[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Anlegervorrichtung zur Förderung von Bogen,
insbesondere Papierbogen, von einem ersten Bogenstapel in zumindest einer Förderrichtung
auf einen zweiten Bogenstapel, sowie ein entsprechendes Verfahren.
[0002] Mit derartigen Anlegervorrichtungen, die auch als so genannte Zählanleger bezeichnet
werden, werden Riese (Papierbogenstapel) mit einer bestimmten Anzahl von Papierbogen
erzeugt, die aus einem Vorratsstapel oder Magazin der Anlegervorrichtung entnommen
werden. Diese Riese werden dann einer weiterverarbeitenden Maschine zugeführt, zum
Beispiel eine Verpackungsmaschine.
[0003] Die Bogen werden von dem Vorratsstapel entweder von dessen Oberseite, beispielsweise
mit einem Saugrad und Stapelaufzug, oder Unterseite, beispielsweise mit einem Friktionsrad,
vereinzelt und einer Transportstrecke zugeführt. Ein solcher vereinzelter Bogen kann
mittels eines Sensors abgetastet werden, dessen Signale proportional zu einem jeweiligen
Bogen in einer Steuerung gezählt werden können. Ausbleibende Bogen und zum Beispiel
Doppelbogen werden so erkannt und von der Steuerung berücksichtigt.
[0004] Nach der Abtastung durch den Sensor werden die Bogen wieder auf einem Stapel (Ries)
abgelegt. Dieses kann beispielsweise in einem Zwischenmagazin erfolgen. Die Riese
können somit mittels des Sensors und der Steuerung mit einer genauen Anzahl von Bogen
erzeugt werden. Nach Erreichen einer voreinstellbaren Zahl von Bogen unterbricht die
Steuerung die Förderung von weiteren Bogen. Der so erzeugte Bogenstapel wird zur nächsten
Be-/Verarbeitungseinheit weitergefördert und ein neuer Bogenstapel kann erzeugt werden.
[0005] Bedingt durch Kundenanforderungen nach hoher Zählleistung sowie sicherem und beschädigungsfreiem
Verarbeiten der Papierbogen weisen herkömmliche Zählanleger einige Nachteile auf,
die nachfolgend beschrieben werden.
[0006] Eine hohe Zählleistung bedingt eine hohe Fördergeschwindigkeit eines vereinzelten
Papierbogens. Diese Geschwindigkeit kann größer als 200 m/min sein, was bei DIN A4
Bogen einer Zählleistung von ca. 10 Bogen/Sekunde entspricht. Der mit dieser Geschwindigkeit
geförderte Bogen prallt in dem Magazin des zu erstellenden Rieses an einen Vorderanschlag
und kommt ohne vorherige Verzögerung zum Stillstand. Daraus resultiert, dass der Bogen
durch die hohe Aufprallgeschwindigkeit an seiner Vorderkante beschädigt werden kann.
[0007] Außerdem prallt der Bogen nach dem Anschlagen zurück und kann dadurch Störungen des
Transports der nachfolgenden Bogen verursachen, zum Beispiel Bogenstau. Zur Verminderung
des Zurückprellens sind Vorrichtungen bekannt, die mittels eines Bremsbands, beispielsweise
ähnlich einem Skisteigfell, auf den einlaufenden Bogen so einwirken, dass seine Einlaufbewegung
nicht behindert wird, jedoch die durch das Prellen ausgelöste Rückwärtsbewegung verhindert
werden soll. Ein solches Bremsband erfordert jedoch eine genaue Einstellung eines
Anpressdrucks desselben auf den einlaufenden Papierbogen, welche abhängig von seiner
Grammatur (spez. Gewicht) und seiner Oberflächenbeschaffenheit ist. Zudem kann das
Bremsband sehr empfindliche Papieroberflächen, zum Beispiel Fotopapier, durch die
Friktion beschädigen.
[0008] Zur Vermeidung von Störungen, wie zum Beispiel ein Aufeinandertreffen der einlaufenden
Bogen in das Magazin für den zu erstellenden Stapel, ist es erforderlich, einen Mindestbogenabstand
nach der Vereinzelung einzustellen, der die Zählleistung nachteilig einschränkt.
[0009] Weiterhin ist es in der graphischen Industrie bekannt, so genannte Schuppenanleger
zu verwenden, zum Beispiel für Bogendruckmaschinen. Die Bogen werden dabei mit Hilfe
eines so genannten Schuppentrennkopfes unterschuppt, das heißt, dass die Bogen sich
so überlappen, dass ein nachfolgender Bogen unterhalb eines vorangehenden diesen unterlappt
bzw. unterschuppt. Hierbei fehlt jedoch eine für den Zählvorgang notwendige Bogenlücke.
Außerdem erreichen Schuppenanleger nur eine maximale Bogenleistung von 4 Bogen/Sekunde.
[0010] Überschuppte Bogen, das heißt, das ein nachfolgender Bogen einen vorangehenden überlappt
bzw. überschuppt, werden in der graphischen Industrie bei Schuppenauslegern sowie
bei Querschneidern verwendet. Die Schuppenbildung wird bei diesen Maschinen durch
ein getaktetes Anheben der Bogenvorderkante eines nachfolgenden Bogens bzw. Niederdrücken
der Bogenhinterkante eines vorangehenden Bogens erreicht.
[0011] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht daher darin, eine Anlegervorrichtung
und ein Verfahren zur Förderung von Bogen zu schaffen, wobei die oben genannten Nachteile
vermieden werden, die bestehenden Anforderungen erfüllt werden und eine bessere Wirtschaftlichkeit
gegenüber dem Stand der Technik erreicht wird.
[0012] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Anlegervorrichtung mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 und ein Verfahren nach Anspruch 13 gelöst.
[0013] Die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegenden Idee besteht darin, dass die Anlegervorrichtung
mit einer Überlappungseinrichtung versehen ist, in welcher die vereinzelten Bogen
auf eine bestimmte Länge überlappt werden. Dieses wird auch als Schuppenbildung bezeichnet.
[0014] Eine erfindungsgemäße Anlegervorrichtung zur Förderung von Bogen, insbesondere Papierbogen,
von einem ersten Bogenstapel in einer Förderrichtung auf einen zweiten Bogenstapel
weist Folgendes auf:
- zumindest einer Vereinzelungseinrichtung zur Vereinzelung der Bogen des ersten Bogenstapels,
wobei jeder vereinzelte Bogen eine erste Geschwindigkeit aufweist;
- zumindest einer Verzögerungseinrichtung zur Reduzierung der Geschwindigkeit der vereinzelten
Bogen von der ersten Geschwindigkeit auf eine zweite Geschwindigkeit während der Förderung
der vereinzelten Bogen in Förderrichtung von der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung
auf den zweiten Bogenstapel; und
- zumindest einer der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung in Förderrichtung nachgeschalteten
Überlappungseinrichtung zur zumindest teilweisen Überlappung der vereinzelten Bogen,
welche zur Bildung eines geschuppten Stroms der vereinzelten Bogen ausgebildet ist.
[0015] Diese Schuppenbildung der Papierbogen in der Überlappungseinrichtung bewirkt vorteilhaft
eine Geschwindigkeitsreduzierung auf eine zweite Geschwindigkeit der auf den zu erstellenden
Bogenstapel zu fördernden Bogen um beispielsweise mehr als die Hälfte in Bezug auf
die erste Geschwindigkeit des Bogens. Somit kommt ein vereinzelter Bogen mit einer
Geschwindigkeit von zum Beispiel 200 m/min nicht mehr schlagartig zum Stillstand,
sondern wird sukzessiv von dieser ersten Geschwindigkeit von der Verzögerungseinrichtung
auf die zweite Geschwindigkeit von zum Beispiel ca. 80 m/min verzögert und mit dieser
moderaten zweiten Geschwindigkeit in das für den zu erstellenden Bogenstapel vorgesehene
Magazin ausgelegt.
[0016] Vorteilhafte Ausbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen verzeichnet.
[0017] Besonders vorteilhaft dabei ist, dass ein Zurückprellen sowie eine Beschädigung der
Vorderkante des jeweils abzulegenden Bogens somit weitestgehend vermieden werden.
Ein Bremsband ist nicht notwendig.
[0018] In einer bevorzugten Ausführung ist vorgesehen, dass der geschuppte Strom der vereinzelten
Bogen ein überschuppter Strom ist.
Ein weiterer Vorteil besteht bei einem überschuppten Strom darin, dass ein Aufeinandertreffen
der Bogenkanten bei der Auslage in das Magazin für den zu erstellenden Stapel gar
nicht entstehen kann. Damit werden Störungen wie zum Beispiel Bogenstau vermieden.
[0019] Weiterhin ist es auf Grund des überschuppten Bogenstroms von großem Vorteil, dass
zur Schuppenbildung ein möglichst kleiner Bogenabstand bei der Vereinzelung benötigt
wird, wodurch zudem eine Erhöhung der Zählleistung bewirkt wird.
[0020] In einer weiteren bevorzugten Ausführung ist die Überlappungseinrichtung zur Bildung
des überschuppten Stroms der Bogen mit einer feststehenden Führungseinrichtung ausgerüstet.
Im Gegensatz zum Stand der Technik, bei dem getaktetes Anheben bzw. Niederdrücken
von Bogenkanten erfolgt, wird erfindungsgemäß in vorteilhaft einfacher Weise mit wenigen
feststehenden Teilen eine Überschuppung erzielt.
[0021] Dabei ist vorgesehen, dass die feststehende Führungseinrichtung der Überlappungseinrichtung
eine Transportfläche mit einem zu einer Förderrichtung der Bogen in einem Winkel geneigten
Anlaufabschnitt aufweist, wobei der geneigte Anlaufabschnitt der Transportfläche mit
einem Führungselement zusammenwirkt, welches zumindest eine Führung für die Bogen
aufweist.
[0022] Weiterhin ist es dabei bevorzugt, dass der geneigte Anlaufabschnitt der Transportfläche
mit dem Führungselement in Bezug auf die Förderichtung der Bogen im Einlaufbereich
der Überlappungseinrichtung angeordnet ist. Somit wird auf vorteilhaft einfache Weise
ein überschuppter Strom erreicht.
[0023] In einer weiteren bevorzugten Ausführung weist die Vereinzelungseinrichtung eine
Zähleinrichtung für die Bogen auf. Und vorteilhaft dabei ist, dass die Zähleinrichtung
für die Bogen in der Vereinzelungseinrichtung zwischen einem Eingangsbereich und einem
Ausgangsbereich derselben angeordnet ist, da in diesem Bereich ein genaues Zählen
sicher möglich ist. Denn an dieser Stelle ist ein genaues Abtasten von Bogenkanten
auf Grund der vereinzelten Bogen vorteilhaft genau, da die Bogen in einem bestimmten
Abstand einzeln hintereinander befördert werden.
[0024] Es ist bevorzugt, dass die zweite Geschwindigkeit der Hälfte der ersten Geschwindigkeit
entspricht. Auch ein anderer Bruchteil wäre möglich.
[0025] Weiterhin ist vorgesehen, dass die Verzögerungseinrichtung eine Transporteinrichtung
mit einer einstellbaren Geschwindigkeit ist, wodurch vorteilhaft einfache Baugruppen
zur Anwendung kommen können.
[0026] In einer weiteren Ausführung weist die Anlegervorrichtung eine Steuereinheit zur
Steuerung der Vereinzelungseinrichtung und der Verzögerungseinrichtung auf, wobei
in vorteilhafter Ausgestaltung die Steuereinheit mit der Zähleinrichtung verbunden
ist, wodurch sich eine automatische Zählanlegervorrichtung ergibt.
[0027] Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Förderung von Bogen, insbesondere Papierbogen,
von einem ersten Bogenstapel in einer Förderrichtung auf einen zweiten Bogenstapel,
weist folgende Verfahrensschritte auf:
(S1) Vereinzeln der Bogen des ersten Bogenstapels mittels zumindest einer Vereinzelungseinrichtung,
wobei jeder vereinzelte Bogen eine erste Geschwindigkeit aufweist;
(S2) Reduzieren der Geschwindigkeit der vereinzelten Bogen von der ersten Geschwindigkeit
auf eine zweite Geschwindigkeit während des Förderns der vereinzelten Bogen in Förderrichtung
von der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung auf den zweiten Bogenstapel mittels
zumindest einer Verzögerungseinrichtung; und
(S3) zumindest teilweises Überlappen der vereinzelten Bogen mittels zumindest einer
der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung in Förderrichtung nachgeschalteten Überlappungseinrichtung
zum Bilden eines geschuppten Stroms der vereinzelten Bogen.
[0028] Die hierzu abhängigen Ansprüche enthalten weitere Vorteile und Weiterbildungen des
erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0029] In einer bevorzugten Ausführung ist vorgesehen, dass die erste Geschwindigkeit und
die zweite Geschwindigkeit mittels einer Steuereinheit anhand von festlegbaren Werten
einstellbar sind, wobei die zweite Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der ersten
Geschwindigkeit gesteuert wird, wobei es bevorzugt ist, dass die zweite Geschwindigkeit
in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit mittels der Steuereinheit geregelt
wird.
[0030] Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme
auf die beiliegende Figur der Zeichnung näher erläutert, welche schematisch eine beispielhafte
Ausführung einer erfindungsgemäßen Anlegervorrichtung illustriert.
[0031] Eine Anlegervorrichtung 1 wird in der Figur in einer schematischen Seitenansicht
dargestellt.
[0032] Die Anlegervorrichtung 1 ist zwischen zwei Bogenstapeln 5 und 6 angeordnet. Der erste
Bogenstapel 5 ist ein so genannter Vorratsstapel in einem Magazin, das ein Teil der
Anlegervorrichtung 1 oder separat davon ausgebildet sein kann.
[0033] Der zweite Bogenstapel 6 ist ein zu erstellender Stapel, der aus Bogen 7 gebildet
wird, die von dem ersten Bogenstapel 5 durch die Anlegervorrichtung 1 in einer mit
einem Pfeil gekennzeichneten Förderrichtung 26, die in diesem Beispiel waagerecht
verläuft, zum zweiten Bogenstapel 6 gefördert werden. Dieser zweite Bogenstapel 6
ist ebenfalls in einem nicht näher dargestellten Magazin angeordnet, welches zum Beispiel
nach Erstellung des zweiten Bogenstapels 6 mit diesem einer weiteren Be-/Verarbeitung
zugeführt und durch ein neues leeres Magazin ersetzt werden kann.
[0034] Die Anlegervorrichtung 1 besteht aus einer Steuereinheit 27 und drei Baugruppen,
von denen die erste eine Vereinzelungseinrichtung 2 ist, welche am ersten Bogenstapel
5 angeordnet ist. Sie weist ein Einziehrad 13 auf, welches in diesem Beispiel als
ein Saugrad ausgebildet ist. In Förderrichtung 26 ist neben dem Einziehrad 13 eine
erste Transportrolle 15 angeordnet, die einer Übernahmewelle 14 gegenüber liegt. Zwischen
der ersten Transportrolle 15 und der Übernahmewelle 14 ist ein Tragelement 11 angeordnet.
Weiterhin besitzt die Vereinzelungseinrichtung 2 in diesem Beispiel eine Zähleinrichtung
12, die hier aus einem Sensor besteht, der zwischen dem Einziehrad 13 und der ersten
Transportrolle 15 platziert ist.
[0035] Die zweite Baugruppe ist eine Überlappungseinrichtung 3, die sich in Förderrichtung
26 hinter der Vereinzelungseinrichtung 2 anschließt. Sie besteht aus einer Transportfläche
18, die nur schematisch gezeigt ist und einen in ihrem Einlauf befindlichen Anlaufabschnitt
19 aufweist, dem ein Führungselement 16 gegenübersteht und dem sich in Förderrichtung
26 ein waagerechter Auslaufabschnitt anschließt.
[0036] Der Anlaufabschnitt 19 ist zur waagerechten Ebene der Förderrichtung 26 zur Vereinzelungseinrichtung
2 hin weisend nach unten in einem bestimmten Winkel geneigt. Das ihm gegenüber liegende
Führungselement 16 weist eine Führung 17 auf, die in einem Winkel nach oben angeordnet
ist, und mit dem Anlaufabschnitt 19 einen bestimmten Einlaufwinkel bildet.
[0037] Das Führungselement 16 und der Anlaufabschnitt 19 sind feststehende Elemente, zum
Beispiel aus einem Stahlblech.
[0038] Die Verzögerungseinrichtung 4 besteht in dem dargestellten Beispiel aus einer zweiten
und dritten Transportrolle 21 und 22, die einer Transporteinrichtung 20 gegenüber
liegend angeordnet sind und ein Transportband 23 derselben kontaktieren. Die Transportrollen
22, 21 drehen sich in der mit einem Pfeil angegebenen Richtung, die gegenläufig zu
den Rollen des Transportbands 23 ist. Am Auslauf der Verzögerungseinrichtung 4 ist
der zweite Bogenstapel 6 angeordnet.
[0039] Im Folgenden wird die Funktion der Anlegervorrichtung 1 mit den drei Baugruppen beschrieben.
[0040] Das Einziehrad 13 der Vereinzelungseinrichtung 2 dreht sich in der mit einem Pfeil
angedeuteten Drehrichtung dergestalt, dass ein von dem Einziehrad 13 von dem ersten
Bogenstapel 5 angesaugter Bogen 7 in Förderrichtung 26 zwischen die erste Transportrolle
15 und die Übernahmewelle 14 gefördert, die sich in mit einem weiteren Pfeil angedeutete
Richtung gegenläufig zum Einziehrad 13 und zur ersten Transportwelle 15 dreht. Dabei
passiert der Bogen 7 die Zähleinrichtung 12, welche ein Zählsignal erzeugt und an
die Steuereinheit 27 überträgt. Der Bogen 7 wird von den Rollen 13, 15, 14 auf eine
erste Geschwindigkeit V1 in Förderrichtung 26 beschleunigt, mit welcher er die Vereinzelungseinrichtung
2 verlässt und in die zweite Baugruppe gefördert wird.
[0041] Der von der Vereinzelungseinrichtung 2 mit der ersten Geschwindigkeit V1 in Förderrichtung
26 geförderte Bogen 7 wird an der Führung 17 des Führungselementes 16 nach unten abgelenkt
und trifft auf den Anlaufabschnitt 19 auf, wobei der Bogen 7 zwischen dem Anlaufabschnitt
19 und der Unterseite des Führungselementes 16 auf dem Anlaufabschnitt 19 sich weiterbewegt,
bis er die dritte Baugruppe, eine Verzögerungseinrichtung 4, erreicht. Dabei wird
eine Hinterkante 24 dieses Bogens 7 durch das Führungselement 16 auf dem Anlaufabschnitt
19 unterhalb der waagerechten Ebene der Förderrichtung 26 geführt bzw. nach unten
gedrückt.
[0042] Die Funktion der Verzögerungseinrichtung 4 besteht darin, dass sie mit einer zweiten
Geschwindigkeit V2 arbeitet, die in diesem Beispiel kleiner als die erste Geschwindigkeit
V1 ist, vorzugsweise die Hälfte der ersten Geschwindigkeit V1 beträgt.
[0043] Der von der Überlappungseinrichtung 3 einlaufende Bogen 7 wird von der zweiten Transportrolle
21 und dem Transportband 23 erfasst und auf die zweite Geschwindigkeit V2 verzögert
und mit dieser weiter befördert. Dabei wird ein nachfolgender Bogen 7 von der Vereinzelungseinrichtung
2 mit der hohen ersten Geschwindigkeit V1 in die Überlappungseinrichtung 3 befördert,
wobei sich eine Vorderkante 25 dieses nachfolgenden Bogens 7 über die Hinterkante
24 des nun mit langsamerer zweiter Geschwindigkeit V2 beförderten vorangehenden Bogens
7 schiebt und diesen um ein bestimmtes Maß überlappt. Dabei bildet sich ein so genannter
überschuppter Bogenstrom, dessen Beginn mit dem Bezugszeichen 8 angedeutet ist.
[0044] Dieser nachfolgende Bogen 7 wird von der Verzögerungseinrichtung 4 auf die zweite
Geschwindigkeit V2 verzögert, wie oben beschrieben.
[0045] Die Verzögerungseinrichtung 4 fördert einen überlappten bzw. überschuppten Bogenstrom
9, an dessen Ende 10 im Auslauf der Verzögerungseinrichtung der jeweilige Bogen 7
mit der geringeren Geschwindigkeit V2 auf dem zweiten Bogenstapel 6 abgelegt wird,
indem er gegen einen Vorderanschlag 28 desselben stößt. Auf Grund der geringen Geschwindigkeit
V2 erfolgt keine Beschädigung der Vorderkante und auch kein Rückprallen.
[0046] Da der nachfolgende Bogen 7 in dem überlappten Bogenstrom 9 den vorangehenden Bogen
7 überlappt, können die jeweiligen Hinter- und Vorderkanten der Bogen nicht zusammenstoßen
und einen Bogenstau verursachen.
[0047] Die Bildung des überschuppten bzw. überlappten Bogenstroms 9 erfolgt ohne jegliche
bewegliche oder getaktete Teile. Eine gewisse Biegsamkeit des Bogenwerkstoffs ist
dazu notwendig, da eine Verformung der Bogen auftritt.
[0048] Das Maß der Überlappung ist abhängig von der Übersetzung der ersten Geschwindigkeit
V1 des Bogens 7 bewirkt durch das Einziehrad 13 zur zweiten Geschwindigkeit V2 des
Bogenstroms 9, sowie von dem Bogenabstand der vereinzelten Bogen 7 vor der Überschuppung.
[0049] Die Steuereinheit 27 ist in nicht gezeigter Weise mit den drei Baugruppen 2, 3, 4
und der Zähleinrichtung 12 verbunden. Eine ebenfalls nicht dargestellte Eingabevorrichtung
ist an die Steuereinheit 27 angeschlossen und dient zur Eingabe von beispielsweise
Bogenanzahl und erster Geschwindigkeit V1. Die Steuereinheit regelt in dieser Ausführung
in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit V1, die durch die Vereinzelungseinrichtung
2 erzeugt wird, die zweite Geschwindigkeit V2 der Verzögerungseinrichtung 4. Die Signale
der Zähleinrichtung 12, die der Anzahl der vereinzelten Bogen 7 entsprechen, werden
von der Steuereinheit 27 aufaddiert und mit dem Einstellwert der Anzahl verglichen,
die der zweite Bogenstapel 6 aufweisen soll. Ist die Anzahl erreicht, so unterbricht
die Steuereinheit 27 die Förderung der Bogen 7 und signalisiert dieses in geeigneter
Weise.
[0050] Somit ist eine einfache Anlegervorrichtung 1 geschaffen, die gegenüber dem Stand
der Technik in vorteilhaft einfacher Weise mit einer hohen Durchsatzrate den Anforderungen
entspricht und sie teilweise übertrifft, wobei die Wahrscheinlichkeit von beschädigten
Bogen 7 wesentlich geringer bis ausgeschlossen ist.
[0051] Obwohl die vorliegende Erfindung anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele vorstehend
beschrieben wurde, ist sie darauf nicht beschränkt, sondern auf vielfältige Weise
modifizierbar.
[0052] So ist beispielsweise denkbar, dass der geschuppte Bogenstrom auch ein unterschuppter
Bogenstrom bei gespiegelter Ausführung der Überlappungseinrichtung um die Transportebene
sein kann.
[0053] Weiterhin kann die Förderrichtung 26 auch in einem anderen Winkel verlaufen.
[0054] Es können Bogen aus anderen Werkstoffen gefördert werden.
[0055] Die Steuereinheit 27 kann weitere Sensorsignale von anderen Stellen, zum Beispiel
vom zweiten Bogenstapel 6 und/oder von der Verzögerungseinrichtung 4, verarbeiten
und entsprechende Maßnahmen und Anzeigen steuern.
[0056] Die zweite Geschwindigkeit V2 kann auch mechanisch an die erste Geschwindigkeit V1
gekoppelt sein, z.B. durch eine feste Übersetzung. Dies entspräche einem festen Schuppenabstand
(keine Regelung/Steuerung von V2). Für einen variablen Schuppenabstand kann V2, wie
beschrieben, geregelt/gesteuert werden. V1 kann immer über die Steuerung eingestellt
werden.
[0057] Die Verzögerungseinrichtung 4 kann auch nur als gegenüberliegendes Walzen/Rollenpaar
mit V2 ausgeführt werden (ohne Transportband für verkürzten Transport).
Bezugszeichenliste
[0058]
- 1
- Anlegervorrichtung
- 2
- Vereinzelungseinrichtung
- 3
- Überlappungseinrichtung
- 4
- Verzögerungseinrichtung
- 5
- Erster Bogenstapel
- 6
- Zweiter Bogenstapel
- 7
- Bogen
- 8
- Bogenstrom Überlappungsbeginn
- 9
- Überlappter Bogenstrom
- 10
- Bogenstrom Überlappungsende
- 11
- Tragelement
- 12
- Zähleinrichtung
- 13
- Einziehrad
- 14
- Übernahmewelle
- 15
- Erste Transportrolle
- 16
- Führungselement
- 17
- Führung
- 18
- Transportfläche
- 19
- Anlaufabschnitt
- 20
- Transporteinrichtung
- 21
- Zweite Transportrolle
- 22
- Dritte Transportrolle
- 23
- Transportband
- 24
- Hinterkante
- 25
- Vorderkante
- 26
- Förderrichtung
- 27
- Steuereinheit
- 28
- Vorderanschlag
1. Anlegervorrichtung (1) zur Förderung von Bogen (7), insbesondere Papierbogen, von
einem ersten Bogenstapel (5) in einer Förderrichtung (26) auf einen zweiten Bogenstapel
(6), mit:
- zumindest einer Vereinzelungseinrichtung (2) zur Vereinzelung der Bogen (7) des
ersten Bogenstapels (5), wobei jeder vereinzelte Bogen (7) eine erste Geschwindigkeit
(V1) aufweist;
- zumindest einer Verzögerungseinrichtung (4) zur Reduzierung der Geschwindigkeit
der vereinzelten Bogen (7) von der ersten Geschwindigkeit (V1) auf eine zweite Geschwindigkeit
(V2) während der Förderung der vereinzelten Bogen (7) in Förderrichtung (26) von der
zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) auf den zweiten Bogenstapel (6); und
- zumindest einer der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) in Förderrichtung
(26) nachgeschalteten Überlappungseinrichtung (3) zur zumindest teilweisen Überlappung
der vereinzelten Bogen (7), welche zur Bildung eines geschuppten Stroms (8, 9, 10)
der vereinzelten Bogen (7) ausgebildet ist.
2. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der geschuppte Strom (8, 9, 10) der vereinzelten Bogen (7) ein überschuppter Strom
ist.
3. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Überlappungseinrichtung (3) zur Bildung des überschuppten Stroms (8, 9, 10) der
Bogen (7) mit einer feststehenden Führungseinrichtung ausgerüstet ist.
4. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die feststehende Führungseinrichtung der Überlappungseinrichtung (3) eine Transportfläche
(18) mit einem zur Förderrichtung (26) der Bogen (7) in einem Winkel geneigten Anlaufabschnitt
(19) aufweist.
5. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass der geneigte Anlaufabschnitt (19) der Transportfläche (18) mit einem Führungselement
(16) zusammenwirkt, welches zumindest eine Führung (17) für die Bogen (7) aufweist.
6. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der geneigte Anlaufabschnitt (19) der Transportfläche (18) mit dem Führungselement
(16) in Bezug auf die Förderichtung (26) der Bogen (7) im Einlaufbereich der Überlappungseinrichtung
(3) angeordnet ist.
7. Anlegervorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Vereinzelungseinrichtung (2) eine Zähleinrichtung (12) für die Bogen (7) aufweist.
8. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Zähleinrichtung (12) für die Bogen (7) in der Vereinzelungseinrichtung (2) zwischen
einem Eingangsbereich und einem Ausgangsbereich derselben angeordnet ist.
9. Anlegervorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zweite Geschwindigkeit (V2) einen Bruchteil, insbesondere der Hälfte der ersten
Geschwindigkeit (V1) entspricht.
10. Anlegervorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Verzögerungseinrichtung (4) eine Transporteinrichtung mit einer einstellbaren
Geschwindigkeit (V2) ist.
11. Anlegervorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Anlegervorrichtung (1) eine Steuereinheit (27) zur Steuerung der Vereinzelungseinrichtung
(2) und der Verzögerungseinrichtung (4) aufweist.
12. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinheit (27) mit der Zähleinrichtung (12) verbunden ist.
13. Verfahren zur Förderung von Bogen (7), insbesondere Papierbogen, von einem ersten
Bogenstapel (5) in einer Förderrichtung (26) auf einen zweiten Bogenstapel (6), mit
folgenden Verfahrensschritten:
(S1) Vereinzeln der Bogen (7) des ersten Bogenstapels (5) mittels zumindest einer
Vereinzelungseinrichtung (2), wobei jeder vereinzelte Bogen (7) eine erste Geschwindigkeit
(V1) aufweist;
(S2) Reduzieren der Geschwindigkeit der vereinzelten Bogen (7) von der ersten Geschwindigkeit
(V1) auf eine zweite Geschwindigkeit (V2) während der Förderung der vereinzelten Bogen
(7) in Förderrichtung (26) von der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) auf
den zweiten Bogenstapel (6) mittels zumindest einer Verzögerungseinrichtung (4) ;
und
(S3) zumindest teilweises Überlappen der vereinzelten Bogen (7) mittels zumindest
einer der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) in Förderrichtung (26) nachgeschalteten
Überlappungseinrichtung (3) zum Bilden eines geschuppten Stroms (8, 9, 10) der vereinzelten
Bogen (7).
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Überlappen ein überschuppter Strom (8, 9, 10) der Bogen (7) gebildet wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Bilden des überschuppten Stroms (8, 9, 10) die Hinterkante (24) eines vorangehenden
Bogens (7) verformt wird, wobei ein nachfolgender Bogen (7) mit seiner Vorderkante
(25) den vorangehenden Bogen (7) überlappt.
16. Verfahren nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Verformen der Hinterkante (24) des vorangehenden Bogens (7) mittels einer Führungseinrichtung
erfolgt, wobei die Hinterkante (24) des vorangehenden Bogens (7) von einem Führungselement
(16) nach unten gegen einen in einem Winkel zu der Förderrichtung (26) der Bogen (7)
geneigten Anlaufabschnitt (19) einer Transportfläche (18) gedrückt wird.
17. Verfahren nach Anspruch 15 oder 16,
dadurch gekennzeichnet,
dass der vorangehende Bogen (7) von dem nachfolgenden Bogen (7) ungefähr um eine halbe
Bogenlänge überlappt wird.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 17,
dadurch gekennzeichnet,
dass im Verfahrensschritt (S1) beim Vereinzeln der Bogen (7) ein Zählen derselben erfolgt.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 18,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste Geschwindigkeit (V1) und die zweite Geschwindigkeit (V2) mittels einer
Steuereinheit (27) anhand von festlegbaren Werten einstellbar sind, wobei die zweite
Geschwindigkeit (V2) in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit (V1) gesteuert
wird.
20. Verfahren nach Anspruch 19,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zweite Geschwindigkeit (V2) in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit (V1)
mittels der Steuereinheit (27) geregelt wird.
21. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 20,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zweite Geschwindigkeit (V2) einem Bruchteil, insbesondere der Hälfte der ersten
Geschwindigkeit (V1) entspricht.