[0001] Die Erfindung betrifft einen Varistor.
[0002] Zinkoxid (ZnO)-Energievaristoren sind nicht-lineare spannungsabhängige Widerstandskörper,
welche keramische Sinterkörper auf der Basis von Zinkoxid als Widerstandselement umfassen.
Bei Varistoren nimmt der elektrischer Widerstand oberhalb einer Ansprechspannung mit
steigender Spannung stark ab. Aufgrund dieses elektrischen Verhaltens werden Varistoren
zum Schutz von elektrischen Anlagen und Geräten gegenüber Überspannungen und Spannungsspitzen
verwendet. Der Varistor wird dabei parallel zur schützenden elektrischen Anlage geschaltet
und begrenzt durch seine Strom-Spannungskennlinie die maximal an der elektrischen
Anlage auftretende Spannung. Zur elektrischen Kontaktierung der Varistoren werden
auf beiden Stirnseiten der zylindrischen Hauptkörper der Varistoren Elektroden aufgebracht.
[0003] Überspannungen und Spannungsspitzen können auf einer Zeitachse grob in Blitzschlag-Überspannung
(Zeitbereich: Mikrosekunden), Schaltüberspannungen (Zeitbereich: Millisekunden) und
temporäre Überspannungen (Zeitbereich: Sekunden) unterteilt werden. Insbesondere können
Überspannungen im Mikrosekundenbereich sehr hohe Spannungsspitzen erreichen. Diese
sehr schnellen und hohen Spannungsspitzen belasten nicht nur die Zinkoxidkeramik des
Varistors sehr stark, sondern es kommt ohne geeignete Gegenmaßnahmen zu einem elektrischen
Überschlag an der Außenseite bzw. Oberfläche des Varistors.
[0004] Aus
US 5,294,909 ist ein Zinkoxid-Varistor bekannt, bei dem die Mantelfläche des keramischen Grundkörpers
mit einer Schicht hohen Widerstands versehen ist. Die kristallisierte Glaszusammensetzung
für die Benetzung des keramischen Grundkörpers weist als Hauptkomponente Bleioxid
(PbO) auf und ist mit den Komponenten ZnO, B
2O
3, SiO
2, MoO
3, WO
3, TiO
2 und NiO angereichert, um die Kristallinität und die isolierende Eigenschaft der Schicht
zu fördern. Die Zugabe größerer Mengen von PbO zur isolierenden Schicht erhöht ihren
thermischen Ausdehnungskoeffizienten, wobei die Zugabe größere Mengen von ZnO die
Kristallisation der Glaszusammensetzung der Schicht ermöglicht. Dagegen führt die
Zugabe größerer Mengen von B
2O
3 zu einer Verminderung der Kristallisation der Schicht, insbesondere wenn der Gewichtsanteil
der Schicht von B
2O
3 über 15% hinaus geht. Ferner führt die Erhöhung der SiO
2-Menge zur Verminderung der Kristallisation, wobei der thermische Ausdehnungskoeffizient
gleichzeitig erhöht wird.
[0005] Die Druckschrift
DE 101 42 314 A1 offenbart einen nichtlinearen Widerstandskörper, der mit einer äußeren Hochwiderstandsschicht
versehen ist. Die Hochwiderstandsschicht enthält ein Glasgemisch.
[0006] Ableiter bestehend aus Varistoren sind in der Anwendung Umwelteinflüssen wie Feuchte
und chemischen Schadstoffen über lange Zeiträume (Lebensdauer ≥ 30 Jahre) ausgesetzt.
Es besteht die Gefahr, dass diese Umwelteinflüsse zu einer Reduktion der ZnO-Keramik
des Varistors führen und die Strom-Spannungskennlinie verändern. Die Schutzfunktion
vor Umwelteinflüssen übernimmt dabei die Umhüllung.
[0007] Es liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, Mittel zur Erhöhung der
Überschlagsfestigkeit eines Varistors anzugeben. Eine weitere Aufgabe besteht darin,
Mittel anzugeben, mit denen die Keramik eines Varistors vor Umwelteinflüssen geschützt
werden kann.
[0008] Die Aufgabe wird gelöst durch die Merkmale des Patentanspruchs 1.
[0009] Erfindungsgemäß wird ein Varistor vorgeschlagen, welcher einen keramischen Grundkörper
aufweist, dessen Oberfläche wenigstens teilweise mit einer isolierenden Schicht versehen
ist, welche aus einem Grundglas und einem Füllstoff zusammengesetzt ist, wobei der
Füllstoff 3Al
2O
3 2SiO
2 enthält, dadurch gekennzeichnet, das die isolierende Schicht zusätzlich materialstärkende
Fasern enthält.
[0010] Mit der genannten Zusammensetzung ist eine hohe elektrische Isolationsfähigkeit gegeben,
welche für eine gute Überschlagsfestigkeit des Varistors mitverantwortlich ist.
[0011] Die isolierende Schicht ist zudem bezüglich ihrer Umweltverträglichkeit unbedenklich,
da sie kein Blei enthalten muss. Vorteilhafterweise ist die Schicht frei von Blei.
[0012] Es wird bevorzugt, dass die Schicht einen Füllstoffanteil von 5 bis 40 % aufweist.
Mit diesem Füllstoffanteil wird erreicht, dass der thermische Ausdehnungskoeffizient
der isolierenden Schicht reduziert wird, um eine Rissbildung der Schicht zu vermeiden.
Insbesondere kann mit einem Füllstoffanteil in diesem Bereich erreicht werden, dass
der thermische Ausdehnungskoeffizient der Schicht niedriger ist als der des keramischen
Grundkörpers des Varistors.
[0013] Es ist günstig, wenn Zinkoxid einen Gewichtsanteil von 30 bis 50 % des Grundglases
ausmacht.
[0014] Es wird ein Varistor angegeben, der einen keramischen Grundkörper aufweist, wobei
zumindest auf einen Teilbereich des keramischen Grundkörpers eine Schicht aufgebracht
ist, welche erfindungsgemäß materialstärkende Fasern enthält.
[0015] Mit den materialstärkenden Fasern wird der Schicht eine hohe Festigkeit gegeben,
sodass die Schicht bei erhöhten mechanischen oder thermischen Belastungen nicht aufreißt
oder aufplatzt.
[0016] Vorzugsweise dichtet die Schicht den keramischen Grundkörper zumindest teilweise
hermetisch nach außen ab, sodass der zur Entflammung des elektrischen Bauelements
bzw. des keramischen Grundkörpers nötige Sauerstoff nicht zur heißen Zündquelle des
Varistors bzw. des keramischen Grundkörpers vordringen kann. Mangels dieses Sauerstoffs
kann der Varistor auch bei erheblicher Überspannung nicht zur Zündung kommen.
[0017] Es ist ein weiterer Vorteil der hochfesten Schicht, dass der Austritt von schädlichen
Materialien des keramischen Grundkörpers nach außen vermieden wird. Das Vergiftungspotenzial
wird damit für einen Nutzer abgesenkt.
[0018] Außerdem wird mittels der Schicht eine thermische Isolation des elektrischen Bauelements
gegenüber der Umgebung gewährleistet, sodass ein Verbrennen eines Nutzers bei Berührung
mit dem Varistor erschwert und damit das Gefahrenpotetial reduziert wird.
[0019] Es wird bevorzugt, dass die Schicht feuerfeste oder zumindest flammenhemmende Materialien
aufweist. Sollte trotz der hohen Schichtfestigkeit, beispielsweise unter extremen
Druck- oder Temperaturbedingungen, das elektrische Bauelement oder der keramische
Grundkörper gezündet werden, können die flammenhemmenden Materialien der Schicht eine
Ausbreitung des Brennens verlangsamen.
[0020] Ein Schutz vor einer Beflammung von außen wird mit einer solchen feuerfesten Schicht
ebenfalls erreicht. Die Gefahr der Entflammung des gesamten elektrischen Bauelements,
oder der Ausbreitung des Brennens auf eine Anordnung von mehreren elektrischen Bauelementen,
kann mit dieser Maßnahme vorteilhafterweise reduziert werden.
[0021] Gemäß einer Ausführungsform werden die materialstärkenden Fasern der Mullitmischung
zugesetzt. Somit entsteht eine Isolierschicht mit einer hohen Überschlags- und Materialfestigkeit.
Wenn der Mullitmischung zusätzlich flammenhemmende Materialien zugesetzt werden, kann
außerdem die Feuerfestigkeit des Varistors bzw. der isolierenden Schicht erhöht werden.
[0022] Die Erfindung wird anhand der folgenden Ausführungsbeispiele und Figuren näher erläutert.
Dabei zeigen:
- Figur 1
- einen Varistor, welcher stirnseitig mit Metallisierungen und an seiner Mantelfläche
mit einer isolierenden Schicht versehen ist,
- Figur 2
- eine Grafik zur Darstellung der Ausfallquote von Varistoren mit und ohne einer 3Al2O3 2SiO2 aufweisenden isolierenden Schicht bei unterschiedlichen Strombelastungen,
- Figur 3
- einen Varistor mit einer faseraufweisenden Außenschicht,
- Figur 4
- einen Varistor nach Figur 3 mit stirnseitig aufgebrachten Kontaktkörpern,
- Figur 5
- ein elektrisches Bauelement mit mehreren Innenelektroden und einer faseraufweisenden
Außenschicht.
[0023] Belastungsfälle im Sinne eines direkten Blitzschlags sind standardisiert als 4/10
µs-Tests im IEC-Standard 60099-4 verankert. Der 4/10 µs-Test weist eine Anstiegszeit
bis zum Scheitelstrom von 4 µs auf, wobei die Abklingzeit einen 50%-Wert des Scheitelwerts
10 µs beträgt. Für Ableiter der 10kA und 20kA-Klasse ist dabei die Belastung mit zwei
Impulsen mit einem Scheitelstrom von jeweils 100 kA vorgeschrieben, ohne dass es zu
einem Überschlag am Ableiter bzw. Varistor kommt. Belastungen entsprechend dem 4/10-Test
werden im Weiteren innerhalb dieser Schrift als Impulsbelastungen bezeichnet.
[0024] Figur 1 zeigt einen Varistor mit einem keramischen Grundkörper 1, dessen Oberfläche
mit einer isolierenden Schicht 2 und dessen Stirnseiten mit Metallisierungen bzw.
Elektroden 3 versehen ist. Insbesondere wird die Mantelfläche des Grundkörpers 1 mit
der isolierenden Schicht versehen. Für die isolierende Schicht wird eine Komposit-Glasur,
bestehend aus einem Grundglas und einem Füllstoff, vorgeschlagen. Das Grundglas enthält
30 bis 50 % ZnO, 30 bis 40 % B
2O
3, 0 bis 10 % CuO und 0 bis 10 % P
2O
5. Als Füllstoff des Gemisches wird Mullit (3Al
2O
3 2SiO
2) im Bereich von 5 bis 40 % eingesetzt. Der Füllstoff ist in Pulverform (Körnung 0
bis 200 µm) der Glasschicht bzw. der Glasur beigemengt.
[0025] Während des Glaseinbrands schmilzt das Grundglas bzw. die Glasfritte, verrinnt und
bildet eine glasartige Umhüllung des Varistors. Für die enthaltenen Füllstoffkörner
ist die verwendete Temperatur des Glaseinbrands weit unterhalb des Schmelzpunkts der
Füllstoffkörner, weshalb diese nicht schmelzen und unverändert in das Grundglas eingebettet
werden können.
[0026] Als vorteilhaft für die Komposit-Glasur bzw. der isolierenden Schicht hat sich ein
Füllstoffgehalt zwischen 5 bis 40 % herausgestellt.
[0027] Das Auftragen der isolierenden Schicht kann beispielsweise mit den folgenden Schritten
ausgeführt werden:
- 1) Mischen der Grundglas-Glasfritte mit dem Füllstoff Mullit, Wasser und einem Binder.
- 2) Aufbringen der resultierenden Paste mittels Sprühtechnik oder Pasten-Drucktechnik.
- 3) Einbrennen der Glaspaste bei 600 bis 680 °C, wobei hiermit zugleich ein Temperierungsschritt
für die Varistorkeramik erreicht und die Langzeitstabilität der Keramik verbessert
wird.
[0028] Um die Strom-Spannungskennlinie von Varistoren nicht oder nur geringfügig zu beeinflussen,
darf beim Fertigungsschritt der Umhüllung der ZnO-Keramik die Temperatur nicht zu
hoch sein. Es sollten daher nur Gläser mit niedrigen Schmelzpunkten verwendet werden.
Gläser mit niedrigem Schmelzpunkt und gutem Isolationsvermögen für Energievaristoren
sind aber in der Vergangenheit nur durch bleihaltige Gläser oder Wismut basierende
Gläser verwirklicht wurde, wobei bleihaltige Gläser Umweltschutzanforderungen nicht
erfüllen können und Wismut basierende Gläser aufgrund der hohen Wismut-Rohstoffkosten
teuer sind. Organische Lacke dagegen stellen eine kostengünstige Möglichkeit der Umhüllung
dar, sind jedoch in Bezug auf die erwünschte Langzeitstabilität von Energievaristoren
mit Schwachstellen behaftet.
[0029] Ein wichtiger Punkt für die Impulsfestigkeit von Umhüllungen bzw. isolierenden Schichten
ist die Temperaturschockbeständigkeit. Bei einer Impulsbelastung kann die Temperatur
des Energievaristors innerhalb von Mikrosekunden um bis zu 150 °C steigen. Ist der
thermische Ausdehnungskoeffizient der Umhüllung größer als jener der Keramik, kommt
es durch diese Belastung verstärkt zu einer Rissebildung in der Umhüllung und damit
zu einer schlechten Impulsfestigkeit. Niedrig schmalzende Gläser weisen durchgehend
einen zu hohen thermischen Ausdehnungskoeffizienten gegenüber einer Zinkoxid-Keramik
auf, sodass damit die Impulsfestigkeit unbefriedigend bleibt.
[0030] Die Zumischung von Füllstoff mit sehr niedrigem thermischen Ausdehnungskoeffizienten
ins Grundglas führt dagegen zu einem geringeren thermischen Ausdehnungskoeffizienten
der isolierenden Schicht. Durch die Zugabe des Füllstoffs Mullit wird also der thermische
Ausdehnungskoeffizient der Glasur verkleinert. Durch Optimierung des Ausdehnungskoeffizienten
der Komposit-Glasur kann dieser auf etwa den Wert der Ausdehnungskoeffizienten der
Zinkoxid-Keramik des Varistors angepasst werden.
[0031] Die folgende Tabelle zeigt den thermischen Ausdehnungskoeffizienten von Varistorkeramik
und einer Komposit-Glasur für verschiedene Temperaturen.
| T |
α1 |
α2 |
| (°C) |
10-7 (K-1) |
10-7 (K-1) |
| 150 |
59,7 |
56,0 |
| 200 |
64,3 |
57,7 |
| 250 |
67,0 |
60,1 |
| 300 |
68,2 |
61,2 |
| 350 |
69,6 |
62,4 |
| 400 |
70,8 |
63,6 |
| 450 |
71,9 |
64,9 |
| 500 |
72,4 |
66,4 |
| 550 |
71,5 |
87,5 |
[0032] Die Werte T, α1, α2 stellen jeweils die Temperatur, den Ausdehnungskoeffizienten
der Varistorkeramik und den Ausdehnungskoeffizienten der isolierenden Schicht bzw.
Komposit-Glasur dar.
[0033] Der Varistor kann als Vielschichtvaristor mit integrierten Innenelektroden ausgebildet
sein, wobei in diesem Falle die Kontaktkörper vorzugsweise an der Seitenfläche des
Grundkörpers angeordnet sind. Jeder Kontaktkörper wird dabei mit einem Ende einer
Innenelektrode eines Innenelektrodensatzes kontaktiert, siehe hierzu auch Figur 5.
[0034] Figur 2 ist eine grafische Darstellung der Ausfallquote von Varistoren mit und ohne
einer mit Mullit verstehenden isolierenden Schicht bei steigender Strom-Impulsbelastung.
Die vertikale Achse stellt die kummulierte Ausfallrate der Varistoren in Prozent dar,
die horizontale Achse dagegen den auf die Varistoren angelegten Impuls-Strom in Ampere.
Die dunklen Balken zeigen das Verhalten von Varistoren, welche mit einer Mullit aufweisenden
isolierenden Schicht versehen sind. Dabei ist deutlich erkennbar, wie die Ausfallquoten
solcher Varistoren erst bei einem relativ hohen Wert von 110 kA (Kiloampère) beginnen
zu steigen, insbesondere wenn in kurzen Zeitspannen hintereinander dieser Impuls angewandt
wird. Dagegen steigt die Ausfallquote von Varistoren ohne einer Mullit aufweisenden
isolierenden Schicht schon bei 90 kA an. Der Gewichtsanteil von Mullit der isolierenden
Schicht der durch die grauen Balken dargestellten Varistoren beträgt 20 %. Es wurden
Energievaristoren mit einer Höhe von 44 mm und einem Durchmesser von 43,5 mm verwendet.
[0035] Eine Mullit aufweisende Komposit-Glasur weist daher einen per Design optimierten
thermischen Ausdehnungskoeffizienten auf. Die Glasur weist auch eine sehr gute mechanische
Festigkeit auf, welche sich ebenfalls positiv auf die Impulsfestigkeit auswirkt. So
beträgt die Biegezugfestigkeit bei 20 % Gewichtsanteil von Mullit 78 MPa.
[0036] Die vorliegende Komposit-Glasur schützt vorteilhafterweise auch die Keramik aufgrund
des glasigen Verschmelzens zuverlässig vor Umwelteinflüssen. Sie ist auch ungiftig
und unbedenklich im Sinne der Umweltverträglichkeit, da sie insbesondere auch bleifrei
zusammengesetzt sein kann. Ebenfalls muss die Komposit-Glasur kein Wismut enthalten,
sodass sie wesentlich kostengünstiger als derzeit verwendete Alternativen ist. Der
verwendete Füllstoff Mullit weist einen niedrigen thermischen Ausdehnungskoeffizienten
im Bereich von 40 * 10
-7(K
-1) und einen hohen Schmelzpunkt bei > 1800 °C auf. Durch den hohen Schmelzpunkt ist
sichergestellt, dass während des Einbrennens der Glasur keine oder zumindest nur eine
äußerst geringe chemische und/oder physikalische Umwandlung des Füllstoffs erfolgt.
[0037] Figur 3 zeigt einen Varistor, dessen Oberfläche zumindest teilweise mit einer isolierenden
Schicht 2 versehen ist, welche Faserverbundwerkstoffe 4 enthält. Die Faserverbundwerkstoffe
werden vorzugsweise der vorhergehend beschriebenen Mullitmischung beigement. Die Schicht
dichtet einen Innenbereich des keramischen Grundkörpers vorzugsweise hermetisch nach
außen ab.
[0038] Mittels der Faserverbundwerkstoffe wird eine wesentliche Erhöhung der Festigkeit
der isolierenden Umhüllung 2 des Varistors erreicht. Dadurch kann die Umhüllung hohen
Belastungen standhalten, wie beispielsweise eine thermisch induzierte Ausdehnung des
keramischen Grundkörpers, ohne dass sie Risse oder Öffnungen bildet. Die thermisch
induzierte Ausdehnung des keramischen Körpers kann beispielsweise durch Anlegen einer
erhöhten Betriebsspannung ausgelöst werden, die lokal zu einem Schmelzen der Varistorkeramik
mit explosionsartigem Austritt von Keramikmaterial und diversen Reaktionsprodukten
und damit zur Zündung der Varistorumhüllung führen kann. In Folge kann dies zur Entflammung
ganzer Geräte bzw. Anlagenteile führen, in denen der Varistor eingesetzt wird. Mittels
der Fasern enthaltenden Schicht wird vermieden, dass die vom keramischen Grundkörper
abgegebenen, gegebenenfalls schädlichen Materialien nach außen entweichen, oder dass
der zum Entflammen nötige Sauerstoff in den Innenbereich des keramischen Grundkörpers
dringt.
[0039] Eine erhöhte Festigkeit der Varistorumhüllung 2 wird mit dem Zusatz von faserförmigen
Verstärkungsmaterialien unterschiedlicher Länge organischer sowie anorganischer Natur,
sowie mit dem Zusatz von organischen sowie anorganischen Matrixelementen bzw. Verbundstoffen
erreicht.
[0040] Als Faser 4 organischer Natur werden Aramidfaser bevorzugt. Als Faser anorganischer
Natur kommen vorzugsweise Glasfasern, Kohlefasern oder Mineralwolle zum Einsatz. Diese
haben den Vorteil, dass sie flammenhemmend wirken.
[0041] Geeignete organische Matrixelemente bzw. Verbundstoffe sind Silikonharze, Phenolharze
oder Epoxyharze. Als anorganische Matrixelemente werden vorzugsweise hydraulisch abbindende
Keramiken und Zemente verwendet.
[0042] Es werden vorzugsweise Glasfaserschnitze 4 mit einer Länge von 0,2 mm in unterschiedlichen
Mischungsverhältnissen mit einer Silikonharz-Lackrezeptur oder Phenolharz-Lackrezeptur
vermischt, sodass eine tauchfähige oder spritzfähige Mischung entsteht, welche auf
den keramischen Grundkörper aufgebracht werden kann. Die Auftragung der Umhüllung
2 kann mehrschichtig erfolgen, bis die geforderte Umhüllungsdicke erreicht wird. Dabei
werden 3 bis 7, insbesondere 5 Tauchgänge bevorzugt um eine Umhüllungsdicke von zwischen
7 und 9 mm zu erreichen, da sich herausgestellt hat, dass diese Dicke eine besonders
gute Festigkeit ergibt, wobei aber nur eine verhältnismäßig kurze Herstellungszeit
erforderlich ist.
[0043] Nach einem mit einer Temperaturerhöhung gekennzeichneten Härtungsverfahren, beispielsweise
durch das Passieren des Varistors durch einen Ofen, wird die mit den Zusätzen angereicherte
Umhüllung 2 auf die gewünschte hohe Festigkeit gebracht.
[0044] In Figur 4 ist ein Varistor 1 gezeigt, welcher stirnseitig mit Kontaktkörpern 3 versehen
ist. Es wird bevorzugt, dass die Auftragung der Umhüllung 2 vor dem Einbrennen der
Kontaktkörper erfolgt, sodass durch die extrem hohe Temperatur während des Einbrennens
der Kontaktkörper die auf den Stirnseiten des Varistors aufgebrachte Schicht erweicht
und anschießend weggedrückt bzw. abgeführt wird. Damit weisen die Kontaktkörper 3
jeweils eine nach außen gerichtete, freie Fläche auf, welche mit einem weiteren Kontaktkörper
kontaktierbar ist. Es ist jedoch auch möglich, die Kontaktkörper 3 auf die Stirnseiten
des keramischen Grundkörpers 1 aufzubringen und anschließend den Varistor in eine
Umhüllungsmasse bzw. -flüssigkeit einzutauchen, wobei anschließend, beispielsweise
nach dem Härtungsverfahren, die Umhüllung mittels eines Ätzverfahrens von den Stellen
abgeschieden wird, wo keine Umhüllung erwünscht ist, insbesondere oberhalb der Kontaktkörper.
[0045] Figur 5 zeigt einen Vielschichtvaristor mit einem keramischen Grundkörper 1, in dessen
Innerem Innenelektroden 5 angeordnet sind, welche jeweils mit einem Ende mit einem
auf die Ober- bzw. Seitenfläche des keramischen Grundkörpers aufgebrachten Kontaktkörper
bzw. Metallisierung 3 verbunden sind. Der Vielschichtvaristor weist eine Mullit enthaltende
Außenschicht 2 gemäß der vorhergehenden Ausführungsbeispiele auf, welche mit materialstärkenden
Fasern angereichtert sein kann. Somit wird ein Vielschichtvaristor bereitgestellt,
welcher mittels einer hochfesten, vorzugsweise flammenhemmenden Umhüllung 2 auch bei
zufälligen oder versehentlichen Überspannungen nicht oder zumindest nur schwer in
Brand gesetzt werden kann. Wie zu Figur 4 beschrieben wird bevorzugt, dass die Metallisierungen
3 frei von Umhüllungsmaterialien sind.
Bezugszeichenliste
[0046]
- 1
- keramische Grundkörper eines Varistors
- 2
- isolierende Schicht
- 3
- Metallisierung
- 4
- Faser
- 5
- Innenelektroden
1. Varistor, aufweisend
einen keramischen Grundkörper (1), dessen Oberfläche wenigstens teilweise mit einer
isolierenden Schicht (2) versehen ist, welche aus einem Grundglas und einem Füllstoff
zusammengesetzt ist, wobei der Füllstoff 3Al2O3 2SiO2 enthält, dadurch gekennzeichnet, dass die isolierende Schicht (2) zusätzlich materialstärkende Fasern (4) enthält.
2. Varistor nach Anspruch 1, bei dem die isolierende Schicht (2) einen Füllstoffgewichtsanteil
von 5 bis 40% aufweist.
3. Varistor nach einem der Ansprüche 1 oder 2, bei dem das Grundglas einen ZnO-Gewichtsanteil
von 30 bis 50% aufweist.
4. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem das Grundglas einen B2O3-Gewichtsanteil von 30 bis 40% aufweist.
5. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem das Grundglas einen CuO-Gewichtsanteil
von bis zu 10% aufweist.
6. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem das Grundglas einen P2O5-Gewichtsanteil von bis zu 10% aufweist.
7. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die Stirnseiten des keramischen
Grundkörpers (1) mit Metallisierungen (3) versehen sind.
8. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die materialstärkende Fasern
(4) organisch und/oder anorganisch sind.
9. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die isolierende Schicht
(2) einen organischen Verbundstoff (4) enthält.
10. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die isolierende Schicht
(2) einen anorganischen Verbundstoff (4) enthält.
11. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem die isolierende Schicht
(2) durch Temperaturerhöhung verfestigt ist.
12. Varistor nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem der Varistor ein Vielschichtvaristor
ist.
1. Varistor, comprising
a ceramic base body (1), the surface of which is provided at least in parts with an
insulating layer (2) composed of a base glass and a filler, wherein the filler contains
3Al2O3 2SiO2, characterized in that the insulating layer (2) additionally contains material-strengthening fibres (4).
2. Varistor according to Claim 1, in which the insulating layer (2) has a filler content
of 5 to 40% by weight.
3. Varistor according to either of Claims 1 and 2, in which the base glass has a ZnO
content of 30 to 50% by weight.
4. Varistor according to one of the preceding claims, in which the base glass has a B2O3 content of 30 to 40% by weight.
5. Varistor according to one of the preceding claims, in which the base glass has a CuO
content of up to 10% by weight.
6. Varistor according to one of the preceding claims, in which the base glass has a P2O5 content of up to 10% by weight.
7. Varistor according to one of the preceding claims, in which the end faces of the ceramic
base body (1) are provided with metallizations (3).
8. Varistor according to one of the preceding claims, in which the material-strengthening
fibres (4) are organic and/or inorganic.
9. Varistor according to one of the preceding claims, in which the insulating layer (2)
contains an organic composite material (4).
10. Varistor according to one of the preceding claims, in which the insulating layer (2)
contains an inorganic composite material (4).
11. Varistor according to one of the preceding claims, in which the insulating layer (2)
is strengthened by an increase in temperature.
12. Varistor according to one of the preceding claims, in which the varistor is a multilayer
varistor.
1. Varistor présentant un corps de base (1) en céramique dont au moins une partie de
la surface est dotée d'une couche isolante (2) constituée d'un verre de base et d'une
charge, la charge contenant du 3Al2O3 2SiO2,
caractérisé en ce que
la couche isolante (2) contient en supplément des fibres (4) de renfort du matériau.
2. Varistor selon la revendication 1, dans lequel la couche isolante (2) présente une
teneur pondérale en charge de 5 à 40 %.
3. Varistor selon l'une des revendications 1 ou 2, dans lequel le verre de base présente
une teneur pondérale en ZnO de 30 à 50 %.
4. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le verre de base
présente une teneur pondérale en B2O3 de 30 à 40 %.
5. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le verre de base
présente une teneur pondérale en CuO pouvant atteindre 10 %.
6. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le verre de base
présente une teneur pondérale en P2O5 pouvant atteindre 10 %.
7. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel les faces frontales
du corps de base (1) en céramique sont dotées d'une métallisation (3).
8. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel les fibres (4) de
renfort du matériau sont des fibres organiques et/ou minérales.
9. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la couche isolante
(2) contient un matériau composite organique (4).
10. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la couche isolante
(2) contient un matériau composite minéral (4).
11. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la couche isolante
(2) est solidifiée par augmentation de température.
12. Varistor selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le varistor est un
varistor multicouche.