[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb eines am oder im Ohr eines Hörhilfegeräteträgers
tragbaren Hörhilfegerätes sowie ein am oder im Ohr eines Hörhilfegeräteträgers tragbares
Hörhilfegerät mit einem Eingangswandler zur Aufnahme eines Eingangssignals und Wandlung
in ein elektrisches Eingangssignal, einer Signalverarbeitungseinheit zur Verarbeitung
und Verstärkung des elektrischen Eingangssignals, einem Ausgangswandler zur Wandlung
des verarbeiteten und verstärkten elektrischen Eingangssignals in ein von dem Hörhilfegeräteträger
als akustisches Signal wahrnehmbares Ausgangssignal und einer Speichereinrichtung
zum Speichern wenigstens eines Wertes eines die Signalverarbeitung beeinflussenden
Parameters als Startwert in dem ausgeschalteten Hörhilfegerät, wobei der Wert des
Parameters bei dem eingeschalteten Hörhilfegerät mittels einer von einem Benutzer
betätigbaren Bedieneinrichtung oder automatisch durch eine in dem Hörhilfegerät vorhandene
Signalanalyse- und Steuereinheit einstellbar ist.
[0002] Bei einem Hörhilfegerät wird mittels eines Eingangswandlers ein Eingangssignal aufgenommen
und in ein elektrisches Eingangssignal überführt. Üblicherweise dient als Eingangswandler
wenigstens ein Mikrofon, welches ein akustisches Eingangssignal aufnimmt. Moderne
Hörhilfegeräte umfassen häufig ein Mikrofonsystem mit mehreren Mikrofonen, um einen
von der Einfallsrichtung akustischer Signale abhängigen Empfang, eine Richtcharakteristik,
zu erreichen. Die Eingangswandler können jedoch auch eine Telefonspule oder eine Antenne
umfassen zur Aufnahme elektromagnetischer Eingangssignale. Die durch den Eingangswandler
in elektrische Eingangssignale gewandelten Eingangssignale werden zur Weiterverarbeitung
und Verstärkung einer Signalverarbeitungseinheit zugeführt. Die Weiterverarbeitung
und Verstärkung erfolgt zum Ausgleich des individuellen Hörverlustes eines Hörhilfegeräteträgers
in der Regel in Abhängigkeit der Signalfrequenz. Die Signalverarbeitungseinheit gibt
ein elektrisches Ausgangssignal ab, welches über einen Ausgangswandler dem Gehör des
Hörhilfegeräteträgers zugeführt wird, so dass dieser das Ausgangssignal als akustisches
Signal wahrnimmt. Als Ausgangswandler werden üblicherweise Hörer verwendet, die ein
akustisches Ausgangssignal erzeugen. Es sind jedoch auch Ausgangswandler zur Erzeugung
mechanischer Schwingungen bekannt, die direkt bestimmte Teile des Gehörs, wie beispielsweise
die Gehörknöchelchen zu Schwingungen anregen. Weiterhin sind Ausgangswandler bekannt,
die direkt Nervenzellen des Gehörs stimulieren.
[0003] Bei Hörhilfegeräten können gewöhnlich die Signalverarbeitung betreffende Parameter
durch den Hörhilfegeräteträger eingestellt werden. Ein derartiger Parameter ist beispielsweise
die Lautstärkeeinstellung. Bei modernen Hörhilfegeräten werden die eingestellten Werte
der betreffenden Parameter üblicher Weise in digitaler Form in einem Speicher hinterlegt.
Die Einstellung erfolgt dabei durch den Benutzer entweder durch direkt an dem Hörhilfegerät
angebrachte Bedienelemente oder mittels einer Fernbedienung für das betreffende Hörhilfegerät.
Ferner können Parameter auch infolge einer Signalanalyse automatisch eingestellt werden,
z.B. infolge einer Analyse des akustischen Eingangssignals zur Bestimmung der Hörsituation,
in der sich das Hörhilfegerät gerade befindet. Derartige Hörsituationen sind beispielsweise
"Ruhige Umgebung", "Gespräch in Störlärm", "Fahrt im Auto" etc.
[0004] Das zentrale Bauelement der Signalverarbeitungseinheit eines modernen Hörhilfegerätes
ist ein digitaler Signalprozessor (DSP). Dieser kann freiprogrammierbar, festverdrahtet
oder in einer Mischform ausgeführt sein. Die Werte einstellbarer Parameter, die die
Signalverarbeitung beeinflussen, müssen nach dem Einschalten zunächst aus einem Speicher
ausgelesen und in den digitalen Signalprozessor übertragen werden.
[0005] Während der Anpassung eines Hörhilfegerätes an den individuellen Hörverlust eines
Hörhilfegeräteträgers werden neben Parametern, die der Hörhilfegeräteträger während
des normalen Betriebs des Hörhilfegerätes nicht mehr verändern kann, auch Standard-Einstellungen
für die vom Hörhilfegeräteträger einstellbaren Parameter festgelegt. Weiterhin wird
festgelegt, in welchem Hörprogramm das Hörhilfegerät standardmäßig nach dem Einschalten
betrieben wird. Die auf diese Weise einmal festgelegten Standard-Einstellungen für
den jeweiligen Hörhilfegeräteträger werden dann automatisch nach jedem Einschalten
des Hörhilfegerätes eingestellt, das heißt, aus einem nichtflüchtigen Speicher ausgelesen
und in den digitalen Signalprozessor übertragen.
[0006] Eines der häufigsten Probleme von Hörhilfegeräteträgern ist eine falsche Lautstärkeeinstellung
des Hörhilfegerätes für die individuellen Alltagshörsituationen. Der Hauptgrund hierfür
ist, dass das Hörhilfegerät beim Akustiker in künstlichen Hörsituationen angepasst
wird, die bzgl. Schallarten und Pegeln meist von den maßgeblichen individuellen Hörsituationen
abweichen. Dies lässt sich durch Lautstärkesteller, die direkt am Hörhilfegerät oder
einer Fernbedienung angeordnet sein können, korrigieren. Jedoch verlieren die korrigierten
Einstellungen bei digitalen Hörhilfegeräten mit Endlosstellern zum Einstellen des
oder der Parameter nach dem Ausschalten ihren aktuellen Wert und werde beim erneuten
Einschalten auf den bei der Anpassung eingestellten Startwert gesetzt. Weicht dieser
von dem bevorzugten Wert ab, so muss er nachgestellt werden. Dies erfordert einen
erneuten Gang zum Akustiker und ist daher lästig für den Hörhilfegeräteträger. Zudem
muss dieser sich die entsprechenden Korrektur-Einstellungen merken, was vor allem
dann problematisch ist, wenn bei einem Hörhilfegerät mit mehreren Hörprogrammen zur
Anpassung der Signalverarbeitung an unterschiedliche Hörsituationen in unterschiedlichen
Hörprogrammen unterschiedliche Einstellungen für einen bestimmten Parameter angeboten
werden.
[0007] Aus der Patentschrift
US 5,604,812 ist ein programmierbares Hörgerät bekannt, das automatisch an unterschiedliche Hörumgebungen
adaptierbar ist. Zur kontinuierlichen, automatischen und selbstständigen Anpassung
seiner Übertragungscharakteristika umfasst das Hörgerät neben Mikrofon, Hörer und
Verstärker-/Übertragungsteil einen ersten Datenspeicher, in dem audiometrische Daten
speicherbar sind, einen zweiten Datenspeicher, in dem Hörgerätekenndaten speicherbar
sind, einen dritten Datenspeicher, in dem Algorithmen speicherbar sind, eine Signalanalyseeinheit,
die in Abhängigkeit von die jeweilige Umgebungssituation kennzeichnenden Eingangsgrößen
Steuersignale bestimmt, sowie eine Datenverarbeitungseinheit, wobei die Datenverarbeitungseinheit
aus den Daten der Datenspeicher und aus den Steuersignalen der Signalanalyseeinheit
Hörgeräteeinstelldaten für das Verstärker-/Übertragungsteil bereitstellt, so dass
dessen Übertragungscharakteristika automatisch aus den bearbeiteten audiometrischen
Daten, Hörgerätekenndaten, vorgebbaren Algorithmen und den die jeweilige Umgebungssituation
kennzeichnenden Eingangsgrößen bestimmbar sind.
[0008] Aus der Druckschrift
EP 0 335 542 A2 ist ein Hörgerät mit der Möglichkeit zur Datenaufzeichnung bekannt. Die aufgezeichneten
Daten umfassen Informationen bzgl. der Häufigkeit, mit der zwischen einzelnen Hörprogrammen
umgeschaltet wird, und der Zeitdauer, für die die einzelnen Hörprogramme aktiv geschaltet
sind. Die aufgezeichneten Daten werden bei einem Hörgeräte- Akustiker ausgelesen,
ausgewertet und zur Neueinstellung der Hörprogramme herangezogen.
[0009] Aus der Druckschrift
WO 2004/056154 A2 ist eine Methode zur Auswahl eines geeigneten Hörprogramms bei einem Multi-Programm-Hörhilfegerät
bekannt. Dabei kann die Auswahl eines geeigneten Hörprogramms auch unter Berücksichtigung
manueller Benutzereingaben erfolgen. Beispielsweise wird die einem Hörprogramm zugeordnete
Lautstärke-Einstellung jedes Mal um ein dB erhöht, wenn der Benutzer beim Betrieb
dieses Hörprogramms die Lautstärke manuell um einen beliebigen Wert erhöht.
[0010] Aus der Druckschrift
US 2005/0129262 A1 geht ein programmierbares Hörgerät mit trainierbarer automatischer Adaption an unterschiedliche
Hörsituationen hervor. Dabei kann in einem bestimmten Betriebsmodus eine automatische
Anpassung der für unterschiedliche Hörsituationen vorhandenen Parametersätze erfolgen.
Die Anpassung erfolgt in Abhängigkeit der Häufigkeit der für einen bestimmten Parameter
von einem Benutzer manuell vorgenommenen Änderungen.
[0011] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Feinanpassung eines Hörhilfegerätes
an die individuellen Hörumgebungen eines Benutzers zu vereinfachen und zu verbessern.
[0012] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zum Betrieb eines am oder im Ohr eines
Hörhilfegeräteträgers tragbares Hörhilfegerät mit den Merkmalen gemäß Patentanspruch
1. Ferner wird die Aufgabe gelöst durch ein am oder im Ohr eines Hörhilfegeräteträgers
tragbares Hörhilfegerät mit den Merkmalen gemäß Patentanspruch 17.
[0013] Nach dem Einschalten des Hörhilfegerätes oder noch dem Umschalten des Hörhilfegerätes
von einem ersten Betriebsmodus (z.B. erstes Hörprogramm) in einen zweiten Betriebsmodus
(z.B. zweites Hörprogramm) müssen für die während des Betriebs des Hörhilfegerätes
veränderbaren Werte von Parametern, die beispielsweise die Lautstärkeneinstellung
oder den Klang betreffen, Startwerte eingestellt werden. Diese Startwerte werden gewöhnlich
bei der Programmierung des Hörhilfegerätes eingestellt und in einem nichtflüchtigen
Speicher des Hörhilfegerätes gespeichert. Es ist bekannt, dass nach jedem Ein- oder
Umschalten des Hörhilfegerätes auf diese Startwerte zurückgegriffen wird. Ferner besteht
die Möglichkeit, dass die zuletzt vor dem Ausschalten bzw. vor dem Umschalten in einen
anderen Betriebsmodus eingestellten Werte als neue Startwerte gespeichert werden,
die dann automatisch wieder eingestellt werden, wenn das Hörhilfegerät wieder eingeschaltet
bzw. wieder in den betreffenden Betriebsmodus überführt wird.
[0014] Die Grundidee der Erfindung beruht darauf, dass beim Einschalten des Hörhilfegerätes
oder beim Umschalten des Hörhilfegerätes in einen bestimmten Betriebsmodus weder der
vor dem Ausschalten bzw. vor dem Wechsel in einen anderen Betriebsmodus zuletzt gültige
Werte des Parameters noch der Eingangs bei der Programmierung auf das Hörhilfegerät
übertragene Wert des Parameters eingestellt wird. Vielmehr wird aus den während des
Betriebes des Hörhilfegerätes stattfindenden Veränderungen des Wertes des Parameters
ein neuer Startwert ermittelt und gespeichert, der dann nach dem Ein- bzw. Umschalten
automatisch eingestellt wird.
[0015] Dies hat den Vorteil, dass mit der Zeit eine automatische Feinanpassung des Hörhilfegerätes
stattfindet. Die Startwerte des betreffenden Parameters beim Ein- oder Umschalten
nähern sich mehr und mehr den Gewohnheiten, Vorlieben und bevorzugten Hörumgebungen
des Benutzers an. Zum Beispiel werden Werte, die aus Einstellungen hervorgehen, die
der Benutzer während des Betriebes vornimmt, z.B. eine Erhöhung der Lautstärke, nicht
direkt als neue "Startwerte" übernommen. Vielmehr werden weitere "Parameter", wie
etwa die Höhe der vorgenommenen Veränderung, um von der alten Einstellung zu der neuen
zu gelangen, die Zeitdauer, für die die neue Einstellung beibehalten wird, oder die
Häufigkeit, mit der der betreffende Parameter verändert wird, bei der Ermittlung eines
neuen Startwertes für den betreffenden Parameter mit berücksichtigt.
[0016] Die Werte der Ermittelten Parameter werden vorteilhaft in einem nichtflüchtigen Speicher
hinterlegt, der die gespeicherten Werte auch bei einer Unterbrechung der Spannungsversorgung,
beispielsweise in ausgeschaltetem Zustand des Hörhilfegerätes, beibehält. Vorzugsweise
ist der Speicher als EEPROM ausgeführt. Dabei können die aktuellen Startwerte der
Parameter entweder sofort nach jeder Änderung in dem Speicher hinterlegt werden. Alternativ
kann das Hörhilfegerät nach der Betätigung eines Bedienelements zum Ausschalten des
Hörhilfegerätes auch zunächst in einen Ausschaltmodus überführt werden, in dem die
aktuellen Werte in den betreffenden Speicher geschrieben werden, bevor die Spannungsversorgung
unterbrochen wird.
[0017] Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung kann durch Programmierung des
betreffenden Hörhilfegerätes festgelegt werden, für welche der von dem Hörhilfegeräteträger
oder automatisch einstellbaren Parameter die vor dem Ausschalten eingestellten Werte
nach dem Wiedereinschalten erneut gültig sein sollen, für welche Parameter nach dem
Wiedereinschalten eine Standardeinstellung gewählt wird und für welche Parameter eine
oben beschriebene, automatische Anpassung des Startwerts erfolgt. Z. B. kann so bei
einem Hörhilfegerät gemäß der Erfindung festgelegt werden, dass dieses nach dem Einschalten
zunächst stets in dem Hörprogramm mit der Programmnummer 1 betrieben wird, wobei jedoch
bei der Lautstärkeeinstellung automatisch der vor dem Ausschalten als aktueller Startwert
berechnete Wert eingestellt wird.
[0018] Eine Feinanpassung von Startwerten für bestimmte Parameter gemäß der Erfindung kann
sowohl bei Parametern erfolgen, die der Benutzer während des Betriebs durch Betätigung
von Bedienelementen verändern kann, als auch bei Parametern, die automatisch aufgrund
von Signalanalysen durch das Hörhilfegerät verändert werden.
[0019] Die Berechnung eines neuen Startwertes für den betreffenden Parameter erfolgt gemäß
einer vorbestimmten Funktion, wobei es für diese Funktion selbst viele unterschiedliche
Ansatzmöglichkeiten gibt. So kann durch die Funktion beispielsweise eine lineare Mittelung
oder eine rekursive Mittelung der zuletzt für den jeweiligen Parameter eingestellten
Werte festgelegt werden. Gemäß dieser Funktion werden dann während des Betriebs des
Hörhilfegerätes neue Startwerte für den betreffenden Parameter generiert, die hier
als "Speicherwerte" bezeichnet werden, wobei der zuletzt vor dem Aus- bzw. Umschalten
berechnete Speicherwert als neuer Startwert im Hörhilfegerät gespeichert wird.
[0020] In die Funktion zur Bestimmung neuer Speicherwerte geht - neben dem Startwert und
der Zeitdauer, für die der aktuelle Wert des Parameters eingestellt ist - vorzugsweise
noch wenigstens ein zuvor eingestellter Wert des Parameters oder wenigstens ein zuvor
bestimmter Speicherwert ein.
[0021] Vorzugsweise wird ein neuer Speicherwert und damit letztendlich ein neuer Startwert
mittels einer Mittelungsprozedur bestimmt. Beispielsweise kommen eine rekursive Mittelung
oder eine lineare Mittelung in Betracht.
[0022] Vorteilhaft wird ein neuer Speicherwert jeweils in festgelegten zeitlichen Intervallen
oder nach jeder Veränderung des Wertes des Parameters bestimmt.
[0023] Vorteilhaft wird ferner der aktuelle Speicherwert in festgelegten Zeitintervallen
in der Speichereinrichtung als neuer Startwert gespeichert. Der aktuelle Speicherwert
kann aber auch für den aktuellen Betriebsmodus unmittelbar vor dem Umschalten in einen
anderen Betriebsmodus oder vor dem Ausschalten des Hörhilfegerätes als neuer Startwert
für den aktuellen Betriebsmodus in der Speichereinrichtung als neuer Startwert gespeichert
werden.
[0024] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform können für unterschiedliche Betriebsmodi
unterschiedliche Werte für einen Parameter einstellbar und unterschiedliche Startwerte
speicherbar sein.
[0025] Ferner ist es möglich, dass mehrere unterschiedliche Betriebsmodi zu einer Betriebsmodus-Klasse
zusammengefasst werden und für unterschiedliche Betriebsmodus-Klassen unterschiedliche
Startwerte speicherbar sind.
[0026] Vorteilhaft ist für den Wert des Parameters ein bestimmter Wertebereich festgelegt
und der Wertebereich des neuen Startwertes wird auf einen Wertebereich eingeschränkt,
der kleiner als der für den Wert des Parameters festgelegte Wertebereich ist. Dabei
können für unterschiedliche Betriebsmodi unterschiedliche Wertebereiche für den Startwert
eines Parameters festlegbar sein.
[0027] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Dabei zeigt Figur 1 ein Hörhilfegerät gemäß der Erfindung im Blockschaltbild.
[0028] Figur 2 zeigt den zeitlichen Verlauf neuer Startwerte für die Lautstärkeeinstellung.
[0029] Bei dem Hörhilfegerät gemäß Figur 1 ist zur Aufnahme eines akustischen Eingangssignals
und Wandlung des akustischen Eingangssignals in ein elektrisches Eingangssignal ein
Mikrofon 1 vorhanden. Das elektrische Eingangssignal ist zur Weiterverarbeitung und
frequenzabhängigen Verstärkung einer Signalverarbeitungseinheit 2 zugeführt. Das weiterverarbeitete
und verstärkt Signal wird schließlich durch einen Hörer 3 in ein akustisches Signal
gewandelt und dem Gehör eines Hörhilfegeräteträgers zugeführt. Zur Spannungsversorgung
des Hörhilfegerätes ist eine Batterie 5 vorhanden, die über einen Ein- und Ausschalter
6 mit den unterschiedlichen elektronischen Hörhilfegeräte-Komponenten verbunden ist.
[0030] Die Signalverarbeitung in der Signalverarbeitungseinheit 2 des Hörhilfegerätes ist
mittels einer Steuereinheit 7 an unterschiedliche Hörumgebungen und Hörhilfegeräteträger-Präferenzen
anpassbar. Dabei können die Signalverarbeitung betreffende Parameter auch automatisch
durch die Steuereinheit 7 ermittelt und eingestellt werden, z. B. infolge einer Analyse
der augenblicklichen Hörsituation. Daneben können die Signalverarbeitung betreffende
Parameter auch manuell durch Betätigung von Bedienelementen von dem Hörhilfegeräteträger
eingestellt werden. Im Ausführungsbeispiel sind hierfür ein Programmwahltaster 8 sowie
ein digitaler Lautstärkesteller 9 vorhanden. Ferner umfasst das Hörhilfegerät eine
Spule 13, mittels derer eine drahtlose Signalübertragung zwischen dem Hörhilfegerät
und einem weiteren Gerät, z.B. einer Fernbedienung oder einem zweiten Hörhilfegerät,
möglich ist. Dadurch kann der betreffende Parameter auch durch ein drahtlos auf das
Hörhilfegerät übertragenes Signal angepasst werden.
[0031] Das Hörhilfegerät gemäß dem Ausführungsbeispiel verfügt ferner über eine Schnittstelle
11 zu einem PC 12, über den das Hörhilfegerät programmiert werden kann. Bei der Programmierung
kann zumindest bei einigen der durch den Benutzer oder automatisch durch das Hörhilfegerät
einstellbaren Parametern auch festgelegt werden, ob ein vor dem Ausschalten gültiger
Wert auch unmittelbar nach dem Einschalten weiterhin gültig ist oder ob hierfür ein
Standardwert eingestellt werden soll.
[0032] Bei dem Hörhilfegerät gemäß dem Ausführungsbeispiel kann durch Programmierung festgelegt
werden, ob nach dem Einschalten ein vorbestimmtes Hörprogramm sowie eine vorbestimmte
Lautstärkeeinstellung (Standardeinstellung) aktiviert wird oder ob das Hörprogramm
bzw. die Lautstärkeeinstellung eingestellt wird, die vor dem Ausschalten eingestellt
war, oder ob eine kontinuierliche Berechnung eines neuen Startwertes erfolgen soll.
Zumindest im zuletzt genannten Fall wird beispielsweise der aktuell als neuer Startwert
(Speicherwert) für die Lautstärkeeinstellung ermittelte Wert in einem nichtflüchtigen
Speicher 10 hinterlegt. Dieser behält die in ihm gespeicherten Werte bei, auch wenn
bei dem Hörhilfegerät die Spannungsversorgung durch Öffnen des Schalters 6 unterbrochen
ist. Beim Einschalten des Hörhilfegerätes durch Schließen des Schalters 6 werden dann
die zuvor in dem nichtflüchtigen Speicher 10 gespeicherten Werte ausgelesen und auf
die Steuereinheit 7 übertragen, die dann bezüglich der Lautstärkeeinstellung die Signalverarbeitung
in der Signalverarbeitungseinheit 2 mit den vor dem Ausschalten zuletzt ermittelten
Speicherwert als neuen Startwert steuert. Der Benutzer muss daher nicht erneut nach
den für ihn vor dem Ausschalten als angenehm empfundenen Einstellungen suchen. Das
Hörhilfegerät stellt diese automatisch ein.
[0033] Figur 2 zeigt den Verlauf neuer Startwerte (Speicherwerte) über der Zeit für die
Lautstärkeeinstellung. Dabei wird die Lautstärkeeinstellung durch den Benutzer sprunghaft
verändert. Die Berechnung neuer Speicherwerte erfolgt im Ausführungsbeispiel mittels
eines exponentiellen Mittelungsalgorithmus, wobei das Ergebnis der Berechnung für
zwei unterschiedliche Zeitkonstanten aufgezeigt ist.
[0034] Der jeweils vor dem Ausschalten bzw. Umschalten in ein anderes Hörprogramm gültige
Wert der Lautstärkeeinstellung wird in dem nichtflüchtigen Speicher als neuer Startwert
hinterlegt und beim Wiedereinschalten des Hörhilfegerätes bzw. beim erneuten Einstellen
des betreffenden Hörprogramms aus dem Speicher ausgelesen und als neuer Startwert
eingestellt.
1. Verfahren zum Betrieb eines am oder im Ohr eines Hörhilfegeräteträgers tragbaren Hörhilfegerätes
mit einem Eingangswandler zur Aufnahme eines Eingangssignals und Wandlung in ein elektrisches
Eingangssignal, einer Signalverarbeitungseinheit zur Verarbeitung und Verstärkung
des elektrischen Eingangssignals, einem Ausgangswandler zur Wandlung des verarbeiteten
und verstärkten elektrischen Eingangssignals in ein von dem Hörhilfegeräteträger als
akustisches Signal wahrnehmbares Ausgangssignal und einer Speichereinrichtung zum
Speichern wenigstens eines Wertes eines die Signalverarbeitung beeinflussenden Parameters
als Startwert in dem ausgeschalteten Hörhilfegerät, wobei der Wert des Parameters
bei dem eingeschalteten Hörhilfegerät mittels einer von einem Benutzer betätigbaren
Bedieneinrichtung oder automatisch durch eine in dem Hörhilfegerät vorhandene Signalanalyse-
und Steuereinheit einstellbar ist, mit folgenden Schritten:
- Automatisches Einstellen des Startwertes als Wert für den Parameter nach dem Einschalten
des Hörhilfegerätes oder nach dem Umschalten des Hörhilfegerätes von einem ersten
in einen zweiten Betriebsmodus,
- Erzeugen eines aktuellen Wertes des Parameters durch Verändern des Startwertes durch
Betätigen der Bedieneinrichtung durch den Benutzer oder automatisch durch die Signalanalyse-
und Steuereinheit,
- Automatisches Bestimmen eines von dem Startwert und dem aktuellen Wert des Parameters
verschiedenen Speicherwertes derart, dass der Speicherwert, ausgehend von dem Startwert,
dem aktuellen Wert des Parameters in Abhängigkeit der Zeitdauer, für die der aktuelle
Wert des Parameters eingestellt ist, angenähert wird,
- Speichern des Speicherwertes in der Speichereinrichtung derart, dass nun nach dem
Ein- bzw. Umschalten der Speicherwert als neuer Startwert automatisch eingestellt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Automatische Bestimmung des Speicherwertes in
Abhängigkeit wenigstens eines vor dem aktuellen Wert eingestellten Wertes des Parameters
erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Automatische Bestimmung des Speicherwertes
in Abhängigkeit wenigstens eines vor dem aktuellen Wert gültigen Wertes des Speicherwertes
erfolgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei der Speicherwert mittels einer Mittelungsprozedur
bestimmt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei eine lineare Mittelung durchgeführt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4, wobei eine rekursive Mittelung durchgeführt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 4, wobei eine exponentielle Mittelung durchgeführt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei der Speicherwert in festgelegten
zeitlichen Intervallen bestimmt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei der Speicherwert nach jeder Veränderung
des Wertes des Parameters bestimmt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, wobei der Speicherwert in festgelegten
Zeitintervallen in der Speichereinrichtung als neuer Startwert gespeichert wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, wobei der Speicherwert für den aktuellen
Betriebsmodus vor dem Umschalten in einen anderen Betriebsmodus oder vor dem Ausschalten
des Hörhilfegerätes als neuer Startwert für den aktuellen Betriebsmodus in der Speichereinrichtung
als neuer Startwert gespeichert wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, wobei für unterschiedliche Betriebsmodi
unterschiedliche Werte für einen Parameter einstellbar und unterschiedliche Startwerte
speicherbar sind.
13. Verfahren nach Anspruch 12, wobei mehrere unterschiedliche Betriebsmodi zu einer Betriebsmodus-Klasse
zusammengefasst werden und wobei für unterschiedliche Betriebsmodus-Klassen unterschiedliche
Startwerte speicherbar sind.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, wobei für den Wert des Parameter ein
bestimmter Wertebereich festgelegt ist und der Wertebereich des Startwertes auf einen
Wertebereich eingeschränkt wird, der kleiner als der für den Wert des Parameters festgelegte
Wertebereich ist.
15. Verfahren Anspruch 14, wobei für unterschiedliche Betriebsmodi unterschiedliche Wertebereiche
für den Startwert eines Parameters festlegbar sind.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 15, wobei der Parameter die Lautstärkeeinstellung
betrifft.
17. Am oder im Ohr eines Hörhilfegeräteträgers tragbares Hörhilfegerät zur Durchführung
eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 16 mit einem Eingangswandler zur Aufnahme
eines Eingangssignals und Wandlung in ein elektrisches Eingangssignal, einer Signalverarbeitungseinheit
zur Verarbeitung und Verstärkung des elektrischen Eingangssignals, einem Ausgangswandler
zur Wandlung des verarbeiteten und verstärkten elektrischen Eingangssignals in ein
von dem Hörhilfegeräteträger als akustisches Signal wahrnehmbares Ausgangssignal und
einer Speichereinrichtung zum Speichern wenigstens eines Wertes eines die Signalverarbeitung
beeinflussenden Parameters als Startwert in dem ausgeschalteten Hörhilfegerät, wobei
der Wert des Parameters bei dem eingeschalteten Hörhilfegerät mittels einer von einem
Benutzer betätigbaren Bedieneinrichtung oder automatisch durch eine in dem Hörhilfegerät
vorhandene Signalanalyse- und Steuereinheit einstellbar ist, umfassend:
- Mittel zum automatischen Einstellen des Startwertes als Wert des Parameters nach
dem Einschalten des Hörhilfegerätes oder nach dem Umschalten des Hörhilfegerätes in
einen bestimmten Betriebsmodus,
- eine Bedieneinrichtung zum Verändern des Wertes des Parameters durch den Benutzer
oder eine Signalanalyse- und Steuereinheit zum automatischen Einstellen des Wertes
infolge einer Signalanalyse,
- Mittel zum automatischen Bestimmen eines von dem Startwert und dem aktuellen Wert
des Parameters verschiedenen Speicherwertes, wobei der Speicherwert, ausgehend von
dem Startwert, dem aktuellen Wert des Parameters in Abhängigkeit der Zeitdauer, für
die der aktuelle Wert des Parameters eingestellt ist, annäherbar ist,
- eine Speichereinrichtung zum Speichern des Speicherwertes derart, dass nun nach
dem Ein- bzw. Umschalten der Speicherwert als neuer Startwert automatisch einstellbar
ist.
18. Hörhilfegerät nach Anspruch 17, umfassend einen nichtflüchtigen Speicher zum Speichern
des Wertes des Parameters.
19. Hörhilfegerät nach Anspruch 18, wobei der nichtflüchtige Speicher als EEPROM ausgeführt
ist.
20. Hörhilfegerät nach einem der Ansprüche 17 bis 19, wobei durch Programmierung des Hörhilfegerätes
bestimmbar ist, ob für den Parameter nach dem Einschalten der vor dem Ausschalten
ermittelte Speicherwert oder eine Standardeinstellung eingestellt wird.