[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Kupferlegierung. Insbesondere betrifft die
vorliegende Erfindung eine migrationsarme Kupferlegierung zur Herstellung von Bauteilen
für die Gas- und Sanitärinstallation, speziell für Bauteile, die bei der Trinkwasserinstallation
Anwendung finden und unmittelbar mit dem in den Bauteilen, in der Regel Rohre, Fittings
und Armaturen, geführten Trinkwasser in Kontakt kommen.
[0002] Werkstoffe zur Herstellung von Bauteilen für die Gas- und Wasserinstallation unterliegen
besonderen Anforderungen, die insbesondere an trinkwasserführende Leitungen und ihre
Komponenten gestellt werden. Hier ist zuvorderst die Korrosionsbeständigkeit der Bauteile
zu nennen, denn die eingesetzten Bauteile sollen auch bei einem langjährigen Einsatz
nicht korrodieren. Darüber hinaus werden besondere Anforderungen an die Herstellbarkeit
und die Verarbeitbarkeit gestellt, wobei sich die Legierungen nicht nur einfach und
wirtschaftlich gießen lassen müssen, sondern darüber hinaus auch das Erfordernis besteht,
dass die gegossenen Bauteile einfach mechanisch zu bearbeiten sind. Dabei ist insbesondere
auf eine gute Zerspanbarkeit zu achten. Schließlich müssen die aus der Kupferlegierung
hergestellten Bauteile auch für den Einsatzbereich erforderlichen mechanischen Beanspruchungen
Stand halten. So wird regelmäßig bei Kupfer-Zinn-Zink-Legierungen eine Zugfestigkeit
von mehr als 180 N/mm
2 bei einer 0,2%-Dehngrenze von 85 N/mm
2 für erforderlich erachtet. Bei Bronzen (Kupfer-Zinn-Legierungen) sollten die Zugfestigkeit
bei 240 N/mm
2 und die 0,2%-Dehngrenze bei 130 N/mm
2 und mehr liegen.
[0003] Von besonderem Interesse ist ferner das Verhalten der Werkstoffe hinsichtlich der
Abgabe von Ionen der Legierungskomponenten der Werkstoffe bzw. von Reaktionsprodukten
mit Wasserinhaltsstoffen. Hier sind zum Schutz der Verbraucher sehr enge Grenzen hinsichtlich
der erlaubten Abgabe von Metallionen aus den Bauteilen in das Trinkwasser einzuhalten.
[0004] Neben anderen Legierungen werden heutzutage auch hoch kupferhaltige Buntmetall-Legierungen,
wie Bronze oder Rotguss zur Herstellung der medienführenden Bauteile von Gas- und
Wasserleitungen eingesetzt. Im Hinblick auf eine gute maschinelle Bearbeitbarkeit
werden diesen Buntmetall-Legierungen gewisse Mengen an Blei zugesetzt. Zur Erhöhung
der Korrosionsbeständigkeit und der Festigkeit ist die Zugabe von Nickel zu bevorzugen.
[0005] Übliche Vertreter von Bronze-Guss-Legierungen sind in DIN EN 1982 zusammengestellt.
Beispielhaft soll hier die Rotguss-Legierung CuSn5Zn5Pb5 mit jeweils zwischen 4 bis
6 Gew.-% Zinn, Zink und Blei bei einem Gehalt von bis zu 2,0 Gew.-% Nickel und bis
zu 0,1 Gew.-% Phosphor sowie als Beimengungen bis zu 0,3 Gew.-% Eisen und bis zu 0,25
Gew.-% Antimon genannt werden. Dieser Werkstoff zeichnet sich zwar durch eine gute
Gießbarkeit sowie Korrosionsbeständigkeit auch gegenüber Meerwasser aus. Hinsichtlich
der Abgabe von Metallionen in das Wasser muss dieser Werkstoff indes vor dem Hintergrund
der künftig zu erwartenden Grenzwerte als nicht zufriedenstellend angesehen werden.
Hier wird insbesondere die hohe Bleiabgabe von CuSn5Zn5Pb5 bemängelt.
[0006] Mit der
EP-1 045 041 ist bereits eine bleifreie Kupferlegierung vorgeschlagen worden, die eine zufriedenstellende
Zerspanbarkeit aufweisen soll und welche bis zu 79 Gew.-% Kupfer, zwischen 2 und 4
Gew.-% Silicium und als Rest Zink aufweist. Diese Legierung kommt speziell zur Herstellung
von Armaturen, Fittings und dergleichen Teile für wasserführende Rohrleitungssysteme
in Frage. Die Legierung verhält sich indes insbesondere im Hinblick auf die Korrosionsbeständigkeit
nicht wie Rotguss und kann folglich diesen nicht substituieren.
[0007] Die
GB-1 443 090 offenbart eine im Hinblick auf Entzinkung verbesserte Kupferlegierung mit zwischen
80 und 90 Gew.-% Kupfer, zwischen 6,3 und 17,5 Gew.-% Zink und zwischen 2,8 und 4,75
Gew.-% Silicium als wesentliche Legierungsbestandteile mit zwischen 0,03 und 0,05
Gew.-% Arsen. Zur Verbesserung der Korrosionseigenschaften wird nach dem Lösungsvorschlag
der
GB-1, 443 090 eine Wärmebehandlung der gegossenen Teile vorgeschlagen. Bei dieser Wärmebehandlung
werden die gegossenen Teile bei Temperaturen zwischen 600°C und 750°C über die Dauer
von 5 bis 10 Tagen geglüht und nachfolgend abgeschreckt. Diese Wärmebehandlung wird
mit dem Ziel durchgeführt, die im Hinblick auf die Korrosion zu bevorzugende α- und
ξ-Phase zu erhalten. Durch das Abschrecken soll insbesondere die Ausbildung von Phasen
vermieden werden, deren Korrosionswiderstand gering ist, so der p- und χ-Phase.
[0008] Aus der
GB-1 385 411 ist eine Kupferlegierung bekannt, die bis zu 10 Gew.-% Aluminium und bis zu 5 Gew.-%
Eisen hat und die zur Herstellung von wasserführenden Bauteilen von Wasserinstallationen
zum Einsatz kommt. Diese Legierung zeigt indes ein unzureichendes Korrosionsverhalten
und insbesondere eine zu hohe Migration von Metallionen in das Wasser.
[0009] Der vorliegenden Erfindung liegt das Problem zugrunde, eine hinsichtlich des Migrationsverhaltens
verbesserte Kupferlegierung anzugeben, die sich insbesondere zur Herstellung von medienführenden
Gas- bzw. Wasserleitungen und deren Teile eignet und die eine gute Korrosionsbeständigkeit
gegenüber den Medien, eine gute Festigkeit und eine gute Bearbeitbarkeit und Gießbarkeit
hat. Bei der Bearbeitbarkeit kommt es insbesondere auf die Zerspanungseigenschaften
der Kupferlegierung an. Darüber hinaus will die Erfindung entsprechende medienführende
Bauteile, insbesondere Fittings oder Armaturen, angeben, sowie eine vorteilhafte Verwendung
der erfindungsgemäßen Kupferlegierung.
[0010] Im Hinblick auf den stoffbezogenen Aspekt der vorliegenden Erfindung wird mit dieser
eine Kupferlegierung mit den Merkmalen von Anspruch 1 vorgeschlagen. Diese Kupferlegierung
umfasst zwischen 2 und 4,5 Gew.-% Silicium, zwischen 1 und 15 Gew.-% Zink und zwischen
0,05 und 2 Gew.-% Mangan. Neben diesen notwendigen Elementen kann die Kupferlegierung
zwischen 0,05 und 0,4 Gew.-% Aluminium und/oder zwischen 0,05 und 2 Gew.-% Zinn enthalten.
Als Rest sind in der Legierung Kupfer und unvermeidbare Verunreinigungen enthalten.
Diese Verunreinigungen sind vorzugsweise auf einen Anteil von 0,5 Gew.-% beschränkt.
Besonders bevorzugt liegt die Obergrenze für die Verunreinigungen bei 0,25 %. Diese
Obergrenze gilt insbesondere für den kumulativen Anteil an Nickel und Blei in der
Legierung, was sich als besonders wirksame Maßnahme zur Unterdrückung der Migration
von Blei bzw. Nickel erwiesen hat. Im Hinblick darauf ist die Legierung vorzugsweise
frei von Blei- und/oder Nickel. Als bleifreie Legierung wird eine Legierung angesehen,
bei welcher der Anteil an Blei weniger als 0,25 % beträgt. Als nickelfreie Legierung
wird eine Legierung angesehen, bei welcher der Anteil an Nickel weniger als 0,15 %
beträgt.
[0011] Es hat sich gezeigt, dass mit einer erfindungsgemäßen Kupferlegierung, wie sie in
Anspruch 1 angegeben ist, bestmöglich den an Bauteile für medienführende Gas- bzw.
Wasserleitungen zu stellenden Anforderungen entsprochen werden kann. So zeigt die
Legierung ein gutes Gießverhalten. Die durch Gießen hergestellten Bauteile lassen
sich gut spanhebend bearbeiten. Versuche an Probestücken haben gezeigt, dass die Festigkeit
den zu stellenden Anforderungen entspricht. Darüber hinaus ist die Korrosionsbeständigkeit
der Legierung hoch.
[0012] In praktischen Versuchen konnte bestätigt werden, dass die in Rede stehenden Bauteile
für medienführende Leitungen ohne Weiteres mit den üblichen Gussverfahren, beispielsweise
im Sand-, Kokillen-, Schleuder- oder Stranggussverfahren, hergestellt werden können.
Hinsichtlich der Abkühlbedingungen aus der Schmelze gelten keine besonderen Anforderungen.
Das so gewonnene Gussteil kann gut spanhebend bearbeitet werden. Zur Verminderung
der Migrationsneigung des Gussteils kann dieses vorzugsweise vor einer spanhebenden
Bearbeitung einer Wärmebehandlung unterzogen werden. Dabei wird das Gussteil vorzugsweise
bei zwischen 400°C und 800°C für mindestens eine halbe Stunde geglüht. Vorzugsweise
erfolgt die Wärmebehandlung in einem Temperaturintervall von zwischen 600°C und 700°C.
Die Glühzeit kann beliebig lang sein. Im Hinblick auf wirtschaftliche Randbedingungen
wird diese indes mit zwischen 2 und 16 Stunden festgelegt. In diese Glühzeit ist die
Aufzeitphase nicht einbezogen.
[0013] Das Glühen erfolgt insbesondere mit dem Ziel, in dem gegossenen Bauteil die α-Phase
einzustellen, die nach der derzeitigen Vorstellen der Erfinder die zu erzielende Kombination
unterschiedlicher Eigenschaften ermöglicht. Es sei aber darauf hingewiesen, dass bereits
der überwiegende Teil der notwendigen Legierungselemente Kupfer, Zink und Silicium
bei einer natürlichen Abkühlung aus der Schmelze ohne gesonderte Wärmebehandlung in
Form von α-Mischkristallen erstarrt.
[0014] Eine Zugabe von Silicium innerhalb des angegebenen Intervalls begünstig ferner den
Spanbruch bei der Bearbeitung. Mit zunehmendem Silicium-Gehalt erhöht sich jedoch
auch der Werkzeugverschleiß bei der spanabhebenden Bearbeitung von aus der Legierung
hergestellten Bauteilen. Dementsprechend wird die Obergrenze für den Silicium-Gehalt
nicht zuletzt auch im Hinblick auf die mechanische Bearbeitbarkeit der Legierung auf
4,5 Gew.-% festgelegt.
[0015] Im Hinblick auf die geforderte Korrosionsbeständigkeit ist bei der erfindungsgemäßen
Kupferlegierung der Zinkgehalt auf 15 Gew.-% beschränkt. Ein Mindestgehalt von 1 Gew.-%
Zink garantiert hingegen ein Mindestmaß an Zerspanbarkeit.
[0016] Mangan wird der Legierung in den Grenzen von 0,05 bis 2 Gew.-% zugegeben, um die
Gefügestruktur zu verbessern. Mangan verfeinert das Gefüge und beeinflusst das Erstarrungsverhalten
der Kupferlegierung positiv. Der Mangangehalt ist allerdings mit Rücksicht auf die
Migrationsneigung von Mangan auf 2 Gew.-% beschränkt.
[0017] Mit einer Beschränkung der Summe der Verunreinigungen auf maximal 0,5 Gew.-% wird
der Gehalt an Inhaltsstoffen, die möglicherweise in das Trinkwasser migrieren können,
auf ein auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gewähltes Minimum beschränkt.
Mit einem weiter eingeschränkten oberen Grenzwert für die unvermeidbaren Verunreinigungen
von 0,25 Gew.-% kann eine höhere Sicherheit gegen Migration, jedoch zu Lasten der
Herstellungskosten erreicht werden.
[0018] Vorzugsweise enthält die erfindungsgemäße Legierung zwischen 5 und 15 Gew.-% Zink.
In diesem eingeschränkten Intervall kann eine bestmögliche Kombination aus Korrosionsbeständigkeit
und Zerspanbarkeit erzielt werden.
[0019] Zur Optimierung der Festigkeit bei ausreichenden Dehnungseigenschaften des Materials
in Kombination mit guten Migrationswerten wird der Siliciumgehalt auf zwischen 2,8
Gew.-% und 4 Gew.-% festgelegt.
[0020] Zur weiteren Verminderung der Migrationsneigung von Mangan wird dessen Gehalt vorzugsweise
auf 0,2 bis 0,6 Gew.-% festgelegt. Die Legierung enthält aus gleichen Gründen vorzugsweise
überhaupt kein Nickel bzw. Blei. Der Kupfergehalt in der Legierung soll mindestens
80 und maximal 96,95 Gew.-% betragen.
[0021] Gemäß einem zweiten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird die Verwendung der erfindungsgemäßen
Kupferlegierung zur Herstellung von Bauteilen für medienführende Gas- bzw. Wasserleitungen
vorgeschlagen. Hierunter sind insbesondere solche Bauteile zu verstehen, welche Trinkwasserleitungen
bilden, wie insbesondere Fittings und Armaturen sowie Teile hiervon. Nicht zuletzt
aufgrund der guten Spannungs-DehnungsEigenschaften der erfindungsgemäßen Kupferlegierung
soll vorzugsweise ein Pressverbinder aus der erfindungsgemäßen Kupferlegierung hergestellt
werden. Die Pressverbinder können entweder als separate Bauteile ausgebildet sein
oder stoff- oder formschlüssig an dem Fitting bzw. der Armatur vorgesehen sein. Auch
können die Pressverbinder als integrale Bestandteile beim Gießen der Armatur bzw.
des Fittings aus der erfindungsgemäßen Kupferlegierung verwirklicht werden. Die erfindungsgemäße
Gusslegierung eignet sich insbesondere zur Herstellung eines Elementes einer Pressverbindungsanordnung,
wie sie beispielsweise aus der
EP 0 343 395 oder der
DE 10 2004 031 247 bekannt ist.
[0022] Die vorliegende Erfindung soll nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels in Verbindung
mit der Zeichnung verdeutlicht werden. Die Zeichnung zeigt:
- Fig. 1
- ein Schaubild mit einem Vergleich der Bleimigration eines Ausführungsbeispiels der
erfindungsgemäßen Kupferlegierung gegenüber einer konventionellen Rotguss-Legierung;
- Fig. 2
- ein Schaubild mit einem Vergleich der Nickelmigration eines Ausführungsbeispiels der
erfindungsgemäßen Kupferlegierung gegenüber einer konventionellen Rotguss-Legierung;
- Fig. 3
- ein Schaubild mit einem Vergleich der Kupfermigration eines Ausführungsbeispiels der
erfindungsgemäßen Kupferlegierung gegenüber einer konventionellen Rotguss-Legierung;
und
- Fig. 4
- ein Schaubild mit einem Vergleich der Zinkmigration eines Ausführungsbeispiels der
erfindungsgemäßen Kupferlegierung gegenüber einer konventionellen Rotguss-Legierung.
[0023] Die Fig. 1 bis 4 zeigen den zeitlichen Verlauf der Abgabe von bestimmten Metallionen
bei einer Messanordnung gemäß DIN 50931-1 über eine Zeit von insgesamt 26 Wochen.
Die DIN legt dabei die Prüfungsanordnung und die Prüfungsbedingungen fest, mit deren
Hilfe die Korrosionswahrscheinlichkeit von Werkstoffen für metallische Komponenten
einer Trinkwasserinstallation bei Korrosionsbelastung bei Trinkwasser ermittelt werden
kann.
[0024] Dargestellt ist jeweils der zeitliche Verlauf bei Verwendung eines Ausführungsbeispiels
einer erfindungsgemäßen Kupferlegierung mit folgender Zusammensetzung:
Si: 3,5 Gew.-%;
Zn: 1,6 Gew.-%;
Mn: 0,5 Gew.-%;
unvermeidbare Verunreinigungen in Summe: max. 0,5 Gew.-%;
und als Rest Kupfer.
[0025] Die Ergebnisse werden in den jeweiligen Darstellungen der Fig. 1 bis 4 mit denjenigen
Messwerten verglichen, die bei einer konventionellen Rotguss-Legierung bei gleichen
Versuchsbedingungen erzielt werden können. Die Rotguss-Legierung hat folgende Zusammensetzung:
Zn: 5,5 Gew.-%;
Sn: 4,5 Gew.-%;
Pb: 3,0 Gew.-%;
Ni: 0,5 Gew.-%;
Rest: Kupfer und unvermeidbare Verunreinigungen.
[0026] Die Messergebnisse mit dem Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Kupferlegierung
sind mit A gekennzeichnet. Die Vergleichsmessung mit der Rotguss-Legierung mit B.
[0027] Neben dem vorerwähnten Vergleich enthalten die Figuren 1 bis 3 auch einen Grenzwert
gemäß der deutschen Trinkwasserverordnung (TrinkwV) für die Abgabe bestimmter Ionen
an Wasser und den bei Migrationsversuchen einzuhaltenden Parameterwert W(15). Dieser
Parameterwert W(15) muss eingehalten werden, wenn eine Überschreitung des Wertes der
TrinkwV bei der Verwendung des geprüften Bauteils vermieden werden soll. Der Parameterwert
W(15) ergibt sich aus dem Produkt des Grenzwertes nach der TrinkwV und dem Verhältnis
der Formfaktoren A und B. Der Formfaktor A ergibt sich nach DIN 50931-1 aus dem Verhältnis
der wasserberührten Oberfläche des Werkstoffs zur wasserberührten Oberfläche der gesamten
Versuchsstrecke. Der Formfaktor B ist ein Normierungsfaktor gemäß DIN 50930-6, welcher
die Art der Bauteile berücksichtigt.
[0028] Fig. 1 verdeutlicht, dass die Bleiabgabemenge der Rotguss-Legierung von einem sehr
hohen Wert, größer als 50 µg/l, innerhalb der ersten vier Versuchswochen nahezu exponentiell
auf einen Wert abfällt, welcher sich knapp oberhalb des Grenzwertes der deutschen
TrinkwV von 10 µg/l nach 12 bis 26 Versuchswochen einstellt. Man führt diese deutliche
Überschreitung zu Beginn der Versuche darauf zurück, dass durch die Bearbeitung und
Herstellung des Versuchsteils an die Oberfläche des zu prüfenden Bauteils gelangtes
Blei in das Trinkwasser migriert. Nach den ersten Wochen ist das oberflächennahe Blei
aus dem Probenkörper migriert und die Menge des abgegebenen Bleis bleibt in etwa konstant.
[0029] Das Ausführungsbeispiel nach der Erfindung A gibt dagegen an das Trinkwasser so gut
wie kein Blei ab. Auch ein erhöhter Wert zu Beginn der Versuche ist nicht zu erkennen.
Da die gemessenen Werte an der Grenze der Auflösung der Messanalytik liegt, werden
die Schwankungen der Messwerte auf die Messgenauigkeit der Messapparatur zurückgeführt.
Im Wesentlichen bleibt der Messwert für die Bleiabgabe bei der erfindungsgemäßen Probe
deutlich unterhalb des Grenzwertes der TrinkwV von 10 µg/l.
[0030] Entsprechendes gilt für die Fig. 2 dargestellte Nickelabgabe der verglichenen Proben.
Die Vergleichsprobe aus der Rotguss-Legierung zeigt einen typischen Verlauf, bei dem
die konventionelle Legierung nach neun Wochen den Grenzwert nach der deutschen TrinkwV
überschreitet, um nach einem Maximum in etwa in der 18. Woche langsam wieder in Richtung
des Grenzwertes der TrinkwV zu fallen. Zwar kann das Ansteigen der Nickelkonzentration
im Trinkwasser durch die Rotguss-Legierung B bisher nicht genau erklärt werden. Der
Anstieg ist aber reproduzierbar. Der durch die TrinkwV ausgegebene Grenzwert wird
nicht eingehalten.
[0031] Im Vergleich dazu gibt die erfindungsgemäße Kupferlegierung A keine nennenswerte
Nickel-lonen an das Trinkwasser ab. Auch hier liegen die gemessenen Werte von etwa
2 µg/l im Bereich der Auflösung der bei den Messgeräten verwandten Analytik.
[0032] Bei der Kupferabgabe (Fig. 3) zeigen die beiden verglichenen Legierungen im Wesentlichen
den gleichen Verlauf. Die erfindungsgemäße Legierung A nimmt aber jeweils innerhalb
der zeitlich aussagekräftigen Versuchsergebnisse geringere Werte für die Kupferabgabe
in µg/l ein. Das Maximum für beide Legierungen liegt bei dem Messwert nach 18 Versuchswochen.
Danach fällt die Kupferabgabe für beide Legierungen ab. Die besseren Migrationswerte
für das Element Kupfer gegenüber konventionellem Rotguss belegen die verbesserte Korrosionsbeständigkeit
der erfindungsgemäßen Legierung und waren zunächst nicht zu erwarten, da die erfindungsgemäße
Legierung einen höheren KupferAnteil als konventioneller Rotguss hat. Es zeigte sich
jedoch, dass gerade dieser hoher Kupferanteil von 80 % und höher die wesentliche Ursache
für das verbesserte Migrationsverhalten darstellt. Beide Legierungen halten im Übrigen
selbst in ihrem Maximum einen hinreichenden Abstand zu dem W (15-Wert) ein. Unter
Berücksichtigung des Versuchsaufbaus ergibt sich damit eine Einhaltung der Grenzwerte
nach TrinkwV. Im Vergleich fällt allerdings auf, dass die erfindungsgemäße Legierung
A sich gegenüber der konventionellen Legierung B mit einem Differenzbetrag von etwa
500 µg/l, entsprechend 20 bis 25 % günstiger, verhält.
[0033] Schließlich zeigt Fig. 4 die durch die Legierung an das Trinkwasser abgegebene Menge
an Zink. Für Zink ist nach der TrinkwV kein Grenzwert festgelegt. Der Verlauf für
die Zinkabgabe bei der erfindungsgemäßen Kupferlegierung A unterscheidet sich erheblich
von dem entsprechenden Verlauf für die Vergleichslegierung B. Die Migration des Ausführungsbeispiels
A der erfindungsgemäßen Legierung von Zink liegt zu jeder Zeit bei unter 100 µg/l.
Die konventionelle Legierung B übersteigt diesen Wert um das Vielfache.
[0034] Die in den Fig. 1 bis 4 gezeigten Diagramme verdeutlichen die Vorteile der erfindungsgemäßen
Kupferlegierung, insbesondere den Einfluss des Siliciums zur Unterdrückung von unerwünschter
Metallionenmigration in das Trinkwasser.
1. Kupferlegierung umfassend, in Gew.-%:
2≤Si≤4,5;
1 ≤Zn≤15; und
0,05≤Mn≤2;
optional ferner umfassend;
0,05 ≤ Al≤ 0,4;
0,05 ≤ Sn ≤ 2;
Rest Kupfer und unvermeidbare Verunreinigungen.
2. Kupferlegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
5 Gew.-%≤ Zn≤ 15 Gew.-%.
3. Kupferlegierung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
2,8 Gew.-% ≤ Si ≤ 4 Gew.-%.
4. Kupferlegierung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass 0,2 Gew.-%≤ Mn ≤ 0,6 Gew.-%.
5. Kupferlegierung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die unvermeidbaren Verunreinigungen insgesamt mit nicht mehr als 0,5 Gew.-% enthalten
sind.
6. Kupferlegierung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die unvermeidbaren Verunreinigungen insgesamt mit nicht mehr als 0,25 Gew.-% enthalten
sind.
7. Kupferlegierung nach einem der Ansprüche 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass Ni und/oder Pb als unvermeidbare Verunreinigungen mit insgesamt nicht mehr als 0,25
Gew.-% enthalten sind.
8. Kupferlegierung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass 80 Gew.-% ≤ Cu ≤ 96,95 Gew.-%.
9. Verwendung einer Kupferlegierung nach einem der Ansprüche 1 bis 8 zur Herstellung
von Bauteilen für mediumführende Gas- bzw. Wasserleitungen, insbesondere Trinkwasserleitungen
sowie Fittings und Armaturen derselben.
10. Verwendung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Kupferlegierung zur Herstellung von Pressverbinder verwendet wird.
11. Verwendung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass zur Herstellung von Armaturen mit festem Pressanschluss verwendet wird.
12. Bauteile für medienführende Gas- bzw. Wasserleitungen, insbesondere Trinkwasserleitungen
sowie Fittings und Armaturen derselben, zumindest teilweise bestehend aus einer Kupferlegierung
nach einem der Ansprüche 1 bis 8.
13. Bauteil nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Elemente Cu, Zn und Si zu mehr als 98 Gew.-% in Form eines α-Mischkristalls vorliegen.
14. Bauteile nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteile Pressverbinder sind.
15. Bauteile nach einem der Ansprüche 12 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteile Armaturen mit festem Pressanschluss sind.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 86(2) EPÜ.
1. Verwendung einer Kupferlegierung zur Herstellung von Bauteilen für mediumführende
Gas- bzw. Wasserleitungen, insbesondere Trinkwasserleitungen sowie Fittings und Armaturen
derselben, wobei die Kupferlegierung umfasst, in Gew.-%:

und

optional ferner umfassend;

und unvermeidbare Verunreinigungen.
2. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kupferlegierung zur Herstellung von Pressverbinder verwendet wird.
3. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kupferlegierung zur Herstellung von Armaturen mit festem Pressanschluss verwendet
wird.
4. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass 5 Gew.-%≤ Zn ≤15 Gew.-%.
5. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 4 dadurch gekennzeichnet, dass 0,2 Gew.-% ≤ Mn ≤ 0,6 Gew.-%.
6. Verwendung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die unvermeidbaren Verunreinigungen insgesamt mit nicht mehr als 0,5 Gew.-% enthalten
sind.
7. Verwendung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die unvermeidbaren Verunreinigungen insgesamt mit nicht mehr als 0,25 Gew.-% enthalten
sind.
8. Verwendung nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass Ni und/oder Pb als unvermeidbare Verunreinigungen mit insgesamt nicht mehr als 0,25
Gew.-% enthalten sind.
9. Bauteile für medienführende Gas- bzw. Wasserleitungen, insbesondere Trinkwasserleitungen
sowie Fittings und Armaturen derselben, zumindest teilweise bestehend aus einer Kupferlegierung,
die umfasst, in Gew.-%:

und

optional ferner umfassend;

und unvermeidbare Verunreinigungen.
10. Bauteil nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Elemente Cu, Zn und Si zu mehr als 98 Gew.-% in Form eines α-Mischkristalls vorliegen.
11. Bauteile nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteile Pressverbinder sind.
12. Bauteile nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteile Armaturen mit festem Pressanschluss sind.
13. Bauteil nach einem der Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass 5 Gew.-% ≤ Zn ≤ 15 Gew.-%.
14. Bauteil nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass 0,2 Gew.-% ≤ Mn ≤ 0,6 Gew.-%
15. Bauteil nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die unvermeidbaren Verunreinigungen insgesamt mit nicht mehr als 0,5 Gew.-% enthalten
sind.
16. Bauteil nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die unvermeidbaren Verunreinigungen insgesamt mit nicht mehr als 0,25 Gew.-% enthalten
sind.
17. Bauteil nach einem der Ansprüche 15 oder 16, dadurch gekennzeichnet, dass Ni und/oder Pb als unvermeidbare Verunreinigungen mit insgesamt nicht mehr als 0,25
Gew.-% enthalten sind.