(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur automatischen Einstellung einer Heizungsanlage
oder eines Heizkreises auf Sommer- oder Winterbetrieb, insbesondere mit einem einstellbaren
Außentemperaturwert als Umschaltschwelle und mit einer Abhängigkeit von der Außen-
und/oder der Raumtemperatur in einem Referenzraum oder daraus abgeleiteten Größen,
wahlweise mit einer Verzögerungsschaltung unter Berücksichtigung von gedämpften Außentemperaturwerten.
Dabei soll das Umschalten zwischen Sommer- und Winterbetrieb so optimiert werden,
dass eine möglichst gute Anpassung an die Gebäude- und Anlagensituation sowie an die
Gewohnheiten der Nutzer erreicht wird.
Gekennzeichnet ist die Erfindung durch mindestens zwei auswählbare Umschaltarten,
wobei
a) eine Komfort-Umschaltung vorgesehen ist, welche eine gedämpfte Umschaltung vom
Winterbetrieb in den Sommerbetrieb und eine ungedämpfte Umschaltung vom Sommerbetrieb
in den Winterbetrieb bewirkt, und wobei
b) eine Energiespar-Umschaltung vorgesehen ist, welche eine ungedämpfte Umschaltung
vom Winterbetrieb in den Sommerbetrieb und eine gedämpfte Umschaltung vom Sommerbetrieb
in den Winterbetrieb bewirkt.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur automatischen Einstellung einer Heizungsanlage
oder eines Heizkreises auf Sommer- oder Winterbetrieb nach dem Oberbegriff des Patentanspruches
1.
[0002] Heizungsanlagen besitzen mindestens einen Wärme verbrauchenden Heizkreis mit einer
Vorlaufleitung, einer Rücklaufleitung und einer Umwälzpumpe. Ein Regelgerät berücksichtigt
kessel-, anlagen- und nutzerspezifische Vorgaben und gibt im Heizbetrieb gemäß der
Wärmeanforderung mindestens eines Verbrauchers eine Solltemperatur für den Heizkessel
sowie eine Vorlauftemperatur für den Heizkreis vor.
[0003] Die Umschaltung zwischen Sommer- und Winterbetrieb gehört bei Heizungsanlagen zum
bekannten Stand der Technik. Während des Sommerbetriebes sind die Anlage oder einzelne
Heizkreise abgeschaltet. Ein Einschalten des Brenners erfolgt nur, um bei Bedarf Warmwasser
aufzuheizen. Während des Winterbetriebes ist die Heizungsanlage hingegen vollständig
aktiviert und es wird zusätzlich Wärme zu Heizzwecken bereit gestellt.
[0004] Außer der bekannten Umschaltung von Hand ist auch eine automatische Umschaltung möglich.
So beschreibt die
DE 30 46 369 C2 ein Verfahren zum Regeln einer Heizungsanlage, bei dem beim Überschreiten einer festgelegten,
keinen weiteren Bedarf an Heizwärme erfordernden Außentemperatur die Heizungsanlage
selbsttätig abgeschaltet wird. Dieses selbsttätige Abschalten entspricht im Grunde
dem erwähnten Umschalten von Winterauf den Sommerbetrieb, bei dem dann nur noch in
speziellen Bedarfsfällen der Brenner eingeschaltet wird. Sobald die festgelegte Außentemperatur
dann wieder unterschritten wird, wird die Heizungsanlage wieder eingeschaltet, d.
h. es erfolgt das Umschalten vom Sommer- auf den Winterbetrieb.
[0005] Dieses bekannte Umstellverfahren geht von einem starren Schwellwertschalter aus.
Dabei wird ein bestimmter Außentemperaturwert festgelegt, bei dem der Schaltvorgang
abläuft. Es trifft zwar den Umschaltzeitpunkt sehr genau, aber es berücksichtigt nicht
kurzfristige Temperaturschwankungen, welche an sich möglicherweise noch gar kein Umschalten
erforderlich machen würden, weil die vorhandene Wärme in den Nutzräumen ausreicht
und die Isolierwirkung des Gebäudes ein kurzzeitiges Absinken der Außentemperatur
so puffert, dass ein Raumnutzer kein Behaglichkeitsdefizit verspürt.
[0006] Zur Vermeidung der Nachteile bei der Verwendung eines starren Schwellwertschalters
wird in der
DE 36 29 521 A1 ein zeitverzögertes Umschalten und eine Umschaltung mit Hilfe einer gedämpften Außentemperatur
vorgeschlagen. Dabei erfolgt keine Reaktion auf kurzfristige Temperaturschwankungen,
sondern nur auf langfristige Veränderungen.
[0007] Trotzdem ist es bisher nur bedingt möglich gewesen, mit den bekannten Maßnahmen,
insbesondere einem universell einsetzbaren Heizungs-Regelgerät, sowohl die Energiesparbedürfnisse
als auch die Komfort- und Behaglichkeitswünsche von unterschiedlichen Nutzern in verschiedenen
Gebäuden mit jeweils speziellen Heizungsanlagen zufrieden zu stellen. Wird zum Beispiel
nicht nach der aktuellen, sondern nach einer gedämpften Außentemperatur umgeschaltet,
also je nach Einstellung der Gebäudedämmung entsprechend zeitverzögert, führt dies
dazu, dass einigen Nutzern aus dem Blickpunkt des Energiesparens die Umschaltung in
den Sommerbetrieb nicht schnell genug erfolgt. Anderen geht die Umschaltung zurück
in den Winterbetrieb nicht schnell genug, weil sie erhöhte Komfortansprüche haben.
Zudem wird die Raumtemperatur in einem Referenzraum, indem sich die Fernbedienung
eines Heizkreises befindet, auch noch stark von Fremdwärme, beispielsweise durch Sonneneinstrahlung,
beeinflusst.
[0008] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, bei einer Heizungsanlage oder einem
Heizkreises das Umschalten zwischen Sommer- und Winterbetrieb so zu optimieren, dass
eine möglichst gute Anpassung an die Gebäude- und Anlagensituation sowie an die Gewohnheiten
der Nutzer erreicht wird.
[0009] Erfindungsgemäß wird dies mit den Merkmalen des Patentanspruches 1 gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
[0010] Das Verfahren zur automatischen Einstellung einer Heizungsanlage oder eines Heizkreises
auf Sommer- oder Winterbetrieb ist gekennzeichnet durch mindestens zwei auswählbare
Umschaltarten zwischen Sommer- und Winterbetrieb:
[0011] Erstens ist eine Komfort-Umschaltung vorgesehen, welche eine gedämpfte Umschaltung
vom Winterbetrieb in den Sommerbetrieb und eine ungedämpfte Umschaltung vom Sommerbetrieb
in den Winterbetrieb bewirkt. Damit wird ein maximaler Komfort erreicht, weil die
Heizungsanlage relativ schnell, zum Beispiel bei fallender Außentemperatur, in den
Winterbetrieb zurückkehrt und kein kritischer Zeitraum ohne Nachheizen entsteht. Zweitens
ist eine Energiespar-Umschaltung vorgesehen, welche eine ungedämpfte Umschaltung vom
Winterbetrieb in den Sommerbetrieb und eine gedämpfte Umschaltung vom Sommerbetrieb
in den Winterbetrieb bewirkt. Energiesparen hat dabei Priorität und die Heizung bzw.
ein Heizkreis befindet sich dadurch möglichst lange im Abschaltmodus. Wahlweise kann
die Raumtemperatur in einem Referenzraum als ergänzendes Kriterium für die Umschaltung
zwischen Sommer- und Winterbetrieb berücksichtigt werden. Dies kann automatisch geschehen,
zum Beispiel wenn Fremdwärme einen Raum aufheizt und die Raumtemperatur dann einen
einstellbaren, etwa 1 bis 1,5 Kelvin oberhalb des Raumtemperatur-Sollwertes liegenden
Schwellwert überschreitet. Dann erfolgt eine Umschaltung vom Winterbetrieb in den
Sommerbetrieb, wenn auch gleichzeitig die gedämpfte Außentemperatur schon mindestens
etwa 3 Kelvin unterhalb des Außentemperaturwertes als Umschaltschwelle liegt. Somit
wird frühzeitig der Heizkreis abgeschaltet und Energie gespart. Auch wird die Raumtemperatur
als weiteres Kriterium für die Umschaltung zwischen Sommer- und Winterbetrieb berücksichtigt,
indem unabhängig von der Außentemperatur eine Umschaltung vom Sommerbetrieb in den
Winterbetrieb erfolgt, wenn der Raumtemperatur-Sollwert im Sommerbetrieb erreicht
und/oder unterschritten wird. Damit werden mögliche Komforteinbußen vermieden.
[0012] Generell sind die mindestens zwei auswählbaren Umschaltarten, die Berücksichtigung
der Raumtemperatur in einem Referenzraum als weiteres Kriterium für die Umschaltung
zwischen Sommer- und Winterbetrieb sowie der Schwellwert oberhalb des Raumtemperatur-Sollwertes
als Parameter direkt oder indirekt vorgegeben und einzustellen. Indirekt können diese
Parameter beispielsweise im Hintergrund gesetzt oder verändert werden, indem ein Bediener
nur pauschale, leicht verständliche Begriffe für seine Bedürfnisse, wie Komfort, Energiesparen,
Gebäudedämmung, Größe der Fensterflächen nach Süden, vorhandene Fremdwärmequelle,
usw., auszuwählen hat.
[0013] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird das Umschalten zwischen Sommer- und Winterbetrieb
bei einer Heizungsanlage oder einem Heizkreises optimiert, weil eine möglichst gute
Anpassung an die Gebäude- und Anlagensituation sowie an die Gewohnheiten der Nutzer
erreicht wird. So erfolgt die Umschaltung in einem den Bedürfnissen der Nutzer entsprechenden
Zeitpunkt. Einerseits wird damit ein möglichst umweltfreundlicher Betrieb einer Heizungsanlage
erreicht, nämlich insbesondere durch Reduzierung von Brennstoffverbrauch, Abgasemissionen
und Strombedarf, beispielsweise zum Betrieb von Umwälzpumpen oder Gebläsen. Gleichzeitig
ist aber auch gewährleistet, dass der notwendige Komfort in Form einer angemessenen
Raumtemperatur zur Verfügung steht.
1. Verfahren zur automatischen Einstellung einer Heizungsanlage oder eines Heizkreises
auf Sommer- oder Winterbetrieb, insbesondere mit einem einstellbaren Außentemperaturwert
als Umschaltschwelle und mit einer Abhängigkeit von der Außen- und/oder der Raumtemperatur
in einem Referenzraum oder daraus abgeleiteten Größen, wahlweise mit einer Verzögerungsschaltung
unter Berücksichtigung von gedämpften Außentemperaturwerten,
gekennzeichnet durch mindestens zwei auswählbare Umschaltarten, wobei
a) eine Komfort-Umschaltung vorgesehen ist, welche eine gedämpfte Umschaltung vom
Winterbetrieb in den Sommerbetrieb und eine ungedämpfte Umschaltung vom Sommerbetrieb
in den Winterbetrieb bewirkt, und wobei
b) eine Energiespar-Umschaltung vorgesehen ist, welche eine ungedämpfte Umschaltung
vom Winterbetrieb in den Sommerbetrieb und eine gedämpfte Umschaltung vom Sommerbetrieb
in den Winterbetrieb bewirkt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Raumtemperatur in einem Referenzraum wahlweise als weiteres Kriterium für die
Umschaltung zwischen Sommer- und Winterbetrieb berücksichtigt wird.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Raumtemperatur als weiteres Kriterium für die Umschaltung zwischen Sommer- und
Winterbetrieb berücksichtigt wird, wenn diese einen einstellbaren, etwa 1 bis 1,5
Kelvin oberhalb des Raumtemperatur-Sollwertes liegenden Schwellwert überschreitet,
und dass eine Umschaltung vom Winterbetrieb in den Sommerbetrieb erfolgt, wenn gleichzeitig
die gedämpfte Außentemperatur etwa 3 Kelvin unterhalb des Außentemperaturwertes als
Umschaltschwelle liegt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die Raumtemperatur als weiteres Kriterium für die Umschaltung zwischen Sommer- und
Winterbetrieb berücksichtigt wird und dass eine Umschaltung vom Sommerbetrieb in den
Winterbetrieb unabhängig von der Außentemperatur erfolgt, wenn der Raumtemperatur-Sollwert
im Sommerbetrieb erreicht und/oder unterschritten wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens zwei auswählbaren Umschaltarten, die Berücksichtigung der Raumtemperatur
in einem Referenzraum als weiteres Kriterium für die Umschaltung zwischen Sommer-
und Winterbetrieb sowie der Schwellwert oberhalb des Raumtemperatur-Sollwertes als
Parameter direkt oder indirekt vorgegeben und einzustellen sind.
IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE
Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information
des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes.
Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei
Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente