[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bestimmen einer Bahnspannung
nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Stand der Technik
[0002] Es existieren verschiedene Vorrichtungen oder Maschinen, bei denen eine Warenbahn
in einzelnen Warenbahnabschnitten mit zugehörigen Bahnspannungen verarbeitet wird.
Die Regelung der Bahnspannung einer Warenbahn ist ein komplexer Vorgang, an dem eine
Vielzahl von Variablen beteiligt ist. Für die Regelung der Bahnspannung auf einen
vorgegebenen Sollwert ist die Kenntnis eines momentanen Istwerts erforderlich.
[0003] Be- bzw. Verarbeitungsmaschinen, bei denen die Warenbahn in Abschnitte verschiedener
Bahnspannung unterteilt ist, finden sich vor allem im Bereich Papier, Pappe, Kunststoff-
und Metallfolien. Bei diesen Maschinen ist die Warenbahn beim Durchlaufen durch die
Maschine in wenigstens zwei Abschnitte unterteilt, wobei jeder Abschnitt einen vorbestimmten
Bahnspannungswert aufweisen soll.
[0004] Im Stand der Technik wird dazu die Bahnspannung in jedem Abschnitt mittels geeigneter
Bahnspannungssensoren gemessen und durch eine entsprechende Beeinflussung der Maschine
auf den Sollwert geregelt. Beispielsweise werden die Geschwindigkeiten der Transportachsen
derart verändert, dass die Bahnspannung in jedem Abschnitt dem jeweiligen Sollwert
folgt. Hierzu sind Bahnspannungsregelungen bekannt, wie z.B. das System SYNAX, das
eine solche Funktion zur Bahnspannungsregelung aufweist.
[0005] In der
EP 0 914 944 wird ein Spannungsregelsystem mit mehreren Spannungsdetektoren, die auf den stromaufwärtigen
Seiten von Druckzylindern und auf den stromaufwärtigen Seiten von Spannwalzen angeordnet
sind, um Spannungen an einer Bahn entsprechend festzustellen, offenbart, wobei Geschwindigkeits-Einstellmittel
zur Einstellung entsprechender Rotationsgeschwindigkeiten der Druckzylinder und der
Spannwalzen auf der Basis von Ausgangssignalen von Reglern, zu welchen festgestellte
Werte von entsprechenden Spannungsdetektoren zurückgeführt werden, vorgesehen sind,
wobei den Reglern Spannungseinstellvorrichtungen zugeordnet sind und wobei die Regler
die festgestellten Werte von den Spannungsdetektoren und Sollwerte von den Spannungseinstellvorrichtungen
miteinander vergleichen und die Ausgangssignale für die Regelung der Rotationsgeschwindigkeiten
der Druckzylinder und der Spannwalzen ausgeben, um die verglichenen Werte entsprechend
gegen Null zu reduzieren.
[0006] Da die Verstellung einer Antriebsachse auf die Bahnspannung mehrerer Abschnitte wirkt,
besitzt z.B. das System SYNAX die Möglichkeit, eine Stellachse von zwei Bahnspannungsregelungen
steuern zu lassen. D.h. die Bahnspannungsregelung eines Abschnitts kann sowohl die
vorherige als auch die nachfolgende Transportachse verstellen, um bei Regelvorgängen
in diesem Abschnitt, die Bahnspannung in den angrenzenden Abschnitten nicht zu beeinflussen.
Je nach Zeitkonstante der Regelungen können hierdurch Schwingvorgänge auftreten.
[0007] Im genannten Stand der Technik ist somit für jeden Bahnspannungsabschnitt eine eigene
Messvorrichtung vorgesehen, wobei zusätzlich eine Beeinflussung der Spannungsverstellungen
der einzelnen Abschnitte untereinander nicht vollständig vermieden werden kann.
[0008] Es stellt sich somit die Aufgabe, ein verbessertes Verfahren zum Bestimmen einer
Bahnspannung anzugeben, das die oben genannten Probleme nicht aufweist.
[0009] Erfindungsgemäß werden daher ein Verfahren zum Bestimmen einer Bahnspannung sowie
eine entsprechende Recheneinheit, ein Computerprogramm und ein Computerprogrammprodukt
mit den Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche vorgestellt. Vorteilhafte Ausgestaltungen
sind Gegenstand der Unteransprüche und der nachfolgenden Beschreibung.
Vorteile der Erfindung
[0010] Bei dem Verfahren zum Bestimmen einer Bahnspannung wenigstens eines zweiten Bahnspannungsabschnitts
in einer wenigstens zwei Bahnspannungsabschnitte aufweisenden Warenbahn wird zunächst
die Bahnspannung wenigstens eines ersten Bahnspannungsabschnitts ermittelt. Die Bahnspannung
des wenigstens einen zweiten Bahnspannungsabschnitts wird dann auf Grundlage der ermittelten
Bahnspannung des wenigstens einen ersten Bahnspannungsabschnitts bestimmt. An dieser
Stelle soll klargestellt werden, dass die Bahnspannung des wenigstens einen zweiten
Bahnspannungsabschnitts insbesondere nicht gemessen wird.
[0011] Mit der erfindungsgemäßen Lösung kann vorteilhaft eine Vielzahl von Messsensoren
zur Ermittlung der Bahnspannung eingespart werden. Je nach Ausführungsform der Erfindung
können alle oder alle bis auf eine Messvorrichtung eingespart werden. Damit ist eine
erhebliche Kosten- und Materialeinsparung möglich, da die übrigen Bahnspannungswerte
mittels Berechnung oder Schätzung bestimmt werden. Das erfindungsgemäße Verfahren
kann sehr vorteilhaft in Verbindung mit einer Bahnspannungsregelung eingesetzt werden.
Die erhaltenen Werte werden zweckmäßig mit vorgesehenen Soll-Bahnspannungswerten verglichen
und die Bahnspannung wird danach entsprechend geregelt. Weiterhin kann die gegenseitige
Beeinflussung vorteilhaft reduziert werden. Wenn bei der erfindungsgemäßen Lösung
die unterschiedlichen Bahnspannungsregler über eine Vorsteuerung automatisch frühzeitig
Veränderungen der vorhergehenden Bahnspannungsabschnitte erhalten, sind die Ausgleichsvorgänge
wesentlich kürzer.
[0012] Vorteilhafterweise wird die Bahnspannung des wenigstens einen ersten Bahnspannungsabschnitts
gemessen. Dazu können beispielsweise eine Messwalze und eine Druckdose verwendet werden,
wie es im Stand der Technik bekannt ist. Damit wird ein absoluter Bahnspannungswert
bestimmt, der zum Bestimmen der übrigen Bahnspannungswerte verwendet werden kann.
[0013] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Lösung wird die Bahnspannung
des wenigstens einen ersten Bahnspannungsabschnitts unter Berücksichtigung eines Elastizitätsmoduls
des Warenbahnmaterials und einer Drehzahl wenigstens zweier Transportachsen ermittelt.
Auch damit wird ein absoluter Bahnspannungswert ermittelt, der zum Bestimmen der übrigen
Bahnspannungswerte verwendet werden kann. Unter der Annahme eines schlupffreien Transports
berechnet sich der Bahnspannungswert S1 in dem wenigstens einen ersten Bahnspannungsabschnitt
zwischen zwei Transportachsen mit den Drehzahlen n1 und n2 unter Berücksichtigung
des Elastizitätsmoduls E des Warenbahnmaterials zu

, wobei der Transport von der Transportachse bzw. -walze mit der Drehzahl n1 in Richtung
der Transportachse mit der Drehzahl n2 erfolgt. Der Term

beschreibt eine Dehnung d.
[0014] Gemäß einer ebenso bevorzugten Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Lösung wird die
Bahnspannung des wenigstens einen ersten Bahnspannungsabschnitts unter Berücksichtigung
eines bekannten Bahnspannungswertes, insbesondere mittels eines Tänzers anhand des
durch den Tänzer eingeprägten Bahnspannungswertes, und eines Antriebsmoments wenigstens
einer Transportachse ermittelt. Auch damit wird ein absoluter Bahnspannungswert ermittelt,
der zum Bestimmen der übrigen Bahnspannungswerte verwendet werden kann. Beispielsweise
wird zur Ermittlung einer Bahnspannung S1 unter Berücksichtigung der bekannten Bahnspannung
S0 das Antriebsmoment N der Transportachse zwischen den Abschnitten mit den Bahnspannungen
S0 und S1 berücksichtigt. Das Antriebsmoment N ist bei einer Maschine typischerweise
ermittelbar. Es kann bspw. von dem Antrieb oder von der Zugregelung gelesen werden.
Vom Antriebsmoment N kann vorzugsweise über den Durchmesser D (Hebelgesetz) auf die
bahnspannungsverändernde Kraft F1 = 2N/D und daraus auf die eingespeiste Bahnspannung
F1 geschlossen werden. S1 berechnet sich dann zu S1 = S0 - F1. Arbeitet der Antrieb
dabei im motorischen Bereich (positives Antriebsmoment), so wird die Bahnspannung
im Abschnitt 1 niedriger sein, als im Abschnitt 0. Arbeitet er im generatorischen
Betrieb (negatives Antriebsmoment), so wird die Bahnspannung im Abschnitt 1 höher
sein als im Abschnitt 0.
[0015] Es ist zweckmäßig, wenn bei dem erfindungsgemäßen Verfahren die Bahnspannung des
wenigstens einen zweiten Bahnspannungsabschnitts anhand einer Drehzahl wenigstens
zweier Transportachsen bestimmt wird. Ist in einem Abschnitt die Bahnspannung S1 bekannt,
kann anhand der Drehzahlen der den Bahnabschnitt begrenzenden Transportachsen auf
den Elastizitätsmodul geschlossen werden. Wird diese Konstante der Warenbahn nicht
verändert (z.B. durch Bearbeitung), so kann in einem anderen Abschnitt auf die darin
enthaltene Bahnspannung S2 geschlossen werden. Hierfür werden die Elastizitätsmoduln
in beiden Abschnitten gleichgesetzt. Damit wird ein Bahnspannungswert S2 des wenigstens
einen zweiten Bahnspannungsabschnitts auf Grundlage des Bahnspannungswertes S1 des
ersten Bahnspannungsabschnitts bestimmt. Über die Drehzahlen der beteiligten Transportachsen
erhält man, wie weiter oben beschrieben, die Dehnungen d1 und d2 der Abschnitte. Daraus
bestimmt man

[0016] Es ist zweckmäßig, wenn bei dem erfindungsgemäßen Verfahren Veränderungen einer Dehnungseigenschaft,
insbesondere eines Elastizitätsmoduls, der Warenbahn berücksichtigt wird. Der Elastizitätsmodul
wird typischerweise durch Bearbeitung an der Bahn verändert. Ist diese Veränderung
bekannt, kann dies beim Bestimmen der Bahnspannung berücksichtigt werden. Damit kann
die Genauigkeit des Verfahrens erhöht werden.
[0017] Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung wird für das Elastizitätsmodul
ein von einem ersten Querschnitt der Warenbahn in einem Bahnspannungsabschnitt abweichender
zweiter Querschnitt der Warenbahn in einem anderen Bahnspannungsabschnitt linear mit
dem Verhältnis des ersten zum zweiten Querschnitt berücksichtigt. Wird beispielsweise
durch Bearbeitung der Bahn deren Querschnitt verändert, z.B. durch Beschneiden des
Randes oder Ausstanzen von Material, so wird sich der Elastizitätsmodul entsprechend
verändern. Wird beispielsweise der Querschnitt der Warenbahn verringert, wird sich
auch der Elastizitätsmodul verringern. Als Näherung kann man dabei einen linearen
Zusammenhang zwischen Warenbahnbreite bzw. Querschnitt A und Elastizitätsmodul E annehmen.
Wird der Querschnitt von A1 auf A2 geändert, so ändert sich der Elastizitätsmodul
von E1 auf

. Somit ergibt sich die Bahnspannung S2 im Bahnspannungsabschnitt mit dem Querschnitt
A2 zu

. Damit kann die Genauigkeit des Verfahrens erhöht werden.
[0018] Es ist vorteilhaft, wenn bei der Erfindung ein Schlupf der Transportachsen durch
Schätzung des Schlupfes berücksichtigt wird. Ebenso vorteilhaft wird der Schlupf der
Transportachsen durch Messung des Schlupfes berücksichtigt. Ist der Transport nicht
komplett schlupffrei. (z.B. durch nicht fest angestellte Gegendruckwalzen), so kann
bei Kenntnis dieses Schlupfes dieser mit in die Bestimmung der Drehzahlverhältnisse
mit einbezogen werden. Dieser Schlupf kann dabei nicht automatisch ermittelt werden,
sondern muss geschätzt oder gemessen werden, z.B. mittels eines Messrades. Damit kann
die Genauigkeit des Verfahrens erhöht werden.
[0019] Bevorzugterweise wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren die Bahnspannung des wenigstens
einen zweiten Bahnspannungsabschnitts anhand eines Antriebsmoments wenigstens einer
Transportachse bestimmt.
[0020] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Antriebsmoment
anhand eines Durchmessers der wenigstens einen Transportachse mittels eines Hebelgesetzes
in eine bahnspannungsverändernde Kraft umgerechnet.
[0021] Zweckmäßigerweise wird bei der Erfindung, insbesondere beim Bestimmen der bahnspannungsverändernden
Kraft, ein Reibmoment der wenigstens einen Transportachse berücksichtigt. Das Reibmoment
kann z.B. als Summe eines konstanten Wertes und eines geschwindigkeitsabhängigen bzw.
drehzahlproportionalen Wertes oder einer anderen vorgebbaren drehzahlabhängigen Kennlinie
berücksichtigt werden. Die Kompensationswerte können dabei einfach anhand einer manuellen,
teilautomatisierten oder vollautomatisierten Messfahrt ohne Warenbahn ermittelt werden.
Damit lässt sich die Genauigkeit der Bahnspannungsbestimmung erhöhen.
[0022] Ebenso zweckmäßig wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ein Bearbeitungsmoment
einer Bearbeitungsachse innerhalb eines Bahnspannungsabschnitts berücksichtigt. Hierdurch
ist eine zu bestimmende Anspannung genauer ermittelbar. Es bietet sich an, das Bearbeitungsmoment
mit einem konstanten und einem drehzahlproportionalen Anteil zu berücksichtigen. Diese
Ausgestaltung ermöglicht insbesondere die Verwendung eines einfachen Rechenmodells.
[0023] Zweckmäßigerweise wird bei der Erfindung eine Messung der Antriebsmomente mittels
einer Filterung der gemessenen Momente, der ermittelten Reibungen und/oder der Bearbeitungskräfte
durchgeführt. Hiermit ist eine Glättung ermittelter Bahnspannungswerte über die Zeit,
und somit eine leichtere Weiterverarbeitbarkeit der ermittelten Werte erzielbar.
[0024] Zweckmäßigerweise wird bei der Erfindung bei einer Messung der Antriebsmomente eine
Kalibrierung von Antriebsdaten, insbesondere einer Drehmomentkonstante des Motors,
berücksichtigt. Die Genauigkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Bestimmen einer
Bahnspannung ist hiermit verbesserbar.
[0025] Zweckmäßigerweise werden bei der Erfindung die Antriebsdaten anhand einer manuellen,
teilautomatisierten oder vollautomatisierten Messfahrt ermittelt. Hierdurch ist für
einen Benutzer die Handhabbarkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens bzw. Systems verbessert.
[0026] Zweckmäßigerweise wird bei der Erfindung ein Feldschwächbetrieb eines Motors der
Ermittlung des Antriebsmoments berücksichtigt. Diese Berücksichtigung erhöht gleichfalls
die Genauigkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0027] Eine erfindungsgemäße Recheneinheit bestimmt die Bahnspannung des wenigstens einen
zweiten Bahnspannungsabschnitts auf Grundlage der im ersten Bahnspannungsabschnitt
ermittelten Bahnspannung nach einem erfindungsgemäßen Verfahren.
[0028] Ein erfindungsgemäßes Computerprogramm enthält Programmcodemittel, um die Bahnspannung
des wenigstens einen zweiten Bahnspannungsabschnitts auf Grundlage der im ersten Bahnspannungsabschnitt
ermittelten Bahnspannung gemäß des erfindungsgemäßen Verfahrens zu bestimmen, wenn
das Computerprogramm auf einem Computer oder einer entsprechenden Rechnereinheit,
insbesondere einer der erfindungsgemäßen Rechnereinheiten, ausgeführt wird.
[0029] Ein erfindungsgemäßes Computerprogrammprodukt beinhaltet Programmcodemittel, die
auf einen computerlesbaren Datenträger gespeichert sind, um die Bahnspannung des wenigstens
einen zweiten Bahnspannungsabschnitts auf Grundlage der im ersten Bahnspannungsabschnitt
ermittelten Bahnspannung gemäß des erfindungsgemäßen Verfahrens zu bestimmen, wenn
das Computerprogrammprodukt auf einen Computer oder auf einer entsprechenden Rechnereinheit,
insbesondere einer der erfindungsgemäßen Rechnereinheiten, ausgeführt wird. Geeignete
Datenträger sind insbesondere Disketten, Festplatten, Flash-Speicher, EEPROMs, CD-ROMs,
u.a.m. Auch ein Download eines Programms über Computernetze (Internet, Intranet usw.)
ist möglich.
[0030] Die erfindungsgemäße Lösung wird bevorzugt in Verbindung mit einer Bahnspannungsregelung
verwendet.
[0031] Weitere Vorteile und Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung
und der beiliegenden Zeichnung.
[0032] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen.
[0033] Die Erfindung ist anhand eines Ausführungsbeispiels in der Zeichnung schematisch
dargestellt und wird im folgenden unter Bezugnahme auf die Zeichnung ausführlich beschrieben.
Figurenbeschreibung
[0034]
- Figur 1
- zeigt schematisch den Aufbau einer Verarbeitungsmaschine, bei der eine Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens vorteilhaft angewendet werden kann; und
- Figur 2
- zeigt ein Flussdiagramm einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur
Verwendung für die Verarbeitungsmaschine gemäß Figur 1.
[0035] In Figur 1 ist eine Verarbeitungsmaschine, bei der eine Warenbahn 101 in Abschnitte
verschiedener Bahnspannung unterteilt ist, insgesamt mit 100 bezeichnet. In der Verarbeitungsmaschine
100 wird eine Warenbahn 101 transportiert und verarbeitet. Aus Gründen der Übersichtlichkeit
werden die Verarbeitungsvorrichtungen nicht selbst gezeigt. Die Warenbahn 101 bewegt
sich im vorliegenden Beispiel in die Richtung, die durch einen Pfeil V angegeben wird.
[0036] Die Warenbahn 101 ist, wie erwähnt, in mehrere Warenbahnabschnitte 111 bis 114 unterteilt.
Jeder Warenbahnabschnitt 111 bis 114 weist eine Ist- und eine Soll-Warenbahnspannung
auf. Den Warenbahnabschnitten 111 bis 114 sind jeweils Warenbahnquerschnitte A1 bis
A4 und Elastizitätsmoduln E1 bis E4 zugehörig.
[0037] Die Warenbahnabschnitte 111 bis 114 werden durch die zugehörigen Transportachsen
begrenzt. So wird beispielsweise der Warenbahnabschnitt 111 auf der einen Seite durch
die Transportachsen 200, 200' und auf der anderen Seite durch die Transportachsen
201, 201' begrenzt. Bei den Transportachsen 200 bis 204 handelt es sich um die angetriebenen
Transportachsen, wohingegen es sich bei den Transportachsen 200' bis 204' zum Beispiel
um antriebslose Gegendruckachsen handelt. Die Transportachsen 200, 200' drehen sich
mit einer Drehzahl n0, die Transportachsen 201, 201' drehen sich mit einer Drehzahl
n1, usw. Die Transportachsen 204, 204' schließlich drehen sich mit einer Drehzahl
n4.
[0038] Im Warenbahnabschnitt 111 ist eine Messvorrichtung 210 zur Ermittlung einer absoluten
Bahnspannung S1 in diesem Abschnitt vorgesehen. Gemäß der vorgeschlagenen Lösung werden
die Warenbahnspannungen in den Abschnitten 112, 113 und 114 anhand dieser ermittelten
ersten Warenbahnspannung bestimmt. Für diese Warenbahnabschnitte 112 bis 114 sind
keine Messvorrichtungen vorgesehen.
[0039] Im folgenden wird in Verbindung mit Figur 2 erläutert, wie die Warenbahnspannung
in den einzelnen Abschnitten 111 bis 114 bestimmt wird.
[0040] Das Verfahren beginnt in einem Verfahrensschritt 301. Anschließend wird in einem
Schritt 302 die Warenbahnspannung S1 im Abschnitt 111 mittels der Messeinrichtung
210 ermittelt. Anhand der Drehzahlen n0 und n1 der den Bahnabschnitt 111 begrenzenden
Transportachsen 200, 200', 201, 201' wird in einem Verfahrensschritt 303 eine Dehnung
d1 des Warenbahnabschnitts 111 bestimmt.
[0041] Aus der Warenbahnspannung S1 und der Dehnung d1 im ersten Warenbahnabschnitt 111
wird in einem Schritt 304 ein Elastizitätsmodul E1 der Warenbahn im Abschnitt 111
bestimmt.
[0042] Anhand der Drehzahlen n1, n2 der zugehörigen Transportachsen 201, ..., 202' wird
in einem Schritt 305 eine Dehnung d2 des Warenbahnabschnitts 112 bestimmt. Da durch
die im Warenbahnabschnitt 112 vorgenommene Verarbeitung der Warenbahn (nicht gezeigt)
der Elastizitätsmodul nicht verändert wird, kann hier ein Elastizitätsmodul E2 des
Warenbahnabschnitts 112 gleich dem Elastizitätsmodul E1 des Warenbahnabschnitts 111
gesetzt werden. Daraus wird in einem Verfahrensschritt 306 eine Warenbahnspannung
S2 des Warenbahnabschnitts 112 zu S2 = E2 x d2 bestimmt.
[0043] In Warenbahnabschnitt 113 erfolgt eine Verarbeitung der Warenbahn derart, dass eine
Veränderung des Warenbahnquerschnitts herbeigeführt wird. Der Warenbahnquerschnitt
A3 im Warenbahnabschnitt 113 unterscheidet sich demnach vom Warenbahnquerschnitt A2
im Abschnitt 112.
[0044] In einem Verfahrensschritt 307 wird anhand der Drehzahlen n2 und n3 der zugehörigen
Transportachsen 202, ... 203' eine Dehnung d3 im Warenbahnabschnitt 113 bestimmt.
In einem Verfahrensschritt 308 wird ein Elastizitätsmodul E3 des Warenbahnabschnitts
113 anhand der Querschnitte A3 und A2 und des Elastizitätsmoduls E2 zu E3 = E2 x A3/A2
bestimmt.
[0045] In einem Verfahrensschritt 309 wird eine Bahnspannung S3 des Warenbahnabschnitts
113 anhand der Dehnung d3 und des Elastizitätsmoduls E3 des Warenbahnabschnitts 113
zu S3 = E3 x d3 bestimmt.
[0046] Eine Warenbahnspannung S4 im Warenbahnabschnitt 114 wird anhand von Antriebsmomenten
der betreffenden Transportachsen bestimmt. In einen Verfahrensschritt 310 wird dazu
ein Antriebsmoment NA3 der Transportachse 203 ermittelt. Da ein Durchmesser D3 der
Antriebsachse 203 üblicherweise konstruktiv bekannt ist, wird in einem Verfahrensschritt
311 mittels des Hebelgesetzes anhand des Antriebsmoments NA3 und des Durchmessers
D3 die von der Antriebsachse 203 eingespeiste Bahnspannung SA3 zu SA3 = 2NA3/D3 bestimmt.
[0047] Schließlich wird in einem Verfahrensschritt 312 eine Bahnspannung S4 des Warenbahnabschnitts
114 anhand der ermittelten Warenbahnspannung S3 und der ermittelten eingespeisten
Warenbahnspannung SA3 zu S4 = S3 - SA3 bestimmt. Arbeitet die Transportachse 203 im
motorischen Bereich, ergibt sich ein positives Antriebsmoment NA3, arbeitet sie hingegen
im generatorischen Bereich, ergibt sich ein negatives Antriebsmoment NA3.
[0048] Bei der Bestimmung der Bahnspannung anhand der Antriebsmomente ist nachteilig, dass
Bearbeitungskräfte die Bahnspannung beeinflussen, Reibmomente durch nichtangetriebene
Leitwalzen die Bahnspannung beeinflussen, Reibmomente durch die Transportwalzen die
Bahnspannung beeinflussen, die Messung des Antriebsmoments häufig ungenau ist, da
das Antriebsmoment oft durch Messung des drehmomentbildenden Stroms und Multiplikation
der Drehmomentkonstante des Motors ermittelt wird, wobei besonders die Kenntnis der
Drehmomentkonstante starken Fertigungsstreuungen unterworfen ist, und die Messung
des Antriebsmoments im Antrieb oft stark schwankenden Werten unterworfen ist. Diesen
Nachteilen kann durch die oben genannten Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens
begegnet werden, wodurch die Genauigkeit dieser Bestimmung verbessert wird.
[0049] In einem Verfahrensschritt 313 werden die Ist-Bahnspannungswerte S1 bis S4 mit den
Soll-Bahnspannungswerten verglichen. Abweichungen werden durch im Stand der Technik
bekannte Maßnahmen (Drehzahlveränderung der Transportachse usw.) kompensiert. Damit
kann die vorgeschlagene Lösung vorteilhaft in Verbindung mit der Regelung von Bahnspannungen
verwendet werden.
[0050] Das Verfahren endet in einem Schritt 314.
Bezugszeichen
[0051]
- 100
- Verarbeitungsmaschine
- 101
- Warenbahn
- 111, 112, 113, 114
- Warenbahnabschnitte
- 200, 201, 202, 203, 204,
- Antriebswalze
- 200', 201', 202', 203', 204'
- Gegendruckwalze
- n0, ..., n4
- Drehzahlen
- E1, ..., E4
- Elastizitätsmoduln
- A1, ..., A4
- Querschnitte
- S1, ..., S4
- Warenbahnspannungen
- NA3
- Antriebsmoment
- D3
- Durchmesser
- SA3
- eingespeiste Warenbahnspanung
- V
- Transportrichtung
- 301, ..., 314
- Verfahrensschritte
1. Verfahren zum Bestimmen einer Bahnspannung (S2, S3, S4) wenigstens eines zweiten Bahnspannungsabschnitts
(112, 113, 114) in einer wenigstens zwei Bahnspannungsabschnitte (111, 112, 113, 114)
aufweisenden Warenbahn (101), wobei die Bahnspannung (S1) wenigstens eines ersten
(111) Bahnspannungsabschnitts ermittelt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Bahnspannung (S2, S3, S4) des wenigstens einen zweiten Bahnspannungsabschnitts
(112, 113, 114) auf Grundlage der ermittelten Bahnspannung (S1) des wenigstens einen
ersten Bahnspannungsabschnitts (111) bestimmt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bahnspannung (S1) des wenigstens einen ersten Bahnspannungsabschnitts (111) gemessen
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bahnspannung (S1) des wenigstens einen ersten Bahnspannungsabschnitts (111) unter
Berücksichtigung eines Elastizitätsmoduls (E1) des Warenbahnmaterials und einer Drehzahl
(n0, n1) wenigstens zweier Transportachsen ermittelt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bahnspannung (S1) des wenigstens einen ersten Bahnspannungsabschnitts (111) unter
Berücksichtigung eines bekannten Bahnspannungswertes und eines Antriebsmoments wenigstens
einer Transportachse (200) ermittelt wird.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bahnspannung (S2, S3, S4) des wenigstens einen zweiten Bahnspannungsabschnitts
(112, 113, 114) anhand einer Drehzahl (n1, n2; n2, n3; n3, n4) wenigstens zweier Transportachsen
(201, 202; 202, 203; 203, 204) bestimmt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Veränderung einer Dehnungseigenschaft, insbesondere eines Elastizitätsmoduls
(E1, E2, E3, E4), der Warenbahn (101) berücksichtigt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6 dadurch gekennzeichnet, dass für das Elastizitätsmodul (E1, E2, E3, E4) ein von einem ersten Querschnitt (A1,
A2, A3, A4) der Warenbahn (101) in einem Bahnspannungsabschnitt (111, 112, 113, 114)
abweichender zweiter Querschnitt (A1, A2, A3, A4) der Warenbahn (101) in einem anderen
Bahnspannungsabschnitt (111, 112, 113, 114) linear mit dem Verhältnis des ersten zum
zweiten Querschnitt (A1, A2, A3, A4) berücksichtigt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass ein Schlupf der Transportachsen (200, 201, 202, 203, 204) durch Schätzung oder durch
Messung des Schlupfes berücksichtigt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Bahnspannung (S2, S3, S4) des wenigstens einen zweiten Bahnspannungsabschnitts
(112, 113, 114) anhand eines Antriebsmoments (NA3) wenigstens einer Transportachse
(201, 202, 203, 204) bestimmt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Antriebsmoment (NA3) anhand eines Durchmessers (D3) der wenigstens einen Transportachse
(201, 202, 203, 204) mittels eines Hebelgesetzes in eine bahnspannungsverändernde
Kraft (FA3) umgerechnet wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass ein Reibmoment der wenigstens einen Transportachse (201, 202, 203, 204), insbesondere
mit einem konstanten und einem drehzahlproportionalen Anteil, oder einen durch eine
drehzahlabhängige Kennlinie vorgebbaren Anteil berücksichtigt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11 dadurch gekennzeichnet, dass das Reibmoment der wenigstens einen Transportachse (201, 202, 203, 204) anhand einer
manuellen, teilautomatisierten oder vollautomatisierten Messfahrt ermittelt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass ein Bearbeitungsmoment, insbesondere mit einem konstanten und einem drehzahlproportionalen
Anteil, oder einen durch eine drehzahlabhängige Kennlinie vorgebbaren Anteil berücksichtigt
wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass eine Messung des Antriebsmoments (NA3) mittels einer Filterung der gemessenen Momente,
der ermittelten Reibungen und/oder der Bearbeitungskräfte durchgeführt wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass bei einer Messung des Antriebsmoments (NA3) eine Kalibrierung von Antriebsdaten,
insbesondere einer Drehmomentkonstante des Motors, berücksichtigt wird.
16. Verfahren nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebsdaten anhand einer manuellen, teilautomatisierten oder vollautomatisierten
Messfahrt ermittelt werden.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass ein Feldschwächbetrieb eines Motors bei der Ermittlung des Antriebsmoments berücksichtigt
wird.
18. Recheneinheit zum Bestimmen der Bahnspannung (S2, S3, S4) des wenigstens einen zweiten
Bahnspannungsabschnitts (201, 202, 203, 204) auf Grundlage der im ersten Bahnspannungsabschnitt
(111) ermittelten Bahnspannung (S1) gemäß einem der Ansprüche 1 bis 17.
19. Computerprogramm mit Programmcode-Mitteln, um die Bahnspannung (S2, S3, S4) wenigstens
des wenigstens einen zweiten Bahnspannungsabschnitts (112, 113, 114) auf Grundlage
der im ersten Bahnspannungsabschnitt (111) ermittelten Bahnspannung (S1) gemäß einem
der Ansprüche 1 bis 17 zu bestimmen, wenn das Computerprogramm auf einem Computer
oder einer entsprechenden Recheneinheit, insbesondere gemäß Anspruch 18, ausgeführt
wird.
20. Computerprogrammprodukt mit Programmcode-Mitteln, die auf einem computerlesbaren Datenträger
gespeichert sind, um die Bahnspannung (S2, S3, S4) des wenigstens einen zweiten Bahnspannungsabschnitts
(112, 113, 114) auf Grundlage der im ersten Bahnspannungsabschnitt (111) ermittelten
Bahnspannung (S1) gemäß einem der Ansprüche 1 bis 17 zu bestimmen, wenn das Computerprogrammprodukt
auf einem Computer oder auf einer entsprechenden Recheneinheit, insbesondere gemäß
Anspruch 18, ausgeführt wird.
21. Verwendung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 17 in Verbindung mit einer
Bahnspannungsregelung.