(19)
(11) EP 1 816 304 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
08.08.2007  Patentblatt  2007/32

(21) Anmeldenummer: 07000955.0

(22) Anmeldetag:  18.01.2007
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
E06B 9/322(2006.01)
E06B 9/388(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IS IT LI LT LU LV MC NL PL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL BA HR MK YU

(30) Priorität: 06.02.2006 DE 202006001946 U

(71) Anmelder: WAREMA Renkhoff GmbH
97828 Marktheidenfeld (DE)

(72) Erfinder:
  • Heidenfelder, Michael
    97828 Marktheidenfeld (DE)
  • Diener, Joachim
    97855 Triefenstein (DE)

(74) Vertreter: Erb, Henning et al
Patentanwälte Beyer & Jochem Postfach 18 02 04
60083 Frankfurt am Main
60083 Frankfurt am Main (DE)

   


(54) Sonnenschutzanlage mit Lamellenbehang


(57) Eine Sonnenschutzanlage besitzt einen Behang (10) mit einer Vielzahl an Längsholmen (24) gehaltenen Lamellen und einer Unterschiene (12) an seinem unteren Ende. An der Unterschiene (12) sind Aufzugsorgane (14) festgelegt, deren Längen zur Einstellung der Ausfahrlänge des Behangs (10) mit Hilfe eines Antriebes verstellbar sind. Um die Stabilität gegenüber Windeinfluss zu verbessern, wird vorgeschlagen, dass die sich gegenüberliegenden Längsholme (24) der Leiterkordel (14) unterhalb der untersten Lamelle (18) jeweils zu einer Schlaufe (26) verbunden sind, die an der Unterschiene (12) eingehängt ist und in der ausgefahrenen Endstellung des Behangs durch das Eigengewicht der Unterschiene gestrafft ist.


Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung befaßt sich mit einer Sonnenschutzanlage mit einem Behang, der eine Vielzahl an Längsholmen gehaltener Lamellen aufweist und an dessen unterem Ende eine Unterschiene vorgesehen ist, an welcher Aufzugsorgane festgelegt sind, deren Länge zur Einstellung der Ausfahrlänge des Behangs mit Hilfe eines Antriebes verstellbar ist.

[0002] Bei bekannten Anlagen sind die Längsholme als Schlaufenkordel oder jeweils z. B. einer Leiterkordel unterhalb der untersten Lamelle des Behangs zusammengecrimpt und beispielsweise durch den Stift für die Aufzugsbandbefestigung gegen ein Ausziehen aus der Unterschiene gesichert. Dabei sind die Längsholme unterhalb der untersten Lamelle derart lang ausgeführt, daß sie auch bei sehr stark geneigten Lamellen nicht gestrafft sind und damit die Neigungsverstellung der Lamellen, die über die Längsholme bewegt wird, nicht behindern.

[0003] Die Längsholme werden bei ausgefahrenem Behang nur durch das Eigengewicht der Lamellen stabilisiert, d. h. im oberen Bereich sind die Längsholme durch das Gesamtgewicht des Behanges gestrafft, während die Spannkraft der Längsholme nach unten hin von Lamelle zu Lamelle abnimmt und zwischen der untersten und vorletzten Lamelle letztlich nur noch durch das Eigengewicht der letzten Lamelle stabilisiert ist. Da andererseits die Lamellen bei großer Angriffsfläche selbst nur sehr dünn sind und ein entsprechend kleines Eigengewicht haben, heben sich die Lamellen insbesondere im unteren Bereich des Behangs bei Windbelastung sehr schnell an und können sich verdrehen, so daß keine stabile Lage gewährleistet ist. Damit ist unter Windeinfluß keine definierte Lamellenstellung mehr möglich und der Sonnenschutz verliert seine Funktion, wobei es zu reflexartigen Blendungen kommen kann, insbesondere wenn Lichtleitlamellen eingesetzt werden. Besonderes störend ist dabei, daß bei sich bewegenden Lamellen blitzartige Blendungen entstehen können, die insbesondere bei Arbeitsplätzen sehr störend sind.

[0004] Darüber hinaus können die sich bewegenden Lamellen auch Klappergeräusche verursachen und langfristig können auch Beschädigungen der Lamellen und/oder der Leiterkordeln nicht ausgeschlossen werden.

[0005] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine Sonnenschutzanlage mit einem Lamellenbehang zu schaffen, der eine bessere Stabilität gegenüber Windeinfluß aufweist.

[0006] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch eine Sonnenschutzanlage der eingangs beschriebenen Art gelöst, bei welcher sich gegenüberliegende Längsholme unterhalb der untersten Lamelle zu einer Schlaufe verbunden sind, die an der Unterschiene eingehängt ist.

[0007] Im Gegensatz zu den bisherigen Lösungen, die bewußt so gestaltet sind, daß die Längsholme unterhalb der untersten Lamelle unter keinen Umständen belastet werden, sorgt die geschlossene Schlaufe dafür, daß sich die Unterschiene in der untersten Endposition mit ihrem Eigengewicht in die Schlaufe legt und unter Entlastung der Aufzugsorgane die Leiterkordel mit ihrem Eigengewicht beaufschlagt. Dadurch wird der Behang stabilisiert und insbesondere im Bereich der unteren Lamellen die Spannkraft der Längsholme erhöht, so daß es unter Windeinfluß nicht mehr zu unerwünschten Lamellenbewegungen kommen kann. Das Zusammenführen der unteren Enden der Längsholme als Schlaufe bietet auch den Vorteil, daß die Stabilisierung unabhängig von der jeweils eingestellten Lamellenneigung erfolgen kann, da sich die Lage der Schlaufe in Bezug auf die Einhängstelle an der Unterschiene in Abhängigkeit von der Lamelleneigung ändern kann. Bei horizontaler Lamellenstellung hängt die Unterschiene beispielsweise in der Mitte der Schlaufe, während sich die Einhängestelle an der Schlaufe entsprechend der Lamellenstellung verändern kann. Das erfindungsgemäße Spannsystem kann unabhängig davon eingesetzt werden, wie die Aufhängung ausgebildet ist, nämlich beispielsweise über Leiterkordeln mit Längsholmen und Querstegen, auf denen die Lamellen aufliegen, oder mit Längsholmen in der Form von Schlaufenkordeln, die jeweils Halteschlaufen aufweisen, an denen die einzelnen Lamellen ohne durchgängige Querstege festgelegt sind.

[0008] Während bei Sonnenschutzanlagen, bei denen die Straffung der Längsholme mit einer beim Ausfahren bereits eingestellten Lamellenneigung im Vordergrund steht, einfache Einhängeösen für die Schlaufen der Längsholmenden an der Unterschiene genügen können, ist bei Ausführungsformen, bei denen eine Einstellung der Lamellenneigung auch im gespannten Zustand der Leiterkordel vorgenommen werden soll, eine Ausführungsform der Erfindung besonders bevorzugt, bei welcher die Schlaufen über Umlenkhilfen an der Führungsschienen geführt sind. Eine solche Umlenkhilfe dient der Minimierung der beim Verstellen des Neigungswinkel zwischen der Unterschiene und der Schlaufe wirkenden Reibkräfte, um einerseits eine sichere Verstellung des Behangs bei niedrigen Antriebskräften zu ermöglichen und andererseits eine Bewegung der Unterschienen in Folge der auftretenden Reibkräfte zu vermeiden. In den meisten Fällen genügen bereits Ausführungsformen, bei denen die Umlenkhilfen gerundete Gleitbahnen aufweisen, auf denen die Schlaufen geführt sind.

[0009] Zur weiteren Minimierung der übertragbaren Reibkräfte kann als Umlenkhilfe eine Umlenkrolle vorgesehen sein, die an der Unterschiene drehbar gelagert ist.

[0010] Um eine Schrägstellung der Unterschienen bei gestraffter Leiterkordel zu vermeiden, ist es besonders zweckmäßig, daß sich die Einhängeösen, die Krümmungsmittelpunkte oder die Umlenkrollenachsen im Schwerpunkt der Unterschiene befinden.

[0011] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist ein elektrischer Antrieb für die Aufzugsorgane vorgesehen, der über eine Endabschaltung in einer unteren Endposition der Unterschienen bei maximal ausgefahrenem Behang verfügt. Zweckmäßig ist eine Weiterbildung, daß die Endabschaltung beim Ausfahren nach einer Entlastung der Aufzugsorgane erfolgt, so daß die Unterschiene über die Schlaufe mit ihrem Eigengewicht an den Längsholmen hängt. Mittels der Endabschaltung wird damit gezielt der Zustand angesteuert, bei welchem das Eigengewicht der Unterschiene nicht mehr über die Aufzugsorgane sondern über die Längsholme abgeleitet wird.

[0012] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung kann es zweckmäßig sein, die Unterschiene mit Gewichten zu beschweren oder im Vergleich zu vorbekannten Unterschienen ein höheres Eigengewicht vorzusehen, sofern dies zur Stabilisierung geboten erscheint.

[0013] Nachfolgend wird anhand der beigefügten Zeichnung näher auf ein Ausführungsbeispiel der Erfindung eingegangen.

[0014] Die Abbildung zeigt einen Querschnitt des unteren Bereiches eines Lamellenbehangs 10 eines Raffstores als Beispiel für eine Sonnenschutzanlage mit einem Lamellenbehang. Eine Unterschiene 12 bildet bei dem Lamellenbehang 10 einen unteren Abschluß und ist mit Hilfe von in der Regel wenigstens zwei Aufzugsbändern 14, die mit Hilfe eines Stiftes 16 an der Unterschiene 12 verankert sind, in ihrer Lage einstellbar. Die Aufzugsbänder 14 sind auf Wickelrollen im Bereich einer Oberschiene (nicht gezeigt) aufwickelbar, die durch einen Elektromotor angetrieben sind.

[0015] Der Lamellenbehang 10 besitzt eine Anzahl übereinander parallel zueinander angeordneter Lamellen 18, wobei in der Abbildung nur die unterste Lamelle 18 gezeigt ist, die übrigen Lamellen aber in ihrer Ausführung der gezeigten untersten Lamelle entsprechen.

[0016] Die Lamellen 18 sind über Halteschlaufen 20 an Schlaufenkordeln 22 aufgehängt, die bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel jeweils aus zwei Längsholmen 24 mit den Halteschlaufen 20 in bestimmten Abständen bestehen, die auf jeweils einer Seite der Lamellen 18 angeordnet sind. In der Regel sind zwei oder mehr Paare von Schlaufenkordeln 22 vorgesehen, um den Lamellenbehang 10 zu stabilisieren.

[0017] Anstelle der gezeigten Ausführungsform, bei welcher die Lamellen 18 an Halteschlaufen 20 an den Längsholmen 24 der Schlaufenkordeln 22 angehängt sind, sind auch Ausführungsformen denkbar, bei welchen zwischen den Längsholmen Querstege ausgebildet sind, auf denen die Lamellen aufliegen, wobei man dann von Leiterkordeln spricht.

[0018] Die Besonderheit der gezeigten Schlaufenkordeln besteht darin, daß unterhalb der untersten Lamellen 18 die Enden gegenüberliegender Längsholme 24 zu einer Schlaufe 26 verbunden sind, die an einer Umlenkhilfe 28, die fest mit der Unterschienen 12 verbunden ist, umgelenkt ist. Die Umlenkhilfe 28, die beispielsweise aus Kunststoff besteht, besitzt eine gerundete Gleitbahn 30, auf welcher die Schlaufe 26 reibungsarm gleiten kann. Die übrigen Schlaufenkordeln wirken entsprechend mit Umlenkhilfen zusammen.

[0019] Bei nur teilweise ausgefahrenem Behang liegt wenigstens die unterste Lamelle 18 und gegebenenfalls weitere Lamellen horizontal gestapelt auf der Oberseite der Unterschiene 12. Die Schlaufe 26 ist dann entlastet, wobei ein Schlaufenhalter 32, der die Schlaufe im Bereich der Gleitbahn 30 umgreift, verhindert, daß die Schlaufe aus der Umlenkhilfe 28 herausspringen kann. In einem solchen Zustand wird das Gewicht der Unterschiene 12 sowie der auf ihr gestapelt liegenden Lamellen 18 durch das Aufzugsband 14 aufgenommen und an die Aufwickeleinrichtung im Bereich der Oberschiene weitergegeben.

[0020] Bei einem Abfahren der Unterschiene heben sich nach und nach die gestapelten Lamellen 18 von dem Stapel ab und werden in den gewünschten, parallel zueinander ausgerichteten Positionen durch die Halteschlaufen 20 gehalten. Nach dem Abheben der untersten Lamelle 18 von der Unterschiene 12 und einem geringfügigen weiteren Ablassen der Unterschienen 12 stellt sich der in der Abbildung gezeigte Zustand ein, in welchem die Schlaufe 26 zunehmend gestrafft und das Aufzugsband zunehmend entlastet wird, da nunmehr die Unterschiene 12 über die Umlenkhilfe 28 an der Schlaufe 26 hängt. Durch die gleichmäßig gestrafften Schlaufenhälften werden die Längsholme 24 gleichmäßig mit dem Gewicht der Unterschiene 12 beaufschlagt, so daß sie gestrafft werden und die Lamellen 18 auch bei Windeinfluß eine stabile Position einnehmen. Da die Kräfte gleichmäßig auf die beiden Längsholme 24 verteilt werden, erfolgt im Moment der Übergabe der Last von den Aufzugsorganen 14 auf die Schlaufenkordeln 22 auch keine Neigungsverstellung der Lamellen 18 aus der gewählten Winkelposition.

[0021] Bedingt durch die reibarm gestaltete Gleitbahn 30 ist es auch ohne weiteres möglich, die Lamellenneigung in der gezeigten ausgefahrenen Endstellung des Behangs 10 zu verstellen. Grundsätzlich ist es dabei das Ziel, die Reibkräfte im Bereich der Gleitbahn möglichst klein zu halten, da bei höheren Reibkräften unter Umständen bei der Verstellung der Neigung die Unterschiene 12 während des Stellvorgangs eine leichte Verdrehbewegung ausführt.

[0022] Denkbar ist auch eine Variante, bei welcher die Umlenkhilfe 28 durch eine drehbar an der Unterschienen gelagerte Umlenkrolle ausgebildet ist, wobei es auch möglich wäre, die beiden Enden der Längsholme 24 nicht, wie in der Abbildung gezeigt, durchgängig auszubilden sondern an jeweils einer Wickelrolle festzulegen und die beiden Wickelrollen drehstarr miteinander zu verbinden.


Ansprüche

1. Sonnenschutzanlage mit einem Behang (10), der eine Vielzahl an Längsholmen (24) gehaltener Lamellen aufweist und an dessen unterem Ende eine Unterschiene (12) vorgesehen ist, an welcher Aufzugsorgane (14) festgelegt sind, deren Längen zur Einstellung der Ausfahrlänge des Behangs (10) mit Hilfe eines Antriebes verstellbar sind, dadurch gekennzeichnet, daß die sich gegenüberliegenden Längsholme (24) der Leiterkordeln (14) unterhalb der untersten Lamelle (18) jeweils zu einer Schlaufe (26) verbunden sind, die an der Unterschiene (12) eingehängt ist und in der ausgefahrenen Endstellung des Behangs durch das Eigengewicht der Unterschiene gestrafft ist.
 
2. Sonnenschutzanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Längsholme mit Querstegen zu Leiterkordeln ausgebildet sind, auf denen die Lamellen aufliegen.
 
3. Sonnenschutzanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Längsholme (24) als Schlaufenkordeln (22) jeweils mit Halteschlaufen (20) versehen sind, an denen die Lamellen (18) festgelegt sind.
 
4. Sonnenschutzanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Schlaufen (26) über Umlenkhilfen (28) an der Unterschiene (12) geführt sind.
 
5. Sonnenschutzanlage nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Umlenkhilfen (28) gerundete Gleitbahnen (30) aufweisen.
 
6. Sonnenschutzanlage nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Schlaufen über Umlenkrollen als Umlenkhilfen geführt sind.
 
7. Sonnenschutzanlage nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Mittelpunkte der Umlenkhilfen (28) auf der Schwerpunktlinie der Unterschiene (12) liegen.
 
8. Sonnenschutzanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein elektrischer Antrieb für die Aufzugsorgane (14) vorgesehen ist, der über eine Endabschaltung in einer unteren Endposition der Unterschiene (12) bei maximal ausgefahrenem Behang verfügt.
 
9. Sonnenschutzanlage nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Endabschaltung beim Ausfahren nach einer Entlastung der Aufzugsorgane (14) erfolgt, so daß die Unterschiene (12) über die Schlaufen (26) mit ihrem Eigengewicht an den Längsholmen (24) hängt.
 
10. Sonnenschutzanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Unterschiene (12) mit Zusatzgewichten beschwert ist oder ein im Vergleich zu üblichen Unterschienen höheres Eigengewicht aufweist.
 




Zeichnung