[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Aufwickeln wenigstens zweier nebeneinander
laufender Materialteilbahnen, insbesondere Papier- oder Kartonbahnen, auf wenigstens
zwei in einem von zwei Tragwalzen gebildeten Wickelbett Stoß an Stoß nebeneinander
liegende Wickelhülsen zu wenigstens zwei Wickelrollen, wobei die wenigstens zwei Materialteilbahnen
mittels mindestens einer, dem Wickelbett in Laufrichtung einer vorzugsweise maschinenbreiten
Materialbahn vorgeordneten Längsschneideeinrichtung aus derselben geschnitten werden.
[0002] Weiterhin betrifft die Erfindung sowohl eine Wickelhülse zur Verwendung in dem erfindungsgemäßen
Verfahren als auch eine Wickelmaschine zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0003] Tragwalzen-Wickelmaschinen werden zum Aufwickeln von Materialteilbahnen, insbesondere
von Papier- oder Kartonbahnen, zu Wickelrollen eingesetzt. Die Tragwalzen-Wickelmaschinen
weisen hierbei eine erste und eine zweite Tragwalze auf, die nebeneinander liegen
und ein Wickelbett zur Aufnahme von Wickelhülsen bilden, auf die die Materialteilbahnen
nebeneinander aufgewickelt werden. Dabei werden in der Regel die Materialteilbahnen
aus einer einzigen, auf einem Volltambour aufgewickelten und vorzugsweise maschinenbreiten
Materialbahn erzeugt, indem die auf dem Volltambour aufgewickelte und vorzugsweise
maschinenbreite Materialbahn während des Abwickelns Längsschneideinrichtungen zur
Erzeugung der Materialteilbahnen durchläuft. Die erzeugten Materialteilbahnen werden
dann auf die im Wickelbett Stoß an Stoß nebeneinander liegenden Wickelhülsen aufgewickelt.
[0004] Dadurch, dass in dem Wickelbett nebeneinander mehrere aus Pappe bestehende Wickelhülsen
Stoß an Stoß von Hülsenführungsköpfen, die jeweils antriebs- und nichtantriebsseitig
in die nebeneinander liegenden Wickelhülsen hineinfahren, aneinander geschoben werden,
die anschließend mit den Materialteilbahnen bewickelt werden, längen sich die Papphülsen
infolge der Lagenpressung der auf den Wickelhülsen aufgewickelten Materialteilbahnwickel
und unter der zusätzlichen Last einer möglichen Druckwalze, die von oben auf die Wickelrollen
drückt.
[0005] Die Längung der Wickelhülsen beträgt beispielsweise 1 Promille ihrer Länge. Da alle
nebeneinander liegenden Wickelhülsen durch die Spannköpfe in ihrer Position "fixiert"
sind, sich also nicht frei ausdehnen können, entstehen große Axialkräfte in den Wickelhülsen.
Diese Kräfte führen zum Versatz der Hülsenmitten zueinander, wodurch die Laufruhe
beim Wickeln erheblich gestört wird. Es kann zu einem "Pendeln" der Wickelrollen kommen,
was den Betreiber der Tragwalzen-Wickelmaschine zu einer Herabsetzung der Wickelgeschwindigkeit
zwingt. Sehr nachteilig wirkt sich aus, dass die nebeneinander liegenden Wickelrollen
nicht zentrisch fixiert sind. Sie rotieren deshalb nicht zylinderförmig in einer Reihe,
sondern mittig versetzt, was zu nicht zentrisch sitzenden Wickelhülsen führt. Die
entsprechenden Wickelrollen laufen dann in der Abwicklung von Druckmaschinen unrund,
was nicht akzeptabel ist.
[0006] Um eine größere Laufruhe zu schaffen, ist aus der
europäischen Patentschrift EP 0 792 245 B1 ein Wickelverfahren für nebeneinander liegende Wickelrollen bekannt, bei dem der
Reibungskoeffizient der Wickelhülsen untereinander reduziert werden soll. Hierzu werden
die Enden der Wickelhülsen, während oder bevor diese an den Wickelpositionen angeordnet
sind, mit einem Medium behandelt, das die Reibung verringert, oder es werden Stücke
eines einen geringen Reibungskoeffizienten aufweisenden Materials an den Enden der
Wickelhülsen platziert. Oder es wird die Axialschubkraft zwischen den Wickelhülsen
reduziert, indem ein druckbeaufschlagtes Medium aus seitlichen Spulenfeststelleinrichtungen
in die Wickelhülsen hineingeleitet und jeweils zwischen den Wickelhülsen ausgestoßen
wird. Nachteilhaft an diesen Möglichkeiten ist unter anderem, dass sie allesamt einen
erhöhten Aufwand in ihrer Verwendung erfordern und somit die Belastung des Bedienpersonals
der Tragwalzen-Wickelmaschine weiters erhöhen.
[0007] Weiterhin ist in der internationalen Anmeldung
WO 2005/021412 A1 ein Wickelverfahren beschrieben, dessen nebeneinander liegende Wickelhülsen endseitig
mit korrespondierenden Konturen versehen sind, wobei die Konturen auf Abstand gehalten
sind. Der Abstand zwischen den korrespondierenden Konturen lässt eine Längung der
Wickelhülsen zu, ohne dass es zu erheblichen Verschiebungen der Wickelrollen im Wickelbett
kommt. Dieser Ausführung haften mehrerlei Nachteile an: so sind die Anschaffungskosten
der Wickelhülsen im Vergleich mit handelsüblichen Wickelhülsen überdurchschnittlich
hoch, nur zusammengehörige Wickelhülsen können gemeinsam zum Einsatz kommen und die
Wickelhülsen können beim täglichen Gebrauch aufgrund ihrer Ausgestaltung derart beschädigt
werden, dass sie nicht mehr verwendet werden können.
[0008] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten
Art derart weiterzubilden, dass Störungen beim Wickeln der Wickelrollen und bei der
Weiterverarbeitung der Wickelrollen vermieden werden.
[0009] Weiterhin soll eine Wickelhülse zur Verwendung in dem erfindungsgemäßen Verfahren
als auch eine Wickelmaschine zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens angegeben
werden.
[0010] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art erfindungsgemäß
dadurch gelöst, dass die Materialbahn in ihren anfänglichen Lagen ungeschnitten auf
die Stoß an Stoß nebeneinander liegenden Wickelhülsen aufgewickelt wird. Die anfänglichen
Lagen der Materialbahn sind hierbei definitionsgemäß die Lagen, die nach erster Anwickelung
der Wickelhülsen auf denselbigen aufgewickelt werden.
[0011] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird auf diese Weise vollkommen gelöst.
[0012] Die Erfindung zeichnet sich also durch die Schaffung einer maschinenbreiten "Hülse"
aus, die die darin eingepackten Wickelhülsen daran hindert, sich radial gegeneinander
zu verschieben. Es kommt also zu keinem Versatz der Hülsenmitten zueinander, wodurch
die Laufruhe beim Wickeln erheblich gestört werden könnte. Das bislang bekannte "Pendeln"
der Wickelrollen mit seinen beschriebenen Nachteilen und Auswirkungen wird also wirksam
vermieden. Letztlich kann die Wickelmaschine mit merklich höheren Wickelgeschwindigkeiten
betrieben werden, was wiederum die Runnability und die Produktivität der Wickelmaschine
erhöht.
[0013] Weiterhin besitzt die erfindungsgemäße Lösung noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden
Vorteil: Die Erzeugung einer wirklich sauberen Anwicklung der Wickelhülsen. Werden
von vornherein Materialteilbahnen angewickelt, dann können diese unter dem Einfluss
der Anwickelluft "umschlagen", was in der Praxis oftmals inakzeptabel ist. Dieses
Problem tritt erst gar nicht auf, sofern man zu Beginn des Wickelvorgangs mit einer
maschinenbreiten Materialbahn arbeitet. Hierbei genügt bereits eine einzige Umschlingung
der einzelnen Wickelhülsen. Danach kann sogleich die Aufwicklung der geschnittenen
Materialteilbahnen folgen. Das Trennen einer einzigen maschinenbreiten Materialbahnlage
beim Ausstoßen dürfte keinerlei Schwierigkeiten verursachen.
[0014] Die anfänglichen Lagen der Materialbahn können erfindungsgemäß mittels verschiedener
Ausführungsformen beschrieben werden.
[0015] So kann die Materialbahn bevorzugt in einem Lagenbereich von 2 bis 50 Lagen, vorzugsweise
von 5 bis 35 Lagen, insbesondere von 10 bis 25 Lagen ungeschnitten auf die Wickelhülsen
aufgewickelt werden. Weiters kann sie in einem Längenbereich von 0,5 bis 10 m, vorzugsweise
von 1 bis 8 m, insbesondere von 2 bis 5 m ungeschnitten auf die Wickelhülsen aufgewickelt
werden. Oder sie kann in einem Zeitbereich von 1 bis 12 s, vorzugsweise von 2 bis
10 s, insbesondere von 3 bis 8 s ungeschnitten auf die Wickelhülsen aufgewickelt werden.
Alle drei beschriebenen Ausführungsformen zeichnen sich jeweils durch die Schaffung
einer maschinenbreiten "Hülse" aus, die den betrieblichen Anforderungen hinsichtlich
Steifigkeit, Pendelvermeidung der Wickelhülsen, übergeordnete Laufruhe und dergleichen
vollauf gerecht wird.
[0016] Damit die Materialbahn in ihren anfänglichen Lagen ungeschnitten auf die Stoß an
Stoß nebeneinander liegenden Wickelhülsen aufgewickelt werden kann, wird die mindestens
eine Längsschneideeinrichtung bevorzugt zeitversetzt zum Wickelbeginn der Materialbahn
auf den wenigstens zwei Wickelhülsen aktiviert, um fortan die wenigstens zwei Materialteilbahnen
zu schneiden. Die Aktivierung erfolgt dabei vorzugsweise durch die Anstellung mindestens
eines Schneidmessers der entsprechenden Längsschneideeinrichtung in die laufende Materialbahn.
[0017] Weiterhin ist bevorzugt vorgesehen, dass die anfänglichen Lagen der ungeschnittenen
Materialbahn beim Ausstoßen des fertig gewickelten Rollenwurfs getrennt werden. Die
Trennung der anfänglichen Lagen der ungeschnittenen Materialbahn kann hierbei zwangsläufig
erfolgen, sie kann in weiterer Ausgestaltung auch mittels mindestens einer Hilfsschneideinrichtung
zeitgleich, annähernd zeitgleich oder zeitlich versetzt getrennt werden.
[0018] Die erfindungsgemäße Wickelhülse zur Verwendung in einem erfindungsgemäßen Verfahren
zeichnet sich dadurch aus, dass sie in dem Bereich, in dem sie an eine benachbarte
Wickelhülse anstößt, eine zu ihrer Mittellinie senkrechte oder annähernd senkrechte
Ringfläche aufweist. Dies erbringt den Vorteil der Gleichheit mit herkömmlich bekannten
Wickelhülsen, die in größeren Mengen hergestellt werden und somit bei günstigen Anschaffungskosten
bezogen werden können. Zudem sind diese Wickelhülsen unanfällig gegen Schäden während
ihres Gebrauchs.
[0019] Damit dennoch eine geringfügige Ausdehnungsmöglichkeit für zwei benachbarte Wickelhülsen
in ihren Längsrichtungen gegeben ist, weist die jeweilige Wickelhülse in dem Bereich,
in dem sie an die benachbarte Wickelhülse anstößt, wenigstens ein in axialer Richtung
stauchbares Element auf.
[0020] Zusätzlich oder alternativ zu dieser Maßnahme kann eine vorteilhafte Ausgestaltung
darin bestehen, dass die Wickelhülse in dem Bereich, in dem sie an eine benachbarte
Wickelhülse anstößt, ein Zentrierelement aufweist, das mit einem Zentrierelement der
benachbarten Wickelhülse wenigstens in axialer Richtung einen Formschluss bildet.
[0021] Die erfindungsgemäße Wickelmaschine zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
zeichnet sich dadurch aus, dass die mindestens eine Längsschneideeinrichtung zeitversetzt
zum Wickelbeginn der Materialbahn auf den wenigstens zwei Wickelhülsen aktivierbar
ist, um fortan die wenigstens zwei Materialteilbahnen zu schneiden. Somit wird die
Möglichkeit geschaffen, dass die Materialbahn in ihren anfänglichen Lagen ungeschnitten
auf die Stoß an Stoß nebeneinander liegenden Wickelhülsen aufgewickelt wird.
[0022] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
bevorzugter Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme auf die Zeichnung.
[0023] Es zeigen
- Figur 1
- eine schematische Seitenansicht einer Wickelmaschine samt vorgeordneter Längsschneideeinrichtung;
- Figuren 2A und 3A
- eine jeweilige schematische Seitenansicht einer Wickelmaschine;
- Figuren 2B und 3B
- eine jeweilige schematische Draufsicht auf Wickelrollen, die mit den in den Figuren
2a und 3A dargestellten Wickelmaschinen hergestellt wurden; und
- Figur 4
- eine schematische Schnittdarstellung durch drei Wickelrollen, die unter Anwendung
des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt wurden.
[0024] Die Figur 1 zeigt eine schematische Seitenansicht einer Wickelmaschine 1 samt vorgeordneter
Längsschneideeinrichtung 2. Die Wickelmaschine 1 ist als eine (Doppel-)Tragwalzen-Wickelmaschine
ausgebildet, wie sie beispielsweise in der deutschen Gebrauchsmusterschrift
DE 200 13 319 U1 und der
europäischen Patentschrift EP 0 792 245 B1 beschrieben ist.
[0025] Die dargestellte Wickelmaschine 1 dient zum Aufwickeln mehrerer nebeneinander laufender
Materialteilbahnen 3, insbesondere Papier- oder Kartonbahnen, auf mehrere in einem
von zwei parallel zueinander angeordnete Tragwalzen 4, 5 gebildeten Wickelbett 6 Stoß
an Stoß nebeneinander liegende Wickelhülsen 7 zu Wickelrollen 8. Die Wickelrollen
8 liegen während des Aufwickelns der Materialteilbahnen 3 auf den Tragwalzen 4, 5
bei Ausbildung zweier jeweiliger Nips N4, N5 auf.
[0026] Weiterhin ist die dem Wickelbett 6 in Laufrichtung L (Pfeil) einer vorzugsweise maschinenbreiten
Materialbahn 9 vorgeordnete Längsschneideeinrichtung 2 vorgesehen, die aus der Materialbahn
9 die Materialteilbahnen 3 schneidet. Die Materialteilbahnen 9 werden anschließend
seitlich um den Mantel einer der beiden Tragwalzen 4, 5 herum oder durch den zwischen
den beiden Tragwalzen 4, 5 gebildeten Spalt in das Wickelbett 6 geführt, wo sie auf
die fluchtend aufgereihten Wickelhülsen 7 zu Wickelrollen 8 aufgewickelt werden. In
der Darstellung werden die Materialteilbahnen 3 um den innen liegenden Mantel der
angetriebenen Tragwalze 4 herumgeführt und anschließend durch das Wickelbett 6 geführt,
ehe sie aufgewickelt werden.
[0027] Die dargestellte Längsschneideeinrichtung 2 zum Schneiden der vorzugsweise maschinenbreiten
Materialbahn 9 in Materialteilbahnen 3 weist ein Messerpaar 10 auf, das ein die Materialbahn
9 beim Schneiden abstützendes Messer 11 (Untermesser) und ein in die Materialbahn
9 eintauchendes Messer 12 (Obermesser) umfasst. Die Schneidkanten der beiden Messer
11, 12 müssen exakt zueinander in der gewünschten Schnittposition positioniert werden.
Bevorzugt werden als Untermesser 11 angetriebene Topfmesser und als Obermesser 12
scheibenförmige und frei drehbare Spitzmesser verwendet, wie sie beispielsweise in
der
deutschen Patentschrift DE 34 19 843 C2 beschrieben sind.
[0028] Die beiden Messer 11, 12 sind auf jeweils einem Schlitten 13, 14 angeordnet, die
an jeweils einer sich quer zur Laufrichtung L (Pfeil) der Materialbahn 9 erstreckenden
Messertraverse 15, 16 verstellbar gelagert sind und die jeweils einen Messerhalter
17, 18 zur Lagerung und bevorzugten Bewegung des zugeordneten Messers 11, 12 aufweisen.
Jedes Messer 11, 12 ist zur Einstellung der erforderlichen Formatbreite quer zur Laufrichtung
L (Pfeil) der zu schneidenden Materialbahn 9 positionierbar. Zusätzlich ist jedes
Obermesser 12 in Richtung seiner Drehachse gegen das zugeordnete Untermesser 11 anstellbar,
damit die beiden Schneidkanten exakt relativ zueinander ausgerichtet werden können.
In nicht dargestellter Ausführungsform können die Messer 11, 12 natürlich auch auf
einem gemeinsamen Schlitten gelagert sein.
[0029] Die eine Bewegung bewirkenden Bauteile, wie beispielsweise die Messerhalter 17, 18
der bewegten Längsschneideeinrichtung, sind in dem Fachmann bekannter Weise mit einer
lediglich schematisch angedeuteten Steuer-/Regeleinheit 19 verbunden, die die Steuerung/Regelung
des Verfahrens zum Längsschneiden der Materialbahn 9 übernimmt. Die Steuer-/Regeleinheit
19 kann wiederum mit einem übergeordneten Prozessleitsystem (PLS) verbunden sein.
[0030] Die Figuren 2A und 3A zeigen eine jeweilige schematische Seitenansicht einer Wickelmaschine
1. Da der Aufbau dieser Wickelmaschinen 1 grundsätzlich dem der in der Figur 1 dargestellten
und ausführlich beschriebenen Wickelmaschine 1 entspricht, wird an dieser Stelle auf
deren Figurenbeschreibung verwiesen.
[0031] Die Figuren 2B und 3B zeigen eine jeweilige schematische Draufsicht auf Wickelrollen
8, die mit den in den Figuren 2a und 3A dargestellten Wickelmaschinen 1 gemäß dem
bekannten Stand der Technik hergestellt wurden.
[0032] Wie bereits eingangs beschrieben, erfährt jede aus Pappe bestehende Wickelhülse 7
eine Längung infolge der Lagenpressung der auf ihr aufgewickelten Materialteilbahn
3 und unter der zusätzlichen Last einer möglichen, dem Fachmann bekannten Druckwalze,
die von oben auf die Wickelrolle 8 drückt. Beträgt die Längung der Wickelhülse 7 beispielsweise
1 Promille ihrer ursprünglichen Länge von beispielsweise 2.000 mm, so weist die bewickelte
Wickelhülse 7 eine Länge A von 2.002 mm auf. Diese Längung bewirkt den bereits beschriebenen
und in den beiden Figuren 2b und 3B jeweils dargestellten Versatz der Hülsenmitten
zueinander, wodurch die Laufruhe beim Wickeln erheblich gestört wird. Die Figur 2B
zeigt beispielsweise einen alternierenden Versatz der Hülsenmitten mit einer Abweichung
B von 53 mm unter den gegebenen Bedingungen, wohingegen die Figur 3B einen Versatz
der Hülsenmitten entlang einer bogenförmigen und eine Abweichung C von 190 mm aufweisenden
Linie D zeigt.
[0033] Die Figur 4 zeigt eine schematische Schnittdarstellung durch drei Wickelrollen 8,
die unter Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt wurden.
[0034] Die Materialbahn 9 wird in ihren anfänglichen Lagen E ungeschnitten auf die Stoß
an Stoß nebeneinander liegenden Wickelhülsen 7 aufgewickelt. Von der Darstellung weiterer
Bauteile und -gruppen der Wickelmaschine wurde der Übersicht halber abgesehen.
[0035] Die anfänglichen Lagen E der Materialbahn 9 können erfindungsgemäß mittels verschiedener
Ausführungsformen beschrieben werden.
[0036] So kann die Materialbahn 9 in einem Lagenbereich von 2 bis 50 Lagen, vorzugsweise
von 5 bis 35 Lagen, insbesondere von 10 bis 25 Lagen ungeschnitten auf die Wickelhülsen
7 aufgewickelt werden. Weiters kann sie in einem Längenbereich von 0,5 bis 10 m, vorzugsweise
von 1 bis 8 m, insbesondere von 2 bis 5 m ungeschnitten auf die Wickelhülsen 7 aufgewickelt
werden. Oder sie kann in einem Zeitbereich von 1 bis 12 s, vorzugsweise von 2 bis
10 s, insbesondere von 3 bis 8 s ungeschnitten auf die Wickelhülsen 7 aufgewickelt
werden. Diese drei beschriebenen Ausführungsformen haben lediglich exemplarischen
Charakter, selbstverständlich können noch weitere Ausführungsformen möglich sein.
[0037] Nach Abschluss der Aufwicklung der anfänglichen Lagen E der ungeschnittenen Materialbahn
9 werden dann die geschnittenen Materialteilbahnen 3 in weiteren Lagen F auf die entstehenden
Wickelrollen 8 aufgewickelt.
[0038] Damit die Materialbahn 9 in ihren anfänglichen Lagen E ungeschnitten auf die Stoß
an Stoß nebeneinander liegenden Wickelhülsen 7 aufgewickelt werden kann, wird die
Längsschneideeinrichtung 2 (Figur 1) zeitversetzt zum Wickelbeginn der Materialbahn
3 auf Wickelhülsen 7 aktiviert, um fortan die Materialteilbahnen 3 zu schneiden. Die
Aktivierung erfolgt dabei vorzugsweise durch die Anstellung des eintauchenden Messers
12 (Obermesser) der Längsschneideeinrichtung 2 in die laufende Materialbahn 9, wobei
die Aktivierung durch die Steuer-/Regeleinheit 19 bewirkt wird.
[0039] Jede Wickelhülse 7 weist in dem Bereich 20, in dem sie an eine benachbarte Wickelhülse
7 anstößt, eine zu ihrer Mittellinie M senkrechte oder annähernd senkrechte Ringfläche
21 auf. Weiterhin kann sie in diesem Bereich 20 auch ein in axialer Richtung stauchbares
Element 22, beispielsweise einen konischen Vorsprung oder eine konische Ausnehmung
oder Vertiefung, aufweisen.
[0040] Die anfänglichen Lagen E der ungeschnittenen Materialbahn 9 werden beim Ausstoßen
des fertig gewickelten Rollenwurfs getrennt, wobei die Trennung zwangsläufig erfolgen
kann. Die Trennung der anfänglichen Lagen E der ungeschnittenen Materialbahn 9 kann
in weiterer Ausgestaltung auch mittels mindestens einer lediglich schematisch angedeuteten
Hilfsschneideinrichtung 23 zeitgleich, annähernd zeitgleich oder zeitlich versetzt
(Figur 4; Bewegungsdoppelpfeil G) erfolgen.
[0041] Die Hilfsschneideinrichtung 23 kann dabei die anfänglichen Lagen E der ungeschnittenen
Materialbahn 9 von oben schneiden, was jedoch angesichts einer oftmals mangelnden
Kantengeradigkeit der Wickelhülsen 7 nicht mehr prozesssicher sein dürfte.
[0042] Vorteilhafter dürfte ein Schneiden der anfänglichen Lagen E der ungeschnittenen Materialbahn
9 von innen nach außen sein, wobei die Hilfsschneideinrichtung 23 dann in günstiger
Weise in den Wickelhülsen 7 angeordnet wäre. Unter diesen Umständen könnte man natürlich
auch daran denken, von vornherein auf Einzelwickelhülsen 7 zu verzichten, das heißt
mit einer einzigen durchgehenden Wickelhülse zu arbeiten, die am Ende samt den Anfangslagen
qua Hilfsschneidevorrichtung 23 in Einzelwickelhülsen 7 "verwandelt" werden würde.
[0043] Und letztlich besteht auch die Möglichkeit, auf die Hilfsschneideeinrichtung 23 ganz
und gar zu verzichten. Dann müssten die fertigen Wickelrollen 8 nach dem Ausstoßen
sauber getrennt werden. Ein Trennen beim Ausstoßen selbst dürfte schwierig bis unmöglich
sein. Anders wäre es, wenn man den Rollenwurf beim Abtransport über eine "Knickstelle"
führen würde. Hierbei könnte mittels wenigstens eines Sensors die stirnseitige Kante
einer Wickelhülse erkannt werden. Eine derartige Vorrichtung mit entsprechendem Sensor
ist beispielsweise in der deutschen Patentanmeldung
DE 10 2005 000 030.4 vom 07.04.2005 (Anmelderakte: KPC12348 DE) beschrieben, deren diesbezüglicher Inhalt
hiermit zum Gegenstand der vorliegenden Offenbarung gemacht wird.
[0044] Zusammenfassend ist festzuhalten, dass durch die Erfindung ein Verfahren der eingangs
genannten Art derart weitergebildet wird, dass Störungen beim Wickeln der Wickelrollen
und bei der Weiterverarbeitung der Wickelrollen vermieden werden.
Bezugszeichenliste
[0045]
- 1
- Wickelmaschine
- 2
- Längsschneideeinrichtung
- 3
- Materialteilbahn
- 4
- Tragwalze
- 5
- Tragwalze
- 6
- Wickelbett
- 7
- Wickelhülse
- 8
- Wickelrolle
- 9
- Materialbahn
- 10
- Messerpaar
- 11
- Abstützendes Messer (Untermesser)
- 12
- Eintauchendes Messer (Obermesser)
- 13
- Schlitten
- 14
- Schlitten
- 15
- Messertraverse
- 16
- Messertraverse
- 17
- Messerhalter
- 18
- Messerhalter
- 19
- Steuer-/Regeleinheit
- 20
- Bereich
- 21
- Ringfläche
- 22
- Stauchbares Element
- 23
- Hilfsschneideinrichtung
- A
- Länge
- B
- Abweichung
- C
- Abweichung
- D
- Linie
- E
- Anfängliche Lagen
- F
- Weitere Lagen
- G
- Bewegungsdoppelpfeil
- L
- Laufrichtung (Pfeil)
- M
- Mittellinie
- N4
- Nip
- N5
- Nip
1. Verfahren zum Aufwickeln wenigstens zweier nebeneinander laufender Materialteilbahnen
(3), insbesondere Papier- oder Kartonbahnen, auf wenigstens zwei in einem von zwei
Tragwalzen (4, 5) gebildeten Wickelbett (6) Stoß an Stoß nebeneinander liegende Wickelhülsen
(7) zu wenigstens zwei Wickelrollen (8), wobei die wenigstens zwei Materialteilbahnen
(3) mittels mindestens einer, dem Wickelbett (6) in Laufrichtung (L) einer vorzugsweise
maschinenbreiten Materialbahn (9) vorgeordneten Längsschneideeinrichtung (2) aus derselben
geschnitten werden,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Materialbahn (9) in ihren anfänglichen Lagen (E) ungeschnitten auf die Stoß an
Stoß nebeneinander liegenden Wickelhülsen (7) aufgewickelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Materialbahn (9) in einem Lagenbereich von 2 bis 50 Lagen, vorzugsweise von 5
bis 35 Lagen, insbesondere von 10 bis 25 Lagen ungeschnitten auf die Wickelhülsen
(7) aufgewickelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Materialbahn (9) in einem Längenbereich von 0,5 bis 10 m, vorzugsweise von 1
bis 8 m, insbesondere von 2 bis 5 m ungeschnitten auf die Wickelhülsen (7) aufgewickelt
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Materialbahn (9) in einem Zeitbereich von 1 bis 12 s, vorzugsweise von 2 bis
10 s, insbesondere von 3 bis 8 s ungeschnitten auf die Wickelhülsen (7) aufgewickelt
wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die mindestens eine Längsschneideeinrichtung (2) zeitversetzt zum Wickelbeginn der
Materialbahn (9) auf den wenigstens zwei Wickelhülsen (7) aktiviert wird, um fortan
die wenigstens zwei Materialteilbahnen (3) zu schneiden.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die anfänglichen Lagen (E) der ungeschnittenen Materialbahn (9) beim Ausstoßen des
fertig gewickelten Rollenwurfs getrennt werden.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die anfänglichen Lagen (E) der ungeschnittenen Materialbahn (9) mittels mindestens
einer Hilfsschneideinrichtung (23) zeitgleich, annähernd zeitgleich oder zeitlich
versetzt (Bewegungsdoppelpfeil G) getrennt werden.
8. Wickelhülse (7) zur Verwendung in einem Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie in dem Bereich (20), in dem sie an eine benachbarte Wickelhülse (7) anstößt,
eine zu ihrer Mittellinie (M) senkrechte oder annähernd senkrechte Ringfläche (21)
aufweist.
9. Wickelhülse (7) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie in dem Bereich (20), in dem sie an eine benachbarte Wickelhülse (7) anstößt,
wenigstens ein in axialer Richtung stauchbares Element (22) aufweist.
10. Wickelmaschine (1) zum Aufwickeln wenigstens zweier nebeneinander laufender Materialteilbahnen
(3), insbesondere Papier- oder Kartonbahnen, auf wenigstens zwei in einem von zwei
Tragwalzen (4, 5) gebildeten Wickelbett (6) Stoß an Stoß nebeneinander liegende Wickelhülsen
(7) zu wenigstens zwei Wickelrollen (8), wobei mindestens eine, dem Wickelbett (6)
in Laufrichtung (L) einer vorzugsweise maschinenbreiten Materialbahn (9) vorgeordnete
Längsschneideeinrichtung (2) aus derselben die wenigstens zwei Materialteilbahnen
(3) schneidet,
dadurch gekennzeichnet,
dass die mindestens eine Längsschneideeinrichtung (2) zeitversetzt zum Wickelbeginn der
Materialbahn (9) auf den wenigstens zwei Wickelhülsen (7) aktivierbar ist, um fortan
die wenigstens zwei Materialteilbahnen (3) zu schneiden.