Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung befindet sich auf dem Gebiet der Oleochemie und betrifft ein neues
Verfahren zur Aufarbeitung von Fettstoffen aus Ver- und Umesterungsreaktionen, speziell
zur Raffination und Entsäuerung.
Stand der Technik
[0002] Bei der Raffination von Fettstoffen aus Ver- und Umesterungsreaktionen werden freie
Säuren durch chemische oder physikalische Methoden entfernt, um die Lagerstabilität
und die Produktqualität zu erhöhen. Die einfachste Methode besteht dabei darin, die
freien Säuren durch Zugabe von Alkali zu verseifen. In diesem Zusammenhang wird zwischen
der Trocken- und Nassraffination unterschieden.
[0003] Bei der Trockenraffination wird festes oder gebundenes Natriumhydroxid verwendet.
Bei diesen Verfahren entstehen gegebenenfalls Seifen als Neutralisationsprodukte.
Im Gegensatz dazu wird bei der Nassraffination wässrige Natronlauge oder Kristallsodalösung
und eine große Wassermenge zugegeben, so dass anschließend eine Abtrennung des Wassers
erforderlich ist. Außerdem muss gebildete Seife durch mehrmaliges Waschen aus dem
Reaktionsgemisch abgetrennt werden. Anschließend durchläuft das Reaktionsprodukt gegebenenfalls
Desodorierungs-, Trocknungs- und Filtrationsschritte.
[0004] Den Verfahren des Stands der Technik haftet der Nachteil an, dass infolge der quantitativen
Überführung der Säuren in Seifen aufwendige Reinigungsschritte, insbesondere Wäschen
und Filtrationen erforderlich sind, die Zeit und Energie erfordern. Gleichzeitig fallen
große Mengen an Abwasser an, die ebenfalls wieder aufwendig gereinigt oder teuer entsorgt
werden müssen. Nach Abschluss der Raffination liegen die in den Produkten aus der
Ver- oder Umesterung enthaltenen freien Säuren schließlich als Seifen vor.
[0005] Die komplexe Aufgabe der vorliegenden Erfindung hat demnach darin bestanden, ein
verbessertes Verfahren zur Aufarbeitung von Produkten aus Ver- und Umesterungsreaktionen
zur Raffination und Entsäuerung zu entwickeln, dass sich im Vergleich zum Stand der
Technik dadurch auszeichnet, dass die Zahl der Reinigungsschritte sowie die Menge
an Abwasser signifikant vermindert wird. Gleichzeitig soll auch der Verlust durch
Produktverseifung reduziert werden. Schließlich sollte das Verfahren so ausgestaltbar
sein, dass auch Katalysatorverunreinigungen wie z.B. Sulfatanionen sowie ein- oder
mehrwertige Metallkationen entfernt werden können.
Beschreibung der Erfindung
[0006] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Aufarbeitung von Fettstoffen aus Ver-
und Umesterungsreaktionen, welches sich dadurch auszeichnet, dass man diese mit Ionenaustauschern
behandelt.
[0007] Der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht insbesondere darin, dass durch
die Verwendung von Anionenaustauschern die freie Säure direkt an den Ionenaustauscher
gebunden wird. Dabei wird Wasser nur in stöchiometrischen Mengen gebildet, das anschließend
im Trocknungsprozess entfernt wird. Insbesondere das aufwendige Auswaschen der Seife
und die Filtration entfallen, gleichzeitig wird die Menge an Abwasser signifikant
vermindert. Bedingt durch die geringere Basizität der Anionenaustauscher und die milderen
Reaktionstemperaturen entsteht im Vergleich zur klassischen Nassraffination auch weniger
Verlust durch Produktverseifung. Gleichzeitig werden auch andere störende Anionen,
speziell die unerwünschten Sulfate entfernt. Durch Reihenschaltung von Kationen- und
Anionenaustauschschritten können zudem auch ein- oder mehrwertige Metallkationen abgetrennt
werden. Die Regeneration der Ionenaustauscher ist wie in wässrigen lonenaustauschersystemen
mit verdünnter wässriger Natron- oder Kalilauge sowie verdünnter Salz- oder Schwefelsäure
möglich.
Ausgangsstoffe
[0008] Die Auswahl der Ver- bzw. Umesterungsprodukte ist für das erfindungsgemäße Verfahren
wenig kritisch.
[0009] In einer ersten und bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
können als Fettstoffe Glyceride der Formel
(I) aufgearbeitet werden,

in der R
1CO für einen gesättigten sowie ein- oder mehrfach ungesättigten Acylrest mit 2 bis
22 Kohlenstoffatomen, und R
2 und R
3 unabhängig voneinander für Wasserstoff oder gesättigte sowie ein- oder mehrfach ungesättigte
Acylreste mit 2 bis 22, vorzugsweise 6 bis 18 Kohlenstoffatomen stehen. Typische Beispiele
sind pflanzliche Öle wie etwa Kokosöl, Palmöl, Palmkernöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl,
Distelöl, Rapsöl, Mandelöl und dergleichen.
[0010] In einer alternativen Ausführungsform können als Fettstoffe auch Ester von Monocarbonsäuren
der Formel
(II) eingesetzt werden,
R4COO-R5 (II)
wobei R
4CO für einen gesättigten sowie ein- oder mehrfach ungesättigten Acylrest mit 2 bis
22, vorzugsweise 6 bis 18 und insbesondere 12 bis 14 Kohlenstoffatomen und R
5 für einen gesättigten oder ein- oder mehrfach ungesättigten, gegebenenfalls substituierten
Alk(en)ylrest mit 2 bis 22, vorzugsweise 6 bis 18 und insbesondere 12 bis 14 Kohlenstoffatomen
oder den Rest eines (Poly-)Alkylenglycols, speziell von Ethylenglycol, Diethylenglycol,
Propylenglycol oder Dipropylenglycol steht. Typische Beispiele sind Wachsester auf
Basis von Fettsäuren mit 6 bis 22 und vorzugsweise 12 bis 18 Kohlenstoffatomen und
entsprechenden Fettalkoholen mit ebenfalls 6 bis 22 und vorzugsweise 12 bis 18 Kohlenstoffatomen,
wie beispielsweise Myristylmyristat, Myristylpalmitat, Stearylpalmitat, Stearylstearat,
Cetearylstearat, Oleyloleat und dergleichen.
[0011] Schließlich kommen als Ausgangsstoffe auch Ester von Dicarbonsäuren der Formel
(III) in betracht,
R6OOC-(A)n-COOR7 (III)
in der A für eine lineare oder verzweigte Alkylen- oder Alkenylengruppe mit 1 bis
10 Kohlenstoffatomen oder einen Phenylrest, n für 0 oder 1, R
6 und R
7 unabhängig voneinander für gesättigte oder ein- oder mehrfach ungesättigte, gegebenenfalls
substituierte Alk(en)ylreste mit 2 bis 22, vorzugsweise 6 bis 22 und insbesondere
12 bis 18 Kohlenstoffatomen oder den Reste eines (Poly-)alkylenglycols, speziell von
Ethylenglycol, Diethylenglycol, Propylenglycol oder Dipropylenglycol stehen. Typische
Beispiele sind die Stearyl-, Palmityl- oder Oleylester der Malonsäure oder Adipinsäure.
[0012] In Summe besonders bevorzugt sind synthetische oder natürliche Tri- und Partialglyceride
und Alkylester, die nach der Raffination Verwendung in kosmetischen Zubereitungen
oder im Nahrungsmittelbereich finden. Bezüglich der Menge an freien Säuren können
die Ausgangsstoffe vorzugsweise Säurezahlen im Bereich von 0,5 bis 10 aufweisen.
Ionenaustauscher
[0013] Die Anwendung von Ionenaustauschern zur Aufarbeitung und Katalyse in wässrigen Systemen
ist Stand der Technik, wie z.B. Enthärtung oder Entsalzung von Wasser, Rückgewinnung
vom Metall. Ansonsten finden Ionenaustauscher bei der Chromatographie Anwendung. In
der Oleochemie werden Ionenaustauscher zur Reinigung von Glycerin (Entsalzung) eingesetzt.
Eine weitere Anwendung ist der Einsatz von Kationenaustauschern zur sauren Katalyse
bei Veresterungsreaktionen (z. B. bei der Herstellung von Isopropylmyristat/-palmitat).
Für die Entsäuerung von Ver- und Umesterungsprodukten, wurden sie indes noch nicht
in Betracht gezogen.
[0014] Im Sinne des erfindungsgemäßen Verfahrens können Anionenaustauscher oder Kombinationen
aus hintereinander geschalteten Anionen- und Kationenaustauschern eingesetzt werden,
abhängig davon, ob lediglich freie Fettsäuren sowie gegebenenfalls weitere störende
Anionen oder zudem auch Metallkationen abgetrennt werden sollen. Dabei kommen sowohl
Ionenaustauscher auf Basis von polymeren Harzen als auch anderen festen Matrizen mit
funktionellen Gruppen in Betracht (z.B. Zeolithe oder oxidische Ionenaustauscher).
Typische Beispiele für Anionenaustauscher sind polymere Matrizes auf Basis von Polystyroldivinylbenzoldimethylamin,
Polystyroldivinylbenzoltrimethylammoniumchlorid oder Polyacrylodimethylamin, wie sie
beispielsweise von der Firma Purolite im Handel erhältlich sind. Typische Beispiele
für Kationenaustauscher sind Polystyrol-Divinylbenzolharze mit Sulfonsäure- oder Carboxylgruppen.
[0015] Im Sinne des erfindungsgemäßen Verfahrens sind sowohl schwach basische wie stark
basische Anionenaustauscher bzw. stark saure wie schwach saure Kationenaustauscher
geeignet, wobei sich Partikelgrößen im Bereich von 50 bis 1000 µm, bevorzugt zwischen
300 und 800 µm, als besonders vorteilhaft bewährt haben. Die Ionenaustauscher besitzen
je nach Typ einen Anwendungsbereich zwischen 0 und 200 °C; Kationenaustauscher auf
Kunstharzbasis sind gewöhnlich bis maximal 150 °C einsetzbar. Anionenaustauscher auf
Kunstharzbasis sind gewöhnlich bis maximal 70 °C einsetzbar. Üblicherweise wird die
Aufarbeitung daher bei Temperaturen im Bereich von 0 bis 150 °C durchgeführt, besonders
bevorzugt im Bereich von 25 bis 95 °C.
[0016] Bezogen auf die Entfernung von freien Säuren aus den Ver- und Umesterungsprodukten
erfolgt die Reaktion nach dem Prinzip von Säure-Base-Reaktionen. Die Säureanionen
werden an Anionenaustauscher gebunden, wobei stöchiometrisch Wasser gebildet wird:
RCOOH + RS-OH → RS-OOCR + H
2O
[0017] Zur Entfernung der freien Säure können die Anionenaustauscher direkt nach der Konditionierung
eingesetzt werden. Eine Trocknung der Anionenaustauscher und eine Vorbehandlung mit
organischen Substanzen sind für den Einsatz nicht notwendig. Die Beladungskapazität
der Anionenaustauscher im organischen System unterscheidet sich nur unwesentlich von
derjenigen im wässrigen System. Die Regeneration mit verdünnter Natronlauge ist mehrmals
wiederholbar.
Beispiele
Beispiel 1
[0018] 50 g des Rohproduktes Capryl-/Caprinsäuretriglycerid (Myritol
® 318, Cognis Deutschland GmbH & Co. KG) wurden mit 2 g Polystyroldivinylbenzoldimethylamin
(PFA 100, Purolite) in einem Schüttelkolben gemischt und bei Raumtemperatur ständig
gerührt. Die Säurezahl des Gemischs wurde nach Probenahme in bestimmten Zeitabständen
gemessen (DGF-Einheitsmethode C-V 2(81)). Die Änderung der Säurezahl mit der Zeit
wird in Abbildung 1 gezeigt. Eine Abnahme der Säurezahl ist eindeutig zu erkennen.
Beispiel 2
[0019] 1290 g des Rohproduktes Capryl-/Caprinsäuretriglycerid (Myritol
® 318, Cognis Deutschland GmbH & Co. KG) wurden mit 60 g Polystyroldivinylbenzoltrimethylammoniumchlorid
(PPA-400, Purolite) in einem Rührkessel bei 25 °C gerührt. Die Säurezahl des Gemischs
wurde nach Probenahme in bestimmten Zeitabständen gemessen (DGF-Einheitsmethode C-V
2(81)). Die Änderung der Säurezahl mit der Zeit ist in Abbildung 4 dargestellt. Eine
Abnahme der Säurezahl ist eindeutig zu erkennen.
Beispiel 3
[0020] Ein Festbett mit einem Durchmesser von 3 cm, gepackt mit 42 g Polystyroldivinylbenzoltrimethylammoniumchlorid
(PPA 400, Purolite) wurde bei Raumtemperatur mit dem Rohprodukt Capryl-/Caprinsäuretriglycerid
(Myritol
® 318, Cognis Deutschland GmbH & Co. KG), durchströmt. Die Durchbruchskurve des Produktes
wurde mit Hilfe der Messung der Säurezahl bestimmt (DGF-Einheitsmethode C-V 2(81))
und ist in Abbildung 3 aufgetragen. Die lineare Beladungsgeschwindigkeit beträgt 1
cm/min.
Beispiel 4
[0021] 50 g des Rohproduktes Isopropylmyristat (Cognis Deutschland GmbH & Co. KG) wurden
mit 4 g Polystyroldivinylbenzoltrimethylammoniumchlorid (PFA 400, Purolite) in einem
Schüttelkolben gemischt und bei Raumtemperatur gerührt. Das Rohprodukt enthält Schwefelsäure
als Katalysator und nicht umgesetzte Fettsäure aus der Veresterungsreaktion. Die Säurezahl
des Gemischs wurde nach Probenahme in bestimmten Zeitabständen gemessen (DGF-Einheitsmethode
C-V 2(81)). Die Änderung der Säurezahl mit der Zeit wird in Abbildung 4 wiedergegeben.
Eine Abnahme der Säurezahl ist eindeutig zu erkennen.
1. Verfahren zur Aufarbeitung von Fettstoffen aus Ver- und Umesterungsreaktionen, dadurch gekennzeichnet, dass diese mit Ionenaustauschern behandelt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass aus den Fettstoffen freie Säuren, anorganische oder organische Anionen und/oder ein-
bzw. mehrwertige Metallkationen entfernt werden.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass man als Fettstoffe Glyceride der Formel
(I) aufarbeitet,

in der R
1CO für einen gesättigten sowie ein- oder mehrfach ungesättigten Acylrest mit 2 bis
22 Kohlenstoffatomen, und R
2 und R
3 unabhängig voneinander für Wasserstoff oder gesättigte sowie ein- oder mehrfach ungesättigte
Acylreste mit 2 bis 22 Kohlenstoffatomen stehen.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man als Fettstoffe Ester von Monocarbonsäuren der Formel (II) aufarbeitet,
R4COO-R5 (II)
wobei R4CO für einen gesättigten sowie ein- oder mehrfach ungesättigten Acylrest mit 2 bis
22 Kohlenstoffatomen und R5 für einen gesättigten oder ein- oder mehrfach ungesättigten, gegebenenfalls substituierten
Alk(en)ylrest mit 2 bis 22 Kohlenstoffatomen oder den Rest eines (Poly-)Alkylenglycols
steht.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man als Fettstoffe Ester von Dicarbonsäuren der Formel (III) aufarbeitet,
R6OOC-(A)n-COOR7 (III)
in der A für eine lineare oder verzweigte Alkylen- oder Alkenylengruppe mit 1 bis
10 Kohlenstoffatomen oder einen Phenylrest, n für 0 oder 1, R6 und R7 unabhängig voneinander für gesättigte oder ein- oder mehrfach ungesättigte, gegebenenfalls
substituierte Alk(en)ylreste mit 2 bis 22 Kohlenstoffatomen oder den Reste eines (Poly-)
alkylenglycols stehen.
6. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass man Anionenaustauscher oder eine Kombination aus hintereinander geschalteten Kationen-
und Anionenaustauschern einsetzt.
7. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass man Ionenaustauscher auf Basis von polymeren Harzen oder anderen festen Matrizen
mit funktionellen Gruppen einsetzt.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass man Anionenaustauscher einsetzt, deren Polymermatrix ausgewählt ist aus der Gruppe,
die gebildet wird von Polystyroldivinylbenzoldimethylamin, Polystyroldivinylbenzoltrimethylammoniumchlorid
und Polyacrylodimethylamin.
9. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass man die Aufarbeitung bei Temperaturen im Bereich von 0 bis 150 °C durchführt.
10. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass man die Aufarbeitung in einem Rührkessel, einem Festbett oder in einer Wirbelschicht
durchführt.