[0001] Die Erfindung betrifft eine walzenförmige Gegenelektrode eines Koronaelektrodensystems
zur Koronabehandlung von bahnförmigen Materialien von geringer Stärke, insbesondere
Folien. Sie betrifft ferner ein eine solche walzenförmige Gegenelektrode enthaltendes
Koronaelektrodensystem.
[0002] Es ist bekannt und eine gängige Maßnahme, bahnförmige Materialien von geringer Stärke,
insbesondere Folien, in Korona-Behandlungsanlagen mit einer Koronaentladung zu behandeln,
um die Eigenschaften der Oberfläche dieser Materialien gezielt zu beeinflussen bzw.
zu verändern. Dies geschieht häufig in kontinuierlich arbeitenden Korona-Anlagen.
Dabei wird das zu behandelnde Bahnmaterial von einer Rolle abgewickelt und durch ein
Koronaelektrodensystem transportiert, um anschließend entweder auf eine weitere Rolle
aufgewickelt oder unmittelbar einer weiteren Behandlung zugeführt zu werden. Das Korona-Elektrodensystem
besteht dabei aus wenigstens einer Hochspannungselektrode und einer der Hochspannungselektrode
gegenüberliegend angeordneten Gegenelektrode in Form einer Walze. Über diese Gegenelektrode
wird das Bahnmaterial geführt. Durch eine zwischen der Hochspannungselektrode und
der Gegenelektrode wirkende Hochspannung wird im Bereich des Korona-Elektrodensystems
ein Plasma gezündet, mit dem die Oberfläche des Bahnmaterials gezielt beeinflusst
wird, um beispielsweise die Hafteigenschaften für später aufzubringende Beschichtungen
wie Farben, Kleber oder dgl. zu verbessern.
[0003] Bei bekannten Elektrodensystemen sind die walzenförmigen Gegenelektroden zylindrisch
ausgebildet, d.h. sie haben über ihre gesamte Länge einen gleich bleibenden Durchmesser.
[0004] Ein Problem in derartigen Korona-Anlagen besteht häufig darin, dass aufgrund der
im Bereich der Koronaentladung auf das Bahnmaterial wirkenden thermischen Belastung
und der damit einhergehenden Materialausdehnungen sich feine, in der Regel in Längsrichtung
des Bahnmaterials verlaufende Falten bzw. Verwerfungen bilden. Im Bereich dieser Falten
bzw. Verwerfungen liegt das Bahnmaterial nicht mehr exakt auf der Oberfläche der walzenförmigen
Gegenelektrode auf, es bildet sich zwischen dem Bahnmaterial und der Oberfläche der
walzenförmigen Gegenelektrode ein kleiner Luftspalt. In diesem Luftspalt kommt es
durch das Zusammenwirken der Hochspannungselektrode und der Gegenelektrode regelmäßig
zur Zündung eines Plasmas, so dass die Oberfläche des Bahnmaterials auch auf der der
eigentlich zu behandelnden Vorderseite gegenüberliegenden Rückseite koronabehandelt
wird. Eine solche, ungewollte und unkontrollierte Oberflächenveränderung des Bahnmaterials
ist in vielen Fällen allerdings ungewünscht, da in nachgeschalteten Behandlungsprozessen
beispielsweise auch an diesen Stellen eine aufgebrachte Beschichtung haften bleibt,
was ungewollt, oft sogar nicht erwünscht ist.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Korona-Elektrodensystem
dahingehend zu verbessern, dass bahnförmiges Material ohne Faltenwurf auf einer walzenförmigen
Gegenelektrode des Systems koronabehandelt werden kann. Insbesondere soll eine in
diesem Sinne verbesserte, walzenförmige Gegenelektrode angegeben werden.
[0006] Diese Aufgabe wird hinsichtlich der walzenförmigen Gegenelektrode mit einer solchen
nach den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Hinsichtlich des Koronaelektrodensystem
ist eine Lösung dieser Aufgabe durch die Merkmale des Anspruches 6 gekennzeichnet.
[0007] Vorteilhafte Weiterbildungen der walzenförmigen Gegenelektrode gemäß dieser Erfindung
sind in den abhängigen Ansprüchen 2 bis 5 angegeben.
[0008] Erfindungsgemäß ist die walzenförmige Gegenelektrode nicht mehr zylindrisch mit einem
durchgehend gleichen Durchmesser gebildet, sondern weist an ihren äußeren Enden einen
größeren Durchmesser auf als in einem mittleren Abschnitt. Bevorzugt ist sie ausgehend
von ihren äußeren Enden zumindest über jeweils einen Abschnitt ihrer Länge konisch
sich verjüngend oder konkav gebildet (Anspruch 2). Materialbahnen aus flexiblen Material,
insbesondere Folien, werden beim Überlaufen einer solchermaßen gebildeten Walze mit
einer entlang der Länge der Walze verlaufenden, also entlang der Breite der Materialbahn
zeigenden Kraft beaufschlagt, die die Materialbahn "auseinander zieht". Dadurch legt
sich die Materialbahn mit ihrer Oberfläche an die Oberfläche der walzenförmigen Elektrode
an, ohne dort Falten oder Verwerfungen zu bilden, auch dann, wenn es zu einer thermischen
Beanspruchung durch die gezündete Korona-Entladung kommt. Somit kann sicher verhindert
werden, dass eine unerwünschte Behandlung auf der Rückseite der Materialbahn durch
eine im Bereich einer Falte oder Verwerfung der Materialbahn zwischen der Gegenelektrode
und der Rückseite der Materialbahn gezündete Korona-Entladung erfolgt.
[0009] Bevorzugt wird eine gemäß den Merkmalen des Anspruches 3 gebildete Gegenelektrode.
Eine solche ist nur in den Bereichen ihrer äußeren Enden konisch sich verjüngend bzw.
konkav geformt, wohingegen sie in einem mittleren Abschnitt einen zylinderförmigen
Abschnitt mit gleich bleibendem Durchmesser aufweist. Die in Anspruch 3 angegebene,
prozentuale Aufteilung hat sich als besonders wirksam erwiesen, um die Materialbahn
über die gesamt Länge der walzenförmigen Gegenelektrode auch unter dem thermischen
Einfluss der Korona-Entladung an der Oberfläche der Gegenelektrode anliegend zu halten.
[0010] Die walzenförmige Gegenelektrode ist bevorzugt gemäß den Merkmalen des Anspruches
4 aufgebaut, noch weiter bevorzugt symmetrisch zu einer Mittelebene der Walze.
[0011] Ferner werden die in Anspruch 5 angegebenen Verhältnisse des kleinsten Durchmessers
der walzenförmigen Gegenelektrode zu dem größten Durchmesser der walzenförmigen Gegenelektrode
bevorzugt. Die dort angegebene, lediglich geringe Durchmesseränderung der walzenförmigen
Gegenelektrode stellt sicher, dass die über die Gegenelektrode laufende Materialbahn
nicht etwa "durchhängt" und somit zumindest in einigen Teilen von der Oberfläche der
walzenförmigen Gegenelektrode gelöst ist. Diese kleine Durchmesseränderung genügt
allerdings auch, um den "Straffungseffekt" der Materialbahn zu bewirken.
[0012] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
eines Ausführungsbeispieles anhand der beigefügten Figur. Dabei zeigt:
- Fig. 1
- schematisch eine erfindungsgemäße, walzenförmige Gegenelektrode, wobei die konisch
sich verjüngenden Bereiche an den Enden der walzenförmigen Gegenelektrode stark überzeichnet
dargestellt sind.
[0013] In der einzigen Figur 1 ist schematisch ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen,
walzenförmigen Gegenelektrode 1 gezeigt. Diese Gegenelektrode 1 lässt sich in drei
Abschnitte unterteilen, einen ersten äußeren Abschnitt 2, einen mittleren Abschnitt
3 sowie einen dem ersten äußeren Abschnitt zwei gegenüberliegenden, zweiten äußeren
Abschnitt 4. Die beiden äußeren Abschnitte 2 und 4 grenzen jeweils an ein axiales
Ende 5 bzw. 6 der walzenförmigen Gegenelektrode 1 an.
[0014] In der Figur 1 ist gut zu erkennen ist, dass die walzenförmige Gegenelektrode an
ihren axialen Enden 5 und 6 jeweils einen größeren Durchmesser B aufweist als im mittleren
Abschnitt 3, in dem sie den Durchmesser A hat. Der mittlere Abschnitt 3 ist mit gleich
bleibendem Durchmesser A zylindrisch gebildet. Die äußeren Abschnitte 2 und 4 sind
jeweils ausgehend von dem axialen Ende 5 bzw. 6 konisch sich verjüngend gebildet,
wobei sie sich von dem größeren Durchmesser B kontinuierlich auf den kleineren Durchmesser
A verjüngen.
[0015] In dieser Figur ist der Unterschied zwischen den Durchmessern B und A stark überzeichnet
dargestellt, um ihn überhaupt graphisch deutlich machen zu können. Tatsächlich betragen
in diesem Ausführungsbeispiel der Durchmesser B 123,0 mm und der Durchmesser A 122,6
mm, so dass sich der Durchmesser um lediglich 0,4 mm reduziert bzw. um ungefähr 0,33%.
[0016] Die Längen der einzelnen Abschnitte 2, 3, 4 sind in der Figur 1 mit a, b, c bezeichnet.
Dabei betragen die Längen a bzw. c der äußeren Abschnitte 2 bzw. 4 jeweils 25% der
durch die Summen der Längen a, b und c gebildeten Gesamtlänge der walzenförmigen Gegenelektrode;
die Länge b des mittleren Abschnittes 3 beläuft sich auf 50% der Gesamtlänge.
[0017] In der Fig. 1 ist ebenfalls zu erkennen, dass die walzenförmige Gegenelektrode 1
symmetrisch zu einer senkrecht auf der Mittelachse der Walze stehenden Mittelebene
geformt ist.
[0018] In Versuchen, in denen in einem herkömmlichen Korona-Entladungssystem eine gebräuchliche,
zylinderförmige, walzenförmige Gegenelektrode durch eine erfindungsgemäße Gegenelektrode
ausgetauscht wurde, konnten bei ansonsten gleichen Entladungsbedingungen unerwünschte
Korona-Behandlungen der rückseitigen Oberfläche einer Folienbahn zuverlässig verhindert
werden.
Bezugszeichenliste
[0019]
- 1
- Walzenförmige Gegenelektrode
- 2
- Abschnitt
- 3
- Abschnitt
- 4
- Abschnitt
- 5
- Ende
- 6
- Ende
- a
- Länge
- b
- Länge
- c
- Länge
- A
- Durchmesser
- B
- Durchmesser
1. Walzenförmige Gegenelektrode eines Koronaelektrodensystems zur Koronabehandlung von
bahnförmigen Materialien von geringer Stärke, insbesondere Folien, dadurch gekennzeichnet, dass sie an ihren äußeren Enden (5, 6) einen größeren Durchmesser (B) aufweist als in
einem mittleren Abschnitt (3).
2. Walzenförmige Gegenelektrode nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie ausgehend von ihren äußeren Enden (5, 6) zumindest über jeweils einen Abschnitt
(2, 4) ihrer Länge konisch sich verjüngend oder konkav gebildet ist.
3. Walzenförmige Gegenelektrode nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie von ihren äußeren Enden (5, 6) her gesehen jeweils über einen Abschnitt (2, 3)
von zwischen 20% und 30% ihrer Länge, vorzugsweise jeweils 25% ihrer Länge, sich in
Richtung eines mittleren Abschnittes (3), welcher zylindrisch geformt ist, konisch
sich verjüngend oder konkav gebildet ist, wobei der mittlere Abschnitt (3) 40% bis
60% der Länge, vorzugsweise 50% der Länge der walzenförmigen Gegenelektrode (1) ausmacht.
4. Walzenförmige Gegenelektrode nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sie an ihren äußeren Enden (5, 6) jeweils einen identischen Durchmesser (B) aufweist.
5. Walzenförmige Gegenelektrode nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sie in einem mittleren Abschnitt (3) des kleinsten Durchmessers (A) einen um zwischen
0,25% und 0,5% geringeren Durchmesser aufweist als an ihren äußersten Enden (5, 6),
welche die Abschnitte des größten Durchmessers (B) bilden.
6. Koronaelektrodensystem zur vorzugsweise kontinuierlichen Koronabehandlung von bahnförmigen
Materialien von geringer Stärke, insbesondere Folien, mit wenigstens einer Hochspannungselektrode
und einer dieser gegenüberliegend angeordneten, walzenförmigen Gegenelektrode (1)
gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5.