[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung einer mit Radiokarbon kontaminierten
Keramik, insbesondere Reaktorgraphit.
[0002] Radiokarbon ist das radioaktive Isotop
14C des Kohlenstoffs. Es entsteht außer auf natürliche Weise durch kosmische Strahlung
in Neutronenstrahlungsfeldern von Kernreaktoren in geringen Mengen als Spaltprodukt
oder durch Aktivierung des zu 1,1% in natürlichem Kohlenstoff vorkommenden Isotops
13C bei einem Wirkungsquerschnitt von 0,0009 barn, aber vorwiegend durch Aktivierung
von Stickstoff (
14N) in einer n,p-Reaktion mit einem Wirkungsquerschnitt von 1,81 barn. Außerdem kann
das nur mit 0,038 % im Luftsauerstoff vorhandene Isotop
17O mit geringerem Wirkungsquerschnitt von 0,235 bam über eine n,a -Reaktion in Radiokarbon
umgewandelt werden.
[0003] Wegen seiner langen physikalischen Halbwertszeiten von 5.730 Jahren und seiner guten
Einbaubarkeit in biologischen Systemen auf Grund einer Substitution von
12C oder
13C durch Radiokarbon in Kohlenstoffverbindungen mit einer hohen biologischen Halbwertszeit
stellt Radiokarbon eine problematische Kontamination in radioaktiven Abfällen dar
und verlangt besondere Sicherheitsvorkehrungen. Andererseits ist es jedoch auch ein
wertvoller Indikator für die Forschung an biologischen Vorgängen, weil es sich in
biologischen Systemen wie natürlicher Kohlenstoff einbaut und leicht wegen des radioaktiven
Zerfalls als Marker verfolgt werden kann.
[0004] Eine Entfernung zumindest eines erheblichen Teils des Radiokarbons aus Keramiken,
insbesondere aus kerntechnischen Abfällen, kann daher sowohl der Dekontamination der
Abfälle als auch der Gewinnung eines Wertstoffes für die Forschung dienen. Als beispielhafte
Keramiken seien genannt: Reaktorgraphit. Kohlestein, SiC, Al
2O
3, MgO sowie Verbundmaterialien, die Keramiken enthalten, z.B. kohlefaserverstärktes
SiC.
[0005] Besonders hohe Konzentrationen von Radiokarbon liegen in den meisten graphitischen
Strukturen graphitmoderierter Reaktoren (MAGNOX-Reaktor (CO
2-gekühlter Reaktortyp mit Natururan-Brennelementen mit Magnox-Hülle), AGR (Advanced
Gas-cooled Reactor), HTR (Hochtemperatur-Reaktor), RBMK (wassergekühlter Kernreaktortyp
russischer Bauart)), aber auch in den thermischen Säulen von Forschungsreaktoren (z.
B. MERLIN; siehe ATW, Jahrgang 48, Heft 6, Juni 2003, Seiten 404-407) vor. Der Hauptanteil
stammt dabei meist aus der Aktivierung von Stickstoff und Sauerstoff. Sauerstoff und
Stickstoff lagern sich z. B. durch Luftzutritt an thermischen Säulen und Adsorption
an. Bei der thermischen Zersetzung von stickstoffhaltigen Kunststoffen (z. B. Hexamethylentetramin
als Binder) bei der Herstellung von Graphiten findet bevorzugt ein Einbau in Komgrenzen
statt.
[0006] Aus der
DE 197 37 891 C2 ist ein Verfahren zur Entsorgung eines mit Radiotoxika kontaminierten Gegenstandes
aus Reaktorgraphit oder Kohlestein bekannt, bei dem ein Teil der Radiotoxika durch
Aufheizen des Gegenstandes aus diesem entfernt und einem weiteren Entsorgungsschritt
zugeführt wird und bei dem zumindest eine geschlossene Schicht an der Oberfläche des
Gegenstandes durch Ausfüllen von Poren mit Pyrokohlenstoff mittels Infiltration von
Kohlenwasserstoffen oberhalb 1000°C und/oder durch chemische Reaktion mit einer Siliziumverbindung
unter Bildung von Siliziumcarbid dichtend und/oder diffusionshemmend ausgebildet wird.
Dabei ist offenbart, dass das Aufheizen in Vakuum oder unter Schutzgas erfolgt, um
zu verhindern, dass beim Erhitzen durch Reaktionen mit dem atmosphärischen Sauerstoff
Kohlenmonoxid und Kohlendioxid entstehen, die das vorhandene Radiokarbon enthalten
und daher nicht unkontrolliert entweichen dürfen. Beim Verfahren nach dem beschriebenen
Stand der Technik sollen andere Toxika als Radiokarbon, z. B. an die keramische Struktur
des Gegenstands gebundenes Tritium oder Cäsium entfernt werden. Die Bildung der geschlossenen
Schicht an der Oberfläche des Gegenstandes soll insbesondere ein unerwünschtes Eindringen
von Substanzen verhindern, mit denen die im Gegenstand verbliebenen Reste, unter anderem
auch Radiokarbon, während der Zwischen- oder Endlagerung chemisch oder durch Lösung
ausgetrieben werden könnten. Darüber hinaus ist jedoch ein wirksamer Schutz gegen
Verbrennen und gegen die Diffusion der Toxika zur Oberfläche des Gegenstandes gegeben.
Mit dem beschriebenen Verfahren wird somit der zu behandelnde Gegenstand nicht in
erheblichem Umfange von der RadiokarbonKontamination befreit.
[0007] In der
DE 197 37 891 C2 sind weitere Entsorgungsverfahren dargestellt, von denen aber keines eine wirkungsvolle
Trennung des Radiokarbons von einer damit kontaminierten Keramik offenbart. Somit
verbleibt gemäß dem Stand der Technik das Radiokarbon im zu entsorgenden Gegenstand
oder gelangt - z. B. auf Grund einer Verbrennung von schwach kontaminiertem Material
- in die Umwelt.
[0008] Es ist nun Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren der eingangs genannten
Art zur Verfügung zu stellen, bei dem Radiokarbon zu einem erheblichen Anteil aus
einer kontaminierten Keramik entfernt werden kann und welches eine anschließende effektive
entsorgende oder verwertende Weiterbehandlung des Radiokarbons erlaubt.
[0009] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art gemäß Anspruch
1 dadurch gelöst, dass in einem Prozesstemperaturbereich mittels chemischer Reaktion
mindestens eines Korrosionsmediums zumindest mit dem Radiokarbon mindestens ein flüchtiges
Reaktionsgas gebildet wird, wobei die Menge des mindestens einen Korrosionsmediums,
die Prozesstemperatur und/oder die Prozessdauer derart gewählt werden, dass die chemische
Reaktion im Wesentlichen lediglich an der Oberfläche der Keramik, einschließlich von
Porenoberflächen, und innerhalb oberflächennaher Bereiche stattfindet, und das mindestens
eine Reaktionsgas aufgefangen und einer gesonderten Behandlung zugeführt wird, wobei
eine derart geringe Prozeßtemperatur gewählt wird, dass das Korrosionsmedium weit
in ein vorhandenes Porensystem eindringen kann, um die Kristalle an der inneren Oberfläche
partiell zu oxidieren.
[0010] Diese Verfahrensweise beruht auf der Erkenntnis, dass ein signifikanter Teil des
Radiokarbons auf den Oberflächen der Graphitkristalle oder im Binder sitzt und bei
den üblichen Betriebstemperaturen gegebenenfalls auch nur in oberflächennahe Kristallbereiche
oder Korngrenzen hinein diffundiert. Zuvor ging die Fachwelt davon aus, dass Radiokarbon
nahezu vollständig auf regulären Gitterplätzen der betroffenen Keramik eingebaut ist
und sich damit einer selektiven Entfernung weitgehend entzieht. Es wird zudem inzwischen
angenommen, dass der bei der Herstellung technischer Graphit verwendete organisch-chemische
Binder bei der Herstellung nicht vollständig graphitiert, weshalb das dort entstandene
Radiokarbon unter bestimmten Bedingungen ebenfalls leichter korrodiert werden kann
als dies bei regulären Graphitkristallen der Fall ist.
[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren bringt eine Reihe von erheblichen Vorteilen mit sich:
Das Verfahren kann bei relativ geringen Temperaturen durchgeführt werden, so dass
eine stärkere Einbindung des Radiokarbons, z. B. durch Diffundieren von oberflächennahem
Radiokarbon in das Kristallgitter hinein oder durch eine Nachgraphitierung verhindert
wird.
[0012] Zum einen kann durch das Verfahren die Konzentration der Radiokarbonkontamination
erheblich verringert werden. Mit der Einwirkung auf die Oberflächen und die oberflächennahen
Bereiche kann zwar nicht das gesamte Radiokarbon aus der behandelten Keramik entfernt
werden. Jedoch selbst eine Entfernung von z. B. 50 %, die mit dem Verfahren gemäß
durchgeführter Messungen erreichbar sind, würde die Nutzbarkeit von Abfall-Lagern
verdoppeln können, weil die (End-)Lagerkapazitäten an die gesamte kumulierte
14C-Aktivität gekoppelt sind. Teildekontaminiertes Graphitmaterial kann bei hinreichend
niedriger Restkontamination auch einer vollständigen Umwandlung in CO oder CO
2 bei höheren Temperaturen von z.B. über 1000° C in Luft zugeführt werden.
[0013] Zum anderen ist die Konzentration des Radiokarbons in den aufgefangenen Reaktionsgasen
im Vergleich zum natürlichen Vorkommen deutlich angereichert, was eine gute Voraussetzung
für eine Weiterverwertung des Radiokarbons als Wertstoff ist.
[0014] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann die behandelte Keramik auf ihrer Oberfläche
derart dosiert korrodiert werden, dass die inneren Bereiche möglichst stabil bleiben.
[0015] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch so ausgeführt werden, dass als Korrosionsmedium
Sauerstoff eingesetzt wird. Beim Einsatz von Sauerstoff reagiert dieser mit Kohlenstoff
zu Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid, also flüchtigen Kohlenstoffverbindungen.
[0016] Dabei kann das erfindungsgemäße Verfahren auch so ausgeführt werden, dass Luft als
Sauerstofflieferant verwendet wird. Alternativ kann auch reiner Sauerstoff oder Sauerstoff
im Gemisch mit anderen Gasen in einer von der Luft verschiedenen Zusammensetzung eingesetzt
werden. Die Umsetzung in die vorgenannten flüchtigen Kohlenstoffverbindungen geschieht
bereits bei Temperaturen von etwa 500°C. Bei diesen Temperaturen kann der Sauerstoff
weit in ein vorhandenes Porensystem eindringen, um die Kristalle an der inneren Oberfläche
partiell zu oxidieren. Bei höheren Temperaturen setzt hingegen eine starke Oxidation
an der Außenseite der zu behandelnden Keramik ein, da die Porendiffusion weniger stark
durch Temperaturerhöhung beschleunigt wird als die chemische Reaktion und es damit
zu einer Verarmung am Korrosionssauerstoff im Inneren des Porensystems des zu korrodierenden
keramischen Mediums kommt. Die optimale Temperatur für die dosierte Korrosion hängt
damit von der chemischen Reaktivität des Korrosionsmediums, der Diffusionsrate im
Porensystem, welche zum Beispiel durch Druckverminderung oder durch Zugabe leichter
Inertgase vergrößert oder kontrolliert werden kann, und den Dimensionen des zu korrodierenden
keramischen Materials ab.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch so ausgeführt werden, dass Wasserdampf als
Sauerstofflieferant verwendet wird. Hierbei hat es sich als vorteilhaft erwiesen,
ein Inertgas bei Raumtemperatur mit Wasser zu sättigen und das Wasser-Inertgas-Gemisch
dann auf Prozesstemperatur aufzuheizen.
[0018] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch so ausgeführt werden, dass als Korrosionsmedium
Wasserstoff eingesetzt wird. Als Reaktionsprodukt mit Kohlenstoff wird in diesem Fall
im Wesentlichen CH
4 gebildet.
[0019] Grundsätzlich kommen als Korrosionsmedien alle Gase oder Dämpfe in Betracht, die
mit Kohlenstoff reagieren und in der Lage sind, das oberflächennah gebundene Radiokarbon
in gasförmige Reaktionsprodukte zu überführen.
[0020] Es kann auch vorteilhaft sein, das erfindungsgemäße Verfahren so auszuführen, dass
die Keramik vor dem Starten der chemischen Reaktion zerkleinert, insbesondere gemahlen,
wird. Kleine Kristalldimensionen können eine Erweiterung des nutzbaren Temperaturbereichs
mit sich bringen: Zum einen sind wegen der größeren Oberfläche niedrigere Prozesstemperaturen
möglich. Andererseits verringern kleine Kristalldimensionen das Maß der notwendigen
Diffusion des Korrosionsmediums. Bei höheren Prozesstemperaturen kommt es daher im
Vergleich zu größeren Kristalldimensionen nur im verminderten Maße zu der oben beschriebenen
Verarmung des Korrosionsmediums in den inneren Poren, d.h. die obere Grenze des nutzbaren
Prozesstemperaturbereichs verschiebt sich weiter nach oben. Ein zu starkes Zerkleinern,
welches die Kristalle zerstört, ist jedoch zu vermeiden, da hierdurch die ursprünglichen
Oberflächen zerstört werden und der Vorteil der erhöhten Konzentration des Radiokarbons
an der Oberfläche verloren gehen kann. Der Anteil der natürlichen und stabilen Kohlenstoffisotope
12C und
13C in den Reaktionsprodukten würde steigen. Dieser unerwünschte Effekt würde auch bei
nicht zu starkem Mahlen, aber zu hohen Temperaturen auftreten.
[0021] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch so ausgeführt werden, dass sich die Keramik
in einem Behälter befindet, wobei das mindestens eine Korrosionsmedium bei geeigneter
Prozesstemperatur kontrolliert zugeführt und das Reaktionsgas abgezogen wird.
[0022] Auf diese Art und Weise kann ein kontinuierlicher Prozess durchgeführt werden, bei
dem die gewünschte Reduzierung des Radiokarbongehalts in der Keramik in einem einzigen
Aufheizzyklus erreicht werden kann.
[0023] Weiterhin kann es vorteilhaft sein, das erfindungsgemäße Verfahren so auszuführen,
dass das mindestens eine Korrosionsmedium von der Oberfläche der Keramik, einschließlich
der Porenoberflächen, adsorbiert wird und anschließend die Keramik auf Prozesstemperatur
gebracht wird. Dabei kann es vorteilhaft sein, die Keramik unter Vakuum oder in einer
Inertgasatmosphäre aufzuheizen. Wie stark die Oberflächen mit dem Korrosionsmedium
beladen werden, kann zum Beispiel über den gewählten Partialdruck sowie die Beladungsdauer
kontrolliert werden. Der Beladungsgrad sollte dabei so gewählt werden, dass die vorhandene
Menge des Korrosionsmediums gerade ausreicht, den gewünschten Korrosionsgrad beim
Aufheizen zu erreichen. Dabei kann das Abziehen der Reaktionsgase durch Evakuierung
oder auch durch Spülung mit Inertgas nach dem Prozess bei Temperaturen unterhalb des
Prozesstemperaturbereichs oder auch während des Prozesses erfolgen. Bei dieser Verfahrensweise
wird oberflächennaher Kohlenstoff umgesetzt, der mit dem zuvor adsorbierten Korrosionsmedium
chemisch reagiert. Der Anteil des Radiokarbons am abgetrennten Kohlenstoff ist bei
diesem Verfahren höher als bei der Behandlung in einer dauerhaften Atmosphäre des
Korrosionsmediums. Allerdings geht dieser Gewinn einher mit einer Erniedrigung des
Gesamtumsatzes auf Grund der geringeren Partialdrücke.
[0024] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch so ausgeführt werden, dass in einem weiteren
Schritt der Behälter evakuiert oder die Keramik mit Inertgas gespült wird, um die
Reaktionsgase abzuziehen, und anschließend der Prozess, beginnend mit dem Adsorbieren
des mindestens einen Korrosionsmediums auf der Oberfläche, mindestens ein weiteres
Mal durchgeführt wird. Auf diese Weise ist ein diskontinuierlicher Prozess mit mehreren
Zyklen gegeben, der einerseits im Vergleich zum kontinuierlichen Verfahren zu längeren
Behandlungsdauern führen, andererseits aber erhöhte Anteilen an Radiokarbon in den
Reaktionsgasen mit sich bringen kann.
[0025] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch so ausgeführt werden, dass vor dem Adsorbieren
des mindestens einen Korrosionsmediums eine dosierte Korrosion mittels kontrollierter
Zugabe des mindestens einen Korrosionsmediums derart bei Prozesstemperatur durchgeführt
wird, dass zumindest ein Teil geschlossener Poren geöffnet wird. Der erste Schritt
in diesem Verfahren dient zwar vorrangig dem Öffnen der geschlossenen Poren, führt
jedoch ebenfalls bereits zu einem Entfernen eines Teils des Radiokarbons. Das Öffnen
der geschlossenen Poren kann beispielsweise unter einer Korrosionsmediumatmosphäre
geschehen, wobei dieser Behandlungsschritt bei erhöhten Temperaturen in einer relativ
kurzen Zeit durchgeführt werden kann, die gerade zum Öffnen der Poren ausreicht. Die
Korrosion zu Porenöffnung kann aber auch mit Hilfe eines zuvor adsorbierten Korrosionsmediums
im Vakuum oder einer Inertgasatmosphäre durchgeführt werden.
[0026] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch so ausgeführt werden, dass nach letztmaligem
Abziehen der Reaktionsgase die verbliebene Restkeramik wiederverwertet wird, zum Beispiel
als Nukleargraphit.
[0027] Weiterhin kann das erfindungsgemäße Verfahren so ausgeführt werden, dass das in den
aufgefangenen Reaktionsgasen enthaltene Radiokarbon angereichert wird. Anschließend
kann das Radiokarbon als Wertstoff einer Wiederverwertung zugeführt werden. Sofern
aus dem extrahierten Radiokarbon wieder ein Festkörper, z.B. in Form von Graphit,
erzeugt werden soll, kann insbesondere bei Verwendung von Wasserdampf als Sauerstofflieferant
ein Kreisprozess für das Korrosionsmedium vorteilhaft sein. Der Kreisprozess könnte
wie folgt aussehen: Beim Korrosionsprozess entstehen bei entsprechenden Prozessbedingungen
mit der endothermen Reaktion von Graphit mit Wasserdampf als Reaktionsprodukte Kohlenmonoxid
und Wasserstoff. Im extrahierten und aufgefangenen Kohlenmonoxid ist nun ein gegenüber
der ursprünglichen Keramik deutlich erhöhter Anteil an Radiokarbon enthalten. Dieser
Anteil kann nun durch Anreicherungsprozesse weiter erhöht werden. In einem weiteren
Schritt kann aus dem Kohlenmonoxid in Reaktion mit dem Wasserstoff fester Kohlenstoff
und Wasser(dampf) erzeugt werden. Das Wasser kann dann wieder als Lieferant für das
Korrosionsmedium Sauerstoff dienen.
[0028] Dabei kann es vorteilhaft sein, das erfindungsgemäße Verfahren so auszuführen, dass
als Reaktionsgas bevorzugt Kohlenmonoxid oder CH
4 erzeugt wird. Kohlenmonoxid und CH
4 haben ein geringeres Gewicht als Kohlendioxid. Mit diesen Reaktionsgasen kann daher
der gegebene Gewichtsunterschied zwischen Radiokarbon und den stabilen Isotopen des
Kohlenstoffs besser für eine Anreicherung des Radiokarbons ausgenutzt werden.
[0029] Falls das extrahierte, Radiokarbon enthaltende Material für lange Zeit sicher gelagert
werden soll, ist die Herstellung auslaugbeständiger, nicht brennbarer Lagergebinde
sinnvoll. Dies kann z.B. durch Reaktion des radiokarbonreichen Materials zu Karbiden,
z.B. SiC, oder gesteinsähnlichen Karbonaten geschehen. Das Korrosionsmedium sollte
so gewählt werden, dass die Reaktionsgase möglichst direkt für die weiteren Behandlungsschritte
geeignet sind.
[0030] Im Folgenden werden zwei Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt.
[0031] Figur 1 zeigt in einem Diagramm das Ergebnis einer Behandlung eines aus dem AVR-Reaktor
(erster
Hochtemperatur-Versuchs-Reaktor im Forschungszentrum Jülich; siehe VDI-Bericht 729,
AVR - 20 Jahre Betrieb, ISBN 3-18-090720-0, VDI-Verlag, Düsseldorf, 1989)) stammenden Graphitpulvers. Als Korrosionsmedium wurde Sauerstoff als Bestandteil
von Wasser eingesetzt. Hierzu wurde zunächst Argon bei Raumtemperatur mit Wasserdampf
gesättigt. Anschließend wurde das Graphitpulver in der Wasserdampf Argon-Atmosphäre
auf 1057°C aufgeheizt und bei dieser Temperatur 16 Stunden gehalten. Figur 1 stellt.die
Freisetzung des Kohlenstoffs während des Behandlungszeitraumes dar. Kurve 1 zeigt
den Gesamtmassenverlust des Graphitpulvers. Dieser Massenverlust ist durch die linke
Skala in Prozent ausgedrückt. Kurve 2 stellt die prozentuale Freisetzung an Radiokarbon
in Bezug auf den ursprünglichen Radiokarbongehalt dar. Demzufolge sind nach 16 Stunden
etwa 46% des ursprünglich im Graphitpulver vorhandenen Radiokarbons freigesetzt. Durch
Kurve 3 ist das Verhältnis zwischen der Radiokarbonfreisetzung in Prozent und der
Freisetzung der stabilen Kohlenstoffisotope in Prozent wiedergegeben. Als Beispiel
ist im Folgenden das Verhältnis nach etwa 16 Stunden Behandlungsdauer dargestellt.
Wie bereits erwähnt sind etwa 46% des Radiokarbons entfernt. Zum gleichen Zeitpunkt
wurden durch die Behandlung ein wenig mehr als 16% der stabilen Kohlenstoffisotope
freigesetzt. Das Verhältnis der Prozentzahlen 46/16 ergibt ein Verhältnis von etwa
2.85. Das Verhältnis ist auf der rechten Skala des Diagramms in Figur 1 dargestellt.
Das Diagramm macht deutlich, dass zu Beginn des Verfahrens im Verhältnis die Ausbeute
an Radiokarbon höher ist als zu späteren Zeitpunkten. Dies bestätigt die vorwiegende
Anlagerung des Radiokarbons auf der Oberfläche, einschließlich der Porenoberflächen.
[0032] In einer alternativen Verfahrensweise wurde Graphitpulver aus dem Versuchsreaktor
MERLIN zunächst in Luft gelagert, so dass die Oberflächen des Pulvers, einschließlich
der Porenoberflächen, Sauerstoff adsorbieren konnten. Dieses Material wurde anschließend
in eine reine Argon-Atmosphäre gebracht, auf 1057°C aufgeheizt und bei dieser Temperatur
etwa 13,5 Stunden gehalten.
[0033] Figur 2 zeigt das Ergebnis dieser Behandlung in einem zu Figur 1 entsprechenden Diagramm.
Es ist aus ersichtlich, dass insgesamt eine wesentlich niedrigere absolute Freisetzungsrate
sowohl bezüglich des Radiokarbons (Kurve 5) als auch bezüglich der stabilen Kohlenstoffisotope
(Kurve 4) erzielt wurde. Allerdings ist gemäß Kurve 6 das Verhältnis der prozentualen
Freisetzung des Radiokarbons zur prozentualen Freisetzung der stabilen Kohlenstoffisotope
um mehr als den Faktor 10 höher. Demnach ist auch der prozentuale Anteil der radiokarbonhaltigen
Moleküle bei Reaktionsgasen deutlich höher als bei der Behandlung unter der Wasser-Argon-Atmosphäre.
Die Korrosion allein mittels des adsorbierten Sauerstoffs bietet sich insbesondere
dann an, wenn hohe Anteile an Radiokarbon in den Reaktionsgasen, zum Beispiel für
die Wiederverwertung des Radiokarbons, erreicht werden sollen.
1. Verfahren zur Behandlung einer mit Radiokarbon kontaminierten kohlenstoffhaltigen
Keramik, bei dem zumindest ein Teil des Radiokarbons aus der Keramik entfernt und
der entfernte Teil aufgefangen wird, wobei
a. das Verfahren zur zumindest teilweisen konzentrationsmindemden Entfernung von Radiokarbon
aus einem Kohlenstoffanteil der Keramik verwendet wird, wobei
b. die Menge des mindestens einen Korrosionsmediums, die Prozesstemperatur und/oder
die Prozessdauer derart gewählt werden, dass die chemische Reaktion im Wesentlichen
lediglich an der äußeren und inneren Oberfläche der Keramik, einschließlich von Porenoberflächen
stattfindet,
c. in einem Prozesstemperaturbereich mittels chemischer Reaktion mindestens eines
Korrosionsmediums zumindest mit dem Radiokarbon mindestens ein flüchtiges Reaktionsgas
gebildet wird,
d. das mindestens eine Reaktionsgas aufgefangen und einer gesonderten Behandlung zugeführt
wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
e. eine derart geringe Prozesstemperatur gewählt wird, dass das Korrosionsmedium weit
in ein vorhandenes Porensystem eindringen kann, um die Kristalle an der inneren Oberfläche
partiell zu oxidieren.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als Korrosionsmedium Sauerstoff eingesetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass Luft als Sauerstofflieferant verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass Wasserdampf als Sauerstofflieferant verwendet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass als Korrosionsmedium Wasserstoff eingesetzt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Keramik vor dem Starten der chemischen Reaktion zerkleinert, insbesondere gemahlen,
wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Keramik in einem Behälter befindet, wobei das mindestens eine Korrosionsmedium
bei geeigneter Prozesstemperatur kontrolliert zugeführt und das Reaktionsgas abgezogen
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Korrosionsmedium von der Oberfläche der Keramik, einschließlich
der Porenoberflächen, adsorbiert wird und anschließend die Keramik auf Prozesstemperatur
gebracht wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Keramik unter Vakuum oder in einer Inertgasatmosphäre auf Prozesstemperatur gebracht
wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass in einem weiteren Schritt der Behälter evakuiert oder die Keramik mit Inertgas gespült
wird, um die Reaktionsgase abzuziehen, und anschließend der Prozess, beginnend mit
dem Adsorbieren des mindestens einen Korrosionsmediums auf der Oberfläche, mindestens
ein weiteres Mal durchgeführt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Adsorbieren des mindestens einen Korrosionsmediums eine dosierte Korrosion
mittels kontrollierter Zugabe des mindestens einen Korrosionsmediums derart bei Prozesstemperatur
durchgeführt wird, dass zumindest ein Teil geschlossener Poren geöffnet wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass nach letztmaligem Abziehen der Reaktionsgase die verbliebene Restkeramik wiederverwertet
wird, zum Beispiel als Nukleargraphit.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass das in den aufgefangenen Reaktionsgasen enthaltene Radiokarbon angereichert wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass als Reaktionsgas bevorzugt Kohlenmonoxid oder CH4 erzeugt wird.
1. Method for the treatment of a carbon-containing ceramic contaminated with radiocarbon
in which at least a part of the radiocarbon is removed from the ceramic and the removed
part is collected, wherein
a. the method is used for the at least partial concentration-reducing removal of radiocarbon
from a carbon content of the ceramic, wherein
b. the quantity of the at least one corrosion medium, the process temperature and/or
the duration of the process are chosen such that the chemical reaction substantially
only takes place on the outer and inner surface of the ceramic, including pore surfaces,
c. within a process temperature range, at least one volatile reaction gas is formed
by means of chemical reaction of at least one corrosion medium at least with the radiocarbon,
d. the at least one reaction gas is collected and passed on for separate treatment,
characterised in that
e. such a low process temperature is chosen that the corrosion medium can penetrate
deep into an existing pore system in order to partially oxidise the crystals on the
inner surface.
2. Method according to claim 1, characterised in that oxygen is used as corrosion medium.
3. Method according to claim 2, characterised in that air is used as oxygen supplier.
4. Method according to claim 2, characterised in that water vapour is used as oxygen supplier.
5. Method according to one of the claims 1 to 4, characterised in that hydrogen is used as corrosion medium.
6. Method according to one of the claims 1 to 5, characterised in that the ceramic is crushed, in particular ground, before starting the chemical reaction.
7. Method according to one of the claims 1 to 6, characterised in that the ceramic is contained in a vessel, wherein the at least one corrosion medium is
added in a controlled manner at a suitable process temperature and the reaction gas
drawn off.
8. Method according to one of the claims 1 to 6, characterised in that the at least one corrosion medium is adsorbed by the surface of the ceramic, including
the pore surfaces, and the ceramic is then brought to process temperature.
9. Method according to claim 8, characterised in that the ceramic is then brought to process temperature under a vacuum or in an inert
gas atmosphere.
10. Method according to claim 9, characterised in that, in a further step, the vessel is evacuated or the ceramic is flushed with inert
gas in order to draw off the reaction gases and the process is then carried out at
least one further time, beginning with the adsorption of the at least one corrosion
medium on the surface.
11. Method according to claim 9 or 10, characterised in that, before the absorption of the at least one corrosion medium, a regulated corrosion
is carried out at process temperature by means of the controlled addition of the at
least one corrosion medium such that at least some closed pores are opened.
12. Method according to one of the claims 1 to 11, characterised in that, after the reaction gases are drawn off for the last time, the remaining residual
ceramic is recycled, for example as nuclear graphite.
13. Method according to one of the claims 1 to 12, characterised in that the radiocarbon contained in the collected reaction gases is enriched.
14. Method according to claim 13, characterised in that carbon monoxide or CH4 is preferably generated as reaction gas.
1. Procédé pour traiter une céramique contenant du carbone contaminée par du radiocarbone,
pour lequel au moins une partie du radiocarbone est extraite de la céramique et la
partie extraite est recueillie,
a) le procédé étant utilisé pour au moins partiellement réduire la concentration de
l'extraction de radiocarbone d'une proportion de carbone de la céramique,
b) le volume d'au moins un milieu corrosif, la température de procédé et/ou la durée
du procédé étant choisis de telle manière que la réaction chimique se produit pour
l'essentiel uniquement au niveau de la surface externe et/ou interne de la céramique,
y compris de la surface des pores,
c) au moins un gaz de réaction volatil étant formé dans une zone de température du
procédé au moyen d'une réaction chimique d'au moins un milieu corrosif avec au moins
le radiocarbone,
d) au moins un gaz de réaction étant recueilli et étant amené vers un traitement séparé,
caractérisé en ce que
e) une température de procédé faible est choisie pour que le milieu corrosif puisse
pénétrer largement dans un système de pores existant, afin de pouvoir oxyder partiellement
les cristaux présents au niveau de la surface interne.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'oxygène est utilisé en tant que milieu corrosif.
3. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que l'air est employé en tant que fournisseur d'oxygène.
4. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que de la vapeur d'eau est employée en tant que fournisseur d'oxygène.
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que l'hydrogène est utilisé en tant que milieu corrosif.
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que la céramique est broyée, en particulier concassée, avant de lancer la réaction chimique.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que la céramique se trouve dans un contenant, l'au moins un milieu corrosif étant alimenté
de manière contrôlée à une température de procédé appropriée et le gaz de réaction
étant ôté.
8. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que l'au moins un milieu corrosif est absorbé par la surface de la céramique, y compris
par la surface des pores, puis la céramique est amenée à la température de procédé.
9. Procédé selon la revendication 8, caractérisé en ce que la céramique sous vide ou dans une atmosphère de gaz inerte est amenée à la température
de procédé.
10. Procédé selon la revendication 9, caractérisé en ce que, lors d'une étape ultérieure, le récipient est évacué ou la céramique est rincée
avec gaz inerte afin de retirer les gaz de réaction, puis le procédé est réalisé au
moins une nouvelle fois, en commençant par l'absorption de l'au moins un milieu corrosif
sur la surface.
11. Procédé selon la revendication 9 ou 10, caractérisé en ce qu'avant l'absorption d'au moins un milieu corrosif, une corrosion dosée au moyen d'un
ajout contrôlé d'au moins un milieu corrosif est réalisée à la température de procédé,
de telle manière qu'au moins une partie des pores fermés est ouverte.
12. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 11, caractérisé en ce que la céramique résiduelle restante est recyclée après le dernier retrait du gaz de
réaction, par exemple en tant que graphite nucléaire.
13. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 12, caractérisé en ce que le radiocarbone contenu dans les gaz de réaction recueillis est enrichi.
14. Procédé selon la revendication 13, caractérisé en ce que le monoxyde de carbone ou le CH4 de préférence est produit en tant que gaz de la réaction.