[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Gewinnung von Verkehrsfluss-Informationen,
bei dem Positionsdaten einschließlich einer Kennung von wenigstens einem in einem
Fahrzeug mitgeführten, eingeschalteten mobilen Endgerät aus Signalisierungsdaten zwischen
Basisstationen und wenigstens einer zentralen Vermittlungsstelle eines zellularen
Netzes mit in Zellen-Bereichen zusammengefassten Zellen gewonnen werden, diese Positionsdaten
mit Zeitstempel-Daten kombiniert werden, und diesen kombinierten Positionsdaten Kartendaten
zugeordnet werden, mit denen zusammen sie zur Gewinnung der Verkehrsfluss-Informationen
verarbeitet werden.
[0002] Weiters bezieht sich die Erfindung auf ein System zur Gewinnung von Verkehrsfluss-Informationen,
bei dem zur Gewinnung von Positionsdaten einschließlich einer Kennung von wenigstens
einem in einem Fahrzeug mitgeführten, eingeschalteten mobilen Endgerät aus Signalisierungsdaten
zwischen Basisstationen und wenigstens einer zentralen Funkvermittlungsstelle eines
zellularen Netzes mit in Zellen-Bereichen zusammengefassten Zellen Sonden an den Verbindungen
zwischen den Basisstationen und der zentralen Funkvermittlungsstelle angeordnet sind
und eine Überwachungseinheit an die Sonden angeschlossen ist, um Signalisierungsdaten
zu erfassen, die einer Analyseeinheit zugeführt werden, der weiters Datenbankmittel
für Kartendaten zugeordnet sind.
[0003] Aus der
DE 100 32 800 A1 ist ein Verfahren zur Erfassung von Verkehrslagedaten bekannt, wobei ein zellulares
Mobilfunknetz benützt wird, das eine Vielzahl von eine eindeutige Identifikation aufweisenden
Basisstationen und damit Zellen enthält, die das betrachtete Verkehrswegenetz überdecken;
in diesem Verkehrswegenetz befinden sich Fahrzeuge, in denen zum Mobilfunknetz gehörige
mobile Endgeräte vorhanden sind. Wenn dabei ein Fahrzeug mit einem darin befindlichen
mobilen Endgerät betrachtet wird, so wird die Fahrt dieses Fahrzeuges anhand der Identifikation
der Basisstationen bzw. Zellen verfolgt, wobei über diese Zellen-Identifikationen
der Streckenverlauf im Verkehrswegenetz eruiert wird. Ein Problem dabei ist jedoch,
dass nur aktiv benützte mobile Endgeräte über die Basisstationen erfasst werden, also
Mobiltelefone, die nicht nur eingeschaltet sind, sondern auch aktiv an einer Kommunikation
mit einem anderen Teilnehmer beteiligt sind. Dadurch werden jene mobilen Endgeräte
nicht mit einbezogen, die zwar eingeschaltet sind, jedoch momentan nicht aktiv benutzt
werden. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass nur ein Bruchteil von in Fahrzeugen
befindlichen mobilen Endgeräten, nämlich ca. 2-5%, aktiv in Betrieb ist; dadurch können
aber nur sehr vage Aussagen über das Verkehrsgeschehen getroffen werden.
[0004] Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass im Bereich der Basisstationen bzw. diesen
Baustationen die zugehörigen A
bis-Schnittstellen keine standardisierten elektronischen Einrichtungen, sondern je nach
Hersteller unterschiedliche Standards aufweisende Einrichtungen im Einsatz sind. Dadurch
sind bei der Datenerfassung in diesem Bereich der A
bis-Schnittstellen Probleme gegeben, da abgesehen davon, dass die jeweilige Zustimmung
des Netzbetreibers erforderlich ist, auch Adaptierungen der Sonden je nach Geräteart
erforderlich sind.
[0005] Ein besonders schwerwiegender Nachteil liegt ferner darin, dass es eine Vielzahl
von Basisstationen gibt und dementsprechend gleich viele A
bis-Verbindungen vorhanden sind, die mit Hilfe von Sonden überwacht werden müssen. Dies
bedeutet nicht nur, dass eine entsprechende Vielzahl von Sonden für die Datenaufnahme
zu installieren ist, sondern dass auch eine äußerst große Menge von Daten zu erfassen
und zu sondieren ist, wobei auch zu berücksichtigen ist, dass über die A
bis-Schnittstellen der gesamte Signalisierungsverkehr abgewickelt wird und demgemäß an
sich pro A
bis-Verbindung eine äußerst große Anzahl von Signalisierungen verarbeitet werden muss.
[0006] Weiters ist nachteilig, dass eine durchschnittliche Gesprächsdauer, wie Untersuchungen
gezeigt haben, ungefähr zwei Minuten beträgt, was im Falle einer Bewegung eines Fahrzeugs
auf einer Autobahn mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h einer Strecke von 4 km entspricht.
Demgemäß kann ein aktiver Teilnehmer, d.h. ein aktives mobiles Endgerät, im Schnitt
nur 4 km lang (z.B. auf einer Autobahn) verfolgt werden, was die Auswertung und Gewinnung
von Informationen über ein Verkehrsgeschehen in größeren Verkehrswegenetz-Bereichen,
etwa auf einer Autobahnstrecke mit einer Länge von 50 oder 100 km, zusätzlich erschwert.
[0007] Die vorstehenden Nachteile treffen in gleicher Weise auf das Verfahren und System
zum Ermitteln der Fortbewegungszeit einer mobilen Nutzer-Endeinrichtung gemäß der
DE 101 49 943 A1 zu, da auch dort die Bestimmung der Positionen der Endeinrichtungen (d.h. Endgeräten)
auf aktiv benützte Endeinrichtungen beschränkt ist, wobei die hierfür erforderlichen
Informationen über die Basisstationen, somit wiederum über die A
bis-Verbindungen, gewonnen werden.
[0008] Gemäß der
DE 103 34 140 A erfolgt bei der dort beschriebenen Ermittlung von Verkehrsdaten ebenfalls eine zellulare
Positionsbestimmung, wobei im Einzelnen der Wechsel eines aktiven Endgerätes von einer
Mobilfunkzelle in die nächste erfasst wird, und wobei im Übergangsbereich ein Straßenabschnitt
zugeordnet wird, so dass eine virtuelle Zählstelle für die von der einen Zelle in
die andere wechselnden Fahrzeuge (aber nur für jene Fahrzeuge, in denen sich ein aktiv
betriebenes Mobiltelefon befindet) geschaffen wird. Über diese Zählungen wird dann
auf die Verkehrsstärke geschlossen, wobei auch vorgesehen ist, öffentliche Verkehrsmittel
(d.h. genauer in öffentlichen Verkehrsmitteln befindliche aktive Endgeräte) von dieser
Verkehrszählung durch Ausfiltern der entsprechenden Daten auszuschließen.
[0009] Auch im Artikel von
Jean-Gabriel Remy, "Computing travel time estimates from GSM signalling messages:
the STRIP project", 2001 IEEE Intelligent Transportation Systems Conference Proceedings
- Oakland (CA), USA - August 25-29, 2001, Seiten 6-9, wird ein System zum Abschätzen von Fahrzeiten auf der Basis von Funktelefon-Signalisierungsdaten
angesprochen, wobei wiederum im Speziellen aktive, also in ein Gespräch involvierte
Funktelefongeräte zugrunde gelegt werden. Es wird zwar auf bloß eingeschaltete, nicht
aktive Endgeräte ebenfalls hingewiesen, jedoch nur mit dem Hinweis, dass hier die
Positionsbestimmung, wenngleich im Prinzip möglich, so doch mühsam wäre. Demgegenüber
wird herausgestellt, dass angenommen wird, dass 5% der Fahrzeuge (nämlich offenbar
jene mit aktiven mobilen Telefongeräten) ausreichend für eine Abschätzung von Fahrzeiten
wären. Betont wird weiters, dass die Aufnahme von Positionsdaten die Belastung des
Funknetzes nicht beeinflussen darf. Nachteilig ist aber auch hier wiederum, dass bei
der konkret beschriebenen Ausführung im Mobiltelefonnetz an den A
bis-Schnittstellen (also den Schnittstellen zwischen den Basisstationen und den zugehörigen
Basisstationen-Controllern) die Daten aufgenommen werden sollen, was die Nachteile
der riesigen zu verarbeitenden Datenmengen, der Notwendigkeit der vielen Sonden, der
Hersteller-abhängigen Schnittstelleneinrichtungen und somit der Anpassung der Sonden
an letztere mit sich bringt.
[0010] In der
DE 102 37 563 A1 ist schließlich noch eine Technik zur Ermittlung von Standortdaten von beweglichen
Objekten beschrieben, bei der die Standortdaten entweder mittels GPS ermittelt und
mittels eines mobilen Endgeräts oder aber durch die Basisstationen von Mobilfunkzellen
zu einer Vermittlungsstelle weitergeleitet werden. Auch hier ergeben sich somit zumindest
die vorstehend erläuterten Nachteile.
[0011] Es ist nun Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren sowie ein System wie eingangs angegeben
vorzusehen, wobei von vorneherein weniger Daten für die Gewinnung durch Verkehrsfluss-Informationen
aufzunmehmen sind, weiters mit einer wesentlich kleineren Anzahl von Sonden das Auslangen
gefunden werden kann und überdies die Installation der erforderlichen Einrichtungen
vereinfacht wird. Weiters sollen bei der erfindungsgemäßen Technik alle Teilnehmer,
d.h. mobiler Endgeräte, erfasst werden, die mit einem eingeschalteten Mobil-Endgerät
unterwegs sind, ohne dass eine aktive Gesprächsverbindung für die Erfassung notwendig
ist, d.h. ohne dass das mobile Endgerät aktiv benutzt werden muss.
[0012] Die Erfindung beruht dabei auf der Erkenntnis, dass für die Gewinnung der Positionsdaten
und für die Herleitung der Verkehrsfluss-Informationen Positionsdaten herangezogen
werden können, die nicht nur zwischen Basisstationen und Basistationen-Controllern,
sondern auch zwischen letzteren und der oder den zentralen Funkvermittlungsstellen
übertragen werden. Diese Positionsdaten sind Aktualisierungsdaten, und zwar im Fall
eines GSM-Netzes insbesondere die "Location Updates", im Fall von GPRS die "Routing
Area Updates" und im Fall eines UMTS-Netzes die "Location/Routing/UTRAN Area Updates".
Diese Aktualisierungsdaten werden jeweils beim Wechsel von einem Zellen-Bereich (bei
GSM-Netzen "Location Area", bei GPRS "Routing Area", und bei UM-TS "UTRAN Area" genannt)
in einen nachfolgenden Zellen-Bereich verfügbar, d.h. bei einem solchen Wechsel des
Zellen-Bereichs findet die vorgenannte Lokalisierungs-Aktualisierung statt, wobei
jeweils die Identifikation der ersten Zelle des neuen Zellen-Bereichs mitübertragen
wird. Dies wird bei der erfindungsgemäßen Technik ausgenützt, so dass beim Eintritt
in den jeweils neuen Zellen-Bereich eine genaue Position - mit der Auflösung einer
Zelle - ermöglicht wird, ohne dass hiefür eine aktive Gesprächssignalisierung notwendig
ist.
[0013] Demgemäß sieht die Erfindung zur Lösung der vorstehend angeführten Aufgabe ein Verfahren
sowie ein System gemäß den anliegenden unabhängigen Ansprüchen vor. Vorteilhafte Ausführungsformen
und Weiterbildungen sind in den jeweiligen abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0014] Gemäß der Erfindung wird somit an der oder den zentralen Funkvermittlungsstellen
(MSC - Mobile Switching Center), somit an der A-Schnittstelle im Fall eines GSM-Netzes
bzw. der Gb-Schnittstelle im GPRS-Fall und an der Iu-Schnittstelle im Fall eines UMTS-Netzes,
die Erfassung der Signalisierungsdaten vorgenommen. Dadurch, dass die Position des
jeweiligen Fahrzeuges mit eingeschaltetem mobilen Endgerät mit Zellengenauigkeit,
wenn auch bloß bei Eintritt in einen neuen Zellen-Bereich, erfasst wird, erreicht
die erfindungsgemäße Technik eine Genauigkeit der Positionierung in Zellengröße, vergleichbar
den Systemen gemäß Stand der Technik. Gegenüber dem Stand der Technik wird jedoch
der beträchtliche Vorteil erreicht, dass eine wesentlich geringere Datenmenge zu erfassen
und zu verarbeiten ist, und dass auch viel weniger Sonden zu installieren sind, um
die gewünschten Signalisierungsdaten zu erfassen, wobei die Reduktion dem Umstand
entspricht, dass anstatt der Zellen nunmehr die jeweils eine Mehrzahl von Zellen enthaltenden
Zellen-Bereiche (bzw. genauer die Verbindungen von deren Basisstationen-Controllern
zur zugehörigen zentralen Funkvermittlungsstelle) überwacht werden. Es ist also nunmehr
nicht die Anzahl der Zellen selbst, sondern die Anzahl der Zellen-Bereiche für die
Anzahl der Sonden maßgeblich, und überdies kommt zum Tragen, dass dann auch nur die
jeweiligen Positions-Aktualisierungsdaten (beim Eintritt in den jeweiligen neuen Zellen-Bereich)
extrahiert und der Verarbeitung zwecks Gewinnung der Verkehrsfluss-Informationen zugeführt
werden müssen. Ein weiterer Vorteil ist, dass im Bereich der A-Schnittstelle (bzw.
Gb- oder Iu-Schnittstelle) regelmäßig standardisierte Einrichtungen vorliegen, so
dass bei der Montage der Sonden keinerlei Adaptierungen notwendig sind.
[0015] Damit erbringt die Erfindung im Vergleich zum Stand der Technik eine beträchtliche
apparative und verfahrensmäßige Vereinfachung, ohne dass eine Einbuße in der Genauigkeit
der Positionierung hingenommen werden müsste; ein weiterer Vorteil ist, dass nunmehr
anders als bei den Systemen gemäß Stand der Technik auch bloß eingeschaltete, nicht
aktiv benutzte Mobiltelefone (mobile Endgeräte) berücksichtigt werden, so dass die
Verlässlichkeit der berechneten Verkehrsfluss-Informationen wesentlich erhöht wird.
[0016] Jedes erfasste Ereignis, also die jeweiligen Positionsdaten mit Endgerät-Kennung
und Identifikation der jeweiligen ersten Zelle des neuen Zellen-Bereichs, wird wie
an sich bekannt mit einem Zeitstempel versehen, und es werden wie ebenfalls an sich
bekannt die geographischen Koordinaten zugeordnet. Die Zeit für die Zeitstempel-Daten
wird zweckmäßig von einer System-internen Uhr übernommen, und die geographischen Koordinaten
werden aus Datenbankmitteln entnommen und durch Map-Matching zugeordnet. Es ist dann
problemlos möglich, die Geschwindigkeiten aller Teilnehmer bzw. Endgeräte, die sich
durch einen Zellen-Bereich zum nächsten bewegen, zu ermitteln. Wenn nun beispielsweise
ein bestimmter Autobahn-Abschnitt überwacht wird, ist es möglich, zur Verringerung
des Rechenaufwandes nur solche Endgeräte zu berücksichtigen, die in vordefinierten
Zellen (nämlich jenen, die dem gewünschten Autobahn-Abschnitt entsprechen) eine Zellen-Bereichs-Grenze
überschritten haben, d.h. es wird von vornherein die zu verarbeitende Datenmenge zusätzlich
reduziert. Sodann können alle jene Endgeräte ausgefiltert werden, deren Geschwindigkeit
nicht einen bestimmten Minimalwert erreicht bzw. nicht in ein bestimmtes Intervall
fällt, wobei selbstverständlich hier auf die herrschenden Verkehrszustände Rücksicht
zu nehmen ist. Weiters können alle Teilnehmer des öffentlichen Verkehrs (also z.B.
Endgeräte, die in Bussen mitgeführt werden) ausgeklammert werden, wobei hiefür ein
Vergleich mit historischen Daten bzw. mit Fahrplänen des öffentlichen Verkehrs zugrunde
gelegt werden kann; andererseits kann der öffentliche Verkehr auch direkt aus den
erfassten Daten ausgeklammert werden, etwa indem periodischen Spitzen verglichen werden,
die aufgrund des öffentlichen Verkehrs entstehen, bzw. insbesondere wenn für mehrere
Endgeräte jeweils idente Zeitstempel vorliegen, die (wenn sie ein bestimmtes Mindestmaß
überschreiten) nicht in herkömmlichen Fahrzeugen, sondern in Bussen, insbesondere
in öffentlichen Verkehrsmitteln, mitgeführt werden.
[0017] Bei der Entnahme der Signalisierungsdaten im Bereich der zentralen Funkvermittlungsstellen
können wie erwähnt einfach direkt die Signalisierungsdaten der in Frage kommenden
"ersten" Zellen selektiert und die Nachrichten von anderen Zellen, etwa wenn ein Endgerät
aktiv ist und daher bei Zellenwechseln laufend von anderen Zellen Nachrichten übermittelt
werden, unmittelbar verworfen werden, um die Datenmenge von vornherein auch diesbezüglich
besonders gering zu halten. Mittels Datenfilterung können aus den Signalisierungsdaten,
die erfasst werden, die gewünschten Positions-(Aktualisierungs)-Daten extrahiert werden,
und es werden nur diese Lokalisierungs-Update-Daten für die weitere Verarbeitung aufgenommen
bzw. gespeichert. Weiters ist es auch möglich, bei der Datenverarbeitung jene Positionsdaten,
die nur mit einem Zeitstempel versehen wurden (so dass keine mittlere Geschwindigkeit
durch einen Zellen-Bereich ermittelt werden kann), einer beschränkten Verwertung (Zählung)
zu unterwerfen. Diese Positionsdaten deuten auf Fahrzeuge mit Endgeräten hin, die
im betrachteten Zellen-Bereich ihre Fahrt unterbrochen oder beendet haben.
[0018] Für die Herleitung der jeweils gewünschten Verkehrsfluss-Informationen (beispielsweise
betreffend Dichte des Verkehrs, Rate des Verkehrs, mittlere Fahrgeschwindigkeit der
Fahrzeuge oder Anzahl von Fahrzeugen zu bestimmten Zeitpunkten) können bei der Datenverarbeitung
die für die Gewinnung der Verkehrsfluss-Informationen verwendeten Daten durch an sich
bekannte Datenfilter geglättet werden. Typische bekannte, hier verwendbare Datenfilter
sind Tiefpass-Filter (in der Frequenzdomäne), Moving-Average-Datenfilter oder Kalman-Filter.
[0019] Die Sonden können durch im Bereich der zentralen Funkvermittlungsstellen installierte
Netzwerkskarten gebildet sein, die einen hochinduktiven Eingang haben.
[0020] Um das jeweilige Mobilfunknetz bzw. dessen Einrichtungen nicht zu belasten, sind
die Sonden und nachgeschalteten Einheiten des vorliegenden Systems unabhängig vom
zellularen Netz installiert; insbesondere werden somit eigene, unabhängige Rechnermittel
und dgl. vorgesehen, um die gewünschte Informationsgewinnung zu erzielen.
[0021] Die Erfindung wird nachstehend anhand von besonders bevorzugten Ausführungsbeispielen,
auf die sie jedoch nicht beschränkt sein soll, und unter Bezugnahme auf die Zeichnung
noch weiter erläutert. In der Zeichnung zeigen im Einzelnen:
Fig. 1 schematisch einen Teil eines zellularen Netzwerks mit zu zwei Zellen-Bereichen
gehörigen Zellen und einem Verkehrsweg, zwecks Veranschaulichung des Prinzips der
Positions-bezogenen Signalisierungsdaten;
Fig. 2 schematisch die Hierarchie eines GSM-Netzwerks;
Fig. 3 schematisch einen Teil eines GSM-Netzwerks mit einem daran angekoppelten System
zur Gewinnung von Verkehrsfluss-Informationen gemäß der Erfindung;
Fig. 4 einen Protokollstapel einer Positions-Aktualisierungs-Anfrage;
Fig. 5 die Signalisierungen und Nachrichten bei einem Positions-Aktualisierungs-Vorgang;
Fig. 6 die Formate und die Hierarchie (Protokollstapel) für eine Positions-Aktualisierungs-Anfrage;
Fig. 7 in einem Schema die Erfassung der Signalisierungsdaten im Bereich einer zentralen
Funkvermittlungsstelle mit einer Netzwerkskarten-Sonde, einem Sonden-Server und einer
verteilten Datenbank;
Fig. 8 ein Blockschema zur Veranschaulichung der Datenaufbereitung für die spätere
Analyse; Fig. 8A ein Ablaufdiagramm zur Veranschaulichung der Arbeitsweise bei der
Datenaufbereitung;
Fig. 9 in einem Diagramm die Anzahl von erfassten Ereignissen (d.h. von erfassten
mobilen Endgeräten) über der Zeit mit einer zusätzlichen Kurve nach Glättung der erhaltenen
Daten, und zwar einerseits für den tatsächlichen Verkehrsstrom und andererseits für
die erfindungsgemäß erfassten Positions-Aktualisierungen; und
Fig. 10 ebenfalls in einem Vergleich mit dem tatsächlichen Verkehr die über einen
Tag aufgenommenen Positions-Aktualisierungen, wobei in einer zusätzlichen Kurve die
Anzahl der "verfolgten" mobilen Endgeräte, die sich durch mehrere Zellen-Bereiche
hindurch bewegen, veranschaulicht ist.
[0022] Im Folgenden wird die Erfindung beispielhaft in Zusammenhang mit einem GSM-Netz erläutert,
wobei die Erfindung aber wie bereits angedeutet in gleicher Weise für andere zellulare
Mobilfunknetze eingesetzt werden kann, bei denen Zellen zu logischen Gruppen, Zellen-Bereiche
genannt, zusammengefasst sind, in denen ein Teilnehmer gesucht ("gepaged") werden
kann, wenn für ihn ein Ruf erhalten wird. Diese logischen Gruppen von Zellen werden
im Fall eines GSM-Netzes (GSM - Global System for Mobile Communications - Globales
Mobilfunksystem) "Location Areas" (LA) genannt, im Fall eines Netzes mit Paketvermittlung
GPRS (General Packet Radio Service - allgemeiner paketvermittelter Datenfunkdienst)
"Routing Areas" (RA), im Fall eines UMTS-Netzes, einem vom GSM-Netz unabhängigen Netz
(UMTS - Universal Mobile Telecommunication System - Universelles Mobilfunksystem)
"Location Areas", "Routing Areas" bzw. "UTRAN Registration Areas" (URA).
[0023] Wenn die Telefonnummer einer mobilen Station MS, hier als mobiles Endgerät bezeichnet,
gewählt wird, so wird der Anruf durch das Telefonnetz zur zuständigen Netzübergangs-Funkvermittlungsstelle
geroutet, von der eine Verbindung zum HLR (Home Location Register) aufgebaut wird,
um die Gültigkeit der gerufenen Nummer und die Autorisierung zur Benutzung der geforderten
Dienste zu verifizieren. Das HLR erfragt anschließend vom VLR (Visitor Location Register)
die Roaming-Nummer des Teilnehmers, und anhand dieser Roaming-Nummer kann das HLR
dann jene zentrale Funkvermittlungsstelle bestimmen, die gerade für das mobile Endgerät
zuständig ist. Wenn das mobile Endgerät aktuell verfügbar ist, was von der zentralen
Funkvermittlungsstelle über das VLR verifiziert wird, startet die Funkvermittlungsstelle
einen Rundruf durch alle angeschlossenen Zellen, das so genannte "Paging". Diese Rundruf-Nachricht
wird von den Basisstationen BTS (Base Transceiver Station) des BSS (Basisstationen-Subsystem)
gesendet.
[0024] Um dieses "Paging" zu ermöglichen, werden alle mobilen Endgeräte, egal ob sie nur
eingeschaltet sind oder ob sie aktiv benützt werden, beim Eintritt in einen neuen
Zellen-Bereich mit Hilfe der normalen so genannten Location Updates (LU - allgemein
Lokalisierungs-Updates) erfasst, so dass jener Zellen-Bereich bekannt ist, in dem
sich das betroffene mobile Endgerät gerade aufhält. Dieses Location Update (allgemein:
diese Positions-Aktualisierung) ist demgemäß eine obligatorische Prozedur für alle
Mobilgeräte, und die entsprechenden Nachrichten werden vom mobilen Endgerät oder/und
von der zentralen Funkvermittlungsstelle generiert sowie zwischen dem mobilen Endgerät
und der zentralen Funkvermittlungsstelle transparent übertragen. (Die zentrale Funkvermittlungsstelle
wird auch MSC - Mobile Switching Center - genannt.)
[0025] Vergleichbare Aktualisierungen bei der Lokalisierung der mobilen Endgeräte gibt es
im Falle von GPRS (dort werden diese Aktualisierungen RAU - Routing Area Updates genannt)
sowie beim UMTS-Netz.
[0026] Fig. 1 zeigt nun schematisch zwei Zellen-Bereiche (Location Areas - LA) LA A und
LA B, die jeweils eine Anzahl von Zellen Z, z.B. jeweils erste Zellen Z A1 bzw. Z
B1 entlang eines Verkehrsweges V, etwa einer Autobahn, gesehen in Fahrtrichtung (s.
Pfeil) eines sich in einem Fahrzeug entlang des Verkehrsweges V bewegenden mobilen
Endgerätes MS (MS - Mobile Station), enthalten. In jeder Zelle Z wird das mobile Endgerät
MS über eine Basisstation BTS (s. auch Fig. 2) in die Gesprächsverbindung eingebunden,
und alle Basisstationen BTS eines Zellenbereichs werden von zumindest einem Basisstationen-Controller
BSC angesteuert und kontrolliert, vgl. Fig. 2. Demgemäß definiert ein Basisstationen-Controller
BSC oder definieren mehrere Basisstationen-Controller BSC zusammen jeweils einen Zellen-Bereich
LA. (Nachfolgend wird aber der Einfachheit halber bei den beschriebenen Beispielen
davon ausgegangen, dass ein Basisstationen-Controller BSC einen Zellen-Bereich LA
definiert.)
[0027] Gemäß Fig. 2 sind die Basisstationen-Controller BSC ihrerseits einer gemeinsamen
zentralen Funkvermittlungsstelle MSC zugeordnet. In einem Mobilfunknetz sind dann
üblicherweise mehrere solche Funkvermittlungsstellen MSC vorgesehen und miteinander
verbunden, s. auch Fig. 3.
[0028] In Fig. 1 ist weiters der Vollständigkeit halber auch schematisch ein so genannter
Handover-Vorgang angedeutet, der bei einem Zellenwechsel während eines laufenden Gesprächs
erfolgt, wenn sich also der sprechende Teilnehmer über Zellgrenzen hinweg bewegt.
Dieses "Handover" ist im Bereich der Zellgrenzen 1 bzw. 2 mit dicken Strichen angedeutet,
wobei im Fall der Zellgrenze 2 zugleich auch die Grenze zwischen den Zellen-Bereichen
LA A und LA B gegeben ist.
[0029] Abgesehen von diesem speziellen Handover-Vorgang, bei dem der sprechende Teilnehmer
sozusagen von einer Basisstation zur nächsten weitergereicht wird, gibt es in einem
GSM-Netz weitere Prozeduren, die die Bewegung (Mobility) von Teilnehmern im Netz behandeln.
Wie bereits erwähnt muss ständig die Voraussetzung dafür bestehen, dass ein Teilnehmer
gepaged werden kann, damit dieser Teilnehmer, der sich irgendwo im Netzgebiet befindet,
auch gerufen werden kann, oder damit ihm eine Nachricht, z.B. eine Kurznachricht (SMS),
zugestellt werden kann. Hierzu wird wie erwähnt mit Hilfe der Lokalisierungs-Updates
vom Netz der jeweilige Zellen-Bereich erfasst, in den der Teilnehmer eintritt, so
dass der aktuelle Aufenthaltsort des Teilnehmers, d.h. eines eingeschalteten mobilen
Endgeräts (das nicht aktiv sein muss) mit einer gewissen Granularität ständig nachgeführt
wird.
[0030] Für diese Positionsüberwachung könnten an sich - und dies war bisher Stand der Technik
- die Schnittstellen zwischen den Basisstationen BTS und dem jeweils zugehörigen Basisstationen-Controller
überwacht werden, also die so genannten A
bis-Schnittstellen. Aus Fig. 2 wird hier bereits deutlich, dass dann in einem Netz tatsächlich
außerordentlich viele derartige A
bis-Schnittstellen oder -Verbindungen zu überwachen sind, wobei auch die wirklich interessierenden
Positionsdaten aus einer Unmenge von Daten extrahiert werden müssen, so dass nicht
nur ein hoher apparativer Aufwand, sondern auch ein beträchtlicher verfahrenstechnischer
Aufwand damit verbunden ist. Hinzu kommt, dass in diesem Bereich die Hardware-Komponenten
oft Hersteller-abhängig unterschiedlich ausgebildet sind, so dass für die Datenextraktion
entsprechende Adaptierungen notwendig sind.
[0031] Die Schnittstellen oder -Verbindungen zwischen den einzelnen Basisstationen-Controllern
BSC und den jeweils zugehörigen zentralen Funkvermittlungsstellen MSC werden A-Schnittstellen
oder A-Verbindungen genannt, wobei wie aus Fig. 2 unmittelbar ersichtlich im Vergleich
zu den A
bis-Schnittstellen wesentlich weniger A-Schnittstellen oder A-Verbindungen vorliegen
bzw. überwacht werden müssen. Dadurch kann, wenn an dieser Stelle Daten extrahiert
werden, der Aufwand ganz wesentlich verringert werden, abgesehen von dem Vorteil,
dass an dieser Stelle üblicherweise standardisierte Hardware-Komponenten vorliegen,
so dass auch keine Anpassungen der Sonden für die Datenerfassung erforderlich sind.
Weiters können die Daten jeweils im Bereich einer zentralen Funkvermittlungsstelle
MSC konzentriert erfasst werden, so dass sich auch eine Vereinfachung für die Datenübertragung,
für deren weitere Verarbeitung zwecks Gewinnung von Verkehrsfluss-Informationen, ergibt.
Dies ist außer aus Fig. 2 auch unmittelbar aus Fig. 3 ersichtlich, wo im Bereich von
zentralen Funkvermittlungsstellen MSC, z.B. der Zentrale 3, verschiedene direkt angeschaltete
Sonden 4 in den A-Verbindungen zu den zugehörigen Basisstationen-Controllern BSC veranschaulicht
sind.
[0032] Der Vollständigkeit halber ist im Schema von Fig. 3 auch im Bereich unten links im
Detail ein Basisstationen-Controller BSC mit über eine A
bis-Schnittstelle angeschlossenen Basisstationen BTS und mit einer der A-Verbindung zugeordnete
Sonde 4 gezeigt (BTS - Base Transceiver Station).
[0033] Die Sonden 4 übermitteln die aufgenommenen Daten, nämlich die üblichen SS7-Nachrichten
(SS7, auch SS#7 - Signalling System No. 7 - Signalisierungssystem Nr. 7, ein internationaler
Telekommunikationsstandard der ITU) an eine Überwachungseinheit 5.
[0034] Die SS7-Nachrichten entsprechen einem Protokollstapel mit 7 Schichten, wobei die
hier wesentlichen Schichten (oberhalb der MTP1- bis MTP3-Schichten (MTP - Message
Transfer Part - Nachrichtenübertragungsteil) die SCCP-Schicht (SCCP - Signalling Connection
Control Part - Signalisierungs-Verbindungs-Kontrollteil) und die Schichten darüber
sind.
[0035] Die Überwachungseinheit 5 gehört zusammen mit einer Datenfiltereinheit 6 zu einer
Datenaufbereitungseinheit 7, von der die extrahierten Lokalisierungs-Update-Daten
in einer Datenbank 8 (bei der es sich auch um eine verteilte Datenbank handeln kann)
abgelegt werden. Auf diese Datenbank 8 greift eine durch ein oder mehrere Rechnermittel
realisierte Analyseinheit 9 zu, wobei diese Analyseinheit 9 weiters mit einer weiteren
Datenbank 10 verbunden ist, in der geographische Daten bzw. Koordinaten abgelegt sind.
Mit Hilfe der Analyseeinheit 9 gewonnene Verkehrsfluss-Informationen werden schließlich
über eine Ausgabeeinheit 11 ausgegeben, z.B. ausgedruckt oder auf einem Display angezeigt.
Selbstverständlich ist der Analyseeinheit 9 ebenso wie der Überwachungseinheit 5 eine
Eingabeeinheit zugeordnet (was aber in Fig. 3 nicht näher gezeigt ist), um so beispielsweise
den jeweiligen Verkehrsweg V (s. Fig. 1) festzulegen und damit auch jene Sonden 4
zu bestimmen, die für die Überwachung dieses Verkehrsweges V im Hinblick auf sich
darauf bewegende, d.h. in Fahrzeugen mitgeführte mobile Endgeräte MS zu bestimmen.
Von Bedeutung ist dabei, dass zwar grundsätzlich alle Basisstationen-Controller BSC
laufend überwacht werden (können), dass aber im Falle, dass nur ganz bestimmte Verkehrswege
V untersucht werden sollen, nur die entsprechenden Sonden 4 in den A-Verbindungen
von der jeweiligen Funkvermittlungsstelle MSC zu den betroffenen BSCs aktiviert oder
durchgeschaltet werden. Dies kann beispielsweise über die Überwachungseinheit 5 bewerkstelligt
werden, indem dort nur jene Eingänge, an die die zufolge der vorgegebenen Zellen-Bereiche
betroffenen Sonden 4 angeschlossen sind, aktiviert oder ausgewählt werden. Diese Auswahl
kann über eine eigene Eingabeeinheit an der Überwachungseinheit 5 oder aber auch gegebenenfalls
über die Analyseeinheit 9 (bzw. die diese Analyseeinheit 9 realisierende Rechnermittel)
durchgeführt werden, wobei dann eine entsprechende Verbindung zwischen dieser Analyseeinheit
9 und der Überwachungseinheit 5 vorgesehen sein wird. Dies ist schematisch in Fig.
3 mit einer strichlierten Verbindung 12 angedeutet.
[0036] In Fig. 4 ist schematisch ein Protokollstapel einer Lokalisierungs-Update-Anfrage
(Location Updating Request) veranschaulicht. Dabei handelt es sich um jenes Format,
wie es an der A-Schnittstelle vorhanden ist. Die Informationselemente einer solchen
Lokalisierungs-Update-Anfrage sind wie folgt:
- Protokolldiskriminator
- Chiffrierschlüssel-Laufnummer
- Art des Location-Updates (normal, periodisch, Anhang zu einer Teilnehmer-Identifikation)
- Identifizierung (Kennung) des Zellen-Bereichs (Location Area Code - LAC)
- Klassenbezeichnung des mobilen Endgerätes
- Kennung des mobilen Endgerätes (TMSI oder IMSI)
[0037] Von diesen Informationselementen sind die folgenden drei Elemente von Interesse:
Primär die Identifikation des Zellen-Bereichs; sodann die Kennung des Teilnehmers,
d.h. des mobilen Endgerätes, um so diesen Teilnehmer verfolgen zu können; und überdies
bevorzugt der Typ des Location-Updates, um auf diese Weise die normalen Location-Updates
aus allen MM-Nachrichten (MM - Mobility Management) herauszufiltern.
[0038] Die DTAP-Nachricht (DTAP - Direct Transfer Application Part - Direktübertragungs-Anwendungsteil)
wird vom Basisstationen-Controller BSC in einer BSSMAP-Nachricht (BSSMAP - BSS Management
Application Part - Basisstations-Subsystem-Managementanwendungsteil) eingekapselt
übertragen. In dieser Information ist die Identifikation der momentan bedienenden
Zelle (Zellen-ID) und die Identifikation des korrespondierenden Zellen-Bereichs (LAC)
enthalten. Das zugehörige Informationselement wird CL3I genannt (Complete Layer 3
Information; Complete Layer - vollständige Schicht), und es ist Teil der BSSMAP-Nachricht.
Die BSSMAP-Nachricht wird gegebenenfalls als optionaler Parameter in einer Verbindungsanfrage
(CR - Connection Request) mitgesandt, wenn eine SS7-Verbindung zwischen dem Basisstationen-Controller
BSC und der (zugehörigen) zentralen Funkvermittlungsstelle MSC errichtet wird. Die
zentrale Funkvermittlungsstelle MSC wird ihrerseits die Lokalisierungs-Update-Anfrage
akzeptieren (Location Updating Accept) oder ablehnen (Location Updating Reject), vgl.
auch die Signalisierungsvorgänge gemäß Fig. 5.
[0039] In Fig. 4 und 5 sind insgesamt folgende standardisierten Signalisierungsnachrichten
und -vorgänge bei einem Lokalisierungs-Update gezeigt:
- SCCP - Signalling Connection Control Part - Signalisierungsverbindungs-Steuerteil
- CR - Connection Request - Verbindungsanfrage
- LAC old - alter Location Area Code
- LAC new - neuer Location Area Code
- Cell ID new - Identifikation der neuen Zelle
- CC - Connection Confirm - Verbindungsbestätigung
- DT1 - Dataform 1 - Datenform 1
- RLSD - Released - freigegeben
- RLC - Release complete - Freigabe komplett
[0040] Aus dem vorstehenden kurzen Überblick betreffend Signalisierung und Protokollstapel
bei Location Updating Requests ist ersichtlich, dass die hier interessierenden Informationen
bzw. Daten für jedes mobile Endgerät MS, das von einem Zellen-Bereich LA A in einen
nachfolgenden LA B wechselt, an den A-Schnittstellen verfügbar sind und dort daher
extrahiert und von anderen Daten, die verworfen werden, herausgefiltert oder abgetrennt
und einer Verarbeitung zugeführt werden können. Typisch ist dabei, dass zwar innerhalb
eines jeweiligen Zellen-Bereichs LA nur beschränkt Informationen über die einzelnen
Zellen verfügbar sind, dass aber diese Zellen-Informationen für die Positionsdaten-Bestimmung
ausreichen, da jeweils die erste Zelle, z.B. Z B1, eines Zellen-Bereichs, z.B. LA
B, bekannt gegeben wird, wenn das Fahrzeug mit dem mobilen Endgerät MS aus dem einen,
ersten, Zellen-Bereich LA A in den nachfolgenden, zweiten Zellen-Bereich LA B wechselt.
Über den vorstehend angesprochenen normalen Lokalisierungs-Update-Vorgang sind beim
Wechsel von einem Zellen-Bereich, z.B. LA A, in den nachfolgenden Zellen-Bereich,
z.B. LA B, die Identifikation des neuen Zellen-Bereichs, z.B. LA B, sowie der neuen
ersten Zelle Z B1 dieses neuen Zellen-Bereichs LA B bekannt. Die Position des mobilen
Endgerätes MS ist dabei mit der Auflösung einer Zelle, nämlich der ersten Zelle, z.B.
Z B1, bekannt und nicht bloß ganz allgemein mit der Auflösung des zugehörigen Zellen-Bereichs
LA B, so dass eine gute Positions-Bestimmung möglich ist. Dies ist auch dann von Vorteil,
wenn gleichzeitig mehrere Verkehrswege vorliegen, die gesondert zu überwachen sind,
oder von denen nur einer überwacht werden soll, da dann die jeweils erste Zelle identifizierbar
ist, vgl. z.B. auch die Zelle Z A2 für den Verkehrsweg V' in Fig. 1.
[0041] Der Vollständigkeit halber sollen noch anhand der Fig. 6 die Formate der Signalisierungs-Schichten
oberhalb der MTP-Schichten für den Fall eines DTAP-Location Updating Requests erläutert
werden. Der SCCP-Teil sieht verbindungslose und verbindungsorientierte Netzwerks-Dienstleistungen
oberhalb der MTP-Schicht 3 vor. Während MTP3 Verbindungspunkt-Codes vorsieht, damit
Nachrichten an spezifische Signalisierungsstellen gerichtet werden können, sieht der
SCCP-Teil Subsystem-Nummern vor, um Nachrichten an spezifische Anwendungen oder Subsysteme
an diesen Signalisierungspunkten zu adressieren. Im Einzelnen enthält der SCCP-Teil
ein Routing-Kennzeichen 13 (Routing Label), gefolgt von einem den Nachrichtentyp angebenden
Code 14, der für alle Nachrichten verbindlich ist. Dieser Nachrichtentyp-Code definiert
eindeutig die Funktion und das Format jeder SCCP-Nachricht. Danach folgt ein verbindlicher
fester Teil 15, d.h. ein verbindlicher Teil mit fester Länge für einen jeweiligen
Nachrichtentyp, wogegen der nachfolgende an sich ebenfalls verbindliche Teil 16 ein
Teil von variabler Länge ist, wobei der Name eines jeden Parameters in diesem Teil
und die Reihenfolge, in der Zeiger (Pointer) gesendet werden, implizit im Nachrichtentyp
enthalten ist. Schließlich folgt noch ein optionaler Teil 17, der Parameter enthält,
die in der jeweiligen Nachrichtenart auftreten können oder aber nicht. Dabei können
Parameter mit fester Länge ebenso wie solche mit variabler Länge enthalten sein. Jeder
optionale Parameter beinhaltet den Parameternamen, eine Längenangabe sowie den Parameterinhalt.
[0042] In diesem Teil 17 wird der BSSAP-Teil übertragen, der wieder den eigentlichen Daten
vorhergehende Kopfdaten 18 betreffend den Nachrichtentyp sowie einen Datenteil 19
betreffend die Länge der Nachricht enthält. Im Nutzteil ("Payload") wird der BSSMAP-Teil
übertragen, in dem auf ein den Nachrichtentyp angegebenes Byte, Teil 20, die Zellen-Identifizierung
21 sowie anschließend die Schicht 3-Information 22 folgt. Die Zellen-Identifizierung
21 beinhaltet in einem Teil 23 die Element-ID, in einem Teil 24 eine Längenangabe
und in einem Teil 25 einen Diskriminator; danach folgen die Zellen-Identifikations-Angaben,
nämlich zunächst der Teil 26 mit dem Location Area Code (LAC) und anschließend die
eigentliche Zellen-Identifikation 27. In der Schicht 3-Information sind wieder zunächst
Angaben 28, 29 betreffend Element-Identifikation (Element-ID) und Länge sowie im Anschluss
daran im Teil 30 der Inhalt der Schicht 3-Information enthalten. Der Basisstationen-Controller
bringt die ankommende Location Updating-Anfrage in der Schicht 3-Information unter
und sendet diese Nachricht an die zugehörige zentrale Funkvermittlungsstelle MSC.
[0043] Innerhalb der Schicht 3-Information 30 ist ein ProtokollDiskriminator 31 (z.B. Mobility
Management - MM) dann eine Angabe 32 betreffend Nachrichtentyp, eine Chiffrierschlüssel-Laufnummer
33, eine Angabe 34 betreffend die Art des Location Updatings (z.B. normal oder periodisch),
sodann die Location Area (Zellen-Bereich)-Identifikation 35, mit dem MCC-Code (Mobile
Country Code) und dem eigentlichen LAC-Code, ferner die bereits erwähnte Endgerät-Klassenbezeichnung
36 sowie schließlich die Kennung des mobilen Endgeräts, Teil 37, enthalten, wobei
diese Kennung 37 des Endgeräts entweder die übliche IMSI oder TMSI-Identifikation
beinhalten kann.
[0044] Wie somit ersichtlich sind an dieser Stelle, somit an der A-Schnittstelle, alle erforderlichen
Informationen vorhanden, um ein mobiles Endgerät MS beim Wechseln von einem Zellen-Bereich,
z.B. LA A, zum nächsten, z.B. LA B, zu identifizieren und über mehrere solche Zellen-Bereichs-Wechsel
hinweg zu verfolgen. Damit ist die beschriebene einfache Möglichkeit gegeben, im Falle
des Mitführens von mobilen Endgeräten MS in Fahrzeugen, die sich auf einem überwachten
Verkehrsweg V bewegen, diese mobilen Endgeräte MS mit der Genauigkeit einer Zelle
(nämlich immer der ersten Zelle, z.B. Z A1 bzw. Z B1, eines neu betretenen Zellen-Bereichs)
zu lokalisieren und so von Zellen-Bereich zu Zellen-Bereich zu verfolgen.
[0045] In Fig. 7 ist die Datenaufnahme an einer zentralen Funkvermittlungsstelle MSC mit
Hilfe einer Sonde 4 in Form einer Netzwerkskarte mehr im Detail gezeigt, wobei die
Netzwerkskarte die dort vorhandenen Standard-E1-Verbindungen induktiv abfühlt und
so die auf diesen E1-Verbindungen übertragenen Daten zur Datenaufbereitungseinheit
7, auch Sonden-Server genannt, überträgt. Mit dem Bus-System 38 ist angedeutet, dass
von mehreren derartigen Sonden 4 entsprechende Datenübertragungen zur Einheit 7 hin
erfolgen. Die Bezeichnung "E1" ist ein CEPT-Standard mit einer Übertragungsrate von
2.048 Mbit/s, wobei 30 64-kbit-Kanäle (digitale Kanäle) für Sprach- und Datenübertragungen
sowie ein 64 kbit/s-Signalisierungskanal sowie weiters ein 64 kbit/s-Kanal zum Framing
und zur Wartung zur Verfügung stehen. Die hier einsetzbaren Sonden 4 in Form von Netzwerkskarten
E1/T1 sind an sich Standard-Netzwerkskarten, wie sie von verschiedenen Herstellern
zur Verfügung gestellt werden, etwa um seitens des Netzbetreibers interne Überwachungen
durchzuführen, und diese Netzwerkskarten können für die erfindungsgemäße Datengewinnung
in gleicher Weise eingesetzt werden.
[0046] Im Einzelnen können die Netzwerkskarten-Sonden 4 direkt im Sonden-Server 7 installiert
sein, welcher somit im Bereich der E1-Verbindungen angeordnet ist. Der Sonden-Server
7 ist ein Rechner, der die aufgenommenen Daten einer ersten Verarbeitung unterzieht.
Der Datenaufbereitungseinheit 7 kann weiters ein Datenbanksystem 8 mit mehreren Datenbankservern
39 zugeordnet sein, in dem die aufgenommenen Daten für einen Rechnerzugriff verfügbar
gehalten werden.
[0047] Insbesondere kann es sich bei der Konfiguration gemäß Fig. 7 bei der verteilten Datenbank
um die Datenbank 8 gemäß Fig. 3 handeln, und der Sonden-Server 7 enthält die Überwachungseinheit
5 sowie die Datenfiltereinheit 6 gemäß Fig. 3. Die Datenfiltereinheit 6 wird auch
als "Parser" bezeichnet. Die Funktionsweise dieser kombinierten Datenaufbereitungseinheit
7 wird nachfolgend anhand des Schemas gemäß Fig. 8 sowie des Flussdiagramms gemäß
Fig. 8A detaillierter erläutert.
[0048] In Fig. 8 ist für den "Parser" 6 im Einzelnen veranschaulicht, dass in einem Modul
40 eine Nachricht von einer betroffenen Verbindung übernommen wird, wonach in einem
Modul 41 Nachrichten von irrelevanten Zellen verworfen werden. Gemäß einem Modul 42
werden dann die Location-Updating-Anfragen durch Ausfiltern erfasst, und in einem
Modul 43 wird die komplette Schicht 3-Information einschließlich der Zellen-Identifikation
(Zellen-ID) und der Location Area-Identifikation (LAC) gelesen. Im Modul 44 wird sodann
die Location-Updating-Anfrage einschließlich MS-Kennung (die TMSI/IMSI) sowie des
Location Area-Codes LAC gelesen, und danach werden die so gewonnenen Daten im Modul
45 mit einem Zeitstempel versehen. Die Zeitstempel-Daten werden dabei aus einer System-internen
Uhr übernommen. Im Anschluss daran werden schließlich die Daten bzw. Nachrichten mit
zugehörigem Zeitstempel in der Datenbankeinheit 8 bzw. 39 abgespeichert, s. Block
46.
[0049] Gemäß dem zugehörigen, in Fig. 8A gezeigten Flussdiagramm wird nach Einlangen der
jeweiligen Nachricht, s. Feld 50, in einem Abfragefeld 51 überprüft, ob die Nachricht
einer zu überwachenden Zelle (z.B. Z B1 gemäß Fig. 1) zugehörig ist oder nicht, und
wenn nein, wird zum Feld 52 weiter gegangen, um auf die nächste Nachricht zu warten.
Ist hingegen eine interessierende Zelle betroffen, so wird gemäß Block 53 die empfangene
Nachricht gelesen, und gemäß Block 54 werden die Protokolle wie beschrieben analysiert.
Danach wird in einem Abfragefeld 55 abgefragt, ob eine Location Updating(LU)-Anfrage
(LU Req) vorliegt; falls dies zutrifft, wird die LU-Abfrage gemäß Block 56 in die
Warteschlange gestellt. Wenn keine LU-Anfrage vorliegt, d.h. das Ergebnis der Abfrage
in Feld 55 negativ ist, wird in einem nächsten Abfragefeld 57 überprüft, ob eine Location
Updating-Annahme-Nachricht (LU Accept) vorliegt, und wenn ja, wird gemäß Feld 58 überprüft,
ob eine entsprechende Anfrage bereits in der Warteschlange ist, s. Block 56. Zutreffendenfalls
wird dann ein entsprechender Eintrag der angeführten Daten in der Datenbank 8 vorgenommen,
s. Block 59 in Fig. 8A. Wird bei der Abfrage gemäß Feld 57 jedoch festgestellt, dass
keine LU-Annahme vorliegt, so wird danach gemäß Abfragefeld 60 abgefragt, ob eine
LU-Ablehnung (LU Reject) vorliegt; wenn nein, wird in diesem Ablauf zum Block 52 zurückgekehrt
und auf die nächste Nachricht gewartet; wenn hingegen das Abfrageergebnis im Feld
60 positiv ist, wird wiederum gemäß einem Abfragefeld 61 überprüft, ob die LU-Anfrage
in der Warteschlange ist, und wenn ja, wird die LU-Anfrage gemäß Block 62 aus der
Warteschlange gelöscht. Im Übrigen wird wieder zum Block 52 zurückgekehrt und auf
die nächste Nachricht gewartet.
[0050] Auf der Basis der so gewonnenen und abgespeicherten Positionsdaten mit MS Kennung
können nunmehr, insbesondere mit herkömmlichen statistischen Methoden, Informationen
betreffend den Verkehrsfluss auf dem jeweils betrachteten Verkehrsweg V gewonnen werden.
Dabei können einerseits aus den gefilterten Signalisierungsdaten durch Glättung mit
einem herkömmlichen Datenfilter-Algorithmus Schätzungen über die Verkehrsdichte auf
dem Verkehrsweg V erhalten werden, es kann die Geschwindigkeit der einzelnen Teilnehmer,
d.h. der einzelnen Fahrzeuge, in denen mobile Endgeräte MS mitgeführt werden, geschätzt
werden, wobei jeweils die mittlere Geschwindigkeit eines Fahrzeuges oder genauer eines
mobilen Endgerätes durch einen Zellen-Bereich, z.B. LA A, sowie durch weitere Zellen-Bereiche
entlang des Verkehrsweges V ermittelt wird. Aus diesen Fahrzeuggeschwindigkeiten ebenso
wie aus der Schätzung der Verkehrsdichte können dann weitere Erkenntnisse betreffend
das Verkehrsgeschehen auf dem beobachteten Verkehrsweg gewonnen werden, wie etwa Annahmen
betreffend Stau, kriechender Verkehr, unbehinderter Verkehr und dgl. Verkehrssituationen.
[0051] Was die Dichte des Verkehrsaufkommens auf dem jeweils überwachten Verkehrsweg V betrifft,
so werden jeweils einfach die mobilen Endgeräte MS in einem sich entlang des Fahrweges
V bewegenden Fahrzeug, und zwar jeweils beim Eintritt in einen neuen Zellen-Bereich
unter Identifikation der ersten Zelle dieses Zellen-Bereichs, erfasst und diese Ereignisse
werden über der Zeit aufsummiert; dabei wird zweckmäßig, für Trend-Erkennungen etc.,
auch eine Glättung der gefilterten Daten nach einer herkömmlichen Methode vorgenommen,
wie in Fig. 9 veranschaulicht ist. In dieser Fig. 9 zeigt die obere Kurve 70 die geglätteten
Daten entsprechende gemittelte Kurve des tatsächlichen, mit Hilfe von am Verkehrsweg
V installierten Sensoren erfassten Verkehrs auf dem Verkehrsweg V über der Zeit (in
Stunden); der tatsächliche Verkehrsfluss ist mit punktierten Linien 71 angegeben,
wobei ersichtlich ist, dass hier sehr große momentane Schwankungen gegeben sind, so
dass sich eine Mittelung oder Glättung empfiehlt. Weiters zeigt die gemittelte Kurve
72 in Fig. 9 jenen Verkehr, der aufgrund von in Fahrzeugen mitgeführten mobilen Endgeräten
MS, nämlich auf Basis der vorerwähnten Location Updates, erfasst wurde, wogegen der
aufgrund der Location Updates erfasste tatsächliche, "hochfrequente" Verkehrsstrom
mit Hilfe von punktierten Linien 73 veranschaulicht ist. Aus Fig. 9 ist dabei ersichtlich,
dass nach der durchgeführten Mittelung die Daten-Kurve 72, die aufgrund der Location
Updates gewonnen wurde, verhältnismäßig gut in qualitativer Hinsicht der tatsächlichen
Verkehrsaufkommens-Kurve 70 entspricht, so dass aufgrund von Erfahrungswerten auf
Basis der Daten-Kurve 72 auf das tatsächliche Verkehrsaufkommen geschlossen werden
kann. Die niedrigeren Werte der Kurve 72 im Vergleich zur Kurve 70 ergeben sich dadurch,
dass nicht jedes Fahrzeug ein - eingeschaltetes - mobiles Endgerät mit sich führt,
und dass es andererseits auch denkbar ist, dass, wenn derartige Endgeräte mitgeführt
werden, diese anderen Netzbetreibern zuzuordnen sind. Im vorliegenden Beispiel ergibt
sich, dass ungefähr 1/3 der Fahrzeuge ein eingeschaltetes mobiles Endgerät des betroffenen
einen Netzbetreibers mit sich führt. Hieraus lassen sich bereits mit guter Annäherung
und zuverlässig Rückschlüsse (etwa durch Multiplizieren mit einem entsprechenden Faktor)
auf das gesamte Verkehrsaufkommen sowie auf die Entwicklungen etwa zu Stoßzeiten im
Verkehrsgeschehen ziehen.
[0052] Zur Datenglättung, also zur Mittelung, können die verschiedensten an sich bekannten
Methoden angewandt werden, wie etwa die Methode des gleitenden Mittelwerts (Moving
Average Filter), die Methode des gleitenden Mittelwerts mit exponentieller Gewichtung
(Exponentially Weighted Moving Average Filter), aber auch eine einfache Tiefpass-Filterung
oder die Kalman-Filtermethode. Diese Methoden sind durchwegs bekannt und bedürfen
hier keiner weiteren Erläuterung. Mit den so gefilterten, gemittelten Daten lassen
sich jedenfalls auch Trend-Abschätzungen in zuverlässiger Weise herleiten, wobei allerdings,
wie Untersuchungen gezeigt haben, eine Glättung mit einem Kalman-Filter für Vorhersagen
im Verkehrsgeschehen weniger geeignet ist.
[0053] Ebenso wie Fig. 9 bezieht sich auch Fig. 10 auf einen konkreten Testfall, wobei im
Einzelnen einen Tag lang mit Hilfe von an einer Autobahn installierten Sensoren Daten
betreffend das tatsächliche Verkehrsaufkommen erfasst wurden, vgl. die Kurve 80 in
Fig. 10. Parallel dazu wurde - vgl. die Kurve 81 - der Verkehr auf Basis der Location
Updates betreffend mobile Endgeräte erfasst, wobei dann weiters im Sinne einer Verfolgung
der Fahrzeuge (d.h. wenn die Fahrzeuge mit dem mobilen Endgerät MS mehrere Zellen-Bereiche
hintereinander durchqueren und so durch mehrere Zellen-Bereiche hintereinander verfolgt
werden) die strichpunktiert gezeichnete Kurve 82 erhalten wurde. Auch hier ergibt
sich aufgrund des prinzipiellen Verlaufs der einzelnen Kurven 80, 81 und 82, dass
eine gute Korrelation der Kurven gegeben ist, so dass es zulässig ist, aufgrund der
Daten etwa gemäß der Kurve 81 oder der Kurve 82 auf das gesamte Verkehrsgeschehen
gemäß Kurve 80 Rückschlüsse zu ziehen.
[0054] Zu erwähnen ist hier noch, dass in Fig. 10 bei der tatsächlichen Verkehrsdaten-Kurve
80 nach ungefähr 10 Stunden ein Ausfall eines Sensors festzustellen war, so dass es
dort zu einem Einbruch 83 in der Kurve 80 kam. Außerdem kam es im vorliegenden Überwachungssystem
nach ungefähr 13 Stunden des Beobachtungszeitraums zu einem etwa einstündigen Ausfall
des Überwachungssystems, was durch einen Einbruch 84 in den Kurven 81 und 82 angegeben
ist. Sieht man von diesen Ausfällen 83, 84 bei der Datenerfassung ab, so zeigt sich
jedenfalls, dass die Kurven 81 und 82 durchaus repräsentativ sind, so dass die zugrunde
liegenden Daten zur Gewinnung der gewünschten Verkehrsfluss-Informationen geeignet
sind.
[0055] Bei der Datenanalyse in der Analyseeinheit 9 (Fig. 3) werden in an sich herkömmlicher
Weise den einzelnen Zellen-Identifikationen die - bekannten - geographischen Koordinaten
zugeordnet, die aus der Datenbank 10 entnommen werden. Diese Zuordnung kann mit Hilfe
von herkömmlichen Algorithmen bzw. Kartendaten-Abbildungen vorgenommen werden.
[0056] Bei der Auswertung der Daten können zunächst nur jene mobilen Endgeräte MS, d.h.
Teilnehmer oder Fahrzeuge, berücksichtigt werden, die bei vordefinierten Zellen, z.B.
Z B1 in Fig. 1, die Zellen-Bereichs-Grenzen überschritten haben. Hierbei handelt es
sich im Wesentlichen um ein Zählen der Teilnehmer an den betroffenen Punkten. Sodann
können die Teilnehmer über zumindest zwei Bereichswechsel hinweg verfolgt werden,
und es wird aufgrund der Zeitstempel an den jeweiligen ersten Zellen, z.B. Z A1 und
Z B1, die mittlere Zeit für das Durchqueren des jeweiligen Zellen-Bereichs, z.B. LA
A, ermittelt. Diese Ermittlung der mittleren Geschwindigkeit kann auch über mehrere
Zellen-Bereichs-Grenzen hinweg durchgeführt werden, was einem weiteren "Tracking"
(Verfolgen) der betroffenen Teilnehmer entspricht. Es können nun jene Teilnehmer bzw.
Endgeräte MS verworfen werden, deren Geschwindigkeit nicht in ein vorgegebenes Intervall
fällt, wobei natürlich die herrschenden Verkehrszustände (freier Verkehr, stockender
Verkehr, Stau, usw.) zu berücksichtigen sind. Weiters können auch alle Teilnehmer
des öffentlichen Verkehrs ausgeklammert werden, indem die den Verkehrsmittel-Fahrzeiten
entsprechenden periodischen Spitzen in den aufgenommenen Datenkurven verglichen werden,
die aufgrund des öffentlichen Verkehrs erhalten werden; eine andere Möglichkeit besteht
hier darin, den öffentlichen Verkehr dadurch unberücksichtigt zu lassen, indem die
gewonnenen Daten mit historischen Daten und den Fahrplänen des öffentlichen Verkehrs
verglichen werden.
[0057] Weiters können durch den so genannten Ping-Pong-Effekt entstehende mehrfache Location
Updates herausgefiltert werden.
[0058] Auf diese Weise ist es insgesamt mit der beschriebenen Technik möglich, Verkehrszustände
zu analysieren, wie etwa die Verkehrsstärke abzuschätzen, oder die mittlere Geschwindigkeit
der Fahrzeuge zu ermitteln, ebenso wie etwa die Anzahl der Anrufe aus den betrachteten
Verkehrsaufkommen oder die Anzahl, wie oft Teilnehmer im betrachteten Verkehrsweg-Bereich
gerufen werden, ermittelt werden kann.
[0059] Wie erwähnt, gilt das vorstehend beschriebene Prinzip in gleicher Weise außer für
das GSM-Netz auch für andere zellulare Funknetzsysteme, und die Erfindung ist somit
nicht auf die Anwendung auf das hier beispielhaft beschriebene GSM-Netz beschränkt.
1. Verfahren zur Gewinnung von Verkehrsfluss-Informationen, bei dem Positionsdaten einschließlich
einer Kennung von wenigstens einem in einem Fahrzeug mitgeführten, eingeschalteten
mobilen Endgerät (MS) aus Signalisierungsdaten zwischen Basisstationen (BTS) und wenigstens
einer zentralen Vermittlungsstelle (MSC) eines zellularen Netzes mit in Zellen-Bereichen
zusammengefassten Zellen gewonnen werden, diese Positionsdaten mit Zeitstempel-Daten
kombiniert werden, und diesen kombinierten Positionsdaten Kartendaten zugeordnet werden,
mit denen zusammen sie zur Gewinnung der Verkehrsfluss-Informationen verarbeitet werden,
dadurch gekennzeichnet, dass die Positionsdaten aus Signalisierungsdaten bei einem Eintritt des jeweiligen Fahrzeuges
in einen neuen Zellen-Bereich (LA; LA B) unter Zugrundelegung der Identifikation der
ersten Zelle (Z B1) im neuen Zellen-Bereich gewonnen und hierfür die Signalisierungsdaten
im Bereich zumindest einer zentralen Funkvermittlungsstelle (MSC) an der Schnittstelle
(A) zwischen dieser zentralen Funkvermittlungsstelle (MSC) und zugehörigen, die einzelnen
Zellen-Bereiche (LA) definierenden Basisstationen-Controllern (BSC) entnommen werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Gewinnung der Positionsdaten aus den Signalisierungsdaten der auf die Position/Identifikation
der jeweiligen ersten Zelle (Z A1, Z B1) des neuen Zellen-Bereichs (LA A, LA B) verweisende
Teil abgetrennt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass für die Entnahme der Signalisierungsdaten im Bereich der zentralen Funkvermittlungsstelle
(MSC) die Identifikation der ersten Zelle (Z B1) vorgegeben wird und Signalisierungsdaten
von anderen Zellen (Z) aufgrund von deren anderen Identifikationen verworfen werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass mittels Datenfilterung aus den Signalisierungsdaten Lokalisierungs-Update-Daten extrahiert
und nur diese Lokalisierungs-Update-Daten gespeichert werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass aus der Differenz der Zeitstempel-Daten von bei Eintritt in erste Zellen (Z A1, Z
B1) aufeinander folgender Zellen-Bereiche (LA A, LA B) gewonnenen Positionsdaten unter
Zuordnung der Kartendaten die mittlere Geschwindigkeit der Bewegung des Fahrzeuges
durch den ersten (LA A) der beiden aufeinander folgenden Zellen-Bereiche (LA A, LA
B) berechnet wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Datenverarbeitung jene Positionsdaten, die auf in Massenverkehrsmitteln,
insbesondere öffentlichen Verkehrsmitteln, mitgeführte mobile Endgeräte (MS) hindeuten,
verworfen werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Datenverarbeitung jene Positionsdaten, die für einen Zellen-Bereich (LA)
nur mit einem Zeitstempel versehen wurden, als auf im betrachteten Zellen-Bereich
ihre Fahrt unterbrechende Fahrzeuge hindeutend einer nur auf der Zählung von Fahrzeugen
beruhenden Datenverarbeitung unterworfen werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Datenverarbeitung die für die Gewinnung der Verkehrsfluss-Informationen verwendeten
Daten durch Datenfilter geglättet werden.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass auf Basis der kombinierten Positions- und Kartendaten eine Abschätzung der Verkehrsdichte
und/oder einer mittleren Verkehrsgeschwindigkeit zu vorgegebenen Zeiten auf vorgegebenen
Fahrstrecken (V) vorgenommen wird.
10. System zur Gewinnung von Verkehrsfluss-Informationen, bei dem zur Gewinnung von Positionsdaten
einschließlich einer Kennung von wenigstens einem in einem Fahrzeug mitgeführten,
eingeschalteten mobilen Endgerät (MS) aus Signalisierungsdaten zwischen Basisstationen
(BTS) und wenigstens einer zentralen Funkvermittlungsstelle (MSC) eines zellularen
Netzes mit in Zellen-Bereichen zusammengefassten Zellen Sonden (4) an den Verbindungen
zwischen den Basisstationen und der zentralen Funkvermittlungsstelle angeordnet sind
und eine Überwachungseinheit (5) an die Sonden (4) angeschlossen ist, um Signalisierungsdaten
zu erfassen, die einer Analyseeinheit (9) zugeführt werden, der weiters Datenbankmittel
(10) für Kartendaten zugeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, dass die Sonden (4) im Bereich der zentralen Funkvermittlungsstelle (MSC) an deren Schnittstellen
(A) zu jeweils einen Zellen-Bereich (LA A, LA B) definierenden Basisstationen-Controllern
(BSC) angeordnet sind, um die Positionsdaten aus Signalisierungsdaten bei einem Eintritt
des jeweiligen Fahrzeuges in einen neuen Zellen-Bereich (z.B. LA B) unter Zugrundelegung
der Kennung der ersten Zelle (z.B. Z B1) im neuen Zellen-Bereich (LA B) zu gewinnen.
11. System nach Anspruch 10, gekennzeichnet durch eine Datenaufbereitungseinheit (7) zwischen den Sonden (4) und der Analyseeinheit
(9), welche Datenaufbereitungseinheit (7) zum Zuordnen von Zeitstempel-Daten zu den
einzelnen Positionsdaten eingerichtet ist.
12. System nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Datenaufbereitungseinheit (7) eine Datenfiltereinheit (6) umfasst.
13. System nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Datenfiltereinheit (6) eingerichtet ist, aus den Signalisierungsdaten den auf
die Position/Kennung der jeweiligen ersten Zelle (Z A1, Z B1) des neuen Zellen-Bereichs
(LA A, LA B) verweisenden Teil der Daten abzutrennen.
14. System nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Datenaufbereitungseinheit (7) eingerichtet ist, um die Signalisierungsdaten von
vorgegebenen ersten Zellen zu extrahieren und jene von anderen Zellen (Z) als den
vorgegebenen ersten Zellen (Z A1, Z B1) der Zellen-Bereiche (LA A, LA B) zu verwerfen.
15. System nach einem der Ansprüche 11 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Datenaufbereitungseinheit (7) eingerichtet ist, aus den Signalisierungsdaten
Lokalisierungs-Update-Daten abzutrennen und alle übrigen Daten zu verwerfen.
16. System nach einem der Ansprüche 10 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Analyseeinheit (9) eingerichtet ist, aus der Differenz der Zeitstempel-Daten
von bei Eintritt in erste Zellen (Z A1, Z B1) aufeinander folgender Zellen-Bereiche
(LA A, LA B) gewonnenen Positionsdaten unter Zuordnung der Kartendaten die mittlere
Geschwindigkeit der Bewegung des Fahrzeuges durch den ersten (LA A) der beiden aufeinander
folgenden Zellen-Bereiche zu berechnen.
17. System nach einem der Ansprüche 10 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Analyseeinheit (9) eingerichtet ist, jene Positionsdaten, die auf in Massenverkehrsmitteln,
insbesondere öffentlichen Verkehrsmitteln, mitgeführte mobile Endgeräte (MS) hindeuten,
zu verwerfen.
18. System nach einem der Ansprüche 10 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Analyseeinheit (9) eingerichtet ist, jene Positionsdaten, die nur mit einem Zeitstempel
versehen wurden, als auf im betrachteten Zellen-Bereich (LA) ihre Fahrt unterbrechende
Fahrzeuge hindeutend einer nur auf der Zählung von Fahrzeugen beruhenden Datenverarbeitung
zu unterwerfen.
19. System nach einem der Ansprüche 10 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass die Analyseeinheit (9) eingerichtet ist, die für die Gewinnung der Verkehrsfluss-Informationen
verwendeten Daten mittels Datenfilter zu glätten.
20. System nach einem der Ansprüche 10 bis 19, dadurch gekennzeichnet, dass die Analyseinheit (9) eingerichtet ist, auf Basis der kombinierten Positions- und
Kartendaten eine Abschätzung des Verkehrsaufkommens zu vorgegebenen Zeiten auf vorgegebenen
Fahrstrecken vorzunehmen.
21. System nach einem der Ansprüche 10 bis 20, dadurch gekennzeichnet, dass die Sonden (4) durch mit induktiven Fühlern ausgerüstete Netzwerkskarten gebildet
sind.
22. System nach einem der Ansprüche 10 bis 21, dadurch gekennzeichnet, dass die Sonden (4) und nachgeschalteten Einheiten (7, 9) unabhängig vom zellularen Netz
installiert sind.