[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Regelung eines Verbrennungsprozesses, mit
den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruches 1.
[0002] Bei einem bekannten Verfahren dieser Art wird entweder automatisch auf Soll-Werte
der Zustandsvariablen geregelt, indem die Ist-Werte mit den Soll-Werten verglichen
und gegebenenfalls Aktionen, normalerweise Stelleingriffe, durchgeführt werden, oder
auf eine Stabilität des Verbrennungsprozesses geregelt, indem Aktionen nur in geringem
Umfang durchgeführt werden.
[0003] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs
genannten Art zu verbessern. Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruches 1 gelöst. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der
Unteransprüche.
[0004] Dadurch, dass zeitweilig von der Führungsregelung zu einer Störungsregelung gewechselt
wird, gemäß welcher Aktionen auswählt werden, um Zustände des Systems in der Anlage
anzufahren, bei denen die Zustandsvariablen innerhalb vorgegebener Grenzen gezielt
vom optimalen Soll-Wert abweichen, werden zusätzliche Informationen beschafft, die
eine verbesserte Regelung ermöglichen. Insbesondere kann dadurch vermieden werden,
dass der Zustand des Systems in einem lokalen Minimum verharrt. Derartige Aktionen
würden weder bei der Regelung auf Soll-Werte, welche gerade den Soll-Wert anstrebt,
noch - da sie größere Änderungen des Zustandes anstreben - bei der Regelung auf die
Stabilität des Verbrennungsprozesses durchgeführt werden. Es sind Kombinationen der
beiden Regelungsfälle in der Art von Kompromissen möglich.
[0005] Die Informationsbeschaffung kann in einer ordentlichen Störungsregelung regelmä-ßig
und in möglichst umfassender Breite erfolgen. Zusätzlich (oder gegebenenfalls alternativ)
können in einer außerordentlichen Störungsregelung bestimmte Bereiche von Zuständen
intensiver getestet werden.
[0006] Die Erfindung kann bei verschiedenen stationären thermodynamischen Anlagen, insbesondere
Kraftwerken, Müllverbrennungsanlagen und Zementwerken, eingesetzt werden.
[0007] Im folgenden ist die Erfindung anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung des zeitlichen Verlaufs einer Zustandsvariablen s(t)
bis zu einem Zeitpunkt t0 und die Vorhersagen für den weiteren Verlauf,
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung des tatsächlichen zeitlichen Verlaufs einer Zustandsvariablen
s(t) im Vergleich zu den zum Zeitpunkt t0 getroffenen Vorhersagen,
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung des zeitlichen Verlaufs einer Zustandsvariablen s(t)
mit einer Aktion ai zum Zeitpunkt t0 und
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung eine Anlage.
[0008] Eine Anlage 1, beispielsweise ein Kohle-, Öl- oder Gaskraftwerk, eine Müllverbrennungsanlage
oder ein Zementwerk, umfasst einen Ofen 3, worunter auch ein Rost verstanden werden
soll, wenigstens eine Beobachtungsvorrichtung 5, welche das Innere des Ofens 3 (bzw.
den Rost) bildlich erfassen kann, vorzugsweise weitere Sensoren 7, wenigstens eine
Stellvorrichtung 9, und einen Rechner 11, an welchen die Beobachtungsvorrichtung(en)
5, weiteren Sensoren 7 und Stellvorrichtung(en) 9 angeschlossen sind.
[0009] Dem Ofen 3 wird Brennstoff oder anderes umzusetzendes Material, kurz als Gut G bezeichnet,
beispielsweise Kohle, Öl, Gas, Müll, Kalk oder dergleichen, sowie Primärluft (bzw.
-sauerstoff) und Sekundärluft (bzw. -sauerstoff), kurz als Luft L bezeichnet, zugeführt,
wobei diese Zufuhr durch die vom Rechner 11 ansteuerbaren Stellvorrichtungen 9 gesteuert
wird. Im Ofen 3 findet ein Verbrennungsprozess statt. Der dadurch erzeugter Flammenkörper
F (sowie gegebenenfalls Emissionen der Wände des Ofens 3) wird von den Beobachtungsvorrichtungen
5 laufend erfasst. Die Beobachtungsvorrichtungen 5 umfassen jeweils neben einem die
Wand des Ofens 3 durchdringenden optischen Zugang, wie beispielsweise einer Lanze
oder einer in der
EP 1 621 813 A1 (deren Offenbarungsgehalt ausdrücklich einbezogen wird) offenbarten Vorrichtung,
noch eine Kamera oder dergleichen, welche im optischen Bereich oder benachbarten Bereichen
elektromagnetischer Wellen arbeitet. Bevorzugt ist eine zeitlich, örtlich und spektral
hochauflösende Kamera, wie sie beispielsweise in der
WO 02/070953 A1 beschrieben ist, deren Offenbarungsgehalt ausdrücklich einbezogen wird.
[0010] Die Bilder des Flammenkörpers F (und der eventuellen Emissionen der Wände des. Ofens
3) werden im Rechner 11 ausgewertet, beispielsweise nach einem Eigenwert-Verfahren,
das in der
WO 2004/018940 A1 beschrieben ist, deren Offenbarungsgehalt ausdrücklich einbezogen wird. In der
EP 1 524 470 A1, deren Offenbarungsgehalt ebenfalls ausdrücklich einbezogen wird, ist ein Verfahren
beschrieben, wie aus einem Spektrum wenige charakteristische Werte gewonnen werden
können. Die aus den Bildern des Flammenkörpers F gewonnenen Daten sowie die Daten
der weiteren Sensoren 7, welche beispielsweise die Zufuhr des Gutes G und der Luft
L, Schadstoffkonzentrationen in den Abgasen oder die Konzentration des Freikalks (FCAO)
messen, werden als Zustandsvariablen s(t) behandelt, die (zeitabhängig) den Zustand
des Systems in der Anlage 1 im allgemeinen und des Verbrennungsprozesses im besonderen
beschreiben und als Vektor zu betrachten sind.
[0011] Durch den Ofen 3 als (Regel-)Strecke, die Beobachtungsvorrichtung(en) 5 und die weiteren
Sensoren 7, den Rechner 11 und die Stellvorrichtungen 9 wird ein Regelkreis definiert.
Es kann auch ein konventioneller Regelkreis nur mit Ofen 3, Sensoren 7, Rechner 11
und Stellvorrichtungen 9 und ohne die Beobachtungsvorrichtung(en) 5 vorgesehen sein,
dessen Regelung nur wenige Zustandsvariablen s
t berücksichtigt (d.h. niederdimensional ist) und dann durch die Einbeziehung der Beobachtungsvorrichtung(en)
5 optimiert wird. Das System in der Anlage 1 ist beispielsweise auf bestimmte Soll-Werte
oder auf einen stabilen Prozess (d.h. einen ruhigen, quasistationären Betrieb der
Anlage 1) hin regelbar. In beiden Fällen werden der durch die Ist-Werte der Zustandsvariablen
s(t) beschriebene Zustand bewertet und gegebenenfalls geeignete Stellaktionen (Stelleingriffe),
kurz als Aktionen a
i bezeichnet, ausgewählt, welche von den Stellvorrichtungen 9 auszuführen sind. Neben
der Zufuhr von Gut G und Luft L können weitere Tätigkeiten von Stellvorrichtungen
9 und gegebenenfalls auch eine Probenentnahme eine Aktion a
i in erfindungsgemäßen Sinne sein. Auch Störungen können als ungewollte Aktionen a
i behandelt werden. Es sind einstellbare Kombinationen der beiden vorgenannten Regelungsfälle
denkbar, die dann Kompromisse darstellen.
[0012] Die Bewertung des Zustandes und die Auswahl der geeigneten Aktionen a
i kann beispielsweise gemäß einem Verfahren erfolgen, wie es in der
WO 02/077527 A1 beschrieben ist, deren Offenbarungsgehalt ausdrücklich einbezogen wird. Im Rechner
11 ist wenigstens ein neuronales Netz implementiert, welches als ein Prozessmodell
die Reaktionen der Zustände des Systems auf Aktionen a
i speichert, also die (nicht-linearen) Verknüpfungen zwischen den Werten der Zustandsvariablen
s(t) zu einem Zeitpunkt t = t
0 und den dann getätigten Aktionen a
i einerseits und den resultierenden Werten der Zustandsvariablen s(t) zu einem späteren
(d.h. um ein bestimmtes Zeitintervall späteren) Zeitpunkt t = t
1 (oder t
1, t
2 , t
3...) andererseits, und zwar zu möglichst vielen Zeitpunkten t in der Vergangenheit.
In diesem Sinne können auch Störungen als (ungewollte) Aktionen a
i in das Prozessmodell einbezogen werden. Eine vom Prozessmodell, d.h. den gespeicherten
Verknüpfungen unabhängige, Situationsbewertung, die in der Art einer vereinfachten
Güte konzipiert ist, bewertet für einen bestimmten Zeitpunkt t die Werte der Zustandsvariablen
s(t) in Hinblick auf vorgegebene Optimierungsziele r
j, d.h. wie nahe der Zustand des Systems zum Zeitpunkt t dem optimalen Zustand ist.
Mit einer Bewertung eines - mit dem Prozessmodell in Abhängigkeit von einer bestimmten
Aktion a
i - vorhergesagten Zustandes zu einem zukünftigen Zeitpunkt lässt sich die Eignung
der bestimmten Aktion a
i zur Annäherung an das Optimierungsziel r
j feststellen.
[0013] Vorzugsweise sind im Rechner 11 drei (oder vier) Prozessmodelle (in jeweils einem
eigenen neuronalen Netz) gespeichert, von denen je eines auf ein kurzes (t
1-t
0), ein (oder zwei) mittleres (t
2-t
0) und ein längeres (t
2-t
0) Zeitintervall hin gelernte Verknüpfungen enthält. Entsprechend sind damit kurzfristige,
mittelfristige und längerfristige Vorhersagen möglich. Die besagten Zeitintervalle
bewegen sich je nach Anlage 1 zwischen etwa einigen Sekunden und einigen Stunden.
Die Zustandsvariablen s(t) sollen und können in der Regel innerhalb bestimmter Grenzen,
d.h. innerhalb eines Intervalls, variieren, beispielsweise zwischen einem unteren
Grenzwert s
l und einem oberen Grenzwert S
h um einen optimalen Soll-Wert S
o herum. Die Werte s
l, s
h und s
o können zeitabhängig sein. Die kurzfristigen, mittelfristigen und längerfristigen
Vorhersagen dienen dazu, den Unterschied von s(t) zum optimalen Soll-Wert s
o (das Optimierungsziel r
j wäre vorliegend beispielsweise, dass s(t) - s
o = 0 oder zumindest minimal wird) und die Einhaltung dieser Grenzen (Grenzwerte s
l, s
h) abzuschätzen und das voraussichtliche Erfordernis von Aktionen a' zu erkennen. Die
zeitliche Entwicklung einer Zustandsvariable s(t) bis zum Zeitpunkt t = t
0 sowie die kurzfristige Vorhersage für t = t
1, die mittelfristige Vorhersage für t = t
2 und die langfristige Vorhersage für t = t
3 sind vereinfacht in Fig. 1 dargestellt. In Fig. 2 ist dann die tatsächliche Entwicklung
von s(t) im Vergleich zu den Vorhersagen dargestellt, wobei der besseren Vergleichbarkeit
halber keine Aktion a
i erfolgt ist.
[0014] Zur Verbesserung der Genauigkeit werden nicht nur die Prozessmodelle durch die tatsächlichen
Entwicklungen der Zustandsvariablen s(t) als Reaktion auf Aktionen a' laufend ergänzt,
sondern es findet ein Wettbewerb mehrerer Prozessmodelle hinsichtlich der Qualität
der Vorhersagen statt. Hierzu werden im Hintergrund alternative Prozessmodelle, beispielsweise
mit anderen Topologien, aufgestellt und trainiert, deren Vorhersagen mit den aktuell
verwendeten Prozessmodellen verglichen werden, um letztere gegebenenfalls zu ersetzen,
wie es beispielsweise in der
EP 1 396 770 A1 beschrieben ist, deren Offenbarungsgehalt ausdrücklich einbezogen wird.
[0015] Erfindungsgemäß ist ein Wechsel von der normalen Regelung, der sogenannten Führungsregelung,
zu einer Störungsregelung (und zurück) möglich, bei welcher der Rechner 11 Testsignale
abgibt, damit - ohne Rücksicht auf die Optimierungsziele r
j - verschiedene Aktionen a' vorgenommen werden, um in verschiedene Richtungen gezielt
zunächst benachbarte (d.h. zum jeweils aktuellen Zustand bezüglich der Zustandsvariablen
s(t) benachbarte) Zustände anzufahren und vorzugsweise - durch sukzessive Aneinanderreihung
des Anfahrens - auch entfernter gelegene Zustände zu erreichen. Um den Betrieb der
Anlage 1 nicht zu behindern oder gar zu stören, werden allerdings nur Zustände innerhalb
der Grenzen (Grenzwerte s
l, s
h) der Zustandsvariablen s(t) als Ziel ausgewählt, d.h. nur Aktionen ausgewählt, auf
die hin die Zustandsvariablen s(t) voraussichtlich innerhalb ihrer Grenzen bleiben.
[0016] Der Rechner 11 startet eine "ordentliche" Störungsregelung regelmäßig, beispielsweise
ca. alle sieben Tage, spätestens jedoch alle vier Wochen, wobei möglichst viele, vorzugsweise
innerhalb der Grenzen möglichst gleichmäßig verteilte Zustände angefahren werden.
Wenn bei der Regelung häufig die gleiche Problematik auftritt, startet der Rechner
11 eine "außerordentliche" Störungsregelung. Eine solche Problematik liegt beispielsweise
vor, wenn die Zustandsvariablen s(t) häufig zu einer Grenze (Grenzwerte s
l, s
h) hin tendieren, d.h. der Mittelwert driftet, und/oder häufig Aktionen a' notwendig
sind, um Abweichungen auszugleichen, und/oder sonstige Unvereinbarkeiten der Regelungen
auf Soll-Werte (Optimierungsziele r
j) und auf einen stabilen Prozess auftreten. Bei der außerordentlichen Störungsregelung
können besonders Zustände angefahren werden, die auf die auslösenden Problematik abgestimmt
sind, beispielsweise je nach Lösungsstrategie in Richtung der Problematik oder genau
entgegengesetzt gewählt werden.
[0017] In den Zeichnungen ist beispielsweise ein Fall dargestellt, dass s(t) sich ständig
oberhalb des optimalen Soll-Wertes s
o bewegt (Fig. 2) und auch in den Vorhersagen (Fig. 1), insbesondere der längerfristigen
Vorhersage über das Zeitintervall t
3-t
0, zum oberen Grenzwert s
h hin tendiert. Im Rahmen der Führungsregelung würde bei t = t
0, oder t = t
1 eine Aktion a' ausgewählt werden, die s(t) näher zum optimalen Soll-Wert s
o bringt. In der Störungsregelung wird dagegen beispielsweise auch eine Aktion a' ausgewählt,
die s(t) zum unteren Grenzwert s
l bringt. Dies ist mit einer Aktion a' zum Zeitpunkt t = t
0 in Fig. 3 dargestellt.
Bezugszeichenliste
[0018]
- 1
- Anlage
- 3
- Ofen
- 5
- Beobachtungsvorrichtung
- 7
- Sensor
- 9
- Stellvorrichtung
- 11
- Rechner
- ai
- Aktion
- F
- Flammenkörper
- G
- Gut
- L
- Luft
- rj
- Optimierungsziel
- s(t)
- Zustandsvariable
- Sh
- oberer Grenzwert
- Sl
- unterer Grenzwert
- So
- optimaler Soll-Wert
- t0, t1, t2, t3
- Zeitpunkt
1. Verfahren zur Regelung eines Verbrennungsprozesses in einer Anlage (1), insbesondere
einem Kraftwerk, einer Müllverbrennungsanlage oder einem Zementwerk, in welcher Gut
(G) unter Zufuhr von Luft (L) mittels des Verbrennungsprozesses unter Ausbildung wenigstens
eines Flammenkörpers (F) umgesetzt wird, wobei die den Zustand des Systems in der
Anlage (1) beschreibenden Zustandsvariablen (s(t)) unter Verwendung wenigstens einer
den Flammenkörper (F) bildlich erfassenden Beobachtungsvorrichtung (5) und weiterer
Sensoren (7) ermittelt und in einem Rechner (11) bewertet werden, worauf gegebenenfalls
geeignete Aktionen (a') auswählt werden, um Stellvorrichtungen (9) für wenigstens
die Zufuhr von Gut (G) und/oder Luft (L) anzusteuern, wobei während einer Führungsregelung
auf Soll-Werte (so) der Zustandsvariablen (s(t)) und/oder auf eine Stabilität des Verbrennungsprozesses
geregelt wird, dadurch gekennzeichnet, dass zeitweilig von der Führungsregelung zu einer Störungsregelung gewechselt wird, gemäß
welcher Aktionen (a') auswählt werden, um Zustände des Systems in der Anlage (1) anzufahren,
bei denen die Zustandsvariablen (s(t)) innerhalb vorgegebener Grenzen (sl, sh) gezielt vom optimalen Soll-Wert (so) abweichen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Störungsregelung zum jeweils aktuellen Zustand bezüglich der Zustandsvariablen
s(t) zunächst benachbarte Zustände angefahren werden.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass regelmäßig von der Führungsregelung zu einer ordentlichen Störungsregelung und zurück
gewechselt wird.
4. Verfahren nach Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass bei der ordentlichen Störungsregelung innerhalb der vorgegebenen Grenzen (sl, Sh) möglichst gleichmäßig verteilte Zustände angefahren werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei häufigem Auftreten der gleichen Problematik bei der Regelung, insbesondere einer
häufigen Tendenz der Zustandsvariablen (s(t)) zu einer Grenze (sl, sh) hin und/oder bei häufiger Notwendigkeit von Aktionen (ai) zum Ausgleich tendenzielle gleicher Abweichungen und/oder beim Auftreten sonstiger
Unvereinbarkeiten der Regelungen auf Soll-Werte (so) der Zustandsvariablen (s(t)) und auf den stabilen Verbrennungsprozess, von der Führungsregelung
zu einer außerordentlichen Störungsregelung gewechselt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass bei der außerordentlichen Störungsregelung Zustände angefahren werden, die auf die
auslösenden Problematik abgestimmt sind.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Prozessmodelle zur Bewertung der Zustandsvariablen (s(t)) und Auswahl der
Aktionen (ai) verwendet werden, um kurzfristige, mittelfristige und längerfristige Vorhersagen
für die Zustandsvariablen (s(t)) zu erhalten.
8. Regelkreis zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
in einer Anlage (1), insbesondere einem Kraftwerk, einer Müllverbrennungsanlage oder
einem Zementwerk, mit einer Strecke (3) zum Umsetzen von Gut (G) unter Zufuhr von
Luft (L) mittels des Verbrennungsprozesses unter Ausbildung wenigstens eines Flammenkörpers
(F), wenigstens einer den Flammenkörper (F) bildlich erfassenden Beobachtungsvorrichtung
(5) und weiterer Sensoren (7) zur Ermittlung der den Zustand des Systems in der Anlage
(1) beschreibenden Zustandsvariablen (s(t)), einem Rechner (11) zur Bewertung der
Zustandsvariablen (s(t)) und gegebenenfalls Auswahl geeigneter Aktionen (a') und durch
die Aktionen (a') ansteuerbare Stellvorrichtungen (9) für wenigstens die Zufuhr von
Gut (G) und/oder Luft (L), wobei der Rechner (11) während einer Führungsregelung auf
Soll-Werte (so) der Zustandsvariablen (s(t)) und/oder auf eine Stabilität des Verbrennungsprozesses
regelt, dadurch gekennzeichnet, dass der Rechner (11) zeitweilig von der Führungsregelung zu einer Störungsregelung wechselt
und gemäß dieser Aktionen (a') auswählt, um Zustände des Systems in der Anlage (1)
anzufahren, bei denen die Zustandsvariablen (s(t)) innerhalb vorgegebener Grenzen
(sl, sh) gezielt vom optimalen Soll-Wert (so) abweichen.
9. Regelkreis nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass im Rechner (11) wenigstens ein neuronales Netz implementiert ist, welches jeweils
ein Prozessmodell zur Bewertung der Zustandsvariablen (s(t)) und Auswahl der Aktionen
(a') speichert.
10. Regelkreis nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass im Rechner (11) mehrere neuronale Netze mit Prozessmodellen für kurzfristige, mittelfristige
und längerfristige Vorhersagen der Zustandsvariablen (s(t)) und/oder mit Prozessmodellen,
die sich im Wettbewerb hinsichtlich der Qualität der Vorhersagen befinden.