[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Feingießen eines metallischen Formteiles
oder mehrerer vorzugsweise dimensionsgleicher metallischer Formteile, bei welchem
eine metallische Schmelze in eine keramische Gießform abgegossen wird, wonach die
metallische Schmelze erstarren gelassen wird.
[0002] Weiter betrifft die Erfindung eine Vorrichtung zum Feingießen eines metallischen
Formteiles oder mehrerer vorzugsweise dimensionsgleicher metallischer Formteile, umfassend
eine keramische Gießform und ein Schmelzenbehältnis, über welches metallische Schmelze
in die Gießform einbringbar ist, sowie eine Kühleinrichtung für die Gießform.
[0003] Mit Feingießverfahren können Bauteile komplexer Geometrie mit endabmessungsnahen
Dimensionen erstellt werden. Ein bevorzugter Anwendungsbereich solcher Verfahren liegt
in jenen Bereichen, in denen eine Herstellung von massiven Gussstücken und eine nachfolgende
Formgebung, z.B. in spanabhebender Weise wie durch ein Drehen oder Fräsen, aufgrund
einer räumlich komplizierten Geometrie des zu erstellenden Formteiles außerordentlich
teuer und daher wirtschaftlich nicht vertretbar wäre. Berücksichtigt man weiter, dass
mit Feingießverfahren gleichzeitig mehrere dimensionsgleiche Formteile erstellt werden
können, ist es nicht verwunderlich, dass solchen Verfahren für eine Serienfertigung
von komplizierten Maschinenteilen eine enorme Bedeutung zukommt.
[0004] Wie auch bei anderen Verfahren zum Gießen von Metallen besteht bei Feingießverfahren
grundsätzlich die Schwierigkeit, ein Gefüge ohne Lunker zu erreichen. Dies ist bei
Feingießverfahren dadurch verstärkt, dass eine keramische Gießform - verglichen mit
konventionellen Gießverfahren - über eine relativ große Kontaktfläche mit flüssiger
Schmelze in Berührung steht, was eine ideale und fehlerfreie Erstarrung der metallischen
Schmelze erschwert. Insbesondere kann es in engen Passagen der Gießform, welche zu
Abschnitten mit geringen Dimensionen eines finalen Formteiles korrespondieren, zu
einer zu raschen Erstarrung des Metalls kommen, so dass ein Nachführen von Schmelze
nicht mehr möglich ist und im erstellten Formteil Hohlräume auftreten. Eine Lunkerbildung
kann zusätzlich noch begünstigt sein, wenn die Schmelze eine niedrigere Dichte als
der Festkörper aufweist, was bei der Erstarrung zu einer Volumenkontraktion führt.
Vor allem bei einer verstärkten Abkühlung einer Schmelze kann in diesem Fall eine
massive Lunkerbildung gegeben sein.
[0005] Aus dem Stand der Technik (
US 6,622,774 B2) ist ein Feingießverfahren bekannt geworden, bei welchem eine mit Schmelze gefüllte
keramische Gießform in ein auf niedriger Temperatur befindliches Ölbad eingebracht
wird, um die in der Gießform befindliche Schmelze verstärkt abzukühlen. Mit einem
solchen Verfahren soll im finalen Festkörper eine feine und homogene Mikrostruktur
einstellbar sein, was grundsätzlich positiv ist. Bei diesem Verfahren bleibt allerdings
völlig unberücksichtigt, dass es durch in der Schmelze gelöstes Gas sowie eine verstärkte
Abkühlung und eine Volumenkontraktion des Metalls bei der Erstarrung zu einer Ausbildung
von Lunkern kommen kann, welche im Formteil Ausgangspunkte für mögliches Materialversagen
darstellen und dementsprechend dessen Gebrauchsdauer erheblich verkürzen können.
[0006] Ausgehend vom Stand der Technik ist es eine Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren
der eingangs genannten Art anzugeben, mit welchem bei verstärkter Abkühlung lunkerfreie
Formteile mit feinem Gefüge herstellbar sind.
[0007] Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist es, eine Vorrichtung der eingangs genannten
Art anzugeben, welche sich zum Feingießen lunkerfreier und ein homogenes, feines Gefüge
aufweisender Formteile eignet.
[0008] Die verfahrensmäßige Aufgabe der Erfindung wird dadurch gelöst, dass bei einem Verfahren
der eingangs genannten Art die abgegossene Schmelze unter Ausübung eines Druckes auf
die Schmelze verstärkt abgekühlt wird, wobei Druckausübung und verstärktes Abkühlen
zumindest bis zur Formbeständigkeit des erstarrenden Formteiles bzw. der Formteile
aufrechterhalten werden.
[0009] Vorteile eines erfindungsgemäßen Verfahrens sind insbesondere darin zu sehen, dass
aufgrund der getroffenen verfahrenstechnischen Maßnahmen Formteile erstellt werden
können, welche im Wesentlichen frei von Lunkern sind. Durch die Ausübung eines Druckes
auf die Schmelze während der Erstarrung wird die Gießform in exzellenter Weise gefüllt
bzw. wird während der Erstarrung der Schmelze in gegebenenfalls vorhandene Hohlräume
Schmelze eingepresst. Da gleichzeitig eine verstärkte Abkühlung erfolgt und dem erstarrenden
Material rasch Wärme entzogen wird, können dichte, im Wesentlichen lunkerfreie Formteile
mit einem feinen Gefüge erhalten werden. Unter verstärkter Abkühlung ist im Rahmen
der Erfindung jede Maßnahme zu verstehen, welche im Vergleich mit einer Erstarrung
an Luft zu einer rascheren Erstarrung führt.
[0010] Günstig ist es, wenn die Schmelze entgast und unter Vakuum in die Gießform abgegossen
wird. Dies stellt sicher, dass ein Anteil an gelöstem Gas, welches bei einer Erstarrung
der Schmelze zur Ausbildung von Hohlräumen führen kann, minimiert ist.
[0011] In besonderer Weise hat es sich bewährt, wenn der Druck mittels eines Gases, insbesondere
eines Edelgases, ausgeübt wird. Dies bewirkt, da die keramische Gießform nicht vollkommen
dicht ist, sondern eine gewisse Porosität aufweist, dass die Metallschmelze während
der Erstarrung allseitig mit Druck beaufschlagt wird. Dadurch kann eine Lunkerbildung
besonders effektiv unterdrückt und homogene und lunkerfreie Formteile erstellt werden.
[0012] Im Zusammenhang mit einer allseitigen Druckbeaufschlagung durch ein Gas hat sich
eine Verfahrensvariante, bei der die Schmelze nach Abgießen in die Gießform und noch
vor einer Druckausübung teilweise erstarren gelassen wird bis sie zumindest bereichsweise
von einer gasundurchlässigen Metallhaut umgeben ist, als bevorzugt erwiesen. Die gasundurchlässige
Metallhaut schützt die im Inneren befindliche Schmelze gegen Gasaufnahme sowohl über
eine Öffnung der Gießform als auch durch die Keramik hindurch. Gleichzeitig ist der
erstarrende Verbund aus Schmelze und Metallhaut leicht verformbar, so dass durch die
Gasdruckbeaufschlagung ein dichter und lunkerfreier Formteil herstellbar ist. Alternativ
dazu kann die Schmelze auch gasdicht verschlossen werden, z.B. indem die Schmelze
im Angussbereich mit einem inerten Material wie Sand überschichtet wird.
[0013] Da bei Gießformen Heizeinrichtungen üblicherweise nicht vorgesehen sind und eine
Metallschmelze bei bzw. rasch nach erfolgtem Abgießen in die Gießform bereits zu erstarren
beginnt, empfiehlt es sich, dass der Druck innerhalb von höchstens 30 Sekunden aufgebaut
wird. Sind in der Gießform freie Bereiche besonders kleiner Dimensionen mit metallischer
Schmelze aufzufüllen, so ist es zweckmäßig, den Druck innerhalb von 100 Millisekunden,
vorzugsweise innerhalb von 10 bis 50 Millisekunden, aufzubauen. Dadurch kann die Schmelze
kurze Zeit nach dem Abgießen druckbeaufschlagt verstärkt abgekühlt werden und ein
lokales Erstarren, welches ein weiteres Nachführen von metallischer Schmelze erschweren
oder verhindern würde, kann vermieden werden.
[0014] Grundsätzlich sind alle bekannten Methoden zur Erzeugung von Druck geeignet, um im
Rahmen der Erfindung Anwendung zu finden. Ist jedoch ein besonders rascher Druckaufbau
erforderlich, beispielsweise weil in der Gießform feine Kapillaren vorhanden sind,
welche mit flüssigem Metall ausgefüllt werden sollen, so ist eine Erzeugung des Druckes
durch Zünden einer oder mehrerer Sprengladungen äußerst zweckmäßig. Ein rascher Druckaufbau
ist alternativ auch durch Erhitzen eines flüssigen Inertgases in einem abgeschlossenen
Volumen erreichbar.
[0015] Zur vollständigen Erstarrung der Schmelze kann die Gießform in ein flüssiges Kühlmittel,
insbesondere ein bei -100 °C oder einer tieferen Temperatur flüssiges Gas eingebracht
werden. Durch ein flüssiges Kühlmittel, welches gegebenenfalls zusätzlich in Bewegung
gehalten wird, kann in besonders wirksamer Weise Wärme abtransportiert werden und
somit eine rasche Erstarrung erreicht werden. Hierbei ist es aus den genannten Gründen
besonders vorteilhaft, wenn die Gießform vollflächig mit dem Kühlmittel in Kontakt
gebracht wird.
[0016] Verfahrensmäßig von Vorteil ist es auch, wenn die Schmelze innerhalb von höchstens
300 Sekunden nach Aufbau des Druckes in vollständig erstarrten Zustand gebracht wird.
Durch eine in dieser Weise durchgeführte rasche Erstarrung der metallischen Schmelze
kann ein besonders feines Gefüge eingestellt bzw. ein Formteil mit hervorragenden
mechanischen Eigenschaften erhalten werden. Wird ein Gas zur Druckbeaufschlagung eingesetzt,
so ist weiters eine Zeitdauer minimiert, in welcher sich in der Schmelze Gas lösen
kann.
[0017] Bei der Durchführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens ist es weiter von Vorteil,
wenn der Druck zumindest 200 bar, vorzugsweise zumindest 800 bar, beträgt. Je höher
ein Druck, desto eher können auftretende Hohlräume während der Erstarrung eliminiert
werden und desto besser kann flüssiges Metall in die Gießform eingepresst bzw. das
erstarrende Metall verdichtet werden.
[0018] In einer weiteren Variante eines erfindungsgemäßen Verfahrens ist vorgesehen, dass
die Schmelze während der Erstarrung mit Ultraschall und/oder einer Wechselspannung
beaufschlagt wird. Eine solche Beaufschlagung bewirkt zum einen, dass ein sehr feines
Gefüge ausgebildet wird. Zum anderen wirkt Ultraschall auch einer Lunkerbildung entgegen.
[0019] Um einen Transport von Schmelze in das Innere der Gießform während der Erstarrung
bestmöglich sicherzustellen, kann vorgesehen sein, dass die Gießform und/oder die
Schmelze in einem Angussbereich während der verstärkten Abkühlung bereichsweise beheizt
werden. Es erweist sich als zweckmäßig, jene Bereiche der Gießform zu beheizen, durch
welche Schmelze ins Gießforminnere nachfließen soll, wohingegen die übrigen Teile
der Gießform verstärkt abgekühlt werden.
[0020] Die weitere Aufgabe der Erfindung wird durch eine Vorrichtung zum Feingießen eines
metallischen Formteiles oder mehrerer vorzugsweise dimensionsgleicher metallischer
Formteile, umfassend eine Gießform und ein Schmelzenbehältnis, über welches metallische
Schmelze in die Gießform einbringbar ist, sowie eine Kühleinrichtung für die Gießform,
wobei die Kühleinrichtung in einer druckfesten Kammer untergebracht ist, gelöst.
[0021] Vorteile einer erfindungsgemäßen Vorrichtung sind insbesondere darin zu sehen, dass
bei einem einfachen apparativen Aufbau hochwertige, lunkerfreie Formteile erstellt
werden können und bei den Formteilen zusätzlich ein feines Gefüge einstellbar ist.
Eine Druckfestigkeit der vorgesehenen Kammer erlaubt es, nach Einbringen der Metallschmelze
in die Gießform diese mit hohem Druck zu beaufschlagen und somit die Gießform einerseits
vollständig zu füllen und andererseits die Metallschmelze unter Druck erstarren zu
lassen. Da gleichzeitig eine verstärkte Abkühlung erfolgen kann, sind hochwertige
Formteile mit hervorragenden mechanischen Kennwerten herstellbar.
[0022] In einer besonders einfachen Variante umfasst die Kühleinrichtung einen Behälter
für ein flüssiges Kühlmittel, z.B. ein Öl, Wasser oder Substanzen, welche zwischen
-100 °C und - 200°C als flüssige Phase vorliegen. Dies ermöglicht es, die Gießform
großflächig in effizienter Weise zu kühlen. Bei Bedarf kann auch nur ein Teil der
Gießform gekühlt werden, indem die Gießform nur teilweise in den Behälter der Kühleinrichtung
eingebracht wird. In diesem Zusammenhang ist es für eine einfache Handhabung zweckmäßig,
wenn die Gießform in den Behälter verfahrbar ist.
[0023] In weiterer Ausgestaltung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung kann vorgesehen sein,
dass die Kammer zumindest zwei Bereiche aufweist, welche durch eine Schleuse getrennt
und unabhängig voneinander evakuierbar bzw. mit Druck beaufschlagbar sind. Dies erweist
sich insbesondere bei einem Einsatz von flüssigen Kühlmitteln als vorteilhaft, weil
dadurch verhindert werden kann, dass beim Abgießen unter Vakuum bzw. bei einem Entgasen
der metallischen Schmelze Kühlmittel in die Vakuumapparatur gelangt, was zu deren
Versagen, jedenfalls aber einem schlechteren Vakuum und damit zu einem höheren Anteil
an gelöstem Gas in der Schmelze, führen kann.
[0024] Weitere Vorteile und Wirkungen der Erfindung ergeben sich aus dem Zusammenhang der
Beschreibung sowie den nachfolgenden Ausführungsbeispielen.
[0025] Im Folgenden ist die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen noch weitergehend
beschrieben.
[0026] Es zeigen
- Figur 1
- ein Flussdiagramm eines erfindungsgemäßen Verfahrens;
- Figur 2
- einen Querschnitt einer erfindungsgemäßen Vorrichtung.
[0027] In Figur 1 sind einzelne Schritte eines erfindungsgemäßen Feingießverfahrens anhand
eines Flussdiagramms näher dargestellt. Zu Beginn wird eine Schmelze eines Metalles
durch Aufschmelzen eines entsprechenden Ausgangsmateriales erstellt. Unter Metall
ist hier wie auch im Übrigen ein Metall, eine Legierung von Metallen oder ein Verbundwerkstoff,
welcher ein Metall oder eine Legierung als überwiegenden Bestandteil beinhaltet, zu
verstehen. Nach der Erstellung der Schmelze wird diese entgast, wofür jede dem Fachmann
geläufige Entgasungsmethode eingesetzt werden kann. Bevorzugt ist es jedoch, ein Entgasen
durch eine Vakuumbehandlung durchzuführen. In diesem Fall kann ein Entgasen und ein
nachfolgender Schritt des Abgießens unter Vakuum in einer einzigen Vakuumkammer erfolgen,
wodurch sichergestellt ist, dass die Schmelze zwischen Entgasen und Abgießen nicht
mehr mit einem Gas in Kontakt tritt. Nach dem Abgießen der Schmelze wird diese im
Bereich einer Öffnung einer Gießform gasdicht verschlossen oder wahlweise bis zur
bereichsweisen Bildung einer gasundurchlässigen Metallhaut erstarren gelassen. Dadurch
ist sichergestellt, dass im nächsten Schritt, einer Druckbeaufschlagung mittels eines
Gases, ein Lösen des verwendeten Gases in der Metallschmelze verhindert oder zumindest
weitgehend unterdrückt ist. Nachdem ein gewünschter Druck aufgebaut ist, beispielsweise
800 bar, wird die Schmelze unter Aufrechterhaltung dieses Druckes durch Einbringen
der Gießform in ein Kühlmittel zur Erstarrung gebracht. Dabei erstarrt die Schmelze
in der Gießform von außen nach innen, wobei insbesondere Angussbereiche und/oder Versorgungsleitungen
der Gießform mit Vorteil beheizt werden, so dass ein Materialfluss in die formteilformenden
Elemente der Gießform möglich ist bzw. sich eine Erstarrungsfront der Schmelze ohne
Unterbrechung bis zu einer Eingussöffnung der Gießform zurückziehen kann. Sobald sich
aus der Metallschmelze ein formbeständiges Formteil gebildet hat, kann ein vorgesehener
Druck auf Normaldruck reduziert werden und nach Abkühlen der Schmelze auf Umgebungstemperatur
das fertige Formteil entnommen werden.
[0028] Nach dem vorstehend dargelegten Verfahren wurden aus einer Aluminiumgusslegierung,
nämlich G-AlSi 12 (Aluminiumgusslegierung mit 12 Gewichtsprozent Silizium), Flügelräder
gegossen. Dabei wurde aus einem entsprechenden Vormaterial eine Metallschmelze erstellt
und diese in einem Vakuum entgast. Anschließend wurde die so erstellte Metallschmelze
in derselben Kammer, in der sie entgast wurde, in eine Gießtraube eingegossen. Nachdem
die Gießtraube bis zur Einfüllöffnung mit Metallschmelze befüllt war, wurde die in
die Gießtraube abgefüllte Metallschmelze, welche mit einer Temperatur von 600 °C abgegossen
wurde, abkühlen gelassen, bis sich an der Oberfläche der Metallschmelze im Bereich
einer Eintrittsöffnung der Gießtraube ein fester Film bzw. eine durchgängige Metallhaut
von 500 µm Dicke gebildet hatte. Im Anschluss daran wurde das Vakuum aufgehoben und
mittels Argon ein Druck von 500 bar aufgebaut. Die Zeit zwischen Einbringen des Argons
in die Kammer und Erreichen eines endgültigen Druckes von 500 bar betrug 25 Sekunden.
Bei diesem Druck wurde die Schmelze für weitere 45 Sekunden erstarren gelassen und
anschließend durch Absinken der Gießtraube in ein Ölbad, welches eine Temperatur von
25 °C aufwies, unter Druck zur vollständigen Erstarrung gebracht. Nach Abkühlen der
Gießtraube auf Umgebungstemperatur wurde diese bei Normaldruck aus dem Ölbad entnommen
und die Keramik entfernt. Untersuchungen an so hergestellten Flügelrädern zeigten,
dass diese im Wesentlichen lunkerfrei ausgebildet waren und querschnittlich betrachtet
ein homogenes, feinkörniges Gefüge aufwiesen.
[0029] In Figur 2 ist eine erfindungsgemäße Vorrichtung im Querschnitt näher dargestellt.
Die Vorrichtung
1 umfasst zwei Kompartimente
1a, 1b, welche durch Schleusen voneinander getrennt sind. Außenseitig ist die Vorrichtung
1 von einem bis zumindest 200 bar druckfesten Gehäuse
2, z.B. aus Stahl, umgeben. In dem Gehäuse
2 sind Einlässe
41, 42 sowie Auslässe
51, 52 vorgesehen. Die Einlässe
41, 42 erlauben es, in die Kompartimente
1a, 1b jeweils ein Gas, z.B. Argon, einzubringen und in den genannten Kompartimenten
1a, 1b einen hohen Druck von bis zu 2000 bar zu erzeugen. Die Auslässe
51, 52 sind jeweils mit einer Vakuumapparatur verbunden, so dass bei Bedarf in den Kompartimenten
1a, 1b ein Hochvakuum angelegt werden kann. Die Schleusen, welche die Kompartimente
1a, 1b voneinander trennen, bestehen aus Elementen
31, 32, 33 und
34. Die Elemente
31, 32 sind ortsfest mit dem Gehäuse
2 verbunden, wohingegen die Elemente
33, 34 horizontal verschiebbar an den Elementen
31 bzw.
32 gehalten sind. Dies erlaubt es, bei Bedarf die Schleuse zu öffnen. Anstelle der in
Figur 2 dargestellten Schleuse kann jede andere Schleuse verwendet werden, sofern
sichergestellt ist, dass die Kompartimente
1a, 1b voneinander gasdicht getrennt werden können.
Im oberen Kompartiment
1a der Vorrichtung
1 ist eine Halte- und Verschiebevorrichtung
6 für eine Gießtraube
10 vorgesehen. Die Halte- und Verschiebevorrichtung
6 kann, wie in Figur 2 dargestellt, mit Teleskoparmen
7 ausgestattet sein, durch welche die Gießtraube
10 bei Bedarf in das Kompartiment
1b verfahren werden kann. Symmetrisch angebrachte Halterungen
81, 82, welche sowohl mit den Teleskoparmen
7 als auch mit der Gießtraube
10 starr verbunden sind, sorgen dafür, dass die Gießtraube während des Abgießens bzw.
eines Erstarrens ruhig gehalten wird.
[0030] Weiter ist im Kompartiment
1a ein Schmelzenbehältnis
12 vorgesehen, welches für eine Aufnahme bzw. Bevorratung von Metallschmelze
S dient. Das Schmelzenbehältnis
12 kann zusätzlich, wie gezeigt, eine Isolierung
13 aufweisen, um eine unerwünschte Erstarrung der Metallschmelze
S im Schmelzenbehältnis
12 zu vermeiden. Ist das Schmelzenbehältnis
12 zusammen mit der Gießtraube
10 im Kompartiment
1a untergebracht, so weist dies den Vorteil auf, dass die Schmelze durch Anlegen eines
Vakuums über den Auslass
51 entgast werden kann und unmittelbar nach einer Entgasung ein Abgießen der Schmelze
S in die Gießtraube
10 durchgeführt werden kann. Dadurch ist einerseits eine Verfahrensführung vereinfacht
und andererseits wird sichergestellt, dass die Schmelze
S nach einem Entgasen nicht mehr mit einem Gas in Kontakt treten kann, wie es der Fall
sein könnte, wenn die Schmelze
S außerhalb der Vorrichtung
1 entgast wird und anschließend in das Kompartiment
1a einzubringen ist. Wenngleich eine Entgasung der Schmelze
S im Kompartiment
1a bevorzugt ist, ist es im Rahmen der Erfindung selbstverständlich auch möglich, die
Schmelze
S außerhalb des Kompartimentes
1a bzw. außerhalb der Vorrichtung
1 zu entgasen und erst anschließend in das Kompartiment
1a einzubringen.
[0031] Die Gießtraube
10, welche im Bereich eines Einfüllstutzens
9 wie erwähnt mit den Halterungen
81, 82 starr verbunden ist, besteht aus einer Keramik und kann in üblicher Weise hergestellt
sein. Je nach Form des zu erstellenden Formteiles bzw. der zu erstellenden Formteile
sind in ihrem Inneren ebenfalls keramische Elemente
11 vorgesehen, welche die Geometrie eines finalen Formteiles bestimmen bzw. formgebend
wirken.
[0032] Im Kompartiment
1a können weiter Hilfsmittel vorgesehen sein, mit welchen die Gießtraube
10 im Bereich ihrer Eintrittsöffnung
91 verschließbar ist. Solche Hilfsmittel können beispielsweise eine höhenverstellbare
Platte umfassen, deren Durchmesser dem Durchmesser der Eintrittsöffnung
91 entspricht und welche hydraulisch oder pneumatisch heb- bzw. senkbar ist.
[0033] Im Kompartiment
1b ist ein Kühlmittelbehältnis
14 untergebracht, in welchem sich ein Kühlmittel
K befindet. Soll eine in die Gießtraube
10 abgefüllte und unter Druck stehende Schmelze zur raschen Erstarrung gebracht werden,
so werden die Elemente
33, 34 der Schleuse nach außen verfahren und die Schleuse geöffnet, so dass die Gießtraube
10 mittels der Teleskoparme
7 in das Kühlmittel
K eingefahren werden kann. Dabei ist es zweckmäßig, die Gießtraube
10 nur so weit in das Kühlmittel
K einzufahren, dass in jenen Bereichen, die später den Formkörper bzw. die Formkörper
bilden für eine rasche Erstarrung gesorgt ist, wohingegen der Einfüllstutzen
9 der Gießtraube
10 nicht in das Kühlmittel
K eingefahren wird. Bei dieser Vorgehensweise ist dafür gesorgt, dass im Bereich des
Einfüllstutzens
9 eine langsamere Erstarrung der Schmelze eintritt und aufgrund eines anliegenden Druckes
flüssiges Metall in die einzelnen verstärkt gekühlten Elemente der Gießtraube
9, in denen Schmelze von außen nach innen erstarrt, nachgepresst werden kann. Gleichzeitig
kann zu den gleichen Zwecken im Bereich der Eintrittsöffnung 91 und der daran anschließenden
Versorgungsleitungen bzw. Angussbereich auch geheizt werden. Um eine möglichst rasche
und wirksame Abkühlung zu erreichen, ist es zweckmäßig, das Kühlmittel
K z.B. mittels eines Rührers zu bewegen. Eine Verbesserung eines Kühleffektes und damit
eine Steigerung der Feinheit eines Gefüges ist auch möglich, wenn das aus Stahl gefertigte
Behältnis
14 auf einem massiven Metallblock
15 positioniert ist, so dass ein guter Wärmeaustausch zwischen dem Kühlmittel
K und der Umgebung der Vorrichtung
1 möglich ist.
[0034] Die in Figur 2 dargestellte Vorrichtung stellt lediglich eine mögliche Ausführungsform
dar. In einer anderen Ausführungsform kann eine erfindungsgemäße Vorrichtung aus drei
miteinander verbundenen Kammern bestehen, wobei in einer ersten Kammer eine Entgasung
der Schmelze und ein Abgießen derselben unter Vakuum erfolgen. Anschließend wird die
Gießtraube von der ersten Kammer in eine zweite Kammer gebracht. Diese zweite Kammer
ist möglichst klein dimensioniert, so dass die Gießtraube genau Platz findet. Auf
Grund des geringen Restvolumens, welches von der Gießtraube nicht ausgefüllt wird,
kann dann eine besonders rasche Druckbeaufschlagung erreicht werden. Die zweite Kammer
steht wiederum mit einer dritten Kammer in Kontakt, in welcher sich ein Kühlmittel
befindet und welche ebenfalls mit minimalem Volumen ausgebildet ist, um einen raschen
Druckaufbau zu ermöglichen. Nachdem in der zweiten und dritten Kammer ein gewünschter
Druck aufgebaut ist, wird die Gießtraube von der zweiten Kammer in die dritte Kammer
gebracht und in dieser mit dem Kühlmittel in Kontakt gebracht.
1. Verfahren zum Feingießen eines metallischen Formteiles oder mehrerer vorzugsweise
dimensionsgleicher metallischer Formteile, bei welchem eine metallische Schmelze in
eine keramische Gießform abgegossen wird, wonach die metallische Schmelze erstarren
gelassen wird, dadurch gekennzeichnet, dass die abgegossene Schmelze unter Ausübung eines Druckes auf die Schmelze verstärkt
abgekühlt wird, wobei Druckausübung und verstärktes Abkühlen zumindest bis zur Formbeständigkeit
des erstarrenden Formteiles bzw. der Formteile durchgeführt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Schmelze entgast und unter Vakuum in die Gießform abgegossen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck mittels eines Gases ausgeübt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Schmelze nach Abgießen in die Gießform gasdicht verschlossen wird oder die Schmelze
teilweise erstarren gelassen wird, bis die Schmelze zumindest bereichsweise von einer
gasundurchlässigen Metallhaut umgeben ist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck innerhalb von höchstens 30 Sekunden aufgebaut wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck innerhalb von 100 Millisekunden, vorzugsweise innerhalb von 10 bis 50 Millisekunden,
aufgebaut wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck durch Zünden einer oder mehrerer Sprengladungen erzeugt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck durch Erhitzen eines flüssigen Inertgases erzeugt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Gießform zur vollständigen Erstarrung der Schmelze in ein flüssiges Kühlmittel,
insbesondere ein bei -100 °C oder einer tieferen Temperatur flüssiges Gas, eingebracht
wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Gießform vollflächig mit dem Kühlmittel in Kontakt gebracht wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Schmelze innerhalb von höchstens 300 Sekunden nach Aufbau des Druckes in vollständig
erstarrten Zustand gebracht wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck zumindest 200 bar, vorzugsweise zumindest 800 bar, beträgt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Schmelze während der Erstarrung mit Ultraschall und/oder einer Wechselspannung
beaufschlagt wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Gießform und/oder die Schmelze in einem Angussbereich während der verstärkten
Abkühlung bereichsweise beheizt werden.
15. Vorrichtung zum Feingießen eines metallischen Formteiles oder mehrerer vorzugsweise
dimensionsgleicher metallischer Formteile, umfassend eine keramische Gießform und
ein Schmelzenbehältnis, über welches metallische Schmelze in die Gießform einbringbar
ist, sowie eine Kühleinrichtung für die Gießform, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühleinrichtung in einer druckfesten Kammer untergebracht ist.
16. Vorrichtung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühleinrichtung einen Behälter für ein flüssiges Kühlmittel umfasst.
17. Vorrichtung nach Anspruch 15 oder 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Gießform in den Behälter verfahrbar ist.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 15 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Kammer zumindest zwei Bereiche aufweist, welche durch eine Schleuse getrennt
und unabhängig voneinander evakuierbar bzw. mit Druck beaufschlagbar sind.