[0001] Die Erfindung betrifft einen Büro- oder Kosmetikartikel aus einem Magnesiumwerkstoff.
Insbesondere betrifft die Erfindung einen Spitzerkörper, ein Lineal oder ein Kosmetikbehältnis
aus einem Magnesiumwerkstoff.
[0002] Büroartikel und Kosmetikartikel wie insbesondere ein Spitzerkörper, ein Lineal oder
ein Kosmetikbehältnis aus einem Magnesiumwerkstoff sind grundsätzlich bekannt. Ein
Magnesiumwerkstoff kommt dabei als Werkstoff auf Grund seiner leichten spanenden Bearbeitbarkeit
und seiner geringen Dichte zum Einsatz. Unter einem Magnesiumwerkstoff wird hierbei
sowohl eine Magnesiumlegierung als auch reines Magnesium verstanden. Zur Verbesserung
der mechanischen Verarbeitbarkeit, der Härte und der Oxidationsneigung des Magnesiums
enthalten Magnesiumlegierungen als Legierungskomponenten üblicherweise geringe Zusätze
an Aluminium, Mangan, Zink, Kupfer und/oder Nickel.
[0003] Aus der
JP 2000 201728 A ist ein Kosmetikbehältnis bekannt, das aus einer Magnesiumlegierung gefertigt ist,
die vorzugsweise 9% Aluminium, 2% Zink und 0,2% Mangan enthält. Durch die vorgeschlagene
Magnesiumlegierung soll ein bezüglich der Form aufwändiges Design des Kosmetikbehältnisses
bei gleichzeitig dünnwandiger Ausgestaltung ermöglicht werden.
[0004] In der
US-A-2 562 348 ist zur Verringerung der Abnutzung eines Schreibinstruments, z.B. eines Bleistifts,
ein Lineal mit einer zurückversetzten Kante angegeben. Durch die zurückversetzte Kante
wird insbesondere ein Abrieb einer Bleistiftmine, welche zur Linienführung die Kante
des Lineals abfährt, vermieden. Das vorgeschlagene Lineal ist dabei vorzugsweise aus
einem Leichtmetall, wie einer Magnesium- oder Aluminium-Legierung gefertigt.
[0005] Nachteiligerweise zeigt ein Magnesiumwerkstoff eine unerwünschte Oxidationsneigung.
Dies führt bei Büroartikeln aus einem Magnesiumwerkstoff im Laufe der Zeit zu unerwünschten
Farbveränderungen und insbesondere unschönen Ausblühungen. Um dies zu verhindern ist
es beispielsweise bekannt, die Oberfläche derartiger aus einem Magnesiumwerkstoff
gefertigter Büroartikel mit einem Lack zu versiegeln. (vgl.
DE-A-10127770). Schutzschichten für Magnesiumwerkstoffe sind darüberhinaus in der Veröffentlichung
"Protective coatings" on magnesium and its alloys - a critical review" - Journal of
Alloys and Compounds, 336, 2002, Seiten 88 ff., Elseview Science Verlag beschrieben. Durch den häufigen Gebrauch eines Büroartikels
findet jedoch ein rascher Verschleiß eines derartigen auf organischen Substanzen beruhenden
Lackes statt, so dass auch ein lackierter Büroartikel rasch unansehnlich wird. Eine
Aluminiumlegierung stellt bei einer Massenware wie bei einem Büroartikel keine gleichwertige
Alternative zu einem Magnesiumwerkstoff dar, da sich eine Aluminiumlegierung wesentlich
schlechter spanend bearbeiten lässt. Dies führt zu nicht tolerierbaren Mehrkosten.
Auch der Einsatz einer für ein Gussverfahren geeigneten Legierung, z.B. des Eisens,
anstelle eines Magnesiumwerkstoffs stellt keine günstige Alternative dar, da die notwendigen
Gussformen teuer sind und zudem nur eine begrenzte Lebensdauer aufweisen. Zum Entgraten
und zur Oberflächenveredelung bedürfen Gussteile zudem eines Nachbearbeitungsvorganges.
[0006] Es ist Aufgabe der Erfindung, einen Büro- oder Kosmetikartikel aus einem Magnesiumwerkstoff
anzugeben, der eine möglichst lange Lebensdauer ohne unschöne Veränderungen auf seiner
Oberfläche aufweist.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch einen Büro- oder Kosmetikartikel
aus einem Magnesiumwerkstoff, wie insbesondere einem Spitzerkörper oder einem Lineal,
der eine anorganische und chemische angebundene Schutzschicht aufweist, die wenigstens
ein Element umfasst, welches ausgewählt ist aus der Gruppe, die die Metalle der Hauptgruppen
III, IV, V und VI und der Nebengruppen Ib, IVb, Vb, VIb, Vllb und VIIIb des Periodensystems
der Elemente sowie Oxide, Keramiken, Nitride, Carbide, Silizide und Boride hiervon
enthält.
[0008] Es ist dem aus dem Magnesiumwerkstoff gefertigten Büroartikel als. Metall ein Aluminium,
ein Titan oder ein Vanadium und als Metalloxid ein Aluminiumoxid, ein Titanoxid bzw.
ein Vanadiumoxid aufgebracht. Durch eine derartige Schutzschicht wird es ermöglicht,
einen Büroartikel in gewohnter Weise durch spanendes Bearbeiten eines Magnesiumwerkstoffs
herzustellen und ihm anschließend den Anschein einer metalloxidischen mattglänzenden
Oberfläche zu vermitteln. Dabei wird der Korrosionsschutz des Magnesiumwerkstoff durch
eine definierte Einstellung der Dicke der Metalloxidschicht kontrolliert. Mit anderen
Worten kann die aufgebrachte Metallschicht eloxiert werden, wobei auch eine gewisse
Farbgebung möglich ist.
[0009] Zum Aufbringen einer Metallschicht muss in der Regel die Oberfläche des Büroartikels
von der Oxidschicht, die der Magnesiumwerkstoff ausgebildet hat, gereinigt werden.
Dies kann beispielsweise durch Eintauchen des Büroartikels in eine geeignete Säure,
wie insbesondere Essigsäure oder Salpetersäure geschehen. Anschließend kann der Büro-
oder Kosmetikartikel gespült und die metallische Oberfläche beispielsweise durch reduktive
oder elektrolytische Abscheidung von Metallkationen aufgebracht werden. Anstelle einer
Säure kann die Oxidschicht auch durch eine Lösung eines geeigneten Metallsalzes entfernt
werden.
[0010] Es wird eine Schutzschicht umfassend eine erste Schicht aus Metall und eine zweite
Schicht aus Metalloxid jedoch in einem Arbeitsschritt dadurch aufgebracht, dass der
Büro- oder Kosmetikartikel in eine Lösung eines Metallsalzes mit einem angepaßten
pH-Wert eingetaucht wird. Es hat sich nämlich gezeigt, dass in einem ersten Schritt
durch eine geeignete Säure eine vorhandene Oxidschicht von dem Magnesiumwerkstoff
entfernt wird: Sobald Magnesium frei liegt, schlägt sich darauf das Metall aus der
Lösung nieder. Das aufgetragene Metall wird anschließend im Sinne einer Eloxierung
durch ein geeignetes Oxidationsmittel oder durch ein oxidierendes Gegenanion wiederum
oxidiert. Somit gelingt es in einem einzigen Arbeitsschritt den aus einem Magnesiumwerkstoff
gefertigten Büroartikel mit einer dauerhaften Schutzschicht aus einem Metall und einem
Metalloxid zu versehen.
[0011] Im Falle des Aluminiums gelingt dies durch eine essigsaure AluminumnitratLösung.
Die Essigsäure entfernt die Oxidschichten auf dem Magnesiumwerkstoff. Das Nitrat oxidiert
das aufgebrachte Aluminium. Gleichzeitig ist eine essigsauere Aluminiumnitrat-Lösung
in weiten Bereichen gepuffert, so dass wenig Prozessparameter gesteuert werden müssen.
Der Magnesiumwerkstoff kann insbesondere unbehandelt eingetaucht werden. Zusätzlich
kann auch hierbei ein Reinigungsschritt vorangestellt werden. Es hat sich insbesondere
gezeigt, dass sich durch ein Vorbehandeln in Salpetersäure eine gleichmäßigere Oberfläche
erzielen lässt. Durch das Einstellen des pH-Wertes der essigsauren Aluminumnitrat-Lösung
lassen sich wahlweise unterschiedliche Matt- und Hochglanzbeschichtungen erreichen.
[0012] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, dass ein Lack zur Versiegelung der
Oberfläche eines aus einem Magnesiumwerkstoff gefertigten Büroartikels keine genügende
Anbindung an den Magnesiumwerkstoff aufweist. Gerade bei einem sich in ständigem Gebrauch
befindlichen Büroartikel führt dies insbesondere an stark beanspruchten Stellen zu
einem raschen Abrieb oder Aufplatzen der Lackschicht, so dass der Büroartikel insgesamt
unansehnlich wird und zudem der nun freiliegende Magnesiumwerkstoff wiederum zu einer
Oxidierung neigt.
[0013] Die Erfindung geht nun in einem weiteren Schritt von der Erkenntnis aus, dass eine
chemische Anbindung gegenüber einer physikalischen Anbindung mit stärkeren Bindungskräften
verbunden ist. Eine Lackschicht haftet jedoch einem Körper insbesondere durch Adhäsion
und/oder durch mikroskopischen Formschluss an. Die mit dieser physikalischen Anbindung
verbundenen erkannten Nachteile werden dadurch überwunden, dass der aus einem Magnesiumwerkstoff
gefertigte Büroartikel eine Schutzschicht aus einer anorganischen Zusammensetzung
erhält, die mit dem Magnesiumwerkstoff chemisch verbindbar ist.
[0014] Die Erfindung hat den weiteren Vorteil, dass die chemisch angebundene Schutzschicht
der gleichen Wirkung wesentlich dünner als ein bekannter Lack ist. Somit wird insgesamt
weniger Material eingesetzt, was mit einem Kostenvorteil verbunden ist. Auch können
die eingesetzten Materialien leicht einem Recycling-Prozess zugeführt werden.
[0015] Die Schutzschicht ist über eine metallische Bindung mit dem Büro/Kosmetikartikel
verbunden. Dabei kann insbesondere zwischen der Metall-Legierung und dem als Schutzschicht
aufgebrachten Metall auch eine Mischphase auftreten. Geeignete Metallschichten können
beispielsweise durch reduktive-galvanische Abscheidungen von Metallkationen, Metallaten
und/oder Metallkomplexen auf der Oberfläche des Büro/Kosmetikartikels hergestellt
werden. Durch die Wahl geeigneter Reaktionsmedien wie Komplexbildnern oder Lösungsmitteln
könnenderartige Metallschichten unabhängig von der elektrochemischen Spannungsreihe
auf dem Magnesiumwerkstoff abgeschieden werden. Das Aufbringen geschieht hierbei beispielsweise
durch ein einfaches Tauchverfahren.
[0016] Ein Metalloxid oder ein Metallmischoxid der erwähnten Metalle kann hierbei durch
die gleichzeitige Zugabe eines geeigneten Oxidationsmittels oder durch die Wahl geeigneter
Gegenanionen auf der Oberfläche des Büro- oder Kosmetikartikels aus dem Magnesiumwerkstoff
erzeugt werden.
[0017] Unter der Bezeichnung Nitride, Carbide, Silizide, und Boride werden solche chemischen
Zusammensetzungen oder Verbindungen der erwähnten Metallen verstanden, die Stickstoff,
Kohlenstoff, Silizium bzw. Bor enthalten. Es muss sich dabei nicht um eine stöchiometrische
Zusammensetzung handeln.
[0018] Sowohl die Schutzschicht als solche als auch eine ggf. zwischen der Schutzschicht
und dem Magnesiumwerkstoff vorhandene Übergangsphase kann stöchiometrischer oder nicht-stöchiometrischer
Zusammensetzung sein. Somit kann eine chemische Anbindung durch Besetzen der Gitterplätze
mit Fremdatomen oder durch Einbau derselben in das Volumen vorhandener Gitterstrukturen
erfolgen.
[0019] Durch die chemische Anbindung der Schutzschicht an den Magnesiumwerkstoff des Büroartikels
wird ein dauerhafter Korrosionsschutz erzielt. Das Magnesium ist vor einer Oxidation
geschützt.
[0020] Ferner ist dem Magnesiumwerkstoff als eine Schutzschicht eine erste Schicht aus einem
Metall und eine zweite Schicht aus einem Metalloxid chemisch angebunden. Dabei kann
die Metalloxidschicht beispielsweise eine Passivierungsschicht für die darunter liegende
Metallschicht sein, während das Metall die chemische Anbindung realisiert.
[0021] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert.
Es zeigt
- Fig 1
- einen Spitzerkörper mit einer Schutzschicht aus Aluminium und einem Aluminiumoxid.
[0022] In Figur 1 ist ein Spitzerkörper 1 mit einem Stiftführungskanal 2 und einer darauf
angebrachten Spitzerklinge 3 gezeigt. Der durch spanendes Bearbeiten massiv aus einer
Magnesiumlegierung gefertigte Spitzerkörper 1 wurde anschließend in eine essigsauere
Aluminumnitrat-Lösung getaucht.
[0023] Die Art der sich ergebenden Beschichtung ist in der vergrößerten Darstellung 7 gezeigt.
Nach Entfernen der sich auf dem Spitzerkörper 1 befindlichen Oxidschicht durch die
in der Lösung enthaltene Essigsäure wird auf das freiliegende Magnesium der Magnesiumlegierung
eine Aluminiumschicht 12 reduktiv abgeschieden. Die abgeschiedene Aluminiumschicht
12 wird in einem Arbeitsgang weiter durch das Nitrat eloxiert, so dass auf der Aluminiumschicht
12 eine Aluminiumoxidschicht 13 entsteht.
[0024] Die die Aluminiumschicht 12 und die Aluminiumoxidschicht 13 umfassende. Schutzschicht
9 bietet einen dauerhaften Schutz gegen eine Korrosion der Magnesiumlegierung. Die
Schichtdicke kann durch den pH-Wert der essigsauren Aluminiumnitrat-Lösung sowie durch
die Dauer des Beschichtungsvorganges eingestellt werden.
1. Büro- oder Kosmetikartikel aus einem Magnesiumwerkstoff, insbesondere Spitzerkörper
(1), Lineal oder Kosmetikbehältnis, mit einer chemisch angebundenen anorganischen
Schutzschicht (9) umfassend wenigstens ein Element ausgewählt aus der Gruppe, die
die Metalle der Hauptgruppen III, IV, V und VI und der Nebengruppen Ib, IVb, Vb, VIb,
VIIb und VIIIb des Periodensystems der Elemente sowie Oxide, Keramiken, Nitride, Carbide,
Silizide und Boride hiervon enthält, wobei die Schutzschicht (9) eine Kombination
von Schichten unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung enthält, wobei dem Magnesiumwerkstoff
als eine erste Schicht ein Metall und als eine zweite Schicht ein Metalloxid chemisch
angebunden ist, wobei dieses Metall Aluminium, Titan oder Vanadium und das Metalloxid
ein Aluminiumoxid, ein Titanoxid oder ein Vanadiumoxid ist und wobei das Metall und
das Metalloxid dem Magnesiumwerkstoff durch Eintauchen in eine Lösung eines zugehörigen
Metallsalzes mit angepasstem pH-Wert gemeinsam aufgebracht sind.
2. Büro- oder Kosmetikartikel nach Anspruch 1,
wobei das Aluminium und das Aluminiumoxid dem Magnesiumwerkstoff durch Eintauchen
in eine essigsaure Aluminiumnitrat-Lösung gemeinsam aufgebracht ist.
1. Office or cosmetics article made of a magnesium material, in particular a sharpener
body (1), ruler or cosmetics container, having a chemically bonded inorganic protective
layer (9) comprising at least one element selected from the group containing the metals
of the main groups III, IV, V and VI and the sub-groups Ib, IVb, Vb, VIb, VIIb and
VIIIb of the Periodic Table of the Elements, also oxides, ceramics, nitrides, carbides,
silicides and borides thereof, wherein the protective layer (9) contains a combination
of layers with a different chemical composition, wherein a metal, as a first layer,
and a metal oxide, as a second layer, is chemically bonded to the magnesium material,
wherein this metal is aluminium, titanium or vanadium and the metal oxide is an aluminium
oxide, a titanium oxide or a vanadium oxide and wherein the metal and the metal oxide
are applied to the magnesium material by being immersed together in a solution of
an appropriate metal salt with an adjusted pH value.
2. Office or cosmetics article according to claim 1, wherein the aluminium and the aluminium
oxide are applied to the magnesium material by being immersed together in an acetic
aluminium nitrate solution.
1. Article de bureau ou article cosmétique en un matériau de magnésium, notamment un
corps de taille-crayon (1), une règle ou un récipient de produit cosmétique, comprenant
une couche de protection (9) inorganique qui y est liée par voie chimique et englobant
au moins un élément choisi dans le groupe qui englobe les métaux des groupes principaux
III, IV, V et VI et des groupes auxiliaires Ib, IVb, Vb, VIb, VIIb et VIIIb du système
périodique des éléments, ainsi que des oxydes, des céramiques, des nitrures, des carbures,
des siliciures et des borures de ceux-ci, dans lequel la couche de protection (9)
renferme une combinaison de couches de composition chimique différente, dans lequel
au matériau de magnésium est lié par voie chimique, un métal sous la forme d'une première
couche, et un oxyde métallique sous la forme d'une deuxième couche, dans lequel ce
métal est de l'aluminium, du titane ou du vanadium, et l'oxyde métallique est un oxyde
d'aluminium, un oxyde de titane ou un oxyde de vanadium, et dans lequel le métal et
l'oxyde métallique sont appliqués en commun sur le matériau de magnésium, par immersion
dans une solution d'un sel métallique associé, avec un valeur de pH adaptée.
2. Article de bureau ou article cosmétique selon la revendication 1, dans lequel l'aluminium
et l'oxyde d'aluminium sont appliqués en commun sur le matériau de magnésium, par
immersion dans une solution acétique de nitrate d'aluminium.