[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Einziehen eines Bandes in eine Maschine
gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1. Sie betrifft insbesondere eine Papiermaschine
mit einem Sieb oder einem Filz als Band, oder einer anderen Art von Bespannung. Auch
andere Maschinen kommen in Betracht, bei denen ein Band eine Mehrzahl von Walzen umschlingt,
im Betrieb umläuft, und dabei eine Warenbahn mit sich führt.
[0002] Das genannte Band unterliegt dem Verschleiß, insbesondere durch mechanische oder
thermische Einwirkung. Auch kann sich die Qualität des Bandes im Hinblick auf seine
Funktion verändern, beispielsweise das Entwässerungsverhalten eines Filzbandes einer
Papiermaschine. Deshalb muss das Band von Zeit zu Zeit entfernt und durch ein neues
Band ersetzt werden.
[0003] Man kann zwar ein neues Band als endlichen Streifen in die Maschine einziehen und
es nach dem Umschlingen der betreffenden Walzen durch Legen einer Naht endlos machen.
Das Band wird jedoch heutzutage vorwiegend als endlose Bandschlaufe bereitgestellt
und in die Maschine eingezogen.
[0004] Zu diesem Zweck sind Papiermaschinen wie auch andere Maschinen meist in Cantilever-Bauart
ausgeführt. Siehe Wochenblatt für
Papierfabrikation 21, 1986, Seite 861 ff. Dabei kann ein Stuhlungsteil, im allgemeinen das führungsseitige Stuhlungsteil,
an gewissen Stellen "geöffnet" werden. Dies bedeutet, dass Zwischenstücke aus dem
Stuhlungsteil temporär herausgenommen und damit Durchlässe geschaffen werden, durch
welche das Band hindurchführbar und in den Zwischenraum zwischen den beiden Stuhlungsteilen
einführbar ist.
[0005] Der Wechsel der Bespannung ist arbeits- und zeitaufwendig. Er bedingt somit einen
Stillstand der Maschine und verringert damit den spezifischen Ausstoß.
[0006] Bei Papiermaschinen ist ein Bespannungswechsel besonders in der Pressenpartei häufig
erforderlich. Für den notwendigen Filzwechsel gibt es mehrere Varianten.
[0007] So kann der neue Filz zunächst auf einen Filzeinziehrahmen außerhalb der Pressenpartie
aufgespannt werden. Der neue Filz wird mit dem Kran neben der Maschine aufgehängt.
Nach dem Cantilevern und Öffnen der betreffenden Stuhlungsteile wird der Filz am Kran
hängend in die Maschine eingefahren. Sodann wird das betreffende Stuhlungsteil wieder
geschlossen.
[0008] Alternativ kann wie folgt vorgegangen werden: Der neue Filz wird wiederum vor der
Maschine aufgespannt, und zwar in voller Maschinenbreite. Hierzu werden Tragstangen
verwendet, die einerseits an der Maschinenstuhlung oder am Laufsteg, und andererseits
an der Gebäudewand befestigt werden, falls dies die Platzverhältnisse auf der Führerseite
zulassen.
[0009] In jedem Falle ist der Wechsel der Bespannung ein aufwendiges Manöver.
[0010] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung und ein Verfahren anzugeben,
mit welcher sich der zum Bespannungswechsel notwendige Aufwand an Personal und Zeit
verringern lässt.
[0011] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche gelöst.
[0012] Der Grundgedanke besteht in der Anwendung eines Traggestelles, das die folgenden
Bauteile umfasst:
- Tragelemente, die parallel zueinander angeordnet sind, und auf die das Band aufziehbar
ist
- das Traggestell ist expandierbar, so dass es das aufgezogene Band spannen kann
- die Tragelemente sind dabei unabhängig voneinander derart verfahrbar, dass das Band
wenigstens annähernd die Geometrie annehmen kann (anders ausgedrückt, die Kontur,
in Seitenansicht gesehen), die es im Betrieb hat.
[0013] Mit einem solchen Traggestell lässt sich das Einziehen einer Bespannung leicht und
schnell durchführen. Das erfindungsgemäße Verfahren besteht darin, das endlose neue
Band außerhalb der Maschine auf das genannte Traggestell aufzuziehen oder über dieses
zu streifen. Dabei befindet sich das Traggestell in nicht-expandiertem Zustand. Sodann
wird das Traggestell an dem von ihm getragenen endlosen Band in den Zwischenraum zwischen
den beiden Stuhlungsteilen eingefahren. Bei Maschinen von Cantilever-Bauart sind zuvor
die Zwischenstücke aus dem betreffenden Stuhlungsteil zu entfernen. Vor dem Einfahren
oder während des Einfahrens wird das Traggestell so expandiert, dass das endlose Band
wenigstens annähernd jene Kontur annimmt, die es im Betrieb haben wird, beziehungsweise
zum Einziehen haben muss.
[0014] Die Erfindung ist anhand der Zeichnung näher erläutert. Darin ist im einzelnen folgendes
dargestellt:
- Figur 1
- zeigt in einer Seitenansicht einen Teil einer Doppelsiebmaschine, bei welcher die
Erfindung anwendbar ist.
- Figur 2
- zeigt in einer Seitenansicht die erfindungsgemäße Vorrichtung mit dem Traggestell,
das den Kern der Erfindung darstellt.
- Figur 3
- zeigt in perspektivischer Darstellung das Traggestell mit Positionierarm und aufgespanntem
Filzband.
- Figur 4
- zeigt den Gegenstand von Figur 3, wiederum in perspektivischer Ansicht, jedoch unter
einem anderen Blickwinkel, kurz vor dem Einfahren in die Pressenpartie einer Papiermaschine.
[0015] Die in Figur 1 im Ausschnitt dargestellte Papiermaschine ist eine Doppelsiebmaschine
mit einem Untersieb 1 und einem Obersieb 2 sowie einem Decksieb 3. Ein Stuhlungsteil
4 weist herausnehmbare Zwischenstücke 5 auf - hier schraffiert angeordnet. Es handelt
sich hierbei somit um eine Cantilever-Bauart.
[0016] Figur 2 zeigt das Traggestell 6 der Einziehvorrichtung, das man auch "Drapierstern"
nennen könnte.
[0017] Das Traggestell umfasst vier Spreizarme 7, 8, 9, 10, ferner eine gleiche Anzahl von
Drapierstangen 11, 12, 13, 14.
[0018] Die Spreizarme 7, 8, 9, 10 sind teleskopartig aufgebaut, so dass sich ihre Längen
verändern können. Die Längenveränderung wird beispielsweise durch pneumatische Mittel
vorgenommen. Jeder Spreizarm trägt an seinem äußeren Ende eine Drapierstange. An seinem
radial inneren Ende ist er um eine Schwenkachse 15 verschwenkbar. Die Drapierstangen
11 bis 14 verlaufen parallel zueinander. Die Schwenkachse 15 verläuft parallel zu
den Drapierstangen.
[0019] Die Bespannung, zum Beispiel ein Pressfilz für eine Papiermaschine, lässt sich auf
dem Traggestell 6 aufspannen, so dass die Drapierstangen 11 bis 14 an der Innenfläche
der Bespannung anliegen. Je nach Einstellung der Winkel α1, α2, α3 und α4 zwischen
den einzelnen Spreizarmen 7 bis 10 sowie je nach Einstellen der Längen L
1, L
2, L
3, L
4 der einzelnen Spreizarme 7 bis 10 kann eine mehr oder minder stramme Spannung der
Bespannung erzielt werden.
[0020] Figur 3 lässt wiederum das Traggestell 6 erkennen. Die Tragstangen - hier nur die
Tragstange 14 angedeutet - sind von der Bespannung 16 umschlungen, im vorliegenden
Falle von einem Papiermaschinenfilz.
[0021] Das Traggestell 6 mit aufgezogener Bespannung 16 hängt an einem Positionierarm 17.
Dieser ist seinerseits an einer Deckenschiene 18 verfahrbar. Die Deckenschiene 18
liegt in einer Horizontalebene und verläuft dabei senkrecht zur Richtung der Maschine,
im vorliegenden Falle der Pressenpartie einer Papiermaschine.
[0022] Das Betätigen der Spreizarme 7 bis 10 sowie der Drapierstangen 11 bis 14 kann elektrisch,
pneumatisch, hydraulisch oder mechanisch erfolgen. Über eine Steuerung lässt sich
jegliche Position der einzelnen Drapierstangen 11 bis 14 einstellen, damit auch jede
Spannung der Bespannung 16, und auch jede Geometrie (man könnte auch sagen Kontur,
quer zur Längsrichtung der Maschine gesehen).
[0023] Zum Einziehen der Bespannung 16 wird das Traggestell (Drapierstern) in Querrichtung
der Maschine verfahren - entsprechend dem Verlauf der Deckenschiene 18. Dabei befindet
sich das Traggestell mit Bespannung 16 im Zwischenraum zwischen den beiden Stuhlungsteilen
der Maschine, die die Maschine an den beiden Längsseiten begrenzen. Die Drapierstangen
11 bis 14 haben im wesentlichen die Länge des Zwischenraumes zwischen den beiden Stuhlungsteilen,
oder anders gesagt die Länge der Walzen, um welche die Bespannung in eingebautem Zustand
und im Betrieb herumgeschlungen ist.
[0024] Das Traggestell mit aufgezogener Bespannung kann auch mittels eines Kranes manipuliert
werden. Der Kran kann an der Decke hängen, oder sich auf dem Maschinenboden abstützen.
[0025] Das Verfahren der Drapiervorrichtung in die Maschine sowie aus der Maschine heraus
lässt sich auf andere Weise durchführen, als in den Figuren 3 und 4 dargestellt. So
ist es auch denkbar, die Vorrichtung mitsamt der Bespannung auf dem Fußboden der Maschinenhalle
zu lagern, um beispielsweise in Schienen zu verfahren. Der Antrieb kann jeglicher
Art sein, somit pneumatisch, hydraulisch, elektrisch oder mechanisch.
[0026] Die Drapierstangen 11 bis 14 können ebenfalls teleskopierbar sein. Sie können zur
Platzersparnis während des Auflegens der Bespannung 16 in Maschinenrichtung verlaufen,
aber für das Einziehen in die Querrichtung verschwenkt und teleskopartig verlängert
werden.
[0027] Der große Vorteil der erfindungsgemäßen Vorrichtung sowie des erfindungsgemäßen Verfahrens
besteht in folgendem:
- Der Bespannungswechsel verläuft bei geringem Personalaufwand.
- Der Bespannungswechsel ist rasch durchführbar.
- Die Arbeitsweise ist flexibel, das heißt anwendbar bei unterschiedlichen Maschinenbauarten
wie auch bei unterschiedlichen Bespannungsarten und -abmessungen.
- Die Bespannung wird beim Bespannungswechsel weitgehend geschont, das heißt die Gefahr
von Beschädigungen ist minimiert.
- Die erfindungsgemäße Vorrichtung sowie das erfindungsgemäße Verfahren lassen sich
jederzeit auch bei existierenden Maschinen einsetzen, ohne dass es hierzu großer Umbauten
oder Veränderungen bedarf.
- Es muss nicht für jede Einbausituation ein besonderes Drapiergestell aufgebaut werden,
vielmehr lässt sich das erfindungsgemäße Drapiergestell für praktisch alle Anwendungsfälle
verwenden.
[0028] Die Erfindung ist von besonderer Bedeutung für die Papierfabrikation. Sie lässt sich
unter anderem anwenden für
Formiersiebe
Trockensiebe
Pressfilze
Transfer- und Centerbelts
Mäntel für Schuhwalzen
Qualiflex-Mäntel.
Bezugszeichenliste
[0029]
- 1
- Untersieb
- 2
- Obersieb
- 3
- Decksieb
- 4
- Stuhlungsteil
- 5
- Zwischenstücke
- 6
- Traggestell
- 7
- Spreizarme
- 8
- Spreizarme
- 9
- Spreizarme
- 10
- Spreizarme
- 11
- Drapierstangen
- 12
- Drapierstangen
- 13
- Drapierstangen
- 14
- Drapierstangen
- 15
- Schwenkachse
- 16
- Bespannung
- 17
- Positionierarm
- 18
- Deckenschiene
1. Vorrichtung zum Einziehen eines endlosen Bandes (16) in eine Maschine, die je ein
auf jeder Längsseite der Maschine angeordnetes, in Maschinenrichtung verlaufendes
Stuhlungsteil (4) aufweist, ferner quer zur Maschinenrichtung angeordnete Walzen,
die sich zwischen den Stuhlungsteilen (4) erstrecken und im Betrieb das Band (16)
führen, insbesondere Papiermaschine mit einem Sieb oder einem Filz als Band (16),
gekennzeichnet durch die folgenden
Merkmale:
- ein Traggestell (6), umfassend Tragelemente (11, 12, 13, 14), die parallel zueinander
angeordnet sind, und auf die das Band (16) aufziehbar ist;
- das Traggestell (6) ist expandierbar, so dass es das aufgezogene Band (16) spannen
kann;
- die Tragelemente (11, 12, 13, 14) sind dabei unabhängig voneinander derart verfahrbar,
dass das Band (16) wenigstens annähernd die Geometrie annehmen kann, die es im Betrieb
und/oder zum Einziehen haben muss.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch die folgenden
Merkmale:
- die Tragelemente sind Drapierstangen (11, 12, 13, 14);
- die Drapierstangen (11, 12, 13, 14) sind von Spreizarmen (7, 8, 9, 10) getragen,
die quer zu den Drapierstangen (11, 12, 13, 14) angeordnet sind, die mit ihren freien
Enden an den Drapierstangen (11, 12, 13, 14) angreifen, die um eine Schwenkachse (15)
verschwenkbar oder positionierbar sind, und die teleskopierbar sind.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass ein Antrieb zum Ein- und Ausfahren des Traggestells (6) mit oder ohne aufgespannter
Bespannung (16) in den und aus dem Raum zwischen den Stuhlungsteilen (4) vorgesehen
ist.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass eine Deckenschiene (18) vorgesehen ist, die oberhalb der Maschine angeordnet ist
und quer zur Längsrichtung der Maschine verläuft, und dass ein Positionierarm (17)
vorgesehen ist, der mit seinem einen Ende am Traggestell (6) angreift, und mit seinem
anderen Ende in der Deckenschiene verfahrbar ist.
5. Verfahren zum Einziehen eines endlosen Bandes (16) in eine Maschine, die auf ihren
beiden Längsseiten durch ein Stuhlungsteil (4) begrenzt ist und die Walzen aufweist,
die sich zwischen den Stuhlungsteilen (4) erstrecken und im Betrieb das Band (16)
führen, insbesondere Papiermaschine mit einem Sieb oder einem Filz als Band (16),
gekennzeichnet durch die folgenden
Merkmale:
- das Band (16) wird außerhalb der Maschine auf ein Traggestell (6) aufgezogen;
- das Traggestell wird positioniert, so dass das Band wenigstens annähernd die Geometrie
erhält, die es im Betriebszustand und/oder zum Einziehen haben muss;
- das Traggestell (6) mit dem aufgezogenen Band (16) wird in den Raum zwischen den
beiden Stuhlungsteilen (4) eingefahren und auf die Walzen aufgezogen.