[0001] Die Erfindung betrifft Verfahren zur Durchführung eines fliegenden Rollenwechsels
gemäß den Merkmalen des Anspruchs 1.
[0002] Solche Rollenwechsler finden an Druckmaschinen Verwendung und dienen der Zuführung
der als Druckstoff eingesetzten Materialbahn. In der Regel werden dabei Papierbahnen
verwendet. Die Materialbahn ist dabei auf eine Materialrolle aufgespult und läuft
von dieser Materialrolle ab.
[0003] Damit bei Erschöpfung einer Materialrolle nicht die gesamte Druckmaschine angehalten
werden muss, ist es bekannt, einen sogenannten fliegenden Rollenwechsel durchzuführen.
Dazu wird im Rollenwechsler eine neue Materialrolle aufgespannt, an der beispielsweise
entsprechende Klebestellen zur Verbindung mit der ablaufenden Materialrolle vorbereitet
sind. Beim fliegenden Rollenwechsel wird dann die neue Materialrolle auf eine Umfangsgeschwindigkeit
beschleunigt, die der Bahngeschwindigkeit der eingezogenen Materialbahn entspricht.
Beim eigentlichen Bahnwechsel wird der Bahnanfang der neuen Materialrolle mit der
ablaufenden Materialbahn verbunden und im Wesentlichen zeitgleich die ablaufende Materialbahn
durchtrennt. Der Bahnanfang der neuen Materialbahn wird auf diese Weise von der alten
Materialbahn in die Druckmaschine eingezogen und ein Maschinenstillstand wird vermieden.
[0004] Abhängig von der Restdicke der ablaufenden Materialrolle und der Geometrieparameter
der ablaufenden Materialrolle, insbesondere deren Breite und dem Hülsendurchmesser,
weist die ablaufende Materialrolle eine sich ständig ändernde eigenkritische Resonanzdrehzahl
auf.
[0005] Insbesondere bei relativ großen Bahnbreiten, beispielsweise Bahnbreiten > 3.600 mm,
und sehr hohen Bahnabzugsgeschwindigkeiten, beispielsweise Bahnabzugsgeschwindigkeiten
von 15 m/s, kann es bei Unterschreiten einer bestimmten Restdicke zu kritischen Schwingungszuständen
an der ablaufenden Materialrolle aufgrund von Schwingungserregungen im Bereich der
eigenkritischen Resonanzdrehzahl kommen. Zur Vermeidung dieser kritischen Schwingungszustände
ist es deshalb häufig notwendig, dass die Bahngeschwindigkeit bei Unterschreitung
einer bestimmten Restdicke der Materialrolle heruntergefahren werden muss. Bei derartigen
Anwendungsfällen führt dies dazu, dass entweder die Materialrolle nicht vollständig
aufgebraucht werden kann, um kritische Schwingungszustände zu vermeiden oder die Bahnabzugsgeschwindigkeit
während des Rollenwechsels vermindert werden muss. Durch beide Maßnahmen werden die
Druckkosten in unerwünschter Weise erhöht.
[0006] Die
FR 2 076 474 zeigt eine einzige Aufnahme für Materialrollen, wobei zwei Spannbackenreihen hintereinander
angeordnet sind.
[0007] Die
DE 36 27 533 A1 beschreibt einen Rollenträger, bei dem an einer abgearbeitete Rolle eine Stützeinrichtung
angestellt ist.
[0008] Die
DE 100 56 274 A1 offenbart einen Spanndorn mit zwei hintereinander angeordneten Spannbeckenreihen,
wobei der Durchmesser der einen Reihe von 150 bis 160 mm und der Durchmesser der anderen
Reihe von 70 bis 80 mm veränderbar ist.
[0011] Die
US 3 516 617 A und die
US 4 173 314 A beschreiben Verfahren beim fliegenden Rollenwechsel, bei denen der Rollenwechsel
bei einer für einen Hülsendurchmesser festgelegten Restrollengröße durchgeführt wird.
[0012] Aus dem Artikel "Hartpapierhülsen in Papierrollen im Tiefdruck" Herausgeber: Bundesverband
Druck e.V., Biebricher Allee 79, 6200-Wiesbaden 1, Artikel-Nr. 86616, Autoren: Dr.-Ing.
Manfred König und Dipl. Ing. Dirk Müller, Erscheinungsjahr: 1988, ist es bekannt,
eine kritische Schwingungsfrequenz in Abhängigkeit von einer freien Schwinglänge,
Außendurchmesser und Innendurchmesser einer Hülse sowie Dichte und Elastizitätsmodul
des Hülsenmaterials zu berechnen.
[0013] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, Verfahren zur Durchführung eines fliegenden
Rollenwechsels zu schaffen:
[0014] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0015] Die Erfindung beruht auf dem Grundgedanken, die freie Schwingungslänge der ablaufenden
Materialrolle zu reduzieren, um dadurch die eigenkritische Resonanzdrehzahl der ablaufenden
Materialrolle in gewünschter Weise zu beeinflussen.
[0016] Bei Einsatz des Rollenwechslers geschieht die Verminderung der freien Schwingungslänge
zwischen den Einspannpunkten der ablaufenden Materialrolle am Rollenwechsler dadurch,
dass eine Stützeinrichtung vorgesehen ist, die an der Umfangsfläche der ablaufenden
Materialrolle zur Anlage kommt. Durch diese zusätzliche Abstützung der Materialrolle
zwischen den Einspannpunkten kann die freie Schwingungslänge erheblich reduziert werden.
Wird die Stützeinrichtung beispielsweise genau in der Mitte zwischen den Einspannpunkten
an der Umfangsfläche der ablaufenden Materialrolle zur Anlage gebracht, so wird auf
diese Weise die freie Schwingungslänge halbiert und die eigenkritische Resonanzdrehzähl
entsprechend nach oben verschoben.
[0017] Die Stützeinrichtung ist dabei derart angeordnet, dass sie bei Anordnung der ablaufenden
Materialrolle in der zum fliegenden Rollenwechsel vorgesehenen Position an der Umfangsfläche
der ablaufenden Materialrolle zur Anlage kommen kann. Denn die kritischen Schwingungszustände
der ablaufenden Materialrolle treten insbesondere kurz vor der Erschöpfung der Materialrolle
bei relativ geringer Restdicke auf, so dass insbesondere in der Phase, die dem Rollenwechsel
unmittelbar vorhergeht, eine Abstützung der ablaufenden Rolle notwendig ist.
[0018] In welcher Art die Stützeinrichtung konstruktiv ausgebildet ist, ist grundsätzlich
beliebig, solang eine ausreichende Abstützung der ablaufenden Materialrolle zur Reduzierung
der freien Schwingungslänge gewährleistet wird. Nach einer bevorzugten Ausführungsform
weist die Stützeinrichtung zumindest einen umlaufend gelagerten Stützgurt auf, der
an die Umfangsfläche der ablaufenden Materialrolle angedrückt werden kann. Dieser
Stützgurt kann beispielweise auf Rollen gelagert werden, und läuft mit einer Geschwindigkeit
um, die der Umfangsgeschwindigkeit der ablaufenden Materialrolle entspricht.
[0019] Je nach Anwendungsfall kann es sinnvoll sein, die freie Schwingungslänge stark zu
reduzieren. Dies kann dadurch erreicht werden, dass mehrere Stützeinrichtungen vorgesehen
sind, die zueinander beabstandet nebeneinander an der Umfangsfläche der ablaufenden
Materialrolle zur Anlage kommen. Die freie Schwingungslänge entspricht dabei nur noch
dem jeweiligen Abstand zwischen zwei benachbarten Stützeinrichtungen bzw. dem Abstand
der ersten Stützeinrichtung bzw. letzten Stützeinrichtung zu den Einspannpunkten der
ablaufenden Materialrolle. Im Ergebnis lässt sich somit die freie Schwingungslänge
der ablaufenden Materialrolle in beliebiger Weise beeinflussen.
[0020] Besonders einfach lässt sich die Stützeinrichtung realisieren, wenn diese keine eigene
Antriebseinrichtung aufweist. In diesem Fall kann die Stützeinrichtung durch Übertragung
von Reibkräften von der ablaufenden Materialrolle selbst angetrieben werden. Soweit
Reibkräfte zum Antrieb der Stützeinrichtung eingesetzt werden, sollte die Stützeinrichtung
im Bereich der Kontaktfläche mit der Materialrolle vorzugsweise aus einem verschleißfesten
Material mit relativ hohem Reibkoeffizienten hergestellt sein.
[0021] Alternativ dazu ist es auch denkbar, dass an der Stützeinrichtung eine Antriebseinrichtung
vorgesehen ist, mit der die Stützeinrichtung angetrieben wird. Beispielsweise kann
dazu ein Elektromotor vorgesehen sein, mit dem eine der Lagerrollen zur Lagerung des
Stützgurtes angetrieben wird. Durch entsprechende Ansteuerung der Antriebseinrichtung
ist es möglich, dass diese bereits vor Inkontaktbringung mit der Materialrolle auf
eine Geschwindigkeit beschleunigt wird, die mit der Umfangsgeschwindigkeit der ablaufenden
Materialrolle synchronisiert ist. In diesem Fall kann es vermieden werden, dass es
zu einem unerwünschten Schlupf zwischen Stützeinrichtung und Umfangsfläche der ablaufenden
Materialrolle bzw. zu Bahnrissen bei der Gurtanstellung an die Materialrolle kommt.
[0022] Vielfach ist der Einsatz der Stützeinrichtung nur in bestimmten Phasen des Betriebs
des Rollenwechslers, insbesondere in der Phase unmittelbar vor dem fliegenden Rollenwechsel,
erwünscht. Aus diesem Grund ist es besonders vorteilhaft, wenn die Stützeinrichtung
zwischen zumindest zwei Funktionsstellungen bewegbar gelagert ist. Die erste Funktionsstellung
entspricht dabei der eigentlichen Einsatzstellung, in der die Stützeinrichtung an
der Umfangsfläche der ablaufenden Materialrolle zur Anlage kommt und die Materialrolle
entsprechend abstützt. Die zweite Funktionsstellung entspricht einer Ruhestellung,
in der die Stützeinrichtung nicht mit der ablaufenden Materialrolle im Eingriff steht.
[0023] In welcher Weise die Stützeinrichtung relativ zum Rollenwechsler befestigt ist, ist
grundsätzlich beliebig. Nach einer ersten Ausführungsform wird die Stützeinrichtung
am Rollenständer des Rollenwechslers befestigt. Dies hat den Vorteil, dass die Stützeinrichtung
beim Verschwenken des Rollenständers mitbewegt wird und somit keine Relativbewegung
zwischen Stützeinrichtung und der entsprechend zugeordneten Materialrolle beim Verschwenken
des Rollenständers auftritt. Insbesondere ist es bei dieser Ausführungsform möglich,
dass die Stützeinrichtung auch schon vor der Anordnung der ablaufenden Materialrolle
in der zum fliegenden Rollenwechsel vorgesehenen Position an der ablaufenden Materialrolle
zur Anlage gebracht wird, so dass die ablaufende Materialrolle auch während des Verschwenkens
des Rollenständers von der Stützeinrichtung abgestützt wird, vorzugsweise noch bevor
die Materialrolle vom Stillstand beschleunigt wird. Die Anstellung erfolgt gleichzeitig
mit dem Stützgurt.
[0024] Zur Realisierung dieser Ausführungsform kann die Stützeinrichtung zwischen zwei Tragarmen
des Rollenständers befestigt werden, wobei die Tragarme auch die entsprechend zugeordnete
Materialrolle tragen.
[0025] Alternativ zu dieser ersten Ausführungsform kann die Stützeinrichtung auch unterhalb
der zum fliegenden Rollenwechsel vorgesehenen Position der ablaufenden Materialrolle
an einem Fundament befestigt sein, so dass die Stützeinrichtung im Ergebnis kein integraler
Bestandteil des Rollenwechslers ist. Diese Ausführungsform ist insbesondere dann von
Vorteil, wenn die Stützeinrichtung im Fundament versenkt werden kann, so dass die
Stützeinrichtung in ihrer Ruhestellung, in der die Stützeinrichtung im Fundament versenkt
ist, keinerlei Behinderung darstellt.
[0026] Um den Abstützprozess der ablaufenden Materialrolle durch Einsatz der Stützeinrichtung
gegebenenfalls steuern bzw. regeln zu können, kann an der Stützeinrichtung zumindest
ein Sensor zur Messung eines Stützparameters, beispielsweise der aktuell aufgebrachten
Abstützkraft oder der Riemenspannung des Stützgurtes, vorgesehen sein. Die jeweils
vorgesehene Steuereinrichtung bzw. der entsprechend eingesetzte Regelkreis kann die
Messergebnisse verarbeiten und die Stützeinrichtung auf einen vorgegebenen Sollwert
steuern bzw. regeln.
[0027] Besonders große Vorteile bietet der Einsatz der Stützeinrichtung bei Rollenwechslern,
in denen Materialrollen mit einer Breite von größer oder gleich 3.600 mm verarbeitet
werden. Insbesondere beim Rollentiefdruck mit Tiefdruckrotationsdruckmaschinen kommen
derartig breite Bedruckstoffbahnen zum Einsatz, wobei die hohen Druckgeschwindigkeiten
beim Tiefdruck zu den angesprochenen Problemen mit eigenkritischen Resonanzdrehzahlen
führen.
[0028] Nach dem Verfahren zum Betrieb des neuen Rollenwechslers wird die Stützeinrichtung
bereits vor Anordnung der ablaufenden Materialrolle in der zum fliegenden Rollenwechsel
geeigneten Position an der ablaufenden Materialrolle zur Anlage gebracht. Während
des Verschwenkens des Rollenständers zur Anordnung der ablaufenden Materialrolle in
der zum fliegenden Rollenwechsel geeigneten Position bleibt die Stützeinrichtung mit
der ablaufenden Materialrolle im Eingriff und sorgt dafür, dass die ablaufende Materialrolle
auch während des Schwenkvorganges abgestützt wird. Sobald der Rollenständer die Endposition
erreicht hat, in der die ablaufende Materialrolle die zum fliegenden Rollenwechsel
geeignete Position einnimmt, bleibt die Stützeinrichtung so lange mit der ablaufenden
Materialrolle in Eingriff, bis der fliegende Rollenwechsel beendet ist und die alte
Materialrolle entsprechend abgebremst werden kann.
[0029] Alternativ zur Verringerung der freien Schwingungslänge oder vorzugsweise in Verbindung
kann eine Stützeinrichtung vorgesehen sein. Die Vermeidung von eigenkritischen Resonanzdrehzahlen
kann auch dadurch verbessert werden, dass die freie Schwingungslänge der ablaufenden
Materialbahn durch den Einsatz längerer Spanndorne verringert wird.
[0030] Damit die längeren Spanndorne in der Kontaktfläche zum Innenumfang der Hülse der
ablaufenden Materialrolle eine ausreichende Spannkraft aufbringen, wird vorgeschlagen,
dass parallel zur Längsachse des Tragzapfens zumindest zwei Spannbacken hintereinander
am Spanndorn angeordnet sind. Durch diese Erhöhung der Anzahl der Spannbacken kann
eine höhere Einspannkraft aufgebracht werden, so dass neben der Verringerung der Einspannlänge
auch die Qualität der Einspannung durch Erhöhung der Einspannsteifigkeit (Erhöhung
des Einspannfaktors; Chuck Faktor) erreicht wird.
[0031] Papierbreiten von größer 4.000 mm, insbesondere von 4.300 mm und Hülsen / Pinolen
mit einem Durchmesser von 150 mm lassen ohne eine mittige Abstützung keinen sicheren
Rollenwechsel bei Materialbahngeschwindigkeiten größer als 15 m/s mit zur Zeit in
der Industrie üblichen Hülsen zu. Hier können ohne Abstützung mit langen Pinolen Materialbahngeschwindigkeiten
von max. 12 m/s erreicht werden.
[0032] Vorzugsweise werden dabei mehrere Spannbacken zueinander benachbart jeweils in einer
Spannbackenreihe, insbesondere gleichmäßig zueinander beabstandet, über den Umfang
des Tragzapfens verteilt. Nach einer bevorzugten Ausführungsform sind dabei am Spanndorn
zwei in axialer Richtung angeordnete Spannbackenreihen mit jeweils acht Spannbacken
in Umfangsrichtung angeordnet, was zu einer hochfesten Einspannung der Materialrolle
am Spanndorn führt.
[0033] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt und werden
im Folgenden näher beschrieben.
[0034] Es zeigen:
- Fig. 1
- ein erstes Ausführungsbeispiel eines Rollenwechslers mit Stützeinrichtung in seitlicher
Ansicht;
- Fig. 2
- ein zweites Ausführungsbeispiel eines Rollenwechslers mit Stützeinrichtung in seitlicher
Ansicht;
- Fig. 3
- einen Spanndorn in perspektivischer Ansicht;
- Fig. 4
- ein Tragzapfen im Querschnitt;
- Fig. 5
- einen Querschnitt durch eine Materialrolle mit Aufnahmen;
- Fig. 6
- eine schematische Ansicht eines Scherenhubtisches mit einer neuen Materialrolle;
- Fig. 7
- eine schematische Ansicht eines Scherenhubtisches mit einer Stützeinrichtung an einer
ablaufenden Materialrolle;
- Fig. 8
- eine schematische Ansicht des Rollenwechslers.
[0035] In Fig. 1 ist ein erstes Ausführungsbeispiel eines Rollenwechslers 01 zur Zuführung
einer Materialbahn 02, insbesondere einer Papierbahn, in einer nicht dargestellten
Druckmaschine schematisch dargestellt. Am Rollenwechsler 01 ist ein um eine Schwenkachse
03 schwenkbarer Rollenständer 04 vorgesehen, der von zwei in der Bildebene hintereinander
liegenden Tragarmen gebildet wird. An den freien Enden des Rollenständers 04 sind
jeweils einander gegenüberliegend Aufnahmen 05, beispielsweise Spanndorne 05 befestigt,
zwischen denen Materialrollen 06; 07 am Rollenwechsler 01 aufgespannt werden können.
[0036] Am Rollenwechsler 01 sind im dargestellten Prozesszustand eine ablaufende Materialrolle
06 und eine neue, für den fliegenden Rollenwechsel vorbereitete, Materialrolle 07
aufgespannt. Der Rollenständer 04 wurde zuvor in die in Fig. 1 dargestellte Position
verschwenkt, so dass die ablaufende Materialrolle 06 die für den fliegenden Rollenwechsel
erforderliche Position einnimmt. Zur Abstützung der neuen Materialrolle 07 und zur
Übertragung der Antriebskräfte (Beschleunigung + Bremsstop) in der Ladeposition wird
ein Stützgurt 08 von unten gegen den Umfang der neuen Materialrolle 07 gedrückt.
[0037] Sobald der Rollenständer 04 in Vorbereitung eines fliegenden Rollenwechsels die in
Fig. 1 dargestellte Position angefahren hat, wird eine am Fundament 09 unterhalb der
ablaufenden Materialrolle 06 befestigte Stützeinrichtung 11 nach oben ausgefahren,
bis ein auf Rollen 13 gelagerter Stützgurt 12 am Umfang der ablaufenden Materialrolle
06 zur Anlage kommt. Zum Ausfahren der Stützeinrichtung 11 sind pneumatische Stellzylinder
14 vorgesehen. Der Stützgurt 12 wird durch einen nicht dargestellten frequenzgeregelten
Drehstrommotor auf Papierbahngeschwindigkeit synchronisiert. Damit werden Bahnrisse
beim Anstellen vermieden.
[0038] Aufgrund des Andruckes des Stützgurtes 12 am Umfang der ablaufenden Materialrolle
06 wird die freie Schwingungslänge der Materialrolle 06 zwischen den Aufnahmen 05
verkürzt, so dass die eigenkritische Resonanzdrehzahl der Materialrolle 06 in einen
unkritischen Drehzahlbereich verschoben wird.
[0039] In Fig. 2 ist ein zweites Ausführungsbeispiel eines Rollenwechslers 16 dargestellt.
Am Rollenwechsler 16 ist wiederum die Materialbahn 02, die Schwenkachse 03, der Rollenständer
04, die Aufnahmen 05, die ablaufende Materialrolle 06, die neue Materialrolle 07 und
ein Stützgurt 08 zur Abstützung und zur Übertragung der Antriebskräfte der neuen Materialrolle
07 vorgesehen.
[0040] Im Unterschied zum Rollenwechsler 01 sind am Rollenwechsler 16 zwei Stützeinrichtungen
17 und 18 vorgesehen, die jeweils der linken bzw. rechten Einspannstelle am Rollenständer
04 zugeordnet sind. Wie anhand der Stützeinrichtung 17 strichliniert angedeutet, können
die Stützeinrichtungen 17 und 18 in Linearführungen 19 verstellt und auf diese Weise
an den sich ändernden Durchmessern der Materialrollen 06; 07 angepasst und nachgeführt
werden.
[0041] An den Stützeinrichtungen 17 und 18 sind jeweils Stützgurte 22 vorgesehen, die am
Umfang der abzustützenden Materialrolle 06; 07 zur Anlage gebracht werden können.
Zum An- und Abstellen der Stützgurte 22 sind pneumatische Stellzylinder 21 vorgesehen,
durch deren Ein- und Ausfahren die Lagerkonstruktion der Stützgurte 22 verschwenkt
werden kann.
[0042] Vor einem fliegenden Rollenwechsel mit dem Rollenwechsler 16 wird wie folgt vorgegangen.
Zunächst befindet sich die ablaufende Materialrolle 06 noch in der sogenannten Ablaufposition
auf der rechten Seite der Schwenkachse 03 (nicht dargestellt). In dieser Position
wird die ablaufende Materialrolle 06 bei fortschreitendem Druckprozess so lange abgespult,
bis ein bestimmter Rollendurchmesser, d. h. eine bestimmte Restdicke der Materialrolle
06 unterschritten ist. Nach Unterschreiten dieser vorgegebenen Restdicke wird der
Stellzylinder 21 ausgefahren und dadurch der Stützgurt 22 am Umfang der Materialrolle
06 zur Anlage gebracht. Auf diese Weise wird die eigenkritische Resonanzdrehzahl der
Materialrolle 06 in einen unkritischen Drehzahlbereich verschoben, so dass die Materialbahn
02 mit unveränderter Geschwindigkeit abgezogen werden kann.
[0043] Sobald die Materialrolle 06 auf eine Restdicke abgespult ist, die einen Rollenwechsel
unvermeidlich macht, wird die Materialrolle 06 durch Verschwenken des Rollenständers
04 in die Position links der Schwenkachse 03 verschwenkt, wie dies in Fig. 2 dargestellt
ist. Auch während der Schwenkbewegung liegt der Stützgurt 22 am Umfang der Materialrolle
06 an und stützt diese auf diese Weise ab.
[0044] Nachdem die Materialrolle 06 die in Fig. 2 dargestellte Klebeposition bzw. Ladeposition
links der Schwenkachse 03 erreicht hat und die zum Rollenwechsel vorbereitete neue
Materialrolle 07 im Rollenwechsler 16 aufgespannt ist, kann in bekannter Weise der
fliegende Rollenwechsel zwischen der Materialrolle 06 und der Materialrolle 07 durchgeführt
werden. Eine Reduktion der Abzugsgeschwindigkeit der Materialbahn 02 ist dabei nicht
erforderlich, da die kritische Resonanzdrehzahl der Materialrolle 06 durch Einsatz
der Stützeinrichtung 17 in einen unkritischen Bereich verschoben ist.
[0045] Da die Stützeinrichtung 17; 18 bereits bei der neuen, noch im Stillstand befindlichen
Materialrolle 07 angestellt werden kann und so bei der Beschleunigung anliegt, kann
sie ohne Antriebsmotor ausgeführt sein.
[0046] Fig. 3 zeigt eine Aufnahme 05, die beispielsweise als Spanndorn 05 an den Rollenwechslern
01 bzw. 16 zum Einsatz kommt. Am Spanndorn 05 ist ein Tragzapfen 24 vorgesehen, dessen
Außenumfang am Innenumfang einer Materialrolle 06; 07, insbesondere am Innenumfang
einer Hülse 10, z. B. eine Papphülse 10, zur Anlage kommt. Zur drehfesten Verbindung
der Materialrolle 06; 07 mit den Spanndornen 05 durch Kraft- und Formschluss sind
an den Tragzapfen 24 eine Vielzahl von Spannbacken 26, insbesondere jedoch mindestens
vier Spannbacken 26 in axialer Richtung der Tragzapfen 24 vorgesehen. Da die Tragzapfen
24 eine große Einstecktiefe aufweisen, mit der die freie Schwingungslänge zwischen
den Einspannpunkten verringert werden kann, sind mindestens jeweils zwei Spannbacken
26 in Richtung der Längsachse des Tragzapfens 24, d. h. in axialer Richtung der Tragzapfen
24, hintereinander angeordnet, die miteinander fluchten. Mehrere zueinander benachbarte
Spannbacken 26 sind über den Umfang des Tragzapfens 24, insbesondere gleichmäßig beabstandet,
verteilt. Die nebeneinander angeordneten Spannbacken 26 bilden dabei ringförmige Spannbackenreihen
27 bzw. 28 mit jeweils acht Spannbacken 26. Der Tragzapfen 24 des Spanndorns 05 weist
einen Außendurchmesser D24 von ungefähr 150 mm auf.
[0047] In der Fig. 4 ist ein Tragzapfen 24 im Querschnitt dargestellt. Eine Länge 124 des
Tragzapfens 24 beträgt in axialer Richtung des Tragzapfens 24 mindestens 250 mm. Vorteilhaft
sind auch Längen 124 der Tragzapfen 24 von mindestens 300 mm, insbesondere von mindestens
330 mm. Eine Länge 126 der Spannbacken 26 beträgt in axialer Richtung der Tragzapfen
24 mindestens 80 mm, insbesondere mindestens 95 mm. Eine Summe der Längen 126 der
Spannbacken 26 beträgt in axialer Richtung der Tragzapfen 24 mindestens 300 mm, insbesondere
340 mm. In einer weiteren Ausführung beträgt die Summe der Längen 126 der Spannbacken
26 380 mm. Ein Durchmesser D24 des Tragzapfens 24 ist größer als 140 mm, insbesondere
beträgt er zwischen 145 mm und 155 mm. Besonders vorteilhaft ist ein Durchmesser D24
zwischen 148 mm und 152 mm.
[0048] Fig. 5 zeigt eine in den beiden Aufnahmen 05 liegende Materialrolle 06; 07 mit einer
Hülse 10, wie sie bevorzugterweise in dem beschriebenen Rollenwechsler Verwendung
findet.
[0049] Dabei beträgt eine Länge 110 der Hülse 10 der Materialrolle 06; 07, die auf den Spannbacken
26 des Tragzapfens 24 aufliegt, mehr als 4000 mm, insbesondere mehr als 4200 mm. Eine
Wandstärke b10 der Hülse 10 beträgt mehr als 10 mm, insbesondere ist sie größer als
15 mm. Vorteilhaft ist insbesondere eine Hülsenwandstärke b10 größer 17 mm, insbesondere
größer 20 mm. Ein Innendurchmesser d10 der Hülse 10 beträgt 150,2 + 0,2 mm.
[0050] Alternativ oder in Unterstützung zu den Maßnahmen zur Reduzierung der freien Einspannlänge
der Materialrolle kann auch zum Durchführen des fliegenden Rollenwechsels eine Festlegung
der Bahngeschwindigkeit und/oder des Restrollendurchmessers während des fliegenden
Rollenwechsels erfolgen.
[0051] Wie bereits beschrieben, wird beim fliegenden Rollenwechsel eine erste Materialbahn
einer zu wechselnden Materialrolle 06; 02, die mit einer ersten Bahngeschwindigkeit
läuft, mit einer zweiten Materialbahn 29 einer neuen Materialrolle 07, die mit einer
zweiten Bahngeschwindigkeit läuft, verbunden. Vor dem Verbinden der ersten Materialbahn
02 mit der zweiten Materialbahn 29 kann die erste Bahngeschwindigkeit auf eine zweite
Bahngeschwindigkeit reduziert werden, so dass während des Verbindens die erste Materialbahn
02 die zweite Bahngeschwindigkeit aufweist.
[0052] Es ist möglich, vor dem Verbinden der Materialbahnen 02; 29 einen Minimaldurchmesser
der Restrolle 06 in Abhängigkeit von einer Breite b02 der Materialbahn 02; 29 festzulegen,
der bestimmt, wann die beiden Materialbahnen 02; 29 spätestens miteinander verbunden
werden.
[0053] In einer anderen Ausführungsform wird die zweite, während des Verbindens vorgegebene
Bahngeschwindigkeit oder der Minimaldurchmesser der Restrolle 06 in Abhängigkeit von
Materialeigenschaften der Hülse 10 einer Materialrolle 06; 07 festgelegt.
[0054] Geometrische Abmessungen, die die Hülse 10 der Materialrolle 06; 07 betreffen, z.
B. Größe des Innendurchmessers d10 der Hülse 10 oder die Wandstärke b10 der Hülse
10 oder das Elastizitätsmodul bestimmen in anderen Ausführungsformen die reduzierte
Bahngeschwindigkeit oder den Minimaldurchmesser der Restrolle 06 der ersten Materialrolle
02 während des Verbindens.
[0055] Die zweite, während des Verbindens vorgegebene Bahngeschwindigkeit oder den Minimaldurchmesser
der Restrolle 06 wird in einer weiteren Ausführung durch die geometrische Abmessung
der Aufnahme 10, insbesondere des Tragzapfens 24, festgelegt. Auch kann die reduzierte
Bahngeschwindigkeit in Abhängigkeit der Länge 126 der Spannbacken 26 des Tragzapfens
26 festgelegt werden.
[0056] Die Reduzierung der Bahngeschwindigkeit und/oder die Festlegung des Minimaldurchmessers
der Restrolle 06 wird zusammen mit dem Verbindungsvorgang durch ein Programm gesteuert.
[0057] Die Bestückung des Rollenträgers 04 mit der Materialrolle 06 erfolgt mit Hilfe eines
Schiebewagens 31, z. B. einem Scherenhubtisch 31, wie in den Figuren 6 und 7 dargestellt
ist. An dem Schiebewagen 31 sind Räder 33 angebracht, durch die eine horizontale Bewegung
des Schiebewagens 31 möglich ist. Eine Bewegung in der Höhe ist ebenfalls möglich.
Auf dem Schiebewagen 31 ist eine Stützeinrichtung 11 mit einem Stützgurt 12, der schwenkbar
an dem Scherenhubtisch 31 befestigt ist, angeordnet. Bei dieser Stützeinrichtung 11
handelt es sich im Wesentlichen um die gleiche, bereits zuvor beschriebene Stützeinrichtung
11. Die Stützeinrichtung 11 ist motorgetrieben, z. B. durch einen AC-Motor, der den
Stützgurt 12; 22 der Stützeinrichtung 11 auf Bahngeschwindigkeit beschleunigt und
dann per Hydraulik an die abgelaufene Materialrolle 07 anlegt. Das Abbremsen der Materialrolle
07 wird ebenfalls von diesem Motor unterstützt, da der Motor der Stützeinrichtung
11 zusammen mit dem Achsmotor des Rollenständers 04 die gleiche Drehmomentkurve entlang
abbremst, bis die Restrolle 07 zum Stillstand kommt.
[0058] Die Materialrolle 06 wird mit einem kettengezogenen Förderwagen 32 zum Rollenwechsler
01 transportiert. Dort fährt der Förderwagen 32 mit der darauf gelagerten Materialrolle
06 ebenerdig in den Schiebewagen 31 ein. An dem Förderwagen 32 sind Räder 34 angebracht,
mit denen eine Bewegung des Förderwagens innerhalb des Scherenhubtisches 31 ermöglicht
wird. Der Scherenhubtisch 31 fährt in eine Zentrierposition und hebt die Materialrolle
06 auf ca. 1600 mm über Boden an. Anschließend wird die zentrierte Materialrolle 06
in die Einachsposition des Rollenständers 04 gebracht. Bei Erreichen der Einachsposition
erfolgt das Signal "Pinole vor" an den Rollenständer 04. Die Aufnahmen 05 mit den
Tragzapfen 24 werden in die Materialrolle 06 gefahren. Sind die Aufnahmen 05 mit den
Tragzapfen 24 in die Materialrolle 06 eingefahren und die Spannbacken 26 gespreizt,
wird mit dem Signal "Rolle eingeachst" der Scherenhubtisch 31 gesenkt und in die Grundstellung
gefahren.
[0059] Während des Rollenwechsels, fährt die Stützeinrichtung 11 nach der Rollenarmdrehung
an die ablaufende Materialrolle 07 (Abstützposition) und stabilisiert diese mittig.
Mit dem Kommando "Messer vor" wird die ablaufende Materialbahn 29 von der Materialrolle
07 getrennt und über den Achsmotor des Rollenständers 04 gestoppt. Wie bereits zuvor
beschrieben, wird der Stopvorgang der Materialrolle 07 durch die Stützeinrichtung
11 des Scherenhubtisches 31 unterstützt. Der Stützgurt 12 schwenkt ab, der Scherenhubtisch
31 fährt in seine Ladestellung um eine neue Materialrolle 07 aufzuladen.
[0060] Währenddessen wird die Hülse 10 der Restrolle 07 mit einem Resthülsenkran, insbesondere
einem Klammerkran mit Laufkatze, entnommen und zur Entsorgung in einen Wagen befördert.
[0061] Eine schematische Ansicht des Rollenwechsler mit verschiedenen Stufen der Rollenversorgung
ist in der Fig. 8 dargestellt.
Bezugszeichenliste
[0062]
- 01
- Rollenwechsler
- 02
- Materialbahn, erste
- 03
- Schwenkachse (04)
- 04
- Rollenständer
- 05
- Aufnahme, Spanndorn
- 06
- Materialrolle, ablaufend; Restrolle
- 07
- Materialrolle, neu
- 08
- Stützgurt
- 09
- Fundament
- 10
- Hülse, Papphülse
- 11
- Stützeinrichtung
- 12
- Stützgurt
- 13
- Rolle
- 14
- Stellzylinder
- 15
- -
- 16
- Rollenwechsler
- 17
- Stützeinrichtung
- 18
- Stützeinrichtung
- 19
- Linearführung
- 20
- -
- 21
- Stellzylinder
- 22
- Stützgurt
- 23
- -
- 24
- Tragzapfen
- 25
- -
- 26
- Spannbacke
- 27
- Spannbackenreihe
- 28
- Spannbackenreihe
- 29
- Materialbahn, zweite
- 30
- -
- 31
- Schiebewagen, Scherenhubtisch
- 32
- Förderwagen
- 33
- Rad (31)
- 34
- Rad (32)
- b02
- Breite der Materialbahn
- b10
- Wandstärke der Hülse
- 110
- Länge der Hülse
- 124
- Länge des Tragzapfens
- 126
- Länge des Spannbackens
- d10
- Innendurchmesser der Hülse
- D24
- Durchmesser des Tragzapfens