(19)
(11) EP 1 840 059 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
03.10.2007  Patentblatt  2007/40

(21) Anmeldenummer: 06111767.7

(22) Anmeldetag:  27.03.2006
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B65H 5/24(2006.01)
B65H 9/14(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IS IT LI LT LU LV MC NL PL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL BA HR MK YU

(71) Anmelder: IG EL Maschinenbau GmbH
86343 Königsbrunn (DE)

(72) Erfinder:
  • Frank, Jürgen
    86343, Königsbrunn (DE)
  • Molter, Dietmar
    86343, Königsbrunn (DE)
  • Sparlinek, Harald
    86343, Königsbrunn (DE)

(74) Vertreter: Peckmann, Ralf et al
Reinhard-Skuhra-Weise & Partner GbR Friedrichstrasse 31
80801 München
80801 München (DE)

   


(54) Anlegervorrichtung und Verfahren zur Förderung von Bogen


(57) Die vorliegende Erfindung betrifft eine Anlegervorrichtung (1) zur Förderung von Bogen (7), insbesondere Papierbogen, von einem ersten Bogenstapel (5) in einer Förderrichtung (26) auf einen zweiten Bogenstapel (6), mit zumindest einer Vereinzelungseinrichtung (2) zur Vereinzelung der Bogen (7) des ersten Bogenstapels (5), wobei jeder vereinzelte Bogen (7) eine erste Geschwindigkeit (V1) aufweist; zumindest einer Verzögerungseinrichtung (4) zur Reduzierung der Geschwindigkeit der vereinzelten Bogen (7) von der ersten Geschwindigkeit (V1) auf eine zweite Geschwindigkeit (V2) während der Förderung der vereinzelten Bogen (7) in Förderrichtung (26) von der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) auf den zweiten Bogenstapel (6); und zumindest einer der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) in Förderrichtung (26) nachgeschalteten Überlappungseinrichtung (3) zur zumindest teilweisen Überlappung der vereinzelten Bogen (7), welche zur Bildung eines geschuppten Stroms (8, 9, 10) der vereinzelten Bogen (7) ausgebildet ist, sowie ein entsprechendes Verfahren.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Anlegervorrichtung zur Förderung von Bogen, insbesondere Papierbogen, von einem ersten Bogenstapel in zumindest einer Förderrichtung auf einen zweiten Bogenstapel, sowie ein entsprechendes Verfahren.

[0002] Mit derartigen Anlegervorrichtungen, die auch als so genannte Zählanleger bezeichnet werden, werden Riese (Papierbogenstapel) mit einer bestimmten Anzahl von Papierbogen erzeugt, die aus einem Vorratsstapel oder Magazin der Anlegervorrichtung entnommen werden. Diese Riese werden dann einer weiterverarbeitenden Maschine zugeführt, zum Beispiel eine Verpackungsmaschine.

[0003] Die Bogen werden von dem Vorratsstapel entweder von dessen Oberseite, beispielsweise mit einem Saugrad und Stapelaufzug, oder Unterseite, beispielsweise mit einem Friktionsrad, vereinzelt und einer Transportstrecke zugeführt. Ein solcher vereinzelter Bogen kann mittels eines Sensors abgetastet werden, dessen Signale proportional zu einem jeweiligen Bogen in einer Steuerung gezählt werden können. Ausbleibende Bogen und zum Beispiel Doppelbogen werden so erkannt und von der Steuerung berücksichtigt.

[0004] Nach der Abtastung durch den Sensor werden die Bogen wieder auf einem Stapel (Ries) abgelegt. Dieses kann beispielsweise in einem Zwischenmagazin erfolgen. Die Riese können somit mittels des Sensors und der Steuerung mit einer genauen Anzahl von Bogen erzeugt werden. Nach Erreichen einer voreinstellbaren Zahl von Bogen unterbricht die Steuerung die Förderung von weiteren Bogen. Der so erzeugte Bogenstapel wird zur nächsten Be-/Verarbeitungseinheit weitergefördert und ein neuer Bogenstapel kann erzeugt werden.

[0005] Bedingt durch Kundenanforderungen nach hoher Zählleistung sowie sicherem und beschädigungsfreiem Verarbeiten der Papierbogen weisen herkömmliche Zählanleger einige Nachteile auf, die nachfolgend beschrieben werden.

[0006] Eine hohe Zählleistung bedingt eine hohe Fördergeschwindigkeit eines vereinzelten Papierbogens. Diese Geschwindigkeit kann größer als 200 m/min sein, was bei DIN A4 Bogen einer Zählleistung von ca. 10 Bogen/Sekunde entspricht. Der mit dieser Geschwindigkeit geförderte Bogen prallt in dem Magazin des zu erstellenden Rieses an einen Vorderanschlag und kommt ohne vorherige Verzögerung zum Stillstand. Daraus resultiert, dass der Bogen durch die hohe Aufprallgeschwindigkeit an seiner Vorderkante beschädigt werden kann.

[0007] Außerdem prallt der Bogen nach dem Anschlagen zurück und kann dadurch Störungen des Transports der nachfolgenden Bogen verursachen, zum Beispiel Bogenstau. Zur Verminderung des Zurückprellens sind Vorrichtungen bekannt, die mittels eines Bremsbands, beispielsweise ähnlich einem Skisteigfell, auf den einlaufenden Bogen so einwirken, dass seine Einlaufbewegung nicht behindert wird, jedoch die durch das Prellen ausgelöste Rückwärtsbewegung verhindert werden soll. Ein solches Bremsband erfordert jedoch eine genaue Einstellung eines Anpressdrucks desselben auf den einlaufenden Papierbogen, welche abhängig von seiner Grammatur (spez. Gewicht) und seiner Oberflächenbeschaffenheit ist. Zudem kann das Bremsband sehr empfindliche Papieroberflächen, zum Beispiel Fotopapier, durch die Friktion beschädigen.

[0008] Zur Vermeidung von Störungen, wie zum Beispiel ein Aufeinandertreffen der einlaufenden Bogen in das Magazin für den zu erstellenden Stapel, ist es erforderlich, einen Mindestbogenabstand nach der Vereinzelung einzustellen, der die Zählleistung nachteilig einschränkt.

[0009] Weiterhin ist es in der graphischen Industrie bekannt, so genannte Schuppenanleger zu verwenden, zum Beispiel für Bogendruckmaschinen. Die Bogen werden dabei mit Hilfe eines so genannten Schuppentrennkopfes unterschuppt, das heißt, dass die Bogen sich so überlappen, dass ein nachfolgender Bogen unterhalb eines vorangehenden diesen unterlappt bzw. unterschuppt. Hierbei fehlt jedoch eine für den Zählvorgang notwendige Bogenlücke. Außerdem erreichen Schuppenanleger nur eine maximale Bogenleistung von 4 Bogen/Sekunde.

[0010] Überschuppte Bogen, das heißt, das ein nachfolgender Bogen einen vorangehenden überlappt bzw. überschuppt, werden in der graphischen Industrie bei Schuppenauslegern sowie bei Querschneidern verwendet. Die Schuppenbildung wird bei diesen Maschinen durch ein getaktetes Anheben der Bogenvorderkante eines nachfolgenden Bogens bzw. Niederdrücken der Bogenhinterkante eines vorangehenden Bogens erreicht.

[0011] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht daher darin, eine Anlegervorrichtung und ein Verfahren zur Förderung von Bogen zu schaffen, wobei die oben genannten Nachteile vermieden werden, die bestehenden Anforderungen erfüllt werden und eine bessere Wirtschaftlichkeit gegenüber dem Stand der Technik erreicht wird.

[0012] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Anlegervorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und ein Verfahren nach Anspruch 13 gelöst.

[0013] Die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegenden Idee besteht darin, dass die Anlegervorrichtung mit einer Überlappungseinrichtung versehen ist, in welcher die vereinzelten Bogen auf eine bestimmte Länge überlappt werden. Dieses wird auch als Schuppenbildung bezeichnet.

[0014] Eine erfindungsgemäße Anlegervorrichtung zur Förderung von Bogen, insbesondere Papierbogen, von einem ersten Bogenstapel in einer Förderrichtung auf einen zweiten Bogenstapel weist Folgendes auf:
  • zumindest einer Vereinzelungseinrichtung zur Vereinzelung der Bogen des ersten Bogenstapels, wobei jeder vereinzelte Bogen eine erste Geschwindigkeit aufweist;
  • zumindest einer Verzögerungseinrichtung zur Reduzierung der Geschwindigkeit der vereinzelten Bogen von der ersten Geschwindigkeit auf eine zweite Geschwindigkeit während der Förderung der vereinzelten Bogen in Förderrichtung von der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung auf den zweiten Bogenstapel; und
  • zumindest einer der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung in Förderrichtung nachgeschalteten Überlappungseinrichtung zur zumindest teilweisen Überlappung der vereinzelten Bogen, welche zur Bildung eines geschuppten Stroms der vereinzelten Bogen ausgebildet ist.


[0015] Diese Schuppenbildung der Papierbogen in der Überlappungseinrichtung bewirkt vorteilhaft eine Geschwindigkeitsreduzierung auf eine zweite Geschwindigkeit der auf den zu erstellenden Bogenstapel zu fördernden Bogen um beispielsweise mehr als die Hälfte in Bezug auf die erste Geschwindigkeit des Bogens. Somit kommt ein vereinzelter Bogen mit einer Geschwindigkeit von zum Beispiel 200 m/min nicht mehr schlagartig zum Stillstand, sondern wird sukzessiv von dieser ersten Geschwindigkeit von der Verzögerungseinrichtung auf die zweite Geschwindigkeit von zum Beispiel ca. 80 m/min verzögert und mit dieser moderaten zweiten Geschwindigkeit in das für den zu erstellenden Bogenstapel vorgesehene Magazin ausgelegt.

[0016] Vorteilhafte Ausbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen verzeichnet.

[0017] Besonders vorteilhaft dabei ist, dass ein Zurückprellen sowie eine Beschädigung der Vorderkante des jeweils abzulegenden Bogens somit weitestgehend vermieden werden. Ein Bremsband ist nicht notwendig.

[0018] In einer bevorzugten Ausführung ist vorgesehen, dass der geschuppte Strom der vereinzelten Bogen ein überschuppter Strom ist.
Ein weiterer Vorteil besteht bei einem überschuppten Strom darin, dass ein Aufeinandertreffen der Bogenkanten bei der Auslage in das Magazin für den zu erstellenden Stapel gar nicht entstehen kann. Damit werden Störungen wie zum Beispiel Bogenstau vermieden.

[0019] Weiterhin ist es auf Grund des überschuppten Bogenstroms von großem Vorteil, dass zur Schuppenbildung ein möglichst kleiner Bogenabstand bei der Vereinzelung benötigt wird, wodurch zudem eine Erhöhung der Zählleistung bewirkt wird.

[0020] In einer weiteren bevorzugten Ausführung ist die Überlappungseinrichtung zur Bildung des überschuppten Stroms der Bogen mit einer feststehenden Führungseinrichtung ausgerüstet. Im Gegensatz zum Stand der Technik, bei dem getaktetes Anheben bzw. Niederdrücken von Bogenkanten erfolgt, wird erfindungsgemäß in vorteilhaft einfacher Weise mit wenigen feststehenden Teilen eine Überschuppung erzielt.

[0021] Dabei ist vorgesehen, dass die feststehende Führungseinrichtung der Überlappungseinrichtung eine Transportfläche mit einem zu einer Förderrichtung der Bogen in einem Winkel geneigten Anlaufabschnitt aufweist, wobei der geneigte Anlaufabschnitt der Transportfläche mit einem Führungselement zusammenwirkt, welches zumindest eine Führung für die Bogen aufweist.

[0022] Weiterhin ist es dabei bevorzugt, dass der geneigte Anlaufabschnitt der Transportfläche mit dem Führungselement in Bezug auf die Förderichtung der Bogen im Einlaufbereich der Überlappungseinrichtung angeordnet ist. Somit wird auf vorteilhaft einfache Weise ein überschuppter Strom erreicht.

[0023] In einer weiteren bevorzugten Ausführung weist die Vereinzelungseinrichtung eine Zähleinrichtung für die Bogen auf. Und vorteilhaft dabei ist, dass die Zähleinrichtung für die Bogen in der Vereinzelungseinrichtung zwischen einem Eingangsbereich und einem Ausgangsbereich derselben angeordnet ist, da in diesem Bereich ein genaues Zählen sicher möglich ist. Denn an dieser Stelle ist ein genaues Abtasten von Bogenkanten auf Grund der vereinzelten Bogen vorteilhaft genau, da die Bogen in einem bestimmten Abstand einzeln hintereinander befördert werden.

[0024] Es ist bevorzugt, dass die zweite Geschwindigkeit der Hälfte der ersten Geschwindigkeit entspricht. Auch ein anderer Bruchteil wäre möglich.

[0025] Weiterhin ist vorgesehen, dass die Verzögerungseinrichtung eine Transporteinrichtung mit einer einstellbaren Geschwindigkeit ist, wodurch vorteilhaft einfache Baugruppen zur Anwendung kommen können.

[0026] In einer weiteren Ausführung weist die Anlegervorrichtung eine Steuereinheit zur Steuerung der Vereinzelungseinrichtung und der Verzögerungseinrichtung auf, wobei in vorteilhafter Ausgestaltung die Steuereinheit mit der Zähleinrichtung verbunden ist, wodurch sich eine automatische Zählanlegervorrichtung ergibt.

[0027] Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Förderung von Bogen, insbesondere Papierbogen, von einem ersten Bogenstapel in einer Förderrichtung auf einen zweiten Bogenstapel, weist folgende Verfahrensschritte auf:

(S1) Vereinzeln der Bogen des ersten Bogenstapels mittels zumindest einer Vereinzelungseinrichtung, wobei jeder vereinzelte Bogen eine erste Geschwindigkeit aufweist;

(S2) Reduzieren der Geschwindigkeit der vereinzelten Bogen von der ersten Geschwindigkeit auf eine zweite Geschwindigkeit während des Förderns der vereinzelten Bogen in Förderrichtung von der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung auf den zweiten Bogenstapel mittels zumindest einer Verzögerungseinrichtung; und

(S3) zumindest teilweises Überlappen der vereinzelten Bogen mittels zumindest einer der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung in Förderrichtung nachgeschalteten Überlappungseinrichtung zum Bilden eines geschuppten Stroms der vereinzelten Bogen.



[0028] Die hierzu abhängigen Ansprüche enthalten weitere Vorteile und Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens.

[0029] In einer bevorzugten Ausführung ist vorgesehen, dass die erste Geschwindigkeit und die zweite Geschwindigkeit mittels einer Steuereinheit anhand von festlegbaren Werten einstellbar sind, wobei die zweite Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit gesteuert wird, wobei es bevorzugt ist, dass die zweite Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit mittels der Steuereinheit geregelt wird.

[0030] Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme auf die beiliegende Figur der Zeichnung näher erläutert, welche schematisch eine beispielhafte Ausführung einer erfindungsgemäßen Anlegervorrichtung illustriert.

[0031] Eine Anlegervorrichtung 1 wird in der Figur in einer schematischen Seitenansicht dargestellt.

[0032] Die Anlegervorrichtung 1 ist zwischen zwei Bogenstapeln 5 und 6 angeordnet. Der erste Bogenstapel 5 ist ein so genannter Vorratsstapel in einem Magazin, das ein Teil der Anlegervorrichtung 1 oder separat davon ausgebildet sein kann.

[0033] Der zweite Bogenstapel 6 ist ein zu erstellender Stapel, der aus Bogen 7 gebildet wird, die von dem ersten Bogenstapel 5 durch die Anlegervorrichtung 1 in einer mit einem Pfeil gekennzeichneten Förderrichtung 26, die in diesem Beispiel waagerecht verläuft, zum zweiten Bogenstapel 6 gefördert werden. Dieser zweite Bogenstapel 6 ist ebenfalls in einem nicht näher dargestellten Magazin angeordnet, welches zum Beispiel nach Erstellung des zweiten Bogenstapels 6 mit diesem einer weiteren Be-/Verarbeitung zugeführt und durch ein neues leeres Magazin ersetzt werden kann.

[0034] Die Anlegervorrichtung 1 besteht aus einer Steuereinheit 27 und drei Baugruppen, von denen die erste eine Vereinzelungseinrichtung 2 ist, welche am ersten Bogenstapel 5 angeordnet ist. Sie weist ein Einziehrad 13 auf, welches in diesem Beispiel als ein Saugrad ausgebildet ist. In Förderrichtung 26 ist neben dem Einziehrad 13 eine erste Transportrolle 15 angeordnet, die einer Übernahmewelle 14 gegenüber liegt. Zwischen der ersten Transportrolle 15 und der Übernahmewelle 14 ist ein Tragelement 11 angeordnet. Weiterhin besitzt die Vereinzelungseinrichtung 2 in diesem Beispiel eine Zähleinrichtung 12, die hier aus einem Sensor besteht, der zwischen dem Einziehrad 13 und der ersten Transportrolle 15 platziert ist.

[0035] Die zweite Baugruppe ist eine Überlappungseinrichtung 3, die sich in Förderrichtung 26 hinter der Vereinzelungseinrichtung 2 anschließt. Sie besteht aus einer Transportfläche 18, die nur schematisch gezeigt ist und einen in ihrem Einlauf befindlichen Anlaufabschnitt 19 aufweist, dem ein Führungselement 16 gegenübersteht und dem sich in Förderrichtung 26 ein waagerechter Auslaufabschnitt anschließt.

[0036] Der Anlaufabschnitt 19 ist zur waagerechten Ebene der Förderrichtung 26 zur Vereinzelungseinrichtung 2 hin weisend nach unten in einem bestimmten Winkel geneigt. Das ihm gegenüber liegende Führungselement 16 weist eine Führung 17 auf, die in einem Winkel nach oben angeordnet ist, und mit dem Anlaufabschnitt 19 einen bestimmten Einlaufwinkel bildet.

[0037] Das Führungselement 16 und der Anlaufabschnitt 19 sind feststehende Elemente, zum Beispiel aus einem Stahlblech.

[0038] Die Verzögerungseinrichtung 4 besteht in dem dargestellten Beispiel aus einer zweiten und dritten Transportrolle 21 und 22, die einer Transporteinrichtung 20 gegenüber liegend angeordnet sind und ein Transportband 23 derselben kontaktieren. Die Transportrollen 22, 21 drehen sich in der mit einem Pfeil angegebenen Richtung, die gegenläufig zu den Rollen des Transportbands 23 ist. Am Auslauf der Verzögerungseinrichtung 4 ist der zweite Bogenstapel 6 angeordnet.

[0039] Im Folgenden wird die Funktion der Anlegervorrichtung 1 mit den drei Baugruppen beschrieben.

[0040] Das Einziehrad 13 der Vereinzelungseinrichtung 2 dreht sich in der mit einem Pfeil angedeuteten Drehrichtung dergestalt, dass ein von dem Einziehrad 13 von dem ersten Bogenstapel 5 angesaugter Bogen 7 in Förderrichtung 26 zwischen die erste Transportrolle 15 und die Übernahmewelle 14 gefördert, die sich in mit einem weiteren Pfeil angedeutete Richtung gegenläufig zum Einziehrad 13 und zur ersten Transportwelle 15 dreht. Dabei passiert der Bogen 7 die Zähleinrichtung 12, welche ein Zählsignal erzeugt und an die Steuereinheit 27 überträgt. Der Bogen 7 wird von den Rollen 13, 15, 14 auf eine erste Geschwindigkeit V1 in Förderrichtung 26 beschleunigt, mit welcher er die Vereinzelungseinrichtung 2 verlässt und in die zweite Baugruppe gefördert wird.

[0041] Der von der Vereinzelungseinrichtung 2 mit der ersten Geschwindigkeit V1 in Förderrichtung 26 geförderte Bogen 7 wird an der Führung 17 des Führungselementes 16 nach unten abgelenkt und trifft auf den Anlaufabschnitt 19 auf, wobei der Bogen 7 zwischen dem Anlaufabschnitt 19 und der Unterseite des Führungselementes 16 auf dem Anlaufabschnitt 19 sich weiterbewegt, bis er die dritte Baugruppe, eine Verzögerungseinrichtung 4, erreicht. Dabei wird eine Hinterkante 24 dieses Bogens 7 durch das Führungselement 16 auf dem Anlaufabschnitt 19 unterhalb der waagerechten Ebene der Förderrichtung 26 geführt bzw. nach unten gedrückt.

[0042] Die Funktion der Verzögerungseinrichtung 4 besteht darin, dass sie mit einer zweiten Geschwindigkeit V2 arbeitet, die in diesem Beispiel kleiner als die erste Geschwindigkeit V1 ist, vorzugsweise die Hälfte der ersten Geschwindigkeit V1 beträgt.

[0043] Der von der Überlappungseinrichtung 3 einlaufende Bogen 7 wird von der zweiten Transportrolle 21 und dem Transportband 23 erfasst und auf die zweite Geschwindigkeit V2 verzögert und mit dieser weiter befördert. Dabei wird ein nachfolgender Bogen 7 von der Vereinzelungseinrichtung 2 mit der hohen ersten Geschwindigkeit V1 in die Überlappungseinrichtung 3 befördert, wobei sich eine Vorderkante 25 dieses nachfolgenden Bogens 7 über die Hinterkante 24 des nun mit langsamerer zweiter Geschwindigkeit V2 beförderten vorangehenden Bogens 7 schiebt und diesen um ein bestimmtes Maß überlappt. Dabei bildet sich ein so genannter überschuppter Bogenstrom, dessen Beginn mit dem Bezugszeichen 8 angedeutet ist.

[0044] Dieser nachfolgende Bogen 7 wird von der Verzögerungseinrichtung 4 auf die zweite Geschwindigkeit V2 verzögert, wie oben beschrieben.

[0045] Die Verzögerungseinrichtung 4 fördert einen überlappten bzw. überschuppten Bogenstrom 9, an dessen Ende 10 im Auslauf der Verzögerungseinrichtung der jeweilige Bogen 7 mit der geringeren Geschwindigkeit V2 auf dem zweiten Bogenstapel 6 abgelegt wird, indem er gegen einen Vorderanschlag 28 desselben stößt. Auf Grund der geringen Geschwindigkeit V2 erfolgt keine Beschädigung der Vorderkante und auch kein Rückprallen.

[0046] Da der nachfolgende Bogen 7 in dem überlappten Bogenstrom 9 den vorangehenden Bogen 7 überlappt, können die jeweiligen Hinter- und Vorderkanten der Bogen nicht zusammenstoßen und einen Bogenstau verursachen.

[0047] Die Bildung des überschuppten bzw. überlappten Bogenstroms 9 erfolgt ohne jegliche bewegliche oder getaktete Teile. Eine gewisse Biegsamkeit des Bogenwerkstoffs ist dazu notwendig, da eine Verformung der Bogen auftritt.

[0048] Das Maß der Überlappung ist abhängig von der Übersetzung der ersten Geschwindigkeit V1 des Bogens 7 bewirkt durch das Einziehrad 13 zur zweiten Geschwindigkeit V2 des Bogenstroms 9, sowie von dem Bogenabstand der vereinzelten Bogen 7 vor der Überschuppung.

[0049] Die Steuereinheit 27 ist in nicht gezeigter Weise mit den drei Baugruppen 2, 3, 4 und der Zähleinrichtung 12 verbunden. Eine ebenfalls nicht dargestellte Eingabevorrichtung ist an die Steuereinheit 27 angeschlossen und dient zur Eingabe von beispielsweise Bogenanzahl und erster Geschwindigkeit V1. Die Steuereinheit regelt in dieser Ausführung in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit V1, die durch die Vereinzelungseinrichtung 2 erzeugt wird, die zweite Geschwindigkeit V2 der Verzögerungseinrichtung 4. Die Signale der Zähleinrichtung 12, die der Anzahl der vereinzelten Bogen 7 entsprechen, werden von der Steuereinheit 27 aufaddiert und mit dem Einstellwert der Anzahl verglichen, die der zweite Bogenstapel 6 aufweisen soll. Ist die Anzahl erreicht, so unterbricht die Steuereinheit 27 die Förderung der Bogen 7 und signalisiert dieses in geeigneter Weise.

[0050] Somit ist eine einfache Anlegervorrichtung 1 geschaffen, die gegenüber dem Stand der Technik in vorteilhaft einfacher Weise mit einer hohen Durchsatzrate den Anforderungen entspricht und sie teilweise übertrifft, wobei die Wahrscheinlichkeit von beschädigten Bogen 7 wesentlich geringer bis ausgeschlossen ist.

[0051] Obwohl die vorliegende Erfindung anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele vorstehend beschrieben wurde, ist sie darauf nicht beschränkt, sondern auf vielfältige Weise modifizierbar.

[0052] So ist beispielsweise denkbar, dass der geschuppte Bogenstrom auch ein unterschuppter Bogenstrom bei gespiegelter Ausführung der Überlappungseinrichtung um die Transportebene sein kann.

[0053] Weiterhin kann die Förderrichtung 26 auch in einem anderen Winkel verlaufen.

[0054] Es können Bogen aus anderen Werkstoffen gefördert werden.

[0055] Die Steuereinheit 27 kann weitere Sensorsignale von anderen Stellen, zum Beispiel vom zweiten Bogenstapel 6 und/oder von der Verzögerungseinrichtung 4, verarbeiten und entsprechende Maßnahmen und Anzeigen steuern.

[0056] Die zweite Geschwindigkeit V2 kann auch mechanisch an die erste Geschwindigkeit V1 gekoppelt sein, z.B. durch eine feste Übersetzung. Dies entspräche einem festen Schuppenabstand (keine Regelung/Steuerung von V2). Für einen variablen Schuppenabstand kann V2, wie beschrieben, geregelt/gesteuert werden. V1 kann immer über die Steuerung eingestellt werden.

[0057] Die Verzögerungseinrichtung 4 kann auch nur als gegenüberliegendes Walzen/Rollenpaar mit V2 ausgeführt werden (ohne Transportband für verkürzten Transport).

Bezugszeichenliste



[0058] 
1
Anlegervorrichtung
2
Vereinzelungseinrichtung
3
Überlappungseinrichtung
4
Verzögerungseinrichtung
5
Erster Bogenstapel
6
Zweiter Bogenstapel
7
Bogen
8
Bogenstrom Überlappungsbeginn
9
Überlappter Bogenstrom
10
Bogenstrom Überlappungsende
11
Tragelement
12
Zähleinrichtung
13
Einziehrad
14
Übernahmewelle
15
Erste Transportrolle
16
Führungselement
17
Führung
18
Transportfläche
19
Anlaufabschnitt
20
Transporteinrichtung
21
Zweite Transportrolle
22
Dritte Transportrolle
23
Transportband
24
Hinterkante
25
Vorderkante
26
Förderrichtung
27
Steuereinheit
28
Vorderanschlag



Ansprüche

1. Anlegervorrichtung (1) zur Förderung von Bogen (7), insbesondere Papierbogen, von einem ersten Bogenstapel (5) in einer Förderrichtung (26) auf einen zweiten Bogenstapel (6), mit:

- zumindest einer Vereinzelungseinrichtung (2) zur Vereinzelung der Bogen (7) des ersten Bogenstapels (5), wobei jeder vereinzelte Bogen (7) eine erste Geschwindigkeit (V1) aufweist;

- zumindest einer Verzögerungseinrichtung (4) zur Reduzierung der Geschwindigkeit der vereinzelten Bogen (7) von der ersten Geschwindigkeit (V1) auf eine zweite Geschwindigkeit (V2) während der Förderung der vereinzelten Bogen (7) in Förderrichtung (26) von der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) auf den zweiten Bogenstapel (6); und

- zumindest einer der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) in Förderrichtung (26) nachgeschalteten Überlappungseinrichtung (3) zur zumindest teilweisen Überlappung der vereinzelten Bogen (7), welche zur Bildung eines geschuppten Stroms (8, 9, 10) der vereinzelten Bogen (7) ausgebildet ist.


 
2. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der geschuppte Strom (8, 9, 10) der vereinzelten Bogen (7) ein überschuppter Strom ist.
 
3. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Überlappungseinrichtung (3) zur Bildung des überschuppten Stroms (8, 9, 10) der Bogen (7) mit einer feststehenden Führungseinrichtung ausgerüstet ist.
 
4. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die feststehende Führungseinrichtung der Überlappungseinrichtung (3) eine Transportfläche (18) mit einem zur Förderrichtung (26) der Bogen (7) in einem Winkel geneigten Anlaufabschnitt (19) aufweist.
 
5. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass der geneigte Anlaufabschnitt (19) der Transportfläche (18) mit einem Führungselement (16) zusammenwirkt, welches zumindest eine Führung (17) für die Bogen (7) aufweist.
 
6. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der geneigte Anlaufabschnitt (19) der Transportfläche (18) mit dem Führungselement (16) in Bezug auf die Förderichtung (26) der Bogen (7) im Einlaufbereich der Überlappungseinrichtung (3) angeordnet ist.
 
7. Anlegervorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Vereinzelungseinrichtung (2) eine Zähleinrichtung (12) für die Bogen (7) aufweist.
 
8. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Zähleinrichtung (12) für die Bogen (7) in der Vereinzelungseinrichtung (2) zwischen einem Eingangsbereich und einem Ausgangsbereich derselben angeordnet ist.
 
9. Anlegervorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zweite Geschwindigkeit (V2) einen Bruchteil, insbesondere der Hälfte der ersten Geschwindigkeit (V1) entspricht.
 
10. Anlegervorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Verzögerungseinrichtung (4) eine Transporteinrichtung mit einer einstellbaren Geschwindigkeit (V2) ist.
 
11. Anlegervorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Anlegervorrichtung (1) eine Steuereinheit (27) zur Steuerung der Vereinzelungseinrichtung (2) und der Verzögerungseinrichtung (4) aufweist.
 
12. Anlegervorrichtung (1) nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinheit (27) mit der Zähleinrichtung (12) verbunden ist.
 
13. Verfahren zur Förderung von Bogen (7), insbesondere Papierbogen, von einem ersten Bogenstapel (5) in einer Förderrichtung (26) auf einen zweiten Bogenstapel (6), mit folgenden Verfahrensschritten:

(S1) Vereinzeln der Bogen (7) des ersten Bogenstapels (5) mittels zumindest einer Vereinzelungseinrichtung (2), wobei jeder vereinzelte Bogen (7) eine erste Geschwindigkeit (V1) aufweist;

(S2) Reduzieren der Geschwindigkeit der vereinzelten Bogen (7) von der ersten Geschwindigkeit (V1) auf eine zweite Geschwindigkeit (V2) während der Förderung der vereinzelten Bogen (7) in Förderrichtung (26) von der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) auf den zweiten Bogenstapel (6) mittels zumindest einer Verzögerungseinrichtung (4) ; und

(S3) zumindest teilweises Überlappen der vereinzelten Bogen (7) mittels zumindest einer der zumindest einen Vereinzelungseinrichtung (2) in Förderrichtung (26) nachgeschalteten Überlappungseinrichtung (3) zum Bilden eines geschuppten Stroms (8, 9, 10) der vereinzelten Bogen (7).


 
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Überlappen ein überschuppter Strom (8, 9, 10) der Bogen (7) gebildet wird.
 
15. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Bilden des überschuppten Stroms (8, 9, 10) die Hinterkante (24) eines vorangehenden Bogens (7) verformt wird, wobei ein nachfolgender Bogen (7) mit seiner Vorderkante (25) den vorangehenden Bogen (7) überlappt.
 
16. Verfahren nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Verformen der Hinterkante (24) des vorangehenden Bogens (7) mittels einer Führungseinrichtung erfolgt, wobei die Hinterkante (24) des vorangehenden Bogens (7) von einem Führungselement (16) nach unten gegen einen in einem Winkel zu der Förderrichtung (26) der Bogen (7) geneigten Anlaufabschnitt (19) einer Transportfläche (18) gedrückt wird.
 
17. Verfahren nach Anspruch 15 oder 16,
dadurch gekennzeichnet,
dass der vorangehende Bogen (7) von dem nachfolgenden Bogen (7) ungefähr um eine halbe Bogenlänge überlappt wird.
 
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 17,
dadurch gekennzeichnet,
dass im Verfahrensschritt (S1) beim Vereinzeln der Bogen (7) ein Zählen derselben erfolgt.
 
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 18,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste Geschwindigkeit (V1) und die zweite Geschwindigkeit (V2) mittels einer Steuereinheit (27) anhand von festlegbaren Werten einstellbar sind, wobei die zweite Geschwindigkeit (V2) in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit (V1) gesteuert wird.
 
20. Verfahren nach Anspruch 19,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zweite Geschwindigkeit (V2) in Abhängigkeit von der ersten Geschwindigkeit (V1) mittels der Steuereinheit (27) geregelt wird.
 
21. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 20,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zweite Geschwindigkeit (V2) einem Bruchteil, insbesondere der Hälfte der ersten Geschwindigkeit (V1) entspricht.
 




Zeichnung







Recherchenbericht