[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines Turboverdichters, bei dem
ein Betriebspunkt vorgegeben wird, der unterhalb der in einem dem Turboverdichter
zugeordneten Betriebsdiagramm durch eine Pumpgrenzkurve repräsentierten Pumpgrenze
liegt. Sie betrifft weiterhin einen Turboverdichter.
[0002] Das Betriebsverhalten eines Turboverdichters lässt sich anhand seines Betriebsdiagrammes
charakterisieren. Üblicherweise wird ein derartiges Betriebsdiagramm in einem kartesichen
Koordinatensystem dargestellt, wobei entlang der Abszisse (x-Achse) z. B. die Drehzahl
des Verdichters oder eine daraus abgeleitete Kenngröße und entlang der Ordinate (y-Achse)
z. B. der Anstellwinkel der Vorleitschaufeln oder das Druckverhältnis, definiert als
der Quotient von Enddruck zu Saugdruck, abgetragen ist. In einer alternativen, im
Wesentlichen aber äquivalenten Darstellungsweise kann die x-Koordinate auch den Volumenstrom
durch den Verdichter oder eine ähnliche Kenngröße bezeichnen. In das Betriebsdiagramm
wird üblicherweise eine Schar von relevanten Kennlinien des Turboverdichters eingetragen,
die in ihrer Gesamtheit ein Kennfeld bilden, z. B. Linien konstanten Wirkungsgrades
oder konstanten Drehmomentes oder dergleichen. Die verdichterspezifischen Kennlinien
lassen sich beispielsweise experimentell im Rahmen von Prüfstandversuchen oder auch
anhand theoretischer Überlegungen oder numerischer Simulationen ermitteln.
[0003] Der aktuelle Betriebszustand oder Betriebspunkt des Verdichters wird im Betriebsdiagramm
durch einen Punkt repräsentiert. Beim Betrieb des Turboverdichters sollten ungünstige
Betriebspunkte vermieden werden. Eine Betriebsgrenze des Turboverdichters, deren Überschreitung
in jedem Fall zu vermeiden ist, ist die so genannte Pumpgrenze. Unter "Pumpen" (engl.
surge) versteht man das Phänomen, das auftritt, wenn beispielsweise bei einem bestimmten
Druckverhältnis ein dazu korrespondierender Mindestvolumenstrom unterschritten wird.
Dabei bricht die Strömung zur Druckseite des Verdichters hin zusammen; es kommt zu
einer Rückströmung durch den Kompressor, in deren Folge sich der Eintrittsdruck wieder
erhöht und der Austrittsdruck abnimmt, bis erneut die Pumpgrenze erreicht wird. Ein
derartiger Pumpvorgang, gekennzeichnet durch zyklisches Fördern und Rückströmen des
komprimierten Mediums, wird in der Regel begleitet von starken, niederfrequenten Vibrationen
(mit einer typischen Frequenz von 0,5 bis 2 Hz), von Druckstößen und von einem schnellen
Temperaturanstieg im Verdichter. Mögliche Folgen sind Lager-, Anstreif-, Laufrad-
bzw. Schaufelschäden mit den damit verbundenen Betriebsausfällen.
[0004] Zwar lässt sich durch das sofortige Einleiten von aktiven Pumpunterdrückungsmaßnahmen
beim Auftreten des ersten Pumpstoßes, etwa durch das Öffnen von Aus- oder Umblaseventilen,
das unmittelbare Gefährdungspotenzial durch derartige Pumpvorgänge erheblich begrenzen,
jedoch ist in diesem Fall eine vorübergehende Abweichung von den Nennbetriebswerten
und somit eine vorübergehende, zum Teil erhebliche Leistungsreduktion unvermeidlich,
wodurch insbesondere auch die störungsfreie Verfügbarkeit eines an den Turboverdichter
oder die zugehörige Gasturbine angekoppelten Generators eingeschränkt ist. Damit kann
beispielsweise die Stabilität der Stromversorgung bei Einspeisung des im Generator
erzeugten elektrischen Stromes in ein Verbundnetz beeinträchtigt sein. Es besteht
daher das Bestreben, ein Überschreiten der Pumpgrenze bei einem Turboverdichter durch
"intelligente" Regelung des Betriebsverhaltens von vornherein zu vermeiden.
[0005] Im Betriebsdiagramm wird die Pumpgrenze für verschiedene Betriebsbedingungen durch
eine Pumpgrenzkurve repräsentiert, die das Kennlinienfeld in einem stabilen und einen
instabilen Bereich trennt. Die exakte Lage und der exakte Verlauf der Pumpgrenzkurve
für die verschiedenen Vorleitschaufelstellungen lassen sich theoretisch nur mit begrenzter
Genauigkeit ermitteln; eine experimentelle Ermittlung ist vergleichsweise aufwändig
und liegt in vielen Fällen nicht vor. Allenfalls wird in der Regel aus einer Serie
gleichartiger Turboverdichter ein Testexemplar ausgesondert und in einem Messstand
vermessen. Vergleichsweise kleine Toleranzen bei der Fertigung der Serie können aber
bereits zu merklichen Verschiebungen der Pumpgrenzkurve führen. Darüber hinaus ändert
sich die Lage der Pumpgrenze im Betrieb in Abhängigkeit vom Alter des Turboverdichters
und von der Sauberkeit der Verdichterbeschaufelung sowie von weiteren, zum Teil nur
schwer erfassbaren oder quantifizierbaren Einflussfaktoren. Derzeit wird daher die
Lage der Pumpgrenzkurve im Betriebsdiagramm nur dann angepasst, wenn dies infolge
neuer Betriebserfahrung oder durch verbesserte Rechenverfahren sinnvoll erscheint.
Deshalb muss der Betriebspunkt des Turboverdichters grundsätzlich unter Berücksichtigung
eines mit hoher Sicherheit ausreichenden, dadurch aber auch mit hoher Wahrscheinlichkeit
unnötig groß gewählten Abstandes zur tatsächlichen Pumpgrenzlage eingestellt werden.
Dadurch wird der Betriebsbereich des Turboverdichters bzw. der Gasturbine unnötig
eingeschränkt, wobei gerade in den Kennfeldbereichen mit prinzipiell hoher Leistungsausbeute
durch die Wahl eines entsprechend großen Sicherheitsabstandes hohe Einbußen auftreten.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Betreiben eines
Turboverdichters anzugeben, das bei hoher betrieblicher Sicherheit und unter Vermeidung
von Pumpvorgängen eine besonders große Flexibilität hinsichtlich der Wahl des Betriebspunktes
sowie je nach den betrieblich vorgegebenen Randbedingungen einen besonders hohen betrieblichen
Wirkungsgrad und/oder eine besonders hohe Leistungsausbeute gewährleistet.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Pumpgrenzkurve während
des Betriebs des Turboverdichters anhand von während des Betriebs am Turboverdichter
ermittelten Messwerten aktualisiert wird.
[0008] Die Erfindung geht von der Überlegung aus, dass ein besonders großer Betriebsbereich
eines Turboverdichters und damit eine unter allen denkbaren betrieblichen Randbedingungen
besonders günstige Betriebsweise dann realisierbar ist, wenn nur ein vergleichsweise
kleiner Sicherheitsabstand zur Pumpgrenze vorgegeben und eingehalten werden muss.
Dazu sollte idealerweise die tatsächliche Pumpgrenzkurve im zugrunde liegenden Betriebsdiagramm
mit möglichst hoher Genauigkeit bekannt sein. Ferner sollte für einen sicheren und
gleichzeitig etwaige Leistungsreserven vollständig ausschöpfenden Betrieb des Turboverdichters
berücksichtigt werden, dass diese tatsächliche, à priori allerdings nur näherungsweise
bekannte Pumpgrenzkurve keine statische Größe ist, sondern im Laufe des Betriebs unter
dem Einfluss vielfältiger Faktoren, wie etwa Lebensdauer, Anzahl der Betriebsstunden,
Verschmutzungsgrad, Korrosion, vergrößertes Lagerspiel etc. variieren, sprich sich
verschieben oder auch ihre Form ändern kann.
[0009] Nach dem nunmehr vorgesehenen Konzept werden derartige Effekte durch eine dynamische,
während des Betriebs erfolgende Anpassung der anfänglich nur approximativ ermittelten
Pumpgrenzkurve an die wirklichen Gegebenheiten berücksichtigt, wobei diese Anpassung
anhand von während des Betriebs aufgenommenen Messwerten erfolgt, die in die Ermittlung
oder Berechnung der aktuellen Pumpgrenzkurve eingehen. Damit kann zum einen in der
Art einer iterativen Prozedur die ursprüngliche Approximation der Pumpgrenzkurve verbessert
werden, so dass im Prinzip eine Kalibrierung des der anfänglichen Kurve zugrunde liegenden
Modells (der Vorhersage) durchgeführt wird, die bereits dann vorteilhaft wäre, wenn
die tatsächliche Pumpgrenze stationär wäre.
[0010] Darüber hinaus erfolgt auf diese Weise auch automatisch eine Adaption der Pumpgrenzkurve
an die alterungsbedingt auftretenden Veränderungen und Degradationseffekte, die sich
in einer zeitlich variierenden Pumpgrenzkurve niederschlagen, und die über die als
Funktion der Zeit (kontinuierlich oder diskret) aufgenommenen Messwerte unmittelbar
und mit vergleichsweise geringem Aufwand messtechnisch erfassbar sind.
[0011] Die für die Aktualisierung der Pumpgrenzkurve maßgeblichen Zeitintervalle können
vorab anhand von Erfahrungswerten festgelegt werden. Sie können auch unregelmäßig
sein und während des Betriebs bedarfsgerecht justiert werden. Vorteilhafterweise erfolgt
jedoch eine fortlaufende Erfassung der Messwerte und Aktualisierung der Pumpgrenzkurve
in periodischen Zeitschritten, z.B. täglich bei extremen Umgebungstemperaturen oder
auch ereignisgesteuert, z.B. bei niedrigen Netzfrequenzen / Drehzahlen. Kürzer gewählte
Zeitintervalle bedingen zwar einen erhöhten Verarbeitungsaufwand für die erfassten
Daten, sind aber zweckmäßig, um auch den Einfluss instationärer Vorgänge, wie etwa
das An- oder Abfahren des Turboverdichters oder Lastwechselvorgänge, angemessen zu
berücksichtigen.
[0012] Neben einer rein messwertbasierten Aktualisierung der Pumpgrenzkurve kann es vorteilhafterweise
zusätzlich vorgesehen sein, auf Erfahrungswerten beruhende Freiheitsgrade, etwa in
der Art von frei wählbaren Skalierungsfaktoren oder dergleichen, bei der Ermittlung
der aktuellen Pumpgrenzkurve zuzulassen.
[0013] Vorteilhafterweise wird während des Betriebs des Turboverdichters der aktuelle Wert
eines Zustandsparameters, der zumindest näherungsweise ein Maß für den Abstand des
jeweiligen Betriebszustandes zur tatsächlichen Pumpgrenze darstellt, ermittelt, wobei
anhand dieses aktuellen Wertes des Zustandsparameters die aktuelle Pumpgrenzkurve
festgelegt wird. Dabei wird vorzugsweise aus einer Schar möglicher Pumpgrenzkurven,
entlang derer der Wert des Zustandsparameters jeweils konstant ist, diejenige als
aktuelle Pumpgrenzkurve ausgewählt, die dem tatsächlichen Pumpgrenzabstand zuzuordnen
ist, der sich aus dem aktuellen Wert des Zustandsparameters ergibt.
[0014] Mit anderen Worten: In das Betriebsdiagramm des Turboverdichters werden - gegebenenfalls
den sonstigen Kennlinien überlagert - Kurven mit jeweils konstantem Wert des zuvor
als relevant ausgewählten Zustandsparameters eingetragen. Dabei handelt es sich um
generische Kurven, deren Verlauf aus experimentellen (Prüffeld-)Versuchen, gegebenenfalls
durch theoretische Überlegungen und Rechnungen unterstützt, bekannt ist. Da der auch
als Stall-Parameter bezeichnete Zustandsparameter derart gewählt ist, dass er zumindest
in guter Näherung ein universelles, absolutes Maß für den Abstand des jeweiligen Betriebszustandes
zur tatsächlichen Pumpgrenze darstellt, können die so erzeugten Kurven auch als Kurven
konstanten Pumpgrenzabstandes angesehen werden. Sie stellen die möglichen Pumpgrenzkurven
dar, die mit zunehmender Betriebszeit des Turboverdichters von diesem tatsächlich
angenommen bzw. realisiert werden können. Anders ausgedrückt: Die aktuelle Pumpgrenzkurve
stimmt in guter Näherung mit einer der Kurven aus der zuvor ermittelten Schar überein,
nämlich derjenigen, die dem aktuellen, durch Messung ermittelten Wert des Zustandsparameters
zugeordnet ist.
[0015] Da der gemessene Wert des Zustandsparameters möglicherweise selbst fehlerbehaftet
ist, ist es zweckmäßig, eine Mehrzahl von Messwerten simultan oder zumindest zeitnah
aufzunehmen und dann z. B. aus diesen Messwerten einen Mittelwert zu bilden. Alternativ
kann bei besonders konservativer Auslegung derjenige Messwert aus der aufgenommenen
Reihe zur Auswahl der Pumpgrenzkurve herangezogen werden, der die größten "Sicherheitsreserven"
bietet. Die aktuelle Pumpgrenzkurve kann dabei beispielsweise auch durch Parallelverschiebung
der ursprünglichen Pumpgrenzkurve im Betriebsdiagramm, gegebenenfalls unter Anwendung
der Methode der kleinsten Fehlerquadrate oder dergleichen ermittelt und an die aktuellen
Messwerte des Stall-Parameters angepasst werden.
[0016] Vorteilhafterweise werden in die Ermittlung oder Berechnung des aktuellen Wertes
des Zustandsparameters zeitabhängige Druckfluktuationen im Strömungskanal des Turboverdichters
einbezogen. Als besonders vorteilhaft erweist es sich dabei, die Druckfluktuation
im Spaltbereich zwischen den Laufschaufeln einer Laufschaufelreihe, insbesondere der
in Strömungsrichtung des zu verdichtenden Strömungsmediums gesehen ersten Laufschaufelreihe
und dem den Strömungskanal begrenzenden Verdichtergehäuse zu messen. Als weitere Eingangsgrößen
zur Berechnung des aktuellen Wertes des Zustandsparameters werden vorteilhafterweise
eine für den Anstellwinkel der Leitschaufeln des Turboverdichters charakteristische
Kenngröße und/oder eine das Druckverhältnis zwischen saugseitigem und auslassseitigem
Druck und/oder eine für die Drehzahl des Turboverdichters charakteristische Kenngröße
durch Messung ermittelt. Wie sich herausgestellt hat, ist ein solchermaßen aus vergleichsweise
einfach zugänglichen Messgrößen ermittelter Wert des Zustandsparameters für eine besonders
zuverlässige Bewertung des Pumpgrenzabstandes und für eine zuverlässige Vorhersage
von Pumpzuständen geeignet.
[0017] In einer besonders zweckmäßigen Ausgestaltung des Verfahrens werden als eine erste
Koordinate des Betriebsdiagrammes eine für den Anstellwinkel der Leitschaufeln charakteristische
Kenngröße oder stattdessen das (Gesamt-) Druckverhältnis zwischen auslassseitigem
und saugseitigem Druck des Turboverdichters und als zweite Koordinate eine für die
Drehzahl des Turboverdichters charakteristische Kenngröße, insbesondere die auf Normbedingungen
bezogene reduzierte Drehzahl, gewählt. Eine derartige Darstellung der betrieblichen
Zusammenhänge hat sich bereits im Rahmen der bislang verwendeten Regelungs- oder Steuerungsverfahren
etabliert und ist daher für das Bedienpersonal des Turboverdichters ausgesprochen
übersichtlich und aussagekräftig.
[0018] Bei der ersten Inbetriebnahme des Turboverdichters wird vorteilhafterweise eine auf
theoretischen Überlegungen, insbesondere auf Modellrechnungen und numerischen Simulationen,
und/oder auf Vergleichsmessungen an anderen Maschinen gleicher oder ähnlicher Bauart
beruhende, also heuristisch ermittelte, anfängliche Pumpgrenzkurve verwendet, indem
beispielsweise der Wert des Zustandsparameters überschlagsmäßig abgeschätzt und anhand
dieses Wertes aus der Schar theoretisch möglicher Pumpgrenzkurven die entsprechende
ausgewählt wird.
[0019] Bei einer vorteilhaften Weiterbildung des Verfahrens wird einer drohenden oder tatsächlichen
Überschreitung der Pumpgrenze, vorzugsweise in automatisierter Weise, entgegengewirkt,
indem der einer den Verdichter antreibenden Antriebseinheit zugeführte Brennstoffmassenstrom
reduziert und/oder der Anstellwinkel der Vorleitschaufeln verändert wird. Mit Vorleitschaufeln
werden dabei die Leitschaufeln der in Strömungsrichtung des Strömungsmediums gesehen
ersten Leitschaufelreihe bezeichnet, die über eine zugehörige Verstellvorrichtung
um ihre Längserstreckung verstellbar sind. Durch die rechtzeitige Einleitung derartiger
Pumpverhütungsmaßnahmen können wesentlich drastischere, nachträgliche Entlastungsmaßnahmen,
wie etwa das Öffnen von Abblaseventilen oder dergleichen vermieden und stattdessen
der reguläre Betrieb des Turboverdichters oder der Gasturbine ohne übermäßige Leistungseinbußen
aufrecht erhalten werden.
[0020] Ein auf das oben erläuterte Betriebsverfahren besonders gut abgestimmter Turboverdichter
weist bevorzugt eine Überwachungs- und Regelungsvorrichtung auf, wobei die Überwachungs-und
Regelungsvorrichtung eine Anzahl von Messsensoren umfasst, die datenseitig mit einer
für die Ermittlung des aktuellen Betriebszustandes sowie für die Ermittlung und/oder
Kalibrierung einer aktuellen Pumpgrenzkurve konfigurierten Auswerteeinheit verbunden
sind. Das heißt, der Betriebszustand des Turboverdichters wird fortlaufend daraufhin
überwacht, ob er sich im Betriebsdiagramm der dynamisch aktualisierten Pumpgrenzkurve
annähert, so dass bei Unterschreiten eines vorgegebenen, vorzugsweise frei wählbaren
Mindestabstandes ein entsprechendes Warnsignal ausgegeben wird. Weiterhin umfasst
die Überwachungs- und Regelungsvorrichtung vorteilhafterweise eine dateneingangsseitig
auf die in der Auswerteeinheit ermittelte aktuelle Pumpgrenzkurve zugreifende Regelungseinheit,
die mit einer Anzahl von auf relevante Stellgrößen des Turboverdichters einwirkenden
Aktuatoren verbunden ist. Die Regelungseinheit ist dabei derart konfiguriert, dass
durch entsprechende zeitabhängige Ansteuerung der Aktuatoren der Betriebspunkt des
Turboverdichters stets unterhalb der durch die aktuelle Pumpgrenzkurve repräsentierten
Pumpgrenze bleibt. Gegebenenfalls kann das Bedienpersonal über eine Bedienkonsole
oder dergleichen auch die vollautomatische Regelung außer Kraft setzen oder "überschreibende"
manuelle Steuerbefehle absetzen, und zwar vorteilhafterweise nur solche, die den Abstand
des Betriebspunktes zur aktuellen Pumpgrenzkurve vergrößern.
[0021] Vorteilhafterweise umfasst der Turboverdichter mindestens einen zur Erfassung von
zeitlichen Druckfluktuationen im Strömungskanal ausgelegten Drucksensor, der vorzugsweise
im Bereich des der ersten Laufschaufelreihe zugeordneten Radialspalts angeordnet ist.
Die hier interessierenden, bei konstanter Drehzahl des Turboverdichters periodischen
Druckfluktuationen entstehen dadurch, dass die Laufschaufeln sich infolge der Rotation
der Verdichterwelle mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit am jeweiligen Messpunkt
des Verdichtergehäuses vorbei bewegen. Dementsprechend sollte der jeweilige Drucksensor
eine vergleichsweise hohe Abtastrate von typischerweise mindestens 50 kHz haben.
[0022] In einer vorteilhaften Ausgestaltung weist der Turboverdichter weiterhin eine Vorrichtung
zur Regulierung des Brennstoffmassenstroms, welcher einer den Turboverdichter antreibenden
Antriebseinheit zugeführt wird, und/oder eine Verstellvorrichtung für die Vorleitschaufeln
des Turboverdichters auf. Der Turboverdichter ist vorteilhafterweise ein Gasturbinenverdichter,
so dass es sich bei der Antriebseinheit um die Turbineneinheit der Gasturbine und
bei dem regelbaren Brennstoffmassenstrom um den den Brennern der zugehörigen Brennkammer
zugeführten Brennstoffmassenstrom handelt.
[0023] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass durch
die während des Betriebs des Turboverdichters erfolgende dynamische Anpassung bzw.
Aktualisierung der Pumpgrenzkurve anhand von durch Messung ermittelten, charakteristischen
Zustandsparametern ein besonders zuverlässiger und sicherer Betrieb des Turboverdichters
ermöglicht ist, wobei gleichzeitig der jeweils stabile Betriebsbereich möglichst vollständig
ausgeschöpft werden kann, ohne wie bislang etwaige Leistungsreserven durch unnötig
groß gewählte Sicherheitsabstände ungenutzt zu "verschenken". Dabei lassen sich zum
einen die Vorhersagen aus vereinfachten, aber gut handhabbaren Modellen an die Realität
anpassen bzw. kalibrieren, zum anderen wird eine alterungsbedingte oder verschmutzungsbedingte
Verlagerung der Pumpgrenzkurve automatisch mit erfasst und lässt sich bei der Steuerung
oder Regelung des Turboverdichters angemessen berücksichtigen.
[0024] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand einer Zeichnung näher erläutert.
Darin zeigen:
- FIG 1
- schematisch einen Turboverdichter im Längsschnitt mit einer zugehörigen Überwachungs-
und Regelungs-vorrichtung,
- FIG 2
- ein Betriebsdiagramm des Turboverdichters gemäß FIG 1 mit einer generischen Pumpgrenzkurve,
und
- FIG 3
- ein weiteres Betriebsdiagramm des Turboverdichters gemäß FIG 1, in das verschiedene
Pumpgrenzkurven eingetragen sind, welche jeweils zu verschiedenen Betriebszeitpunkten
des Turboverdichters anhand von Messungen eines Zustandsparameters ermittelt wurden.
[0025] Der in FIG 1 dargestellte Turboverdichter 2 dient zur Verdichtung eines Strömungsmediums
M, hier Luft. Dazu umfasst der als Axialverdichter ausgestaltete Turboverdichter 2
eine Anzahl von jeweils zu Laufschaufelreihen zusammengefasste, jeweils kranzförmig
an einer rotierbaren Verdichterwelle 4 angeordnete Laufschaufeln 6. Durch die rotierenden
Laufschaufeln 6 wird in Umkehrung des Prinzips einer Turbine kinetische Energie auf
das Strömungsmedium M übertragen, wodurch dieses innerhalb des nach innen durch die
Verdichterwelle 4 und nach außen durch das Verdichtergehäuse 8 begrenzten Strömungskanals
10 in Richtung der Verdichterachse 12 vom Einlass 14 zum Auslass 16 befördert und
dabei infolge des zur Auslassseite hin stetig abnehmenden Querschnitts des Strömungskanals
10 komprimiert wird. Das heißt, bei gleichem Massenstrom ist der Volumenstrom am Auslass
16 geringer als am Einlass 14. Im Allgemeinen muss der Massenstrom allerdings nicht
über den gesamten Verdichter konstant sein; vielmehr können an einzelnen Verdichterstufen
Teilmengen der verdichteten Luft entnommen werden. Die Einlassseite wird auch als
Saugseite bezeichnet. Zwischen den Laufschaufeln 6 benachbarter Laufschaufelreihen
sind jeweils am Verdichtergehäuse 8 befestigte, jeweils zu Leitschaufelreihen zusammengefasste
Leitschaufeln 18 vorgesehen, so dass sich Lauf- und Leitschaufelreihen in Strömungsrichtung
20 des Strömungsmediums abwechseln. Die in den Strömungskanal 10 hineinragenden Leitschaufeln
18 dienen dabei zur Strömungsführung des Strömungsmediums M. Eine aus einer Laufschaufelreihe
und einer ihr unmittelbar nachfolgenden Leitschaufelreihe gebildete Einheit wird auch
als Verdichterstufe bezeichnet.
[0026] Der Turboverdichter 2 ist als Gasturbinenverdichter Bestandteil einer Gasturbine
und wird über eine hier nicht dargestellte Turbineneinheit angetrieben, wobei die
Verdichterwelle 4 starr mit der Turbinenwelle verbunden ist. Die im Turboverdichter
2 komprimierte Luft wird gemeinsam mit einem fossilen Brennstoff den in einer Brennkammer
der Gasturbine angeordneten Brennern zugeführt, wobei durch Verbrennung des so erzeugten
Brennstoff-Luft-Gemisches ein heißes und unter hohem Druck stehendes Arbeitsmedium
entsteht. Das Arbeitsmedium treibt bei seiner Expansion im Strömungskanal der Turbineneinheit
über einen Impulsübertrag auf die rotierend an der Turbinenwelle angeordneten Turbinenlaufschaufeln
die Turbinenwelle und damit auch die mit ihr verbundene Verdichterwelle 4 an. An der
gemeinsamen Welle ist üblicherweise ein hier ebenfalls nicht dargestellter Generator
zur Erzeugung von elektrischem Ström angekoppelt.
[0027] Die Leitschaufeln 18 der in Strömungsrichtung 20 gesehen ersten Leitschaufelreihe,
die so genannten Vorleitschaufeln 22, sind in ihrem Anstellwinkel jeweils gegenüber
einer von der Verdichterachse 12 und einem dazu senkrechten Radialstrahl aufgespannten
Bezugsebene verstellbar. Zur Verstellung der Vorleitschaufeln 22 ist eine in FIG 1
lediglich schematisch angedeutete Verstellvorrichtung 24 vorgesehen. Mit zunehmendem
Anstellwinkel verkleinert sich der freie Querschnitt an dieser Stelle des Strömungskanals
10. Bei gleichbleibender Drehzahl n* der Verdichterwelle 4 nimmt die Menge der pro
Zeiteinheit angesaugten Luft und damit der Massenstrom durch den Turboverdichter 2
mit zunehmendem Anstellwinkel der Vorleitschaufeln 22, im Folgenden mit LSV bezeichnet,
ab. Der als Index an der Drehzahl n* angebrachte Stern soll andeuten, dass es sich
dabei um die so genannte reduzierte Drehzahl, handelt, die gemäß

auf die Drehzahl n, die Lufttemperatur T und die Gaskonstante R bei Nennbedingungen,
charakterisiert durch den Index 0, bezogen ist.
[0028] Neben einer Verstellung der Vorleitschaufeln 22 kann darüber hinaus auch eine Verstellung
der Schaufeln von weiter stromabwärts liegenden Leitschaufelreihen, z.B. der Reihen
1 bis 3, vorgesehen sein.
[0029] Für einen begrenzten n*-Bereich gilt: Wird bei einer bestimmten Drehzahl n* ein dazu
korrespondierender maximaler Anstellwinkelwinkel LSV
max der Vorleitschaufeln 22 überschritten, treten infolge des zu geringen Volumenstroms
durch den Turboverdichter 2 die eingangs geschilderten Pumpphänomene auf. Zur Vermeidung
von Verdichterschäden, aber auch zur Gewährleistung einer stabilen Stromversorgung
durch den an die Gasturbine angekoppelten Generator sollte die Pumpgrenze beim Betrieb
des Turboverdichters 2 möglichst nicht überschritten werden. Im Allgemeinen ist die
durch den Wert von LSV
max charakterisierte Pumpgrenze eine Funktion der (reduzierten) Drehzahl n*. In dem in
FIG 2 dargestellten schematischen Betriebsdiagramm 26 des Turboverdichters 2, bei
dem entlang der x-Achse die Drehzahl n* und entlang der y-Achse der maximale Anstellwinkel
LSV
max aufgetragen ist, ist die Pumpgrenze daher durch eine gekrümmte Pumpgrenzkurve 28
repräsentiert. Unterhalb der Pumpgrenzkurve 28 liegen die stabilen Betriebspunkte
des Turboverdichters 2, oberhalb die instabilen, bei denen Pumpphänomene auftreten.
Anstelle von LSV
max könnte auf der y-Achse auch das Druckverhältnis π des Turboverdichters 2, definiert
als Quotient aus austrittsseitigem zu eintrittsseitigem Druck des Strömungsmediums
M, aufgetragen sein.
[0030] Die exakte, tatsächliche Lage der Pumpgrenzkurve 28 im Betriebsdiagramm 26 ist in
der Regel anhand von experimentellen Versuchen oder anhand von Modellrechnungen nur
unzulänglich bekannt. Daher wird zur Steuerung des Betriebsverhaltens des Turboverdichters
2 eine approximative, in FIG 2 gestrichelt gezeichnete Pumpgrenzkurve 28' verwendet,
die mit hoher Sicherheit unterhalb der tatsächlichen Pumpgrenzkurve 28 liegt. Das
heißt, der Betriebspunkt 30 des Turboverdichters 2 wird stets unterhalb der approximativen
Pumpgrenzkurve 28' liegend gewählt. Dadurch wird der zulässige Betriebsbereich des
Turboverdichters 2 jedoch meist unnötig eingeschränkt. Hinzu kommt, dass sich die
tatsächliche Lage der Pumpgrenzkurve 28 im Betriebsdiagramm aufgrund mannigfaltiger,
in der bisherigen Diskussion von FIG 2 noch nicht berücksichtigter Einflüsse im Laufe
des Betriebs des Turboverdichters 2 nach oben oder nach unten verschieben kann. Verschiebt
sie sich nach oben, so vergrößert sich die Menge der nicht nutzbaren, stabilen Betriebszustände
noch zusätzlich; verschiebt sie sich nach unten, so besteht die Gefahr, dass der Verdichter
bei ungünstiger Wahl des Betriebspunktes 30 "pumpt".
[0031] Um derartigen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, wird während des Betriebs des
Turboverdichters 2 der jeweils aktuelle Wert eines Zustandsparameters (bezeichnet
mit P
stall oder P
i) ermittelt, der zumindest näherungsweise ein Maß für den Abstand des jeweiligen Betriebszustandes
zur tatsächlichen Pumpgrenze darstellt. Zu diesem Zweck ist, wie in FIG 1 gezeigt,
ein zeitlich hoch auflösender Drucksensor 32 an der zum Strömungskanal 10 gewandten
Außenseite des Verdichtergehäuses 8 derart angeordnet, dass er den zeitlichen Verlauf
des Drucks im Radialspalt 34 zwischen dem ersten Laufrad bzw. den Laufschaufelspitzen
36 der ersten Laufschaufelreihe und dem Verdichtergehäuse 8 misst. Dabei wird eine
Reihe zeitlich aufeinander folgender Druckwerte p
i während des "Vorbeiflugs" der Laufschaufeln 6 mit konstanter Abtastrate gemessen.
Im Ausführungsbeispiel sind 4096 Messwerte vorgesehen; das heißt, es gilt i = 1...
4096. Anschließend wird zur Vorhersage und Früherkennung eines Pumpstoßes in der Auswerteeinheit
38, die Bestandteil der in FIG 1 mit einer gestrichelten Linie umrahmten Überwachungs-
und Regelungsvorrichtung 40 ist, gemäß folgender Formel ein Parameter P
Pumpstoß gebildet:

mit k = Einstellfaktor

[0032] Aus diesem Parameter wiederum wird gemäß:

ein auf die Warnschwelle oder auf den Grenzwert P
stall = 1 normierter so genannter Stall-Parameter oder Zustandsparameter P
stall gebildet. K und K sind Einstellfaktoren. In langwierigen Untersuchungen hat sich
gezeigt, dass der so definierte Stall-Parameter P
stall zumindest im Prinzip ein absolutes Maß für den momentanen Pumpgrenzabstand darstellt,
wobei in der Praxis meist noch Verallgemeinerungen dieses auf der Ermittlung eines
Schall/Druck-Spektrums beruhenden Konzeptes mit entsprechend komplizierteren Formeln
und Berechnungsmethoden eingesetzt werden. An dieser Stelle, d. h. für ein grundsätzliches
Verständnis der Verdichterregelung, kommt es jedoch nicht auf derartige Einzelheiten
an. Im Folgenden wird anstelle der Bezeichnung P
stall auch die Bezeichnung P
i verwendet, wobei der Index i andeutet, dass auch Verallgemeinerungen auf mehr als
einen derartiger Parameter gebräuchlich sind.
[0033] Jedenfalls stellen die Linien P
i = const. im Prinzip Linien konstanten Pumpgrenzabstandes dar, die sich anhand von
Versuchen und gegebenenfalls durch Modellrechnungen unterstützt in dem Betriebsdiagramm
26 des Turboverdichters 2 detektieren und eintragen lassen. Dies ist in FIG 3 schematisch
dargestellt. Jede der generischen Kurven LSV
max = f(n*) der Kurvenschar mit P
i = const. stellt dann zumindest in sehr guter Näherung eine der möglichen Pumpgrenzkurven
dar, die der Turboverdichter 2 im Laufe seines Betriebslebens, abhängig z. B. vom
Verschmutzungsgrad der Verdichterbeschaufelung, tatsächlich annehmen kann. Der aktuell
gültige Wert des Zustandsparameters P
i, der sich - wie oben geschildert - anhand der kontinuierlich erfassten Messgrößen
p
i, LSV, n*, π und gegebenenfalls noch weiterer Größen berechnen lässt, legt dann die
aktuelle, der Steuerung des Turboverdichters 2 zugrunde zu legende Pumpgrenzkurve
28 fest.
[0034] In der Praxis wird beispielsweise nach der Fertigung der Gasturbine bzw. des Turboverdichters
2 für drei verschiedene, jeweils durch ein Paar von Werten (LSV, n*) charakterisierte
Betriebspunkte 30 der jeweils leicht fehlerbehaftete Wert des Zustandsparameters P
i = P
i(LSV, n*) ermittelt. Dem entsprechen im Betriebsdiagramm 26 von FIG 3 die drei Punkte
P1,P2,P3, durch die die Regressionskurve A als anfängliche Pumpgrenzkurve 28 gelegt
wird. Zu einem späteren Zeitpunkt, in dem sich die tatsächliche Pumpgrenzkurve 28
aufgrund von Alterungsprozessen etc. verlagert hat, werden auf analoge Weise die Punkte
P4 bis P7 ermittelt. Diese liegen in dem Betriebsdiagramm 26 beispielsweise allesamt
oberhalb der Kurve A, d. h. bei höheren LSV
max-Werten, was eine Verschiebung der ursprünglichen Pumpgrenzkurve A nach oben nahe
legt. Nun besteht z. B. die Möglichkeit, konservativ zu sein und die Kurve A parallel
zu verschieben, bis sie den untersten der Punkte P4 bis P7 schneidet. Im Beispiel
ist dies der Punkt P4; es ergibt sich die Kurve B. Eine andere Möglichkeit ist, die
Kurve A derart parallel zu verschieben, dass die vier Punkte P4 bis P7 die Bedingung
erfüllen, dass die Summe der Fehlerquadrate bzw. Abweichungsquadrate möglichst gering
ist. In diesem Fall ergibt sich als neue, aktuelle Pumpgrenzkurve 28 die Kurve C.
Bei der Wahl der geeigneten Vorgehensweise können insbesondere auch Erfahrenswerte
berücksichtigt werden.
[0035] Das gesamte Verfahren wird - wie oben bereits geschildert - entweder vollautomatisch
oder interaktiv im Dialog mit einer Bedienperson in der in FIG 1 mit 40 gekennzeichneten
Überwachungs- und Regelungsvorrichtung durchgeführt, die neben der Auswerteeinheit
38 zur Ermittlung des aktuellen Wertes des Zustandsparameters P
i und der zugehörigen Pumpgrenzkurve 28 auch noch eine Regelungseinheit 42 umfasst.
Die Regelungseinheit 42 wirkt über ihr zugeordnete Aktuatoren auf die Verstellvorrichtung
24 für die Vorleitschaufeln 22, d. h. auf deren Anstellwinkel LSV, und auf eine den
Brennstoffmassenstrom N für die Gasturbine regulierende Brennstoffregulierungsvorrichtung
ein. Die Regelung erfolgt derart, dass der Betriebspunkt 30 des Turboverdichters 2
stets unterhalb der durch die aktuelle Pumpgrenzkurve 28 repräsentierten Pumpgrenze
bleibt. Dazu wird der mit etwaigen Lageänderungen sowohl des Betriebspunktes 30 als
auch der Pumpgrenzkurve 28 verbundene Trend, d. h. insbesondere die Änderungsgeschwindigkeit
beider Größen, ermittelt und ausgewertet. Bei Unterschreitung eines vorgegebenen Mindestpumpgrenzabstandes
werden dann entgegenwirkende Steuerbefehle zur Steuerung von LSV und N gegeben, deren
Stärke von der Stärke des Trends und damit von der "Kollisionsgefahr" zwischen dem
Betriebspunkt 30 und der Pumpgrenzkurve 28 abhängig ist.
[0036] Damit kann bei hoher betrieblicher Sicherheit ein besonders großer Betriebsbereich
des Turboverdichters 2 voll ausgeschöpft werden.
1. Verfahren zum Betreiben eines Turboverdichters (2), bei dem ein Betriebspunkt (30)
vorgegeben wird, der unterhalb der in einem dem Turboverdichter (2) zugeordneten Betriebsdiagramm
(26) durch eine Pumpgrenzkurve (28) repräsentierten Pumpgrenze liegt,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Pumpgrenzkurve (28) während des Betriebs anhand von während des Betriebs ermittelten
Messwerten aktualisiert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem während des Betriebs des Turboverdichters (2) der
aktuelle Wert eines Zustandsparameters (Pi), der zumindest näherungsweise ein Maß für den Abstand des jeweiligen Betriebszustandes
zur tatsächlichen Pumpgrenze darstellt, ermittelt wird, wobei anhand dieses aktuellen
Wertes des Zustandsparameters (Pi) die aktuelle Pumpgrenzkurve (28) festgelegt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, bei dem aus einer Schar möglicher Pumpgrenzkurven (28),
entlang derer der Wert des Zustandsparameters (Pi) jeweils konstant ist, diejenige als aktuelle Pumpgrenzkurve (28) ausgewählt wird,
die dem Pumpgrenzabstand zuzuordnen ist, der sich aus dem aktuellen Wert des Zustandsparameters
(Pi) ergibt.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, bei dem in die Ermittlung oder Berechnung des aktuellen
Wertes des Zustandsparameters (Pi) zeitabhängige Druckfluktuationen im Strömungskanal (10) des Turboverdichters (2)
einbezogen werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, bei dem die Druckfluktuationen im Spaltbereich zwischen
den Laufschaufeln (6) einer Laufschaufelreihe, insbesondere der in Strömungsrichtung
des zu verdichtenden Strömungsmediums (M) gesehen ersten Laufschaufelreihe, und dem
den Strömungskanal (10) begrenzenden Verdichtergehäuse (8) gemessen werden.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, bei dem als weitere Eingangsgrößen zur Berechnung
des aktuellen Wertes des Zustandsparameters (Pi) eine für den Anstellwinkel (LSV) der Leitschaufeln des Turboverdichters charakteristische
Kenngröße und/oder das Druckverhältnis (n) zwischen auslassseitigem und saugseitigem
Druck und/oder eine für die Drehzahl des Turboverdichters (2) charakteristische Kenngröße
ermittelt werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, insbesondere zur Anwendung bei einem Turboverdichter
(2) mit verstellbaren Vorleitschaufeln (22), bei dem als eine erste Koordinate des
Betriebsdiagramms (26) eine für den Anstellwinkel (LSV) der Vorleitschaufeln (22)
charakteristische Kenngröße oder stattdessen das Druckverhältnis (n) zwischen auslassseitigem
und saugseitigem Druck und als zweite Koordinate eine für die Drehzahl des Turboverdichters
charakteristische Kenngröße, insbesondere die auf Normbedingungen bezogene reduzierte
Drehzahl (n*), gewählt werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei bei der ersten Inbetriebnahme des
Turboverdichters (2) eine auf theoretischen Vorüberberlegungen und/oder auf Vergleichsmessungen
beruhende anfängliche Pumpgrenzkurve (28) zugrunde gelegt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, bei dem einer drohenden oder tatsächlichen
Überschreitung der Pumpgrenze, vorzugsweise in automatisierter Weise, entgegengewirkt
wird, indem der einer den Verdichter antreibenden Antriebseinheit zugeführte Brennstoffmassenstrom
(N) reduziert und/oder der Anstellwinkel (LSV) der Vorleitschaufeln (22) verändert
wird.
10. Turboverdichter (2) mit einer zugehörigen Überwachungs-und Regelungsvorrichtung (40)
zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 9, wobei die Überwachungs-
und Regelungsvorrichtung (40) eine Anzahl von Messsensoren umfasst, die datenseitig
mit einer für die Ermittlung des aktuellen Betriebszustandes sowie für die Ermittlung
und/oder Kalibrierung einer aktuellen Pumpgrenzkurve (28) konfigurierten Auswerteeinheit
(38) verbunden sind.
11. Turboverdichter (2) nach Anspruch 10, dessen Überwachungs- und Regelungsvorrichtung
(40) eine dateneingangsseitig auf die in der Auswerteeinheit (38) ermittelte aktuelle
Pumpgrenzkurve (28) zugreifende Regelungseinheit (42) umfasst, wobei die Regelungseinheit
(42) mit einer Anzahl von auf Stellgrößen des Turboverdichters (2) einwirkenden Aktuatoren
verbunden ist, und wobei die Regelungseinheit (42) derart konfiguriert ist, dass der
Betriebspunkt (30) des Turboverdichters stets unterhalb der durch die aktuelle Pumpgrenzkurve
(28) repräsentierten Pumpgrenze bleibt.
12. Turboverdichter (2) nach Anspruch 10 oder 11, wobei die Messsensoren mindestens einen
zur Erfassung von zeitlichen Druckfluktuationen im Strömungskanal (10) des Turboverdichters
(2) ausgelegten Drucksensor (32) umfassen, der vorzugsweise im Bereich des der ersten
Laufschaufelreihe zugeordneten Radialspalts (34) angeordnet ist.
13. Turboverdichter (2) nach Anspruch 11 oder 12, wobei die Aktuatoren eine Vorrichtung
zur Regulierung des Brennstoffmassenstroms (N), welcher einer den Turboverdichter
(2) antreibenden Antriebseinheit zugeführt wird, und/oder eine Verstellvorrichtung
(24) für die Vorleitschaufeln (22) des Turboverdichters (2) umfassen.
14. Gasturbine mit einer Turbineneinheit und mit einem Turboverdichter (2) nach einem
der Ansprüche 10 bis 13.