[0001] Die Erfindung betrifft eine Unterschenkelorthese mit Befestigungseinrichtungen für
eine Befestigung der Orthese am Fuß und am Unterschenkel und mit einer L-förmigen,
aus einem federnden Material gebildeten Stützfeder, die einen aufrechten, eine Anlageebene
definierenden, zum Anliegen an der Rückseite des Unterschenkels vorgesehenen Schenkel
aufweist, an dessen unteres Ende sich ein zum Untergreifen des Fußes ausgebildeter
horizontaler Schenkel anschließt.
[0002] Eine derartige Bauform einer Unterschenkelorthese ist seit langem bekannt. Das die
Stützfeder bildende federnde Flachmaterial kann dabei durch einen Federstahl, vorzugsweise
aber durch einen faserverstärkten Kunststoff gebildet sein.
[0003] Die aus einem federnden Flachmaterial bestehenden Stützfedern bilden in seitlicher
Ansicht einen im Wesentlichen rechten Winkel, wobei sowohl der aufrechte Schenkel
als auch der horizontale Schenkel Biegungen aus der Ebene des Flachmaterials heraus
aufweisen, um Anpassungen an die anatomischen Gegebenheiten vorzunehmen. Darüber hinaus
ist der Übergang zwischen dem aufrechten Schenkel und dem horizontalen Schenkel abgerundet.
Die Stützfeder ist bezüglich ihrer Schenkel symmetrisch zu einer aufrechten Mittenebene
ausgebildet, was sich aufgrund der Verwendung eines federnden Flachmaterials ohne
weiteres ergibt.
[0004] Die Anatomie des Fußgelenks führt dazu, dass sich im ruhenden Stand eine Außenstellung
des Fußes ausbildet, die größenordnungsmäßig 7° gegenüber der Sagittalebene beträgt.
Im Bewegungsablauf des Schrittzyklus entsteht eine Rotation des Unterschenkels (Tibiarotation),
die die Außenstellung des Fußes noch verstärkt, sodass diese 7 bis 12° oder mehr betragen
kann. Dieser Außenstellung des Fußes wird durch bekannte, einfach aufgebaute und funktionsfähige
Orthesen nicht Rechnung getragen.
[0005] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine einfach aufgebaute Unterschenkelorthese
der eingangs erwähnten Art so auszubilden, dass bei Erhalt einer guten Funktionsfähigkeit
der natürlichen Außenstellung des Fußes Rechnung getragen wird.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einer Unterschenkelorthese der eingangs erwähnten
Art dadurch gelöst, dass der aufrechte Schenkel im untern Bereich in sich derart verwunden
ist, dass der das untere Ende fortsetzende horizontale Schenkel aus der senkrecht
zur Anlageebene des aufrechten Schenkels oberhalb des in sich verwundenden unteren
Bereichs stehende Ebene um einen Winkel α herausgedreht ist.
[0007] Die durch den aufrechten Schenkel definierte Anlageebene liegt regelmäßig parallel
zur Frontalebene des Patienten. Erfindungsgemäß wird der aufrechte Schenkel über einen
unteren Bereich, der den Knöchelbereich einschließt allmählich so tordiert, dass sich
der senkrecht zum unteren Ende anschließende horizontale Schenkel in der gewünschten
Außenstellung befindet. Die sich etwa am unteren Ende des aufrechten Schenkels befindliche
gedachte Biegelinie, um die sich der horizontale Schenkel relativ zum aufrechten Schenkel
bei Belastung aufgrund der Elastizität des Materials bewegen kann, liegt somit nicht
in der Anlageebene (Frontalebene) sondern ist bereits um den Winkel α aus dieser Ebene
herausgedreht. Dadurch ist sichergestellt, dass sich der horizontale Schenkel weiterhin
senkrecht zum aufrechten Schenkel am unteren Ende anschließen kann.
[0008] Dies ist insbesondere wichtig, wenn ein faserverstärkter Kunststoff verwendet wird,
dessen Faserverbund in Längsrichtung der Stützfeder parallel zueinander verlaufende
Fasern aufweist, die bei einer Abwinkelung aus einer Biegeebene heraus (durch die
Bewegung des horizontalen Schenkels relativ zum aufrechten Schenkel) ansonsten beim
Abrollen gegeneinander bewegt werden würden und eine Delamination des faserverstärkten
Kunststoffmaterials bewirken könnten.
[0009] Erfindungsgemäß ist somit der aufrechte Schenkel, der im oberen Bereich eine senkrecht
zu einer Mittenebene (Sagittalebene) liegende Anlageebene definiert, im unteren Bereich
etwa so tordiert, dass der senkrecht zu dem aufrechten Schenkel am unteren Ende stehende
horizontale Schenkel den Winkel zur mittigen Unterstützung des Fußes in der natürlichen
Außenstellung einnimmt. Der aufrechte Schenkel kann somit mittig auf der Rückseite
des Unterschenkels angeordnet werden. In einem unteren Bereich (Biegebereich), in
dem der aufrechte Schenkel auf der Höhe der Achillessehne verläuft, findet dann die
Verwindung statt, durch die die Außenstellung des horizontalen Schenkels bewirkt wird.
Die Fußaußenstellung wird somit an der Stützfeder im Bereich des aufrechten Schenkels
berücksichtigt, sodass die Biegelinie zwischen horizontalem Schenkel und aufrechtem
Schenkel bereits aus der Anlageebene um den Winkel der gewünschten Fußaußenstellung
herausgedreht ist.
[0010] Das Material der Stützfeder ist in einer bevorzugten einfachen Ausführungsform ein
Flachmaterial, dessen große Oberseite im oberen Bereich des aufrechten Schenkels die
Anlageebene definiert und im unteren Bereich um den Winkel α gegenüber der Anlagebene
verwunden ist, sodass sich der horizontale Schenkel senkrecht zu der Oberfläche des
aufrechten Schenkels am unteren Ende anschließen kann und dabei den gewünschten Winkel
für die Fußaußenstellung einnimmt.
[0011] Obwohl sich somit die erfindungsgemäße Orthese um eine gedachte Biegelinie zwischen
aufrechtem Schenkel und horizontalem Schenkel beim Abrollen verformt, wodurch das
Material der Orthese geschont wird, resultiert eine Bewegung zwischen Unterschenkel
und Fuß, die sich über die Anlageebene des aufrechten Schenkels überträgt, sodass
die Bewegungsebene für den gestützten Fuß parallel zur Frontalebene verläuft und damit
der natürlichen Bewegung im Knöchelgelenk entspricht.
[0012] Die Erfindung soll im Folgenden anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert werden. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Stützfeder in Relation zu einem
Fuß des Orthesenträgers;
- Figur 2
- eine Seitenansicht der Stützfeder;
- Figur 3
- eine Frontalansicht der Stützfeder;
- Figur 4
- eine schematische Erläuterung der bewirkten Fußaußenstellung;
- Figur 5
- eine schematische Darstellung einer mit einer erfindungsgemäßen Stützfeder aufgebauten
Unterschenkelorthese.
[0013] In der Zeichnung sind die eine Stützfeder 1 zu einer Unterschenkelorthese ergänzenden
Befestigungsmittel für die Befestigung am Unterschenkel und am Fuß aus Gründen der
Übersichtlichkeit nicht dargestellt. Hierfür sind zahlreiche Ausführungsformen dem
Fachmann bekannt. Wie die Zeichnung verdeutlicht, besteht die Stützfeder 1 aus einem
aufrechten Schenkel 2 und einem im Wesentlichen horizontalen Schenkel 3, der zum Untergreifen
eines Fußes 4 des Orthesenträgers bestimmt ist.
[0014] In Figur 1 ist eine Frontalebene 5 und eine Sagittalebene 6 des Orthesenträgers angedeutet.
Der aufrechte Schenkel 2 liegt mit seinem oberen Ende parallel zur Frontalebene 5,
zu der die Sagittalebene 6 senkrecht steht. Der Fuß 4 des Orthesenträgers nimmt im
beidbeinigen Stand die in Figur 1 dargestellte Position ein, ist somit mit seiner
Längsachse um einen Winkel α, der beispielsweise 7° beträgt, nach außen gedreht.
[0015] Dementsprechend ist der horizontale Schenkel 3 der Stützfeder 1 ebenfalls um den
Winkel α nach außen gedreht.
[0016] Wie die Figuren 2 und 3 verdeutlichen, geschieht die Verdrehung des horizontalen
Schenkels 3 dadurch, dass der aufrechte Schenkel 2 in einem unteren Bereich 7, der
zwischen den in Figur 2 eingezeichneten Punkten X und Y liegt, in sich etwas um die
Hochachse schraubenförmig gedreht ist. Der aufrechte Schenkel 2 geht ab dem Punkt
X (Beginn des Biegebereichs) in eine Torsion über, durch die die Drehung um den Winkel
α bis zum Punkt Y realisiert wird. Am Punkt Y geht der aufrechte Schenkel 2 in den
horizontalen Schenkel 3 ohne eine Abwinkelung über.
[0017] Die Zeichnung verdeutlicht ferner, dass in dem Biegebereich 7 der aufrechte Schenkel
eine von vorn gesehene konkave Wölbung aufweist, die dem Verlauf im Fesselbereich
eines Fußes nachempfunden ist. Demgegenüber ist der Übergangsbereich (um den Übergangspunkt
Y herum) konvex gewölbt, um einen gleichmäßigen Übergang für die longitudinal verlaufenden
Fasern im federnden Flachmaterial zu gewährleisten. Der horizontale Schenkel 3 weist
- von oben gesehen - eine konvexe Wölbung auf, die dem Verlauf der Fußsohle des Fußes
4 entspricht.
[0018] In dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist das Material der Stützfeder 1 ein Flachmaterial,
das vorzugsweise eine Breite von 15 bis 40 mm und eine Stärke von 2 bis 12 mm aufweist.
Der Biegebereich 7 sollte eine gewisse Mindesthöhe nicht unterschreiten, damit die
Verwindung in sich gleichmäßig und allmählich erfolgt und nicht zu einer Schwächung
der Statik des aufrechten Schenkels 2 führt. Die Länge des Biegebereichs liegt vorzugsweise
zwischen 3 und 20 cm.
[0019] Oberhalb des Biegebereichs 7 definiert die Orientierung des Materials der Stützfeder
1 die Anlageebene für den Unterschenkel. Diese Anlageebene liegt im Wesentlichen parallel
zur Frontalebene des Patienten, wie dies in Figur 4 verdeutlicht ist.
[0020] Figur 4 zeigt schematisch eine Laufrichtung 8 eines Menschen beim Gehen. Die Laufrichtung
wird im Wesentlichen durch die Sagittalebene des menschlichen Körpers bestimmt. Die
Füße 4 bewegen sich beiderseits der durch die Laufrichtung 8 bestimmten Ebene, wobei
beim Auftreten die Fußaußenstellung realisiert wird, sodass sich eine zur Laufrichtung
8 schräge Fußachse 9 ergbit.
[0021] Entsprechend der Lage der natürlichen Knöchelachse wird durch die Orthese eine Drehachse
10 für das Abrollen des Fußes 4 unterstützt, die parallel zur Frontalebene 5 liegt.
Die Drehachse 10 ergibt sich aus der Bewegung der oberhalb des Biegebereichs 7 ausgebildeten
Anlageebene des aufrechten Schenkels 2 in seiner Bewegung relativ zu dem horizontalen
Schenkel 3.
[0022] Die in Figur 5 dargestellte, mit der erfindungsgemäßen Stützfeder 1 aufgebaute Orthese
wird durch eine Befestigungsschale 11 für den Wadenbereich des Unterschenkels und
eine Befestigungsschale 12 für den Fußbereich ergänzt. Mit den Befestigungsschalen
11, 12 ist die Stützfeder 1 drehfest verbunden. Weitere Befestigungsmittel, beispielsweise
in Form von Klettbändern zur Fixierung des Unterschenkels bzw. des Fußes an den Befestigungsschalen
11, 12 sind nicht dargestellt.
[0023] In dem Ausführungsbeispiel gemäß Figur 5 erstreckt sich die Befestigungsschale 11
für den Unterschenkel etwa bis zum Beginn des Biegebereichs 7 der Stützfeder 1, deckt
somit im Wesentlichen die Anlageebene für den Unterschenkel ab.
1. Unterschenkelorthese mit Befestigungseinrichtungen für eine Befestigung der Orthese
am Fuß und am Unterschenkel und mit einer L-förmigen, aus einem federnden Material
gebildeten Stützfeder (1), die einen aufrechten, eine Anlageebene (5) definierenden,
zum Anliegen an der Rückseite des Unterschenkels vorgesehenen Schenkel (2) aufweist,
an dessen unteres Ende sich ein zum Untergreifen des Fußes (4) ausgebildeter horizontaler
Schenkel (3) anschließt, dadurch gekennzeichnet, dass der aufrechte Schenkel (2) im untern Bereich (7) in sich derart verwunden ist, dass
der das untere Ende fortsetzende horizontale Schenkel (3) aus der senkrecht zur Anlageebene
(5) des aufrechten Schenkels oberhalb des in sich verwundenden unteren Bereichs (7)
stehende Ebene (6) um einen Winkel α herausgedreht ist.
2. Unterschenkelorthese nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Material der Stützfeder (1) ein faserverstärkter Kunststoff ist.
3. Stützfeder nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der faserverstärkte Kunststoff einen Faserverbund bildet, der sich über die Länge
der Stützfeder (1) erstreckende, zueinander parallel verlaufende Fasern aufweist.
4. Unterschenkelorthese nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern Carbonfasern sind.
5. Unterschenkelorthese nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern Glasfasern sind.
6. Unterschenkelorthese nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern Polyesterfasern sind.
7. Unterschenkelorthese nach einen der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern aus einer Mischung unterschiedlicher Faserarten bestehen.
8. Unterschenkelorthese nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Material der Stützfeder (1) ein Flachmaterial ist.