[0001] Die Erfindung richtet sich auf ein Prägeverfahren zur Herstellung einer originalgetreuen
dreidimensionalen Relief- und/oder Bildreproduktion eines Relief- und/oder Bildoriginals
in Form eines Prägebildes.
[0002] Es besteht vielfach Bedarf an möglichst kostengünstigen aber andererseits auch möglichst
originalgetreuen Wiedergaben und Reproduktionen von Kunstwerken wie Bildern oder Reliefs.
Zwar ist es bekannt, derartige Bilder allein mit Hilfe fotografischer Prozesse zu
reproduzieren. Bei diesen Prozessen bleibt es aber bei einer zweidimensionalen Darstellung
der jeweiligen Abbildung, so dass die beim Originalkunstwerk vorhandene Dreidimensionalität
nicht wiedergeben wird. Insbesondere Ölgemälde zeichnen sich dadurch aus, dass die
Oberfläche des Originalbildes reliefartig gestaltet ist und es Bereiche unterschiedlich
starken Farbauftrages gibt. Auch ist durch den jeweiligen "Pinselstrich" des Künstlers
eine besondere, dem jeweiligen Kunstwerk eigene Oberflächenstruktur vorhanden.
[0003] Es sind nun schon die verschiedensten Versuche unternommen worden, originalgetreue,
dreidimensionale Abbildungen von Kunstwerken zu schaffen.
[0004] So beschreibt die
US 5,201,548 ein Pressverfahren, bei welchem eine PVC-Folie zwischen zwei, jeweils ein Oberflächenrelief
des wiederzugebenden Kunstwerkes aufweisenden Prägeformen verformt wird. Die Verwendung
einer PVC-Folie bedingt weitere Maßnahmen, damit das aufgebrachte Relief stabil bleibt
und insbesondere die ausgebildeten Verformungen auch exakt an der Stelle sind und
bleiben, an denen ein entsprechender Farbaufdruck vorhanden ist. Da bei diesem Verfahren
mit einer relativ dicken Folie gearbeitet werden muss, ist in der
DE 28 51 875 A1 auch schon vorgeschlagen worden, eine dünne PVC-Folie auf einer mit Unter- oder Überdruck
zu beaufschlagenden Form zum Aufschmelzen zu bringen. Schließlich ist aus der
EP 0 873 233 B1 ein Vakuumtiefziehverfahren bekannt.
[0005] Die
DE 28 51 875 A1 offenbart ein Verfahren, bei welchem eine mit einer Leinwand auf der Rückseite versehene
Kunststofffolie auf eine reliefartige Oberfläche einer Form aufgelegt und dann erwärmt
wird. Die Folie wird auf Fließtemperatur erwärmt und es erfolgt ein Einschmelzen der
Folie in die Vertiefung der Reliefform. Hierbei wird die Folie durch ihr Eigengewicht
verformt und es wird keine weitere Kraft auf sie ausgeübt. Eine Einschmelzung einer
Folie in Vertiefungen einer Reliefform durch ihr Eigengewicht ist in der Praxis nicht
praktikabel, da eine Kunststofffolie im Laufe der Erwärmung hohe Eigenspannung aufbaut,
Wellen wirft etc. Eine Verformung durch ihr äußerst geringes Eigengewicht kann allenfalls
eine amorphe und ungenaue Formgebung annehmen.
[0006] Die
EP 0 011 731 A1, die die Priorität der
DE 28 51 875 A1 in Anspruch nimmt, offenbart ein Verfahren zur Reproduktion von Ölgemälden oder ähnlich
strukturierten Gebilden, bei welchem eine thermoplastische Farbbildfolie auf eine
reliefartige Matrize gelegt wird und auf die Rückseite eine Verstärkungsfolie aus
leinwandartigem Gewebe gelegt wird, die auf der der Farbfolie zugewandten Seite eine
dielektrisch erwärmbare Beschichtung aufweist. Dann erfolgt mit Hilfe einer planen
Druckausgleichsplatte nach Erwärmung der Bildfolie ein Verschweißen der Verstärkungsschicht
des leinwandartigen Gewebes mit der Folie, sowie eine Verformung der Folie entsprechend
der reliefartigen Gestaltung der Matrize. Bei dem Verfahren nach der
EP 0 011 731 A1 wird somit mittels einer planen Gegenplatte ein Druck auf die Folie ausgeübt, der
die Folie in das Relief drückt. Hierbei kann die Ausbildung des Reliefs jedoch nur
in einer solchen Höhe erfolgen, die im Wesentlichen der Materialstärke der Folie entspricht.
Die plane Druckplatte ist nicht geeignet, die Folie in größere Vertiefungen hinein
zu pressen. Im Ergebnis ist allenfalls eine sehr flache Reliefdarstellung möglich.
[0007] Weiterhin offenbart die
DE 7243476 U nun ein Verfahren, bei welchem eine, mittels eines Druckverfahrens auf Papier hergestellte
Reproduktion eines Gemäldes auf eine Kartonplatte aufgeklebt wird, und diese Kartonplatte
dem Druck einer beheizten Matrize mit reliefartiger Struktur ausgesetzt wird. Ergänzend
kann von der Rückseite eine zweite Matrize, die das Relief einer Leinwandstruktur
wiedergibt, vorhanden sein. Hier wird also ein Prägepressverfahren durchgeführt, bei
welchem eine, mit einer bedruckten Papierschicht versehene, Kartonplatte zwischen
zwei Matrizen gepresst wird, wobei aber lediglich eine Matrize eine reliefartige Oberflächenstruktur
aufweist, die die Oberflächenstruktur des reproduzierenden Bildes wiedergibt, und
die andere eine leinwandartige Struktur auf die Kartonplatte überträgt. Mit diesem
Verfahren kann zwar ein gewisser Leinwandeffekt erzielt werden, jedoch nur an den
Stellen, an denen auch das Relief der Matrize plan ist, und insofern einen Gegendruckpunkt
aufbauen kann. In Bereichen, wo die reliefartige Matrize im Verhältnis zu der im Wesentlichen
planen Matrize mit Leinwandstruktur größere Vertiefungen aufweist, wird aber kein
Gegendruck aufgebaut, so dass an diesen Stellen die Kunststofffolie entweder lediglich
in die Vertiefung hineinfließt oder eine ungleichmäßige Druckverteilung aufgebaut
wird. Hierbei entsteht dann sowohl auf der Seite der Leinwandstruktur als auch auf
der Seite des Reliefs ein unregelmäßiges Druckbild. Auch in diesem Fall kann die Relieftiefe
dabei höchstens die Tiefe der Materialstärke des verpressten Materials erreichen,
so dass auch bei diesem Verfahren im Wesentlichen nur grobe und flache Abbildungsstrukturen
erreichbar sind.
[0008] Allen diesen Verfahren ist gemeinsam, dass beispielsweise im Falle, dass eine Leinwandstruktur
wiedergegeben werden soll, diese in die jeweilige Prägeform eingearbeitet wird, was
relativ aufwändig ist, wenn man sich die Feinstrukturierung von Leinwandgewebe vor
Augen hält. Ebenso müssen besondere Maßnahmen vorgesehen werden, damit es nicht zu
einer Verzerrung, einem Verfließen oder Wiederaufheben der aufgebrachten bzw. in die
jeweilige Folie eingebrachten Reliefstruktur kommt, was insbesondere bei Kunststofffolien
wichtig und notwendig ist.
[0009] Neben diesen maschinell durchzuführenden Verfahren gibt es dann noch Verfahren, bei
welchen die Relief- oder Texturstruktur durch den mehrfachen Auftrag von Farbschichten,
beispielsweise mittels Siebdruckverfahren, hergestellt wird.
[0010] Allen diesen Verfahren haftet aber bis heute immer noch der Nachteil an, dass dadurch
kein wirklich realistisches Abbild der Mal- oder Reliefstruktur, wie sie durch den
pastösen Auftrag von Farbe mit Pinsel oder Spachtel im ursprünglichen Originalkunstwerk
entsteht, nachzubilden ist. Die äußerst realistische Nachbildung von Kunstwerken ist
auch heute immer noch allein in aufwändiger händischer Kopierarbeit in Einzelanfertigung
möglich.
[0011] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein demgegenüber verbessertes Verfahren
und eine Lösung zu schaffen, die eine realistische, die Originalstruktur eines Kunstwerks
reproduzierbar wiedergebende Oberflächenstruktur schafft.
[0012] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Prägeverfahren zur Herstellung einer originalgetreuen
dreidimensionalen Relief- und/oder Bildreproduktion eines Relief- und/oder Bildoriginals
in Form eines Prägebildes, welches umfasst
- das Bereitstellen einer erwärmten Prägeform aus Metall oder einer mit Metall hoch
angereicherten Kunstharzmischung, insbesondere einer Aluminiumform, mit positivem,
die zu reproduzierende Oberflächenstruktur originalgetreu abbildendem Oberflächenrelief,
- das Bereitstellen einer erwärmten Prägeform aus Metall oder einer mit Metall hoch
angereicherten Kunstharzmischung, insbesondere Aluminiumform, mit negativem, die zu
reproduzierende Oberflächenstruktur originalgetreu abbildendem Oberflächenrelief,
- das Kaschieren einer dünnen, leinwandartig strukturierten und flexiblen Prägebasis
mit einer thermoplastischen Kunststofffolie zu einem flächigen Prägegebilde,
- das lagegenaue Einbringen des Prägegebildes auf ein Oberflächenrelief oder zwischen
positivem und negativem Oberflächenrelief,
- das Zusammenfahren von oberer und unterer Prägeform bei dazwischen liegendem Prägegebilde
und Durchführung einer Pressprägung unter erhöhtem Temperatur- und Druckeinfluss sowie
- nach einem kurzen Pressprägen das Auseinanderfahren der Prägeformen und Abkühlen mindestens
einer Seite des nun reliefartig strukturierten Prägegebildes.
[0013] Durch dieses Verfahren wird eine Lösung geschaffen, mit welchem auch in hoher Auflage
quasi industriell Oberflächenstrukturen von Gemälden oder Reliefs maßgenau und originalgetreu
reproduziert werden können. Dadurch, dass die thermoplastische Folie auf ein Leinwandgewebe
bzw. eine leinwandartig strukturierte Prägebasis aufkaschiert wird, bleibt die thermoplastische
Kunststofffolie im Verhältnis zu der Prägebasis auch nach dem Pressprägevorgang fest
und stabil fixiert, so dass die ausgebildeten Prägungen sicher erhalten bleiben. Insbesondere
wird eine Rückbildung der Verformung vor Abkühlung der Folie unter Warmformgebungstemperatur
der Folie vermieden. Außerdem befindet sich auf der Rückseite des Prägebildes ein
flächiges Gebilde mit Leinwandstruktur, die auch in der Bildseite als Prägung erscheint.
Dem Betrachter wird damit ein täuschend echtes Bild suggeriert.
[0014] Um eine Reproduktion von Gemälden oder Bildern zu schaffen, ist in Weiterbildung
der Erfindung vorgesehen, dass die Kunststofffolie des flächigen Prägegebildes mit
einer das zu reproduzierende Relief und/oder Bild, insbesondere originalgetreu, wiedergebenden
Abbildung bedruckt wird. Zweckmäßigerweise wird eine bereits bedruckte Folie dem Prägeverfahren
unterworfen, es ist aber auch möglich, eine bereits geprägte Folie zu bedrucken.
[0015] In einer alternativen Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann auch vorgesehen
sein, dass ein Prägegebilde der Pressprägung unterworfen wird, das ein Leinwandgewebe
mit darauf aufgebrachter Kunststofffolie sowie einem darauf aufgebrachten Papier-
und/oder Kunststoffprodukt umfasst, wobei die Abbildung des zu reproduzierenden Relief-
und/oder Bildoriginals auf dieses Papier- und/oder Kunststoffprodukt aufgedruckt wird.
Bei einem solchen Verfahren lässt sich in Kombination die Festigkeit eines Leinwandgewebes
mit der thermoplastischen Verformbarkeit einer Kunststofffolie und den beispielsweise
hinsichtlich des angewendeten Druckverfahrens optimierten Eigenschaften eines weiteren,
vorzugsweise schichtförmig auflamierten Papier- und/oder Kunststoffproduktes kombinieren.
[0016] Ein besonders vorteilhaftes Erstellen der Prägeformen für die Durchführung des erfindungsgemäßen
Prägeverfahrens lässt sich gemäß Weiterbildung der Erfindung dadurch realisieren,
dass das zu reproduzierende Relief- und/oder Bildoriginal optisch und/oder mittels
3D(dreidimensionalem)-Scanning erfasst, aus den derart erhaltenen Abbildungen und/oder
Daten ein topografisches, vorzugsweise detailgenaues und/oder detailgetreues Strukturmodell
abgeleitet und dieses in vergrößerter oder verkleinerter Form in mindestens eine,
vorzugsweise mit Hilfe mindestens eines Schichtmodells, erstellte Modellform zur Schaffung
des Oberflächenreliefs von positiver und negativer Prägeform umgesetzt wird.
[0017] Mit Hilfe optischer, fotochemischer und insbesondere dreidimensionalem 3D-Scanning
lässt sich mit den heutigen Methoden ein das Originalkunstwerk verkleinert oder vergrößert
abbildendes topografisches Strukturmodell herstellen, welches dann sämtliche Details
des Originalkunstwerkes abbildet. Derartige Scan-Verfahren sind dem Fachmann aus der
Drucktechnik bekannt.
[0018] Anhand des topografischen Strukturmodells lässt sich dann beispielsweise eine Modellform
aus Kunstharz herstellen, in die beispielsweise mittels Fräsen das Oberflächenrelief,
das aus dem topografischen Strukturmodell hergeleitet ist, ausgebildet wird. Die Erfindung
sieht daher in Ausgestaltung vor, dass eine oder mehrere Modellformen aus Kunstharz
erstellt wird.
[0019] Es ist aber auch möglich, durch Auftragen einer beispielsweise farblosen Masse auf
eine ebene Unterlage eine strukturierte oder texturierte Oberfläche zu schaffen und
von dieser dann die Modellform abzugießen.
[0020] Die jeweilige Modellform wird dann benutzt, um daraus dann die Prägeformen zu gießen.
Es wird daher gegebenenfalls sowohl eine Modellform für die positive Prägeform als
auch eine Modellform für die negative Prägeform erstellt. Diese Erfindung sieht jedenfalls
in weiterer Ausgestaltung vor, dass mittels der Modellform (en) die positive und negative
Prägeform aus Metall, insbesondere Aluminium oder einer mit Metall, insbesondere Aluminium,
hoch angereicherten Kunstharzmischung, gegossen wird. Aluminium oder eine mit Aluminium
angereicherte Metalllegierung haben den Vorteil, dass in derartigen Prägeformen zigtausend
Prägevorgänge durchgeführt werden können, ohne dass die Oberflächen dabei leiden und
eine Qualitätseinbuße bei dem hergestellten Produkt zu erkennen wäre. Weiterhin haben
Metallformen den Vorteil, dass dort bei dem späteren Reproduktionsprodukt matt erscheinende
oder glänzend erscheinende Bereiche durch entsprechende Strukturierung, beispielsweise
Bürsten einer Aluminiumoberfläche oder Polieren der Aluminium- oder Metalloberfläche,
besonders bearbeitet werden können. Die Erfindung zeichnet sich daher weiterhin dadurch
aus, dass in der Reliefreproduktion strukturiert oder glatt erscheinende Oberflächenbereiche
durch in den Prägeformen matt oder glänzend ausgebildete Oberflächenbereiche erhalten
werden.
[0021] Neben der Prägeform ist das verwendete Prägematerial, das den Bild- und/oder Reliefträger
darstellt und somit das spätere Reproduktionsprodukt beinhaltet, für die erfolgreiche
Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens von Wichtigkeit. Besonders vorteilhaft
ist es gemäß Ausgestaltung der Erfindung daher, dass auf die Prägebasis eine Heißpräge-
und/oder Kunststofffolie, vorzugsweise aus PET (Polyethylenterephthalat) oder Polystyrol,
aufgebracht, insbesondere aufkaschiert wird.
[0022] Weiterhin hat sich herausgestellt, dass sich das Verfahren in vorteilhafter, positiver
Weise dann besonders gut durchführen lässt, wenn die Kunststofffolie auf eine Prägebasis
aus Leinwandgewebe, Papier, Papiergewebe, Zellulose oder Zellulosegewebe oder ein
diese Bestandteile enthaltendes Material aufkaschiert wird.
[0023] Hierbei ist es zweckmäßig und für die Durchführung des Prägepressverfahrens besonders
zweckmäßig, wenn die Kunststofffolie auf eine Prägebasis aus Leinwandgewebe mit einer
hohen Wärmedurchlässigkeit oder hohem Wärmeleitvermögen und gleichzeitig hoher mechanischer
Stabilität der Webstruktur aufkaschiert wird.
[0024] Während es mit dem erfindungsgemäßen Verfahren möglich ist, ausschließlich Reliefstrukturen
abzubilden, ist es auch möglich, farbige Bilder einschließlich ihrer Reliefstruktur
mit dem erfindungsgemäßen Prägeverfahren herzustellen. Hierbei ist es besonders zweckmäßig,
die Farbe mittels Siebdruck- oder Offset-Druckverfahren aufzubringen, so dass die
Erfindung weiterhin vorsieht, dass die Abbildung mittels Siebdruck- oder Offset-Druckverfahren
auf die Kunststofffolie oder das Papier- und/oder Kunststoffprodukt aufgedruckt wird.
[0025] Da es beim späteren Pressprägen zu einer dreidimensionalen Verformung des flächigen
Prägegebildes kommt, ist es notwendig, dabei gegenüber einem rein zweidimensionalen
Abdruck eines Bildes entstehende Verzerrungen zu berücksichtigen. Hier gibt es heutzutage
spezielle Software, die das einer späteren dreidimensionalen Verformung unterworfene
Druckbild derart berechnet, dass die entstehenden Verzerrungen berücksichtigt werden.
Solche Software ist aus dem Bereich des Vakuumtiefziehens bekannt. Die Erfindung sieht
daher in Weiterbildung vor, dass beim aufzudruckenden Druckbild durch die anschließende
Verformung/Prägung des Prägegebildes entstehende Verzerrungen der Abbildungen berücksichtigt
werden.
[0026] Weiterhin ist bei dem erfindungsgemäßen Prägeverfahren zu berücksichtigen, dass mit
Druck und Temperatur gearbeitet wird, so dass die verwendete Farbe bzw. das verwendete
Farbsystem diesen Bedingungen angepasst sein muss. Die Erfindung zeichnet sich daher
weiterhin dadurch aus, dass beim Druckverfahren Farben oder Farbsysteme verwendet
werden, die dem Temperatur-, Druck- und Verformungsbedingungen des Prägeprozesses
unterworfen werden können. Derartige Farben und Farbsysteme sind ebenfalls aus dem
Bereich des Vakuumtiefziehens bekannt.
[0027] Um das Prägegebilde bzw. das Druckbild der Abbildung und das entsprechende Oberflächenrelief
passgenau während des Pressprägens übereinander anordnen zu können, sieht die Erfindung
weiterhin vor, dass das positive und/oder negative Oberflächenrelief der jeweiligen
Prägeform einerseits und das Druckbild der Abbildung oder das Prägegebilde andererseits
jeweils mit Markierungen versehen werden, die vor Durchführung der Pressprägung in
fluchtende Übereinanderlage gebracht werden.
[0028] Insbesondere ist das Verfahren von Vorteil, wenn hierbei die Reihenfolge eingehalten
wird, dass zunächst die Kunststofffolie auf das Leinwandgewebe aufkaschiert und mit
diesem fest verbunden wird, dann bedruckt und anschließend der Pressprägung unterworfen
wird, wodurch sich die Erfindung ebenfalls auszeichnet.
[0029] Weiterhin kann noch vorgesehen sein, dass das Pressprägeverfahren durch Beaufschlagung
des Prägegebildes mit einem Vakuum oder mit Druckluft unterstützt wird, so dass sich
die Erfindung auch dadurch auszeichnet, dass die Pressprägung durch ein durch die
positive und/oder negative Prägeform hindurch an das Prägegebilde angelegtes Vakuum
und/oder aufgebrachte Druckluft unterstützt wird.
[0030] Schließlich wird die oben stehende Aufgabe durch eine dreidimensionale Relief- und/oder
Bildreproduktion eines Relief- und/oder Bildoriginals in Form eines Prägebildes hergestellt
nach einem der Ansprüche 1 bis 16 gelöst.
[0031] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren werden die Nachteile des Standes der Technik
beseitigt und es wird eine qualitativ deutlich verbesserte Reproduktionsmöglichkeit
zur originalgetreuen Reproduktion unter Herstellung eines Prägebildes geschaffen.
Die Verwendung einer Matrize in Verbindung mit einer genau spiegelbildlich erstellten
Matrize ergibt an jedem Punkt des Reliefs einen präzisen Gegendruckpunkt, so dass
der ausgeübte Druck auf die Foliensandwichstruktur, dass heißt den Aufbau von Folie
mit aufkaschierter Leinwand, an jedem Punkt des Reliefs gleich ist. Nach lagegenauer
Positionierung und Erhitzung der Kunststofffolie erfolgt in der Zehntelsekunde, in
welcher die Schmelztemperatur der Folie erreicht ist, ein schlagartiger Pressvorgang,
der die Folie in die Reliefstrukturen in allen Höhen und Tiefen gleichmäßig formt
und fixiert. Durch diese mechanische Verformung wird auch das Leinwandgewebe gleichmäßig
mit in die reliefartigen Ausnehmungen und Ausprägungen hineingepresst. Für eine demgegenüber
nochmals verbesserte Qualitätssteigerung und ein verbessertes Hineintreiben der Folie
auch in feinste Mikrostrukturen der Form hat sich das fast gleichzeitige Anlegen von
Druckluft als weitere deutliche Verbesserungsmaßnahme erwiesen. Wenn die Druckluft
in gleichmäßig angelegten Bohrungen durch die positive Matrize gepresst wird, entsteht
an der Folie ein zusätzlicher homogener Druckaufbau. Die Schnelligkeit des Prozesses
und die hohen Drücke (3 bar Druckluft ergeben 30 t Druck pro m
2), ermöglichen eine quasi fotographische Abbildung der Form. Eine ebenfalls schnelle
Erkühlung der Form gewährleistet ein Erstarren der Folie ohne Qualitätsverluste. Durch
die passgenaue Patrizen/Matrizen-Anordnung können hohe Reliefstärken erreicht werden,
relativ unabhängig von der Materialstärke des aus Folie und Leinwandstruktur bestehenden
Sandwiches.
[0032] Die Erfindung ist nachstehend anhand einer Zeichnung beispielhaft näher erläutert.
Die einzige Darstellung zeigt eine negative Prägeform 1 aus Aluminium mit einer fluchtend
dazu ausgerichteten positiven Prägeform 2 aus Aluminium und einem dazwischen eingelegten
Prägegebilde 3, das eine auf der reliefartigen Oberseite der positiven Prägeform 2
aufliegende leinwandartig strukturierte und flexible Prägebasis 4 aus einem festen,
hitzebeständigen Leinwandgewebe und eine darauf aufkaschierte, der reliefartigen Oberseite
der negativen Prägeform 1 zugewandte Kunststofffolie 5 umfasst. Bei dem erfindungsgemäßen
Prägeverfahren wird zunächst in diesem Ausführungsbeispiel ein Leinwandgewebe bereit
gestellt, das eine hohe Wärmedurchlässigkeit bzw. ein hohes Wärmeleitvermögen aufweist
und dabei aber insbesondere hinsichtlich einer Verschiebung der Webfäden zueinander
von einer relativ hohen mechanischen Stabilität ist. Dieses Leinwandgewebe ist so
stabil, dass es die darauf aufkaschierte Folie 5 "an Ort und Stelle" hält, insbesondere
Relativverschiebungen hinsichtlich der Oberflächenstruktur vermeidet. Darüber hinaus
wird bei dem durchgeführten Prägeprozess der Pressprägung, die Leinwandgewebestruktur
in die thermoplastische Kunststofffolie 5 eingedrückt, so dass neben der sich aus
der reliefartigen Oberflächenstruktur von positiver und negativer Prägeform 1, 2 ergebenden
Ausprägung bzw. Strukturierung des Prägegebildes 3 sich in der Folie 5 auch die Leinwandstruktur
abbildet, obwohl diese nicht in die Oberfläche der Prägeformen eingearbeitet ist.
Anstelle der verwendeten thermoplastischen Kunststofffolie 5 kann auch eine Wachsfolie
oder eine Heißprägefolie verwendet werden.
[0033] Die thermoplastische Kunststofffolie 5 ist auf das Leinwandgewebe 4 mittels Sprühkleber,
Hotmeltverklebung oder ähnlichem aufkaschiert und fest mit der Leinwand verbunden.
Auf das die fest miteinander verbundenen Bestandteile Leinwandgewebe 4 und thermoplastische
Kunststofffolie 5 umfassende Prägegebilde 3 ist gewünschtenfalls vor Einlage des Prägegebildes
3 zwischen die Prägeformen 1 und 2 im Siebdruck oder Offset-Druckverfahren ein farbliches
Bild, insbesondere die originalgetreue Abbildung des zu reproduzierenden Kunstwerkes
aufgedruckt worden. Die untere positive Prägeform ist auf einen Temperaturbereich
zwischen 140 und 180 °C erwärmt bzw. aufgeheizt worden und die obere, negative Prägeform
1 ist auf eine Temperatur von 60 bis 80 °C erwärmt bzw. aufgeheizt worden, bevor die
Pressprägung beginnt und das Prägegebilde 3 zwischen die Firmen 1, 2 gebracht wird.
Bei der Durchführung des Prägeverfahrens bzw. der Pressprägung werden die Temperaturen
gehalten und die derart erwärmten Prägeformen 1 und 2 nun mit einem Druck von 100
bis 250 kg/cm
2 mit dem dazwischen liegenden Prägegebilde 3 aufeinander gepresst. Dies kann beispielsweise
dadurch geschehen, dass an zumindest der Außenseite einer der Prägeformen 1 und 2
eine Pressrolle auf einer Länge von ca. 80 cm, was vorzugsweise dem Formenmaß entspricht,
entlang bewegt wird. Dadurch, dass eine positive und negative Prägeform passgenau
übereinander liegen, wird maßhaltig auf das auf dem Prägegebilde 3 aufgebrachte Druckbild
bzw. die Abbildung eine Oberflächenstruktur bzw. ein Relief aufgebracht. In der Form
kann das Prägegebilde 3 während des Pressprägevorganges nicht ausweichen. Damit die
Formen und das Prägegebilde passgenau aufeinander gebracht werden können, sind in
den Prägeformen 1, 2 bzw. auf den Reliefoberseiten der Prägeformen 1, 2 und auf dem
Prägegebilde 3 jeweils Markierungen angebracht, die vor Beginn des Pressprägevorganges
in fluchtende Deckungslage miteinander gebracht werden. Nach einem Pressprägevorgang
von ca. 10 bis 20 s werden die Formen auseinander gefahren, wobei sich insbesondere
die positive Prägeform von der leinwandstrukturierten Oberfläche des Prägegebildes
3 entfernt. Es wird nun für ca. 20 s bis 1 min zumindest die leinwandstrukturierte
Seite, je nach Verfahrensweise aber auch die Folienseite des Prägegebildes, mit Hilfe
eines kleinen Gebläses oder mehrerer Gebläse einer Abkühlungsphase durch Aufblasen
von Luft unterworfen. Hierbei sollte ein allmähliches Abkühlen erreicht werden, damit
es auf Grund der im Prägegebilde 3 vorhandenen Materialspannungen auf Grund der unterschiedlichen
Ausdehnungskoeffizienten von Folie und leinwandstrukturierter Prägebasis 4 nicht zu
Verwerfungen im Bildträger bzw. Prägegebilde 3 kommt.
[0034] Das fertige Prägegebilde 3 kann dann wie ein Leinwandgemälde gerahmt werden. Es ist
aber auch möglich, beispielsweise wenn verkleinerte Reproduktionen von Originalen
erstellt worden sind, dieses Reproduktionsprodukt auf Karton, Pappe oder Holz aufzukleben,
aufzukaschieren oder auf ähnliche Art und Weise darauf zu befestigen.
[0035] Da der Pressprägevorgang des Prägegebildes 3 in erwärmten Prägeformen 1, 2 stattfindet,
wird beim Aufdruck eines Druckbildes auf die Oberseite der Kunststofffolie 5 auch
berücksichtigt und in das Druckbild bereits eingearbeitet, dass sich auf Grund der
Ausdehnung der Metallformen eine gegenüber der originalgetreuen Abbildung unterschiedliche
Größendarstellung ergibt.
1. Prägeverfahren zur Herstellung einer originalgetreuen dreidimensionalen Relief- und/oder
Bildreproduktion eines Relief- und/oder Bildoriginals in Form eines Prägebildes umfassend
• das Bereitstellen einer erwärmten Prägeform (2) aus Metall oder einer mit Metall
hoch angereicherten Kunstharzmischung, insbesondere einer Aluminiumform, mit positivem,
die zu reproduzierende Oberflächenstruktur originalgetreu abbildendem Oberflächenrelief,
• das Bereitstellen einer erwärmten Prägeform (1) aus Metall oder einer mit Metall
hoch angereicherten Kunstharzmischung, insbesondere Aluminiumform, mit negativem,
die zu reproduzierende Oberflächenstruktur originalgetreu abbildendem Oberflächenrelief,
• das Kaschieren einer dünnen, leinwandartig strukturierten und flexiblen Prägebasis
(4) mit einer Kunststofffolie (5) zu einem flächigen Prägegebilde (3),
• das lagegenaue Einbringen des Prägegebildes (3) auf ein Oberflächenrelief oder zwischen
positivem und negativem Oberflächenrelief,
• das Zusammenfahren von oberer und unterer Prägeform (1, 2) bei dazwischen liegendem
Prägegebilde (3) und Durchführung einer Pressprägung unter erhöhtem Temperatur- und
Druckeinfluss sowie
• nach einem kurzen Pressprägen das Auseinanderfahren der Prägeformen (1, 2) und Abkühlen
mindestens einer Seite des nun reliefartig strukturierten Prägegebildes.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kunststofffolie (5) des flächigen Prägegebildes (3) mit einer das zu reproduzierende
Relief und/oder Bild, insbesondere originalgetreu, wiedergebenden Abbildung bedruckt
wird.
3. Prägeverfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass ein Prägegebilde (3) der Pressprägung unterworfen wird, das ein Leinwandgewebe mit
darauf aufgebrachter Kunststofffolie sowie einem darauf aufgebrachten Papier- und/oder
Kunststoffprodukt umfasst, wobei die Abbildung des zu reproduzierenden Relief- und/oder
Bildoriginals auf dieses Papier und/oder Kunststoffprodukt aufgedruckt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das zu reproduzierende Relief- und/oder Bildoriginal optisch und/oder mittels 3D-(dreidimensionalem)-Scanning
erfasst, aus den derart erhaltenen Abbildungen und/oder Daten ein topografisches,
vorzugsweise detailgenaues und/oder detailgetreues Strukturmodell abgeleitet und dieses
in vergrößerter oder verkleinerter Form in mindestens eine, vorzugsweise mit Hilfe
mindestens eines Schichtmodells, erstellte Modellform zur Schaffung des Oberflächenreliefs
von positiver und negativer Prägeform umgesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine oder mehrere Modellformen aus Kunstharz erstellt werden.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mittels der Modellform (en) die positive und negative Prägeform (1, 2) aus Metall,
insbesondere Aluminium oder einer mit Metall, insbesondere Aluminium, hoch angereicherten
Kunstharzmischung, gegossen wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in der Reliefreproduktion strukturiert oder glatt erscheinende Oberflächenbereiche
durch in den Prägeformen (1, 2) matt oder glänzend ausgebildete Oberflächenbereiche
erhalten werden.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass auf die Prägebasis (4) eine Heißpräge- und/oder Kunststofffolie (5), vorzugsweise
aus PET (Polyethylenterephthalat) oder Polystyrol, aufgebracht, insbesondere aufkaschiert,
wird.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kunststofffolie (5) auf eine Prägebasis (4) aus Leinwandgewebe, Papier, Papiergewebe,
Zellulose oder Zellulosegewebe oder ein diese Bestandteile enthaltendes Material aufkaschiert
wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kunststofffolie (5) auf eine Prägebasis (4) aus Leinwandgewebe mit einer hohen
Wärmedurchlässigkeit oder hohem Wärmeleitvermögen und gleichzeitig hoher mechanischer
Stabilität der Webstruktur aufkaschiert wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Abbildung mittels Siebdruck- oder Offset-Druckverfahren auf die Kunststofffolie
(5) oder das Papier- und/oder Kunststoffprodukt aufgebracht wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass beim aufzudruckenden Druckbild durch die anschließende Verformung/Prägung des Prägegebildes
(3) entstehende Verzerrungen der Abbildung berücksichtigt und ausgeglichen werden.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass beim Druckverfahren Farben oder Farbsysteme verwendet werden, die den Temperatur-,
Druck- und Verformungsbedingungen des Prägeprozesses unterworfen werden können.
14. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das positive und/oder negative Oberflächenrelief der jeweiligen Prägeform (1, 2)
einerseits und das Druckbild der Abbildung oder das Prägegebilde (3) andererseits
jeweils mit Markierungen versehen werden, die vor Durchführung der Pressprägung in
fluchtende Übereinanderlage gebracht werden.
15. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zunächst die Kunststofffolie (5) auf das Leinwandgewebe (4) aufkaschiert und mit
diesem fest verbunden wird, dann bedruckt und anschließend der Pressprägung unterworfen
wird.
16. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Pressprägung durch ein durch die positive und/oder negative Prägeform (1, 2)
hindurch an das Prägegebilde (3) angelegtes Vakuum und/oder aufgebrachte Druckluft
unterstützt wird.
17. Dreidimensionale Relief- und/oder Bildreproduktion eines Relief- und/oder Bildoriginals
in Form eines Prägebildes hergestellt nach einem der Ansprüche 1 bis 16.