[0001] Die Erfindung betrifft eine Dichtungsanordnung für ein Zylinder-Kolben-System einer
Hubkolbenvakuumpumpe nach dem Oberbegriff des ersten Anspruchs.
[0002] Hubkolbenvakuumpumpen sind seit einigen Jahren als sogenannte "trockene Vorvakuumpumpen"
erfolgreich im Einsatz. Sie finden überall dort Anwendung, wo frei von Arbeitsfluid,
beispielsweise Öl, ein Vorvakuum erzeugt werden muss, d.h. die Rückströmung von Arbeitsfluid
in den Rezipienten nicht toleriert werden kann. Kolbenvakuumpumpen besitzen einen
oder mehrere Zylinder, in denen jeweils ein Kolben eine oszillierende Bewegung ausführt,
mit der der Kompressionsraum periodisch vergrößert und verkleinert wird. In dem Zeitraum,
in dem der Kompressionsraum verkleinert wird, wird Gas verdichtet und am Ende der
Bewegung ausgestoßen.
[0003] Wichtig für die Funktion einer trockenen Kolbenvakuumpumpe ist die Abdichtung zwischen
Kolben und Innenwand des Zylinders. Bewährt hat sich als Dichtung ein L-förmiges Dichtelement,
wie es in der
DE-OS 103 37 298 beschrieben ist. Bei diesem Dichtelement ist ein Schenkel des L im Kolben fixiert,
während der andere Schenkel leicht gegenüber der Kolbenachse geneigt ist und mit seinem
Ende die Zylinderinnenwand berührt. Dieses L-förmige Dichtelement ermöglicht eine
Konstruktion mit geringem Totraum. Eine geeignete Materialwahl erlaubt den Betrieb
der Pumpe frei von Arbeitsfluid.
[0004] Bei längerem Betrieb stellt man fest, dass das L-förmige Dichtelement hohen Belastungen
ausgesetzt sein muss, da ein Verschleiß zu beobachten ist, der den heutigen Anforderungen
an die Dauerlaufeigenschaften nicht gerecht wird.
[0005] Aufgabe ist es daher, eine Dichtungsanordnung für ein Zylinder-Kolben-System einer
Kolbenvakuumpumpe vorzustellen, welches die Vorteile des L-förmigen Dichtelements
aufweist, den Verschleiß dieses Bauteils aber reduziert.
[0006] Diese Aufgabe wird gelöst durch die kennzeichnenden Merkmalen des ersten Patentanspruches.
[0007] Gegenüber dem Stand der Technik benutzt die Erfindung zusätzlich zum L-förmigen Dichtungselement
ein Führungselement, welches auf der vom Kompressionsraum abgewandten Seite des Dichtungselements
angeordnet ist. Dieses Führungselement nimmt mechanische Belastung vom Dichtungselement,
welche insbesondere durch die der periodisch-linearen Bewegung überlagerten Pendelbewegung
entsteht und gerade in den Umkehrpunkten besonders ausgeprägt ist. Durch die verminderte
Belastung steigt die Lebensdauer des Dichtungselements an. Gleichzeitig beobachtet
man eine positive Auswirkung auf die Geräuschentwicklung des Zylinder-Kolben-Systems.
[0008] Die Merkmale der Ansprüche 2 bis 10 stellen vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung
dar.
[0009] Die Kombination der Kolbenführung mit einem Dämpfungselement, welches zwischen Kolben
und freiem Schenkel des Dichtungselements angeordnet ist, bewirkt zudem eine deutlich
verminderte Geräuschentwicklung des Zylinder-Kolben-Systems.
[0010] Eine vorteilhafte Weiterbildung besteht darin, das Dämpfungselement in einer kreisförmigen
Nut zu führen, welche mindestens eine Abfräsung aufweist. Hierdurch wird ein Ausdehnungraum
geschaffen, in den sich das Dämpfungselement bei Druckbelastung ausdehnen kann. Dies
wiederum vermeidet,
dass das Dämpfungselement unter Druckbelastung das L-förmige Dichtungselement mit zu starker
Kraft gegen die Zylinderwand drückt und so die Reibung örtlich begrenzt hochsetzt.
[0011] Für den Einsatz in einer Kolbenvakuumpumpe von Vorteil ist die Anordnung eines weiteren
L-förmigen Dichtelements am entgegengesetzten Ende des Kolbens, da so die Dichtheit
der gesamten Anordnung erhöht wird. Zudem wird die Führung des Kolbens verbessert,
Verschleiß und Geräuschentwicklung sinken..
Die Maßnahme nach Anspruch 7 verbessert die durch das Hinzufügen des Führungselements
bereits erreichten Vorteile. Ein Führungselement nach Anspruch 6 entlastet das Dichtungselement
und sorgt für eine weiter verbesserte Kolbenführung ohne dabei so unnachgiebig zu
sein, dass es zu einer merklichen Geräuschbildung kommt.
[0012] Die Maßnahme nach Anspruch 8 bewirkt, dass das Führungselement nur dann eingreift,
wenn es wirklich notwendig ist. Dies ist der Fall, wenn die durch eine Auslenkung
von der Zylinderachse resultierende Belastung für das Dichtungselement durch die Pendelbewegungen
zu hoch ist. Bei geringen Belastungen hingegen steht das Führungselement nicht in
reibendem Kontakt mit der Zylinderinnnenwandung, so dass ein Abrieb vermieden wird.
[0013] Eine besonders einfache und günstige Montage, die daher auch einen leichten Wechsel
des Bauteils erlaubt, stellt die Maßnahme nach Anspruch 10 dar. Auf diese Weise werden
Kostenvorteile durch Material- und Zeitersparnis erreicht.
[0014] Mit Hilfe der Abbildungen soll die Erfindung an Ausführungsbeispielen näher erläutert
und die Vorteile derselben vertieft werden.
- Fig. 1:
- Nichtmaßstäblicher Querschnitt durch das Zylinder-Kolben-System einer Kolbenvakuumpumpe.
- Fig. 2:
- Querschnitt durch ein integriertes Bauteil.
- Fig. 3:
- Schnitt durch Kolbendeckel a) längs der Zylinderachse und b) Stirnschnitt.
[0015] Die Abbildung zeigt einen nichtmaßstäblichen Schnitt durch das Zylinder-Kolben-System
einer Kolbenvakuumpumpe. In einem Gehäuse 15 ist ein Zylinder 1 angeordnet. In diesem
führt ein Kolben periodische Bewegungen durch, wodurch ein Kompressionsraum 5 periodisch
vergrößert und verkleinert wird. Ein Umkehrpunkt der Bewegung, im folgenden "unterer
Umkehrpunkt", ist charakterisiert durch den Gaseinlassvorgang. Dazu ist in der Zylinderwandung
eine Öffnung 10 oder eine mit einem Einlasskanal kommunizierende Mehrzahl von Öffnungen
vorgesehen. Der andere Umkehrpunkt, im folgenden "oberer Umkehrpunkt", ist charakterisiert
durch den Gasauslassvorgang. Dazu wird der Kolben soweit im Zylinder verschoben, dass
der Ventildeckel 12 vom Ventilsitz 14 abgehoben wird und die gegenspannende Kraft
der Ventilfeder 13 überwindet. Das verdichtete Gas wird dann über den Gasauslass 11
abgeführt.
[0016] Der Kolben ist im Ausführungsbeispiel dreiteilig aufgebaut und besitzt einen Kolbendeckel
2b, eine Kolbenhülse 2a und einen Kolbenboden 2c. Nicht gezeigt ist das Pleuelsystem,
welches mit dem Kolben verbunden ist und seine periodische Bewegung bewirkt.
[0017] Ein ringförmiges, L-förmiges Dichtungselement mit L-förmigem Querschnitt 3 ist am
Kolben angeordnet und dichtet den Spalt zwischen Kolben und der Zylinderinnenwand
ab. Ein Schenkel des Dichtungselements ist am Kolben fixiert, während der andere Schenkel
frei ist und leicht gegen die Zylinderinnenwand drückt. Da die Kolbenvakuumpumpe als
trockene Pumpe ausgeführt ist, ist zwischen Kolben und Zylinder kein Arbeitsfluid
vorgesehen. Entsprechend ist die Materialpaarung von Dichtungselement 3 und Zylinder
1 zu wählen, beispielsweise werden Kunststoffe mit PTFE-Bestandteilen für das Dichtungselement
verwendet, während für den Zylinder Metalllegierungen zum Einsatz kommen, beispielsweise
auf Aluminiumbasis, eventuell beschichtet. Der Kolben führt eine periodische Bewegung
durch, die nur theoretisch weitgehend linear ist. In der Praxis zeigen sich auch Pendelbewegungen,
die eine Verkippung der Kolbenachse zur Zylinderachse entsprechen. Hierdurch entstehen,
insbesondere in den Umkehrpunkten, ungleichmäßige Belastungen des Dichtungselements.
Diese gilt es zu verringern, was erfindungsgemäß durch ein Führungselement 4 gelöst
wird. Dieses Führungselement ist ringförmig gestaltet und weist im Beispiel einen
im wesentlichen zweischenkligen Querschnitt auf. Einer der Schenkel ist im Kolben
fixiert, während der andere in den Raum zwischen Zylinderinnenwand und Kolben ragt.
Sein Durchmesser F ist kleiner als der Innendurchmesser des Zylinders Z. Der freie
Schenkel ist so gestaltet, dass er steifer ist als das Dichtungselement. Hierdurch
wird erreicht, dass in einer Pendelbewegung zwar zunächst das Dichtungselement belastet
wird. Ist die Auslenkung aber zu stark, berührt das Führungselement die Zylinderinnenwand
und die Belastung geht von Dichtungs- auf Führungselement über, bzw. wird auf beide
verteilt. Das Steifigkeit des Führungselements ist so bemessen, insbesondere gering
genug, dass es noch federnd nachgeben kann. Dies ist wichtig, damit die Pendelbewegung
und damit das Anschlagen des Führungselements nicht zu einer merklichen Geräuschbildung
führt. Der geringere Durchmesser bewirkt zudem, dass das Führungselement nur dann
eingesetzt wird, wenn es gebraucht wird und nicht in der normalen, linearen Bewegung
des Kolbens beständigem Verschleiß durch Reiben an der Zylinderinnenwand ausgesetzt
ist. Denkbar sind andere Ausgestaltungsformen für das Führungselement, die aber eine
äquivalente Wirkung erzielen. So kann statt einem zweischenkligen ein rechteckiger
Querschnitt verwendet werden, wobei dieser Ring in einer am Kolben vorgesehenen Nut
geführt ist und sich quer zur Kolbenachse, also radial, bewegen kann. Dieser Ring
kann dann von einem federnden Element unterstützt sein oder selbst aus einem elastischen
Material geformt sein.
[0018] Ebenfalls zur Geräuschdämpfung dient ein Dämpfungselement 6, welches in diesem Ausführungsbeispiel
als Elastomerringe ausgeführt ist. Er verhindert, dass beim Pendeln des Kolbens der
freie Schenkel des L-förmigen Dichtungselements an das Kolbenteil 2a gedrückt wird,
denn dies würde Geräusche erzeugen. Der Elastomerring wird bei im Falle der Taumelbewegung,
bzw. Auslenkung des Kolbens aus der Zylindermitte im Bereich der elastischen Verformung
zusammengedrückt. Die dafür verwendete Energie stammt aus der Taumelbewegung, die
somit abgedämpft wird.
[0019] Um die Montage von Dichtungselement und Führungselement zu vereinfachen, ist zwischen
diesen ein Abstandshalter 7 eingelegt.
[0020] Zur Verbesserung der Funktion als Kolbenvakuumpumpe einerseits und zur verbesserten
Führung andererseits ist an demjenigen Kolbenende, welches dem Kompressionsraum abgewandt
ist, eine zweite Dichtungsanordnung spiegelbildlich angeordnet. Auch sie besitzt ein
Führungselement 21 und ein L-förmiges Dichtungselement 20.
[0021] Vereinfachungen der Dichtungsanordnung sind denkbar. So ist es möglich, ein einstückiges
Bauteil zu konstruieren, welches die Funktion von Dichtungselement und Führungselement
übernimmt. Solch ein Bauteil ist der zweiten Abbildung gezeigt. Das Bauteil 25 ist
ringförmig und besitzt einen dreischenkeligen Querschnitt. Einer dieser Schenkel 28
wirkt als Halteabschnitt, mit dem das Bauteil am Kolben gehalten werden kann. Ein
zweiter Schenkel 26 dient als Dichtungselement und besitzt einen maximalen Durchmesser
D. Der dritte Schenkel 27 übernimmt die Funktion des Führungselements. Sein maximaler
Durchmesser F ist kleiner als der maximale Durchmesser D des Schenkels 26. Dadurch
ist gesichert, dass der Schenkel 27 nur bei den Pendelbewegungen in Berührung mit
der Zylinderinnenwand gelangt. Die Steifigkeit des Schenkels 26 ist geringer als die
des Schenkels 27, wobei dieser weich genug ist, um eine elastisch federnde und dämpfende
Wirkung zu besitzen.
[0022] Eine Verbesserung des Ausführungsbeispiel zeigt die Abbildung 3. Im oberen Teil a)
der Abbildung ist ein Schnitt durch den Kolbendeckel 2b entlang der Kolbenachse gezeigt.
In Kolbenbolzenaugen 32 ist ein Kolbenbolzen 33 gehalten, welcher durch das Auge eines
Pleuel 31 gesteckt und dort beispielweise durch ein nichtgezeigtes Wälzlager drehbar
gelagert ist. In der Abbildung sind oberhalb des Kolbendeckels durch Pfeile die Bewegungen
des Kolben angedeutet: Zum einen die ideale, lineare Bewegung L (links) und zum anderen
die reale Taumelbewegung T (rechts). Teil b) der Abbildung zeigt den Schnitt entlang
der Linie A-A durch den Kolbendeckel. Die kleinen Pfeile deuten die Stellen der Hauptbelastung
an, die durch die Taumelbewegung T erzeugt wird. In beiden Abbildungsteilen a) und
b) bezeichnet 3 das kreisförmige, L-förmige Dichtungselement und 6 das als Elastomerring
ausgeführte Dämpfungselement. Bei Einsetzen der Taumelbewegung wird das L-förmige
Dichtelement hauptsächlich an den mit den Pfeilen in Abbildungsteil b) markierten
Stellen in Richtung Mitte des Kolbendeckels gedrückt. Dabei berührt es bei entsprechend
starker Auslenkung das Dämpfungselement 6, welches im elastischen Bereich verformt
wird. Die Verbesserung liegt darin, mindestens eine Ausfräsung 34 entlang des Umfangs
der kreisförmigen Nut vorzusehen, in der das Dämpfungselement geführt ist. Diese Ausfräsung
schafft einen Raum, in den sich das Dämpfungselement während der Verformung ausdehnen
kann. Ohne diesen Raum kann es zu einer Klemmung kommen, d.h. das Dämpfungselement
füllt den Spalt zwischen Nutinnerem und L-förmigem Dichtungselement komplett aus und
sorgt dadurch für ein hohe Anpressung des Dichtelements an die Zylinderinnenwand.
Im Beispiel sind zwei sekantenartige Ausfräsungen gezeigt, die entlang des Umfangs
um 90 Grad gegenüber den Hauptbelastungsstellen versetzt sind.
1. Dichtungsanordnung für ein Zylinder-Kolben-System einer Hubkolbenvakuumpumpe zum Abdichten
zwischen einer Zylinderinnenwand und einem in dem Zylinder (1) verschiebbar gelagerten
Kolben (2a, 2b, 2c) mit mindestens einem L-förmig ausgebildeten ringförmigen Dichtungselement
(3), wobei ein Schenkel des L-förmigen Dichtungselements zur statischen Abdichtung
am Kolben fixiert gelagert ist und der andere, freie Schenkel des Dichtungselements
dynamisch abdichtend an der Zylinderinnenwand anliegt, dadurch gekennzeichnet, dass am Kolben ein ringförmiges Führungselement (4) zwischen Kolben und Zylinder auf der
von einem Kompressionsraum (5) abgewandten Seite des Dichtungselements angeordnet
ist.
2. Dichtungsanordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Führungselement (4) einen mehrschenkeligen Querschnitt aufweist und ein Schenkel
(zur Sicherung der axialen Position des Führungselements) am Kolben (2a, 2b, 2c) befestigt
ist.
3. Dichtungsanordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Kolben (2a, 2b, 2c) und freiem Schenkel des L-förmigen Dichtungselements
ein Dämpfungselement (6) angeordnet ist.
4. Dichtungsanordnung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Dämpfungselement (6) in einer kreisförmigen Nut angeordnet ist, die mindestens
eine Abfräsung (34) aufweist.
5. Dichtungsanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass auf der dem Kompressionsraum (5) abgewandten Seite am Ende des Kolbens (2a, 2b, 2c)
eine zweite ringförmige Dichtung (20) mit L-förmigem Querschnitt angeordnet ist, wobei
ein Schenkel des L frei und in von dem Kompressionraum abgewandter Richtung orientiert
ist.
6. Dichtungsanordnung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass am Kolben (2a, 2b, 2c) zwischen Kompressionsraum (5) und der zweiten Dichtung (20)
ein zweites ringförmiges Führungselement (21) zwischen Kolben und Zylinderinnenwand
angeordnet ist.
7. Dichtungsanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Steifigkeit des Führungselements (4) einerseits höher als die des L-förmigen
Dichtungselements aber andererseits gering genug ist, eine elastisch federnde Funktion
zu gewährleisten.
8. Dichtungsanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser F des Führungselements (4) kleiner als der innere Durchmesser Z des
Zylinders (1) ist.
9. Dichtungsanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Dichtungselement (3) und Führungselement (4) ein ringförmiger Abstandshalter
(7) angeordnet ist.
10. Dichtungsanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass Dichtungselement (3) und Führungselement (4) in einem einstückigen Bauteil (25) integriert
sind.