[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zur Bestimmung
eines Schaltzeitpunktes eines elektrischen Schaltgerätes mit einer Unterbrecherstrecke,
die zwischen einem mit einer treibenden Spannung beaufschlagten ersten Leitungsabschnitt
und einem nach einem Ausschaltvorgang des Schaltgerätes einen Schwingkreis ausbildenden
zweiten Leitungsabschnitt angeordnet ist.
[0002] Dokument
US 2003/235 017 A1 offenbart ein Verfahren zur Bestimmung eines Schaltzeitpunktes eines elektrischen
Schaltgerätes gemäß dem Oberbegriff der Anschprüche 1 und 2.
[0003] Aus dem Beitrag "
Analysis of Power System Transients Using Wavelets and Prony Method", Lobos, T., Rezmer,
J., Koglin, H.-J., Power Tech Proceedings, 2001 IEEE Porto, 10 bis 13 September 2001, geht hervor, dass der Qualität der Spannung in einem Elektroenergieübertragungsnetzwerk
zunehmende Bedeutung zugemessen wird. Die Wellenform einer Wechselspannung soll idealerweise
sinusförmig sein und mit vorgegebener Frequenz und Amplitude schwingen. Durch induktive
und/oder kapazitive Elemente können jedoch bei einem Schaltvorgang transiente Überspannungen
auftreten. Derartige transiente Überspannungen überlagern die Nennfrequenz und die
Nennamplitude der idealen Wechselspannung und stören den gewünschten Spannungsverlauf.
[0004] Schalthandlungen stellen oftmals ein auslösendes Ereignis für das Entstehen von Überspannungen
dar.
[0005] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde ein Verfahren sowie eine Vorrichtung
zur Bestimmung eines Schaltzeitpunktes anzugeben, durch welche das Auftreten von transienten
Überspannungen bzw. Schwingungserscheinungen in einem Elektroenergieübertragungsnetz
begrenzt wird.
[0006] Bei einem Verfahren der eingangs genannten Art wird die Aufgabe erfindungsgemäß dadurch
gelöst, dass ein zeitlicher Verlauf der treibenden Spannung nach einem Ausschaltvorgang
des elektrischen Schaltgerätes ermittelt wird, ein zeitlicher Verlauf einer in dem
Schwingkreis nach dem Ausschaltvorgang des elektrischen Schaltgerätes auftretenden
Schwingspannung ermittelt wird, ein zeitlicher Verlauf einer resultierende Spannung,
die einer Differenz aus der treibenden Spannung und der Schwingspannung entspricht,
ermittelt wird und zumindest ein Anstieg der treibenden Spannung und zumindest ein
Anstieg der Schwingspannung ausgewertet werden und in Abhängigkeit der Anstiege und
des zeitlichen Verlaufes der resultierenden Spannung ein Schaltzeitpunkt festgelegt
wird.
[0007] Weiterhin wird die Aufgabe erfindungsgemäß auch dadurch gelöst, dass ein zeitlicher
Verlauf der treibenden Spannung nach einem Ausschaltvorgang des elektrischen Schaltgerätes
ermittelt wird, ein zeitlicher Verlauf eines in dem Schwingkreis nach dem Ausschaltvorgang
des elektrischen Schaltgerätes auftretenden Schwingspannung ermittelt wird, ein zeitlicher
Verlauf eines in dem Schwingkreis nach dem Ausschaltvorgang des elektrischen Schaltgerätes
fließenden Schwingstromes ermittelt wird, ein zeitlicher Verlauf einer resultierende
Spannung, die einer Differenz aus der treibenden Spannung und der Schwingspannung
entspricht, ermittelt wird, zumindest ein Anstieg der treibenden Spannung und zumindest
eine Polarität des Schwingstromes ausgewertet werden und in Abhängigkeit des zumindest
einen Anstieges der treibenden Spannung und der zumindest einen Polarität des Schwingstromes
und des zeitlichen Verlaufes der resultierenden Spannung ein Schaltzeitpunkt festgelegt
wird.
[0008] Die sich einstellende resultierende Spannung kann aufgrund der in dem Schwingkreis
enthaltenen Bauelemente wie Spulen und Kondensatoren wesentlich höhere Spannungsamplituden
aufweisen, als die treibende Spannung. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen,
dass Induktivitäten und Kapazitäten Speicherelemente sind, die Zeitverzögerungen hervorbringen.
Bei ungünstigen Kombinationen kann es so zu deutlichen Überhöhungen der Spitzenwerte
führen. Diese hohen Spannungsspitzen wirken sich nachteilig auf das Isolationssystem
aus. So wird die Isolation dielektrisch stärker belastet als unter Bemessungsbedingungen.
Dies hat eine schnellere Alterung der Isolation zur Folge. Insbesondere bei feststoffisolierten
Leitungsabschnitten wie Kabeln kann so eine Beeinträchtigung der Lebensdauer herbeigeführt
werden. In Extremfällen können die Spannungsspitzen derartig hoch sein, dass an den
Leitungen Überschläge entstehen. Diese Überschläge können sich zum Beispiel als Teilentladungen
oder Durchschläge an Halteisolatoren von freiluftisolierten Überlandleitungen äußern.
Besonders nachteilig sind derartige Erscheinungen jedoch in feststoffisolierten Isoliersystemen
wie Kabeln, da sich dort irreparable Schäden ausbilden können. Der zeitliche Verlauf
der resultierenden Spannung ist daher ein wesentliches Kriterium zur Festlegung des
Schaltzeitpunktes eines elektrischen Schaltgerätes. Zusätzlich kann die Auswahl des
Schaltzeitpunktes optimiert werden, indem die Anstiege, das heißt, der Gradient der
Steigung der treibenden Spannung sowie der Gradient der Steigung der sich in dem Schwingkreis
ausbildenden Schwingspannung berücksichtigt wird. Dabei wird jeweils zu einem bestimmten
Zeitpunkt der Verlauf der resultierenden Spannung betrachtet und zum selben Zeitpunkt
der Verlauf der Schwingspannung bzw. der treibenden Spannung ausgewertet. In Abhängigkeit
der Anstiege der treibenden Spannung bzw. der Schwingspannung und des zeitlichen Verlaufes
der resultierenden Spannung kann ein Schaltzeitpunkt festgelegt werden, zu welchem
ein Auftreten von Überspannungen besonders effektiv begrenzt wird. Neben der Auswertung
der Anstiege der treibenden Spannung und der Schwingspannung ist es prinzipiell auch
möglich, den Anstieg (Gradient der Steigung) der treibenden Spannung und die Polarität
des Schwingstromes als Auswahlkriterien zur Festlegung eines Zeitschaltpunktes im
Verlauf der resultierenden Spannung zu nutzen. Dies ist daher möglich, da in Abhängigkeit
der sich im Schwingkreis einstellenden Impedanz die den Schwingstrom treibende Schwingspannung
über die Gleichungen

miteinander gekoppelt sind.
[0009] Zur Ermittlung der zeitlichen Verläufe von treibender Spannung, der Schwingspannung
sowie der resultierenden Spannung bzw. des Schwingstromes sind verschiedene Verfahren
einsetzbar. So kann beispielsweise vorgesehen sein, in dem ersten Leitungsabschnitt
und in dem zweiten Leistungsabschnitt jeweils Messeinrichtungen anzuordnen, um den
zeitlichen Verlauf der benötigten Parameter zu erfassen. Dazu können beispielsweise
Spannungs- und Stromwandler an den entsprechenden Leitungsabschnitten eingesetzt werden.
Um die Anzahl von Strom- bzw. Spannungswandlern zu begrenzen, können auch nur einzelne
Wandler Verwendung finden und aus den Wandlerdaten jeweils die fehlenden Strom- bzw.
Spannungsverläufe berechnet werden.
[0010] Bei einer entsprechend ausgerüsteten Anlage können so in Echtzeit die Daten erfasst
werden und die entsprechenden Spannungs-/Stromverläufe ermittelt werden und ein Schaltzeitpunkt
festgelegt werden. Der Anstieg der Spannungsverläufe kann beispielsweise durch eine
Differenziation des zeitlichen Verlaufes zu dem entsprechend interessierenden Zeitpunkt
erfolgen. Mittels elektronischer Datenverarbeitungseinrichtungen ist es innerhalb
kürzester Zeit möglich, eine erste Ableitung zu nahezu jedem beliebigen Zeitpunkt
zu ermitteln und so den Anstieg der treibenden Spannung bzw. der Schwingspannung zu
ermitteln. Dabei kann sowohl vorgesehen sein, den Anstieg jeweils quantitativ zu erfassen
und so Tendenzen im Verlauf des Anstieges von einem Zeitintervall zum nächsten leicht
zu erfassen. Es kann jedoch auch vorgesehen sein, den Anstieg ausschließlich qualitativ
auszuwerten, das heißt, liegt ein positiver oder ein negativer Anstieg vor, bzw. sind
bestimmte Grenzwerte über- oder unterschritten. Die Polarität des Stromes ist ebenfalls
hinsichtlich ihrer Quantität auswertbar, das heißt, eine Ermittlung des Wertes des
Schwingstromes nach Betrag und Phasenlage kann erfolgen. Darüber hinaus kann jedoch
auch vorgesehen sein, lediglich eine Aussage zu treffen, ob der vorliegende Schwingstrom
zu bestimmten Zeitpunkten einen positiven oder einen negativen Wert aufweist.
[0011] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung kann weiterhin vorsehen, dass der Schaltzeitpunkt
in der Nähe eines Nulldurchganges der resultierenden Spannung liegt.
[0012] In großtechnischen Anlagen wird als treibende Spannung oftmals eine Wechselspannung
oder mehrere Wechselspannungen, die in einem gemeinsamen System zueinander phasenverschoben
sind, eingesetzt. Systeme mit mehreren zueinander in Beziehung stehenden Wechselspannungen
werden auch Mehrphasenwechselspannungssysteme genannt. Die den ersten Leitungsabschnitt
mit Spannung beaufschlagende treibende Spannung weisen typischerweise eine konstante
Frequenz auf. Großtechnisch werden vorzugsweise 16 2/3 Hz, 50 Hz, 60 Hz sowie weitere
Frequenzbereiche verwandt. Aufgrund von Überlagerungserscheinungen in dem Schwingkreis,
ausgelöst durch die dort enthaltenen Speicherglieder bzw. zeitlich verzögernde Glieder,
kann die Schwingspannung eine abweichende Frequenz sowie abweichende Spitzenbeträge
gegenüber der treibenden Spannung aufweisen. Im Bereich des Nulldurchganges der resultierenden
Spannung sind jeweils die geringsten Überspannungen bei einem Schaltvorgang anzunehmen.
Daher werden die Nulldurchgänge der resultierenden Spannung als bevorzugte Schaltzeitpunkte
ausgewählt.
[0013] Vorteilhafterweise kann weiterhin vorgesehen sein, dass für den Schaltzeitpunkt die
Nähe eines Nulldurchganges der resultierenden Spannung gewählt wird, an welchem die
treibende Spannung und die Schwingspannung Anstiege mit gleichem Richtungssinn aufweisen.
[0014] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung kann vorsehen, dass für den Schaltzeitpunkt
die Nähe eines Nulldurchganges der resultierenden Spannung gewählt wird, an welchem
die treibende Spannung einen negativen Anstieg und der Schwingstrom eine positive
Polarität oder die treibende Spannung einen positiven Anstieg und der Schwingstrom
eine negative Polarität aufweisen.
[0015] Die resultierende Spannung weist eine vergleichsweise große Anzahl von Spannungsnulldurchgängen
auf. Dabei hat sich gezeigt, dass einige dieser Spannungsnulldurchgänge einen günstigeren
Schaltzeitpunkt darstellen als andere. Ein Kriterium zur Auswahl der geeignetsten
Spannungsnulldurchgänge der resultierenden Spannung stellen die Anstiege der treibenden
Spannungen sowie die Anstiege der Schwingspannungen dar. Weisen die Anstiege der treibenden
Spannung sowie der Schwingspannung zu einem Nulldurchgang der resultierenden Spannung
den gleichen Richtungssinn auf, so ist dieser Nulldurchgang besonders als Schaltzeitpunkt
geeignet. Gleiche Anstiege bedeutet hierbei, dass die treibende sowie die Schwingspannung
jeweils einen positiven Anstieg oder jeweils einen negativen Anstieg aufweisen. Darüber
hinaus kann auch der zahlenmäßige Betrag des Anstieges in die Auswertung mit einbezogen
werden und dadurch eine genauere Festlegung des Schaltzeitpunktes erfolgen.
[0016] Da in dem Schwingkreis die Schwingspannung und der von der Schwingspannung getriebene
Schwingstrom miteinander im Verhältnis stehen und ineinander rechnerisch umgewandelt
werden können, ist statt der Auswertung der Anstiege der Schwingspannung auch eine
Auswertung der Polarität des Schwingstromes möglich. Ein besonders geeigneter Zeitschaltpunkt
ist ein Nulldurchgang der resultierenden Spannung, an welchem die treibende Spannung
einen negativen Anstieg und der Schwingstrom eine positive Polarität aufweist, oder
an welchem die treibenden Spannung einen positiven Anstieg und der Schwingstrom eine
negative Polarität aufweist. Bei einem Wechsel der Auswertung der Schwingspannungen
auf den Schwingstrom, ist auf eine Auswertung der Polarität zu wechseln, da aufgrund
der im Schwingkreis enthaltenen Induktivitäten bzw. Kapazitäten eine Verschiebung
zwischen Strom- und Spannungsverlauf um ca. 90 Grad innerhalb eines Wechselspannungssystemes
bewirkt wird.
[0017] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung kann vorsehen, dass der Schwingstrom durch
eine Kompensationsdrossel fließt.
[0018] In Elektroenergieübertragungsnetzen sind beispielsweise Freileitungen im Einsatz.
Zwischen der hochspannungsführenden Freileitung und dem unterhalb der Freileitung
liegenden Erdpotential bildet sich eine Kondensatoranordnung aus. Dadurch kann die
Freileitung als Kondensator wirken und es ist eine entsprechende Ladeleistung in die
Freileitung einzubringen. Um diese Ladeleistung zu begrenzen, kann man im Verlauf
der Freileitung so genannte Kompensationsdrosseln anordnen. Diese Kompensationsdrosseln
sind Spulen, die eine entsprechende Induktivität aufweisen, und die durch die Freileitung
erzeugte kapazitive Last kompensieren. Diese Drosseln können verschiedenartig ausgestaltet
sein, so sind sie beispielsweise bedarfsweise gegen Erde schaltbar, oder auch in ihrer
Induktivität veränderbar. Bevorzugterweise kommen zuschaltbare Drosseln am Anfang
sowie am Ende einer Freileitung zum Einsatz. Alternativ können derartige Konstellationen
auch in Erdkabelnetzen auftreten, in welchen sich zwischen dem elektrischen Leiter
und dem Kabelmantel ein entsprechender kapazitiver Widerstandsbelag ausbildet. Durch
die Kompensationsdrossel wird die Größe des Schwingstromes in dem zweiten Leitungsabschnitt
mitbestimmt. Aufgrund der real vorliegenden Bauteile und dem aufgrund des verwendeten
Leitermaterials vorhandenen ohmschen Widerstandes kommt es zu Wirkwiderstandsverlusten,
Ummagnetisierungsverlusten usw., so dass der Schwingstrom bzw. die Schwingspannung
in dem zweiten Leitungsabschnitt gedämpft wird.
[0019] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltungsvariante kann vorsehen, dass der zeitliche
Verlauf der Schwingspannung und/oder des Schwingstromes mittels einer Prony-Methode
ermittelt wird.
[0020] Bei einem eingeschalteten Schaltgerät ist die Unterbrecherstrecke geschlossen. Der
erste Leitungsabschnitt mit der treibenden Spannung treibt einen Strom in den zweiten
Leistungsabschnitt. Die treibende Spannung wird beispielsweise mittels eines Generators
in einem Kraftwerk erzeugt. Aufgrund der sich aufprägenden treibenden Spannung breitet
sich diese auch im zweiten Leitungsabschnitt aus. Im zweiten Leitungsabschnitt sind
typischerweise Verbraucher angeschlossen. Dies können beispielsweise Motoren, Heizgeräte
oder auch komplette Netzabschnitte, wie industrielle Abnehmer oder eine große Anzahl
von Haushalten sein. Nach einem Ausschaltvorgang liegt die treibende Spannung nunmehr
nur noch in dem ersten Leitungsabschnitt vor, da die Unterbrecherstrecke geöffnet
ist und die treibende Spannung sich nicht mehr in dem zweiten Leitungsabschnitt ausbreiten
kann. In dem ersten Leitungsabschnitt sind typischerweise energieerzeugende Einrichtungen
vorhanden, beispielsweise treibende Versorgungsnetze mit entsprechenden Generatoren
bzw. Kraftwerken. In dem zweiten Netzabschnitt stellt sich, entsprechend seiner Konstellation
mit ohmschen, induktiven bzw. kapazitiven Anteilen aufgrund der schlagartigen Auftrennung
der Unterbrecherstrecke und der damit verbundenen zeitlichen Änderungen, eine Schwingspannung
ein, die einen Schwingstrom treibt. Die Ermittlung des zeitlichen Verlaufes der treibenden
Spannung ist dabei relativ einfach, da von einem starren Netz ausgegangen werden kann,
bei dem die treibende Spannung die prägende Größe ist, die annähernd konstant bleibt.
Problematischer gestaltet sich die Ermittlung des Verlaufes von Schwingstrom bzw.
Schwingspannung in dem Schwingkreis. Um einen entsprechend zeitlichen Vorlauf zu haben
ist es wünschenswert, aus innerhalb eines kurzen Intervalles ermittelten Messwerten
eine zuverlässige Voraussage des Verlaufes für ein oder mehrere in der Zukunft liegende
Intervalle vorherzubestimmen. Dafür kann beispielsweise eine Prony-Methode eingesetzt
werden.
[0021] Die Prony-Methode bietet gegenüber weiteren Verfahren, beispielsweise einer Laplace-Transformation
den Vorteil, aus einer geringen Anzahl von Messwerten eine vergleichsweise genaue
Vorhersage von weiteren Spannungs- bzw. Stromverläufen zu ermöglichen.
[0022] Die Prony-Methode eignet sich zur Realisierung eines gesteuerten Schaltens in besonderer
weise, da im Vergleich zur Fourier-Transformation der Abtastzeitraum der vorliegenden
Spannungs- und/oder Stromdaten von der zu erwartenden Grundschwingung unabhängig ist.
Weiterhin sind bei Verwendung der Prony-Methode die Phasenverschiebung und die Dämpfung
der einzelnen Frequenz-Anteile beliebig erfassbar. Zur Anwendung der Prony-Methode
sind zunächst vorliegende Spannungs-und/oder Stromdaten zu verschiedenen Zeitpunkten
in dem elektrischen Netz zu ermitteln. Dazu wird von N komplexen Datenpunkten
x[1],...
x[
N] eines beliebigen sinusförmigen oder exponentiell gedämpften Ereignis ausgegangen.
Diese Datenpunkte müssen äquidistante Datenpunkte sein. Dieser abgetastete Vorgang
kann durch eine Summation von
p exponentiellen Funktionen beschrieben werden

wobei
T - Abtastperiode in s
Ak - Amplitude des komplexen Exponenten
αk - Dämpfungsfaktor in s-1
fk - Frequenz der Sinusschwingung in Hz
θk - Phasenverschiebung in Radiant
ist. Im Falle eines real abgetasteten Verlaufes zerfallen die komplexen Exponenten
in konjugiert komplexe Paare mit gleicher Amplitude. Dies reduziert die Gl. (2.1)

für 1≤
n≤
N. Wenn die Anzahl der exponentiellen Funktionen
p gerade ist, dann existieren
p/2 gedämpfte Kosinusfunktionen.
[0023] Ist die Anzahl ungerade, dann existieren (
p-1)/2 gedämpfte Kosinusfunktionen und eine sehr schwach gedämpfte Exponentialfunktion.
[0025] Der Parameter
hk ist die komplexe Amplitude und stellt einen zeitunabhängigen Konstante dar. Der komplexe
Exponent
zk ist ein zeitabhängiger Parameter.
[0026] Um einen realen Vorgang mit Hilfe einer Summation nachbilden zu können, ist es notwendig,
den mittleren quadratischen Fehler ρ über
N abgetastete Datenpunkte zu minimieren.

[0027] Diese Minimierung erfolgt unter Berücksichtigung der Parameter
hk, zk und
p. Dies führt zu einem schwierigen nichtlinearen Problem, auch wenn die Anzahl
p der exponentiellen Funktionen bekannt ist [vgl.
Marple, Lawrence: Digital Spectral Analysis. London: Prentice-Hall International,
1987]. Eine Möglichkeit wäre ein iteratives Lösungsverfahren (Newton - Verfahren). Dies
würde allerdings große Rechenkapazitäten voraussetzen, weil oft Matrizen invertiert
werden müssen, welche meist größer als die Anzahl der Datenpunkte sind. Für eine effiziente
Lösung dieses Problems dient die Prony Methode, welche lineare Gleichungen für die
Lösung benutzt. Bei dieser Methode wird der nichlineare Aspekt der exponentiellen
Funktionen mit Hilfe einer polynomischen Faktorisierung berücksichtigt. Für diese
Art der Faktorisierung existieren schnelle Lösungsalgorithmen.
Die Prony-Methode
[0028] Für die Approximation eines Verlaufes ist es notwendig, so viele Datenpunkte aufzunehmen,
um die Parameter eindeutig zu bestimmen. Dies bedeutet, dass jeweils
x[1],...,
x[2
p] komplexe Datenpunkte mindestens benötigt werden.

[0029] Man beachte, dass
x[
n] verwendet wurde anstatt
y[
n]. Dies geschieht, weil exakt 2
p komplexe Datenpunkte benötigt werden, welche dem exponentiellen Modell mit den 2
p komplexen Parametern
hk und
zk entsprechen. Dieser Zusammenhang wird in Gl. (2.6) durch die Minimierung des quadratischen
Fehlers ausgedrückt.
[0030] In Gl. (2.8) wurde das Ziel des Prony Algorithmus dargestellt. Eine ausführlichere
Darstellung der Gleichung für 1≤n≤
p ist in Gl. (2.9) dargestellt.

[0031] Bei Kenntnis der Elemente
z innerhalb der Matrix ergebe sich eine Anzahl linearer Gleichungen, mit welchen man
den komplexen Amplitudenvektor
h berechnen kann.
[0032] Als Ansatz des Lösungsverfahrens wird davon ausgegangen, dass Gl. (2.8) die Lösung
einer homogenen linearen Differenzengleichung mit konstanten Koeffizienten ist. Um
die entsprechende Gleichung zur Lösung zu finden wird als erstes ein Polynom Φ(
z) vom Grade
p definiert.

[0033] Der zu bestimmende Parameter
z gibt die Nullstellen des Polynoms an.
[0034] Eine Darstellung des Polynoms als Summation erfolgt mit Hilfe des Fundamentalsatzes
der Algebra (Gl. 2.11). Der Koeffizient
a[
m] ist komplex und es wird
a[0] = 1 definiert.

[0035] Mit Hilfe einer Verschiebung der Indizes der Gl. (2.8) von
n zu
n-m und Multiplikation mit dem Parameter
a[
m] erhält man.

[0036] Werden einfache Produkte (
a[0]x[
n]
,...,a[
m-1]
x[
n-
m+1]) gebildet und diese summiert ergibt sich aus Gl. (2.12)

[0037] Durch eine Umformung der rechten Seite der Gl. (2.13) ergibt sich

[0038] Durch die Substitution

erhält man

[0039] In dem rechten Teil der Summation erkennt man das Polynom aus Gl. (2.11) wieder.
Durch eine Bestimmung aller Wurzeln
zk erhält man die gesuchten Nullstellen. Die Gl. (2.15) ist die gesuchte lineare Differenzengleichung,
deren Lösung die Gl. (2.8) ist. Das Polynom (2.11) ist die charakteristische Gleichung
zu der Differenzengleichung.
[0040] Die
p - Gleichungen repräsentieren die zulässigen Werte für
a[
m]
, welche die Gl. (2.15) lösen.

[0041] In Gl. (2.16) existieren
p - Unbekannte. Die Matrix
x besteht aus
p+1 - Zeilen und Spalten. Die Gl. (2.16) ist also überbestimmt. Um einen Lösungsvektor
zu erhalten wird die obere Zeile der Matrix
x, und so auch der bekannte Koeffizient
a[0], qestrichen und die erste Spalte subtrahiert.

[0042] Mit Hilfe der
p - Gleichungen können die
p - Unbekannten bestimmt werden.
[0043] Die Prony-Methode kann so in drei Schritten zusammengefasst werden.
[0044] Lösung der Gl. (2.17) ⇒ Erhalt der Koeffizienten des Polynoms (2.11)
[0045] Berechnung der Wurzeln des Polynoms Gl. (2.11) ⇒ Erhalt des zeitabhänigen Parameters
zk aus Gl (2.8) ⇒ Berechnung der Dämpfung und Frequenz aus
z

[0046] Aufstellung der Gl. (2.9) ⇒ Auflösung nach
h ⇒ Berechnung der Amplitude und der Phasenverschiebung

[0047] Für eine Estimation des zukünftigen Zeitverlaufs ist es nicht notwendig die einzelnen
Parameter zu bestimmen. Die "Vorausschau" des weiteren Verlaufs des Eingangssignals
ist auch möglich mit Hilfe der Parameter
zk und
hk, der Gl. (2.8) und eine Änderung der Variablen
n, welche den zu estimierenden Zeitbereich wiederspiegelt. Bei einer Veränderung der
Zeitschrittweite der Estimation gegenüber der Abtastung müssen aber die Parameter
Dämpfung, Frequenz, Amplitude und Phasenverschiebung explizit bestimmt werden.
[0048] Ein weiterer Vorteil der Prony-Methode für die Analyse von Strom- und/oder Spannungsverläufen
ist, dass sie auch für höherfrequente Vorgänge anwendbar ist. Unter höherfrequenten
Vorgängen sind Vorgänge zu verstehen, die im Bereich von 100-700 Hz schwingen. Der
betriebsfrequente Bereich umfasst die Frequenzen zwischen 24 und 100 Hz. Unter 24
Hz sind die niederen Frequenzen zu verstehen. Hochfrequente Vorgänge entstehen beispielsweise
beim Schalten von Schaltgeräten. Die hochfrequenten Anteile überlagern die Grundschwingung.
[0049] Weiterhin kann vorteilhafterweise vorgesehen sein, dass zur Verarbeitung der ermittelten
Spannungs- und/oder Stromdaten eine modifizierte Prony-Methode verwendet wird.
[0050] Die modifizierte Prony-Methode weist Ähnlichkeit mit dem Maximum-Likelihood Prinzip
(Gaußsches Prinzip der kleinsten Quadrate) auf. Bei der Berechnung wird von einem
festen p (Anzahl der exponentiellen Funktionen, siehe oben) ausgegangen. Während der
Berechnung wird ein Iterationsverfahren durchgeführt, wodurch die Genauigkeit der
vorauszubestimmenden Spannungs- und/oder Stromverläufe optimiert wird. Durch Festlegung
von Toleranzgrenzen für die Optimierung ist der Grad der Genauigkeit der Vorausbestimmung
variierbar. Je nach Bedarf ist dadurch die notwendige Rechenzeit verminderbar. Die
modifizierte Prony-Methode ist in
Osborne, Smyth: A modified Prony Algorithm for fitting functions defined by difference
equations, SIAM Journal of Scientific and Statistical Computing, Vol. 12, 362-382,
March 1991 ausführlich vorgestellt. Die modifizierte Prony-Methode ist gegenüber einem "Rauschen"
der aus dem elektrischen Energienetz ermittelten Spannungs- und/oder Stromdaten unempfindlich.
Ein derartiges "Rauschen" ist bei der Verwendung von realen Bauteilen zur Ermittlung
der Spannungs- und/oder Stromdaten unvermeidbar. Derartige Störungen können nur mit
einem unverhältnismäßig hohen Aufwand minimiert werden. Durch die Robustheit gegenüber
einem "Rauschen" der Eingangssignale ist bei Verwendung der modifizierten Prony-Methode
der Einsatz von kostengünstigen Messgeräten zur Ermittlung der vorliegenden Spannungs-und/oder
Stromdaten in dem elektrischen Netz möglich.
[0051] Es kann vorgesehen sein, eine Vorrichtung zur Durchführung der oben beschriebenen
Verfahren vorzusehen, welche Mittel zur automatisierten Verarbeitung der Spannungs-
und/oder Stromdaten unter Verwendung der Prony-Methoden aufweist.
[0052] Da die betrachteten Vorgänge in Intervallen von einigen wenige Millisekunden ablaufen,
erweist sich eine Vorrichtung mit Mitteln zur automatisierten Verarbeitung der Spannungs-und/oder
Stromdaten als vorteilhaft. Um diese automatisierte Verarbeitung besonders rasch durchzuführen,
kann vorgesehen sein, dass die Mittel zur automatisierten Verarbeitung verdrahtungsprogrammiert
ausgeführt sind. Derartige Schaltungen sind als anwendungsspezifische integrierte
Schaltkreise "ASIC" bekannt. Sollten jedoch hinreichend schnelle Mittel zur automatisierten
Verarbeitung zur Verfügung stehen, so können diese speicherprogrammierbar ausgeführt
sein. Derartige speicherprogrammierbare Mittel zur automatisierten Verarbeitung können
in einfacher Weise durch Neuprogrammierungen an wechselnde Rahmenbedingungen angepasst
werden.
[0053] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung kann vorsehen, dass die über der Unterbrecherstrecke
nach einem Ausschaltvorgang anliegende Spannung der resultierenden Spannung entspricht.
[0054] Die Unterbrecherstrecke muss bei einem Ein- bzw. Ausschaltvorgang jeweils möglichst
rasch einen Impedanzwechsel von einem idealerweise unendlich großen Impedanz zu einer
unendlich kleinen Impedanz bzw. umgekehrt, bewirken. Idealerweise sollte dies sprungartig
entstehen. Bei den vorliegenden technischen Systemen ist dies jedoch nicht so. Im
Hochspannungsbereich werden Schaltelemente mit relativ zueinander bewegbaren Kontaktstücken
eingesetzt, die sich innerhalb eines Isoliergases befinden. Dieses Isoliergas ist
vorzugsweise Schwefelhexafluorid, welches unter einem erhöhten Druck steht. Bei einem
Einschaltvorgang kommt es beispielsweise bereits vor dem galvanischen Berühren der
relativ zueinander bewegbaren Kontaktstücke zu dem Einsetzen eines Vorüberschlages.
Bei einem Ausschaltvorgang ist nach dem Erlöschen eines Ausschaltlichtbogens, welcher
sich nach der körperlichen Trennung der relativ zueinander bewegbaren Kontaktstücke
einstellen kann, eine gewisse wiederverfestigungszeit nötig, in welcher in der Schaltstrecke
gebildetes kontaminiertes Lichtbogenlöschgas aus der Schaltstrecke entfernt wird und
durch unverseuchtes Isoliergas ersetzt wird.
[0055] Die resultierende Spannung, welche sich über der Unterbrecherstrecke ausbildet, ergibt
sich aus der auf der einen Seite der Unterbrecherstrecke anliegenden treibenden Spannung
und aus der auf der an der anderen Seite der Unterbrecherstrecke anliegenden Schwingspannung.
Da, wie vorstehend ausgeführt, bei dem Auftreten von Schwingungsvorgängen in dem Schwingkreis
zeitliche Verzögerungen auftreten, können sich so über der Unterbrecherstrecke wesentlich
höhere Spannungsbeträge auftreten, als die Bemessungsspannung der treibenden Spannung
vermuten lässt. Daher stellt die resultierende Spannung, die sich über der Unterbrecherstrecke
des elektrischen Schaltgerätes einstellt, eine wesentliche Größe dar, die der Festlegung
eines Schaltzeitpunktes eines elektrischen Schaltgerätes dient. Auch eine Spannungsüberhöhung
muss von dem elektrischen Schaltgerät sicher beherrscht werden.
[0056] Vorteilhafterweise kann dabei weiter vorgesehen sein, dass bei der Bestimmung des
Schaltzeitpunktes die Vorüberschlagscharakteristik des Schaltgerätes berücksichtigt
wird.
[0057] Neben der Festlegung eines vorteilhaften Schaltzeitpunktes ist zu beachten, dass
reale Schaltgeräte eine Vorüberschlagscharakteristik aufweisen. Bevor es zu einer
Berührung zweier relativ zueinander bewegbarer Kontaktstücke kommt, wird das zwischen
den Kontaktstücken liegende Isoliermedium bereits von einem Lichtbogen durchschlagen.
In welcher Weise ein Leistungsschalter zu einem Vorüberschlag neigt, ist von der Konstruktion
und von dem Verlauf der Schaltbewegung abhängig. Idealerweise sollte dieser Vorüberschlag
nicht vorhanden sein, das heißt, jeweils zu dem gezielt angesteuerten Kontaktierungszeitpunkt
erfolgt eine mechanische Kontaktierung der Kontaktstücke und eine Schließung des Stromkreises.
Diese Idealvorstellung kann in der Praxis jedoch nicht erreicht werden, so dass zu
einem Schaltgerät eine so genannte Vorüberschlagskennlinie existiert. Diese weist
eine gewisse Steilheit auf und lässt gegebenenfalls einen Schnittpunkt zwischen der
Kennlinie und dem Spannungsverlauf erkennen. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt ein Vorüberschlag
auch bei noch nicht in galvanischem Kontakt befindlichen Kontaktstücken.
[0058] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung kann vorsehen, dass bei einer voranschreitenden
Dämpfung der Schwingspannung und /oder des Schwingstromes der Schaltzeitpunkt in der
Nähe eines beliebigen Nulldurchganges der resultierenden Spannung festgelegt wird.
[0059] Aufgrund der in dem Schwingkreis enthaltenen realen Bauelemente, wie Kondensatoren,
Spulen und ohmschen Widerständen, tritt eine Dämpfung der Schwingspannung bzw. des
Schwingstromes in dem Schwingkreis auf. Ist die Dämpfung derartig stark, dass eine
messtechnische Erfassung nicht mehr sinnvoll möglich ist, so kann auf die Auswertung
der Anstiege der Schwingspannung bzw. der treibenden Spannung bzw. der Polarität des
Schwingstromes verzichtet werden. Um ein rasches Schalten zu ermöglichen, wird dann
nur noch auf die Nulldurchgänge der resultierenden Spannung abgestellt und zum nächstmöglichen
Nulldurchgang der resultierenden Spannung geschaltet. Bei einer fortgeschrittenen
Dämpfung der Schwingspannung bzw. des Schwingstromes sind die Auswirkungen einer Überhöhung
der Spannung über der Unterbrecherstrecke des elektrischen Schaltgerätes zu vernachlässigen.
[0060] Weiterhin kann vorteilhafterweise vorgesehen sein, dass der Schaltzeitpunkt für einen
Einschaltvorgang des elektrischen Schaltgerätes genutzt wird.
[0061] In Elektroenergieübertragungsnetzen sind so genannte Schutzgeräte eingesetzt, die
bei einem auftretenden Fehler automatisch einen Ausschaltvorgang eines elektrischen
Schaltgerätes initiieren. Oftmals sind diese Ausschaltvorgänge durch sporadisch auftretende
Fehler ausgelöst. Einige sporadisch auftretende Fehler gestatten ein schnelles Wiedereinschalten.
Ein typischer sporadischer Fehler ist beispielsweise im Bereich von Freileitungen
angesiedelt. Ein Gegenstand, beispielsweise ein Ast eines Baumes, löst einen Kurzschluss
auf der Leitung aus. Das kurzschlussauslösende Ereignis ist jedoch nur von kurzer
zeitlicher Dauer, so dass nach dem Abklingen des Fehlers (Luftisolation zwischen den
Leitungen und dem Ast ist wieder hergestellt, Kurzschlussereignis ist vorüber) eine
Wiedereinschaltung der Leitung erfolgen kann. Derartige Einschaltungen sind auch als
automatische Wiedereinschaltungen (AWE) bekannt. Diese automatischen Wiedereinschaltungen
werden in Zeitintervallen von 300 bis ca. 500 ms vollzogen, das heißt, nach einem
erfolgten Ausschalten des elektrischen Schaltgerätes wird innerhalb einer Zeit von
maximal 300 (500) ms eine automatische Wiedereinschaltung des Schaltgerätes initiiert.
Aufgrund des verhältnismäßig kurzen Intervalls können sich innerhalb des dabei entstehenden
Schwingkreises hohe Schwingspannungen bzw. Schwingströme ausbilden. Insbesondere für
die automatische Wiedereinschaltung und bzw. das Einschalten eines Schaltgerätes kurz
nach erfolgter Ausschaltung ist die Bestimmung eines geeigneten Schaltzeitpunktes
von Bedeutung, um Überschläge aufgrund von Spannungsüberhöhungen an der Unterbrecherstrecke
des elektrischen Schaltgerätes zu vermeiden. Überspannungen begrenzende Widerstände
an dem elektrischen Schaltgerät sind nicht mehr nötig bzw. können diese kleiner dimensioniert
werden.
[0062] Weiterhin bezieht sich die Erfindung auch auf eine Vorrichtung zur Durchführung der
eingangs genannten Verfahren.
[0063] Der Erfindung stellt sich hier die Aufgabe eine Vorrichtung anzugeben, die eine Auswahl
eines Schaltzeitpunktes ermöglicht.
[0064] Erfindungsgemäß wird dies bei einer Vorrichtung zur Durchführung eines Verfahrens
gemäß den Patentansprüchen 1 bis 11 dadurch gelöst, dass die Vorrichtung eine Einrichtung
zum Vergleichen des Anstieges der treibenden Spannung und der Schwingspannung und/oder
der Polarität des Schwingstromes aufweist.
[0065] Eine Einrichtung zum Vergleichen des Anstieges der treibenden Spannung und der Schwingspannung
bzw. der Polarität des Springstromes gestattet eine einfache Auswahl der potentiellen
Schaltzeitpunkte zu den Spannungsnulldurchgängen der resultierenden Spannung. Das
Ergebnis eines derartigen Vergleiches kann beispielsweise eine Ja- oder Nein-Entscheidung
bezüglich der Zulässigkeit eines Schaltvorganges sein.
[0066] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden schematisch in den Figuren dargestellt
sowie nachfolgend näher beschrieben.
[0067] Dabei zeigt die
- Figur 1
- eine prinzipielle Darstellung eines Spannungsver- laufes mit optimalen Schaltzeitpunkten,
die
- Figur 2
- einen schematischen Aufbau eines Elektroenergie- übertragungsnetzes, die
- Figur 3
- die Verläufe zweier verschiedener resultierender Spannungen, die
- Figur 4
- einen Verlauf von verschiedenen Spannungen und Strömen, die
- Figur 5
- einen Verlauf verschiedener Spannungen, die
- Figur 6
- zeigt den zeitlichen Ablauf zur Ermittlung eines zukünftigen Spannungs-/Stromverlaufes,
die
- Figur 7
- zeigt die Berücksichtigung einer Vorüberschlagscha- rakteristik bei einer kapazitiven
Belastung, die
- Figur 8
- zeigt die Nutzung einer Vorüberschlagskennlinie bei einer induktiven Belastung einer
Unterbrecherstre- cke eines elektrischen Schaltgerätes und die
- Figur 9
- eine Einrichtung zum Vergleich von Ausliegen von Spannungsverläufen.
[0068] Die Figur 1 zeigt beispielhaft einen sinusförmigen Verlauf einer Wechselspannung
mit einer Frequenz von 50 Hz. Um das Entstehen von Überspannungen zu vermeiden, sollten
induktive Lasten jeweils möglichst im Spannungsmaximum eines sinusförmigen Spannungsverlaufes
geschaltet werden (Zeitpunkte 5 ms, 15 ms). Kapazitive Lasten hingegen sollten jeweils
während eines Spannungsnulldurchganges geschaltet werden, um Ladevorgänge an einem
Kondensator zu vermeiden (Zeitpunkte 0 ms, 10 ms, 20 ms).
[0069] Bei einem realen Elektroenergieübertragungsnetz ist nunmehr nur in Ausnahmefällen
ein ideales Auftreten von sinusförmigen Spannungsverläufen zu beobachten.
[0070] In der Figur 2 ist ein prinzipieller Aufbau eines Leitungsabschnittes innerhalb eines
Elektroenergieübertragungsnetzes dargestellt. Ein elektrisches Schaltgerät weist eine
Unterbrecherstrecke 1 auf. Die Unterbrecherstrecke ist beispielsweise aus zwei relativ
zueinander bewegbaren Kontaktstücken gebildet. Über die Unterbrecherstrecke 1 sind
ein erster Leitungsabschnitt 2 sowie ein zweiter Leitungsabschnitt 3 miteinander zusammenschaltbar
bzw. auftrennbar. Der erste Leitungsabschnitt 2 weist einen Generator 4 auf. Der Generator
4 liefert eine treibende Spannung, die beispielsweise eine 50 Hz Wechselspannung eines
Mehrphasenspannungssystems ist. Der zweite Leitungsabschnitt 3 weist eine Freileitung
5 auf. Die Freileitung 5 ist an ihrem ersten Ende mit einer ersten Drossel 6 gegen
Erdpotential 7 und an ihrem zweiten Ende über eine zweite Drossel 8 gegen Erdpotential
7 verschaltbar. Zusätzlich kann auch vorgesehen sein, eine weitere Drossel 9 zu der
zweiten Drossel 8 zu verschalten. Durch verschiedene Schalteinrichtungen 10 sind die
Drosseln 6, 8, 9 in verschiedenen Varianten gegen das Erdpotential 7 verschaltbar.
Dadurch ist es möglich, in Abhängigkeit der Lastsituation die Freileitung 5 mit verschiedenen
Graden zu kompensieren. So kann der kapazitive Widerstand

der Freileitung durch den induktiven Widerstand X
L (X
L = j·ω·L) der Drosseln überkompensiert oder auch unterkompensiert werden. Über das
Verhältnis des kapazitiven Widerstandes X
c der Freileitung und des induktiven Widerstandes X
Lres aller Drosseln, ist ein Kompensationsgrad k ermittelbar. Zur Einstellung des Kompensationsgrades
k sind die Drosseln 6, 8 9 verschieden zueinander schaltbar. Es kann jedoch auch vorgesehen
sein, dass die Drosseln einen verstellbaren induktiven Widerstand X
L aufweisen. Dazu sind beispielsweise Tauchkerndrosseln einsetzbar.
[0071] In dem zweiten Leitungsabschnitt 3 ist nach einem Öffnen der Unterbrecherstrecke
1 über das Erdpotential 7 ein Schwingkreis ausbildbar. Zur Ausbildung eines Schwingkreises
in dem zweiten Leitungsabschnitt 3 müssen entsprechende Strompfade über die Schalteinrichtungen
10 gegen Erdpotential 7 ausgebildet werden. Über die induktiven und kapazitiven Widerstände
bildet sich ein Schwingkreis aus und in dem Schwingkreis kann ein Schwingstrom fließen,
der von einer Schwingspannung getrieben ist.
[0072] In der Figur 3 sind beispielhaft die sich über der Unterbrecherstrecke 1 ausbildenden
resultierenden Spannungsverläufe bei unterschiedlichen Kompensationsgraden dargestellt.
Bei einer Kompensation von k = 0,8 stellt sich ein bestimmter Frequenzverlauf ein,
der eine Vielzahl von Spannungsnulldurchgängen aufweist. Dieser Frequenzverlauf weist
eine Schwebung auf. Bei einer Kompensation von 0,3 stellt sich ein entsprechend abweichender
Frequensverlauf ein, welcher jedoch wiederum eine Vielzahl von Spannungsnulldurchgängen
aufweist.
[0073] Bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens können die bisher für die Begrenzung
von Überspannungen vorgesehenen Einschaltwiderstände verkleinert werden bzw. es kann
vollständig auf diese verzichtet werden. Aufgrund der Bestimmung eines optimalen Wiedereinschaltzeitpunktes
sind so bessere Schaltergebnisse zu erzielen, das heißt, es treten geringere transiente
Überspannungen auf, als bei einem beliebig gesteuerten Zuschalten eines elektrischen
Schaltgerätes mit Einschaltwiderständen.
[0074] Die Figur 4 zeigt eine Auswertung und eine Bestimmung eines Schaltzeitpunktes eines
elektrischen Schaltgerätes unter Nutzung der treibenden Spannung A, der Schwingspannung
B, der resultierenden Spannung C sowie des Schwingstromes D. Die treibende Spannung
A schwingt mit konstanter Frequenz und konstanter Amplitude. Die sich in dem Schwingkreis
auf dem zweiten Leitungsabschnitt 3 einstellende Schwingspannung B schwingt mit einer
bestimmten Frequenz, wobei diese variabel ist und mit variablen Amplituden. Diese
Veränderlichkeit ist dadurch bedingt, dass eine Dämpfung im System auftritt und dass
zusätzliche Überlagerungen äußerer Einflüsse auftreten können. Aus der Überlagerung
der auf dem ersten Leitungsabschnitt 2 anliegenden treibenden Spannung A und der in
dem zweiten Leitungsabschnitt 3 sich einstellenden Schwingspannung B entsteht ein
zeitlicher Verlauf einer resultierenden Spannung C. Die resultierende Spannung C entspricht
der über der geöffneten Unterbrecherstrecke anliegenden Spannung. Deutlich zu erkennen
ist in der Figur 4, dass die resultierende Spannung C mit deutlich variabler Amplitude
schwingt und es eine Phasenverschiebung sowohl bezüglich der treibenden Spannung A
als auch der Schwingspannung B gibt. Potentielle Schaltzeitpunkte sind an den Spannungsnulldurchgängen
der resultierenden Spannung C vorhanden. Die Spannungsnulldurchgänge sind zur besseren
Erkennbarkeit im Verlauf der resultierenden Spannung C mit Kreuzen markiert. Es sind
jedoch nicht alle Spannungsnulldurchgänge der resultierenden Spannung C für einen
Wiedereinschaltvorgang der Unterbrecherstrecke 1 geeignet. Als Auswahlkriterien wird
bei den in der Figur 4 dargestellten Beispielen die Polarität des Schwingstromes D
mit hinzugezogen. Zur besseren Erkennbarkeit ist die Polarität des Schwingstromes
D jeweils mit einem Plus bzw. einem Minus in den entsprechenden Intervallen zwischen
den Stromnulldurchgängen des Schwingstromes D markiert. Zum ersten Spannungsnulldurchgang
der resultierenden Spannung D liegt eine positive Polarität des Schwingstromes D sowie
ein positiver Anstieg der treibenden Spannung A vor, das heißt, der erste Spannungsnulldurchgang
1 der resultierenden Spannung C ist nicht für einen Einschaltvorgang geeignet. Zum
vierzehnten Spannungsnulldurchgang der resultierenden Spannung C liegt ein negativer
Anstieg der treibenden Spannung A vor und der Schwingstrom D weist eine positive Polarität
auf, das heißt unter den Spannungsnulldurchgängen ist der vierzehnte Spannungsnulldurchgang
der resultierenden Spannung C für einen Wiedereinschaltvorgang besonders geeignet.
Der erste und der vierzehnte Spannungsnulldurchgang sind hierbei nur beispielhaft
herangezogen. Darüber hinaus können auch noch weitere Spannungsnulldurchgänge besonders
geeignet sein, um einen Einschaltvorgang an der Unterbrecherstrecke 1 zu bewirken.
Diese können sich innerhalb des in der Figur 4 dargestellten Intervalles befinden
oder auch außerhalb dieses Intervalles liegen.
[0075] In der Figur 5 ist ein alternatives Auswahlverfahren dargestellt, wobei A1 den zeitlichen
Verlauf der treibenden Spannung abbildet, B1 den zeitlichen Verlauf der Schwingspannung
darstellt und C1 die resultierende Spannung über der Unterbrechereinheit abbildet.
Die resultierende Spannung C1 ergibt sich aus der Potentialdifferenz zwischen den
auf der ersten Leitungsabschnitt 2 anliegenden treibenden Spannung A1 und der auf
der zweiten Leitungsabschnittseite 3 der Unterbrecherstrecke 1 anliegenden Schwingspannung
B1. Die Nulldurchgänge der resultierenden Spannung C1 stellen wiederum potentielle
Schaltzeitpunkte dar. Zur Auswahl der geeignetsten Spannungsnulldurchgänge der resultierenden
Spannung C1 werden jeweils die Anstiege (Gradienten der Steigung) zu diesen Zeitpunkten
ausgewertet. Zum Zeitpunkt t1 weisen sowohl die treibende Spannung A1 als auch die
Schwingspannung B1 einen negativen Anstieg auf, das heißt, dieser Zeitpunkt ist besonders
für einen Wiedereinschaltvorgang geeignet. Zum Zeitpunkt t2 weist die treibende Spannung
A1 einen negativen Anstieg auf und die Schwingspannung C1 weist einen positiven Anstieg
auf, das heißt, der Zeitpunkt t2 und der zu diesem Zeitpunkt eintretende Nulldurchgang
der resultierenden Spannung C1 ist nicht für einen Wiedereinschaltvorgang geeignet.
Darüber hinaus kann jeder weitere Nulldurchgang der resultierenden Spannung nach den
jeweils zugehörigen Anstiegen von treibender Spannung und Schwingspannung klassifiziert
werden, so dass sich noch weitere geeignete bzw. nicht geeignete Nulldurchgänge der
resultierenden Spannung für einen Wiedereinschaltvorgang ergeben.
[0076] In der Figur 6 ist eine zeitliche Abfolge der Abtastung X, der Berechnung Y, der
Kontrolle Z, der nochmaligen Berechnung U bzw. des Zeitintervalles für die Auslösung
V dargestellt. Um innerhalb von 300 bis ca. 500 ms beispielsweise eine automatische
Wiedereinschaltung durchführen zu können, ist der Spannungsverlauf der resultierenden
Spannung im Voraus zu ermitteln. Zu einem Zeitpunkt t = 0 ms wird hierbei ein Öffnen
der Unterbrecherstrecke des elektrischen Schaltgerätes angenommen. Innerhalb der ersten
50 ms erfolgt eine Abtastung bzw. Ermittlung des Verlaufes der treibenden Spannung
der sich einstellenden Schwingspannung bzw. des Schwingstromes und eine Ermittlung
der resultierenden Spannung in Kenntnis des Spannungsverlaufes der treibenden Spannung.
Innerhalb des Zeitintervalles von 50 bis 100 ms erfolgt eine Berechnung des zukünftigen
Verlaufes der Schwingspannung bzw. des Schwingstromes und daraus folgend ein zukünftiger
Verlauf des resultierenden Spannungsverlaufes. Innerhalb des Zeitintervalles von 100
bis 150 ms besteht die Möglichkeit, die rechnerisch ermittelten Werte für Schwingspannung,
Schwingstrom bzw. resultierender Spannung, treibender Spannung, hinsichtlich ihres
zeitlichen Verlaufes, mit den sich bereits real eingestellten Werten zu vergleichen.
Bei einer Bestätigung der rechnerisch ermittelten Werte innerhalb des für die Kontrolle
vorgesehenen Zeitfensters wird von einer korrekten Vorausberechnung der Signalverläufe
ausgegangen. Für die Berechnung sind beispielsweise eine Prony-Methode oder ähnliche
Verfahren, anwendbar. Bei der Feststellung einer fehlerhaften Vorausberechnung der
zeitlichen Verläufe steht nunmehr noch ein Zeitintervall von 150 bis 200 ms zur Verfügung,
in welchem unter Zuhilfenahme der innerhalb des Zeitintervalles von 0 bis 150 ms ermittelten
Spannungs- bzw. Stromverläufe im realen Netzwerk eine erneute Berechnung der zukünftigen
Spannungs- bzw. Stromverläufe erfolgen kann. Aufgrund des größeren Zeitintervalles
von 0 bis 150 ms und der so in größerer Anzahl vorliegender Messwerte kann von einer
genaueren Berechnung des zukünftigen zeitlichen Verlaufes der Ströme bzw. der Spannungen
ausgegangen werden. In Abhängigkeit der Spannungsnulldurchgänge der resultierenden
Spannung sowie der Anstiege der Schwingspannung und der treibenden Spannung bzw. der
treibenden Spannung und der Polarität des sich einstellenden Schwingstromes, kann
nunmehr ein idealer Schaltzeitpunkt bestimmt werden. In Abhängigkeit des Schaltzeitpunktes
ist nunmehr ein zeitlicher Vorlauf zur Abgabe eines Auslösesignales möglich, wobei
die Vorüberschlagskennlinie der verwendeten Unterbrecherstrecke 1 berücksichtigt werden
kann, so dass spätestens nach 300 bzw. 500 ms eine Wiedereinschaltung der Unterbrechereinheit
zu einem Zeitpunkt erfolgt ist, zu dem eine Überhöhung der von Spannungen innerhalb
des Elektroenergieübertragungsnetzes begrenzt ist. Ein besonders zügiges Wiedereinschalten
kann dann erfolgen, wenn die in den Figuren 4 und 5 beispielhaft dargestellten zeitlichen
Verläufe aus den innerhalb eines sehr kurzen Intervalls (50 ms oder kleiner) vorausberechnet
werden. Durch dieses Vorausbestimmen wird eine ausreichende Vorlaufzeit ermöglicht,
in welche alle notwendigen Wartezeiten oder Vorlaufzeiten eingetaktet werden können.
So ist beispielsweise die Zeit einplanbar, welche von der Erzeugung eines Auslösesignales
bis zum Anstehen des Signals an der Auslöseeinrichtung des elektrischen Schaltgerätes
mit seiner Unterbrecherstrecke 1 benötigt wird. Weiterhin kann auch die Vorüberschlagcharakteristik
der Unterbrecherstrecke 1 Berücksichtigung finden. So ist ein noch genaueres synchrones
Schalten ermöglicht.
[0077] In den Figuren 7 und 8 ist jeweils eine Vorüberschlagscharakteristik 11 der Unterbrecherstrecke
1 dargestellt. Die Vorüberschlagscharakteristik 11 ist hier vereinfacht als linearer
Verlauf dargestellt, der eine bestimmte Steilheit aufweist. In der Figur 7 ist eine
kapazitive Last, beispielsweise ein unbelastetes Kabel zu schalten. Wie in der Figur
1 dargestellt, soll eine kapazitive Last vorzugsweise innerhalb eines Spannungsnulldurchganges
geschaltet werden. In der Figur 7 weist die Spannung einen sinusförmigen Verlauf auf.
Die Vorüberschlagscharakteristik 11 ist dabei derartig steil, dass ein Schnittpunkt
des Spannungsverlaufes und der Vorüberschlagcharakteristik 11 idealerweise in einem
Spannungsnulldurchgang zusammenfallen. Bei einer entsprechend flacheren Vorüberschlagscharakteristik
11a ist ein Schnittpunkt von Vorüberschlagscharakteristik 11a und der Spannungsverlauf
etwa zum Zeitpunkt 5 ms gegeben, das heißt, bereits zu diesem Zeitpunkt würde sich
ein Vorüberschlag einstellen, dadurch wird jedoch der ideale Zeitpunkt der Einleitung
eines elektrischen Stromes zum Spannungsnulldurchgang vorverlegt. Demzufolge ist für
einen idealen Einschaltvorgang einer kapazitiven Last ein elektrisches Schaltgerät
zu verwenden, welches eine vergleichsweise steile Vorüberschlagscharakteristik aufweist.
Bei dem in der Figur 7 dargestellten Ausführungsbeispiel mit der Vorüberschlagscharakteristik
11 fallen galvanischer Kontakt der Kontaktstücke und der Vorüberschlag zum Zeitpunkt
10 ms zusammen und gestatten ein nahezu überspannungsfreies Schalten des elektrischen
Schaltgerätes.
[0078] Bei dem in der Figur 8 dargestellten Beispiel ist eine induktive Last zu schalten.
Die Vorüberschlagscharakteristik 11 ist jedoch derartig steil, dass unweigerlich ein
Schnittpunkt zwischen der Vorüberschlagscharakteristik und dem Spannungsverlauf entsteht.
Zum Zeitpunkt 5 ms wird sich zwischen den bewegten Kontaktstücken der Unterbrecherstrecke
1 ein Lichtbogen ausbilden und ein Vorüberschlag entstehen. Zum Zeitpunkt 7,6 ms wird
eine Berührung der relativ zueinander bewegbaren Kontaktstücke erfolgen.
[0079] Bei einer Koppelung des erfindungsgemäßen Verfahrens und einer Beachtung der Überschlagscharakteristik
des verwendeten elektrischen Schaltgerätes kann so das Auftreten von Schaltüberspannungen
bei einem Schaltvorgang effektiv verhindert werden.
[0080] Die Figur 9 zeigt einen prinzipiellen Aufbau einer Vorrichtung zur Durchführung des
Verfahrens.
[0081] Die Vorrichtung weist eine Einrichtung 12 zum Vergleichen der Anstiege der treibenden
Spannung A und der Schwingspannung B auf. Bei einem Eintreten von festgelegten Verhältnissen
der Anstiege zueinander wird ein Signal 13 abgegeben.
1. Verfahren zur Bestimmung eines Schaltzeitpunktes eines elektrischen Schaltgerätes
mit einer Unterbrecherstrecke (1), die zwischen einem mit einer treibenden Spannung
(A1) beaufschlagten ersten Leitungsabschnitt (2) und einem nach einem Ausschaltvorgang
des Schaltgerätes einen Schwingkreis ausbildenden zweiten Leitungsabschnitt (3) angeordnet
ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- ein zeitlicher Verlauf der treibenden Spannung (A1) nach einem Ausschaltvorgang
des elektrischen Schaltgerätes ermittelt wird,
- ein zeitlicher Verlauf einer in dem Schwingkreis nach dem Ausschaltvorgang des elektrischen
Schaltgerätes auftretenden Schwingspannung (B1) ermittelt wird,
- ein zeitlicher Verlauf einer resultierende Spannung (C1), die einer Differenz aus
der treibenden Spannung (A1) und der Schwingspannung (B1) entspricht, ermittelt wird
und
- zumindest ein Anstieg der treibenden Spannung (A1) und zumindest ein Anstieg der
Schwingspannung (B1) ausgewertet werden und in Abhängigkeit der Anstiege und des zeitlichen
Verlaufes der resultierenden Spannung (C1) ein Schaltzeitpunkt festgelegt wird.
2. Verfahren zur Bestimmung eines Schaltzeitpunktes eines elektrischen Schaltgerätes
mit einer Unterbrecherstrecke (1), die zwischen einem mit einer treibenden Spannung
(A) beaufschlagten ersten Leitungsabschnitt (2) und einem nach einem Ausschaltvorgang
des Schaltgerätes einen Schwingkreis ausbildenden zweiten Leitungsabschnitt (3) angeordnet
ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- ein zeitlicher Verlauf der treibenden Spannung (A) nach einem Ausschaltvorgang des
elektrischen Schaltgerätes ermittelt wird,
- ein zeitlicher Verlauf einer in dem Schwingkreis nach dem Ausschaltvorgang des elektrischen
Schaltgerätes auftretenden Schwingspannung (B) ermittelt wird,
- ein zeitlicher Verlauf eines in dem Schwingkreis nach dem Ausschaltvorgang des elektrischen
Schaltgerätes fließenden Schwingstromes (D) ermittelt wird,
- ein zeitlicher Verlauf einer resultierende Spannung (C), die einer Differenz aus
der treibenden Spannung (A) und der Schwingspannung (B) entspricht, ermittelt wird,
- zumindest ein Anstieg der treibenden Spannung (A) und zumindest eine Polarität des
Schwingstromes (D) ausgewertet werden und in Abhängigkeit des zumindest einen Anstieges
der treibenden Spannung (A) und der zumindest einen Polarität des Schwingstromes (D)
und des zeitlichen Verlaufes der resultierenden Spannung ein Schaltzeitpunkt festgelegt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass der Schaltzeitpunkt in der Nähe eines Nulldurchganges der resultierenden Spannung
(C, C1 liegt.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass für den Schaltzeitpunkt die Nähe eines Nulldurchganges der resultierenden Spannung
(C1) gewählt wird, an welchem die treibende Spannung (A1) und die Schwingspannung
(B1) Anstiege mit gleichem Richtungssinn aufweisen.
5. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass für den Schaltzeitpunkt die Nähe eines Nulldurchganges der resultierenden Spannung
(C) gewählt wird, an welchem die treibende Spannung (A) einen negativen Anstieg und
der Schwingstrom (D) eine positive Polarität oder die treibende Spannung (A) einen
positiven Anstieg und der Schwingstrom (D) eine negative Polarität aufweisen.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass der Schwingstrom durch eine Kompensationsdrossel (6, 8, 9) fließt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass der zeitliche Verlauf der Schwingspannung (B, B1) und/oder des Schwingstromes (D)
mittels einer Prony-Methode ermittelt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die über der Unterbrecherstrecke (1) nach einem Ausschaltvorgang anliegende Spannung
der resultierenden Spannung (C, C1) entspricht.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass bei der Bestimmung des Schaltzeitpunktes die Vorüberschlagscharakteristik des Schaltgerätes
berücksichtigt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass bei einer voranschreitenden Dämpfung der Schwingspannung (B, B1) und /oder des Schwingstromes
(D) der Schaltzeitpunkt in der Nähe eines beliebigen Nulldurchganges der resultierenden
Spannung (C, C1) festgelegt wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet, dass der Schaltzeitpunkt für einen Einschaltvorgang des elektrischen Schaltgerätes genutzt
wird.
12. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung eine Einrichtung (12) zum Vergleichen des Anstieges der treibenden
Spannung und der Schwingspannung und der Polarität des Schwingstromes aufweist.
1. Method for determining a switching time for an electrical switching device having
an interrupter gap (1) which is arranged between a first line section (2), to which
a driving voltage (A1) is applied, and a second line section (3), which forms a resonant
circuit after a disconnection process of the switching device,
characterized in that
- a time profile of the driving voltage (A1) is determined after a disconnection process
of the electrical switching device,
- a time profile of an oscillation voltage (B1) which occurs in the resonant circuit
after the disconnection process of the electrical switching device is determined,
- a time profile of a resultant voltage (C1), which corresponds to the difference
between the driving voltage (A1) and the oscillation voltage (B1), is determined,
and
- at least one rise in the driving voltage (A1) and at least one rise in the oscillation
voltage (B1) are evaluated, and a switching time is defined as a function of the rises
and the time profile of the resultant voltage (C1).
2. Method for determining a switching time for an electrical switching device having
an interrupter gap (1) which is arranged between a first line section (2), to which
a driving voltage (A) is applied, and a second line section (3), which forms a resonant
circuit after a disconnection process of the switching device,
characterized in that
- a time profile of the driving voltage (A) is determined after a disconnection process
of the electrical switching device,
- a time profile of an oscillation voltage (B) which occurs in the resonant circuit
after the disconnection process of the electrical switching device is determined,
- a time profile of an oscillation current (D) which flows in the resonant circuit
after the disconnection process of the electrical switching device is determined,
- a time profile of a resultant voltage (C), which corresponds to the difference between
the driving voltage (A) and the oscillation voltage (B), is determined, and
- at least one rise in the driving voltage (A) and at least one polarity of the oscillation
current (D) are evaluated, and a switching time is defined as a function of the at
least one rise in the driving voltage (A) and the at least one polarity of the oscillation
current (D), and the time profile of the resultant voltage.
3. Method according to Claim 1 or 2, characterized in that the switching time is in the vicinity of a zero crossing of the resultant voltage
(C, C1).
4. Method according to Claim 1 or 3, characterized in that the vicinity of a zero crossing of the resultant voltage (C1) for the switching time
is chosen at which the driving voltage (A1) and the oscillation voltage (B1) have
rises in the same direction sense.
5. Method according to Claim 2 or 3, characterized in that the vicinity of a zero crossing of the resultant voltage (C) for the switching time
is chosen at which the driving voltage (A) has a negative rise and the oscillation
current (D) has a positive polarity, or the driving voltage (A) has a positive rise
and the oscillation current (D) has a negative polarity.
6. Method according to Claim 5, characterized in that the oscillation current flows through a compensation inductor (6, 8, 9).
7. Method according to one of Claims 1 to 6, characterized in that the time profile of the oscillation voltage (B, B1) and/or of the oscillation current
(D) is determined by means of a Prony method.
8. Method according to one of Claims 1 to 7, characterized in that the voltage which occurs across the interrupter gap (1) after a disconnection process
corresponds to the resultant voltage (C, C1).
9. Method according to one of Claims 1 to 8, characterized in that the pre-arcing characteristic of the switching device is taken into account when
determining the switching time.
10. Method according to one of Claims 1 to 9, characterized in that, in the event of progressive damping of the oscillation voltage (B, B1) and/or of
the oscillation current (D), the switching time is fixed in the vicinity of any desired
zero crossing of the resultant voltage (C, C1).
11. Method according to one of Claims 1 to 10, characterized in that the switching time is used for a connection process for the electrical switching
device.
12. Apparatus for carrying out the method according to one of Claims 1 to 11, characterized in that the apparatus has a device (12) for comparing the rise in the driving voltage and
the oscillation voltage, and the polarity of the oscillation current.
1. Procédé de détermination d'un instant de commutation d'un appareil de commutation
électrique, comprenant une section ( 1 ) d'interrupteur, qui est disposée entre un
premier tronçon ( 2 ) de ligne, auquel s'applique une tension ( A1 ) d'attaque, et
un deuxième tronçon ( 3 ) de ligne formant un circuit oscillant après une opération
de mise hors circuit par l'appareil de commutation,
caractérisé en ce que
- on détermine une variation en fonction du temps de la tension ( A1 ) d'attaque,
après une opération de mise hors circuit par l'appareil de commutation électrique,
- on détermine une variation en fonction du temps d'une tension ( B1 ) d'oscillation
se produisant dans le circuit oscillant, après l'opération de mise hors circuit par
l'appareil de commutation électrique,
- on détermine une variation en fonction du temps d'une tension ( C1 ) résultante,
qui correspond à une différence entre la tension ( A1 ) d'attaque et la tension (
B1 ) d'oscillation,
- on exploite au moins une élévation de la tension ( A1 ) d'attaque et au moins une
élévation de la tension ( B1 ) d'oscillation et on fixe un instant de commutation,
en fonction des élévations et de la variation en fonction du temps de la tension (C1
) résultante.
2. Procédé de détermination d'un instant de commutation d'un appareil de commutation
électrique, comprenant une section ( 1 ) d'interrupteur, qui est disposée entre un
premier tronçon ( 2 ) de ligne, auquel s'applique une tension ( A1 ) d'attaque, et
un deuxième tronçon ( 3 ) de ligne formant un circuit oscillant après une opération
de mise hors circuit par l'appareil de commutation,
caractérisé en ce que
- on détermine une variation en fonction du temps de la tension ( A ) d'attaque, après
une opération de mise hors circuit par l'appareil de commutation électrique,
- on détermine une variation en fonction du temps d'une tension ( B ) d'oscillation
se produisant dans le circuit oscillant, après l'opération de mise hors circuit par
l'appareil de commutation électrique,
- on détermine une variation en fonction du temps d'un courant ( D ) d'oscillation
passant dans le circuit oscillant, après l'opération de mise hors circuit par l'appareil
de commutation électrique,
- on détermine une variation en fonction du temps d'une tension ( C ) résultante,
qui correspond à une différence entre la tension ( A ) d'attaque à la tension ( B
) d'oscillation,
- on exploite au moins une élévation de la tension ( A ) d'attaque et au moins une
polarité du courant ( D ) d'oscillation et on fixe un instant de commutation, en fonction
de la au moins une élévation de la tension ( A ) d'attaque et de la au moins une polarité
du courant ( D ) d'oscillation et de la variation en fonction du temps de la tension
résultante.
3. Procédé suivant la revendication 1 ou 2,
caractérisé en ce que l'instant de commutation se trouve à proximité du passage par zéro de la tension
( C, C1) résultante.
4. Procédé suivant la revendication 1 ou 3,
caractérisé en ce que l'on choisit pour l'instant de commutation la proximité d'un passage par zéro de
la tension (C1 ) résultante, où la tension ( A1 ) d'attaque et la tension ( B1 ) d'oscillation
s'élèvent dans le même sens.
5. Procédé suivant la revendication 2 ou 3,
caractérisé en ce que l'on choisit pour l'instant de commutation la proximité d'un passage par zéro de
la tension ( C ) résultante, où la tension ( A ) d'attaque a une élévation négative
et le courant ( D ) d'oscillation a une polarité positive ou la tension ( A ) d'attaque
a une élévation positive et le courant ( D ) d'oscillation a une polarité négative.
6. Procédé suivant la revendication 5,
caractérisé en ce que le courant d'oscillation passe dans une bobine ( 6, 8, 9 ) de compensation.
7. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 6,
caractérisé en ce que l'on détermine la variation en fonction du temps de la tension ( B, B1 ) d'oscillation
et/ou du courant ( D ) d'oscillation à l'aide d'une méthode de Prony.
8. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 7,
caractérisé en ce que la tension s'appliquant par la section ( 1 ) d'interrupteur, après l'opération de
mise hors circuit, correspond à la tension ( C, C1 ) résultante.
9. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 8,
caractérisé en ce que l'on tient compte, dans la détermination de l'instant de commutation, de la caractéristique
de prédécharge de l'appareil de commutation.
10. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 9,
caractérisé en ce que, pour un amortissement vers l'avant de la tension ( B, B1 ) d'oscillation et/ou du
courant ( D ) d'oscillation, on fixe l'instant de commutation à proximité d'un passage
par zéro quelconque de la tension ( C, C1 ) résultante.
11. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 10,
caractérisé en ce que l'on utilise l'instant de commutation, pour une opération de mise en circuit par
l'appareil de commutation électrique.
12. Dispositif pour la mise en oeuvre du procédé suivant l'une des revendications 1 à
11,
caractérisé en ce que le dispositif comporte un moyen ( 12 ) de comparaison de l'élévation de la tension
d'attaque et de la tension d'oscillation et de la polarité du courant d'oscillation.