| (19) |
 |
|
(11) |
EP 1 741 810 A1 |
| (12) |
EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
| (43) |
Veröffentlichungstag: |
|
10.01.2007 Patentblatt 2007/02 |
| (22) |
Anmeldetag: 05.07.2005 |
|
| (51) |
Internationale Patentklassifikation (IPC):
|
|
| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
|
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IS IT LI LT LU LV MC NL PL PT RO SE
SI SK TR |
|
Benannte Erstreckungsstaaten: |
|
AL BA HR MK YU |
| (71) |
Anmelder: H.-D. Stürmer u. K. Böhler |
|
79098 Freiburg (DE) |
|
| (72) |
Erfinder: |
|
- Stürmer, Hans-Dieter
DE-79256 Buchenbach (DE)
- Böhler, Kurt
76275 Ettingen (DE)
|
|
| |
|
|
|
Bemerkungen: |
|
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86 (2) EPÜ. |
|
| (54) |
Verfahren und Vorrichtung zur mechanischen Aufbereitung von Pflanzenfasern |
(57) Die Anmeldung beschreibt ein Verfahren zur Aufbereitung faserhaltiger Pflanzenmassen
in die Komponenten, d.h. in erster Linie Holzteile ("Schäben") und Fasermasse, wobei
letztere gleichzeitig zu Feinfasern aufgeschlossen wird, und die dazugehörige Vorrichtung
in für die Praxis möglichen Varianten.
Erfindungsgemäß dient dazu eine Vorrichtung, welche Scherkräfte auf die in geeigneter
Weise ("Röste") vorbehandelten Pflanzenstängel (Stroh) einwirken lässt, hervorgerufen
durch mindestens zwei sich drehende Elemente (z.B. Walzen), deren Achsen um etwa 90°
gedreht zueinander stehen.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Gewinnung besonders
holzfreier wollartiger Fasermassen aus pflanzlichen Rohfasern, insbesondere der Bastfaserpflanzen,
wie Flachs, Nessel, Hanf, Ramie.
Problembeschreibung:
[0002] Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe auf Basis von Pflanzenfasern setzt voraus,
dass der Schritt von den getrockneten Pflanzenteilen zu mechanisch und chemisch möglichst
homogenen Fasermassen zuverlässig und preisgünstig realisiert werden kann.
[0003] Die klassische Aufbereitung beruhte darauf, daß sich die Faserbündel bei grober mechanischer
Einwirkung in Form von Quetsch- oder Schlagvorgängen weitgehend voneinander lösen,
die Schäben werden dann mechanisch abgetrennt und die feinen Faserbündel durch Hecheln
weiter strukturiert. Derartige Fasermassen enthalten Cellulosefasern, die für viele
Anwendungen - z.B. in der Textiltechnik - zu kurz werden.
[0004] Langfasern (ab 40 cm) werden mit der klassischen Rotations-Schwinge erhalten. Dabei
müssen die Stängel längs einer Walze in einen Aufbereitungsraum eingebracht werden,
wobei die Walze mit gedrallten Blechen besetzt ist. Die Pflanzenmasse wird an wechselnden
Stellen von Ketten festgehalten, so dass Bleche die Schäben ausschlagen können. Dieser
Vorgang ist aufwändig und führt zu Fasern, die für viele heutige industrielle Zwecke
(z.B. Vliesherstellung) zu lang sind.
[0005] Seit 1995 ist es gelungen, mit Hilfe einer Mühle, die nicht schneidend oder quetschend,
sondern mit beweglichen Messern in pulsierender Weise zugleich schlagend und schräg
ziehend auf die Faserbündel einwirkt, Fasern mit einer Länge von bis zu ca. 15 cm
zu erhalten. Der Entschäbungsgrad und die Feinheit des Aufschlusses sowie der Durchsatz
der Masse je Stunde sind allerdings (abhängig vom Röstegrad) häufig eingeschränkt.
[0006] Wünschenswert wäre daher ein schneller wirkender Trennvorgang, der ohne großen Kostenaufwand
Faserlängen im Bereich von 5 bis 30 cm bereit stellt.
Problemlösung:
[0007] Eine weitere Steigerung der Qualität ist möglich, indem erfindungsgemäß ein Aufbereitungsschritt
vorgeschaltet wird, in dem ein Schervorgang für weitgehende Entschäbung und eine erste
Lösung der Faserbündel voneinander sorgt.
[0008] Dies ist erreichbar, indem einerseits wie bei der klassischen Schwinge Scherkräfte
eingesetzt werden, andererseits aber die Geschwindigkeit und Robustheit von mindestens
zwei gegeneinander gedrehten Rotoren zum Tragen kommt. Dabei dient der erste Rotor
dem Transport zum zweiten, der infolge der gedrehten Anordnung seiner Achse Scherkräfte
entstehen lässt. Gestaltet man die beiden Rotoren geschickt, so hält der erste die
vom Gewicht angedrückte Fasermasse noch nachgebend fest, während der zweite mit höherer
Winkelgeschwindigkeit die Schäben ausschlägt und anschließend die ausgescherte Faser
mit abtransportiert.
[0009] Durch das Verhältnis der Geschwindigkeiten lassen sich weitere Eigenschaften der
entstehenden Fasermassen beeinflussen, ferner durch die Gestaltung der Oberflächen
der Rotoren, beispielsweise durch gezackte Klemmbleche auf dem ersten oder dem Zweck
entsprechende Profilgebung auf dem zweiten.
[0010] Experimente zeigten, dass bei derartigen Anordnungen auch eine Fibrillierung der
Cellulosefasern, in der Fachwelt Feinaufschluss oder Cottonisierung genannt, eingeleitet
werden kann. Weitere Vorteile sind insbesondere dadurch zu erreichen, dass eine Weiterverarbeitung
in einer der oben genannten bereits nach dem Stand der Technik konstruierten Aufbereitungsmaschine
durchgeführt wird.
[0011] Da der zweite Rotor hohe Winkelgeschwindigkeiten erreichen kann, ist die Führung
der entstandenen Fasermasse mit Hilfe der mitgeschleppten Luft durch angefügte Kanäle
direkt zu weiterverarbeitenden Maschinen möglich, auch die Ausschleusung von Staub
und Schäben sowie weitere Modifikationen werden erleichtert.
[0012] Die Versuche mit der beschriebenen Anordnung haben gezeigt, dass auf die genannte
Weise bisher nicht erreichte Faserlängen und Qualität bei geminderten Investitionskosten
produziert werden.
1. Verfahren zur gleichzeitigen Entholzung und Aufbereitung von Pflanzenmaterial zum
Zwecke der Gewinnung von feinstrukturierten Fasermassen, dadurch gekennzeichnet, dass auf das in geeigneter Weise vorbehandelte Material Scherkräfte ausgeübt werden, die
dadurch entstehen, dass sich das Material zwischen zwei sich drehenden Walzen oder
Rotoren befindet, deren Achsen um etwa 90° gedreht zueinander stehen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
die entstehenden Scherkräfte durch Einstellung der Winkelgeschwindigkeiten der Rotoren
und ihres Verhältnisses zueinander wesentlich beeinflusst werden.
3. Vorrichtung zur Realisierung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Maschine eingesetzt wird, bei der sich ein Rotor oder eine Walze so bewegt,
dass die Pflanzenmasse in Richtung eines zweiten Rotors gedrückt wird, welcher sich
quer zur Schubrichtung dreht und somit die Pflanzenmasse um etwa 90° gedreht schlägt
und auswirft.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die offene seitliche Oberfläche des zweiten Rotors mit Profilen versehen und gestaltet
wird.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Gerät zur Weiterverarbeitung mit einer der bereits nach dem Stand der Technik
konstruierten Aufbereitungsmaschinen kombiniert wird, insbesondere mit einer Vorrichtung,
die eine pulsationsartige Beaufschlagung der Fasermasse bewirkt.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Rotor als Auswurfrad dient, indem die angesaugte Luft dem Transport der
entstandenen Fasermasse durch angefügte Kanäle sowie der Ausschleusung von Staub und
Schäben dient.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86(2) EPÜ.
1. Verfahren zur gleichzeitigen Entholzung und Aufbereitung von Pflanzenmaterial zum
Zwecke der Gewinnung von feinstrukturierten Fasermassen, dadurch gekennzeichnet, dass auf das in geeigneter Weise vorbehandelte Material Scherkräfte ausgeübt werden, die
dadurch entstehen, dass sich das Material zwischen zwei sich drehenden Walzen oder
Rotoren befindet, deren Achsen um etwa 90° gedreht zueinander stehen, und zwar so,
dass die zweite Walze mit auf der Stirnseite angebrachten Transportelementen in axialer
Richtung die von der ersten Walze tangential herangeführten Stängel drehend erfasst.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
die entstehenden Scherkräfte durch Einstellung der Winkelgeschwindigkeiten der Rotoren
und ihres Verhältnisses zueinander wesentlich beeinflusst werden.
3. Vorrichtung zur Realisierung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine Maschine eingesetzt wird, bei der sich ein Rotor oder eine Walze so bewegt,
dass die Pflanzenmasse in Richtung eines zweiten Rotors gedrückt wird, welcher sich
quer zur Schubrichtung dreht und somit die Pflanzenmasse um etwa 90° gedreht schlägt
und auswirft.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die zur Stirnfläche hin offenen Transportelemente des zweiten Rotors mit Profilen
gestaltet werden.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Gerät zur Weiterverarbeitung mit einer der bereits nach dem Stand der Technik
konstruierten Aufbereitungsmaschinen kombiniert wird, insbesondere mit einer Vorrichtung,
die mit Hilfe von beweglich angeordneten Schlegeln eine pulsationsartige Beaufschlagung
der Fasermasse bewirkt.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Rotor als Auswurfrad dient, indem die angesaugte Luft dem Transport der
entstandenen Fasermasse durch angefügte Kanäle sowie der Ausschleusung von Staub und
Schäben dient.

