[0001] Die Erfindung betrifft einen Rollstuhl für körperbehinderte Personen, mit einem in
einem Fahrgestell gelagerten Sitz, der ein Rückenlehnenteil und ein Sitzteil aufweist,
wobei das Rückenlehnenteil im Fahrgestell schwenkbar gelagert ist, sowie das Rückenlehnenteil
und das Sitzteil frei schwenkbar miteinander verbunden sind, und das Sitzteil im Bereich
seines dem Rückenlehnenteil abgewandten Endes relativ zum Fahrgestell verschiebbar
in diesem gelagert ist.
[0002] Ein solcher Rollstuhl ist insbesondere für die Aufnahme unter spastischen Krämpfen
leidender Personen vorgesehen. Bei diesen Personen werden unkontrollierte Impulse
an die Muskulatur abgegeben, die zu einer krampfartigen Muskelanspannung führen, welche
im Allgemeinen eine Körperstreckung bewirkt. Ein solcher Rollstuhl ermöglicht es durch
Muskelkraft die Rückenlehne bezüglich der Sitzfläche zu verschwenken. Gleichzeitig
kann eine Fußstütze des Rollstuhls in die gerade Position zur Sitzfläche geschwenkt
werden, insbesondere dann, wenn der Patient im Rollstuhl fixiert ist. Der Sitz kann
somit der durch die Muskelanspannung initiierten Bewegung des Patienten folgen, so
dass die Muskelkraft tatsächlich zu einer Körperstreckung führt und nicht durch Befestigungsmittel
zum Fixieren des Patienten aufgefangen wird.
[0003] Ein Rollstuhl der eingangs genannten Art ist aus der
EP 0 911 008 A2 bekannt. Bei diesem ist unterhalb des Sitzteils eine Linearführung an dem Fahrgestell
befestigt, an deren verschiebbaren Bauteil das Sitzteil schwenkbar angelenkt ist.
An diesem verschiebbaren Bauteil kann eine auf Zug belastete Spannfeder angreifen,
welche das Sitzteil nach hinten, d. h. zum Rückenlehnenteil, hinzieht, so dass das
Sitzteil und das Rückenlehnenteil in die normale abgewinkelte Sitzposition gezogen
werden. Konkret ist der untere Teil an der Linearführung an einem L-förmigen Rahmenteil
des Fahrgestells befestigt. Das obere Ende des oberen Teils der Linearführung ist
schwenkbar mit der Unterseite des Sitzteils verbunden.
[0004] Dieser bekannte Rollstuhl weist diverse Nachteile bezüglich der Lagerung des Sitzteils
im Fahrgestell auf. Bedingt ist dies einerseits durch den erhöhten Bau-, Montage-
und Kostenaufwand durch Verwendung der Linearführung und die erforderliche Befestigung
des Sitzteils. Die Linearführung besteht aus zwei Teilen, wobei das untere Teil mit
dem Fahrgestell aufwendig zu befestigen ist. Die Linearführung erlaubt überdies nur
eine lineare Führung des oberen Teils der Linearführung relativ zum unteren Teil der
Linearführung. Demzufolge ist es zur Verbindung der Linearführung, konkret des oberen
Teils der Linearführung mit dem Sitzteil, erforderlich, eine schwenkbare Anlenkung
des oberen Teiles der Linearführung an der Sitzfläche vorzusehen. Das Sitzteil ist
somit mit dem verschiebbaren Bauteil der Linearführung fest verbunden. Da die Linearführung
überdies seitliche Führungskräfte aufnimmt, ist es erforderlich, den Rollstuhl in
diesem Bereich mit geringen Toleranzen auszuführen, um Verspannungen von Sitz und
Fahrgestell aufgrund der weiteren Lagerung des Sitzteils über das Rückenlehnenteil
im Fahrgestell zu verhindern.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Rollstuhl der eingangs genannten
Art so weiterzubilden, dass bei diesem die vorstehend beschriebenen Nachteile vermieden
werden.
[0006] Gelöst wird die Aufgabe dadurch, dass mindestens ein Auflager mit dem Fahrgestell
verbunden ist, auf dem das Sitzteil im Bereich seines dem Rückenwandteil abgewandten
Endes lose aufliegt.
[0007] Der erfindungsgemäße Rollstuhl weist somit keine Linearführung auf. Es ist dort das
Auflager für das Sitzteil vorgesehen, dass die Funktion hat, die Gewichtskraft des
Sitzteils aufzunehmen. Es sind somit, bezüglich des erörterten Standes der Technik,
keine, eine bauliche Einheit miteinander bildende Führungen vorzusehen - stationäres
Bauteil und verschiebbares Bauteil -. Die seitliche Führungsfunktion für das Sitzteil
bzw. den Sitz übernimt das Fahrgestell, beispielsweise zwei parallele Bleche des Fahrgestells,
zwischen denen der Sitz angeordnet ist. Das Sitzteil liegt überdies lose auf dem Auflager
auf. Es ist damit dort nicht angelenkt. Diese lose Auflage des Sitzteils ermöglicht
es das Sitzteil hoch zu klappen, womit die Vorrichtung bei Nichtgebrauch platzsparend
untergebracht werden kann. Ein weiterer Vorteil der losen Auflage der Sitzfläche ist
darin zu sehen, dass die Möglichkeit besteht, die Lagerung der Auflage im Fahrgestell
so weiterzubilden, dass die Auflage in Längsrichtung bezüglich des Sitzteils verstellt
werden kann. In der Konsequenz lässt sich damit ein anderer Hebelarm für die Einleitung
der Gewichtskraft erreichen, die die Vorrichtung nutzende Person einleitet, um das
Moment zum Überführen von Rückenlehnenteil und Sitzteil der Vorrichtung in deren mehr
gestreckte Position aufzubringen.
[0008] Zweckmäßig sind zwei Auflager vorgesehen, die im Abstand voneinander angeordnet sind
und auf denen das Sitzteil aufliegt. Bei Verwendung von zwei Auflagern ist es besonders
vorteilhaft, wenn das Sitzteil im Bereich seiner den Rädern des Rollstuhl zugewandten
Seiten auf den Auflagern aufliegt. Das Sitzteil ist somit kippstabil gelagert, bezogen
auf eine Achse in Längsrichtung des Rollstuhls.
[0009] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das mindestens
eine Auflager horizontal und/oder vertikal verstellbar im Fahrgestell gelagert ist.
Die horizontale Verstellbarkeit ermöglicht eine Änderung des Hebelarms für die Einleitung
der Gewichtskraft der die Vorrichtung nutzenden Person um das Moment zum Überführen
von Rückenlehnenteil und Sitzteil in deren mehr gestreckte Position aufzubringen.
Durch horizontales Verstellen des Auflagers lässt sich die Neigung des Sitzteils variieren.
[0010] Vorteilhaft ist das mindestens eine Auflager in einer Stange gelagert, die im Fahrgestell
gelagert ist. Diese Stange ist insbesondere in einer Aufnahme des Fahrgestells verschiebbar
und festlegbar gelagert. Dies ermöglicht ein einfaches Verstellen des Auflagers, insbesondere
in im Wesentlichen horizontaler Richtung.
[0011] Die Verschiebung des Auflagers nach vorne und hinten verändert die Kraft, die erforderlich
ist, dass die Person mit dem Sitz in die Streckung gehen kann und bewirkt überdies
eine Veränderung der Position der Sitzfläche des Sitzteils, die mehr oder weniger
horizontal ist.
[0012] In der einfachsten Gestaltung ist die Auflagefläche des das Sitzteil aufnehmenden
Auflagers eben ausgebildet, wobei insbesondere die Auflagefläche im Wesentlichen horizontal
angeordnet ist. Alternativ kann die das Sitzteil aufnehmende Auflagefläche in einer
vertikalen Ebene gekrümmt ausgebildet sein, insbesondere ausgehend von einem im Wesentlichen
horizontalen Flächenabschnitt der Auflagefläche. Ist diese Krümmung nach oben gerichtet
und bewegt sich dann, wenn die Person das Moment zum Überführen von Rückenlehnenteil
und Sitzteil in deren mehr gestreckte Position aufbringt, das Sitzteil entlang der
gekrümmten Auflagefläche nach oben, muss die Person eine erhöhte Kraft zum Überführen
des Sitzes in die mehr gestreckte Position aufbringen, da sie das Sitzteil aufgrund
der geometrischen Vorgabe des Auflagers anheben muss. Unter diesem Aspekt sind unterschiedliche
Modifizierungen der Auflagefläche des Auflagers denkbar. Die Auflagefläche kann beispielsweise,
bezogen auf eine vertikale Ebene, zueinander abgewinkelt angeordnete Flächenabschnitte
aufweisen.
[0013] Durch die gewinkelte bzw. gekrümmte Gestaltung der Auflagerfläche des Auflagers besteht
somit die Möglichkeit das Sitzteil in einer mehr horizontalen Position zu halten,
den Widerstand bei der Streckung zu erhöhen und die Überführung des Sitzes in die
nicht gestreckte Position von Rückenlehnenteil und Sitzteil zu unterstützen.
[0014] Eine Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass das Auflager im Wesentlichen horizontal
geteilt ist, mit einem unteren im Fahrgestell gelagerten Auflagerteil und einem oberen
Auflagerteil, das die Auflagefläche aufweist, wobei zwischen den beiden Auflageteilen
ein elastisches Element, insbesondere mindestens eine Druckfeder, angeordnet ist.
Aufgrund dieser Gestaltung können dann, wenn die Person die gestreckte Position verlässt,
durch die Person in den Rollstuhl eingeleitete Stoßkräfte elastisch abgefedert werden.
Es wird hierdurch infolgedessen wirksam vermieden, dass die Person erschrickt und
überdies der Rollstuhl schlagartig den eingeleiteten Kräften ausgesetzt wird.
[0015] Bei einer baulich bevorzugten Ausgestaltung des Rollstuhls weist das Sitzteil einen
Sitzrahmen mit mindestens einer von diesem aufgenommenen Sitzplatte auf, wobei der
Sitzrahmen auf dem mindestens einen Auflager aufliegt. Das Rückenlehnenteil weist
vorzugsweise einen Rückenlehnenrahmen und mindestens eine von diesem aufgenommene
Rückenlehnenplatte auf. An der Sitzplatte und der Rückenlehnenplatte wird das ein-
oder mehrteilige eigentliche Sitzpolster befestigt, das somit im Bereich des Oberschenkels
und des Rückens der Person platziert ist.
[0016] Weitere Merkmale der Erfindung sind in den Unteransprüchen, der Beschreibung der
Figuren sowie den Figuren selbst dargestellt, wobei bemerkt wird, dass alle Einzelmerkmale
und alle Kombinationen von Einzelmerkmalen erfindungswesentlich sind.
[0017] In den Figuren ist die Erfindung anhand mehrerer Ausführungsformen beispielsweise
dargestellt, ohne hierauf beschränkt zu sein. Es stellt dar:
- Figur 1
- eine räumliche Ansicht des Rollstuhls, schräg von vorne gesehen, wobei der Rollstuhl
in einer Grundstellung von Sitzteilen und Rückenlehne veranschaulicht ist,
- Figur 2
- eine Seitenansicht des in Figur 1 gezeigten Rollstuhls,
- Figur 3
- eine räumliche Ansicht gemäß Figur 1, die das Fahrgestell des Rollstuhls zeigt,
- Figur 4
- eine räumliche Ansicht gemäß Figur 1, die den Sitz des Rollstuhls zeigt,
- Figur 5
- eine räumliche Ansicht des Rollstuhls gemäß Figur 1, veranschaulicht für die gestreckte
Stellung von Sitzteil- und Rückenlehnenteil,
- Figur 6
- eine Seitenansicht des in Figur 5 gezeigten Rollstuhls,
- Figur 7
- eine Seitenansicht des Rollstuhls, veranschaulicht für den Bereich des Auflagers zur
Aufnahme des Sitzteils, bei auf dem Auflager aufliegendem Sitzteil,
- Figur 8
- eine Ansicht gemäß Figur 7, bei von dem Auflager abgehobenem Sitzteil, verdeutlicht
für eine angehobene Zwischenstellung des Sitzteils,
- Figur 9
- eine Seitenansicht eines Ausschnitts des Rollstuhls, veranschaulicht für die Grundstellung
von Sitzteil und Rückenlehnenteil, bei modifiziert gestaltetem Auflager,
- Figur 10
- den in Figur 9 veranschaulichten Ausschnitt des Rollstuhls, in der Streckstellung
von Sitzteil und Rückenlehnenteil,
- Figur 11
- eine räumliche Ansicht eines Ausschnitts des Rollstuhls, schräg von vorne gesehen,
mit weiter modifizierten Auflagern und
- Figur 12
- eine Seitenansicht des in Figur 11 gezeigten Ausschnitts des Rollstuhls.
Der mit dynamischer Funktion ausgestaltete Rollstuhl 1 für körperbehinderte Personen
ist durch zwei wesentliche Komponenten gebildet, nämlich das Fahrgestell 2 und dem
im Fahrgestell gelagerten, herausnehmbaren Sitz 3. Das Fahrgestell 2 ist in der Figur
3, der Sitz 3 in der Figur 4 veranschaulicht.
[0018] Der Sitz 3 weist ein Rückenlehnenteil 4 und ein Sitzteil 5 auf. Das Rückenlehnenteil
4 weist einen Rahmen 6, der eine Rückenlehnenplatte 7 trägt, sowie zwei seitliche,
mit dem Rahmen 6 verbundene Lagerplatten 8 auf. Der Rahmen 6 und die parallel zueinander
angeordneten Lagerplatten 8 sind im wesentlichen im rechten Winkel zueinander angeordnet.
Im Bereich des Übergangs von Rahmen 6 und Lagerplatte 8 sind in den Lagerplatten 8
mittels eines Zugmechanismus 9 betätigbare Raststifte 10 gelagert. Um diese Raststifte
10 ist der Sitz 3 im Fahrgestell 2 schwenkbar gelagert.
[0019] Das Sitzteil 5 weist einen Rahmen 11 mit zwei zueinander verstellbaren, im Rahmen
11 gelagerten Sitzplatten 12 und zwei parallel zueinander angeordnete sich im wesentlichen
senkrecht zu den Sitzplatten 12 erstreckende Lagerplatten 13 auf. Die beiden Lagerplatten
13 sind mittels Bolzen 14 mit den Lagerplatten 8 schwenkbar verbunden.
[0020] Der Rahmen 11 besteht aus den ein- und ausschiebbaren sowie über nicht dargestellte
Mittel arretierbaren Rahmenteilen 15 und 16, womit durch die beiden Sitzplatten die
Sitzfläche vergrößert bzw. verkleinert werden kann.
[0021] Mit dem Rahmenteil 15 des Rahmens 11 sind verlängerbare Stäbe 17 um Achsen 18 schwenkbar
verbunden. Die Stäbe 17 nehmen eine Fußstütze 19 auf.
[0022] Das Fahrgestell 2 weist zwei hintere große Räder 20 und zwei vordere kleine Räder
21 auf, wobei die Räder 21 lenkbar sind. Die Räder 20, 21 sind in einem Rohrrahmen
22 des Fahrgestells 2 gelagert, der Längsstreben und diese verbindende Querstreben
aufweist. In den beiden parallel zueinander angeordneten Abschnitten des Rohrrahmens
22 sind auf einander zugewandten Seiten der beanstandeten Abschnitte des Rohrrahmens
22 zwei Steuerplatten 23 in diesen Bereichen des Rohrrahmens 22 gelagert. Diese Steuerplatten
23 sind, bezogen auf die Orientierung des Rollstuhls 1, mit mehreren, im hinteren
und oberen Bereich der Steuerplatten 23 angeordneten Löchern 24 versehen, wobei jeweils
zwei korrespondierende Löcher 24 der beiden Steuerplatten 23 der Aufnahme der beiden
Raststifte 10 des Sitzes 3 dienen. Je nachdem in welches Lochpaar der Löcher 24 die
axial verschieblichen Raststifte 10 eingesteckt werden, ergibt sich eine unterschiedliche
Schwenkachse des Sitzes 3 bezüglich der Steuerplatten 23.
[0023] Die beiden Steuerplatten 23 sind mittels zweier Querstreben 25 miteinander verbunden.
Diese Querstreben 25 nehmen im Bereich der Steuerplatten 23 parallel zu diesen angeordnete
Rohrstücke 26 auf, die mit den Querstreben 25 befestigt sind. In das jeweilige Rohrstück
26 ist eine Stange 27 eingesteckt, die mittels nicht gezeigter Klemmmittel in beliebiger
eingeschobener bzw. ausgezogener Stellung bezüglich des Rohrstücks 26 positioniert
werden kann. Die jeweilige Stange 27 nimmt im Bereich ihres dem Rohrstück abgewandten
Endes einen als Auflagerklotz ausgebildetes Auflager 28 mit oberer Auflagefläche 29
auf.
[0024] Bei dem Rollstuhl 1 ist somit, wie insbesondere der Darstellung der Figur 2 zu entnehmen
ist, der Sitz 3 mit seinem Rückenlehnenteil 4 um die Achse der Raststifte 10 schwenkbar
in den beiden, Bestandteil des Fahrgestells 2 bildenden Steuerplatten 23 gelagert.
Das Sitzteil 5 des Sitzes 3 liegt lose mit dem Querrohr 30 des Rahmenteils 15, allgemein
mit dem Rahmenteil 15 oder sogar mit dem Rahmenteil 16 auf den beiden Auflagern 28
auf, je nach Einstellung und Einstellung des Rahmens 11 bzw. der Auflager 28, und
kontaktiert hierbei die Auflagefläche 29 der Auflager 28.
[0025] Aufgrund der schwenkbaren Lagerung des Sitzes 3 über die Raststifte 10 im Fahrgestell
2 und die lose Lagerung des Sitzes 3 in den beiden Auflagern 28 sowie die gelenkige
Anlenkung von Rückenlehnenteil 4 und Sitzteil 5 mittels der Bolzen 14 können das Sitzteil
5 und das Rückenlehnenteil 4 unterschiedliche Winkelpositionen zueinander einnehmen
und damit die dynamische Funktion des Sitzes bewerkstelligt werden. Im Unterschied
zu der Ausgangsstellung des Sitzes 3 gemäß Figur 4, in der das Rückenlehnenteil 4
im wesentlichen im rechten Winkel zum Sitzteil 5 angeordnet ist, veranschaulichen
die Figuren 5 und 6 die dynamische Stellung, in der das Sitzteil 5 und das Rückenlehnenteil
4 einen größeren Winkel miteinander einschließen. Diese dynamische Wirkung ergibt
sich durch Einleiten eines hierfür erforderlichen Momentes durch die auf dem Rollstuhl
1 sitzende Person, die ihren Körper in eine gestrecktere Stellung überführen will.
[0026] Der Rollstuhl 1 ist zusätzlich mit Mitteln versehen, die den Sitz in der Normalstellung
fixieren, somit es nicht erlauben, die dynamische Funktion darzustellen. Unter diesem
Aspekt sind die beiden Lagerplatten 8 mit voneinander weg gerichteten, somit nach
außen gerichteten Stiften 31 versehen, die in der Normalstellung des Sitzes 3 in Schlitze
32 der Steuerplatten 23 eingreifen, wobei in geringem Abstand zum Grund des jeweiligen
Schlitzes 32 ein Arretierstift 33 durch Betätigungsmittel, die einen Drehknopf und
einen Seilzug umfassen, in eine Hintergriffsstellung mit dem Arretierstift 33 oder
in eine Stellung, in der kein Hintergriff erfolgt, überführbar ist. In der Hintergriffsstellung
sind die Stifte 31 festgelegt, so dass die dynamische Funktion nicht verwirklicht
werden kann.
[0027] Eine weitere Zusatzfunktion des Rollstuhls 1 ist darin zu sehen, dass über nicht
näher dargestellte Mittel die Steuerplatten 23 schwenkbar im Rohrrahmen 22 gelagert
sind. Dies ermöglicht es, den Sitz 3 insgesamt, bei Beibehaltung der Funktionalität
der dynamischen Stellung, um eine parallel zur Achse der Räder 20 angeordnete Achse
zu schwenken. Zum Festlegen der Steuerplatten 23 in der gewünschten Winkelstellung
dienen im Rohrrahmen 22 gelagerte Arretiermittel 25, die in eine Raststellung mit
der Ausnehmung 36 der Steuerplatten 23 bringbar sind. Diese Arretiermittel 25 sind
gleichfalls über nicht dargestellte Mittel betätigbar.
[0028] In einfachster Gestaltung ist die Auflagefläche 29 des jeweiligen Auflagers 28 eben
ausgebildet, insbesondere horizontal angeordnet. Aufgrund der Lagerung des Auflagers
28 lässt sich dieses horizontal verschieben und damit der Anlenkpunkt des Sitzes 3,
konkret der Anlenkpunkt des Sitzes 3 im Bereich des Rahmens 11 verändern.
[0029] Eine erste Modifizierung des Auflagers 28 sieht vor, dass es, wie insbesondere der
Darstellung der Figur 3 und der Figur 6 zu entnehmen ist, ebene, abgewinkelte Abschnitte
37 und 38 der Auflagefläche 29 aufweist. Demnach kann die Kontaktierung des Auflagers
28 in unterschiedlichen Abschnitten erfolgen, beispielsweise in einem horizontalen
und anschließend einem zur horizontalen geneigten Abschnitt, wobei dieser Abschnitt
nach oben oder unten geneigt sein kann, je nach den gewünschten Kraftangriffsverhältnissen
und damit gewünschten Momenten, die von der Person einzuleiten sind, um die dynamische
Funktion zu verifizieren.
[0030] Wie zuvor beschrieben liegt das Sitzteil 5 lose auf dem Auflager 8 auf. Figur 8 veranschaulicht
das Sitzteil 5 in einer teilweise nach oben geschwenkten Position, in der das Querrohr
30 vom Auflager, konkret den beiden Auflagern 28 abgehoben ist.
[0031] Die Figuren 9 und 10 zeigen eine modifizierte Ausführungsform. Bei dieser ist die
Auflagefläche 29 des jeweiligen Auflagers 28 in der vertikalen Ebene, die mit der
Blattebene übereinstimmt, gekrümmt ausgebildet. Diese Auflagefläche 29 besitzt einen
im wesentlichen horizontalen Flächenabschnitt und einen sich an diesen in Richtung
des Rückenlehnenteils 4 anschließenden gekrümmten Abschnitt, wobei die Krümmung, vom
horizontalen Abschnitt ausgehend, nach oben gerichtet ist. Beim Überführen des Sitzes
3 in die gestreckte Stellung, die in Figur 10 veranschaulicht ist, gleitet das Querrohr
30 entlang der gekrümmten Auflageflächen 29 der Auflager 28 nach oben, womit die Person
beim Überführen des Sitzes 3 in die gestreckte Stellung das Sitzteil 5 zusätzlich
anheben muss und damit ein erhöhtes Moment aufbringen muss.
[0032] Die Figuren 11 und 12 veranschaulichen eine weitere Modifizierung des jeweiligen
Auflagers 28. Das Auflager 28 ist im wesentlichen horizontal geteilt, mit einem unteren,
in der Stange 27 gelagerten Auflagerteil 39 und einem oberen Auflagerteil 40, das
die Auflagefläche 29 aufweist. Zwischen beiden Auflagerteilen 39 und 40 ist eine Druckfeder
41 angeordnet. Aufgrund dieser Gestaltung werden Kräfte über den Sitz 3 gedämpft in
das Auflager 38 eingeleitet.
1. Rollstuhl (1) für körperbehinderte Personen, mit einem in einem Fahrgestell (2) gelagerten
Sitz (3), der ein Rückenlehnenteil (4) und ein Sitzteil (5) aufweist, wobei das Rückenlehnenteil
(4) im Fahrgestell (2) schwenkbar gelagert ist, sowie das Rückenlehnenteil (4) und
das Sitzteil (5) frei schwenkbar miteinander verbunden sind und das Sitzteil (5) im
Bereich seines dem Rückenlehnenteil (4) abgewandten Endes relativ zum Fahrgestell
(2) verschiebbar in diesem gelagert ist, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Auflager (28) mit dem Fahrgestell (2) verbunden ist, auf dem das Sitzteil
(5) im Bereich seines dem Rückenwandteil (4) abgewandten Endes lose aufliegt.
2. Rollstuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zwei Auflager (28) vorgesehen sind, die im Abstand voneinander angeordnet sind und
auf denen das Sitzteil (5) aufliegt.
3. Rollstuhl nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Sitzteil (5) im Bereich seiner den Rädern (21, 22) des Rollstuhls (1) zugewandten
Seiten auf den Auflagern (28) aufliegt.
4. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Auflager (28) horizontal und/oder vertikal verstellbar im Fahrgestell
(2) gelagert ist.
5. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Auflager (28) in einer Stange (27) gelagert ist, die im Fahrgestell
(2) gelagert ist.
6. Rollstuhl nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Stange (27) in einer Aufnahme (26) des Fahrgestells (2) verschiebbar und festlegbar
gelagert ist.
7. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die das Sitzteil (5) aufnehmende Auflagefläche (29) des Auflagers (28) eben ausgebildet
ist, insbesondere im wesentlichen horizontal angeordnet ist.
8. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die das Sitzteil (5) aufnehmende Auflagefläche (29) des Auflagers (28), in einer
vertikalen Ebene gesehen gekrümmt ausgebildet ist, insbesondere ausgehend von einem
im wesentlichen horizontalen Flächenabschnitt der Auflagefläche (29).
9. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Auflagefläche (29) des Auflagers (28), in einer vertikalen Ebene gesehen, zueinander
abgewinkelt angeordnete Flächenabschnitte aufweist.
10. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Auflager (28) im wesentlichen horizontal geteilt ist, mit einem im
unteren Fahrgestell (2) gelagerten Auflagerteil (39) und einem oberen Auflagerteil
(40), das die Auflagefläche (29) aufweist, wobei zwischen den beiden Auflagerteilen
(39, 40) ein elastisches Element (41), insbesondere eine Druckfeder angeordnet ist.
11. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Sitzteil (5) einen Sitzrahmen (11) und mindestens eine von diesem aufgenommene
Sitzplatte (12) aufweist, wobei der Sitzrahmen (11) auf dem mindestens einen Auflager
(38) aufliegt.
12. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Rückenlehnenteil (4) einen Rückenlehnenrahmen (6) und mindestens eine von diesem
aufgenommene Rückenlehnenplatte (7) aufweist.
13. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass am vorderen Ende des Sitzteils (5) eine Fußstütze (2) schwenkbar angelenkt ist.