[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von korrosionsgeschützten Stahlflachprodukten,
die mindestens mit einer ersten zinkhaltigen Überzugsschicht und einer darüber liegenden
zweiten Überzugsschicht versehen sind, die auf reinem Magnesium oder einer Magnesiumlegierung
basiert ist. Derartige Verfahren werden beispielsweise zur Herstellung von Stahlfeinblechen
eingesetzt, die aufgrund ihrer optimierten Korrosionsbeständigkeit besonders zur Verwendung
im Bereich der Bau-, der Haushaltsgeräte- oder der Automobilindustrie geeignet sind.
[0002] Zur Verbesserung ihres Schutzes gegen Korrosion werden auf Stahlbleche Überzüge aufgebracht,
die in der überwiegenden Zahl der Anwendungsfälle aus Zink oder Zinklegierungen bestehen.
Solche Zink- bzw. Zinklegierungsüberzüge sichern aufgrund ihrer Barriere- und kathodischen
Schutzwirkung einen sehr guten Korrosionsschutz der beschichteten Stahlbleche. Allerdings
werden trotz der bisher schon erreichten Qualität von den Verarbeitern immer höhere
Anforderungen an den Korrosionsschutz und die allgemeinen Eigenschaften von beschichteten
Blechen gestellt.
[0003] Dabei besteht neben einem starken Kostendruck gleichzeitig die Forderung nach einer
besseren Verarbeitbarkeit von beschichteten Stahlblechen.
[0004] Insbesondere werden auf den jeweiligen Verwendungszweck bezogene optimierte Oberflächenbeschaffenheiten
gefordert.
[0005] Diesen Anforderungen kann in der Praxis nicht alleine durch Anhebung der Überzugsdicke
begegnet werden, da zum einen wirtschaftliche und ökologische Gründe dagegen sprechen
und zum anderen mit der Erhöhung der Überzugsdicke eine generelle Verschlechterung
der Eignung derart verzinkter Stahlbleche zur Weiterverarbeitung einhergeht.
[0006] Die Weiterverarbeitung der verzinkten Stahlbleche zu Gebrauchsgegenständen erfolgt
üblicherweise durch Umformen, Fügen, organisches Beschichten (z. B. Lackieren) oder
vergleichbare Prozesse. An Bedeutung gewinnt dabei insbesondere im Bereich des Automobil-Karosseriebaus
das Verkleben von vorgeformten Blechteilen zu ganzen Baugruppen der Karosserie. Ein
weiteres wichtiges Merkmal ist die Umformbarkeit der Überzüge, d. h. deren Fähigkeit,
auch stärkeren Umformbeanspruchungen, wie sie beispielsweise beim Tiefziehen auftreten,
ohne gravierender Schädigung zu widerstehen. Jede dieser Forderungen lässt sich mit
konventionellen reinverzinkten Produkten nicht im gleichen Maße erfüllen. Vielmehr
weisen konventionell beschichtete Stahlbleche in der Regel im Bereich eines bestimmten
Anforderungsmerkmals besonders gute Eigenschaften auf, während im Bereich der anderen
Anforderungsmerkmale Abstriche hingenommen werden müssen.
[0007] So zeichnen sich beispielsweise durch Schmelztauchbeschichten feuerverzinkte Stahlbleche
durch einen hohen Korrosionsschutz im unlackierten wie lackierten Zustand aus. Elektrolytisch
verzinkte Stahlbleche weisen gegenüber feuerverzinkten Stahlblechen zwar im Allgemeinen
eine weiter verbesserte Oberflächenqualität und eine ebenso verbesserte Phosphatierbarkeit
zur Vorbereitung einer Lackierung auf. Dazu muss allerdings in Kauf genommen werden,
dass die Herstellung von elektrolytisch verzinkten Stahlblechen durch den höheren
Energieeinsatz und die Entsorgungsmaßnahmen, die der nasschemische Prozess nach sich
zieht, kostenintensiver ist als die Feuerverzinkung.
[0008] Eine Verbesserung der Gebrauchseigenschaften von verzinkten Stahlblechen kann dadurch
erzielt werden, dass auf die erste, durch die Verzinkung gebildete Veredelungsschicht
eine zweite Schicht aufgetragen wird, die auf reinem Magnesium oder einer Magnesiumlegierung
basiert. Durch den Auftrag dieser zweiten magnesiumhaltigen Schicht wird eine Eigenschaftskombination
erreicht, bei der sich die Eigenschaften der ersten zinkhaltigen Schicht und der zweiten
magnesiumbasierten Schicht optimal ergänzen.
[0009] Um diese optimale Eigenschaftskombination der unterschiedlichen Schichten nutzen
zu können, wird der Beschichtungsvorgang bevorzugt so vorgenommen, dass eine Durchlegierung
der Schichten vermieden wird. Dazu wird zwischen der zinkhaltigen und der magnesiumbasierten
Schicht eine Diffusions- oder Konvektionsschicht gebildet, welche die Anbindung der
magnesiumhaltigen Schicht an die Zinkschicht gewährleistet.
[0010] Ein Verfahren, das den Auftrag einer zweiten Schicht auf ein zuvor mit einer vor
Korrosion schützenden Beschichtung versehenes Stahlblech ermöglicht, ist beispielsweise
aus der
DE 195 27 515 C1 bzw. der korrespondierenden
EP 0 756 022 B1 bekannt. Die nach diesem Verfahren hergestellten korrosionsgeschützten Stahlfeinbleche
weisen eine verbesserte Umform- und Punktschweißbarkeit auf. Das durch Feuerverzinken
oder elektrolytisches Verzinken mit der Zinkschicht versehene Stahlblech wird dazu
zunächst mechanisch oder chemisch gereinigt. Dann wird mittels eines geeigneten Verfahrens
der physikalischen Dampfphasenabscheidung (PVD =
Physical
Vapour
Deposition) auf dem zuvor zinkbeschichteten Stahlsubstrat eine Deckschicht abgeschieden.
Anschließend durchläuft das so beschichtete Band für mindestens zehn Sekunden eine
Wärmebehandlung, die im Temperaturbereich von 300 °C bis 400 °C in Inertgas- bzw.
sauerstoffarmer Atmosphäre durchgeführt wird. Infolge dieser Wärmebehandlung diffundiert
das Metall der Beschichtung in die erste auf dem Stahlsubstrat liegende zinkhaltige
Korrosionsschutzschicht ein.
[0011] Um den Diffusionsprozess exakt steuern zu können und eine hohe Gleichmäßigkeit der
Deckschicht zu erzielen, wird das Stahlfeinblech bei der Durchführung des bekannten
Verfahrens vor der Vakuumbeschichtung einer Vakuumvorbehandlung durch Ionenbombardement
oder einer Plasmabehandlung unterworfen. Durch diese Vorbehandlung wird das mit der
zweiten Metallschicht zu belegende verzinkte Stahlsubstrat feingereinigt und so konditioniert,
dass sich das bei der anschließenden PVD-Beschichtung abgeschiedene Metall in einer
dünnen Schicht flächendeckend und dicht auf der Zinkschicht verteilt. Eine entsprechende
Feinreinigung ist nach den Feststellungen der Fachwelt insbesondere dann erforderlich,
wenn zur Verbesserung seiner Verkleb- und Lackierbarkeit auf ein verzinktes Stahlfeinblech
als Außenschicht eine magnesiumbasierte Schicht aufgetragen wird.
[0012] Trotz der bei Anwendung des in der
DE 195 27 515 C1 bzw. in der
EP 0 756 022 B1 beschriebenen Verfahrens erzielbaren Eigenschaftsverbesserungen hat sich dieses Verfahren
in der Praxis nicht durchgesetzt. Dies ist unter anderem in den hohen Erstellungs-
und Betriebskosten begründet, die bei der Herstellung und dem Unterhalt einer für
die Durchführung des bekannten Verfahrens eingerichteten Fertigungslinie anfallen.
Diese werden unter anderem dadurch verursacht, dass ein großer Teil der Arbeitschritte
des bekannten Verfahrens unter Vakuum durchgeführt werden müssen, um mit mindestens
einer Zink- und einer darauf aufgetragenen Deckschicht beschichtete Stahlflachprodukte
herzustellen, die den strengen Anforderungen der Verwender genügen. Darüber hinaus
erweist es sich im großtechnischen Maßstab als schwierig, bei einer wirtschaftlichen,
im Durchlauf erfolgenden Verarbeitung innerhalb des in der
DE 195 27 515 C1 vorgegebenen engen Zeitfensters eine Erwärmung des Bandes auf 300 - 400 °C mit homogener
Temperaturverteilung über den Bandquerschnitt zu bewerkstelligen.
[0013] Die Aufgabe der Erfindung bestand darin, ein Verfahren zu schaffen, das die kostengünstige
Herstellung von korrosionsgeschützten Stahlblechen mit für bestimmte Anwendungszwecke
guten Gebrauchseigenschaften ermöglicht.
[0014] Diese Aufgabe ist ausgehend von dem voranstehend erläuterten Stand der Technik durch
ein Verfahren zum Herstellen von einem korrosionsgeschützten Stahlflachprodukt gelöst
worden, bei dem erfindungsgemäß auf ein Stahlflachprodukt eine zinkhaltige Überzugsschicht
durch Feuerverzinken aufgebracht wird, bei dem das Stahlflachprodukt erforderlichenfalls
mechanisch und/oder chemisch fertiggereinigt wird, bei dem unmittelbar auf die fertiggereinigte
zinkhaltige Überzugsschicht mittels Dampfphasenabscheidung eine zweite magnesiumbasierte
Überzugsschicht aufgebracht wird und bei dem nach dem Aufbringen der zweiten Überzugsschicht
unter Normalatmosphäre eine thermische Nachbehandlung des beschichteten Stahlflachprodukts
zur Ausbildung einer Diffusions- oder Konvektionsschicht zwischen der zinkhaltigen
und der magnesiumbasierten Überzugsschicht bei einer Behandlungstemperatur durchgeführt
wird, die 335 °C bis 359 °C beträgt.
[0015] Gemäß der Erfindung wird das Stahlsubstrat, bei dem es sich um ein Flachprodukt,
wie Band oder Blech, aus kohlenstoffarmem Stahl handelt, zunächst in konventioneller
Weise verzinkt und in ebenso konventioneller Weise auf mechanischem oder chemischem
Wege gereinigt. Die mechanische oder chemische Reinigung kann dabei alternativ oder
kombiniert eingesetzt werden, um eine weitestgehend fettfreie und von lose aufliegendem
Zinkmaterial und anderen Rückständen befreite Oberfläche der Zinkbeschichtung zu gewährleisten.
[0016] Für die Erfindung wesentlich ist, dass das verzinkte Stahlflachprodukt am Ende dieser
Reinigung abschließend gereinigt ist. Somit findet abweichend von der bisher bei der
Fachwelt bestehenden Vorstellung, dass ein solcher Zwischenschritt unverzichtbar sei,
beim erfindungsgemäßen Verfahren vor dem Abscheiden der magnesiumhaltigen Überzugsschicht
auf der Zn-Schicht keine weitere Feinreinigung mehr statt. Stattdessen läuft erfindungsgemäß
das mit der Zinkschicht versehene Stahlflachprodukt im nur mechanisch und/oder chemisch
fertiggereinigten Zustand in die Dampfabscheidung ein, in der es mit der magnesiumhaltigen
Außenschicht belegt wird.
[0017] Überraschend hat sich herausgestellt, dass auch ein derart unter Verzicht auf eine
vorgeschaltete Plasmafeinreinigung mit einer Magnesiumschicht versehenes, zuvor verzinktes
Stahlblech oder -band neben einer hinsichtlich seiner optischen Erscheinung optimierten
Oberflächenbeschaffenheit eine Klebeignung besitzt, die allen im praktischen Einsatz
derartiger Bleche sich stellenden Anforderungen gerecht wird.
[0018] Ein in der Automobil- und der stahlerzeugenden Industrie eingeführter Test zur Beurteilung
der Klebeignung eines beschichteten Stahlblechs ist die so genannte "Kleberaupen-Prüfung".
[0019] Bei dieser Untersuchung wird ein handelsüblicher, für das Verkleben von Karosseriebauteilen
geeigneter Struktur-Klebstoff auf die zu prüfende, zuvor entfettete Oberfläche aufgetragen.
Der Klebstoff wird in Form von zwei parallel angeordneten Klebstoffraupen aufgebracht,
deren Breite bei einer Höhe von 4 - 5 mm etwa 10 mm beträgt. Um standardisierte Bedingungen
zu gewährleisten, wird die Geometrie der Raupe dann mittels einer Schablone eingestellt.
Nach dem erforderlichenfalls durch Wärmezufuhr unterstützten Aushärten des Klebstoffs
erfolgt ein Abkanten des Blechs um einen Winkel von ca. 100°. Infolge der durch das
Abkanten erzeugten Spannungen zwischen dem Klebstoff und der Beschichtungsoberfläche
bricht dabei in der Regel die Klebstoffraupe zunächst senkrecht zur Probenfläche und
schält sich dann entlang der Probenfläche ab.
[0020] Bei beschichteten Blechen mit unzureichender Klebeignung findet das Abschälen im
Übergangsbereich zwischen den einzelnen Überzugsschichten oder zwischen der untersten
Überzugsschicht und dem Stahlsubstrat statt. Bei erfindungsgemäßer Herstellungsweise
dagegen ist der Abschälvorgang, sofern er überhaupt eintritt, auf die Grenze zwischen
der freien Oberfläche der außen liegenden Überzugsschicht oder auf den Bereich der
Klebstoffraupe selbst beschränkt. D.h., trotz der durch die Erfindung erzielten Verfahrensvereinfachung
haften bei einem in erfindungsgemäßer Weise mit einem Zink-Magnesium-Überzugssystem
versehenen Stahlblech die aufgetragenen Überzugsschichten so stark aneinander und
auf dem Stahlsubstrat, dass im Kleberaupen-Biegetest der Abriss des Klebstoffs nicht
in den Überzugsschichten oder zwischen den Überzugsschichten und dem Stahlsubstrat
stattfindet, sondern allenfalls zwischen dem Kleber und dem Überzug oder nur im Kleber
selbst. Die Qualität einer mit einem erfindungsgemäßen Flachprodukt hergestellten
Klebverbindung ist somit nur noch vom Haftungsvermögen des Klebers an der Oberfläche
des Überzugs abhängig. Ein Abplatzen oder Aufspalten des auf das Stahlsubstrat aufgebrachten
Überzugssystems ist trotz des erfindungsgemäßen Verzichts auf eine Feinreinigung vor
dem Dampfabscheiden der Magnesiumschicht durch die erfindungsgemäß im Anschluss an
den Auftrag des Mg-Überzugs durchgeführte Wärmebehandlung sicher verhindert.
[0021] Neben der besonders guten Klebeignung wird auch die Steinschlagbeständigkeit erfindungsgemäß
beschichteter Stahlflachprodukte den sich in der Praxis stellenden Anforderungen gerecht.
So können insbesondere bei Einhaltung der nachstehend abhängig von der Art der Zinkbeschichtung
als bevorzugt angegebenen Temperaturfenster der Wärmebehandlung trotz des Verzichts
auf die Plasmafeinreinigung vor der Dampfabscheidungsbeschichtung für erfindungsgemäß
überzogene Stahlbleche Steinschlagbeständigkeiten gewährleistet werden, die denen
von auf konventionelle Weise beschichteten Blechen entsprechen.
[0022] Dementsprechend eignen sich erfindungsgemäß erzeugte Flachprodukte insbesondere zur
Herstellung von Fahrzeug-Karosseriebauteilen, die durch einzelne miteinander verklebte
Blechteile gebildet sind.
[0023] Voraussetzung für die erfindungsgemäß erzielte gute Klebeignung ist, dass das unter
Verzicht auf die Feinreinigung mit der Magnesiumschicht erfindungsgemäß dampfbeschichtete
Stahlband im Anschluss an die Dampfabscheidung eine Wärmebehandlung durchläuft, bei
der es im Temperaturbereich von 335 °C - 359 °C gehalten wird, um die Diffusions-
bzw. Konvektionsschicht zwischen der Zinkbeschichtung und der Magnesiumschicht auszubilden.
Die Temperaturen der Wärmebehandlung werden dabei im Hinblick auf eine möglichst gute
Klebeigenschaft des fertig verarbeiteten Stahlflachproduktes bevorzugt gezielt so
gewählt, dass sie jeweils im oberen Abschnitt des für den jeweiligen Anwendungsfall
optimalen Temperaturbereich liegen.
[0024] Für die Eignung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur wirtschaftlichen großtechnischen
Anwendung von besonderer Bedeutung ist dabei, dass die erfindungsgemäße thermische
Nachbehandlung an Luft durchgeführt werden kann. Auch dies trägt dazu bei, dass der
apparative Aufwand und damit einhergehend die mit der Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens verbundenen Kosten auf ein Minimum reduziert sind.
[0025] Die thermische Nachbehandlung wird dabei bevorzugt so durchgeführt, dass das beschichtete
Band jeweils für eine Zeitspanne von bis zu 15 Sekunden, insbesondere 5 - 10 Sekunden,
im jeweils durch die Erfindung vorgegebenen Bereich der optimalen Behandlungstemperatur
gehalten wird, so dass es beim Verlassen des Wärmebehandlungsofens an seiner Oberfläche
die betreffende Behandlungstemperatur aufweist.
[0026] Zur Messung der jeweiligen Behandlungstemperatur lassen sich übliche Messeinrichtungen,
wie schleifend auf die Bandoberfläche aufgesetzte Temperaturfühler, verwenden, die
beispielsweise im Auslaufbereich des Ofens an einer Stelle positioniert werden, an
der einerseits ihre Signale und Funktion nicht mehr durch den Betrieb des Ofens gestört
werden und andererseits sicher gestellt ist, dass noch keine wesentliche Abkühlung
des den Ofen verlassenden Bandes erfolgt ist. Eine geeignete Positionierung der Messeinrichtung
ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn für die thermische Nachbehandlung ein Induktionsofen
mit entsprechend streuenden elektromagnetischen Feldern eingesetzt wird.
[0027] Die Zinkbeschichtung lässt sich in konventioneller Weise durch Feuerverzinken auf
das Stahlsubstrat aufbringen. Es werden optimierte Gebrauchseigenschaften, insbesondere
eine besonders gute Klebeignung, dann erreicht, wenn die während der thermischen Nachbehandlung
gewählte Behandlungstemperatur 335 °C bis 359 °C beträgt.
[0028] Für die Dampfabscheidung des Magnesiums bzw. der Magnesiumlegierung auf dem verzinkten
Stahlsubstrat lassen sich alle PVD-Verfahren einsetzen, die sich in der Praxis bereits
für diesen Zweck bewährt haben.
[0029] Praktische Versuche haben ergeben, dass sich die durch das erfindungsgemäße Verfahren
erzielten Arbeitsergebnisse dadurch weiter verbessern lassen, dass das mit der zinkhaltigen
Beschichtung versehene Stahlblech im Zuge seiner Fertigreinigung durch Spülen mit
einem geeigneten Vorkonditionierungsmittel nasschemisch vorkonditioniert wird. Zu
diesem Zweck kann das verzinkte Stahlband im Zuge der chemischen Fertigreinigung mit
einer alkalischen Lösung gespült werden.
[0030] Ebenso kann es im Hinblick auf ein optimiertes Beschichtungsergebnis vorteilhaft
sein, wenn die chemische Fertigreinigung beispielsweise ein Dekapieren des Stahlsubstrats
durch Spülen mit einer Säure, insbesondere Salzsäure, umfasst. Auf das Dekapieren
kann dann eine Spülung mit vollentsalztem Wasser folgen, um auf dem verzinkten Blech
nach dem Dekapieren noch vorhandene Säurereste weitestgehend vollständig zu entfernen.
[0031] Eine weitere Optimierung des Beschichtungsergebnisses kann dadurch erreicht werden,
dass das mit der zinkhaltigen Beschichtung versehene Stahlsubstrat bei Eintritt in
die Dampfabscheidung an seiner freien Oberfläche eine Rauheit Ra von mindestens 1,4
µm, insbesondere 1,4 - 1,6 µm, aufweist, wobei höher als 1,4 µm liegende Rauheitswerte
vorteilhaft sind. Ebenso ist es für eine optimierte Haftung des Mg-Überzugs auf der
Zinkbeschichtung günstig, wenn das zinkbeschichtete Stahlflachprodukt bei seinem Eintritt
in die Dampfabscheidung eine Spitzenzahl RPC von mindstens 60/cm aufweist. Die Spitzenzahl
RPC und die Mittenrauheit Ra werden im Tastschnittverfahren bestimmt, wobei bei der
Ermittlung des Mittenrauheit Ra die in der DIN EN ISO 4287:1998 und bei der Ermittlung
der Spitzenzahl RPC die im StahlEisen-Prüfblatt SEP 1940 angegebenen Vorgehensweisen
zur Anwendung kommen.
[0032] Als günstig für das Ergebnis der Dampfabscheidung hat es sich darüber hinaus erwiesen,
wenn das mit der zinkhaltigen Beschichtung versehene Stahlflachprodukt vor seinem
Eintritt in die Dampfabscheidung auf eine oberhalb der Raumtemperatur, jedoch unterhalb
der Legierungstemperatur liegenden Temperatur erwärmt oder auf dieser gehalten wird.
Praktische Versuche haben ergeben, dass die für diesen Zweck besonders geeigneten
Temperaturen im Bereich von 230 °C bis 250 °C, insbesondere bei ca. 240 °C, liegen.
[0033] Mit der Erfindung steht somit ein Verfahren zur Verfügung, das sich besonders wirtschaftlich
in einem kontinuierlich durchlaufenen Arbeitsablauf durchführen lässt und ein Produkt
liefert, dass sich aufgrund seiner Oberflächenbeschaffenheit und seiner Klebeignung
besonders gut für die Herstellung von Bauteilen für Fahrzeugkarosserien unter Anwendung
moderner Fügetechniken, wie Verkleben, eignet.
[0034] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von zwei Ausführungsbeispielen näher erläutert.
Ausführungsbeispiel 1
[0035] Aus einem handelsüblichen, unter der Bezeichnung DX56 angebotenen Stahl, der in Gew.-%
0,002 % C, 0,010 % Si, 0,130 % Mn, 0,012 % P, 0,009 % S, 0,041 % Al, 0,002 % Nb, 0,065
% Ti und als Rest Eisen und unvermeidbare, prozessbedingte Verunreinigungen enthält,
wird in herkömmlicher Weise ein Feinblechband erzeugt, das anschließend in ebenso
konventioneller Weise in einem üblichen kontinuierlichen Feuerverzinkungsverfahren
beidseitig mit einem Zinküberzug von jeweils 35 gm
-2 beschichtet wird.
[0036] Das derart beschichtete und auf eine passende Breite gebrachte Stahlband wird dann
in einer Durchlaufanlage für Schmalband (300mm) bei einer Bandgeschwindigkeit von
30 m/min im Durchlauf mit einem Magnesiumüberzug versehen.
[0037] Zur Vorbereitung des Beschichtungsvorgangs durchläuft das Stahlband eine Fertigreinigung,
in der zunächst das auf dem Band haftende Korrosionsschutzöl durch eine alkalische
Reinigung entfernt wird. Zu diesem Zwecke wird zunächst eine Hochdruckreinigung durchgeführt,
bei der ein handelsübliches alkalisches Reinigungsmittel mit einem Druck von ca. 100
bar und einer Temperatur von 80 °C auf die Bandoberfläche ausgebracht wird. Anschließend
durchläuft das Stahlband ein ebenfalls aus einem konventionellen Reinigungsmittel
gebildetes Ultraschallbad, woraufhin es dann in einer dreifachen Kaskadenspüle mit
vollentsalztem Wasser gespült wird, um auf der Bandoberfläche haftende Reinigungsmittelreste
sicher zu entfernen. Zum Abschluss der Fertigreinigung wird das Stahlband mittels
Heißluft getrocknet.
[0038] Das derartig fertiggereinigte Stahlband wird dann über mehrere Druckstufen in eine
Vakuumkammer geleitet. Dort wird das Stahlband vor der eigentlichen Dampfabscheidung
mittels einer Induktionsheizung auf eine Temperatur von 240° erwärmt, bevor es die
Dampfabscheidungsquelle passiert. Ohne weiteren direkt auf die Bandoberfläche wirkenden
Behandlungsschritt, insbesondere ohne zwischengeschaltete Plasmafeinreinigung, erfolgt
dann in einem PVD-Verfahren die Magnesiumbedampfung mittels eines handelsüblichen
JET-Verdampfers.
[0039] In dem Verdampfer wird bei einem Restgasdruck von 2*10
-2 mbar eine Verdampfungsrate von 18 µm*m/min eingestellt, so dass sich eine Magnesiumauflage
von 600 nm auf dem bereits mit dem Zinküberzug beschichteten Stahlband ergibt.
[0040] Das mit der Mg-Schicht beschichtete verzinkte Stahlband wird anschließend über eine
weitere Reihe von Druckstufen wieder an die Normalatmosphäre zurückgeführt. Daraufhin
wird es durch einen Induktionsofen geleitet, wo es unter Normalatmosphäre innerhalb
von 4s auf eine Temperatur von 345 °C ± 5K aufgeheizt wird, mit der es den Induktionsofen
wieder verlässt.
[0041] Die Temperaturüberwachung erfolgt mittels schleifend auf der Bandoberfläche aufgesetzten
Thermoelementen am Ende des Induktionsofens. Da der Exaktheit der Temperaturbestimmung
und der daraus abgeleiteten Temperaturregelung eine besondere Bedeutung zukommt, ist
es bei der Temperaturerfassung wichtig, dass Beeinflussungen der Messung durch den
Induktionsofen weitestgehend ausgeschlossen werden. Dementsprechend wird die Anordnung
der Messeinrichtungen so gewählt, dass sie nicht durch das von dem Ofen erzeugte elektromagnetische
Feld gestört wird, dass die Messung jedoch möglichst nah am Ausgang des Ofens stattfinden
kann, um eine möglichst zeitnahe und von einer Abkühlung unbeeinflusste Erfassung
der tatsächlichen Temperatur des fertig wärmebehandelten Stahlbands zu erreichen.
[0042] Nach einem freien Bandlauf von 4 m über eine Zeitdauer von ca. 8 s und einer dabei
eintretenden Abkühlung an Umgebungsluft um ca. 10 °C wird das Stahlband über Kühlrollen
geführt und auf eine Temperatur unterhalb von 100°C abgekühlt.
Ausführungsbeispiel 2
[0043] Unter denselben Prozessbedingungen wurden bei einer Bandgeschwindigkeit von 36 m/min
sowie bei durch geeignete konstruktive Maßnahmen erweiterter Verdampfungsrate des
Verdampfers bis 96 µm * m/min bei einer Bandgeschwindigkeit von 64 m/min Mg-Auflagen
von 1500 nm realisiert und erfindungsgemäß thermisch einlegiert. Auch bei diesen Untersuchungen
wurde die vorteilhafte Ausbildung des Zn-Mg Legierungsüberzuges nachgewiesen.
1. Verfahren zum Herstellen von korrosionsgeschützten Stahlflachprodukten,
- bei dem auf ein Stahlflachprodukt eine zinkhaltige Überzugsschicht durch Feuerverzinken
aufgebracht wird,
- bei dem das Stahlflachprodukt erforderlichenfalls mechanisch und/oder chemisch fertiggereinigt
wird,
- bei dem unmittelbar auf die fertiggereinigte zinkhaltige Überzugsschicht mittels
Dampfphasenabscheidung eine zweite magnesiumbasierte Überzugsschicht aufgebracht wird
und
- bei dem unter Normalatmosphäre nach dem Aufbringen der zweiten Überzugsschicht eine
thermische Nachbehandlung des beschichteten Stahlflachprodukts zur Ausbildung einer
Diffusions- oder Konvektionsschicht zwischen der zinkhaltigen und der magnesiumbasierten
Überzugsschicht bei einer Behandlungstemperatur durchgeführt wird, die 335 °C bis
359 °C beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das mit der zinkhaltigen Beschichtung versehene Stahlflachprodukt im Zuge seiner
Fertigreinigung durch Spülen mit einem alkalischen Vorkonditionierungsmittel nasschemisch
vorkonditioniert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das mit der zinkhaltigen Beschichtung versehene Stahlflachprodukt im Zuge seiner
Fertigreinigung durch Spülen mit einer Säure, insbesondere Salzsäure, dekapiert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlflachprodukt nach dem Dekapieren mit vollentsalztem Wasser gespült wird.
5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die thermische Nachbehandlung innerhalb einer Zeitspanne von höchstens 15 Sekunden
abgeschlossen wird.
6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das mit der zinkhaltigen Beschichtung versehen Stahlflachprodukt bei Eintritt in
die Dampfabscheidung an seiner freien Oberfläche eine Rauheit Ra von mindestens 1,4
µm aufweist.
7. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spitzenzahl RPC des mit der zinkhaltigen Beschichtung versehenen Stahlflachprodukts
bei Eintritt in die Dampfabscheidung mindesten 60/cm beträgt.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das mit der zinkhaltigen Beschichtung versehene Stahlflachprodukt vor seinem Eintritt
in die Dampfabscheidung auf eine oberhalb der Raumtemperatur, jedoch unterhalb der
Legierungstemperatur der Magnesiumbeschichtung liegende Temperatur erwärmt oder auf
dieser gehalten wird.