[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Gießwerkzeug zur Herstellung von Gusskörpern,
mit mindestens zwei eine Gussform bildenden Gussformteilstücken, die, in einer Trennfläche
aneinander liegend, einen Gusshohlraum umschließen und mit an den Gussformteilstücken
angeordneten Innenoberflächen, die den Gusshohlraum begrenzen und die durch ihre Gestalt
die Raumform des Gusskörpers vorgeben. Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren
zum Herstellen eines Gusskörpers mit einem gattungsgemäßen Gießwerkzeug.
[0002] Es ist bekannt, hochtemperaturbelastete Gasturbinenschaufeln durch Gießverfahren
herzustellen. Diese Gasturbinenschaufeln sind hohl ausgebildet und werden beim Einsatz
in einer Gasturbine von einem Kühlmittel durchströmt, damit sie den auftretenden Temperaturen
standhalten können. Um den vom Kühlmittel durchströmten Hohlraum beim Gießen der Turbinenschaufel
zu schaffen, werden so genannte verlorene Gusskerne in die dafür verwendete Gießvorrichtung
eingesetzt. Nach dem Gießen der Turbinenschaufel werden die Gusskerne durch Auslaugen
oder Ausspülen entfernt. In der Turbinenschaufel bleibt der Hohlraum zurück.
[0003] Diese Gusskerne werden ebenfalls in Gießvorrichtungen gegossen. Zur Herstellung der
Gusskerne für innengekühlte Gasturbinenschaufeln werden mittlerweile hochkomplexe
Ausgestaltungen und Formen mit mehrfach Kühlluftserpentinen, mit Rippen, mit Turbolatoren
und/oder Sockelfeldern benötigt, deren gusstechnische Herstellung schwierig ist.
[0004] FIG 1 zeigt einen einstückigen Gusskörper 20, der als verlorener Gusskern zum Herstellen
des Kühlhohlraumes einer gegossenen Gasturbinenschaufel verwendet wird. Der Gusskörper
20 wird in einer geeigneten Gießvorrichtung hergestellt und hinterlässt in einer gegossenen
Gasturbinenschaufel Hohlräume, in denen beim Betrieb Kühlluft zur Kühlung der Gasturbinenschaufel
strömt. In der Gasturbinenschaufel bilden die in FIG 1 mit der Bezugsziffer 22 bezeichneten
Formelemente schaufelfußseitige Kanäle, die augrund der später auch herausgelösten
Formteile 24 in im Schaufelprofil der Gasturbinenschaufel angeordnete Kühlkanäle übergehen.
[0005] Zur Herstellung des Gusskörpers 20 sind metallische Gießwerkzeuge 30 bekannt, so
wie in FIG 2 gezeigt. Die Gießwerkzeuge 30 weisen mindestens zwei Gussformteilstücke
32, 34 auf, die in einer Trennfläche 36 aneinander liegen. Die Gussformteilstücke
32, 34 umschließen einen Gusshohlraum 38, der eine beliebige Gestalt aufweisen kann.
Die Gestalt kann beispielsweise die eines als Gusskern einsetzbaren Gusskörpers 20
sein. Dementsprechend zeigt der Schnitt durch ein Gießwerkzeug 30 gemäß FIG 2 mehrere
Gussteilhohlräume 38a, 38b, 38c die in ihrer dreidimensionalen Gestalt miteinander
verbunden sind. Der in FIG 2 gewählte Schnitt durch das Gießwerkzeug 30 liegt beispielsweise
bei dem in FIG 1 gezeigten Gusskörper 20 an der mit der Schnittlinie II gekennzeichneten
Position, wobei FIG 1 die Gussformteilstücke 32, 34 nicht zeigt.
[0006] Jedes Gussformteilstück 32, 34 weist somit eine Innenoberfläche 40 auf, die den Gusshohlraum
38 begrenzen und die durch ihre Gestalt die Raumform 42 des Gusskörpers 20 vorgeben.
[0007] Die Gussteilstücke 32, 34 sind dazu von einem nicht dargestellten Antrieb bzw. einer
Antriebsvorrichtung gradlinig in Verschieberichtung V aufeinander zu bewegbar. Die
Verschieberichtung V verläuft quer zur Trennfläche 36.
[0008] Zur serienmäßigen Herstellung von Gusskörpern 20 werden die beiden Gussformteilstücke
32, 34 aufeinander zu bewegt, bis diese in der Trennfläche 36 aneinander liegen. Anschließend
wird der Gusshohlraum 38 mit einem keramischen Gussmaterial aufgefüllt. Nach dem Aushärten
des Gussmaterials bzw. des Gusskörpers 20 werden die Gussformteilstücke 32, 34 entlang
der Verschieberichtung V auseinander gezogen. Dabei wird der Gusskörper 20 freigelegt.
[0009] Aufgrund der vorgegebenen Verschieberichtung sind Verzweigungen und Gabelungen des
Gusskörpers nur in der Trennfläche des Gussformteilstückes möglich. Es sind keine
geometrischen Formen für Gusskörper herstellbar, die eine Hinterschneidung quer zur
Trennfläche aufweisen. Wären sich quer zur Trennflächen erstreckende Hinterschneidungen
am Gusskörper angeordnet, so würde der Gusskörper in einem der beiden Gussformteilstücke
unlösbar verhakt sein, d.h. um den Gusskörper zu lösen, müsste das betreffende Gussformteilstück
zerstört werden.
[0010] FIG 3 zeigt eine darüber hinaus bekannte Ausgestaltung eines Gießwerkzeuges 30 zur
Herstellung von Gusskörpern 20. Die Gießvorrichtung ist in FIG 3 lediglich teilweise
dargestellt. Die beiden Gussformteilstücke 32, 34 sowie ein drittes Gussformteilstück
44 liegen in einer zweiten Trennfläche 46 aneinander. Aufgrund der Teildarstellung
der Gießvorrichtung 30 in FIG 3 ist nicht gezeigt, dass sowohl ein freistehender Zapfen
54 als auch zwei weitere Formteile des dritten Gussformteilstücks 44 als ein Element
verschiebbar sind.
[0011] Mindestens eines der beiden Gussformteilstücke 32, 34 ist entlang der Verschieberichtung
V verschiebbar. Außerdem ist das dritte Gussformteilstück 44 entlang einer zweiten
Verschieberichtung W verschiebbar, um nach der Herstellung des ausgehärteten Gusskörpers
20 dieses im Gießwerkzeug 30 freizulegen. Dies erlaubt eine Serienfertigung.
[0012] In FIG 4 ist das Gießwerkzeug 30 in einer Ansicht von unten dargestellt. Das dritte
Gussformteilstück 44 weist zwei Öffnungen bzw. zwei Hohlräume 50 auf, die zur Herstellung
der Formteile 22 des Gusskörpers 20 (gemäß FIG 1) geeignet sind. Zwischen den beiden
Hohlräumen 50 verläuft ein Steg 52, an dem, wie FIG 3 zeigt, der freistehende, in
den Hohlraum 38 hineinragende Zapfen 54 vorgesehen ist. Ebenso wie die beiden Gussformteilstücke
32, 34 weisen sowohl das dritte Gussformteilstück 44 als auch der dazu zugehörige
Zapfen 54 Innenoberflächen 40 auf, die insgesamt den Gusshohlraum 38 begrenzen und
durch ihre Gestalt die Raumform 42 des Gusskörpers 20 vorgeben.
[0013] Mit einem derartigen Gießwerkzeug 30 sind auch Hinterschneidungen möglich, wobei
zwei quer zueinander verschiebbare Gussformteilstücke 32 und 44 oder 34 und 44 zur
Herstellung einer Hinterschneidung benötigt werden.
[0014] Um jedoch Hinterschneidungen in gegossenen Bauteilen, beispielsweise Gasturbinenschaufeln
herzustellen, werden mehrere Teilkerne zu einem "gebauten" Gusskern zusammengesetzt.
Es werden somit an bereits bestehende Teilkerne weitere Elemente angefügt. Dieser
manuelle Prozess ist jedoch teuer und führt bei damit hergestellten Bauteilen oder
damit hergestellten Gasturbinenschaufeln zu ungewünscht großen herstellungsbedingten
Toleranzschwankungen.
[0015] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Gießwerkzeug zur Herstellung von Gusskörpern anzugeben,
die in beliebiger Richtung liegende Hinterschneidungen aufweisen und eine Serienfertigung
ermöglichen. Weitere Aufgabe der Erfindung ist die Schaffung eines Verfahrens, das
eine Serienfertigung erlaubt.
[0016] Die Aufgabe wird durch ein Gießwerkzeug mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
Dazu schlägt die Erfindung vor, dass bei einem gattungsgemäßen Gießwerkzeug zum Herauslösen
des Gusskörpers aus der Gussform nach dem Aushärten des Gusskörpers mindestens ein
Teil der am Gusskörper anliegenden Innenoberfläche von diesem unter zeitweiliger Veränderung
ihrer Gestalt entfernbar ist.
[0017] Die Erfindung schlägt vor, dass zur Erzeugung von Hinterschneidungen in Gusskörpern
die Gussformteilstücke Teilflächen mit geometrisch veränderbaren Formen aufweisen.
Zumindest eines der Gussformteilstücke, die aneinander liegend den Gusshohlraum umschließen,
weist somit eine Innenoberfläche auf, die teilweise flexibel oder veränderbar ist.
Mit einer derartigen Gießvorrichtung bzw. einen derartigen Gießwerkzeug können einteilige
Körper gegossen werden, die, trotz ausschließlich mehrfach verwendbarer Gussformteilstücke,
Hinterschneidungen aufweisen können. Bisher waren solche Hinterschneidungen nur mit
gebauten Gusskernen oder mit verlorenen Gusskernen, die einen starren Teil der Innenoberfläche
bildeten, möglich.
[0018] Damit das für die Hinterschneidung maßgebliche Gussformteilstück vom Gusskörper getrennt
werden kann, wird nach dem Erstarren des Gussmaterials, beispielsweise einer Keramik,
der flexible Teil der Innenoberfläche von einer zweiten Position in eine erste Position,
der Ausgangsposition, zurückgebracht, so dass dann das Gussformteilstück aus dem Gusskörper
herausgezogen werden kann. Die gewünschte Raumform des Gusskörpers bleibt erhalten.
[0019] Grundsätzlich erlaubt die Erfindung die Erzeugung von entlang der Bewegungsrichtung
des betreffenden Gussformteilstückes und somit quer zur Trennfläche verzweigten Gusskörpern.
Daneben können auch in einem Bereich des Gusskörpers Hinterschneidungen erzeugt werden,
ohne dass der zu fertigende Gusskörper nachbearbeitet werden muss.
[0020] Der Vorteil dieser Erfindung liegt also in der Zeit- und Kostenersparnis, da die
aufwändige Zusammensetzung von Gusskörpern mit Hinterscheidungen wegfällt. Es können
mit ausschließlich wiederverwendbaren Gussformteilstücken einstückige Gusskörper mit
äußerst komplexen Geometrien in Großserie hergestellt werden.
[0021] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung werden in den Unteransprüchen angegeben.
[0022] In einer vorteilhaften Ausgestaltung weist das Gießwerkzeug eine Innenoberfläche
mit dem veränderbaren Teil auf, wobei der veränderbare Teil relativ zu dem restlichen,
starren Teil der Innenoberfläche von einer ersten Position in eine zweite Position
veränderbar ist. Der veränderbare Teil der Innenoberfläche gibt in der zweiten Position
die Raumform des Gusskörpers vor, wohingegen in der ersten Position das Gussformteilstück
vom Gusskörper herausgelöst werden kann. Ist der veränderbare Teil der Innenoberfläche
in der ersten Position, so weist das zugehörige Gussformteilstück ein geringeres Volumen
auf, als bei in der zweiten Position gelagertem Teil.
[0023] Zweckmäßiger Weise weist das Gießwerkzeug ein drittes Gussformteilstück auf, welches
in einer zweiten Trennfläche an die beiden ersten Gussformteilstücke anlegbar ist,
wobei die zweite Trennfläche quer, vorzugsweise senkrecht, zur ersten Trennfläche
liegt. Dabei kann der veränderbare Teil der Innenoberfläche an dem ersten Gussformteilstück
und/oder an dem zweiten Gussformteilstück und/oder an dem dritten Gussformteilstück
vorgesehen sein.
[0024] Die Erzeugung von Hinterschneidungen und/oder Verzweigungen im Gusskörper ist vorteilhafter
Weise durch die Verlagerung des veränderbaren Teils von der ersten Position in die
zweite Position erreichbar, wenn die Ausdehnungsrichtung des veränderbaren Teils annähernd
parallel - und nicht senkrecht - zur Trennfläche liegt. Mit anderen Worten: da zur
Serienfertigung das Gießwerkzeug, bzw. die Gussformteilstücke gegeneinander bewegbar
sind und da die Bewegungsrichtung der Gussformteilstücke quer zu den Trennflächen
liegen, können Hinterschneidungen in Gusskörpern mit dem erfindungsgemäßen Gießwerkzeug
auch dann erzielt werden, wenn die Hinterschneidung und/oder Verzweigung quer zur
Trennfläche des betreffenden Gussformteilstücks, d.h. in Bewegungsrichtung sich erstreckt.
[0025] In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird der veränderliche
Teil der Innenoberfläche von einer beweglichen Membran gebildet. Membranen sind kostengünstig
verfügbar. Außerdem ist die Anbindung einer Membran an den starren Teil der Innenoberfläche
vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen.
[0026] Der veränderbare Teil der Innenoberfläche bzw. die Membran ist mittels eines pneumatischen,
hydraulischen oder elektrisch-mechanischen Antriebs bewegbar.
[0027] Besonders einfach ist die Ausgestaltung des Gießwerkzeuges, bei dem mindestens eines
der Gussformteilstücke einen Hohlraum aufweist, welcher vom Gusshohlraum durch die
bewegliche Membran getrennt ist. Die Membran kann von der zweiten Position in den
Hohlraum in die erste Position zurückverlagert werden. Um dies zu bewerkstelligen,
ist dem Hohlraum ein gasförmiges oder flüssiges, das flexible Teil bewegende Medium
zu- oder aus diesem abführbar. Der flexible Teil ist so geschaffen, dass er eine bevorzugte
Raumverteilung (Gestalt) oder Form aufweist, die sich ohne äußere Einwirkungen selbsttätig
herstellt und dabei der zweiten Position entspricht. Dadurch ist es möglich, dass
die gesamte Innenoberfläche die Gestalt annimmt, die die Raumform des Gusskörpers
vorgibt. Die Raumverteilung stellt die benötigte Formsteifigkeit des veränderbaren
Teils bereit, die während des Auffüllens des Gusshohlraums mit Gussmaterial, beispielsweise
zähflüssiger Keramik, nötig ist, damit das Gasmaterial währenddessen die Gussform
nicht verändert.
[0028] Nur unter Aufwendung einer Mindestkraft, die größer ist als der Fülldruck des Gussmaterials,
wird der flexible Teil von der zweiten Position in die erste Position verlagert. Diese
Mindestkraft kann durch ein gasförmiges oder flüssiges Medium oder durch einen pneumatischen,
hydraulischen oder elektrischen Antrieb auf das bewegliche Teil übertragen werden.
Beispielsweise ist der im Gussformteil vorhandene Hohlraum, in den die bewegliche
Membran zum Herauslösen des Gusskörpers zurückbewegt werden kann, mit einer Flüssigkeit
gefüllt. Durch das Heraussaugen der Flüssigkeit mittels Unterdruck kann der bewegliche
Teil der Innenoberfläche aus der zweiten Position in die erste Position verlagert
werden, wodurch das zugeordnete Gussformteilstück aus dem Gusskörper herauslösbar
ist. Falls erforderlich, ist in dem zugeordneten Gussformteilstück sogar eine Zuleitung
für Luft vorgesehen, die am flexiblen Teil mündet, damit, wenn der flexible Teil sich
vom Gusskörper entfernt, kein Unterdruck oder Vakuum an dieser Stelle entsteht.
[0029] Stattdessen könnte auch der Hohlraum mit einem Gas unter Druck gesetzt werden, welches
das veränderbare Teil in die zweite Position bewegt. Denkbar wäre auch eine Mechanik,
die den beweglichen Teil von der zweiten Position in die erste Position und umgekehrt
bewegt.
[0030] Die auf das Verfahren gerichtete Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 10
gelöst.
[0031] Die für die Vorrichtung erreichten Vorteile gelten sinngemäß auch für das Verfahren.
[0032] Die Erfindung wird anhand einer Zeichnung erläutert. Es zeigen:
- FIG 1
- einen als Gusskern ausgebildeten Gusskörper zur Herstellung einer Gasturbinenschaufel
mit radialen Kühlluftkanälen,
- FIG 2
- ein Gießwerkzeug im Querschnitt zur Herstellung eines Gusskörpers bzw. eines Gusskerns
gemäß FIG 1,
- FIG 3
- ein Gießwerkzeug zur Erzeugung von Verzweigungen quer zur einer von zwei Gussformteilstücken
definierten ersten Trennfläche,
- FIG 4
- die Vorrichtung gemäß FIG 3 von unten gesehen und
- FIG 5
- ein erfindungsgemäßes Gießwerkzeug mit einer teilweisen veränderbaren Innenoberfläche
zur Erzeugung von Hinterschneidungen am Gusskörper.
[0033] FIG 5 zeigt ein erfindungsgemäßes Gießwerkzeug 60 mit drei Gussformteilstücken 32,
34, 45 zur Herstellung von Gusskörpern 20. Die Gussformteilstücke 32, 34, 45 bilden
eine Gussform 61. Sie formen mit ihren Innenoberflächen 40 den Gusshohlraum 38, begrenzen
diesen und geben durch ihre Gestalt die Raumform 42 des herzustellenden Gusskörpers
20 vor.
[0034] Neu ist jedoch, dass nicht die gesamte Innenoberfläche starr ausgebildet ist, sondern
dass ein Teil 62 der Innenoberfläche 40 eines der Gussformteilstücke 32, 34, 45 veränderbar,
d.h. flexibel ist. In der vorliegenden FIG 5 ist das veränderbare Teil 62 lediglich
am freien Ende 66 des Zapfens 54 vorgesehen, welcher Teil des dritten Gussformteilstücks
45 ist. Wie in FIG 5 durch die gestrichelte Linienart angedeutet ist, kann die Innenoberfläche
40 im Bereich des freien Endes 66 des Zapfens 54 eine schlanke Form 64 als erste Position
71 aufweisen.
[0035] Der veränderbare Teil 62 der Innenoberfläche 40 wird von einer beweglichen, undurchlässigen
ggf. auch dehnbaren Membran 63 gebildet. Die Membran 63 kann in Bewegungsrichtung
B von einem pneumatischen, hydraulischen oder elektrischen Antrieb bewegt werden.
[0036] Der teilweise hohle Zapfen 54 ist weist einen Hohlraum 65 auf, der teilweise von
dem Gusshohlraum 38 durch die Membran 63 getrennt ist. Zum Bewegen der Membran 63
ist dem Hohlraum 65 ein flüssiges Medium 67 zu- und aus diesen abführbar.
[0037] Die gewünschte Raumform 42 des herzustellenden Gusskörpers 20 ist am freien Ende
66 des Zapfens 54 durch die in Volllinie gezeichnete ballonartige Form 68 definiert,
in die die Membran 63 bewegt werden kann. Die dadurch herbeiführbare Aufweitung 70
stellt die zweite Position 72 der Membran 63 dar.
[0038] Zur Vorbereitung des Gießens eines Gusskörpers 20 werden die Gussformteilstücke 32,
34, 45 aufeinander zu bewegt, bis sie in ihrer Betriebslage aneinander anliegen. Im
Ausführungsbeispiel ist es unerheblich, ob die bewegliche Membran 63 vor oder nach
dem Zusammenbewegen der Gussformteilstücke 32, 34, 45 in die zweite Position 72, die
die Raumform 42 des Gusskörpers 20 vorgibt, bewegt wird.
[0039] Anschließend wird durch einen oder mehrere Kanäle 75 Gussmaterial 73 von außen dem
Gusshohlraum 38 zugeführt bzw. in diesen eingespritzt, bis dieser vollständig mit
Gussmaterial 73 ausgefüllt ist. Danach härtet das Gussmaterial 73 aus und hinterlässt
den einteiligen Gusskörper 20 mit der gewünschten Raumform 42. Die Raumform 42 wird
durch die Gestalt des Gusshohlraumes 38 und somit durch die Struktur der Innenoberflächen
40 vorgegeben. Aus Gründen der Klarheit ist nicht gezeigt, dass die Innenoberfläche
40 Strukturelemente aufweisen kann, mit denen auf der Oberfläche des Gusskörpers 20
Konturen erzeugt werden können, die, bei einer Verwendung des Gusskörpers 20 als Gusskern
in einer Vorrichtung zum Gießen von Turbinenschaufeln, in dieser Turbinenschaufel
auf der Innenwand des Kühlkanals die Kühlluft beeinflussende Mittel erzeugt, beispielsweise
Turbulatoren, Sockelfelder und/oder ähnliches.
[0040] Da die in der Volllinie gezeigte Form 68 des freien Endes 66 des Zapfens 54 quer
zur Verschieberichtung W des dritten Gussformteilstücks 45, an dem die Membran 63
der Innenoberfläche 40 angeordnet ist, herausragt, kann nach dem Aushärten des fertigen
Gusskörpers 20 vorerst das dritte Gussformteilstück 45 nicht aus diesem herausgezogen
werden. Durch die Aufweitung 70 des freien Endes 66 des Zapfens 54 ist dies nicht
möglich, die Aufweitung 70 ist mit dem Gusskörper 20 verhakt. Aufgrund der beweglichen
Membran 63 am freien Ende 66 des Zapfens 54 kann die Gestalt der Innenoberfläche 40
in diesem Bereich von der zweiten Position 72 in die erste Position 71 verändert werden.
Erst wenn die bewegliche Membran 63 in der ersten Position 71 ist (gestrichelt dargestellte
Form 64), kann das dritte Gussformteilstück 45 aus dem Gusskörper 20 herausgezogen
werden. Die Membran 63 wird also zeitweilig in die schlankere Form 64 verändert, wodurch
die Verhakung des Zapfens 54 und somit des Gussformteilstücks 45 mit dem Gusskörper
20 gelöst wird. Es wird also die am Gusskörper 20 anliegende Innenoberfläche 40 unter
zeitweiliger Veränderung ihrer Gestalt vom Gusskörper 20 beabstandet, d.h. entfernt.
Danach wird das Gussformteilstück 45 aus dem Gusskörper 20 herangezogen.
[0041] Diese Methode ist jedoch nicht auf das Ausführungsbeispiel beschränkt. Dieses dient
lediglich als Erläuterung des Verfahrens und des Gießwerkzeuges. Es lässt sich auch
auf andere Bereiche und Anwendungsgebiete übertragen.
[0042] Insgesamt lassen sich zur Erzeugung von Hinterschneidungen oder Verzweigungen im
Gusskörper mit einem Gießwerkzeug herstellen, ohne dass mit verlorenen oder zusammengesetzten
Kernen gearbeitet werden muss. Das den veränderbaren Teil der Innenoberfläche aufweisende
Gussformteilstück ist dabei mehrfach wiederverwendbar.
1. Gießwerkzeug (60) zur Herstellung von Gusskörpern (20), mit mindestens zwei eine Gussform
(61) bildenden Gussformteilstücken (32, 34), die, in einer Trennfläche (36) aneinander
liegend, einen Gusshohlraum (38) umschließen und mit an den Gussformteilstücken (32,
34) angeordneten Innenoberflächen (40), die den Gusshohlraum (38) begrenzen und die
durch ihre Gestalt die Raumform (42) des Gusskörpers (20) vorgeben,
dadurch gekennzeichnet,
dass zum Herauslösen des Gusskörpers (20) aus der Gussform (61) nach dem Aushärten des
Gusskörpers (20) mindestens ein Teil (62) der am Gusskörper (20) anliegenden Innenoberfläche
(40) von diesem unter zeitweiliger Veränderung ihrer Gestalt entfernbar ist.
2. Gießwerkzeug (60) nach Anspruch 1,
bei dem der veränderbare Teil (62) der Innenoberfläche (40) relativ zu einem starren
Teil der Innenoberfläche (40) von einer ersten Position (71) in eine zweite Position
(72) veränderbar ist.
3. Gießwerkzeug (60) nach Anspruch 1 oder 2
bei dem ein drittes Gussformteilstück (45) in einer zweiten Trennfläche (46) an den
beiden ersten Gussformteilstücken (32, 34) anlegbar ist, wobei die zweite Trennfläche
(46) quer zur ersten Trennfläche (36) liegt.
4. Gießwerkzeug (60) nach Anspruch 3,
bei dem der veränderbare Teil (62) der Innenoberfläche (40) der Gussform (41) am ersten
und/oder am zweiten und/oder am dritten Gussformteilstück (32, 34, 45) vorgesehen
ist.
5. Gießwerkzeug (60) nach einem der Ansprüche 2 bis 4,
bei dem zur Erzeugung von Hinterscheidungen (74) im Gusskörper (20) die Verlagerung
des veränderbaren Teils (62) von der ersten Position (71) in die zweite Position (72)
im Wesentlichen entlang einer Bewegungsrichtung (B) erfolgt, welche parallel zur Trennfläche
(36, 46) liegt.
6. Gießwerkzeug (60) nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
bei dem der veränderbare Teil (62) der Innenoberfläche (45) von einer beweglichen
Membran (63) gebildet wird.
7. Gießwerkzeug (60) nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
bei dem der veränderbare Teil (62) mittels eines pneumatischen, hydraulischen oder
elektrischen Antriebs bewegbar ist.
8. Gießwerkzeug (60) nach einem der Ansprüche 6 oder 7,
bei dem mindestens eines der Gussformteilstücke (32, 34, 74) einen Hohlraum (65) aufweist,
welcher vom Gusshohlraum (38) durch die bewegliche Membran (63) getrennt ist.
9. Gießwerkzeug (60) nach Anspruch 8,
bei dem dem Hohlraum (65) ein gasförmiges oder flüssiges, das veränderbare Teil (62)
bewegende Medium (67) zu- oder aus diesem abführbar ist.
10. Verfahren zum Herstellen eines Gusskörpers (20), insbesondere eines Gusskerns,
mit einem Gießwerkzeug (60) nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
gekennzeichnet durch die Abfolge der Arbeitschritte zur Herstellung des Gusskörpers (20):
a) alle Gussformteilstücke (32, 34, 36) werden in ihre Betriebslage gebracht, in der
sie mit ihren Innenoberflächen (40) den Gusshohlraum (38) für den herzustellenden
Gusskörper (20) vorgeben,
b) das Gussmaterial (73) wird in den Gusshohlraum (38) eingefüllt,
c) nach dem Aushärten des Gussmaterials (73) wird der veränderbare Teil (62) der Innenoberfläche
(40) von der zweiten Position (72) in die erste Position (71) zurück verlagert und
dabei vom Gusskörper (20) teilweise entfernt und
d) die Gussformteilstücke (32, 34, 45) werden voneinander weg bewegt, um den Gusskörper
(20) freizulegen.
11. Verfahren nach Anspruch 11,
bei dem in Schritt c) der veränderbare Teil (62) der Innenoberfläche (40) entweder
c1) mittels eines pneumatischen, hydraulischen oder elektrischen Antriebs bewegt wird,
oder
c2) mittels eines Mediums (67) bewegt wird, welches einem Hohlraum (65) zu- oder aus
diesem abgeführt wird, der vom Gusshohlraum (38) durch den flexiblen Teil (62) getrennt
ist.