[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung von Einrichtungen zur Kühlung
eines ölgefüllten Leistungstransformators in Abhängigkeit von dessen Öl- oder Wicklungstemperatur.
[0002] Ölgefüllte Leistungstransformatoren werden nach ihrer Bauart und Kühlungsart international
mit einem 4-Buchstaben-Code charakterisiert. Die ersten beiden Buchstaben beziehen
sich dabei auf die Art der Kühlung des Transformators selbst; hierfür gibt es die
dem Fachmann bekannten Kürzel ON für "Oil Natural", OF für "Oil Forced", OP für "Oil
Forced", jedoch mit einer Ölkühlanlage mit Axialpumpe, OD für "Oil Directed", sowie
GF für "Gas Forced" (für Transformatoren mit SF
6-Kühlung) als Sonderbauart. Die nachgestellten beiden weiteren Buchstaben bezeichnen
die jeweilige Art des Kühlmediums; hierzu gibt es AN für "Air Natural", AF für "Air
Forced", WF für "Water Forced".
[0003] Durch Kombination unterschiedlicher Kühlungsarten von Transformatoren als auch unterschiedlicher
Arten des Kühlmediums existieren mithin die verschiedensten Bauformen von Transformatoren,
die sich durch die erläuterte Codierung darstellen lassen.
[0004] Weiterhin besitzt ein ölgefüllter Leistungstransformator in der Regel mehrere Kühlstufen,
denen verschiedene Kühlungsarten bzw. Arten des Kühlmediums zugrunde liegen können.
[0005] Zur Steuerung von Kühleinrichtungen am Leistungstransformator, wie Pumpen oder Lüftern,
die in den einzelnen Kühlstufen wirken, ist es bekannt, die jeweilige Temperatur des
Isolieröles oder die Wicklungstemperatur zu erfassen bzw. zu berechnen und mit einem
vorab vorgegebenen Grenzwert für jede Kühlstufe zu vergleichen, bei dessen Überschreitung
die jeweilige Kühleinrichtung in Betrieb gesetzt wird; solange, bis der Grenzwert
der jeweiligen Stufe wieder unterschritten ist.
[0006] Die Berechnungen der erläuterten Momentanwerte der Temperatur des Isolieröles oder
der Wicklungstemperatur sind dem Fachmann geläufig, sie sind in der IEC 354 "Loading
guide for oilimmersed power transformers", Seiten 25ff, insbesondere Seite 33f, ausführlich
beschrieben. Abhängig von der Art des Transformators und der jeweiligen Kühlstufe
sind in dieser IEC die unterschiedlichsten Variablen und Parameter sowie insgesamt
unterschiedliche Berechnungsvorschriften festgelegt.
[0007] Aus der
US 2002/0161558 A1 sind ein Gerät und implizit ein entsprechendes Verfahren zur Steuerung von Einrichtungen
zur Kühlung eines ölgefüllten Leistungstransformators mit mindestens einer Kühlstufe
in Abhängigkeit von dessen Öl- oder Wicklungstemperatur bekannt. Dabei wird die Öl-
bzw. Wicklungstemperatur gemäß den Rechenvorschriften der genannten IEC ermittelt
und als Basis für die Betätigung der Kühlstufen mit einem jeweiligen entsprechenden
Grenzwert verglichen. Bei diesem bekannten Gerät und dem entsprechenden Verfahren
müssen also zunächst einmal, für jede Kühlstufe getrennt, die jeweiligen Variablen,
die der Trafoart in Kombination mit der jeweiligen Kühlungsart entsprechen, mühevoll
aus der IEC zusammengesucht und in eine entsprechende Steuereinheit eingegeben werden,
damit eine korrekte Berechnung von Öl- bzw. Wicklungstemperatur und in der Folge ein
Vergleich mit einem kühlstufenabhängigen Grenzwert erfolgen können. Eine solche Eingabe
ist für den Anwender umständlich. Zum einen ist es mühevoll, die einzelnen Parameter
korrekt aus der IEC zu entnehmen. Oft steht die IEC dem Anwender gerade nicht zur
Verfügung, oft ist das Bedienpersonal im Umgang mit der umfangreichen Publikation
ungeübt. Zum anderen können Fehler bei der Auswahl der jeweiligen Parameter und Formeln
aus dem Normenwerk und ihrer manuellen Übertragung in eine entsprechende Steuereinheit
auftreten.
[0008] Hier setzt die Erfindung an. Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren anzugeben,
das dem Anwender diese aufwändigen Tätigkeiten abnimmt.
[0009] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruches gelöst.
Bei diesem Verfahren ist es nur noch notwendig, Bauart und Kühlungsarten des jeweiligen
Leistungstransformators zu identifizieren und die eingangs erläuterte buchstabencodierte
Charakterisierung der jeweiligen Kühlungsart des Transformators und des Kühlmediums
in seinen jeweiligen Kühlstufen anzugeben. Diese wenigen notwendigen Angaben zum Leistungstransformator
sind dem Anwender bekannt; sie sind auf dem Typenschild enthalten und lassen sich
leicht, einfach und ohne Übertragungsfehler in eine entsprechende Steuereinheit übernehmen.
[0010] Das erfindungsgemäße Verfahren nutzt den Umstand, dass die zur Berechnung der spezifischen
Ölsowie Wicklungstemperaturen anzuwendenden Rechenvorschriften, einschließlich der
jeweiligen Variablen und Parameter, in der genannten IEC eindeutig festgelegt und
somit vom Anwender zwingend zu verwenden sind. Diese Werte sind daher bereits werksseitig
nichtflüchtig gespeichert, so dass praktisch nur noch ein Parameter von Hand eingegeben
werden muss: Die 4-Buchstaben-Codierung für jede vorhandene Kühlstufe des entsprechenden
Leistungstransformators.
[0011] Lediglich bei Änderung der IEC, wenn sich die festgelegten Parameter und Rechenvorschriften
ändern sollten, wäre eine Änderung der nichtflüchtig gespeicherten Werte notwendig.
Da solche Änderungen relevanter Kriterien in verbindliche Normen jedoch nur sehr selten
zu erwarten sind, allenfalls nach etlichen Jahren, kann der Aufwand für eine solche
interne Nachparametrierung in Kauf genommen werden.
[0012] Zur Durchführung des Verfahrens eignet sich beispielsweise das von der Anmelderin
angebotene elektronische Steuergerät TAPCON
® 260.
[0013] Die Erfindung soll nachfolgend an Hand von Zeichnungen beispielhaft noch näher erläutert
werden. Es zeigen:
- Figur 1
- das erfindungsgemäße Verfahren in schematischer Darstellung aller nacheinander ablaufender
Verfahrensschritte
- Figur 2
- eine erweiterte Darstellung wichtiger Verfahrensschritte sowie der Parameterauswahl
beim erfindungsgemäßen Verfahren.
[0014] Zuerst soll an Hand von Figur 1 das komplette Verfahren beschrieben werden.
[0015] Einmalig wird werksseitig in dem jeweiligen Regler bzw. dem elektronischen Steuergerät,
in dem das Verfahren ablaufen soll, eine nichtflüchtige Speicherung aller möglichen
4-Buchstaben-Codierungen und der zugeordneten spezifischen Variablen und Rechenvorschriften
gemäß der erläuterten IEC vorgenommen.
[0016] Weiterhin erfolgt zunächst die nichtflüchtige Speicherung von Grenzwerten ϑ
1... ϑ
n für die Öl- bzw. Wicklungstemperatur für jede beim entsprechenden Leistungstransformator
vorhandene Kühlstufe 1...n.
[0017] Nachdem dies erfolgt ist, kann das eigentliche Verfahren beginnen. Zunächst erfolgt
die Eingabe der jeweiligen Kühlungsart des Transformators und der Art des Kühlmediums
für jede vorhandene Kühlstufe 1...n getrennt im 4-Buchstaben-Code.
[0018] Nachfolgend erfolgt im Rechner aus den nichtflüchtig gespeicherten Wertepaaren aller
möglicher 4-Buchstaben-Codierungen das Auslesen der lt. IEC zutreffenden Rechenvorschriften,
Variablen und Konstanten für die eingegebenen Werte zur jeweiligen Berechnung von
Öl- bzw. Wicklungstemperatur ϑ.
[0019] Mit diesen Werten erfolgt nachfolgend die tatsächliche Berechnung des aktuellen Öl-
bzw. Wicklungstemperatur-Istwertes ϑ.
[0020] Diese Berechnung erfolgt gemäß der für den jeweiligen Transformator zutreffenden
spezifischen Vorschriften der IEC 354. Für diese Berechnung werden die Top-Oil-Temperatur,
der Laststrom, der Lastfaktor - das ist der Quotient aus Laststrom und Bemessungsstrom
- und weitere spezifische, in der IEC vorgesehene Parameter verwendet.
[0021] Anschließend erfolgt ein Vergleich der berechneten Öl- bzw. Wicklungstemperatur ϑ
mit dem Grenzwert ϑ
1... ϑ
n für jede Kühlstufe 1...n getrennt. Für diesen Vergleich werden die nicht flüchtig
gespeicherten Grenzwerte ϑ
1... ϑ
n verwendet.
[0022] Mit der Formulierung "getrennter Vergleich" ist gemeint, dass zunächst geprüft wird,
ob der errechnete Wert ϑ den Grenzwert ϑ
1, für die erste Kühlstufe überschreitet. Ist dies der Fall, wird die erste Kühlstufe
aktiviert. Weiterhin wird geprüft, ob der errechnete Wert ϑ so groß ist, dass er darüber
hinaus auch den Grenzwert ϑ
2 der zweiten Kühlstufe überschreitet. In einem solchen Fall wird auch die zweite Kühlstufe
aktiviert. Dieser Vergleich wird für eventuell weitere Kühlstufen auf analoge Weise
fortgesetzt.
[0023] Zusätzlich ist es sinnvoll, bei Überschreiten des Grenzwertes ϑ
n für die letzte (höchste) vorhandene Kühlstufe n zusätzlich noch die Auslösung von
einer Warnung, ggf. auch das Stillsetzen des Transformators zu veranlassen.
[0024] Die wichtigsten Verfahrensschritte sollen nachfolgend an Hand der Figur 2 noch einmal
verdeutlicht werden. Das für die Durchführung des Verfahrens in diesem Beispiel verwendete
Steuergerät weist vier Schaltkontakte S1...S4 auf; es ist für einen Transformator
mit bis zu vier verschiedenen Kühlstufen 1...4 verwendbar. Sind beim jeweiligen Transformator
weniger Kühlstufen vorhanden, bleiben die übrigen Kontakte unbenutzt.
[0025] Im oberen Teil von Figur 2 ist gezeigt, wie sich aus der jeweiligen Kühlungsart (das
sind die ersten beiden Großbuchstaben) und der entsprechenden Art des Kühlmediums
(das sind die folgenden beiden Großbuchstaben) die bereits besprochene 4-Buchstaben-Codierung
ergibt.
[0026] Die Kühlstufe 0, d. h. der normale Betrieb, erhält üblicherweise immer die Bezeichnung
ONAN. Kühlstufen mit gleicher Kühlungsart werden aufsteigend mit einem Index bezeichnet,
der mit der Ziffer 1 beginnt. Jeder Kühlstufe sind charakteristische Parameter, der
Gradient gr, der Wicklungsexponent y und die Wicklungszeitkonstante tau, zugeordnet,
die von der Art des Transformators und der Kühlungsart, mithin von der jeweiligen
4-Buchstaben-Codierung, abhängen.
[0027] In der Mitte von Figur 2 ist die Matrix aller möglicher 4-Buchstaben-Codierungen
und der zugeordneten erläuterten Parameter gezeigt, so wie sie nichtflüchtig gespeichert
werden.
[0028] Aus dieser Matrix werden die jeweiligen relevanten Parameter ausgelesen, die sich
aus der Eingabe der Transformatoren- und Kühlungsart konkret für die einzelnen Kühlstufen
ergeben. Mit diesen Parametern erfolgt dann die Berechnung der aktuellen Öl- bzw.
Wicklungstemperatur ϑ.
[0029] Im unteren Teil von Figur 2 ist die nichtflüchtige Speicherung der Grenzwerte ϑ
1... ϑ
n für jede Kühlstufe 1...n - hier als prozentualer Schaltpunkt in Grad Celsius über
der jeweils berechneten Wicklungstemperatur ϑ ausgedrückt, gezeigt.
[0030] Mit diesen nichtflüchtig gespeicherten Werten erfolgt nachfolgend der beschriebene
Vergleich der berechneten Temperatur ϑ mit dem jeweiligen Grenzwert ϑ
1,... ϑ
n für jede Kühlstufe 1...n getrennt. Im hier gezeigten Beispiel besitzt der Transformator
tatsächlich vier Kühlstufen 1...4, so dass alle am Steuergerät vorhandenen Kontakte
S1...S4 hier belegt sind.
[0031] Zusätzlich sind in diesem Beispiel noch zwei weitere Schaltkontakte 5 und 6 vorgesehen,
wobei der Schaltkontakt 5 bei Überschreiten des Grenzwertes ϑ
4 für die letzte Kühlstufe 4 ein Warnsignal auslöst, das signalisiert, dass die regulären
Kühlstufen offensichtlich nicht in der Lage sind, den (übermäßig) erhitzten Leistungstransformator
wieder herunterzukühlen. Eine Ursache hierfür kann z. B. in einer ausgefallenen Pumpe
liegen.
[0032] Ein weiterer Schaltkontakt 6 wird ausgelöst, wenn auch der Grenzwert für diese Warnmeldung
noch deutlich überschritten wird; dann wird der gesamte Transformator stillgesetzt,
um Schäden zu vermeiden.
[0033] Im gezeigten Beispiel sind die Kühlstufen 1...3 in der Bauart ONAF ausgeführt und,
wie oben erläutert, daher um einem Index 1...3 ergänzt. Die letzte Kühlstufe 4 ist
in diesem Beispiel vom Typ OPAF.
[0034] Prinzipiell lässt sich beim erfindungsgemäßen Verfahren sowohl die berechnete Öltemperatur
als auch die berechnete Wicklungstemperatur als Vergleichsgröße verwenden, weswegen
hier durchgängig beide Arten von berechneter Temperatur mit dem gleichen Bezugszeichen
ϑ versehen sind. Unterschiede ergeben sich allerdings hinsichtlich der Ansprechempfindlichkeit,
da sich die Wicklungstemperatur wesentlich rascher ändert als die Öltemperatur, die
mit einer bestimmten Trägheit dieser nachfolgt.