[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein einstufiges Verfahren zur Oxidation von Ethylen
zu Acetaldehyd in Gegenwart einer wässrigen Katalysatorlösung mittels einer verbesserten
Wärmeisolierung in einem Schlaufenreaktor.
[0002] Es ist bekannt, Ethylen oder andere Olefine, wie Propylen, Butylen oder Isobutylen
mit Sauerstoff oder Sauerstoff enthaltenden Gasen zu Aldehyden, Ketonen oder den Aldehyden
entsprechenden Säuren zu oxidieren. Die Umsetzung erfolgt in Wasser in Gegenwart von
Edelmetallen der Gruppen VIII des Periodensystems der Elemente oder deren Salzen,
die mit den Olefinen Komplexverbindungen bilden, und Redoxsystemen (
DE 11 90 451).
[0003] Großtechnische Bedeutung hat die Oxidation von Ethylen zu Acetaldehyd erlangt. Zur
Katalyse der stark exothermen Oxidationsreaktion mit Sauerstoff als Oxidationsmittel
wird üblicherweise eine salzsaure, wässrige Lösung von Kupferchlorid und Palladiumchlorid
verwendet. Das Reaktionsgeschehen lässt sich prinzipiell in zwei Teilschritte untergliedern.
In der sogenannten Ethylenreaktion erfolgt die Acetaldehydbildung aus Ethylen und
Wasser in homogener Katalyse in Gegenwart eines Palladium(II)-chlorokomplexes, der
dabei unter Bildung von elementarem Palladium zerfällt, das durch ebenfalls anwesendes
Kupfer(II)-chlorid wieder zu Palladium mit der Oxidationsstufe +II oxidiert wird.
Das dabei gebildete Kupfer(I)-chlorid wird dann in der sogenannten Oxidationsreaktion
mit Sauerstoff in salzsaurer Lösung zum Kupfer(II)-chlorid oxidiert, das dann wieder
in der Ethylenreaktion aktiv ist.
[0004] Bei der technischen Ausgestaltung der Acetaldehydherstellung haben sich zwei Verfahrensvarianten
entwickelt. Bei dem einstufigen Verfahren erfolgt die Ethylenreaktion und die Oxidationsreaktion
im selben Reaktor, während nach dem zweistufigen Verfahren die Ethylenreaktion und
die Oxidationsreaktion in getrennten Reaktoren ablaufen. Diese zweistufige Verfahrensvariante
benötigt jedoch eine energieaufwändige Katalyatorumwälzung und ist technischer weniger
häufig realisiert worden als die Einstufen-Variante. Die bei der einstufigen Verfahrensvariante
in einem Reaktorgefäß ablaufende Ethylenreaktion und Oxidationsreaktion wird im Folgenden
mit dem Begriff "Ethylenoxidation" zusammengefasst, um die Acetaldehydbildung in dem
Reaktiosgefäß zu beschreiben.
[0005] Bei dem einstufigen Verfahren hat sich ein sogenannter Schlaufenreaktor als zweckmäßiges
Reaktionsgefäß erwiesen. Schlaufenreaktoren sind in der chemischen Prozesstechnik
übliche Reaktionsgefäße. Sie zählen zu den statischen Reaktionsgefäßen und in ihnen
findet die Durchmischung mit Rückvermischung aufgrund der durch die Reaktionswärme
verursachten Konvektionsströmung statt. Der bei der technischen Herstellung von Acetaldehyd
durch Ethylenoxidation verwendete Schlaufenreaktor kann prinzipiell als Anordnung
von zwei über Rohrleitungen miteinander verbundenen Reaktionskesseln beschrieben werden,
wobei ein Reaktionskessel als Reaktor und der andere als Nebelfänger arbeitet. Zwischen
Reaktor und Nebelfänger wird ein flüssiger Katalysator-Zwangsumlauf aufrechterhalten.
Die hierzu benötigte Energie wird zum einen aus der Reaktionswärme der stark exothermen
Ethylenoxidation geliefert und zum anderen treiben die in den Reaktor eingespeisten
Gase Ethylen, Sauerstoff und zurückgeführtes Kreisgas ebenfalls den Katalysator-Zwangsumlauf
an. Die Reaktion wird unter Druck und am Siedepunkt der Reaktionsmischung durchgeführt,
wobei der Druck über die Ethyleneinspeisung je nach Anlagenauslastung eingestellt
wird. In Abhängigkeit von dem vorgegebenen Druck stellt sich die zugehörige Siedetemperatur
und damit auch die Reaktionstemperatur im Reaktor ein. Die Reaktionswärme wird für
den Antrieb des Katalysator-Zwangsumlaufs genutzt und darüber hinaus durch Verdampfen
von Acetaldehyd und Wasser abgeführt. Der Reaktor wird somit unter Siedekühlung betrieben.
Neben dem zwischen dem Reaktor und Nebelfänger stattfindenden Katalysator-Zwangsumlauf
wird auch im Reaktor selbst durch Konvektionsströmung ein Katalysatorzwangs-Umlauf
aufrechterhalten.
[0006] Das entstehende Reaktionsgemisch, enthaltend im Wesentlichen die wässrige Katalysatorlösung,
Wasserdampf, gasförmigen Acetaldehyd und Nebel aus der wässrigen Katalysatorlösung
strömt in den Nebelfänger über, in dem die Acetaldehyd haltigen Prozessgase verdampfen.
Die wässrige Katalysatorlösung sowie kondensierter Wasserdampf und -nebel wird anschließend
wieder in den Reaktor zurückgeführt. Treibende Kräfte hierfür sind, wie bereits beschrieben,
die Reaktionswärme beziehungsweise die kinetische Energie der eingespeisten Gase.
[0007] Es wurde nun überraschenderweise gefunden, dass sich die Katalysator-Selektivität
und damit die Raum-Zeit-Ausbeute in der Ethylenoxidation verbessern lässt, wenn man
die Katalysatorumwälzung in dem Schlaufenreaktor erhöht. Eine Verbesserung der Raum-Zeit-Ausbeute
führt zu einer Kapazitätserhöhung der bestehenden Acetaldehyd-Produktions-Anlage ohne
zusätzliche aufwändige Investionskosten oder bedeutet, bei gleichbleibender Produktionsleistung,
einen niedrigeren Systemdruck und damit verbunden eine niedrigere Reaktionstemperatur.
Eine niedrigere Reaktionstemperatur geht dann aber mit einer verbesserten Katalysator-Selektivität
einher, so dass weniger gasförmige Nebenprodukte, beispielsweise Kohlendioxid, wie
auch weniger wasserlösliche Nebenprodukte, beispielsweise Essigsäure, anfallen.
[0008] Die vorliegende Erfindung betrifft daher ein einstufiges Verfahren zur Oxidation
von Ethylen zu Acetaldehyd in Gegenwart einer wässrigen Katalysatorlösung, die aus
einer Lösung von Kupferchlorid und Palladiumchlorid besteht, unter Aufrechterhaltung
der Umwälzung der wässrigen Katalysatorlösung in einem Schlaufenreaktor, der aus einem
Reaktor und einem Nebelfänger aufgebaut ist, dadurch gekennzeichnet, dass der gesamte
Schlaufenreaktor eine von außen aufgebrachte Wärmeisolierung aufweist.
[0009] Überraschenderweise kann durch eine deutliche Erhöhung der Wärmeisolierung des Schlaufenreaktors
die Raum-Zeit-Ausbeute an Acetaldehyd in der Ethylenoxidation verbessert werden. Ohne
auf mechanistische Überlegungen eingehen zu wollen, kann vermutet werden, dass eine
verbesserte Wärmeisolierung die Umwälzungsgeschwindigkeit der wässrigen Katalysatorlösung
erhöht und so höhere stationäre Konzentrationen an Kupfer(II)-chlorid in der Ethylenumsetzungszone
des Schlaufenreaktors sicherstellt. Eine höhere Konzentration an Kupfer(II)-chlorid
bewirkt wiederum eine höhere Konzentration an Palladium(II)-Komplexen, an denen die
eigentliche Umsetzung von Ethylen und Wasser zu Acetaldehyd stattfindet.
[0010] Als mögliche Maßnahme, die Umwälzungsgeschwindigkeit der wässrigen Katalysatorlösung
in dem Schlaufenreaktor zu erhöhen, kann eine Erhöhung der Kreisgasmenge in Erwägung
gezogen werden. Unter Kreisgas versteht man den bei der Aufarbeitung des Reaktionsgemisches
zu rohem Acetaldehyd anfallenden Gasstrom, der nach Abtrennung von Acetaldehyd und
Ausschleusung eines Inerte enthaltenden Abgasstromes wieder in den Reaktorteil zurückgeführt
wird. Eine Erhöhung der Kreisgasmenge bewirkt zwar auf der einen Seite eine Erhöhung
der Umwälzungsgeschwindigkeit der wässrigen Katalysatorlösung in dem Schlaufenreaktor,
sie ist jedoch mit vielen Nachteilen behaftet. Eine erhöhte Kreisgasfahrweise führt
zu einer verstärkten Belastung des Kreisgasverdichters, was mit einem höheren Aufwand
an Kompressionsenergie verbunden ist. Ebenfalls muss in dem Kreisgaswäscher bei verstärkter
Belastung auch die Menge an Waschwasser erhöht werden, das sich im rohen Acetaldehyd
ansammelt und energetisch aufwändig wieder abgetrennt werden muss. Eine Erhöhung der
Kreisgasmenge führt auch zu einem verstärkten Tröpfchen-Austrag an wässriger Katalysatorlösung
aus dem Reaktor und damit zu Edelmetallverlusten. Schließlich führt der verstärkte
Eintrag an dem gekühlten Kreisgas auch zu einem Entzug von Reaktionswärme, da das
gekühlte und eingetragene Kreisgas wieder aufgeheizt werden muss.
[0011] Als entscheidende und überraschende Maßnahme, die Umwälzungsgeschwindigkeit der wässrigen
Katalysatorlösung in dem Schlaufenreaktor zu erhöhen, hat sich nun eine verbesserte
Wärmeisolierung dieses Schlaufenreaktors erwiesen. Dadurch wird der Wärmeverlust aufgrund
der Eigenkonvektion der den Schlaufenreaktor umgebenden und bewegten Luft und aufgrund
der Wärmeabstrahlung von der Reaktoroberfläche verringert. Infolge der verbesserten
Wärmeisolierung verbleibt ein höherer Anteil der freigesetzten Reaktionswärme in dem
Reaktionssystem und führt zu einer verstärkten Verdampfung des Wassers, das als Lösungsmittel
für die Kupfer- und Palladiumsalze dient. Eine höhere Verdampfungsrate an Wasser führt
zu einer Vergrößerung der Dichteunterschiede zwischen dem Reaktorinhalt und dem Nebelfängerinhalt,
woraus sich dann eine Steigerung der Umwälzungsgeschwindigkeit der wässrigen Katalysatorlösung
ergibt. Nach der erfindungsgemäßen Arbeitsweise wird somit die Reaktionswärme der
stark exothermen Ethylenoxidationsreaktion über die verbesserte Katalysatorumwälzung
letztendlich für eine Selektivitätsverbesserung für die zum gewünschten Acetaldehyd
führende Reaktion genutzt.
[0012] Als weiteren Effekt, der sich infolge der verbesserten Wärmeisolierung des Schlaufenreaktors
einstellt, beobachtet man einen rascheren Austrag des gebildeten Acetaldehyds aus
der Reaktionszone infolge verstärkter Verdampfung. Dadurch vermindert sich die stationäre
Konzentration an Acetaldehyd im Reaktionsgemisch und die Bildung von Nebenprodukten,
die auf der unerwünschten Weiterreaktion des gebildeten Acetaldehyds in dem Reaktor
basieren, kann reduziert werden.
[0013] Bei der Wahl geeigneter Materialien für den Schlaufenreaktor, die eine Verbesserung
der Wärmeisolierung zulassen, müssen sowohl die aggressiven Eigenschaften der wässrigen
Katalysatorlösung sowie die Temperaturbealstung aufgrund der hohen Reaktionswärme,
die im Allgemeinen in einem Bereich von 110-140°C liegt, berücksichtigt werden. Die
wässrige Katalysatorlösung weist aufgrund ihres Gehalts an Salzsäure sowie aufgrund
der gelösten Palladium- und Kupferchloride gegenüber den metallischen Apparatematerialien
extrem korrosive Eigenschaften auf.
[0014] Die bei der Durchführung des einstufigen Verfahrens zur Acetaldehydbildung konventionell
eingesetzten Schlaufenreaktoren, die aus einem Reaktorteil und einem Nebelfänger aufgebaut
sind, sind aus einem in der chemischen Apparatetechnik üblichen C-Stahl gefertigt,
der zum Zwecke des Korrosionsschutzes innenseitig gummiert ist. Um die Gummiauskleidung
vor den hohen Reaktionstemperaturen zu schützen, ist auf dieser Gummiauskleidung eine
mehrlagige, säurefeste, keramische Auskleidung aufgebracht. Da diese säurefeste, keramische
Auskleidung eine relativ hohe Wärmeleitfähigkeit aufweist, resultiert zwangsläufig
ein erheblicher Wärmeverlust und Wärmeabfluss durch die Wandung des gesamten Schlaufenreaktors
nach außen hin. Konventionelle Schlaufenreaktoren weisen daher auch eine relativ hohe
äußere Oberflächentemperatur von etwa 70°C auf. Durch diese Auslegung des Reaktors
wird somit über die Behälterwandung her gesehen ein Temperaturgefälle ausgebildet,
das allerdings auch erwünscht ist, um sicherzustellen, dass die Gummiauskleidung nicht
über ihre Zersetzungstemperatur von etwa 80°C erhitzt wird.
[0015] Die für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wesentlich verbesserte
Wärmeisolierung kann bei Schlaufenreaktoren konventioneller Auslegung nicht erreicht
werden, weil eine Verbesserung der Innenisolierung des Reaktors den Einsatz eines
Materials erfordert, das sowohl säurefest als auch stark wärmedämmend ist und auf
der Gummiauskleidung aufgebracht werden kann. Derartige Materialien stehen kostengünstig
nicht zur Verfügung, und ihr Einsatz als Reaktormaterial würde die Investitionskosten
derart erhöhen, dass der Acetaldehydherstellungsprozess nicht mehr wirtschaftlich
zu betreiben ist. Auch das Aufbringen einer wirksamen Außenisolierung ist bei konventionellen
Schlaufenreaktoren nicht möglich, da diese Maßnahme zu einer Überhitzung der innenseitig
aufgebrachten Gummilage führt.
[0016] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Acetaldehydherstellung ist durch die Durchführung
in einem Schlaufenreaktor charakterisiert, der aus einem Material oder mehreren Materialschichten
gefertigt ist, das eine effektive äußere Wärmeisolierung ermöglicht.
[0017] In einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens kann der Druck tragende
Teil des Schlaufenreaktors aus einem Material gefertigt werden, das gegenüber der
wässrigen Katalysatorlösung korrosionsbeständig ist, beispielsweise aus Titan, Tantal
oder Niob-Zirkon-Legierungen, vorzugsweise aus Titan.
[0018] In einer weiteren Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist für den Druck tragenden
Teil des Schlaufenreaktors auch die Verwendung konventioneller, nicht korrosionsbeständiger
Materialien, wie zum Beispiel C-Stahl oder üblicher Edelstähle, möglich, sofern die
Reaktorinnenwand mit einem korrosionsstabilen Material beschichtet ist, das zugleich
eine ausreichende Temperaturbeständigkeit bei Reaktionstemperatur aufweist. Für solche
innenseitig aufgebrachte Beschichtungen eignen sich beispielsweise Beschichtungen
aus Email oder aus speziellen polyhalogenierten Kohlenwasserstoffen.
[0019] Die auf den Schlaufenreaktor von außen aufgebrachte Wärmeisolierung besteht aus einem
zur Wärmeisolierung üblichen Material mit einer ausreichenden Temperaturbeständigkeit
bei der Reaktionstemperatur der Acetaldehydbildung. Beispiele für solche wärmeisolierende
Materialien sind Mineralfasern oder Glasschaum. Die äußere Wärmeisolierung wird zweckmäßigerweise
in einer solchen Dicke aufgetragen, dass sich die Temperatur auf der Reaktoroberfläche
der Umgebungstemperatur angleicht. Im Allgemeinen wird das zur äußeren Wärmeisolierung
verwendete Material in einer Dicke von bis zu 100 Millimetern aufgetragen. Eine darüber
hinausgehende weitere Auftragung von wärmeisolierenden Materialien bewirkt keine weitere
Verbesserung und verteuert unnötig das Verfahren.
[0020] Durch die verbesserte Wärmeisolierung wird die Katalysatorumwälzung im Schlaufenreaktor
verbessert, wodurch eine höhere Konzentration an katalytisch aktiven Metallsalzen
in der Ethylenumsetzungszone eingestellt werden kann. Dadurch lässt sich wiederum
die Raum-Zeit-Ausbeute an Acetaldehyd verbessern. Ebenfalls verdampft infolge der
verbesserten Wärmeisolierung der gebildete Acetaldehyd rascher aus der heißen Reaktionszone
und die Bildung von Nebenprodukten kann reduziert werden.
[0021] Je nach Anlagenlast, d.h. je nach stündlich in den Schlaufenreaktor eingebrachter
Menge an Ethylen, lässt sich der spezifische Abgasanfall je Tonne Ethylen reduzieren.
Mit einer Verringerung des Abgasanfalls, die im Wesentlichen durch eine geringe Kohlendioxidbildung
aufgrund der verbesserten Katalysatorselektivität bedingt ist, geht auch die Verringerung
der Bildungsraten anderer Nebenprodukte, zum Beispiel von Essigsäure, einher, die
über das Abwasser aus dem Prozess ausgeschleust werden. Damit kann auch die Belastung
des ausgeschleusten Abwassers mit organischen Verunreinigungen reduziert werden. Die
verbesserte Katalysatorselektivität ermöglicht eine Erhöhung der Anlagenkapazität
bei bisher gleich bleibenden Reaktionsbedingungen, oder falls eine bestimmte Produktionsleistung
oder die Maximallast gefahren werden soll, die Durchführung der Umsetzung bei vermindertem
Anlagendruck. Der mit diesen milden Reaktionsbedingungen verbundene Selektivitätsgewinn
führt wegen des geringeren Anfalls an Nebenprodukten zu einer signifikanten Ausbeutesteigerung
an Acetaldehyd.
[0022] Als einen weiteren Effekt beobachtet man, dass der Gehalt an Kupfer(I)-chlorid am
Gesamtkupfergehalt in der wässrigen Katalysatorlösung kaum noch von der Ethylenaufnahme
abhängt und sich auf deutlich niedrigerem Niveau bewegt. Durch die verbesserte Wärmeisolierung
des Schlaufenreaktors und der damit bedingten verbesserten Katalysatorwälzung wird
bewirkt, dass das im Zuge der Reaktion entstehende Kupfer(I)-chlorid sehr rasch wieder
in den Bereich der Sauerstoffeinspeisung transportiert und dort wieder zum Kupfer(II)-chlorid
oxidiert wird. Die Ethylenaufnahme, die der Anlagenleistung entspricht, ist daher
nur noch von geringem Einfluss auf die stationäre Konzentration von Kupfer(I)- und
Kupfer(II)-chlorid im gesamten Reaktionssystem.
[0023] Im Folgenden wird eine beispielhafte Ausgestaltung der Erfindung anhand des in der
Figur dargestellten Verfahrensbildes und anhand von Betriebserfahrungen näher beschrieben.
Eine Beschränkung der Erfindung in irgendeinerweise ist dadurch nicht beabsichtigt.
[0024] In einem aus Titan gefertigten Schlaufenreaktor 1, bestehend aus Reaktor 1a und aus
Nebelfänger 1b, wird über die Verbindungsleitungen 1 c und 1 d das siedende Gas-/Flüssigkeitsgemisch
aus dem Reaktor 1 a in den Nebelfänger 1b überführt, aus dem über den Boden über die
Leitung 1 e die wässrige Katalysatorlösung zurück in den Reaktor 1 a fließt. Der aus
dem Nebelfänger 1b verdampfende und gasförmige Produktstrom wird über die Leitung
2 abgeführt und in den Wärmetauschern 3a und 3b abgekühlt, wobei es zur Kondensation
kommt. Das nach dem Wärmetauscher 3a anfallende Kondensat wird über die Leitung 4
abgenommen und mit über Leitung 5 herangeführtem Ergänzungswasser abgemischt. Die
Mischung wird über Leitung 6 wieder auf den Kopf des Nebelfängers gegeben, die dort
im Gegenstrom dem aus der flüssigen Reaktionsmischung verdampfenden Produktstrom entgegenströmt.
[0025] Der nach dem Wärmetauscher 3b anfallende Gas- und Kondensatstrom wird über die Leitung
7 auf den unteren Teil einer Waschkolonne 8 gegeben, aus der über Leitung 9 roher
Acetaldehyd abgeführt und nach an sich bekannten Verfahren aufgearbeitet wird. Aus
dem am Kopf der Waschkolonne über Leitung 10 entnommenen gasförmigen Produkt wird
über die Leitung 11 ein unter anderem Inerte enthaltender Abgasstrom ausgeschleust,
während der Rest als Kreisgas über die Leitung 12 zurückgeführt, in dem Verdichter
13 aufkomprimiert und mit über Leitung 14 herangeführtem frischen Ethylen abgemischt
wird. Das Gasgemisch wird anschließend über Leitung 15 an der Stelle in den Boden
des Reaktors 1a eingespeist, an der auch die über die Leitung 1 e herangeführte wässrige
Katalysatorlösung in den Reaktor 1 a eintritt. Über Leitung 16 wird frischer Sauerstoff
in den Boden des Reaktors 1 a eingedüst. Man kann daher den unteren Teil des Reaktors
1a als Oxidationszone für die Reoxidation von Kupfer(I)- zu Kupfer(II)-chlorid ansehen.
Die in dem Reaktor 1 a stattfindende Konvektionsströmung sowie der im Nebelfänger
1b und in den Leitungen 1c, 1d und 1e stattfindende Umpump ist ebenfalls schematisch
dargestellt. Auch die in dem Nebelfänger 1b erfolgende Verdampfung der Aldehyd haltigen
Reaktionsprodukte aus der Reaktionslösung ist schematisch angedeutet.
Betriebserfahrung
[0026] Bei einer gewerblichen, industriellen Anlage zur Herstellung von Acetaldehyd aus
Ethylen und Sauerstoff wurde der mit einer konventionellen keramischen Ausmauerung
ausgelegte Schlaufenreaktor durch einen solchen aus Titan gefertigten ersetzt, der
mit einer äußeren Wärmeisolierung aus 100 Millimetern Mineralfasern belegt wurde.
Die sonstigen Apparateabmessungen wurden exakt übernommen. Als Ergebnis durch diese
Maßnahme wurde innerhalb des üblichen Lastbereichs von 3,2 bis 6,1 t/h Ethylen eine
Reduktion des spezifischen Abgasanfalls um 60 bis 70 % je nach Anlagenlast beobachtet.
Innerhalb dieses Lastbereichs zeigte sich ebenfalls eine Abnahme des CSB-Austrags
(Chemischer Sauerstoffbedarf) über das Betriebsabwasser im Durchschnitt von 0,55 t/d.
Die Gesamtausbeute der Acetaldehydanlage konnte um etwa 1 %, bezogen auf Ethyleneinsatz,
erhöht werden. Um die bisherige Ethylenaufnahme zu erzielen, kann die nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren betriebene Acetaldehydanlage nunmehr bei einem niedrigeren Anlagendruck
gefahren werden, der um etwa 10 % geringer ist als nach der konventionellen Arbeitsweise.
1. Einstufiges Verfahren zur Oxidation von Ethylen zu Acetaldehyd in Gegenwart einer
wässrigen Katalysatorlösung, die aus einer Lösung von Kupferchlorid und Palladiumchlorid
besteht, unter Aufrechterhaltung der Umwälzung der wässrigen Katalysatorlösung in
einem Schlaufenreaktor, der aus einem Reaktor und einem Nebelfänger aufgebaut ist,
dadurch gekennzeichnet, dass der gesamte Schlaufenreaktor eine von außen aufgebrachte Wärmeisolierung aufweist.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die von außen aufgebrachte Wärmeisolierung in einer Dicke von bis zu 100 Millimetern
aufgetragen wird.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die von außen aufgebrachte Wärmeisolierung aus einem Material besteht, das bei der
Reaktionstemperatur der Acetaldehydbildung eine ausreichende Temperaturbeständigkeit
aufweist.
4. Verfahren gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die von außen aufgebrachte Wärmeisolierung aus Mineralfasern oder Glasschaum besteht.
5. Verfahren gemäß einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck tragende Teil des Schlaufenreaktor aus einem gegenüber der wässrigen Katalysatorlösung
korrosionsbeständigen Material gefertigt ist.
6. Verfahren gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das korrosionsbeständige Material ausgewählt wird aus Titan, Tantal oder Niob-Zirkon-Legierungen.
7. Verfahren gemäß einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet dass der Druck tragende Teil des Schlaufenreaktors aus C-Stahl oder üblichen Edelstählen
gefertigt ist und gleichzeitig die Reaktorinnenwand mit einem korrosionsstabilen Material
beschichtet ist, das zugleich eine ausreichende Temperaturbeständigkeit bei Reaktionstemperatur
aufweist.
8. Verfahren gemäß Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die korrosionsstabile und zugleich temperaturbeständige Beschichtung aus Email oder
polyhalogenierten Kohlenwasserstoffen besteht.