[0001] Die Erfindung betrifft ein Werkstück mit einem Schutz gegen Hochtemperaturkorrosion,
eine Hubkolbenbrennkraftmaschine, insbesondere Zweitakt-Grossdieselmotor, eine Turbine
eine Verbrennungsanlage mit einem Hochtemperaturkorrosionsschutz, sowie die Verwendung
einer Legierung zum Schutz eines Werkstücks gegen Hochtemperaturkorrosion gemäss dem
Oberbegriff des unabhängigen Anspruchs der jeweiligen Kategorie.
[0002] Schutzschichten gegen Hochtemperaturkorrosion, häufig auch einfach als Heisskorrosion
oder Heissgaskorrosion bezeichnet, sind im Stand der Technik wohlbekannt. Man versteht
darunter zum Beispiel Oberflächenschutzschichten, die einen hohen Widerstand gegen
Korrosion, insbesondere gegen Oxidation oder Sulfidation bei hohen Temperaturen und
in chemisch aggressiven Umgebungen bieten. Sie werden beispielsweise durch thermisches
Spritzen hergestellt, wobei MCrAlY-Schichten als Hochtemperaturkorrosionsschutz weit
verbreitet sind. Das Metall M kann dabei z.B. Eisen, Kobalt oder Nickel oder eine
Legierung dieser oder anderer Metalle sein. Auch Aluminium-Chrom-Schichten, die zum
Beispiel durch Chromalitieren gebildet werden, zeigen in vielen Anwendungen eine mehr
oder weniger gute Beständigkeit gegen Hochtemperaturkorrosion, insbesondere in sulfathaltigen
Medien.
[0003] So wird zum Beispiel in der
GB 2 196 023 eine Korrosionsschutzbeschichtung auf der Basis von Blei und Zinn vorgeschlagen,
die insbesondere einen guten Korrosionsschutz in feuchten und salzhaltigen Umgebungen
bietet. In der
US 5,496,391 wird eine komplizierte Legierung auf Cu-Ni-Basis als Hochtemperaturkorrosionsschutz
vorgeschlagen, die P, B, Si, Cr, Fe und C in bestimmtem Mengenverhältnissen umfasst,
und bevorzugt in Form eines Spritzpulver in einem thermischen Spritzprozess auf die
Oberfläche eines Werkstücks aufgebracht wird. Eine andere Legierung auf Cu-Ni Basis,
die unter anderem Mn, Fe, Si, S und C umfasst, wird als Korrosionsschutz in der
JP 02 132 763 vorgeschlagen.
[0004] Malik et al. ("Hot Corrosion Behaviour Of Some Industrially Important Nickel-Base
Alloys in Presence of Na2SO4(s) and NaCl(s)", Z. Metallkd, Bd. 79, Nr.5 Mai 1988,
S. 285 - 295) untersuchten bereits das Hochtemperatur-Korrosionsverhalten handelsüblicher Legierungen,
wie Inconel, Incoly oder verschiedener Nimonic Legierungen, die sämtlich Legierungen
auf Ni-Basis darstellen und weitere Bestandteile wie Fe, Cr, Al, Co, Mo, C usw. in
verschiedenen Konzentrationen enthalten können.
[0005] Damit verwandte Ni-Basis-Legierungen werden in der
US 4,019,900 insbesondere als guter Schutz gegen Oxidation beschrieben.
[0006] Das Phänomen der Hochtemperaturkorrosion kann dabei überall dort auftreten, wo relativ
hohe Prozesstemperaturen von einigen 100°C bis weit über 1000°C herrschen, wobei häufig
nicht nur die hohen Temperaturen als solches für das Auftreten korrosiver Effekte
verantwortlich sind, sondern auch chemisch aggressive Umgebungsbedingungen anzutreffen
sind, die zum Beispiel auf Verbrennungsprodukte oder andere chemische Reaktionsprodukte
zurückzuführen sind oder auch von Beimischungen in Brennstoffen, Schmiermitteln usw.
hervorgerufen werden können.
[0007] Somit sind besonders Werkstücke, Bauteile und Maschinenkomponenten, die in mehr oder
weniger direktem Kontakt mit Verbrennungsvorgängen stehen, von Hochtemperaturkorrosion
bedroht. Beispiele hierfür sind Kolbenoberflächen von Kolben in Brennkraftmaschinen,
Zylinderwände,
[0008] Zylinderdeckel, Einspritzdüsen, Gaswechselventile, aber auch die Komponenten der
Abgassysteme von Brennkraftmaschinen, wie zum Beispiel Turbolader, insbesondere auch
Turbinenteile und / oder die Abgas Zu- oder Abführung von Abgas- und Turbolader-Systemen.
[0010] Weitere Beispiele sind die Komponenten von Verbrennungsanlagen, beispielsweise die
Komponenten eines Brennraums einer Müllverbrennungsanlage, oder natürlich auch die
Komponenten eines Brennraums einer land- oder luftgestützten Turbine, vor allem die
Turbinenschaufeln, die Wände der Brennkammer, die Treibstoffeinspritzsysteme und die
Abgassysteme von Turbinen. Darüber hinaus sind dem Fachmann selbstverständlich eine
Vielzahl anderer Werkstücke bekannt, die als Komponenten verschiedenster Einrichtungen
von Heissgaskorrosion bedroht sind.
[0011] Exemplarisch sollen im folgenden kurz Probleme in Bezug auf Hochtemperaturkorrosion
erläutert werden, wie sie beim Betrieb von Grossdieselmotoren, aber nicht nur bei
diesen, seit langem bekannt sind und bisher nicht in befriedigender Weise gelöst werden
konnten.
[0012] Ein wesentlicher Einfluss der im Grossdieselmotor zu beobachtenden Hochtemperaturkorrosion
geht von schmelzflüssigen Phasen aus. Solche schmelzflüssigen Phasen können insbesondere
bei Verbrennung von Schweröl Vanadate enthalten, wie zum Beispiel Natriumvanadylvanadate,
die unter anderem röntgenographisch nachweisbar sind.
[0014] Beim Betrieb eines Dieselmotors kann die Aufschmelzung, das heisst das Auftreten
der schmelzflüssigen Phasen ab ca. 400°C beobachtet werden. Solche schmelzflüssigen
Phasen sind unter anderem in der Lage, quasi natürlich auf einem Metall aufgewachsene
schützende Oxidschichten chemisch aufzuschliessen, so dass das darunter liegende Metall
schutzlos einem Angriff durch Hochtemperaturkorrosion ausgeliefert ist.
[0015] Dabei sind die zuvor exemplarisch beschriebenen Probleme mit den schmelzflüssigen
Vanadat Phasen nur ein Beispiel für einen Mechanismus, der zu Hochtemperaturkorrosion
führt. Dem Fachmann sind eine Vielzahl weiterer Mechanismen und Heisskorrosionseffekte
bekannt, die ebenfalls, und zwar nicht nur in Dieselmotoren, beobachtet werden, und
zum Beispiel in den oben genannten Anlagen und / oder an den genannten Komponenten
im Betrieb zu den bekannten Korrosionsschäden führen können.
[0016] Auch wenn, wie bereits eingangs erwähnt, aus dem Stand der Technik verschiedene Massnahmen
bekannt sind, um das Auftreten von Hochtemperaturkorrosion zu minimieren, haben die
aus dem Stand der Technik bekannten Massnahmen verschiedene Nachteile. So sind die
Materialien, aus denen zum Beispiel eine bekannte Oberflächenbeschichtung aufgebracht
wird, relativ teuer, da sie einerseits aus einer Vielzahl verhältnismässig teuerer
Grundsubstanzen bestehen und andererseits die Herstellung, wie zum Beispiel im Fall
von thermischem Spritzen, relativ aufwendig ist. Auch sind die bekannten Schutzschichten
immer in Bezug auf bestimmte Korrosionsprozesse optimiert, so dass eine bestimmte
Oberflächenschutzschicht letztlich immer einen Kompromiss darstellt, so dass die Heisskorrosion
zwar minimiert, aber letztlich nicht im notwendigen Umfang verhindert wird.
[0017] Es ist somit eine Aufgabe der Erfindung ein verbessertes korrosionsgeschütztes Werkstück
für hohe Temperaturen zur Verfügung zu stellen, wobei der Korrosionsschutz durch den
Einsatz von einigen wenigen gut verfügbaren Haupt-Materialien bereitgestellt wird,
das korrosionsgeschützte Werkstück somit besonders wirtschaftlich und einfach herstellbar
ist, wobei das Werkstück gleichzeitig gegen im wesentlichen alle im Betriebszustand
auf das Werkstück einwirkenden Heisskorrosionsmechanismen wirksam geschützt ist.
[0018] Die diese Aufgaben lösenden Gegenstände der Erfindung sind durch die Merkmale der
unabhängigen Ansprüche gekennzeichnet.
[0019] Die abhängigen Ansprüche beziehen sich auf besonders vorteilhafte Ausführungsformen
der Erfindung.
[0020] Die Erfindung betrifft somit ein Werkstück mit einem Schutz gegen Hochtemperaturkorrosion,
wobei eine Oberfläche des Werkstücks einen Hochtemperaturkorrosionsschutz aufweist,
der bis auf Verunreinigungen aus einer Legierung aus Cu und Ni besteht.
[0021] Wobei im Rahmen dieser Anmeldung unter den zuvor erwähnten Verunreinigungen solche
eventuell in der erfindungsgemässen Legierung aus Cu und Ni zusätzlich vorkommenden
Elemente verstanden werden, die den Schutz gegen Hochtemperaturkorrosion im wesentlichen
nicht beeinflussen. Entsprechende, den Hochtemperaturkorrosionsschutz im wesentlichen
nicht beeinflussenden Verunreinigungen können zum Beispiel 0 - 3% Gewichtsprozent
Fe, im Speziellen z.B. auch weniger als 2 % Gewichtsprozent Fe, insbesondere weniger
als 1 % Gewichtsprozent Fe sein und / oder die Verunreinigungen können zum Beispiel
0 - 3% Gewichtsprozent Mn, im Speziellen z.B. auch weniger als 2 % Gewichtsprozent
Mn, insbesondere weniger als 1 % Gewichtsprozent Mn sein, und / oder die Verunreinigungen
können zum Beispiel 0 - 3% Gewichtsprozent Co, im Speziellen z.B. auch weniger als
2 % Gewichtsprozent Co, insbesondere weniger als 1 % Gewichtsprozent Co sein, und
/ oder die Verunreinigungen können zum Beispiel 0 - 3% Gewichtsprozent Si, im Speziellen
z.B. auch weniger als 2 % Gewichtsprozent Si, insbesondere weniger als 1 % Gewichtsprozent
Si sein, und / oder die Verunreinigungen können zum Beispiel 0-3% Gewichtsprozent
Zn, im Speziellen z.B. auch weniger als 2 % Gewichtsprozent Zn, insbesondere weniger
als 1 % Gewichtsprozent Zn sein, und / oder die Verunreinigungen können zum Beispiel
0 - 3% Gewichtsprozent AI, im Speziellen z.B. auch weniger als 2 % Gewichtsprozent
Al, insbesondere weniger als 1 % Gewichtsprozent AI sein, und oder sonstige korrosionstechnisch
nicht relevante Verunreinigungen in entsprechend geringen Mengen sein.
[0022] Es hat sich nämlich völlig überraschend gezeigt, dass eine einfache Legierung aus
Kupfer und Nickel gegen relevante Hochtemperaturkorrosionsmechanismen, insbesondere,
aber nicht nur, gegen beim Betrieb eines Grossdieselmotors auftretenden relevanten
Hochtemperaturkorrosionsmechanismen in hervorragender Weise gleichzeitig Schutz bietet.
Insbesondere die schädlichen Wirkungen der bei der Schwerölverbrennung auftretenden
schmelzflüssigen Vanadat Phasen werden durch den erfindungsgemässen Hochtemperaturkorrosionsschutz
aus einer Legierung aus Cu und Ni wirksam vermieden oder reduziert.
[0023] Der Hochtemperaturkorrosionsschutz gemäss der vorliegenden Erfindung hat sich dabei
als so vielseitig in Bezug auf die verschiedenen bekannten Hochtemperaturkorrosionsmechanismen
herausgestellt, dass der Hochtemperaturkorrosionsschutz aus einer Legierung aus Cu
und Ni über weite Temperaturbereiche von einigen wenigen 100°C, zum Beispiel ab 200°C
bis zu hohen Temperaturen von 900°C, über 1200°C und sogar bis über 1400°C, unter
den verschiedensten Betriebsbedingungen und in ganz unterschiedlichen chemischen Umgebungen,
vorteilhaft zur Verhinderung oder Reduzierung von Hochtemperaturkorrosion einsetzbar
ist. Somit eignet sich der erfindungsgemässe Hochtemperaturkorrosionsschutz nicht
nur zum Schutz von Werkstücken, wie den Teilen eines Grossdieselmotors, sondern kann
vorteilhaft auf allen Gebieten der Technik wirksam eingesetzt werden, in denen Werkstücke,
wie Bauteile oder Maschinenkomponenten von Hochtemperaturkorrosion, auch unter aggressiven
chemischen Randbedingungen, bedroht sind.
[0024] In einem ersten Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemässen Werkstücks umfasst die
Legierung des Heisskorrosionsschutzes höchstens 95%-Gewichtsprozent Ni, im speziellen
zwischen 10% und 80% Gewichtsprozent Ni, und im besonderen 70% Ni, wobei der Rest
bis auf Verunreinigungen aus Kupfer besteht.
[0025] Dabei umfasst die Legierung des Hochtemperaturkorrosionsschutzes in einem anderen
Fall höchstens 95%-Gewichtsprozent Cu, im speziellen zwischen 10% und 80% Gewichtsprozent
Cu, im besonderen 70% Cu, wobei der Rest bis auf Verunreinigungen aus Nickel besteht.
[0026] Durch die spezielle Wahl des Anteils an Cu und / oder Ni kann der Heisskorrosionsschutz
für ein erfindungsgemässes Werkstück je nach Anforderung optimiert werden.
[0027] Dabei ist zur Charakterisierung der Korrosionsfestigkeit der Materialabtrag der Korrosionsschutzschicht
bzw. des Bauteils selbst unter vorgegebenen experimentellen Bedingungen eine leicht
zugängliche Grösse, mit der sich die Schutzwirkung verschiedenartiger Beschichtungen
quantitativ und qualitativ sehr gut vergleichen lassen.
[0028] Zur Charakterisierung von Werkstücken mit einem erfindungsgemässen Schutz gegen Hochtemperaturkorrosion
zum Vergleich mit bekannten Legierungen, wurde das Korrosionsverhalten verschiedener
Elemente und Legierungen systematisch untersucht.
[0029] Die verwendete Versuchsapparatur besteht aus einem Horizontalrohrofen, der mit einem
Quarzglasrohr von 70 mm Durchmesser zur Aufnahme der Proben ausgerüstet ist. Der Probenraum
wird im Experiment über eine Gaszuleitung, in welche eine Befeuchtungseinrichtung
zwischengeschaltet ist, mit Gas beschickt, so dass eine definierte Gaszusammensetzung
als Versuchsatmosphäre einstellbar ist.
[0030] Die Versuchsgasatmosphäre bestand im wesentlichen aus Luft (N
2-21 % O
2) mit einem Wassergehalt von 10%-Volumenprozent. Um die bei der Verbrennung von Schweröl,
das als Treibstoff bei Großdieselmotoren eingesetzt wird, entstehenden Beiträge zu
simulieren, wurde eine künstliche Aschemischung mit folgender Zusammensetzung definiert:
Na
2CO
3 zwei Massenanteile, V
2O
5 acht Massenanteile, CaSO
4 1.5 Masseanteile.
[0031] Die Proben wurden innerhalb von Tiegeln platziert und mit einer Aschefüllung umgeben.
Die teils mit mit thermisch gespritzten Schichten versehenen Proben besaßen mittig
eine muldenförmige Vertiefung zur Aufnahme der künstlichen Asche. Eine Quarzglasschale
diente zur Aufnahme der Tiegel bzw. der mit Asche bedeckten Proben, um eine Kontamination
des Ofenrohres durch kriechende Asche zu vermeiden. Die Versuchstemperatur betrug
durchgehend 600°C. Um ein Aufschmelzen der künstlichen Asche sicherzustellen, wurde
bei Versuchsbeginn für 20 Min. eine Temperatur von 650°C eingestellt. Die Aufheizdauer
auf diese Temperatur betrug etwa eine Stunde. Die Versuchszeiten betrugen zwischen
160 Stunden und 1100 Stunden. Nach Beendigung der Versuchsdauer wurden die Proben
im Ofen abgekühlt. Dieser Vorgang benötigte etwa 8 Stunden.
[0032] Die nachfolgende Tabelle 1 zeigt das Ergebnis des Materialabtrags unter den zuvor
beschriebenen Versuchsbedingungen nach einer Standzeit von 580 Stunden für verschiedene
Elemente bzw. Verbindungen und / oder Legierungen.
[0033] Tabelle 1 zeigt deutlich, dass nach einer Korrosionsbelastung von 580 Stunden unter
den oben beschriebenen Versuchsbedingungen, die Cu-30Ni-Schichten (bis auf technisch
unbedeutende Verunreinigungen bestehend aus 70% Kupfer und 30% Nickel) bzw. die Ni-30Cu-Schichten
(bis auf technisch unbedeutende Verunreinigungen bestehend aus 70% Nickel und 30%
Kupfer) den bei weitem geringsten Materialabtrag aufweisen und damit am korrosionsbeständigsten
waren.
[0034] Währen die zuvor genannten Ni-Cu-Legierungen nach 580 Stunden einen Materialabtrag
von nur 0.055 mm bzw. 0.06 mm aufweisen, ist der Materialabtrag bei reinen Chrom oder
Nickel Schichten, bei der Ni-Cr-Legierung Ni-50Cr unter gleichen Versuchsbedingungen
mindestens doppelt so gross, bei der 16CrMo4 4 Verbindung sogar mehr als 20 mal grösser.
[0035] Es wird somit deutlich, dass zwar bei allen in der Tabelle angegebenen Werkstoffen
eine erhebliche Verbesserung der Korrosionsbeständigkeit gegenüber dem Konstruktionswerkstoff
für Großdieselmotorenkolben 16CrMo44 erreicht werden konnte.
Tabelle 1: Materialabtrag nach Korrosionsbelastung und thermische Ausdehnungskoeffizienten
| Werkstoff |
Abtrag nach 580h |
α [10-6/K] (20-300C°) |
| Cr |
~ 0,1 mm |
9,6 |
| Ni |
~ 0,12mm |
14,3 |
| Ni-50Cr |
~ 0,11 mm |
ca. 13-14 |
| Cu-30Ni |
~ 0,06 mm |
15,8 |
| Ni-30Cu |
~ 0,055 mm |
16,3 |
| 16CrMo4 4 |
> 1 mm |
13,2 |
[0036] Völlig überraschend ist jedoch die hervorragende Beständigkeit der Ni-Cu-Legierungen,
die bis auf Verunreinigungen keine weiteren Legierungselemente enthalten, vor allem
vor dem Hintergrund des bekannten katastrophalen Versagens von reinem Kupfer unter
Korrosionsbedingungen. Eine abschliessende Erklärung für dieses Verhalten kann derzeit
noch nicht gegeben werden.
[0037] Somit erweist sich insbesondere eine Zusammensetzung aus 70%-Gewichtsprozent Ni und
30%-Gewichtsprozent Cu als besonders vorteilhaft für den Schutz von Komponenten eines
Grossdieselmotors, wie den Schutz einer Kolbenoberfläche, eines Einspritzventils,
eines Gaswechselventils, einer Zylinderwand oder einer Komponente des Abgassystems,
wie zum Beispiel den Komponenten eines Abgas-Turbolader-Systems.
[0038] Vergleichbar gute Ergebnisse in Bezug auf den Schutz gegen Hochtemperaturkorrosion
erzielt man offenbar auch, wenn die Legierung des Hochtemperaturkorrosionsschutzes
aus 70%-Gewichtsprozent Cu und 30%-Gewichtsprozent Ni besteht, was zeigt, dass eine
reine Ni-Cu-Legierungen in einem breiten Konzentrationsverhältnis von Ni/Cu einen
hervorragenden Hochtemperaturkorrosionsschutz bieten.
[0039] Dabei zeigt die Tabelle exemplarisch nur einige Versuchsergebnisse. Wie erwähnt versteht
es sich, dass je nach speziellen Anforderungen auch eine andere Zusammensetzung von
Cu und Ni zu sehr guten Ergebnissen in Bezug auf den Korrosionsschutz führen. So kann
z.B. das Verhältnis von Kupfer zu Nickel je nach Art bzw. chemischer Zusammensetzung
und / oder der Temperatur der korrodierenden Umgebung variieren. Oder je nach Material,
Form oder Art des Bauteils kann es z.B. möglich sein das Cu-Ni-Verhältnis in Bezug
auf andere Parameter, z.B. auf physikalische Eigenschaften des Bauteils abzustimmen.
So kann es z.B. von Vorteil sein, das Ni-Cu-Verhältnis auf einen Wert einzustellen,
der gleichzeitig einen optimalen Korrisionsschutz gewährleistet und andererseits zu
einem Wert des thermischen Ausdehnungskoeffizienten der Korrosionsschutzschicht führt,
der optimal an den thermischen Ausdehnungskoeffizienten des zu schützenden Bauteils
angepasst ist. Wie die Tabelle deutlich zeigt, lässt sich nämlich insbesondere der
thermische Ausdehnungskoeffizient einer Korrosionsschutzbeschichtung gemäss der vorliegenden
Erfindung hervorragend auf den Ausdehnungskoeffizienten des zu beschichtenden Materials
anpassen.
[0040] Ähnliche Anpassungen können selbstverständlich vorteilhaft auch in Bezug auf andere
chemische und / oder physikalische Randbedingungen vorgenommen werden, wie z.B. eine
Anpassung der Gitterkonstanten der Schicht aus einer Ni-Cu-Legierung auf die Gitterkonstanten
des Materials, aus dem das beschichtete Werkstück besteht, um neben dem Hochtemperaturkorrosionsschutz
noch weitere gewünschte Wirkungen zu erzielen.
[0041] Somit ist klar, dass auch ein anderes Verhältnis von Kupfer zu Nickel als das in
der Tabelle 1 angegebene vorteilhaft sein kann. Massgebend ist nur, dass der Hochtemperaturkorrosionsschutz
der vorliegenden Erfindung eine Legierung umfasst, die, abgesehen von technisch nicht
bedeutenden Verunreinigungen, nur aus Kupfer und Nickel besteht.
[0042] Bevorzugt ist dabei der Hochtemperaturkorrosionsschutz auf der Oberfläche des Werkstücks
als eine Oberflächenschicht vorgesehen, die insbesondere aufgelötet, aufgeschweisst,
heiss-isostatisch aufgepresst, aufgespritzt, insbesondere thermisch gespritzt, mechanisch
verbunden, schmelztechnisch aufgebracht, oder in jeder anderen geeigneten Art aufgebracht
ist.
[0043] Je nach Anwendung kann das Werkstück selbst, wenn z.B. die mechanischen, thermischen
oder anderen Anforderungen an das Werkstück dies zulassen, als solches aus der Legierung
des Hochtemperaturkorrosionsschutzes in einer Zusammensetzung wie oben exemplarisch
angegeben, bestehen.
[0044] Wie bereits erläutert ist das Werkstück im Speziellen, aber nicht notwendig, eine
Komponente eines Verbrennungssystems einer Brennkraftmaschine, insbesondere eines
Zweitakt-Grossdieselmotors, bevorzugt ein Kolben, ein Kolbenring, ein Gaswechselventil,
eine Einspritzdüse, eine einen Brennraum bildende Komponente, oder eine im Brennraum
an- oder eingebrachte Komponente wie ein Zylinder und / oder ein Zylinderdeckel, oder
eine Komponente eines Turboladers, insbesondere eine Turbine eines Turboladers oder
eine Abgas Zu- oder Abführung.
[0045] In einem anderen Fall kann das Werkstück eine Komponente einer Turbine, insbesondere
ein Brennraum oder eine Turbinenschaufel einer Gasturbine sein, oder eine Komponente
einer Verbrennungsanlage, im Speziellen einer Müllverbrennungsanlage, insbesondere
eine Komponente eines Brennraums oder eines Abgassystems einer Verbrennungsanlage.
[0046] Weiter betrifft die Erfindung eine Hubkolbenbrennkraftmaschine, insbesondere einen
Zweitakt-Grossdieselmotor, eine Turbine oder eine Verbrennungsanlage, insbesondere
eine Müllverbrennungsanlage mit einem Werkstück mit einem Hochtemperaturkorrosionsschutz
aus einer Legierung aus Cu und Ni, wie er oben ausführlich beschrieben ist.
[0047] Die Erfindung betrifft weiterhin die Verwendung einer an sich bekannten Legierung
zum Schutz eines Werkstücks gegen Hochtemperaturkorrosion. Das heisst, es wird für
eine Oberfläche des Werkstücks ein Hochtemperaturkorrosionsschutz zur Verwendung vorgeschlagen,
der bis auf Verunreinigungen nur aus Cu und Ni besteht.
[0048] Wie oben bereits erwähnt, hat sich in überraschenderweise ergeben, dass eine an sich
bekannte Legierung, die bis auf Verunreinigungen nur aus Nickel und Kupfer besteht,
sich hervorragend als Schutz gegen Hochtemperaturkorrosion eignet, insbesondere, aber
nicht nur, in Gegenwart von korrosiv wirkenden Vanadatphasen.
[0049] Dabei hat sich die Verwendung einer Legierung als Hochtemperaturkorrosionsschutz
als besonders vorteilhaft gezeigt, die höchstens 95%-Gewichtsprozent Ni, im speziellen
zwischen 10% und 80% Gewichtsprozent Ni, im besonderen 70%-Gewichtsprozent Ni umfasst
und wobei der Rest bis auf Verunreinigungen aus Cu besteht, und / oder wobei die Legierung
des Hochtemperaturkorrosionsschutzes höchstens 95%-Gewichtsprozent Cu, im speziellen
zwischen 10% und 80%-Gewichtsprozent Cu, im besonderen 70%-Gewichtsprozent Cu umfasst
und der Rest bis auf Verunreinigungen aus Ni besteht.
[0050] In einer für die Praxis besonders wichtigen Anwendung, wird eine Cu-Ni Legierung
gemäss der vorliegenden Erfindung als Hochtemperaturkorrosionsschutz auf der Oberfläche
des Werkstücks in Form einer Oberflächenschicht verwendet, die insbesondere aufgelötet,
aufgeschweisst, mechanisch verbunden, schmelztechnisch aufgebracht, heiss-isostatisch
aufgepresst oder aufgespritzt, insbesondere thermisch aufgespritzt wird.
[0051] In einer weiteren Verwendung kann auch das Werkstück selbst aus der Legierung des
Hochtemperaturkorrosionsschutzes gefertigt werden, so dass zum Beispiel das Aufbringen
einer entsprechenden Schicht aus einer Cu-Ni-Legierung gemäss der vorliegenden Erfindung
gar nicht notwendig ist, weil das Werkstück selbst und damit seine Oberfläche aus
einer geeigneten Ni-Cu-Legierung besteht.
[0052] Bevorzugt wird eine Ni-Cu-Legierung als Hochtemperaturkorriosionsschutz für ein Werkstück
verwendet, das eine Komponente eines Verbrennungssystems einer Brennkraftmaschine,
insbesondere eines Zweitakt-Grossdieselmotors ist, bevorzugt ein Kolben, ein Kolbenring,
ein Gaswechselventil, eine Einspritzdüse, eine einen Brennraum bildende Komponente,
oder eine im Brennraum an- oder eingebrachte Komponente, wie ein Zylinder und / oder
ein Zylinderdeckel, oder eine Komponente eines Turboladers, insbesondere eine Turbine
eines Turboladers oder eine Abgas Zu- oder Abführung ist und / oder eine Ni-Cu-Legierung
wird als Hochtemperaturkorrosionsschutz für ein Werkstück verwendet, das eine Komponente
einer Turbine ist, insbesondere ein Brennraum oder eine Turbinenschaufel einer Gasturbine,
oder eine Komponente einer Verbrennungsanlage, im Speziellen einer Müllverbrennungsanlage,
insbesondere eine Komponente eines Brennraums oder eines Abgassystems einer Verbrennungsanlage
ist.
[0053] Es hat sich somit völlig überraschend gezeigt, dass eine einfache Legierung aus Kupfer
und Nickel, die bis auf technisch irrelevante Verunreinigungen keine weiteren Legierungselemente
umfasst, gegen Hochtemperaturkorrosionsmechanismen, insbesondere, aber nicht nur,
gegen verschiedene, beim Betrieb eines Grossdieselmotors auftretenden relevanten Hochtemperaturkorrosionsmechanismen
in hervorragender Weise gleichzeitig Schutz bietet. Insbesondere die schädlichen Wirkungen
der bei der Schwerölverbrennung auftretenden schmelzflüssigen Vanadat Phasen werden
durch den erfindungsgemässen Hochtemperaturkorrosionsschutz aus einer Legierung aus
Cu und Ni wirksam vermieden oder zumindest massiv reduziert.
[0054] Der Hochtemperaturkorrosionsschutz gemäss der vorliegenden Erfindung hat sich dabei
als so vielseitig in Bezug auf die verschiedenen bekannten Hochtemperaturkorrosionsmechanismen
herausgestellt, dass der Hochtemperaturkorrosionsschutz aus einer Legierung aus Cu
und Ni über weite Temperaturbereiche von einigen wenigen 100°C, zum Beispiel ab 200°C
bis zu hohen Temperaturen von 900°C, über 1200°C und sogar bis über 1400°C, unter
den verschiedensten Betriebsbedingungen und in ganz unterschiedlichen chemischen Umgebungen,
vorteilhaft zur Verhinderung oder Reduzierung von Hochtemperaturkorrosion einsetzbar
ist.
[0055] Darüber hinaus kann durch die Einstellung des Verhältnisses von Nickel zu Kupfer
die entsprechende Legierung optimal auf spezielle chemische und / oder physikalische
Erfordernisse, wie zum Beispiel die chemische Umgebung oder die Temperatur im Betriebszustand
eingestellt werden. So kann z.B. der thermische Ausdehnungskoeffizient einer Ni-Cu-Korrosionsschutzschicht
durch Einstellung des Ni-Cu-Verhältnisses optimal auf den Ausdehnungskoeffizienten
oder zum Beispiel auf die Gitterkonstanten des zu schützenden Werkstücks eingestellt
werden.
[0056] Auch wenn in bestimmten Fällen z.B., wie oben gezeigt ein Verhältnis von Ni/bzw Cu/Ni
von 70/30 zu sehr guten Ergebnissen in Bezug auf Hochtemperaturkorrosionsschutz führen
kann, können in bestimmten Fällen auch andere Cu/Ni Verhältnisse vorteilhaft zum Schutz
vor Hochtemperaturkorrosion eingesetzt werden.
[0057] Der erfindungsgemässe Hochtemperaturkorrosionsschutz kann nicht nur zum Schutz von
Werkstücken, wie den Teilen eines Grossdieselmotors, sondern kann vorteilhaft auf
allen Gebieten der Technik wirksam eingesetzt werden, in denen Werkstücke, wie Bauteile
oder Maschinenkomponenten von Hochtemperaturkorrosion, auch unter aggressiven chemischen
Randbedingungen, bedroht sind.
1. Werkstück mit einem Schutz gegen Hochtemperaturkorrosion, dadurch gekennzeichnet, dass eine Oberfläche des Werkstücks einen Hochtemperaturkorrosionsschutz aufweist, der
bis auf Verunreinigungen aus einer Legierung aus Cu und Ni besteht.
2. Werkstück nach Anspruch 1, wobei die Legierung des Hochtemperaturkorrosionsschutzes
höchstens 95%-Gewichtsprozent Ni, im Speziellen zwischen 10% und 80% Gewichtsprozent
Ni, im besonderen 70%-Gewichtsprozent Ni umfasst und der Rest bis auf Verunreinigungen
aus Cu besteht.
3. Werkstück nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Legierung des Hochtemperaturkorrosionsschutzes
höchstens 95%-Gewichtsprozent Cu, im speziellen zwischen 10% und 80% Gewichtsprozent
Cu, im besonderen 70% Cu umfasst und der Rest bis auf Verunreinigungen aus Ni besteht.
4. Werkstück nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der Hochtemperaturkorrosionsschutz
auf der Oberfläche des Werkstücks als eine Oberflächenschicht vorgesehen ist, die
insbesondere aufgelötet, aufgeschweisst, mechanisch verbunden, schmelztechnisch aufgebracht,
heiss-isostatisch aufgepresst oder aufgespritzt, insbesondere thermisch aufgespritzt
ist.
5. Werkstück nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Werkstück aus der Legierung
des Hochtemperaturkorrosionsschutzes besteht.
6. Werkstück nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Werkstück eine Komponente
eines Verbrennungssystems einer Brennkraftmaschine, insbesondere eines Zweitakt-Grossdieselmotors
ist, bevorzugt ein Kolben, ein Kolbenring, ein Gaswechselventil, eine Einspritzdüse,
eine einen Brennraum bildende Komponente, oder eine im Brennraum an- oder eingebrachte
Komponente, wie ein Zylinder und / oder ein Zylinderdeckel, oder eine Komponente eines
Turboladers, insbesondere eine Turbine eines Turboladers oder eine Abgas Zu- oder
Abführung ist.
7. Werkstück nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Werkstück eine Komponente
einer Turbine ist, insbesondere ein Brennraum oder eine Turbinenschaufel einer Gasturbine,
oder eine Komponente einer Verbrennungsanlage, im Speziellen einer Müllverbrennungsanlage,
insbesondere eine Komponente eines Brennraums oder eines Abgassystems einer Verbrennungsanlage
ist.
8. Hubkolbenbrennkraftmaschine, insbesondere Zweitakt-Grossdieselmotor, Turbine oder
Verbrennungsanlage, insbesondere Müllverbrennungsanlage mit einem Werkstück nach einem
der Ansprüche 1 bis 9.
9. Verwendung einer Legierung zum Schutz eines Werkstücks gegen Hochtemperaturkorrosion,
dadurch gekennzeichnet, dass für eine Oberfläche des Werkstücks die Legierung als Hochtemperaturkorrosionsschutz
verwendet wird, die bis auf Verunreinigungen aus Cu und Ni besteht.
10. Verwendung einer Legierung nach Anspruch 9, wobei die Legierung des Hochtemperaturkorrosionsschutzes
höchstens 95%-Gewichtsprozent Ni, im speziellen zwischen 10% und 80% Gewichtsprozent
Ni, im besonderen 70%-Gewichtsprozent Ni umfasst und der Rest bis auf Verunreinigungen
aus Cu besteht.
11. Verwendung einer Legierung nach einem der Ansprüche 9 oder 10, wobei die Legierung
des Hochtemperaturkorrosionsschutzes höchstens 95%-Gewichtsprozent Cu, im speziellen
zwischen 10% und 80%-Gewichtsprozent Cu, im besonderen 70%-Gewichtsprozent Cu umfasst
und der Rest bis auf Verunreinigungen aus Ni besteht.
12. Verwendung einer Legierung nach einem der Ansprüche 9 bis 11, wobei der Hochtemperaturkorrosionsschutz
auf der Oberfläche des Werkstücks als eine Oberflächenschicht vorgesehen wird, die
insbesondere aufgelötet, aufgeschweisst, mechanisch verbunden, schmelztechnisch aufgebracht,
heiss-isostatisch aufgepresst oder aufgespritzt, insbesondere thermisch aufgespritzt
wird.
13. Verwendung einer Legierung nach einem der Ansprüche 9 bis 12, wobei das Werkstück
aus der Legierung des Hochtemperaturkorrosionsschutzes gefertigt wird.
14. Verwendung einer Legierung nach einem der Ansprüche 9 bis 13, wobei das Werkstück
eine Komponente eines Verbrennungssystems einer Brennkraftmaschine, insbesondere eines
Zweitakt-Grossdieselmotors ist, bevorzugt ein Kolben, ein Kolbenring, ein Gaswechselventil,
eine Einspritzdüse, eine einen Brennraum bildende Komponente, oder eine im Brennraum
an- oder eingebrachte Komponente, wie ein Zylinder und / oder ein Zylinderdeckel,
oder eine Komponente eines Turboladers, insbesondere eine Turbine eines Turboladers
oder eine Abgas Zu- oder Abführung ist.
15. Verwendung einer Legierung nach einem der Ansprüche 9 bis 14, wobei das Werkstück
eine Komponente einer Turbine ist, insbesondere ein Brennraum oder eine Turbinenschaufel
einer Gasturbine, oder eine Komponente einer Verbrennungsanlage, im Speziellen einer
Müllverbrennungsanlage, insbesondere eine Komponente eines Brennraums oder eines Abgassystems
einer Verbrennungsanlage ist.