Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft einen thermisch gebundenen Vliesstoff mit einer verbesserten
thermischen und chemischen Stabilität. Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verwendungen
dieses Vliesstoffes.
Stand der Technik
[0002] Aus dem Dokument
EP 0 340 982 B1 sind schmelzbindungsfähige Fasern und daraus hergestellte Vliesstoffe bekannt. Bei
den schmelzbindungsfähigen Fasern handelt es sich um Bikomponentenfasem, die aus einer
ersten zumindest teilweise kristallinen Polymerkomponenten bestehen und einer an der
Oberfläche der ersten Komponente haftenden zweiten Komponente, die ein kompatibles
Blend von Polymeren aufweist, weiches mindestens aus einem amorphen Polymer und mindestens
aus einem zumindest teilweise kristallinen Polymer besteht. Die Schmelztemperatur
der zweiten Komponente soll mindestens 30 °C unterhalb der ersten Komponente liegen,
jedoch mindestens gleich oder größer als 130°C sein. Weiterhin soll das Gewichtsverhältnis
des amorphen Polymer der zweiten Komponente zu dem zumindest teilweise kristallinen
Polymer der zweiten Komponente im Bereich von 15 : 85 bis 90 : 10 liegen und so bemessen
sein, dass das Verbinden der Bikomponentenfasern mit einer ähnlichen Bikomponentenfaser
verhindert wird und dass die erste Komponente den Kern und die zweite Komponente den
Mantel einer in Form einer Mantel-Kern-Konfiguration versponnenen Bikomponentenfaser
bildet. Diese Bikomponentenfaser wird mit konventionellen Polyesterfasern gemischt
und thermisch zu einem Vliesstoff gebunden, der durch Aufbringung von Schleifmittelteilchen
zu einem Schleifvlies verarbeitet wird.
[0003] Aus dem Dokument
JP 07-034326 sind wärmebindungsfähige Konjugatfasem bekannt, die eine Mantel-Kern-Konfiguration
besitzen und deren Kern aus einem Polyester besteht, der Polyethylenterephthalat (PET)
als Hauptkomponente enthält und dessen Mantel aus einem copolymerisierten Polyester
oder einer side-by-side Konjugatfaser hergestellt ist, die aus einem Polyethylenterephthalat
und einem copolymerisierten Polyester besteht. Der copolymerlsierte Polyester stellt
die niedriger schmelzende Komponente dar und enthält Butylenterephthalat-Einheiten
und Butylenisophthalat-Einheiten als wiederkehrende Struktureinheiten. Ein aus diesen
Bikomponentenfasern hergestellter Vliesstoff soll eine exzellente thermische Beständigkeit
und eine ermüdungssichere Natur gegenüber Druckbelastungen aufweisen, sodass er als
alternatives Material zu Polyurethan-Sitzpolsterungen, vor allem im Automobilbereich,
eingesetzt werden kann.
[0004] Darüber hinaus besteht die Möglichkeit thermisch gebundene Vliesstoffe aus einem
Gemisch aus unversireckten und verstreckten PET-Fasern herzustellen. Für diese Vliesstoffe
ist allerdings die Bindung unter Hitze und Druck in einem Kalander notwendig. Die
Bindefähigkeit der unverstreckten, amorphen PET-Fasern beruht nicht auf einem Schmelzvorgang,
sondern auf dem Kristallisationsprozess von PET, der oberhalb von 90°C einsetzt, sofern
noch kristallisationsfähige Anteile vorliegen. Derartige Vliesstoffe besitzen eine
hohe erfüllen chemische und thermische Stabilität. Der Herstellprozess erlaubt jedoch
eine geringe Flexibilität. So ist es bei unverstreckten PET-Fasern z.B. nicht möglich
deren Bindefähigkeit mehrmals zu aktivieren, da diese auf einem unterhalb der Schmelztemperatur
irreversiblen Vorgang besteht. Auch stellt die Durchbindung bei Vliesstoffen mit Flächengewichten
>150g/m
2 mit unverstreckten PL-T-Fasern sich als schwierig dar, da im Kalanderprozess die
Wärme von außen nicht weit genug ins Innere der Vliesbahn eindringen kann. Es wird
immer ein mehr oder weniger ausgeprägter Gradient auftreten.
Darstellung der Erfindung
[0005] Die Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, einen thermisch gebundenen Vliesstoff
anzugeben, der verbesserte Eigenschaften hinsichtlich seiner thermischen Stabilität,
insbesondere der Schrumpfungsneigung der erhaltenen Vliesstoffe zeigt. Darüber hinaus
wird durch die chemische Stabilität im Vergleich zu Fasern, die Copolymerisate aus
Monomerengemischen wie z.B. Isophthalsäure/Terephthalsäure enthalten, gesteigert.
[0006] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch einen thermoplastisch gebundenen Vliesstoff
gelöst, der eine schrumpfarme Kern-Mantel-Bikomponentenfaser enthält. Die schrumpfarme
Kern-Mantel-Bikomponentenfaserbesteht aus einem kristallinen Polyesterkern und einem
mindestens 10°C tiefer schmelzenden, kristallinen Polyestermantel und weist einen
Heißluftschrumpf bei 170°C von kleiner 10%, vorzugsweise von kleiner 5% auf. Ein entsprechender
Vliesstoff weist bei Temperaturbelastungen von 150°C (1 h) eine thermische Maßänderung
(Schrumpf und Bausch) von kleiner als 2% auf. Unter kristallin wird im Sinne dieser
Erfindung ein Polyesterpolymer verstanden, welches eine Schmelzenthalpie (DSC) von
> 40 Joule/g aufweist und dessen Breite des Schmelzpeaks (DSC) bei 10°C/min vorzugweise
<40°C ausfällt. Vorzugsweise besteht der Mantel der schrumpfarmen Bikomponentenfaser
aus einem homogenen, aus einem Monomerpaar hergestellten Polyesterpolymer, welches
zu größer 95% nur aus einem Polymerpaar gebildet wird. Im Falle der in den Ansprüchen
beschriebenen Polyester bedeutet dies, dass das Polymer zu >95% aus einer einzigen
Dicarbonsäure und einem einzigen Dialkohol besteht.
[0007] Das Massenverhältniss von Kern- und Mantelkomponente ist üblicherweise 50:50, kann
bei speziellen Anwendungsbereichen aber zwischen 90:10 und 10:90 variieren.
[0008] Besonders bevorzugt ist ein Vliesstoff, bei dem der Mantel der schrumpfarmen Kern-Mantel-Bikomponentenfaser
aus Polybutylenterephthalat (PBT), Polytrimethylenterephthalat (PTT) oder Polyethylenterephthalat
(PET) besteht.
[0009] Weiterhin bevorzugt ist ein Vliesstoff, bei dem der Kern der schrumpfarmen Kern-Mantel-Bikomponentenfaser
aus Polyethylenterephthalat oder Polyethylennaphthalat (PEN) besteht.
[0010] Der erfindungsgemäße Vliesstoff kann abhängig von der jeweiligen Verwendung außer
der schrumpfarmen Kern-Mantel-Bikomponentenfaser weitere Fasern enthalten. Bevorzugt
ist die Verwendung von 0 bis 90% Gew. von z.B. monofilen Standard-Polyesterfasern
zusammen mit der schrumpfarmen Bikomponentenfaser.
[0011] Vorzugsweise besteht der erfindungsgemäße Vliesstoff aus schrumpfarmen Kern-Mantel-Bikomponentenfasern
mit einem Titer im Bereich zwischen 0,1 und 15 dtex Der erfindungsgemäße Vliesstoff
besitzt ein Flächengewicht zwischen 20 und 500 g/m
2. Der erfindungsgemäße Vliesstoff erreicht bei einem Flächengewicht von z.B. 150-190g/m
2 eine Biegesteifigkeit bestimmt nach ISO 2493 quer zur Maschinenlaufrichtung von größer
1 Nmm.
[0012] Das Verfahren zur Herstellung des thermisch gebundenen Vliesstoffes besteht darin,
dass die Fasern zu einem Vliesstoff gelegt, thermisch gebunden und falls erforderlich
unmittelbar anschließend verdichtet werden. Bei dem Verfahren verweilen die Fasern
des erfindungsgemäßen Vliesstoffes in einem Thermofusionsofen, der eine gleichmäßige
Temperierung der Bindefasem ermöglicht. Vorzugsweise werden die schrumpfarmen Kern-Mantel-Bikomponentenfasern
in einem Papierlege-verfahren nass gelegt und getrocknet oder nach einem Kardier-
oder Airlald-verfahren tocken gelegt, und anschließen bei Temperaturen von 200 bis
270 °C gebunden und optional durch einen Kalander oder ein Presswerk mit Walzentemperaturen,
die unter dem Schmelzpunkt des Mantelpolymeren, vorzugsweise <170°C, liegen verdichtet
Diese Verdichtung erfolgt vorzugsweise unmittelbar nach dem Bindeprozess im Trockner
bei noch heißen Fasern. Die Struktur der Fasern erlaubt aber auch nachträgliche thermische
Behandlungen, da der Bindeprozess mehrfach aktivierbar ist.
[0013] Die erhaltenen thermisch gebundenen Vliesstoffe weisen Schrumpf- und Bauschwerte
im Bereich von <2% , vorzugsweise <1% auf.
[0014] Die erfindungsgemäßen Vliesstoffe sind als Flüssigkeitsfiltermedium, Membranstützvlies,
Gasfiltermedium, Batterieseparator oder Vliesstoff für die Oberfläche von Verbundwerkstoffen
aufgrund ihrer hohen thermischen Stabilität, ihrer geringen Schrumpfneigung und ihrer
chemischen Alterungsstabilität geeignet. Dies trifft ganz besonders für die Verwendung
als Ölfiltermedium zur Verwendung in KfZ-Motoren zu.
[0015] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Figuren näher erläutert. Diese zeigen jeweils:
- Fig. 1
- ein Diagramm bei dem die Höchstzugkräfte der Vliesstoffe A und B als Index nach Lagerung
in Luft und Öl auf den jeweiligen Neuzustand bezogen sind (DIN 53508 und DIN 53521);
- Fig. 2
- ein Diagramm bei dem die Höchstzugkraftdehnung der Vliesstoffe A und B nach Lagerung
bei 150°C in Luft und Öl auf den jeweiligen Neuzustand bezogen sind (DIN 53508 und
DIN 53521);
- Fig. 3
- ein Diagramm bei dem die Höchstzugkräfte der Vliesstoffe A und B bei verschiedenen
Temperaturen als Index auf den jeweiligen Neuzustand bezogen sind (DIN EN 29073-03).
- Fig. 4
- eine Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Membranstützvlies-stoffes, welcher mit
unverstreckten Polyesterfasern gebunden wurde (Vliesstoff E; Vergleichsbeispiel);
- Fig. 5
- Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Membranstützvlies-stoffes, welcher erfindungsgemäß
zu 100% aus schrumpfarmen PET/PBT Bikomponentenfaser besteht (Vliesstoff F);
- Fig. 6
- DSC-Kurve einer Bikomponentenfaser A mit kristallinern Mantelpolymer (hier PET/PBT;
erfindungsgemäß);
- Fig. 7
- DSC-Kurve einer Bikomponentenfaser B mit amorphem Mantelpolymer (hier PET/CoPET; Stand
der Technik).
Prüfmethoden
Biegesteifigkeit
[0016] Die Biegesteifigkeit wird nach ISO 2493 in Nmm bestimmt.
Thermische Maßänderung (Schrumpf)
[0017] Die Probe (DIN A4-großes Muster) wird mit Markierungen in Längs- und Querrichtung
versehen, die einen Abstand von 200 mm aufweisen. Nach dem Lagern der Probe für 1
Stunde bei 150°C in einem Umluftofen und anschließendern 20minütigem Erkalten bei
Raumtemperatur wird die Maßänderung bestimmt. Diese wird, jeweils für die Längs- und
Querrichtung in Prozent bezogen auf den Ausgangswert angegeben. Die Vorzeichen vor
dem Prozent-Wert geben an, ob die Maßänderung positiv (+) oder negativ (-) sind. Es
wird der Mittelwert aus mindestens sechs Einzelwerten (-Messungen) gebildet.
Thermische Maßänderung (Bausch)
[0018] Die Probe (DIN A4-großes Muster) wird mit Markierungen versehen, an denen die Dicke
nach ISO 9073/2 bestimmt wird. Nach dem Lagern der Probe für 1 Stunde bei 150°C in
einem Umluftofen und anschließendem 20minütigem Erkalten bei Raumtemperatur wird an
den Markierungen die Dicke (ISO 9073/2) erneut bestimmt. Der Bausch (B) wird in Prozent
angegeben und wie folgt berechnet:

[0019] Es wird der Mittelwert aus mindestens sechs Einzelwerten (-Messungen) gebildet.
Prüfung des Heißluftschrumpfes
[0020] Es werden 20 Einzelfasern geprüft. Die Faser wird mit einem Vorspanngewicht, wie
nachstehend beschrieben, versehen. Das freie Faserende wird in eine Klemme eines Klemmenbleches
eingespannt. Die Länge der eingespannten Faser wird bestimmt (L
1). Anschließen wird die Faser ohne Gewicht frei hängend 10 Minuten bei 170°C im Umluft-Trockenschrank
temperiert. Nach mindestens 20 Minuten Abkühlen bei Raumtemperatur wird das gleiche
Gewichtsstück aus der Ermittlung von L
1 wieder an die Faser gehängt und die neue Länge nach dem Schrumpfprozess (L
2) ermittelt.
[0021] Der prozentuale Heißluftschrumpf errechnet sich aus:

Größe des Vorspanngewichtes
[0022]
| Feinheit [dtex] |
Vorspanngewicht [mg] |
Feinheit [dtex] |
Vorspanngewicht [mg] |
| bis 1,20 |
100 |
über 5,40 |
350 |
| |
|
bis 8,00 |
|
| über 1,20 |
100 |
über 8,00 |
500 |
| bis 1,60 |
|
bis 12,00 |
|
| über 1,60 |
150 |
über 12,00 |
700 |
| bis 2,40 |
|
bis 16,00 |
|
| über 2,40 |
200 |
über 16,00 |
1000 |
| bis 3,60 |
|
bis 24,00 |
|
| über 3,60 |
250 |
über 24,00 |
1500 |
| bis 5,40 |
|
bis 36,00 |
|
[0023] Im freihängenden Zustand sollte die Faser entkräuselt erscheinen. Sollte die Kräuselung
zu stark sein, so ist das nächsthöhere Gewicht zu wählen.
Schmelzenthalpie (DSC)
[0024] In einem DSC-Gerät der Firma Mettler Toledo wird die Probe eingewogen und mit einem
Temperaturprogram von 10°C/min von 0°C bis 300°C erwärmt. Die Fläche unter den erhaltenen
endothermen Schmelzpeaks stellt in Verbindung mit der Einwaage an Faser und den damit
verbundenen Massen der Mantel - oder Kernkomponente die Schmelzenthalpie der jeweiligen
Komponenten in J/g dar.
Beispiel 1
[0025] Vliesstoff A stellt einen trockengelegten, kardierten und thermisch gebundenen Vliesstoff
mit einem Flächengewicht von 190g/m
2 dar. Dieser Vliesstoff besteht zu 75% aus einer schrumpfarmen PET/PBT-Bikomponentenfaser
mit einem Mantelschmelzpunkt von 225°C und einem Kern-Mantelverhältniss von 50:50
und zu 25% aus herkömmlichen PET-Fasem. Die Dicke beträgt 0,9mm und die Luftdurchlässigkeit
850 l/m
2s bei 200Pa. 140g/m
2 der Fasern werden über Krempeln mit Querleger, die restlichen 50g/m
2 werden längsgelegt kardiert. Der Vliesstoff wird in einem Thermofusionsofen bei ca.
240°C gebunden und mit einem Ausgangspresswerk auf die Zieldicke kalibriert.
Vergleichsbeispiel
[0026] Vliesstoff B wurde analog zu Vliesstoff A hergestellt Der Unterschied besteht in
der Verwendung von herkömmlichen PET/Co-PET-Bikomponentenfasern mit einem Mantelschmeizpunkt
von ca. 200°C und der Reduzierung der Ofentemperatur auf 230°C. Das resultierende
Flächengewicht, die Dicke und die Luftdurchlässigkeit sind vergleichbar.
[0027] Die Vorteile des erfindungsgemäßen Vliesstoff A gegenüber dem Vergleichsviiesstoff
B sind im folgenden dargestellt:
• Die Vliesbreite nach dem Trockner nimmt bei Vliesstoff A nur um ca. 9% ab, wogegen
bei Vliesstoff B ca. 21% Breitenverlust auftreten.
• Die Biegesteifigkeit quer von Vliesstoff A liegt um 15% höher
• Die Dickenzunahme nach Lagerung bei 150°C (thermische Maßänderung) liegt bei Vliesstoff
A bei 1,5%, bei Vliesstoff B bei 4,7%.
• Die thermische und chemische Stabilität bei Lagerung bei 150°C in Luft und Öl ist
beim Vliesstoff A deutlich verbessert (Figur 1 und 2). Die Diagramme zeigen deutlich
eine stärkere Zerstörung von Vliesstoff B bei Lagerung in Motorenöl. Speziell die
Versprödung in Figur 3 weist auf ein chemisches Stabilitätsproblem von Vliesstoff
B in Öl hin.
• Die Höchsizugkräfte bei verschiedenen Temperaturen zeigen für Vliesstoff A einen
deutlich günstigeren Verlauf (Figur 3).
Beispiel 2
[0028] Die Vliesstoffe C und D stellen nassgelegte, getrocknete und thermisch gebundene
Vliesstoffe mit einem Flächengewicht von 198g/m
2 und 182g/m
2 dar. Diese Vliesstoffe bestehen zu 72% aus einer schrumpfarmen PET/PBT-Bikomponentenfaser
mit einem Mantelschmelzpunkt von 225°C und einem Kern-Mantelverhältniss von 50:50
und zu 28% aus herkömmlichen PET-Fasem. Die Fasern liegen als dispergierbare Kurzschnittfasern
vor. Die Fasern werden im Papierlegeverfahren auf einem Siebband abgelegt, getrocknet
und In einem zweiten Trockner thermisch gebunden. Die herausragenden Eigenschaften
dieser Vliesstoffe liegen in den sehr guten mechanischen Prüfwerten, sowie deren ausgezeichnetem
Schrumpfverhalten (Tabelle 2). Ein Vergleich mit Vliesstoffen aus herkömmlichen Bikomponentenfasern
mit CoPET-Mantel ist in diesem Falle nicht möglich, da derartige Fasern aufgrund der
hohen Schrumpfwerte auf dieser Vliesstoffanlage bisher nicht verwendbar waren bzw.
Breitenverluste von mindestens 20% aufwiesen. Die erfindungsgemäßen Nassvliesstoffe
zeigen Breitenverluste von ca. 3%.
Tabelle 2: Prüfwerte der Vliesstoffe C und D
| |
Vliesstoff C |
Vliesstoff D |
| Flächengewicht |
198 g/m2 |
182 g/m2 |
| Dicke |
1,10 mm |
0,99 mm |
| Luftdurchlässigkeit |
714 l/m2s |
796 l/m2s |
| Höchstzugkraft längs |
536 N/5cm |
446 N/5cm |
| Höchstzugkraft quer |
358 N/5cm |
329 N/5cm |
| Biegesteifigkeit längs |
2,5 Nmm |
1,9 Nmm |
| Biegesteifigkeit quer |
2,1 Nmm |
1,6 Nmm |
| Schrumpf längs 150°C, 1 h |
0,0 % |
0,3 % |
| Schrumpf quer 150°C, 1 h |
0,0 % |
0,0 % |
| Bausch 150°C, 1 h |
0,7 % |
1,5 % |
[0029] Speziell bei Verwendung im Nasslegeprozess mit getrennten Trocknern für den Wasserentzug
und für die Thermofusion bieten die erfindungsgemäßen schrumpfarmen BikomponentenfasernVorteile,
da diese Fasern im Vergleich zu unverstreckten Bindefasern mehrfach aktivierbar sind
bzw. beim ersten Trocknungsprozess nicht bereits vollständig abreagieren.
[0030] Die erfindungsgemäßen Vliesstoffe A,C,D sind besonders geeignet zur Verwendung als
Motorölfiltermedium in Kraftfahrzeugen.
Beispiel 3
[0031] Für die Verwendung als Membranstützvliesstoffe sind kalandrierte PET-Vliesstoffe
(Vergleichsbeispiel; Vliesstoff E) aus einem Gemisch aus verstreckten und unverstreckten
monofilen PET-Fasern Stand der Technik. Aufgrund des Kalandrierprozesses besteht speziell
bei schweren Vliesstoffen mit Flächengewichten > 150g/m
2 die Gefahr der Oberflächenversiegelung, da für eine gute Durchbindung des Vliesstoffes
hohe Walzentemperaturen oder langsame Produktionsgeschwindigkeiten notwendig sind,
um die notwendige Wärme ins Innere des Vliesstoffes zu bringen. Versiegelte Oberflächen
bergen die Gefahr der Filmbildung, die wiederum zu schlechter Membranhaftung und geringeren
Durchflussraten führt (Vergleichsvliesstoff E). Die Figuren 4 und 5 demonstrieren
die unterschiedlichen Oberflächen eines herkömmlichen Vliesstoffes (Vergleichsbeispiel;
Vliesstoff E; Figur 4) und die Oberfläche eines erfindungsgemäßen Vliesstoffes (Vliesstoff
F; Figur 5).
[0032] Die völlige Abwesenheit von Oberflächenversiegelungen bei Vliesstoff F (Figur 5)
zeigt sich auch im Vergleich der Prüfwerte der beiden Vliesstoffe. So ist die Luftdurchlässigkeit
von Vliesstoff F um eine Größenordnung gesteigert, bei vergleichbaren sonstigen Prüfwerten
(Tabelle 3).
Tabelle 3: Prüfwerte von Vliesstoff E und F
| |
Vliesstoff E |
Vliesstoff F |
| Flächengewicht |
190 g/m2 |
190 g/m2 |
| Dicke |
0,26 mm |
0,25 mm |
| Luftdurchlässigkeit (200Pa) |
5 l/m2s |
41 l/m2s |
| Höchstzugkraft längs |
520 N/5cm |
514 N/5cm |
| Höchstzugkraft quer |
470 N/5cm |
560 N/5cm |
[0033] Die Verwendung von herkömmlichen Bikomponentenfasern mit Copolymeren im Mantel hat
sich in diesem Bereich wegen der hohen Schrumpfwerte - und den damit verbundenen Gewichtsschwankungen
- sowie der oft nicht gegebenen Lebensmittelzulassung der Mantelpolymere nicht durchgesetzt.
[0034] Die erfindungsgemäßen Vliesstoffe aus den entsprechenden Bikomponentenfasern überwinden
beide Hindernisse, da sie schrumpfarm sind und durch den Aufbau aus Homopolymeren
Lebensmittelzulassungen problemlos erlauben.
Beispiel 4
[0035] Um die Unterschiede der erfindungsgemäßen Vliesstoffe gegenüber herkömmlichen Vliesstoffen
mit Bikomponentenfasern mit Mänteln basierend auf Copolymeren weiter aufzuzeigen,
werden in den Figuren 6 und 7 DSC-Kurven (
differenzial scanning
calorimetry) von Fasern mit kristallinem Mantelpolymer (Faser A; hier PBT) mit DSC-Kurven
von herkömmlichen Bikomponentenfasern (Faser B; hier CoPET) verglichen. Bei der Auswertung
der Schmelzenthalpien der tieferschmelzenden Komponente zeigt sich, dass der Mantel
der Faser B eine deutlich geringere Schmelzenthalpie in J/g aufweist als Faser A.
[0036] Die Schmelzenthalpie ist ein direktes Maß für die kristallinen Anteile Im Polymer.
Die Kern-Mantelverhältnisse der beiden Fasern liegen bei 1:1, wodurch sich folgende
Schmelzenthalplen der Fasermäntel ergeben:
| Faser A |
63 J/g |
| Faser B |
29 J/g |
[0037] Als Messreferenz kann hier auch der Kern beider Fasern dienen, welcher bei beiden
aus PET besteht. Die erhaltenen Werte der Schmelzenthalpie sind vergleichbar (59 J/g
gegenüber 54 J/g).
[0038] Unabhängig der gemessenen Werte ist bei einem Vergleich der DSC-Kurven die niedrige
Peakhöhe und die breitere Peakbasis charakteristisch für Fasermäntel basierend auf
Copolymeren (hier CoPET). Durch den Einbau von Comonomeren wie z.B. Isophtalsäure
in Polyethylenterephthalat wird sowohl der Schmelzpunkt als auch die Kristallinität
bzw. die Bereitschaft zu kristallisieren des Polymeren herabgesetzt.
[0039] Die erfindungsgemäßen Vliesstoffe basieren somit auf Fasern vom Typ der Faser A.
1. Verwendung eines thermisch gebundenen Vliesstoffes enthaltend eine schrumpfarme Kern-Mantel-Bikomponentenfäser,
wobei die schrumpfarme Kern-Mantel-Bikomponentenfaser aus einem kristallinen Polyesterkern
und einem mindestens 10°C tiefer schmelzenden, kristallinen Polyestermantel besteht
und einen Heißschrumpf bei 170°C von kleiner als 10% aufweist als Flüssigkeitsfiltermedlum,
Membranstützvliestoff, Gasfiltermedium, Batterieseparator oder Vliesstoff für die
Oberfläche von Verbundwerkstoffen.
2. Verwendung nach Anspruch 1 wobei der Vliesstoff als Ölfiltermedium für Kfz-Motoren
eingesetzt wird.
3. Verwendung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Mantel der schrumpfarmen Kern-Mantel-Bikomponentenfaser zu >95 % aus einem homogenen
Polyesterpolymer besteht, welches kein Copolymer darstellt.
4. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Mantel der schrumpfarmen Kern-Mantel-Bikomponentenfaser aus Polybutylenterephthalat
(PBT), Polytrimethylenterephthalat (PTT) oder Polyethylenterephthalat (PET) besteht.
5. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern der schrumpfarmen Kern-Mantel-Bikomponentenfaser aus Polyethylenterephthalat
(PET) oder Polyethylennaphthalat (PEN) besteht.
6. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die schrumpfarme Kern-Mantel-Bikomponentenfaser einen Titer zwischen 0,1 und 15 dtex
aufweist.
7. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die schrumpfarme Kern-Mantel-Bikomponentenfaser ein Kern-Mantel-Verhältnis zwischen
10:90 und 90:10 aufweist, vorzugsweise 50:50.
8. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass er bis zu 90 % Gew. einer oder mehrerer weiterer Fasern enthält.
9. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Vliesstoff nass gelegt ist.
10. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Vliesstoff trockengelegt ist.
11. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die schrumpfarme Kern-Mantel-Bikomponentenfaser einen Titer zwischen 0,1 und 15 dtex
aufweist.
12. Vliesstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass er ein Flächengewicht zwischen 20 und 500 g/m2 aufweist.
13. Vliesstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass er bei einem Flächengewicht >150 g/m2 eine Biegesteifigkeit quer >1 Nmm aufweist.
14. Vliesstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass er nach 1 h bei 150 °C eine thermische Maßänderung (Bausch und Schrumpf) von <2 %,
vorzugsweise <1 % aufweist.
1. The use of a thermally bonded nonwoven fabric containing a low-shrinkage bicomponent
core-sheath fiber composed of a crystalline polyester core and a crystalline polyester
sheath having a melting point at least 10°C lower than the core, the heat-shrinkage
of the fiber being less than 10% at 170°C, as a liquid filter medium, membrane support
fleece, gas filter medium, battery separator or nonwoven fabric for the surface of
composite materials.
2. The use as claimed in claim 1, wherein the nonwoven fabric is used as oil filter medium
for motor vehicle engines.
3. The use as claimed in claim 3, characterized in that the sheath of the low-shrinkage bicomponent core-sheath fiber comprises > 95% of
a homogeneous polyester polymer which is not a copolymer.
4. The use as claimed in claim 1 or 2, characterized in that the sheath of the low-shrinkage core-sheath bicomponent fiber consists of polybutylene
terephthalate (PBT), polytrimethylene terephthalate (PTT) or polyethylene terephthalate
(PET).
5. The use as claimed in claim 1 or 2, characterized in that the core of the low-shrinkage core-sheath bicomponent fiber consists of polyethylene
terephthalate (PET) on polyethylene naphthalate (PEN).
6. The use as claimed in any of claims 1 to 5, characterized in that the low-shrinkage bicomponent core-sheath fiber has a linear density between 0.1
and 15 dtex.
7. The use as claimed in any of claims 1 to 6, characterized in that the low-shrinkage bicomponent core-sheath fiber has a core-to-sheath ratio between
10:90 and 90:10, preferably 50:50.
8. The use as claimed in any of claims 1 to 7, characterized in that the nonwoven fabric contains up to 90% by weight of one or more additional fibers.
9. The use as claimed in any of claims 1 to 8, characterized in that the nonwoven fabric is wet-laid.
10. The use as claimed in any of claims 1 to 8, characterized in that the nonwoven fabric is dry-laid.
11. The use as claimed in any of claims 1 to 10, characterized in that the low-shrinkage bicomponent core-sheath fiber has a linear density between 0.1
and 15 dtex.
12. The nonwoven fabric of any of claims 1 to 11, characterized in that it has a basis weight between 20 and 500 g/m2.
13. The nonwoven fabric of any of claims 1 to 12, characterized in that it combines a basis weight > 150 g/m2 with a transverse bending stiffness > 1 Nmm.
14. The nonwoven fabric of any of claims 1 to 13, characterized in that it after 1 h at 150°C exhibits a thermal dimensional change (bulk and shrinkage)
of < 2%, preferably < 1%.
1. Utilisation d'un non-tissé lié thermiquement contenant une fibre à deux composants
noyau-enveloppe pauvre en retrait, la fibre à deux composants noyau-enveloppe pauvre
en retrait étant constituée par un noyau en polyester cristallin et une enveloppe
en polyester cristallin fondant à une température inférieure d'au moins 10°C et présentant
un retrait thermique à 170°C inférieur à 10% comme milieu de filtration d'un liquide,
non-tissé support de membrane, milieu de filtration de gaz, séparateur de batterie
ou non-tissé pour la surface de matériaux composites.
2. Utilisation selon la revendication 1, le non-tissé étant utilisé comme milieu de filtration
d'huile pour moteurs de véhicules à moteur.
3. Utilisation selon la revendication 3, caractérisée en ce que l'enveloppe de la fibre à deux composants noyau-enveloppe pauvre en retrait est constituée
à raison de > 95% d'un polymère de polyester homogène, qui n'est pas un copolymère.
4. Utilisation selon la revendication 1 ou 2, caractérisée en ce que l'enveloppe de la fibre à deux composants noyau-enveloppe pauvre en retrait est constituée
de poly(téréphtalate de butylène) (PBT), de poly(téréphtalate de triméthylène) (PTT)
ou de poly(téréphtalate d'éthylène) (PET).
5. Utilisation selon la revendication 1 ou 2, caractérisée en ce que le noyau de la fibre à deux composants noyau-enveloppe pauvre en retrait est constitué
de poly(téréphtalate d'éthylène) (PET) ou de poly(naphtalate d'éthylène) (PEN).
6. Utilisation selon l'une quelconque des revendications 1 à 5, caractérisée en ce que la fibre à deux composants noyau-enveloppe pauvre en retrait présente un titre entre
0,1 et 15 dtex.
7. Utilisation selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, caractérisée en ce que la fibre à deux composants noyau-enveloppe pauvre en retrait présente un rapport
noyau-enveloppe entre 10:90 et 90:10, de préférence 50:50.
8. Utilisation selon l'une quelconque des revendications 1 à 7, caractérisée en ce qu'elle contient jusqu'à 90% en poids d'une ou de plusieurs fibres.
9. Utilisation selon l'une quelconque des revendications 1 à 8, caractérisée en ce que le non-tissé est déposé par voie humide.
10. Utilisation selon l'une quelconque des revendications 1 à 8, caractérisée en ce que le non-tissé est déposé par voie sèche.
11. Utilisation selon l'une quelconque des revendications 1 à 10, caractérisée en ce que la fibre à deux composants noyau-enveloppe pauvre en retrait présente un titre entre
0,1 et 15 dtex.
12. Non-tissé selon l'une quelconque des revendications 1 à 11, caractérisé en ce qu'il présente un poids surfacique entre 20 et 500 g/m2.
13. Non-tissé selon l'une quelconque des revendications 1 à 12, caractérisé en ce qu'il présente, à un poids surfacique > 150 g/m2, une résistance à la flexion transversale > 1 Nmm.
14. Non-tissé selon l'une quelconque des revendications 1 à 13, caractérisé en ce qu'il présente, après 1 h à 150°C, une modification thermique des dimensions (bombement
et retrait) < 2%, de préférence < 1%.