens eine Druckzylinder dient der Zwangsbewegung
des Streckwerksoberteils entlang dem von der Zwangsführungseinrichtung vorgegebenen
Weg.
[0014] Zu diesem Zweck ist der mindestens eine Druckzylinder mit seinem einen Ende vorteilhafterweise
am Maschinengestell angelenkt, während sein anderes Ende mit dem Streckwerksoberteil
in Wirkverbindung steht.
[0015] Weiterhin umfaßt die Zwangsführungseinrichtung bevorzugtermaßen mindestens einen
seitlich des Streckwerks angeordneten Hebel, mittels dem die Kraftübertragung auf
das Streckwerksoberteil realisiert wird. Vorzugsweise ist dieser Hebel als Schwenkhebel
ausgebildet, der am Maschinengestell bzw. am Streckwerksunterteil angelenkt ist und
hierbei bevorzugtermaßen um eine horizontale Achse verschwenkbar ist.
[0016] Der vorgenannte mindestens eine Druckzylinder ist vorzugsweise mit seinem dem Streckwerksoberteil
zugewandten Ende an dem mindestens einen Schwenkhebel angelenkt. Die entsprechende
Schwenkachse ist hierbei ebenfalls horizontal und damit parallel zu der Schwenkachse
der Anlenkung des Schwenkhebels am Maschinengestell bzw. am Streckwerksunterteil ausgerichtet.
Durch Aktivieren des Druckzylinders wird somit der Schwenkhebel um seine feste Achse
seitlich des Streckwerks verschwenkt und kann bei entsprechender Ausbildung das Streckwerksoberteil
mitnehmen.
[0017] Zu dem vorgenannten Zweck weist der mindestens eine Schwenkhebel einen kurvenförmigen
Schlitz auf, in welchem ein am Streckwerksoberteil angeordneter Bolzen geführt ist.
Durch die feste Verbindung des Bolzens mit dem Streckwerksoberteil wird dieses entsprechend
dem Verlauf des Schlitzes zwangsgeführt, wenn der Druckzylinder den Schwenkhebel um
seine Schwenkachse verschwenkt.
[0018] Vorzugsweise befindet sich das Streckwerksoberteil bei ausgefahrener Kolbenstange
des mindestens einen Druckzylinders in seiner Belastungsstellung, während der Schwenkhebel
bei eingefahrener Kolbenstange den Bolzen und damit das Streckwerksoberteil in seine
Entlastungsstellung schiebt. In einer diesbezüglichen bevorzugten Ausführungsform
drückt die Oberseite des Schlitzes den Bolzen beim Belasten nach unten, während er
beim Entlasten von der Unterseite des Schlitzes aufwärts gedrückt wird.
[0019] Einer gleichmäßigen Be- und Entlastung des Streckwerks kommt es zugute, wenn jeweils
ein Druckzylinder und ein mit diesem jeweils zusammenwirkender Schwenkhebel an den
beiden Längsseiten des Streckwerks vorgesehen sind. Die beiden vorteilhafterweise
als Pneumatikzylinder ausgebildete Druckzylinder werden hierbei vorteilhafterweise
gleichzeitig be- und entlüftet, was zweckmäßigerweise mittels einer dezentralen oder
maschinenzentralen Steuerung bewirkt wird.
[0020] Besonders bevorzugt sind die beiden Druckzylinder mit einer Steuerung verbunden,
um diese bei Eintreten eines unerwarteten Ereignisses, z.B. einem Bandstau im oder
nach dem Streckwerk, zu aktivieren. Wenn eine entsprechende Sensorik beispielsweise
einen Bandstau feststellt, wird durch die Steuerung das Streckwerk abgestellt, die
Kolbenstangen der Druckzylinder eingefahren und somit das Streckwerksoberteil definiert
vom Streckwerksoberteil abgehoben, so daß kein Kontakt der Oberwalzen zum Fasermaterial
im Streckwerk bestehen bleibt. Nach Störungsbehebung kann durch Knopfdruck das Streckwerksoberteil
mit Hilfe der Pneumatikzylinder entlang der Zwangsführung wieder in seine Belastungsstellung
überführt und dort verriegelt werden.
[0021] Der genannte Schlitz ist vorteilhafterweise derart ausgebildet, daß das Streckwerksoberteil
auf seinem Weg aus der Entlastungs- in die Belastungsstellung geringfügig und kurzfristig
über die Belastungsstellung hinaus in Richtung auf das Streckwerksunterteil ausgelenkt
wird. Hierdurch wird erreicht, daß mindestens ein Schalter in seine Arbeitsposition
gebracht wird, welcher bei Wickelbildung das Stillsitzen des Streckwerks bewirkt.
Bei dieser an sich bekannten Ausgestaltung umfaßt der Schalter eine verschiebbare
Hülse zur elektrischen Kontaktherstellung bei Wickelbildung. Der Kurvenverlauf des
Schlitzes weist hierbei eine nach unten ausgeprägte Erhöhung bzw. einen Vorsprung
auf. Nach Passieren dieses Vorsprungs wird der Bolzen in dem Schlitz wieder aufwärts
geführt, um das Streckwerksoberteil in seine Belastungsstellung zu führen.
[0022] Die Erfindung umfaßt im übrigen auch eine Spinnereivorbereitungsmaschine, insbesondere
eine Karde, eine Strecke oder eine Kämmmaschine, welche die erfindungsgemäße Vorrichtung
umfaßt.
[0023] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind durch die Merkmale der Unteransprüche
gekennzeichnet.
[0024] Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigen:
- Figur 1
- eine erfindungsgemäße Vorrichtung an einem Streckwerk in Belastungsstellung;
- Figur 2
- die Vorrichtung und das Streckwerk gemäß der Figur 1 in Entlastungsstellung;
- Figur 3
- die Vorrichtung sowie das Streckwerk der Figuren 1 und 2 in Aufsicht;
- Figur 4
- einen Schwenkhebel einer Zwangsführungseinrichtung gemäß der Erfindung, und
- Figur 5
- einen Schalter zum Abstellen des Streckwerks in Seitenansicht.
[0025] In den Figuren 1 und 2 (Seitenansicht) sowie in Figur 3 (Aufsicht) ist ein Streckwerk
3 einer Kämmmaschine, die nicht näher dargestellt ist, wiedergegeben. Die Erfindung
läßt sich ohne weiteres auch bei einer Strecke bzw. einer Karde mit jeweils mindestens
einem Streckwerk realisieren. Das Streckwerk 3 besitzt mehrere Walzenpaare, die jeweils
aus einer Unterwalze 6 und einer Oberwalze 11 bestehen. Zwischen den Walzenpaaren
6, 11 wird ein Fasergemenge F (bestehend z.B. aus einem oder mehreren Faserbändern)
klemmend hindurchgeführt, wobei die Durchlaufrichtung mit einem Pfeil gekennzeichnet
ist. Vor dem Streckwerk 3 sind Führungswalzen 6a, 11a angeordnet; am Ausgang des Streckwerks
3 ist zudem eine Umlenkoberwalze 11 b vorgesehen. Der eigentliche Verzug findet zwischen
den drei mittleren Walzenpaaren 6, 11 statt, wobei diese mit in Materiallaufrichtung
zunehmenden Umfangsgeschwindigkeiten rotieren, damit ein Verzug des Fasergemenges
F erhalten wird.
[0026] Die Unterwalzen 6a, 6 sind in einem Streckwerksunterteil 5 gelagert, das Teil eines
Maschinenrahmes 2 der Spinnereivorbereitungsmaschine ist. Demgegenüber sind die Oberwalzen
11a, 11, 11 b in einem Streckwerksoberteil 10 vorgesehen, das am Streckwerkseingang
mittels einer horizontalen Schwenkachse 12 am Streckwerksunterteil 5 angelenkt. Der
Figur 2 ist entnehmbar, daß das Streckwerksoberteil 10 entsprechend dem Doppelpfeil
f
6 um die Achse 12 verschwenkbar ist, s.a. Pfeil f
1. Die Streckwerksoberwalzen 11a, 11, 11 b sind mittels Druckfedern 15 in Abwärtsrichtung
auf die Unterwalzen 6a, 6 hin belastet. In einer alternativen Ausgestaltung sind auch
pneumatische Druckelemente, hydraulische oder elektrische Druckelemente für die Belastung
der Oberwalzen 11a, 11, 11 b möglich.
[0027] In den Figuren 1 und 2 sind die Walzen 6a, 11a, 6, 11, 11b sowie die Druckfedern
15 schwach gepunktet dargestellt, obwohl diese Teile in der gewählten Seitenansicht
eigentlich nicht sichtbar wären. Allerdings verdeutlicht diese Art der Darstellung
die beiden unterschiedlichen Stellungen des Streckwerksoberteils 10.
[0028] Wie die Figur 3, bei der die obere Abdeckung des Streckwerksoberteils 10 nicht dargestellt
ist, zeigt, ist an beiden Stirnseiten jeder Oberwalze 11a, 11, 11 b jeweils eine Druckfeder
15 vorgesehen, die auf die jeweiligen Walzenenden 13 wirken. Bei dieser schematischen
Darstellung sind Details (Lagerung der Federn, die die Federn umgebenden Hülsen, usw.)
nicht dargestellt.
[0029] Erfindungsgemäß ist zum definierten Abheben des Streckwerksoberteils 10 eine Zwangsführungseinrichtung
20 vorgesehen. Diese umfaßt bei der vorliegenden Ausführungsform zwei, jeweils links
und rechts des Streckwerks 3 vorgesehene Druckzylinder 21, die hier als Pneumatikzylinder
21 ausgebildet sind und jeweils an Vertikalabschnitten von rechtwinklig gebogenen
Blechen 7, 14 um horizontale Schwenkachsen 22 angelenkt sind. Die Bleche 7 sind mit
ihren Horizontalabschnitten auf der Oberseite des Maschinengestells 2 festgemacht.
Die Bleche 14 hingegen sind in der Aufsicht L-förmig gebogen, wobei die jeweiligen
äußeren Vertikalabschnitte entlang der Vertikalabschnitte der Bleche 7 verlaufen und
die jeweiligen inneren Vertikalabschnitte den eingangsseitigen Abschnitt des Streckwerksoberteils
10 bilden. Demnach sind die Bleche 7 Teil des Streckwerksunterteils 5 und die Bleche
14 Teil des Streckwerkoberteils 10, wobei die Bleche 7, 14 über die Anlenkung 12 miteinander
verbunden sind.
[0030] Die Druckzylinder 21 weisen an ihrem der Anlenkung 22 gegenüberliegenden Ende jeweils
einen Schwenkkopf 26 auf, der mittels jeweils einer Schraubmutter 25 an der Kolbenstange
24 des jeweiligen Pneumatikzylinders 21 angebracht ist. Der Schwenkkopf 26 ist um
eine horizontale Achse 23 an einem oberen Abschnitt eines Schwenkhebels 31 angelenkt.
Der untere Abschnitt des Schwenkhebels 31 ist wiederum um eine Horizontalachse 36
verschwenkbar an dem Maschinengestell 2 angelenkt. Weiterhin weist der Schwenkhebel
31 einen nasenförmigen Ansatz 32 und einen verbreiterten, der Nase 32 gegenüberliegenden
Ansatz 33 auf. Zwischen den beiden Ansätzen 32, 33 ist ein kurvenförmiger Schlitz
34 gebildet, der zum Ausgang des Streckwerks 3 offen ist und innenseitig in einer
leicht verbreiterten Mulde 35 endet. Eine vergrößerte Seitenansicht des Schwenkhebels
31 ist in der Figur 4 wiedergegeben.
[0031] In den beiden Schlitzen 34 links und rechts des Streckwerks 3 ist jeweils ein Bolzen
19 geführt, die jeweils seitlich am Streckwerksoberteil 10 angeordnet sind. In der
Darstellung der Figur 4 liegt der Bolzen 19 in der Mulde 35 des Schlitzes 34. Wie
der Figur 1 zu entnehmen ist, befindet sich das Streckwerksoberteil 10 in dieser Stellung
in seiner - aufgrund der Ausformung der Mulde 35 - verriegelten Belastungsstellung
B.
[0032] Die Kolbenstange 24 des Pneumatikzylinders 21 ist hierbei ganz ausgefahren (siehe
Doppelpfeil f
2), wobei der Schwenkhebel 31 in Materialflußrichtung des Fasergemenges F um die Schwenkachse
36 entsprechend dem Doppelpfeil f
4 verschwenkt wurde. Auch der Schwenkkopf 26 wurde beim Ausfahren der Kolbenstange
24 ― bei gleichzeitiger geringer Verschwenkung des Pneumatikzylinders 21 um die Schwenkachse
22 - um die Schwenkachse 23 verschwenkt, siehe Doppelpfeil f
3.
[0033] Die derart realisierte Führung der Bolzen 19 und somit des gesamten Streckwerksoberteils
10 ist demnach bedingt durch die Zwangsführungseinrichtung 20, die insbesondere die
Druckzylinder 21, die Schwenkhebel 31 sowie die Bolzen 19 umfaßt. Durch die Führung
der Bolzen 19 in den jeweiligen Schlitzen 34 der Schwenkhebel 31 ist eine sichere
Belastung des Streckwerksoberteils 10 auf das Streckwerksunterteil 5 realisiert, wobei
zusätzlich das Streckwerksoberteil 10 in seiner Belastungsstellung B entsprechend
der Figur 1 verriegelt ist, indem die Bolzen 19 in der jeweiligen Mulde 35 lagern.
[0034] Gemäß der Figur 2 sind die beiden Kolbenstangen 24 im eingefahrenen Zustand dargestellt
(die Druckluftanschlüsse der beiden Pneumatikzylinder 21 sind der Einfachheit halber
nicht dargestellt). Hierbei sind die beiden Schwenkhebel 31 um die jeweilige Achse
35 entgegen der Richtung des Materialflusses verschwenkt worden, wobei die Bolzen
19 entlang der Oberkante 34b des Ansatzes 33 geführt und entsprechend dem Kurvenverlauf
des Schlitzes 34 nach oben gedrückt werden. Hierbei werden das Streckwerksoberteil
10 und insbesondere die Oberwalzen 11 a, 11, 11 b angehoben und nehmen einen definierten,
kontaktlosen Abstand zu den Unterwalzen 6a, 6 und dem Fasergemenge F ein. Ein Festkleben
des oder der Faserbänder insbesondere an den Oberwalzen 11 a, 11, 11 b wird somit
wirkungsvoll verhindert, da insbesondere Honigtau oder Avivage aufgrund des fehlenden
Drucks und der Wärme der Oberwalzen nicht mehr in einen klebrigen Zustand überführt
werden.
[0035] In der in Figur 2 dargestellten Entlastungsstellung E kann nunmehr das Streckwerksoberteil
10 entsprechend dem Doppelpfeil f
6 (s. Figur 2) aufwärts verschwenkt werden, um beispielsweise Fasermaterial F in das
Streckwerk 3 einzulegen, Fasermaterial zu entfernen oder Wartungsarbeiten durchzuführen.
[0036] Wie insbesondere der Figur 4 zu entnehmen ist, werden beim Überführen des Streckwerksoberteils
10 von der Entlastungsstellung E in die Belastungsstellung B die Bolzen 19 entlang
der Unterkante 34a des Ansatzes 32 geführt. Hinzu kommt, daß an dieser Unterkante
34a ein in den Schlitz 34 vorragender Vorsprung 37 vorgesehen ist, über den der Bolzen
19 beim Belasten bzw. Verriegeln des Streckwerksoberteils 10 geführt wird. Hierdurch
wird das Streckwerksoberteil 10 kurz vor Erreichen der Belastungsstellung B für kurze
Zeit und geringfügig über die Belastungsstellung B hinaus in Richtung auf das Streckwerksunterteil
5 ausgelenkt, bevor es in seine in der Figur 4 gezeigte Ruhestellung bzw. endgültige
Belastungsstellung B einläuft. Der Vorsprung 37 bzw. die kurzfristige Überbelastung
dient dem Zweck, mindestens einen Schalter zur Abstellung des Streckwerks bei Wickelbildung
und Abheben des Streckwerkoberteils 10 mittels der erfindungsgemäßen Zwangsführungseinrichtung
20 zu aktivieren.
[0037] Ein derartiger in Figur 5 im Schnitt (gegenüber den Walzen 6, 11 vergrößert) dargestellter
Schalter 40 umfaßt eine um einen Führungsstift 42 herum angeordnete metallische Hülse
41. Wenn sich um die Oberwalze 11 ein Wickel bildet, wird diese Walze 11 nach oben
verschoben (s. Pfeil f
7) und drückt hierbei den Führungsstift 42 und mit diesem die Hülse 41 aufwärts (s.
Pfeil f
8). Hierdurch wird die Hülse 41 gegen ein feststehendes metallisches Gegenstück 43
gedrückt, wobei ein elektrischer Kontakt hergestellt wird, der mit Hilfe einer nicht
dargestellten Steuerung das Streckwerk 3 abschaltet und das Streckwerksoberteil 10
durch Aktivieren der Pneumatikzylinder 21 vom Streckwerksunterteil 5 definiert abhebt.
Wenn die Bolzen 19 nach Öffnen des Streckwerks 3 und dem Entfernen des Wickels beim
anschließenden Schließen des Streckwerkoberteils 10 mit Hilfe der Pneumatikzylinder
21 wieder über den jeweiligen Vorsprung 37 geführt werden, wird die Hülse 41 in ihre
in Figur 5 dargestellte Ausgangslage zurückgeführt, von der aus sie bei einer Wickelbildung
wiederum verschoben werden kann.
[0038] Die Erfindung wurde anhand eines in den Figuren dargestellten Ausführungsbeispiels
beschrieben, ist hierauf aber nicht beschränkt. Abwandlungen im Rahmen der Patentansprüche
sind möglich.
1. Vorrichtung an einer Spinnereivorbereitungsmaschine, insbesondere Strecke, Karde oder
Kämmmaschine, mit einem Streckwerk (3), einem Streckwerksunterteil (5), in dem Unterwalzen
(6) gelagert sind, und einem Streckwerksoberteil (10), in dem Oberwalzen (11) gelagert
sind, wobei das Oberteil (10) von einer Entlastungsstellung (E) in eine Belastungsstellung
(B) und zurück überführbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß eine Zwangsführungseinrichtung (20) für das Streckwerksoberteil (10) auf dessen Weg
aus der Entlastungsstellung (E) in die Belastungsstellung (B) und aus der Belastungsstellung
(B) in die Entlastungsstellung (E) vorgesehen ist, wobei die Zwangsführungseinrichtung
(20) das Streckwerksoberteil (10) in der Entlastungsstellung (E) derart anhebt, daß
die Oberwalzen (11) vollständig von den Unterwalzen (6) abgehoben sind.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Zwangsführungseinrichtung (20) das Streckwerksoberteil (10) auf dem gesamten
Weg zwischen Entlastungsstellung (E) und Belastungsstellung (B) zwangsführt.
3. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zwangsführungseinrichtung (20) das Streckwerksoberteil (10) in der Belastungsstellung
(B) verriegelt.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Streckwerksoberteil (10) gegenüber dem Streckwerksunterteil (5) verschwenkbar
ist.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Streckwerksoberteil (10) in der Entlastungsstellung (E) vom Streckwerksunterteil
(5) wegschwenkbar ist.
6. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zwangsführungseinrichtung (20) mindestens einen seitlich des Streckwerks (3)
angeordneten Druckzylinder (21) umfaßt.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das eine Ende des mindestens einen Druckzylinders (21) am Maschinengestell (2) angelenkt,
während das andere Ende (26) mit dem Streckwerksoberteil (10) in Wirkverbindung steht.
8. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zwangsführungseinrichtung (20) mindestens einen seitlich des Streckwerks (3)
angeordneten Hebel (31) umfaßt.
9. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Hebel (31) als am Maschinengestell (2) oder am Streckwerksunterteil (5) angelenkter
Schwenkhebel (31) ausgebildet ist.
10. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das dem Streckwerksoberteil (10) zugeordnete Ende des mindestens einen Druckzylinders
(21) an dem mindestens einen Schwenkhebel (31) angelenkt ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß der mindestens eine Schwenkhebel (31) einen kurvenförmigen Schlitz (34) aufweist,
in dem ein dem Streckwerksoberteil (10) zugeordneter Bolzen (19) geführt ist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß der Schlitz (34) einen konkaven, abwärts gewölbten Kurvenlauf aufweist, so daß sich
das schwenkbare Streckwerksoberteil (10) bei eingefahrener Kolbenstange (24) des Druckzylinders
(21) aufgrund der Führung des mindestens einen Bolzens (19) in dem mindestens einem
Schlitz (26) in der Entlastungsstellung (E) befindet.
13. Vorrichtung nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, daß der Bolzen (19) beim Belastungsvorgang von einer den Schlitz (34) oberseitig begrenzten
Kante (34a) abwärts gedrückt und beim Entlastungsvorgang von einer den Schlitz (34)
unterseitig begrenzenden Kante (34b) aufwärts gedrückt wird.
14. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß jeweils ein Druckzylinder (21) und ein mit diesem zusammenwirkender Schwenkhebel
(31) an den beiden Längsseiten des Streckwerks (3) angeordnet sind.
15. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Druckzylinder (21) mit einer elektronischen Steuerung verbunden und durch diese
betätigbar sind.
16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß der Schlitz (34) der Zwangsführungseinrichtung (20) derart ausgebildet ist, daß das
Streckwerksoberteil (10) kurz vor Erreichen der Belastungsstellung (B) geringfügig
und kurzfristig über die Belastungsstellung (B) hinaus in Richtung auf das Streckwerksunterteil
(5) ausgelenkt wird, wobei mindestens ein einer Unter- oder Oberwalze (6, 11) zugeordneter
elektrischer Schalter (40), der die Überführung des Streckwerksoberteils (10) in seine
Entlastungsstellung (E) schaltet, in seine Arbeitsposition gebracht wird.
17. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein Vorsprung (37) von oben in den Schlitz (34) hineinragt, so daß der Bolzen (19)
beim Belastungsvorgang über diesen Vorsprung (37) und anschließend wieder aufwärts
in eine Mulde (35) geführt wird, in welcher der Bolzen (19) in der Belastungsstellung
(B) verharrt.
18. Vorrichtung nach Anspruch 16 und 17, dadurch gekennzeichnet, daß der Schalter (40) eine in Entlastungsrichtung verschiebbare, metallische, einen Führungsstift
(42) umgebende Hülse (41) umfaßt, die einem metallischen Gegenkontakt (43) gegenüber
angeordnet ist und bei Wickelbildung an der entsprechenden Walze (6, 11) gegen diesen
Gegenkontakt (43) geschoben wird.
19. Spinnereivorbereitungsmaschine mit einer Vorrichtung nach mindestens einem der vorhergehenden
Ansprüche.