[0001] Die Erfindung betrifft ein Turbinengehäuse für eine Dampfturbine und/oder eine Gasturbine.
Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Herstellen eines derartigen Turbinengehäuses.
[0002] Turbinengehäuse der oben genannten Art kommen oft mit erosiven bzw. korrosiven Strömungsmedien
in Kontakt. So sind die Gehäuse von Dampfturbinen oft Dampfzuständen mit erosiven
bzw. korrosiven Eigenschaften ausgesetzt. Derartige Turbinengehäuse wurden daher bisher
als Schweißkonstruktionen mit eingeschweißten hochlegierten Blechen ausgeführt oder
vollständig aus hochlegiertem Stahlguss gefertigt. Die Herstellung derartiger Turbinengehäuse
ist jedoch sehr kostenintensiv.
[0003] Eine der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe besteht darin, ein Turbinengehäuse der
eingangs genannten Art sowie ein Verfahren der eingangs genannten Art dahingehend
zu verbessern, dass das Turbinengehäuse kostengünstiger hergestellt werden kann, aber
gleichzeitig im Betrieb eine hohe Verschleißfestigkeit aufweist.
[0004] Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß mit einem gattungsgemäßen Turbinengehäuse gelöst,
bei dem das Turbinengehäuse zumindest abschnittsweise Grau- und/oder Sphäroguss als
Grundwerkstoff enthält, wobei in dem Grau- und/oder Sphäroguss mindestens ein Element
eingebettet ist, welches einen hochlegierten metallischen Werkstoff aufweist. Darüber
hinaus ist die Aufgabe mit einem gattungsgemäßen Verfahren gelöst, welches die Schritte
eines Bereitstellens mindestens eines einen hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisenden
Elementes, sowie eines Herstellens mindestens eines Abschnitts des Turbinengehäuses
aus Grau- und/oder Sphäroguss unter gleichzeitigem Einbetten des mindestens einen,
den hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisenden Elementes in den Abschnitt des
Türbinengehäuses aufweist.
[0005] Unter einem hochlegierten metallischen Werkstoff ist hier eine Legierung zu verstehen,
bei der mindestens eines der Legierungselemente ein Massenanteil von mehr als 5% aufweist.
Ein einen hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisendes Element gemäß der Erfindung
kann insbesondere als hochlegiertes Blech ausgeführt sein. Unter Grauguss ist hier
ein Gusseisen mit Lamellengraphit, insbesondere gemäß DIN 1691 zu verstehen. Ein gemäß
der Erfindung einen Grundwerkstoff des Turbinengehäuses bildender Grauguss lässt sich
hervorragend vergießen und spanend bearbeiten. Als Ausgangsmaterialien des Graugusses
werden in der Regel nahezu 100% Recyclingwerkstoffe verwendet. Der Grauguss ist damit
kostengünstig herstellbar. Unter Sphäroguss wird hier ein Gusseisen mit Kugelgraphit
verstanden, welches mittels so genannten "Druckmethoden" erzeugt wird. Insbesondere
Materialien gemäß DIN 1693 gelten als Sphäroguss in diesem Sinne. Sphärogussmaterialien
zeichnen sich durch hohe Zähigkeit und Festigkeit aus. Sie sind leicht zu bearbeiten,
schwingungsdämpfungsfähig und darüber hinaus konstruktionsschweißbar. Auch ist Sphäroguss
in der Herstellung kostengünstig.
[0006] Durch die Verwendung von Grau- und/oder Sphäroguss als Grundwerkstoff für das Turbinengehäuse
lassen sich die Herstellkosten des Turbinengehäuses deutlich verringern. Durch das
Einbetten des den hochlegierten metallischen Werkstoff enthaltenden Elementes in den
Grundwerkstoff an geeigneten Stellen erlangt das Turbinengehäuse trotzdem eine geeignete
Verschleißfestigkeit gegenüber erosiven bzw. korrosiven Zuständen des Strömungsmediums
der Turbine, insbesondere gegenüber erosiven bzw. korrosiven Dampfzuständen auf. Darüber
hinaus weist das erfindungsgemäße Turbinengehäuse verbesserte mechanische und technologische
Eigenschaften auf. Die Festigkeit des Turbinengehäuses kann gegenüber den im Stand
der Technik verwendeten Schweißkonstruktionen erhöht werden. Darüber hinaus kann mittels
Grau- und/oder Sphäroguss auf einfache Weise jede beliebige Form hergestellt werden.
Durch die Verwendung von Grau- und/oder Sphäroguss ist weiterhin eine kostengünstigere
mechanische Bearbeitung des Turbinengehäuses möglich. Gegenüber einer Schweißkonstruktion
entsteht darüber hinaus ein geringerer Prüfaufwand. Die Zeichnungs- und Stücklistenerstellung
ist für die Herstellung des erfindungsgemäßen Turbinengehäuses gegenüber vorbekannten
Herstellungsverfahren vereinfacht. Aufgrund all dieser Vorteile in der Fertigung können
mittels der Erfindung gegenüber Schweiß- oder Stahlgussgehäusen kürzere Lieferzeiten
für Turbinengehäuse erreicht werden. Schließlich besteht auch die Möglichkeit an dem
mindestens einen eingegossenen, den hochlegierten metallischen Werkstoff enthaltenden
Element Konstruktionsschweißungen durchzuführen.
[0007] In einer vorteilhaften Ausführungsform ist das mindestens eine, den hochlegierten
metallischen Werkstoff aufweisenden Element in den Grau- und/oder Sphäroguss eingegossen.
In einer vorteilhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der mindestens
eine Abschnitt des Turbinengehäuses durch Gießen hergestellt, wobei beim Gießen das
mindestens eine Element in den Abschnitt des Turbinengehäuses eingegossen wird. Damit
kann das den hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisende Element auf eine fertigungstechnisch
besonders einfache und effiziente Weise in den Grau- und/oder Sphäroguss eingebettet
werden. Es kann weiterhin eine besonders feste und beständige Verbindung zwischen
dem Grau- und/oder Sphäroguss und dem Element hergestellt werden.
[0008] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform weist das mindestens eine, den hochlegierten
metallischen Werkstoff aufweisende Element die Form eines Riegels oder Stabes auf.
Mittels eines derartigen Riegels oder Stabes lassen sich Übergangsbereiche zwischen
Abschnitten bzw. Komponenten des Turbinengehäuses, an denen das Strömungsmedium entlangströmt,
besonders wirkungsvoll gegenüber den erosiven bzw. korrosiven Eigenschaften des Strömungsmediums
schützen.
[0009] Die Beständigkeit des den hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisenden Elementes
gegenüber erosiven bzw. korrosiven Medien ist besonders hoch, wenn der hochlegierte
metallische Werkstoff mindestens eines der chemischen Elemente Kohlenstoff, Chrom,
Nickel und/oder Molybdän aufweist. In besonders vorteilhafter Ausführungsform beträgt
der Kohlenstoffgehalt in dem hochlegierten metallischen Werkstoff etwa 0,03%, der
Chromgehalt etwa 13% und/oder der Nickelgehalt etwa 4%. Es ist besonders zweckmäßig,
wenn der hochlegierte metallische Werkstoff X3CrNiMo13-4 aufweist.
[0010] Um das Turbinengehäuse besonders gut vor erosiven bzw. korrosiven Dampfzuständen
einer Dampfturbine zu schützen, ist es zweckmäßig, wenn das mindestens eine, den hochlegierten
metallischen Werkstoff aufweisende Element in einem Bereich des Turbinengehäuses angeordnet,
welches im Betrieb der zugehörigen Turbine mit Dampf beaufschlagt ist.
[0011] Darüber hinaus ist es zweckmäßig, wenn das mindestens eine, den hochlegierten metallischen
Werkstoff aufweisende Element in einem Bereich eines Übergangs zwischen verschiedenen
Komponenten des Turbinengehäuses angeordnet ist. Damit lässt sich verhindern, dass
erosive bzw. korrosive Eigenschaften des Strömungsmediums der zugehörigen Turbine
in Übergangsbereichen zwischen verschiedenen Komponenten des Turbinengehäuses Schaden
anrichten. Insbesondere ist es vorteilhaft, wenn das den hochlegierten metallischen
Werkstoff aufweisende Element im Bereich einer Versiegelung zwischen verschiedenen
Komponenten des Turbinengehäuses angeordnet ist.
[0012] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Turbinengehäuses
für eine Dampfturbine anhand der beigefügten schematischen Zeichnung näher erläutert.
[0013] Die einzige Figur zeigt:
einen Längsschnitt eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Turbinengehäuses.
[0014] Fig. 1 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines Turbinengehäuses 10 für eine doppelflutige
Dampfturbine. Das Turbinengehäuse 10 weist einen Einströmabschnitt 12 zum Einbringen
von unter Druck befindlichem erhitztem Dampf auf. Der Dampf strömt dabei entlang einer
in der Figur vertikal ausgerichteten Symmetrieachse 14 des Einströmabschnitts 12 entlang.
Nach dem Einströmen des Dampfes in den Einströmabschnitt 12 des Turbinengehäuses 10
wird der Dampf in beidseitig bezüglich des Einströmabschnitts 12 angeordnete Turbinenschaufelabschnitte
20 des Turbinengehäuses 10 umgelenkt. In den Turbinenschaufelabschnitten 20 strömt
der Dampf im Wesentlichen senkrecht zur Symmetrieachse 13 des Einströmabschnitts 12
und treibt dabei über Turbinenschaufeln einen Rotor der Dampfturbine an.
[0015] Auf beiden Seiten des Einströmabschnitts 12 grenzt jeweils eine Hohlkammer 18 an
eine Wandung 16 des Einströmabschnitts 12 an. Die jeweilige Hohlkammer 18 weist an
einer jeweiligen, der Wandung 16 des Einströmabschnitts 12 gegenüber liegenden Seite
der Hohlkammer 18 jeweils eine Trennebene 22 zum daran anschließenden Turbinenschaufelabschnitt
20 auf. Weiterhin ist die jeweilige Hohlkammer 18 mit einer senkrecht zur Symmetrieachse
14 des Einströmabschnitts 12 ausgerichteten und die Hohlkammer 18 zum Turbineninneren
hin begrenzenden Begrenzungswand 26 begrenzt. Im Bereich der gemäß der Figur links
von der Symmetrieachse 14 des Einströmabschnitts 12 angeordneten Begrenzungswand 26
ist ein Versiegelungsring 28 vorgesehen.
[0016] Das Turbinengehäuse 10 weist als Grundwerkstoff Grau- und/oder Sphäroguss auf. In
den Grau- und/oder Sphäroguss sind insbesondere an Stellen des Turbinengehäuses 10,
die im Betrieb der Dampfturbine mit erosiven bzw. korrosiven Dampfzuständen beaufschlagt
sind, hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisende Elemente bzw. hochlegierte
Bleche eingegossen. Diese Elemente weisen den Werkstoff X3CrNiMo13-4 auf. Beispiele
für die Anordnung derartiger Elemente sind in der Figur gezeigt. So weisen die Trennebenen
22 jeweils einen Riegel 24 bzw. einen Stab aus dem hochlegierten metallischen Werkstoff
auf. Auch ist der Versiegelungsring 28 aus dem hochlegierten metallischen Werkstoff
gefertigt.
1. Turbinengehäuse (10) für eine Dampfturbine und/oder eine Gasturbine,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Turbinengehäuse (10) zumindest abschnittsweise Grau- und/oder Sphäroguss als Grundwerkstoff
enthält,
wobei in dem Grau- und/oder Sphäroguss mindestens ein Element (24, 28) eingebettet
ist,
welches einen hochlegierten metallischen Werkstoff aufweist.
2. Turbinengehäuse nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
das mindestens eine, den hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisende Element
(24, 28) in den Grau- und/oder Sphäroguss eingegossen ist.
3. Turbinengehäuse nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das mindestens eine, den hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisende Element
(24, 28) die Form eines Riegels (24) oder Stabes aufweist.
4. Turbinengehäuse nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der hochlegierte metallische Werkstoff mindestens eines der chemischen Elemente Kohlenstoff,
Chrom, Nickel und/oder Molybdän aufweist.
5. Turbinengehäuse nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das mindestens eine, den hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisende Element
(24, 28) in einem Bereich des Turbinengehäuses (10) angeordnet ist,
welches im Betrieb der zugehörigen Turbine mit Dampf beaufschlagt ist.
6. Turbinengehäuse nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das mindestens eine, den hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisende Element
(24, 28) in einem Bereich eines Übergangs zwischen verschiedenen Komponenten des Turbinengehäuses
(10) angeordnet ist.
7. Verfahren zum Herstellen eines Turbinengehäuses (10) für eine Dampfturbine und/oder
eine Gasturbine,
gekennzeichnet durch die Schritte:
Bereitstellen mindestens eines einen hochlegierten metallischen Werkstoff aufweisenden
Elementes (24, 28),
sowie Herstellen mindestens eines Abschnitts des Turbinengehäuses (10) aus Grau- und/oder
Sphäroguss unter gleichzeitigem Einbetten des mindestens einen, den hochlegierten
metallischen Werkstoff aufweisenden Elementes (24, 28) in den Abschnitt des Turbinengehäuses
(10).
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
der mindestens eine Abschnitt des Turbinengehäuses (10) durch Gießen hergestellt wird
und beim Gießen das mindestens eine Element (24, 28) in den Abschnitt des Turbinengehäuses
(10) eingegossen wird.