| (19) |
 |
|
(11) |
EP 1 752 552 A1 |
| (12) |
EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
| (43) |
Veröffentlichungstag: |
|
14.02.2007 Patentblatt 2007/07 |
| (22) |
Anmeldetag: 05.08.2005 |
|
| (51) |
Internationale Patentklassifikation (IPC):
|
|
| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
|
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IS IT LI LT LU LV MC NL PL PT RO SE
SI SK TR |
|
Benannte Erstreckungsstaaten: |
|
AL BA HR MK YU |
| (71) |
Anmelder: Fritz Winter Eisengiesserei GmbH & Co. KG |
|
35260 Stadtallendorf (DE) |
|
| (72) |
Erfinder: |
|
- Meurer, Horst, Dr. Ing.
35274 Kirchhain (DE)
|
| (74) |
Vertreter: Cohausz & Florack |
|
Patent- und Rechtsanwälte
Bleichstrasse 14 40211 Düsseldorf 40211 Düsseldorf (DE) |
|
| |
|
|
|
Bemerkungen: |
|
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86 (2) EPÜ. |
|
| (54) |
Verfahren zum Herstellen von Vermikulargraphitguss |
(57) Die Erfindung stellt ein Verfahren zum Herstellen von Vermikulargraphitguss zur Verfügung,
das bei hoher Betriebssicherheit und geringem Aufwand die sichere Erzeugung von Eisenguss
mit Vermikulargraphit ermöglicht. Zu diesem Zweck wird erfindungsgemäß einer in einem
Behandlungsgefäß unter einer inerten Atmosphäre gehaltenen Eisenschmelze, deren Schwefelgehalt
weniger als 0,05 Gew.-% beträgt, eine aus Magnesium und einem weiteren Metall unter
Ausschluss von Silizium gebildete Mg-Behandlungslegierung zugegeben, bis der Magnesium-Gehalt
der Eisenschmelze 0,005 - 0,018 Gew.-% beträgt.
|
|
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von Vermikulargraphitguss.
[0002] Bei der Einteilung der verschiedenen Arten von Gusseisen nach ihren Festigkeitseigenschaften
liegt Gusseisen mit Vermikulargraphit, das üblicherweise mit der Kurzbezeichnung "GJV"
bezeichnet wird, mit Festigkeiten im Bereich von 350 bis 500 MPa zwischen Gusseisen
mit Lamellengraphit, das üblicherweise als "GJL" bezeichnet wird und Festigkeiten
im Bereich von 150 bis 350 MPa besitzt, und Gusseisen mit Kugelgraphit, das üblicherweise
unter der Bezeichnung "GJS" geführt wird und Festigkeiten von 350 bis 1000 MPa aufweist.
Der besondere Vorteil von Gusseisen mit Vermikulargraphit besteht dabei in einer günstigen
Kombination von hoher Festigkeit und guter Wärmeleitfähigkeit sowie gutem Dämpfungsverhalten.
[0003] Eine bekannte, verfahrenstechnisch einfach zu beherrschende Möglichkeit der Herstellung
von Gusseisen mit Vermikulargraphit besteht darin, der zu vergießenden Eisenschmelze
ein Seltenerdmetall, beispielsweise Cer, in einer Menge zuzugeben, die in Abhängigkeit
vom Schwefelgehalt eingestellt wird. Eine Überdosierung muss dabei vermieden werden,
um die Bildung unerwünschten Gefüges und die so genannte "Weißerstarrung" zu vermeiden
(Gießerei-Lexikon Ausgabe 2001, 18. Aufl., Seite 573).
[0004] Wie des Weiteren im Einzelnen in der
Europäischen Patentschrift EP 1 068 365 B1 beschrieben, wird neben der Behandlung mit Cer oder anderen Seltenerdmetallen üblicherweise
auch eine Behandlung der zu vergießenden Eisengussschmelze mit FeSiMg durchgeführt,
um Magnesiumsilikate im Gusseisen zu erzeugen. Diese Magnesiumsilikate haben sich
als besonders wirkungsvolle Keimbildner herausgestellt. Allerdings wird durch die
Zugabe von Magnesium zu der Eisenschmelze die Schmelze auch desoxidiert. Da die Wirksamkeit
der Magnesiumsilikate als Keimbildner abhängig ist vom in der Schmelze vorhandenen
Sauerstoff, ist demzufolge eine genaue Kontrolle des Sauerstoffgehaltes der Schmelze
von besonderer Bedeutung.
[0005] Die zur treffsicheren Bestimmung des Sauerstoffgehalts einer Eisengussschmelze erforderlichen
Informationen lassen sich beispielsweise aus Thermoanalysen, EMK-Messungen oder anderen
Analyseverfahren gewinnen, die im Zusammenhang mit Keimbildungs- und Keimwachstumsvorgängen
stehen. In der praktischen Umsetzung erweisen sich die bekannten Wege der Bestimmung
der Mengen an Sauerstoff und Mischoxiden, die einer Eisenschmelze zuzugeben sind,
um die gewünschte Graphitbildung zu erzielen, als schwierig handhabbar. Darüber hinaus
setzen sie einen hohen apparativen und messtechnischen Aufwand voraus, der nicht nur
kostenaufwändig ist, sondern unter den in der Praxis bestehenden Betriebsdingungen
auch störungsanfällig ist.
[0006] Ausgehend von dem voranstehend erläuterten Stand der Technik bestand daher die Aufgabe
der Erfindung darin, ein Verfahren zu schaffen, das bei hoher Betriebssicherheit und
geringem Aufwand die sichere Erzeugung von Eisenguss mit Vermikulargraphit ermöglicht.
[0007] Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß durch ein Verfahren gelöst worden, bei dem einer
in einem Behandlungsgefäß unter einer inerten Atmosphäre gehaltenen Eisenschmelze,
deren Schwefelgehalt weniger als 0,05 Gew.-% beträgt, erfindungsgemäß eine aus Magnesium
und einem weiteren Metall unter Ausschluss von Silizium gebildete Mg-Behandlungslegierung
zugegeben wird, bis der Magnesium-Gehalt der Eisenschmelze 0,005 - 0,018 Gew.-% beträgt.
[0008] Gemäß der Erfindung wird die in einem geeigneten Behälter gespeicherte Schmelze unter
einer Schutzgasatmosphäre mit einer magnesiumhaltigen Legierung behandelt, die neben
dem Magnesiumgehalt mindestes ein weiteres Metall, jedoch kein Silizium enthält. Die
Zugabe der Mg-Metall-Behandlungslegierung erfolgt dabei solange, bis in der Eisenschmelze
ein in engen Grenzen vorgeschriebener, auf das Modul des jeweils aus der Eisenschmelze
zu gießenden Gussstücks abgestellter Magnesium-Gehalt erreicht ist. In Anbetracht
der in eine andere Richtung weisenden Überlegungen der Fachwelt überraschend hat sich
herausgestellt, dass sich auf diese Weise Vermikulargraphitguss für unterschiedliche
Gussteile erzeugen lässt, deren Module über einen weiten Bereich gestreut sind.
[0009] Unter dem "Modul" eines Gussteils ist in diesem Zusammenhang das Verhältnis des Gussteil-Volumens
zur wärmeabgebenden Fläche zu verstehen:

mit
- M =
- Erstarrungsmodul in cm
- V =
- Gussteil-Volumen in cm3
- O =
- wärmeabgebende Oberfläche in cm2
[0010] In der nachfolgenden Tabelle sind den verschiedenen Modul-Bereichen der zu gießenden
Gussteile die Mg-Gehalte zugeordnet, die bevorzugt zur besonders treffsicheren Erzeugung
von Vermikulargraphitguss in den jeweiligen Gussstücken in erfindungsgemäßer Weise
eingestellt werden:
| Modul (in cm) |
Wanddickenbereich |
Mg-Gehalt der Eisenschmelze (in Gew.-%) |
| 0,15 bis < 0,65 |
dünn |
0,005 - 0,009, insbesondere 0,005 bis 0,008 |
| 0,65 bis < 1,2 |
mittel |
0,007 - 0,012, insbesondere >0,008 bis 0,011 |
| 1,2 bis 2,0 |
dick |
0,010 - 0,018, insbesondere >0,011 - 0,018 |
[0011] Als besonders zweckmäßig für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens hat
sich die Verwendung von Behandlungslegierungen herausgestellt, die als zusätzliches
Metall neben Magnesium Kupfer oder Nickel enthalten. CuMg- oder NiMg-Behandlungslegierungen
werden besonders gut von der Eisenschmelze aufgenommen und führen zur Umwandlung der
Graphitlamellen in Vermikeln.
[0012] Der Schwefelgehalt einer erfindungsgemäße verwendeten Eisengussschmelze ist auf maximal
0,05 Gew.-% beschränkt, um sicherzustellen, dass das erfindungsgemäß zugegebene Magnesium
im möglichst vollen Umfang für die Graphitisierung zur Verfügung steht. Um diese Wirkung
möglichst sicher zu nutzen, sollte der Schwefelgehalt so gering wie möglich sein.
Dementsprechend sieht eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung vor, dass der
S-Gehalt der Eisenschmelze weniger als 0,015 Gew.-% beträgt.
[0013] Die für die erfindungsgemäße Behandlung mit der Metall-Mg-Legierung im Behandlungsgefäß
erforderliche, in Bezug auf die Eisenschmelze inerte Atmosphäre kann auf einfache
und kostengünstige Weise dadurch hergestellt werden, dass über der Schmelze im Behandlungsgefäß
eine Stickstoffatmosphäre gebildet wird.
[0014] Um eine Kontamination der Eisenschmelze mit dem Luftsauerstoff auch während der Zugabe
der Behandlungslegierung sicher zu vermeiden, sollte die Behandlungslegierung über
eine Inertgas-Schleuse zugeführt werden.
[0015] Die Prozesssicherheit, mit der das erfindungsgemäße Verfahren betrieben wird, kann
dadurch verbessert werden, dass während der Zugabe der Behandlungslegierung der jeweils
aktuelle Mg-Gehalt der Eisenschmelze erfasst und mit dem jeweils vorgegebenen Sollwert
verglichen wird. Die Erfassung des Mg-Gehalts kann kontinuierlich oder diskontinuierlich
in geeigneten Zeitabständen erfolgen. Ein wesentlicher Vorteil der Erfindung besteht
dabei darin, dass praktische Versuche bewiesen haben, dass es zur zielgenauen Erzeugung
von Vermikulargraphitguss ausreicht, den Mg-Gehalt als einzigen Parameter zur Einstellung
der Zusammensetzung der Schmelze heranzuziehen. Diese Möglichkeit führt zu einer drastischen
Verringerung des für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens erforderlichen
messtechnischen und sonstigen apparativen Aufwands gegenüber den konventionell bei
der Herstellung von GJV angewendeten Methoden der Schmelzenbehandlung. Als Messgeräte
für die Bestimmung des jeweiligen Mg-Gehalts der in erfindungsgemäßer Weise behandelten
Eisenschmelze können beispielsweise konventionelle Spektrometer verwendet werden,
wie sie üblicherweise zur Analyse einer Schmelzenzusammensetzung zur Verfügung stehen.
[0016] Die Messung des Mg-Gehalts wird bevorzugt am Auslauf des jeweiligen Behandlungsgefäßes
durchgeführt. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass der aus dem Behandlungsgefäß
austretende Schmelzenstrahl hinsichtlich seines Mg-Gehalts tatsächlich den sich aus
dem Modul des jeweiligen Gussstücks ergebenden Anforderungen entspricht.
[0017] Im Hinblick auf einen zügigen, einfach abzuwickelnden Verfahrensablauf besonders
zweckmäßig ist es, wenn das Behandlungsgefäß ein Vergießofen ist. Aus einem solchen
Ofen oder vergleichbar gestalteten Behandlungsgefäßen kann die Eisenschmelze direkt
in die das jeweilige Gussteil abbildende Gießform gegossen werden.
[0018] Dabei kann die aus dem Behandlungsgefäß austretende, zuvor in erfindungsgemäßer Weise
mit der Metall-Mg-Behandlungslegierung behandelte Eisenschmelze erforderlichenfalls
zusätzlich in an sich bekannter Weise mit einem geeigneten Impfmittel geimpft werden,
um ein lunker- und weißeinstrahlungsfreies Eisen in die Gießform zu bringen. Dieses
Impfen kann in der Ausgussöffnung des jeweiligen Behandlungsgefäßes erfolgen. Alternativ
oder ergänzend kann ein Impfmittel jedoch auch in den abströmenden Gießstrahl oder
erst in der Gießform der Schmelze zugegeben werden, wenn sich auf diese Weise eine
optimierte Verteilung des Impfmittels in der Schmelze erreichen lässt.
[0019] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigen schematisch:
- Fig. 1
- eine Vorrichtung zum Behandeln und Vergießen einer Eisenschmelze zu einem Gussteil
in einer ersten Betriebsstellung;
- Fig. 2
- die in Fig. 1 dargestellte Vorrichtung in einer zweiten Betriebsstellung.
[0020] Die Vorrichtung 1 zum Behandeln und Vergießen der einen Schwefel-Gehalt von maximal
0,01 Gew.-% aufweisenden Eisenschmelze S umfasst einen in an sich bekannter Weise
ausgestalteten Siphon-Vergießofen 2 mit einem Behandlungsbehälter 3, der im Bereich
seiner offenen Oberseite durch einen nach außen gewölbten Deckel 4 gegenüber der Umgebung
5 abgeschlossen ist.
[0021] In einer Seitenwand des Behandlungsbehälters 3 mündet nahe dessen dem Deckel 4 zugeordneten
Rand die Versorgungsleitung 6 einer Stickstoffversorgung 7. Die in den Behandlungsbehälter
3 eingefüllte Eisenschmelze S wird von der Stickstoffversorgung 7 permanent unter
einer im Hinblick auf die Eisenschmelze sich inert verhaltenden Stickstoffatmosphäre
A gehalten. Dazu wird von der Stickstoffversorgung 7 in den oberhalb der Eisenschmelze
S vorhandenen, von den Seitenwänden des Behandlungsbehälters 3, der Schmelze S und
dem Deckel 4 umgebenen oberen, von Schmelze freien Abschnitt 8 des Innenraums des
Behandlungsbehälters 3 Stickstoffgas geleitet.
[0022] Am Deckel 4 ist eine Schleuse 9 für die Zuführung von Behandlungslegierung B in den
Behandlungsbehälter 3 montiert, deren Schleusenkanal durch den Deckel 4 in den oberen
freien Abschnitt 8 des Innenraums des Behandlungsbehälters 3 führt. Im Behandlungsbetrieb
wird die Schleuse 9 von Stickstoffgas gespült, so dass auch beim Einbringen der Behandlungslegierung
B in die Schmelze S das Eindringen von sauerstoffhaltiger Umgebungsatmosphäre in den
Innenraum des Behandlungsbehälters 3 verhindert ist.
[0023] Der Behandlungsbehälter 3 weist in seinem oberen, an den Deckel 4 angrenzenden Abschnitt
eine seitlich vorstehende, nach oben offene Ausgussschnauze 10 auf, in die eine nach
unten wegführende Ausgussöffnung 11 eingeformt ist. Die Ausgussschnauze 11 ist über
einen in den Behandlungsbehälter 3 führenden, kurz vor dessen Boden endenden Siphon
10a mit dem Innenraum des Behandlungsbehälters 3 verbunden. Der Badspiegel der im
Behandlungsbehälter 3 enthaltenen Eisenschmelze S liegt dabei unterhalb des Niveaus
der Ausgussschnauze 10. Auf diese Weise kann durch Druckbeaufschlagung des Innenraums
des Behandlungsbehälter 3 Eisenschmelze S in kontrollierter Weise in die Ausgussschnauze
gefördert werden. Zu diesem Zweck ist eine hier nicht dargestellte Druckregelung vorgesehen,
die den über der Eisenschmelze S herrschenden Druck der dort aufrechterhaltenen inerten
Atmosphäre A regelt. Der Abfluss von Eisenschmelze S aus der Ausgussöffnung 11 wird
über einen in die Ausgussöffnung 11 absenkbaren und aus ihr heraushebbaren Stopfen
12 geregelt.
[0024] Unterhalb der Ausgussöffnung 11 ist die Einfüllöffnung einer Gießform 13 angeordnet,
in der das zu erzeugende Gussteil geformt wird.
[0025] Zum Befüllen des Behandlungsbehälters 3 mit Eisenschmelze S ist in an sich bekannter
Weise ein Einguss-Siphon vorgesehen, auf dessen Darstellung hier aus Gründen der Übersichtlichkeit
verzichtet worden ist.
[0026] Nach dem Befüllen des Behandlungsbehälters 3 wird über die Dosiereinrichtung 15 eine
erste Portion an Behandlungslegierung B, die eine Menge an Magnesium enthält, welche
unter Berücksichtigung des Moduls des zu erzeugenden Gussteils als ausreichend bestimmt
worden ist für die Herstellung von Vermikulargraphitguss über die gesamten Wanddicken
des Gussteils.
[0027] Die in den Innenraum des Behandlungsbehälters 3 geführte Menge an Behandlungslegierung
B fällt auf die Schmelze S und sinkt aufgrund ihres höheren Gewichts in die Schmelze
S hinein, in der sie schließlich aufgeschmolzen wird. Als Behandlungslegierung B wird
dabei beispielsweise CuMg, NiMg oder eine Kombination dieser Legierungen eingesetzt.
[0028] Nach einer für die Aufnahme und Verteilung der zugeführten Behandlungslegierung in
der Eisenschmelze S ausreichenden Zeit wird die Eisenschmelze S durch Erhöhung des
Drucks der Atmosphäre A durch den Siphon 10a zur Ausgussschnauze 10 getrieben und
dort eine erste Schmelzenprobe entnommen. Deren Magnesium-Gehalt wird dann mittels
eines Spektrometers 14 bestimmt. Entspricht der Magnesium-Gehalt der Probe nicht dem
Magnesium-Gehalt, der für die sichere Einstellung einer Vermikularstruktur über alle
Wanddicken des in der Gießform 13 zu erzeugenden Gussteils erforderlich ist, so wird
ein entsprechendes Signal an eine Dosiereinrichtung 15 gegeben. Diese gibt daraufhin
über die Schleuse 9 eine weitere Portion an Behandlungslegierung B in den Behandlungsbehälter
3, die der Menge an Behandlungslegierung B entspricht, welche rechnerisch oder aufgrund
von Erfahrungswerten für das Erreichen des Soll-Magnesium-Gehalts der Eisenschmelze
S ausreichend ist.
[0029] Anschließend wird an der Ausgussschnauze 10 eine weitere Schmelzenprobe entnommen
und mittels des Spektrometers 14 erneut der aktuell vorhandene Mg-Gehalt der Eisenschmelze
S bestimmt. Stellt sich dabei heraus, dass der aktuelle Mg-Gehalt nach wie vor nicht
dem unter Berücksichtigung des Moduls des herzustellenden Gussteils für die Erzeugung
von Vermikulargraphit erforderlichen Magnesium-Gehalt entspricht, wird der Eisenschmelze
S von der Dosiereinrichtung 15 in der bereits beschriebenen Weise eine weitere Portion
an Behandlungslegierung B zugeführt, welche wiederum rechnerisch oder erfahrungsgemäß
ausreicht, um den Mg-Gehalt der Schmelze auf den geforderten Wert zu heben. Dieser
Vorgang wird so oft wiederholt, bis der Ist-Gehalt der Eisenschmelze S dem im Voraus
bestimmten, für die Erzeugung von Vermikularguss im herzustellenden Gussteil erforderlichen
Sollwert entspricht.
[0030] Nachdem der Mg-Gehalt der Eisenschmelze S dem geforderten Sollwert entspricht, wird
durch Anheben des Stopfens 12 die Ausgussöffnung 11 der Ausgussschnauze 10 geöffnet
und die Eisenschmelze S durch entsprechende Regelung des Drucks der Atmosphäre A kontinuierlich
aus dem Behandlungsbehälter 3 in die Ausgussschnauze 10 gefördert. In den gleichzeitig
kontinuierlich aus der Ausgussöffnung 11 abströmenden Gießstrahl G wird dabei von
einer Impfeinrichtung 16 ein Impfmittel in Drahtform zugeführt, der bei Kontakt mit
der heißen Schmelze aufschmilzt, so dass sich seine Bestandteile gleichmäßig im Gießstrahl
G verteilen und in die Gießform 13 geschwemmt werden. Das in den Gießstrahl G gegebene
Impfmittel verhindert im in der Gießform 13 erzeugten Gussteil die Bildung von Lunkern
und die Entstehung von Weißeinstrahlung im Gussgefüge.
[0031] Im Ergebnis wird auf diese Weise zielgenau ein Gussteil mit gleichmäßig über seine
Wanddicken verteiltem Vermikulargraphit erhalten, das die an seine Gefügebeschaffenheit
und seine mechanischen wie thermischen Eigenschaften gestellten Anforderungen optimal
erfüllt.
BEZUGSZEICHEN
[0032]
- 1
- Vorrichtung zum Behandeln und Vergießen einer Eisenschmelze S
- 2
- Vergießofen
- 3
- Behandlungsbehälter
- 4
- Deckel
- 5
- Umgebung der Vorrichtung 1
- 6
- Versorgungsleitung
- 7
- Stickstoffversorgung
- 8
- Innenraum
- 9
- Schleuse
- 10
- Ausgussschnauze
- 10a
- Siphon
- 11
- Ausgussöffnung
- 12
- Stopfen
- 13
- Gießform
- 14
- Spektrometer
- 15
- Dosiereinrichtung
- 16
- Impfeinrichtung
- A
- inerte Atmosphäre
- B
- Behandlungslegierung
- G
- Gießstrahl
- S
- Eisenschmelze
1. Verfahren zum Herstellen von Vermikulargraphitguss, bei dem einer in einem Behandlungsgefäß
(3) unter einer inerten Atmosphäre (A) gehaltenen Eisenschmelze (S), deren Schwefelgehalt
weniger als 0,05 Gew.-% beträgt, eine aus Magnesium und einem weiteren Metall unter
Ausschluss von Silizium gebildete Mg-Behandlungslegierung (B) zugegeben wird, bis
der Magnesium-Gehalt der Eisenschmelze 0,005 - 0,018 Gew.-% beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mg-Behandlungslegierung (B) eine CuMg-Legierung ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mg-Behandlungslegierung (B) eine NiMg-Legierung ist.
4. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die inerte Atmosphäre (A) eine Stickstoffatmosphäre ist.
5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zugabe der Mg-Behandlungslegierung (B) zu der Eisenschmelze über eine Inertgas-Schleuse
erfolgt.
6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Mg-Gehalt der in dem Behandlungsgefäß (B) enthaltenen Eisenschmelze (S) erfasst
und als einziger Parameter zur Einstellung der Zusammensetzung der Eisenschmelze (S)
herangezogen wird.
7. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Behandlungsgefäß (3) Teil eines Vergießofens (2) ist.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Behandlungsgefäß (3) eine Ausgussöffnung (11) aufweist und beim Abgießen der
mit der Mg-Behandlungslegierung (B) behandelten Eisenschmelze (S) an der Ausgussöffnung
(11) ein Impfmittel in die Eisenschmelze (S) gegeben wird.
9. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass beim Abgießen der mit der Mg-Behandlungslegierung (B) behandelten Eisenschmelze (S)
ein Impfmittel in den abströmenden Gießstrahl (G) gegeben wird.
10. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mit der Mg-Behandlungslegierung (B) behandelte Eisenschmelze (S) in eine Gießform
(13) gegossen und der in die Gießform (13) gegossenen Eisenschmelze (S) ein Impfmittel
zugegeben wird.
11. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der in der Eisenschmelze (S) einzustellende Mg-Gehalt bei einem Modul von 0,15 bis
< 0,65 cm 0,005 - 0,009 Gew.-%, insbesondere 0,005 bis 0,008 Gew.-%, bei einem Modul
von 0,65 bis < 1,2 cm 0,007 - 0,012 Gew.-%, insbesondere > 0,008 bis 0,011 Gew.-%
und bei einem Modul von 1,2 bis 2,0 cm 0,010 - 0,018 Gew.-%, insbesondere > 0,011
- 0,018 Gew.-% beträgt.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86(2) EPÜ.
1. Verfahren zum Herstellen von Vermikulargraphitguss, bei dem einer in einem Behandlungsgefäß
(3) unter einer inerten Atmosphäre (A) gehaltenen Eisenschmelze (S), deren Schwefelgehalt
weniger als 0,05 Gew.-% beträgt, eine aus Magnesium und einem weiteren Metall unter
Ausschluss von Silizium gebildete Mg-Behandlungslegierung (B) zugegeben wird, bis
der Magnesium-Gehalt der Eisenschmelze 0,005 - 0,018 Gew.-% beträgt, wobei der in
der Eisenschmelze (S) einzustellende Mg-Gehalt bei einem Modul von 0,15 bis < 0,65
cm 0,005 - 0,009 Gew.-%, insbesondere 0,005 bis 0,008 Gew.-%, bei einem Modul von
0,65 bis < 1,2 cm 0,007 - 0,012 Gew.-%, insbesondere > 0,008 bis 0,011 Gew.-% und
bei einem Modul von 1,2 bis 2,0 cm 0,010 - 0,018 Gew.-%, insbesondere > 0,011 - 0,018
Gew.-% beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mg-Behandlungslegierung (B) eine CuMg-Legierung ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mg-Behandlungslegierung (B) eine NiMg-Legierung ist.
4. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die inerte Atmosphäre (A) eine Stickstoffatmosphäre ist.
5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zugabe der Mg-Behandlungslegierung (B) zu der Eisenschmelze über eine Inertgas-Schleuse
erfolgt.
6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Mg-Gehalt der in dem Behandlungsgefäß (B) enthaltenen Eisenschmelze (S) erfasst
und als einziger Parameter zur Einstellung der Zusammensetzung der Eisenschmelze (S)
herangezogen wird.
7. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Behandlungsgefäß (3) Teil eines Vergießofens (2) ist.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Behandlungsgefäß (3) eine Ausgussöffnung (11) aufweist und beim Abgießen der
mit der Mg-Behandlungslegierung (B) behandelten Eisenschmelze (S) an der Ausgussöffnung
(11) ein Impfmittel in die Eisenschmelze (S) gegeben wird.
9. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass beim Abgießen der mit der Mg-Behandlungslegierung (B) behandelten Eisenschmelze (S)
ein Impfmittel in den abströmenden Gießstrahl (G) gegeben wird.
10. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mit der Mg-Behandlungslegierung (B) behandelte Eisenschmelze (S) in eine Gießform
(13) gegossen und der in die Gießform (13) gegossenen Eisenschmelze (S) ein Impfmittel
zugegeben wird.


IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE
Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information
des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes.
Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei
Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente