[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft allgemein eine Textilmaschine und im spezifischen
eine Spinnmaschine für die Herstellung von Garn gemäss dem Oberbegriff des unabhängigen
Anspruches 1.
[0002] Viele Textilmaschinen, insbesondere Spinnmaschinen, besitzen mehrere Arbeits- bzw.
Spinnstellen. Textilmaschinen bei denen ein Garn produziert oder umgespult werden
muss sind in der Regel mit eigenen Spuleinheiten ausgestattet, welche Garn auf Spulenhülsen
zu Spulen aufwickeln. Für die Entnahme der vollen Spulen weist die Textilmaschinen
in der Regel ein Automaten - in dieser Schrift Roboter genannt - auf, welcher die
vollen Spulen auf ein Abräum- bzw. Transportband ablegt. Der Roboter kann sich über
mehrere bzw. alle Arbeitsstationen oder Spinnstellen bewegen und ist unter anderem
in der Lage die (vollen) Spulen aus der jeweiligen Spuleinheit zu entnehmen und diese
auf das Abräumband abzulegen. Das Abräumband verläuft entlang der gesamten Maschine,
an jeder Arbeitsstation oder Spinnstelle vorbei, und dient dazu die vom Automaten
abgelegten Spulen an eines der Enden der Textilmaschine zu befördern. Derartige Vorrichtungen
sind Stand der Technik. Die
EP 393 363 A1 beschreibt beispielsweise eine derartig aufgebaute Textilmaschine. Wie aus den Figuren
der Schrift ersichtlich, ist es bekannt solche Textilmaschinen zweiseitig zu konzipieren,
d.h. an beiden Längsseiten Spinn- bzw. Arbeitsstellen vorzusehen, welche ein gemeinsames
Abräumband beliefern.
[0003] Textilmaschinen gemäss dem vorangehenden Absatz haben sich in der Praxis bewährt,
weisen allerdings einen Nachteil bei Rohstoffwechsel oder bei sog. Partiewechsel (d.h.
Garn mit neuen Eigenschaften wird hergestellt) auf. Die Arbeitsweise der Textilmaschine
bzw. die Funktionsweise des Abräumbandes ist einwandfrei, solange sämtliche Arbeitsstationen
bzw. Spinnstellen der Maschine dasselbe Produkt bzw. Spulen mit dem gleichen Garn
herstellen. Naturgemäss kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass der Betreiber der Anlage
die Produktion der Textilmaschine umstellen will. Aufgrund des Aufbaues der Maschine
ist es nun nicht möglich einzelne Spinn- oder Arbeitsstellen mit den neuen Einstellungen
oder Rohstoff zu betreiben, bis nicht die letzte Arbeitsstelle mit der Produktion
des alten Sortimentes abgeschlossen hat. Dies liegt einerseits daran, dass Textilmaschinen
durchgehende Antriebe haben und einzelne Arbeitsstationen nicht vor Maschinenstillstand
umgerüstet werden können und andererseits daran, dass der Roboter alle Spulen auf
das Abräumband ablegt und man daher die Spulen mit der neuen Partie nicht von den
Spulen mit der alten Partie unterscheiden kann. Ein "Auslaufenlassen" der Produktion
an der gesamten Textilmaschine verschlechtert deren Produktivität natürlich erheblich:
99 Prozent der Arbeitsstellen würden quasi im Lehrlauf betrieben oder stillgesetzt
sein bis nicht die allerletzte Einheit seine Produktion abgeschlossen hat. Um den
Nutzeffekt/Produktivität der Maschine nicht allzu sehr zu verschlechtern, setzt man
daher ab einem gewissen Zeitpunkt die gesamte Maschine still und stellt anschliessend
jede einzelne Arbeits- oder Spinnstelle auf den neuen Rohstoff bzw. auf die neue Partie
um.
[0004] Dieses Problem ist bekannt und wurde durch die Fachwelt bereits teilweise gelöst
durch die konstruktive Gestaltung einer Textilmaschine gemäss der
DE 38 28 592 A1 oder der Rieter Open-End-Spinnmaschine BT-923. Diese doppelseitigen Textilmaschinen
weisen zwei Abräumbänder auf, so dass jede Längsseite der Maschine ihr eigenes Abräumband
besitzt. Auf diese Weise ist es möglich, nur eine Maschinenseite jeweils stillzusetzen
und umzurüsten, während die andere Maschinenseite noch weiterproduziert. Es ist sogar
möglich, dass die beiden Maschinenseiten gleichzeitig zwei unterschiedliche Garne
herstellen, da jede Maschinenseite ihr eigenes Abräumband besitzt und die vollen Spulen
daher nicht verwechselt werden können.
[0005] Das oben erwähnte Produktivitätsproblem beim Rohstoff- bzw. Sortimentswechsel bleibt
aber auch durch die Konstruktionen gemäss der
DE 38 28 592 A1 oder der BT-923 nur teilweise gelöst, denn beide Maschine verlangen dass eine gesamte
Maschinenseite stillgesetzt wird oder dass die Produktion auf dieser Maschinenseite
mit dem neuen Sortiment erst dann wieder aufgenommen wird, wenn die letzte Arbeitsstation
die Produktion des alten Sortiments eingestellt hat. Auch hier stehen eine Vielzahl
von Arbeits- oder Spinnstellen still, bis deren Produktion nach der Umrüstung der
gesamten einen Maschinenseite wieder aufgenommen werden kann.
[0006] Bei hochproduktiven Spinnverfahren ist jeder Abfall des Nutzeffektes sehr kritisch
zu beurteilen. Je höher die Produktion bzw. Liefergeschwindigkeit ist, desto mehr
zählt die produktive Zeit einer Maschine. Dies ist vor allem kritisch, wenn die Maschine
wegen eines Rohstoffwechsels oder eines Partiewechsel (die Spinnstelleneinstellungen
müssen für die Produktion eines neuen Garns verändert werden) umgestellt werden muss.
Bisher musste, wie erwähnt, die gesamte Maschine oder eine ganze Maschinenseite stillgesetzt
werden, um dann sämtliche Spinnstellen einzeln umzustellen. Das heisst, es stehen
bei einer Maschine mit z.B. 200 Arbeiteinheiten mindestens 100 Arbeitseinheiten (eine
Maschinenseite) still bis sämtliche der betroffenen Arbeitseinheiten, Einheit nach
Einheit, umgestellt worden sind. Der Produktivitätsverlust bei einer hochproduktiven
Maschine ist damit sehr hoch.
[0007] Nebst diesem Produktivitätsverlust, weisen Maschinen gemäss dem Stand der Technik
aber noch einen weiteren Nachteil auf: Um den Nutzeffekt der Maschine nicht allzu
sehr zu verschlechtern, setzt man wie erwähnt ab einem gewissen Zeitpunkt die gesamte
Maschine oder die betroffene Maschinenseite still, um die einzelnen Arbeits- oder
Spinnstellen auf den neuen Rohstoff umzustellen. Der alte Rohstoff wird somit nicht
vollständig aufgebraucht und ist Ausschuss. Dies stellt selbstverständlich auch ein
Kostenfaktor dar. Im Gegensatz zu Textilmaschinen mit durchgehenden Antrieben (z.B.
Ringspinn-Maschinen), wird bei Open-End-Maschinen dieses Problem dadurch etwas entschärft,
dass hier jede Spinnstelle einzeln stillgesetzt und umgerüstet werden kann. Jedoch
kann auch hier die Produktion mit dem neuen Rohstoff erst dann anlaufen, wenn die
letzte Spinnstelle den alten Rohstoff aufgebraucht hat. Um nicht darauf warten zu
müssen, werden auch hier alle Spinnstellen (bei der BT-923 alle Spinnstellen einer
Maschinenseite) ab einem gewissen Zeitpunkt stillgesetzt und der verbleibende alte
Rohstoff wird entsorgt. Die Ausschuss-Produktion kann somit bei Open-End-Maschinen
wie die BT-923 zwar verringert, aber auch nicht gänzlich vermieden werden.
[0008] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, die Produktivitätsverluste
von Textilmaschinen bei Rohstoff- oder Partiewechsel, verursacht durch Stillsetzen
und Umrüsten von Arbeitsstellen, zu minimieren.
[0009] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale im unabhängigen Patentanspruch 1 gelöst.
[0010] Weitere vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen
zu finden.
[0011] Durch die erfindungsgemässe Textilmaschine ist es nun möglich, dass gleichzeitig
mehrere Rohstoffe oder Partien verarbeitet werden. Dadurch lassen sich - auf jeder
Maschinenseite - nicht nur mehrere Sortimente gleichzeitig verarbeiten, auch die Umstellung
von einer Partie/Rohstoff auf einen Neuen kann fliessend, d.h. ohne kollektives Stillsetzen
oder Anfahren mehrerer Arbeitsstationen bzw. Spinnstellen, geschehen. Dank der gleichzeitigen
Verwendung von mehreren Abräumbändern ist es nun möglich ohne kollektive Unterbrechung,
Arbeitsstation für Arbeitsstation umzustellen, sobald an dieser die alte Faservorlage
ausgelaufen ist. Die Funktionsweise ist relativ einfach. Jedes Sortiment besitzt ein
eigenes Abräumband. Soll beispielsweise fliessend von einem alten auf ein neues Sortiment
umgestellt werden können, so werden zwei Abräumbänder benötigt. Die Spulenablage wird
im Betrieb so geschehen, dass die vollen Spulen des alten Sortimentes immer auf das
eine Abräumband (bildlich gesprochen z.B. das rechte Abräumband) abgelegt werden.
Wird nun eine Arbeitsstation auf das neue Sortiment bzw. Rohstoff umgestellt, wird
die Steuerung so eingestellt, dass die neuen vollen Spulen auf das andere -für die
neue Partie/Rohstoff vorgesehene - Abräumband abgelegt werden (im Beispiel also das
linke Abräumband). Auf diese Weise ist eine kontinuierliche Umstellung der Produktion
von einem Sortiment auf das andere möglich, ohne kollektiven Produktionsunterbruch.
Dank der erfindungsgemässen Vorrichtung liegt somit der einzige noch verbleibende
Produktionsverlust in der Umrüstzeit der einzelnen Arbeitstation, denn die anderen
Arbeitsstationen oder Spinnstellen laufen in der Zwischenzeit ja weiter. Der Nutzeffekt
der Maschine wird damit maximiert.
[0012] Selbstverständlich hat die erfindungsgemässe Verwendung mehrerer Abräumbänder an
einer Textilmaschine nicht nur bei Produktions- bzw. Partiewechsel einen wesentlichen
Vorteil. Auf derselben Textilmaschine oder Textilmaschinenseite können zudem gleichzeitig
auch verschiedene Produkte hergestellt werden. Werden zwei Abräumbänder verwendet,
können zwei unterschiedliche Produkte bzw. Garne hergestellt werden. Sind drei Abräumbänder
vorhanden und bedienbar, können drei Sortimente bzw. Garne gleichzeitig verarbeitet
werden. Bei 4 Abräumbändern sind es 4 unterschiedliche Produkte etc. Dank der Erfindung
kann damit nicht nur der Wirkungsgrad der Textilmaschine erhöht werden, sondern auch
deren Flexibilität.
[0013] Selbstverständlich ist die Erfindung nicht auf Spinnmaschinen beschränkt. Die Erfindung
lässt sich auch auf Spulmaschinen bzw. Spulautomaten anwenden. In solchen Maschinen
wird bereits hergestelltes Garn umgespult, z.B. von normalen Spulen auf Kreuzspulen.
Die vorliegende Anmeldung bezweckt auch diese Anwendung zu schützen, denn auch in
Spulmaschine weist die Erfindung analoge Vorteile auf: Auch hier können auf derselben
Spulmaschine dank der Ablagemöglichkeit auf mehrere Abräumbänder verschiede Garne
umgespult werden, ohne dass die Garnspulen verwechselt werden.
[0014] Im Folgenden wird die Erfindung und der Erfindungsgedanke anhand von Figuren erläutert.
Die Figuren zeigen zudem verschiedene Ausführungsbeispiele. Es soll ausdrücklich darauf
hingewiesen werden, dass sich die Erfindung bzw. der Erfindungsgedanke nicht nur auf
die in den Beispielen gezeigten Ausführungsformen beschränkt. Es zeigen:
- Figur 1
- Schematischer Querschnitt einer Textilmaschine mit der erfindungsgemässen Abnahmevorrichtung
am Roboter
- Figur 2
- Draufsicht derselben Textilmaschine aus Figur 1
- Figur 3
- Textilmaschine aus Figur 1 mit Darstellung der erfindungsgemässen unterschiedlichen
Ablagemöglichkeiten
- Figur 4
- Variante der erfindungsgemässen Vorrichtung an einer einseitigen Textilmaschine
- Figur 5
- Weitere Ausgestaltung der erfindungsgemässen Vorrichtung
- Figur 6
- Weitere Ausführungsform der erfindungsgemässen Abnahmevorrichtung an der Spuleinheit
[0015] Die Figur 1 zeigt einen schematischen Querschnitt einer Textilmaschine 1. Bei der
dargestellten Textilmaschine handelt es sich im konkret dargestellten Fall um eine
Spinnmaschine. Da die Textilmaschine 1 doppelseitig ausgeführt ist, weist sie (senkrecht
zur Längsachse) gegenüberliegende Arbeitsstationen auf (in Figur 1 Arbeitstation 2
und 12). Natürlich besitzt die Textilmaschine 1 auf beiden Längsseiten eine Vielzahl
von nebeneinander angeordneten Arbeitsstationen 2 bzw. 12 (siehe Aufsicht von Figur
2). Da die Figur 1 eine Spinnmaschine zeigt, stellen die Arbeitsstationen 2 und 12
im konkreten Fall Spinnstellen dar.
[0016] Es sei darauf hingewiesen, dass diese wie die folgenden Figuren die Textilmaschinen
nur schematisch darstellen. Entsprechend sind nur die wichtigsten Bauelemente der
Textilmaschinen oder von Spinnstellen dargestellt, wobei gleiche oder ähnliche Bauelemente
in den Figuren dieselbe Referenznummer besitzen.
[0017] Die in Figur 1 dargestellten Spinnstellen bzw. Arbeitsstationen 2 und 12 produzieren
aus dem in Kannen 14 abgelegten Faserband 13 das Garn 9 bzw. 11, indem das Faserband
13 durch ein Streckwerk 15 verzogen und anschliessend in einer Produktionseinheit
8 bzw. Spinnbox 8 zum Garn 9 und 11 versponnen wird. Das Garn 9 bzw. 11 wird von dem
Auslaufwalzenpaar aus der Spinnbox 8 abgezogen und von den Spuleinheiten 3 und 10
zu Spulen 5 aufgespult. Das Garn wird in den Spuleinheiten 3 und 10 auf Hülsen aufgespult,
welche über den Hülsendorn oder eine Friktionswalze angetrieben sind (nicht näher
dargestellt).
Erreichen die Spulen 5 eine gewisse, vorbestimmbare Grösse bzw. Durchmesser, so müssen
sie von den Spuleinheiten 3 oder 10 abgenommen und durch leere Hülsen ersetzt werden.
Dieser Vorgang wird in der Regel maschinell durch einen Automaten bzw. Roboter durchgeführt.
Für die Umsetzung der Erfindung kann entweder dem Roboter 6 eine erfindungsgemässe,
neue Abnahmevorrichtung 17 eingebaut werden (siehe Figur 1) oder es kann an der Textilmaschine
- siehe Beschreibung zu Figur 6 - eine andere spezielle Abnahmevorrichtung 16 vorgesehen
werden. Im letzteren Fall kann die Abnahmevorrichtung 16 an der Arbeitsstation bzw.
Spinnstelle 2 oder 12 oder direkt an oder in der Spuleinheit 3 oder 10 montiert sein.
In Textilmaschinen ist die Verwendung von Automaten bzw. Roboter wie erwähnt weit
verbreitet. Der in Figur 1 dargestellte Roboter 6 besitzt daher vorzugsweise die
erfindungsgemässe Abnahmevorrichtung 17. Der Roboter weist allerdings, nebst der erfindungsgemässen
Abnahmefunktion, zahlreiche weitere Funktionen auf, wie z.B. die Wiederaufnahme des
Spinnprozesses nach einem Garnbruchunterbruch usw. Die erfindungsgemässe Vorrichtung
sieht vor, dass der Roboter die Spulen von der Spuleinheit der jeweiligen Arbeitsstation
abnehmen kann und - im Gegensatz zum Stand der Technik - in der Lage ist, die Spule
auf mehrere Abräumbänder für den weiteren Abtransport abzulegen. Wie in der Figur
1 dargestellt ist, besitzt der Roboter 6 dazu die erfindungsgemässe, bewegbare Abnahmevorrichtung
17 (nur schematisch dargestellt). Im Gegensatz zu herkömmlichen Vorrichtungen dieser
Art, kann der Roboter mit der Greifvorrichtung 17 die von den Spuleinheiten (hier
Spuleinheit 3) abgenommenen Spulen 5 jedoch nicht nur auf ein Abräumband ablegen,
sondern auf mehreren solcher Bändern (hier die Abräumbänder 4 und 7).
Wie weiter oben bereits erwähnt, ist dank der erfindungsgemässen Vorrichtung nicht
nur ein praktisch kontinuierlicher Betrieb der Spinn- oder Arbeitstellen bei Sortimentswechsel
möglich. Die Erfindung erlaubt es auch auf derselben Textilmaschine bzw. Textilmaschinenseite
grundsätzlich mehrere Sortimente gleichzeitig zu verarbeiten. Sind zwei Abräumbänder
vom Roboter 6 bzw. von der Abnahmevorrichtung 17 oder von der weiter unten noch erwähnten
Abnahmevorrichtung 16 (vgl. Figur 6) bedienbar, so können zwei Sortimente gleichzeitig
verarbeitet werden. Sind drei Abräumbänder vorhanden und bedienbar, so können gleichzeitig
drei Sortimente verarbeitet werden, bei vier Abräumbändern vier Sortimente etc.
Entsprechend der Anzahl Abräumbänder bzw. verarbeitbarer Sortimente können auch eine
entsprechende Anzahl unterschiedlicher Produktionseinheiten 8 verwendet werden. In
einer denkbaren Ausführungsform der Erfindung kann z.B. eine Gruppe von Produktionseinheiten
8 ein Garn 9 gemäss einem Luftspinnverfahren herstellen, während eine zweite Gruppe
von Produktionseinheiten ein Garn 11 gemäss dem Open-End-Spinnverfahren herstellt.
Diese unterschiedlichen Gruppen können auf derselben Textilmaschine bzw. derselben
Textilmaschinenseite gleichzeitig betrieben werden.
[0018] Die Erfindung ist an zweiseitigen Maschinen (vgl. Figur 1) wie auch an einseitigen
Maschinen (vgl. Figur 4) anwendbar. Die Anwendung an zweiseitigen Textilmaschinen
birgt natürlich den Vorteil, dass beide Seiten auf die gleichen Abräumbänder zugreifen
können (vorausgesetzt beide Seiten haben entsprechende, erfindungsgemässe Abnahmevorrichtungen).
Die Spinnmaschine von Figur 1 besitzt auch für seine rechte Längsseite, z.B. für die
Arbeitsstation 12, einen zum Automaten 6 analogen Roboter, der allerdings in der Figur
1 nicht dargestellt ist.
[0019] Die Figur 2 zeigt die Textilmaschine aus der Figur 1 in einer Aufsicht. Wie man dieser
Abbildung sehr gut entnehmen kann, weisen beide Längsseiten der Maschine 1 eine Vielzahl
von Arbeitsstationen 2 bzw. 12 auf, welche von den Automaten bzw. Roboter 6 und 18
unter anderem für das Ablegen von vollen Spulen 5 bedient werden. In dieser Figur
ist übrigens auch der Roboter 18 für die rechte Maschineseite dargestellt.
[0020] Die Figur 3 veranschaulicht nochmals die Erfindung bei der Verwendung von zwei Abräumbändern.
Die Abbildung zeigt anhand der gestrichelt dargestellten Spule a) wie sich der Roboter
6 an die Arbeitsstation 2 (kann auch eine Spulstelle sein) positioniert und mit seiner
erfindungsgemässen Abnahme- oder Greifvorrichtung 17 die volle Spule 5 von der Spuleinheit
3 abhebt. Je nachdem was für ein Sortiment/Rohstoff/Partie auf der Spule 5 produziert
oder verarbeitet wurde, wird die Abnahmevorrichtung 17 des Roboters die Spule auf
das Abräumband 4 (Variante b) oder auf das Abräumband 7 (Variante c) ablegen. Gemäss
einer Weiterentwicklung des Erfindungsgedankens sind verschiedene Arten ausgearbeitet
worden, wie die Abnahmevorrichtung auf dem Roboter die Information erhält, wohin eine
Spule abzulegen ist. Siehe dazu die Ausführungen weiter vorn bzw. die Ansprüche. Selbstverständlich
ist es denkbar, dass die Erfindung auch fürs Ablegen von noch nicht vollen Spulen
verwendet wird. Auch bei normaler Benutzung der Textilmaschine kann eine derartige
Verwendung regelmässig geschehen, z.B. wenn man einen Rohstoff komplett auslaufen
lassen will (das Fasermaterial läuft dann an den Spinnstellen aus und die Spulen müssen
unabhängig von ihrer Grösse abgeräumt werden).
[0021] Die Figur 4 zeigt die Erfindung angewandt an einer einseitigen Textilmaschine. Wie
man sieht, kann man die erfindungsgemässen Abnahmevorrichtungen unabhängig davon einsetzen,
ob die Maschine ein- oder mehrseitig ist. Die Textilmaschine der Figur 4 besitzt sogar
ein drittes Abräumband 19. Entsprechend können auf dieser Maschine 3 unterschiedliche
Sortimente be- oder verarbeitet werden. Drei Abräumbänder wären selbstverständlich
auch auf doppelseitigen Textilmaschinen möglich.
[0022] Die Figur 5 befasst mit einer Weiterentwicklung des Erfindungsgedankens. Gemäss dieser
erfindungsgemässen Weiterentwicklung, sind bei mehrseitigen Textilmaschinen gegenüberliegende
Abnahmevorrichtungen 17 bzw. Roboter 6 und 18 derart konzipiert, dass sie sich nicht
gegenseitig behindern. Diese Eigenschaft kann durch konstruktive oder steuerungstechnische
Massnahmen - vorzugsweise eine Kombination davon - gewährleistet werden. Beispielsweise
können die Abnahmevorrichtungen 17 gegenüberliegender Roboter 6 und 18 unterschiedliche
Höhen und Positionen einnehmen, derart dass sie problemlos aneinander vorbeikommen,
und dies selbst dann, wenn der eine der beiden Automaten 6 oder 18 gerade am Ablegen
einer Spule ist (siehe Figur 5). So ist sichergestellt, dass sich die gegenüberliegenden
Roboter 6 und 18 über den eigentlichen Ablagevorgang hinaus nicht gegenseitig behindern.
[0023] Die erfindungsgemässe Abnahmevorrichtung ist nicht eingeschränkt auf die Anwendung
in Robotern. Ein Beispiel einer weiteren Anwendung zeigt die Figur 6. Bei dieser weiteren
Ausführungsform der Erfindung besitzt jede Arbeitsstation oder jede Spuleinheit der
Textilmaschine 1 eine spezielle erfindungsgemässe Abnahmevorrichtung 16, welche in
der Lage ist die Spulen aus den zugehörigen Spuleinheiten zu entnehmen und auf die
verschiedenen Abräumbänder zu legen. Auch hier können gegenüberliegende Abnahmevorrichtung
16 derart konzipiert sein, dass sie koordiniert arbeiten können. D.h. auch die Abnahmevorrichtungen
16 können ihre Bewegungen und Position derart koordinieren, dass die Spulen 5 von
beiden Längsseiten auf die gleichen Abräumbänder 4 und 7 abgelegt werden können, ohne
sich - über den Ablagevorgang hinaus - gegenseitig zu behindern. Ein entsprechender
Vorgang ist auch in der Figur 6 dargestellt: Man sieht wie eigentlich beide Spuleinheiten
3 und 10 je eine Spule abzulegen hätten. Da die linke Abnahmevorrichtung 16 in ihrer
Bewegung bzw. im Vorgang der Ablage der vollen Spule 5 auf das rechte Abräumband 7
bereits weiter fortgeschritten ist als die rechte Abnahmevorrichtung 16, wartet die
rechte Abnahmevorrichtung 16 mit ihrer Spule in einer Wartestellung e) bis ihr die
linke Abnahmevorrichtung 16 den Weg wieder freigibt für die Ablage ihrer Spule. Auf
diese Weise arbeiten beide Abnahmevorrichtungen 16 derart koordiniert, dass sie sich
- über den Ablagevorgang hinaus - nicht gegenseitig behindern.
[0024] Da die Abnahmevorrichtungen 16 als solche bereits eine eigene Erfindung darstellen,
ist es auch möglich Abnahmevorrichtungen 16 an Textilmaschinen mit einem Abräumband
vorzusehen. Eine solche Abnahmevorrichtung für Textilmaschinen, insbesondere Spul-
oder Spinnmaschinen, ist dadurch gekennzeichnet, dass sie fest an einer Spuleinheit
montiert oder nur einer Spuleinheit zugeordnet ist und die Spulen aus dieser Spuleinheit
entnehmen und auf ein oder mehrere Abräumbänder ablegen kann.
[0025] Die Erfindung ist selbstverständlich nicht auf die dargestellten Ausführungsformen
beschränkt. Diese dienen vielmehr dazu, die Erfindung verständlich darzustellen. Der
Fachmann ist ausgehend von dieser Beschreibung ohne weiteres in der Lage weitere Kombinationen
und Anwendungen abzuleiten, welche durch die Ansprüche und der Beschreibung auch abgedeckt
sind.
[0026] Die Erfindung sieht allgemein vor, eine Textilmaschine, vorzugsweise eine Spinn-
oder Spulmaschine, vorzusehen, welche mehrere Arbeitsstationen mit Spuleinheiten enthält,
wobei auf der Textilmaschine mehrere, vorzugsweise zwei oder drei, Abräumbänder für
den Abtransport von Spulen montiert sind. Die Erfindung lässt sich dadurch kennzeichnen,
dass erfindungsgemässe Abnahmevorrichtungen vorhanden sind welche die Spulen auf mehrere
Abräumbänder ablegen können. Die Abnahmevorrichtungen sind vorzugsweise an den einzelnen
Spuleinheiten oder an den Arbeitsstationen montiert. In einer anderen Variante sind
die Abnahmevorrichtungen an dem oder den Robotern der Textilmaschine montiert. Die
Roboter können über mehrere Arbeitsstationen bewegbar sein.
[0027] Im weiteren ist die Erfindung besonders für Textilmaschinen geeignet, welche über
Arbeitsstationen verfügen, die ihrerseits modular aufgebaut sind und/oder auswechselbare
Produktionseinheiten aufweisen. Diese Produktionseinheit können in einer weiteren
Variante auch unterschiedliche Garne herstellen. Besonders bevorzugt weisen die auswechselbaren
Produktionseinheiten dazu eigene Antriebe auf. Auf derselben Textilmaschine können
somit Produktionseinheiten betrieben werden, welche unterschiedliche Spinnverfahren
benutzen.
[0028] In einer weiteren Variante der Erfindung können einzelne Arbeitstationen getrennt
ansteuerbar und betreibbar sein. Vorzugsweise wird diese Variante von einer Zentralsteuerung
der Textilmaschine ermöglicht.
[0029] Die Erfindung sieht auch vor, dass die Abnahmevorrichtung von der jeweiligen Arbeitsstation
oder von der Zentralsteuerung der Textilmaschine die Information erhält, auf welchem
Abräumband er die jeweilige Spule abzulegen hat.
[0030] Eine andere Weiterentwicklung der Erfindung sieht vor, dass die Textilmaschine an
beiden Längsseiten Arbeitsstationen aufweist, wobei die Abnahmevorrichtungen an jeder
Längsseite zum Ablegen der Spulen die gleichen Abräumbänder benutzt. Vorzugsweise
koordinieren sich hierzu die gegenüberliegenden Abnahmevorrichtungen an den Spuleinheiten
oder Robotern in ihren Bewegungen und Position derart, dass von beiden Längsseiten
die Ablage der Spulen auf die gleichen Abräumbänder sichergestellt ist, ohne dass
sich die gegenüberliegenden Abnahmevorrichtungen oder Spuleinheiten oder Roboter gegenseitig
behindern.
[0031] Eine weitere Variante der Erfindung sieht vor, dass die Spulen mit einem Identifikationsmittel,
vorzugsweise einem Transponder an der Spulenhülse, ausgestattet sind, anhand welchem
die Abnahmevorrichtungen, der Roboter, oder die Spuleinheit die Information erhält,
auf welchem vorbestimmten Abräumband die Abnahmevorrichtungen die Spule abzulegen
haben.
[0032] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung weist die Textilmaschine Arbeitsstationen
mit Produktionseinheiten auf, welche ein Garn nach einem Luftspinnverfahren, vorzugsweise
dem Vortex-Verfahren, oder dem Open-End-Spinnverfahren herstellen.
[0033] Vorzugsweise stellen die Produktionseinheiten in den Arbeitsstationen ein Garn her,
wobei die Auslaufgeschwindigkeit des produzierten Garns aus der Produktionseinheiten
mindestens 300 m/min. beträgt.
[0034] Bevorzugt wird die Erfindung auf Spulmaschine angewendet, welche vorzugsweise dem
Umspulen von Garn auf Kreuzspulen dienen.
[0035] Die Erfindung ist nicht auf die explizit genannten Möglichkeiten und Ausführungsformen
beschränkt. Diese Varianten sind vielmehr als Anregung für den Fachmann gedacht, um
die Erfindungsidee möglichst günstig umzusetzen. Von den beschriebenen Ausführungsformen
sind daher leicht weitere vorteilhafte Anwendungen und Kombinationen ableitbar, die
ebenfalls den Erfindungsgedanken wiedergeben und durch diese Anmeldung geschützt werden
sollen. Einige der offenbarten Merkmale wurden in dieser Beschreibung kombiniert beschrieben
und werden in den folgenden Ansprüchen kombiniert beansprucht. Es ist aber auch denkbar,
einzelne Merkmale dieser Beschreibung für sich alleine oder in einer andern Kombination
in Anwendung des Erfindungsgedankens zu beanspruchen. Die Anmelderin behält sich daher
ausdrücklich vor, allenfalls andere Kombinationen in Anwendung des Erfindungsgedankens
vorzusehen
Legende
[0036]
- 1
- Textilmaschine
- 2
- Arbeitsstation auf der linken Maschinenseite
- 3
- Spuleinheit auf der linken Maschinenseite
- 4
- Abräumband auf der linken Maschinenseite
- 5
- Spule
- 6
- Roboter
- 7
- Rechtes Abräumband
- 8
- Produktionseinheit
- 9
- Garn
- 10
- Spuleinheit auf der rechten Maschinenseite
- 11
- Garn
- 12
- Arbeitsstation auf der rechten Maschinenseite
- 13
- Faserband
- 14
- Kanne
- 15
- Streckwerk
- 16
- Abnahmevorrichtung an der Spuleinheit
- 17
- Abnahmevorrichtung am Roboter
- 18
- Roboter auf der rechten Maschinenseite
- 19
- Abräumband
1. Textilmaschine (1), vorzugsweise Spinnmaschine, enthaltend mehrere Arbeitsstationen
(2, 12) welche Spuleinheiten (3, 10) aufweisen, wobei auf der Textilmaschine (1) mehrere,
vorzugsweise zwei, Abräumbänder (4, 7, 19) für den Abtransport von Spulen (5) montiert
sind, wobei die Textilmaschine (1) im weiteren eine, zwei, oder mehrere Abnahmevorrichtungen
(16, 17) besitzt mit welchen die Spulen (5) von den Spuleinheiten (3, 10) abgenommen
werden können, dadurch gekennzeichnet, dass
die Abnahmevorrichtungen (16, 17) die Spulen (5) auf mehrere, vorzugsweise zwei, Abräumbänder
(4, 7, 19) ablegen können,
vorzugsweise sind die Abnahmevorrichtungen (16, 17) an den einzelnen Spuleinheiten
(3, 10), an den Arbeitsstationen (2, 12) oder an zumindest einem Roboter (6, 18) montiert,
welcher über mehrere Arbeitsstationen (2) bewegbar ist.
2. Textilmaschine (1) gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Arbeitsstationen (2, 12) modular aufgebaut sind und auswechselbare Produktionseinheiten
(8) aufweisen, welche vorzugsweise unterschiedliche Garne (9, 11) herstellen können,
besonders bevorzugt weisen die auswechselbaren Produktionseinheiten (8) eigene Antriebe
auf.
3. Textilmaschine (1) gemäss Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die einzelnen Arbeitstationen (2, 12) getrennt ansteuerbar und betreibbar sind, vorzugsweise
von einer Zentralsteuerung der Textilmaschine (1).
4. Textilmaschine (1) gemäss einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Abnahmevorrichtungen (16, 17) von der jeweiligen Arbeitsstation (2, 12) oder
von der Zentralsteuerung der Textilmaschine (1) die Information erhält, auf welchem
Abräumband (4, 7, 19) er die jeweilige Spule (5) abzulegen hat.
5. Textilmaschine (1) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Textilmaschine (1) an beiden Längsseiten Arbeitsstationen (2, 12) aufweist und
die Abnahmevorrichtungen (16, 17) jeder Längsseite zum Ablegen der Spulen (5) die
gleichen Abräumbänder (4, 7, 19) benutzen,
vorzugsweise koordinieren sich hierzu die gegenüberliegenden Abnahmevorrichtungen
(16, 17) an den Spuleinheiten (3, 10) oder Robotern (6, 18) in ihren Bewegungen und
Position derart, dass von beiden Längsseiten die Ablage der Spulen (5) auf die gleichen
Abräumbänder sichergestellt ist und ohne dass sich die gegenüberliegenden Abnahmevorrichtungen
(16, 17), Spuleinheiten (3, 10), oder Roboter (6, 18) über den Ablagevorgang hinaus
gegenseitig behindern.
6. Textilmaschine (1) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Spulen (5) mit einem Identifikationsmittel, vorzugsweise einem Transponder an
der Spulenhülse, ausgestattet sind, anhand welchem die Abnahmevorrichtungen (16, 17),
der Roboter (6, 18), oder die Spuleinheit (3, 10) ermitteln können, auf welchem Abräumband
(4, 7, 19) die abgenommene Spule (5) abzulegen ist.
7. Textilmaschine (1) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Arbeitsstationen (2, 12) Produktionseinheiten (8) aufweisen, welche nach einem
Luftspinnverfahren, vorzugsweise dem Vortex-Verfahren, oder dem Open-End-Spinnverfahren
Garn (9, 11) herstellen.
8. Textilmaschine (1) gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Arbeitsstationen (2, 12) Produktionseinheiten (8) aufweisen, welche Garn (9,
11) herstellen und wobei die Auslaufgeschwindigkeit des produzierten Garns aus der
Produktionseinheit (8) mindestens 300 m/min. beträgt.
9. Textilmaschine (1) gemäss einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Textilmaschine (1) eine Spulmaschine ist, vorzugsweise zum Umspulen des Garns
(9, 11) auf Kreuzspulen.