Technisches Umfeld
[0001] Die Erfindung betrifft einen Rollstuhl für Kranke oder Behinderte zum Einsatz als
Dusch-, Toiletten- oder Pflegestuhl mit den im gattungsbildenden Teil des Anspruches
1 genannten Merkmalen.
Stand der Technik
[0002] Ein derartiger Rollstuhl ist beispielsweise aus der
DE 296 01 938.0 bekannt, wobei der dort beschriebene Rollstuhl mit einem aus zwei Seitenrahmen und
die Seitenrahmen verbindenden Quertraversen bestehenden Untergestell aufgebaut ist,
wobei im hinteren Bereich des Untergestells ein an diesem festgelegter Rückenlehnenrahmen
angeordnet ist und an der Oberseite des Untergestells sich ein mit einem austauschbaren
Sitzpolsterelement ausgestatteter Sitzrahmen befindet, der im wesentlichen rechteckig
aus zwei Längsträgern und zwei Querträgern gebildet ist.
[0003] Ein derartiger Rollstuhl ermöglicht das Transportieren von Kranken oder Behinderten
in Pflegestationen, Krankenhäusern oder aber auch in privaten Wohnungen. Die durch
den Gattungsbegriff beschriebenen Rollstühle sind dabei in aller Regel mit Kleinrädern
ausgestattet und für den Schiebebetrieb durch Pflegepersonal vorgesehen.
[0004] Nachteilig bei derartigen Rollstühlen ist es, dass die Lage des Patienten durch die
feste Position von Sitzrahmen mit Sitzpolsterelement und Rückenlehne vorgegeben ist
und diesbezüglich keine Veränderung zulässt. Die feste und relativ aufrechte Position
der Rückenlehne birgt dabei insbesondere die Gefahr, dass beim Einsatz des Rollstuhls
in Feuchtbereichen wie beispielsweise beim Duschen durch die herabgesetzte Reibung
zwischen Polstermaterial und Haut des Rollstuhlnutzers dieser aus dem Rollstuhl nach
vorne hinausgleitet.
Aufgabe
[0005] Ausgehend von den geschilderten Nachteilen ergibt sich somit die Aufgabe, einen gattungsgemäßen
Rollstuhl derart weiter zu bilden, dass er umfassend einsetzbar ist, geringe Masse
aufweist und im Hinblick auf seine Handhabung und die ergonomisch günstige Position
des Nutzers gegenüber den gattungsgemäßen bekannten Rollstühlen signifikante Vorteile
bildet.
Lösung
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß in Zusammenschau mit den gattungsbildenden Merkmalen
des Anspruches 1 durch die im kennzeichnenden Teil offenbarte technische Lehre gelöst.
Weitergehende vorteilhafte Ausbildungen und bevorzugte Ausführungsformen des erfindungsgemäßen
Rollstuhles ergeben sich darüber hinaus aus den auf den Anspruch 1 rückbezogenen Unteransprüchen.
[0007] Erfindungswesentlich dabei ist es, dass der Rückenlehnenrahmen am Untergestell mittels
zweier Drehgelenke schwenkbar um eine in einem parallelen Abstand zu den Quertraversen
verlaufenden Schwenkachse angelenkt ist, dass der Sitzrahmen an seinen vorderen und
hinteren Endbereichen jeweils seitlich vorstehende Halteglieder aufweist, die in Kulissenführungen
eingreifen, die in den Seitenrahmen angeordnet sind und dass zwischen Rückenlehnenrahmen
und Sitzrahmen mindestens ein Koppelelement vorgesehen ist, welches ein Verschwenken
des Rückenlehnenrahmens dergestalt auf den Sitzrahmen überträgt, dass dieser sich
mittels der Halteglieder in den Kulissenführungen verschiebt.
[0008] Die durch die erfindungsgemäßen Merkmale charakterisierte Gestaltung des Rollstuhls
ermöglicht es erstmals, Kranke oder Behinderte in eine gegenüber der Sitzposition
nach hinten geneigte Stellung zu bringen, so dass ein Hinausgleiten der betreffenden
Person aus dem Rollstuhl zuverlässig ausgeschlossen wird. Die Koppelung der Bewegung
von Rückenlehne und Sitzfläche hat dabei zusätzlich den Vorteil, dass eine einfache
Handhabung sowohl durch den Patienten selber als auch durch das zuständige Pflegepersonal
möglich ist. Die Bewegung der Rückenlehne ist dabei aufgrund der erfindungsgemäßen
Kinematik problemlos durch alleiniges Zurücklehnen oder Vorbeugen möglich.
[0009] Im Zusammenhang mit der gekoppelten Bewegung des Sitzrahmens hat es sich darüber
hinaus als vorteilhaft erwiesen, dass die dem vorderen Endbereich des Sitzrahmens
zugeordneten, in den Seitenrahmen angeordneten Kulissenführungen gegen die Horizontale
geneigt angeordnet sind, dergestalt, dass das hintere, dem Rückenlehnenrahmen zugewandte
Ende der Kulissenführungen niedriger liegt als das vordere Ende der Kulissenführungen.
Durch diese Maßnahme wird bei einer Rückwärtsbewegung des Rückenlehnenrahmens der
Sitzrahmen automatisch mit seinem vorderen Ende in ein erhöhte Position gebracht,
so dass ein Hinausgleiten des Patienten oder des Behinderten zusätzlich erschwert
wird.
[0010] Als zweckmäßige Ergänzung können zusätzlich die dem hinteren Bereich des Sitzrahmens
zugeordneten in den Seitenrahmen angeordneten Kulissenführungen im wesentlichen horizontal
angeordnet sein.
[0011] Um die Bewegung des Rückenlehnenrahmens und des damit verbundenen Sitzrahmens von
der Einwirkung entsprechender Kräfte abhängig zu machen, kann dem Koppelelement zwischen
Sitzrahmen und Rückenlehnenrahmen eine Bremseinrichtung zugeordnet sein, durch die
die für die Bewegung von Rückenlehnenrahmen und Sitzrahmen erforderlichen Antriebskräfte
erhöht werden. Das Koppelelement und die Bremseinrichtung können dabei auf einem gemeinsamen
Drehachselement angeordnet sein, dass sich auf der Position der Mittelachse des hinteren
Querträgers des Sitzrahmens befindet. Durch diese konstruktive Gestaltung ist eine
besonders platzsparende Anordnung der erfindungswesentlichen Elemente des Rollstuhles
gegeben.
[0012] Vorteilhafterweise weist die Bremseinrichtung in einer Weiterbildung des Erfindungsgegenstandes
mindestens eine Bremsscheibe und einen handbetätigbaren Bremshebel auf, die beide
auf dem Drehachselement angeordnet sind, wobei an einer der zur Mittelachse senkrechten
Flachseiten der Bremsscheibe sich eine schräge Bremsfläche befindet, mit der der Bremshebel
zusammen wirkt, welcher ein korrespondierendes Scheibenelement aufweist, dessen eine
Flachseite zur Erzielung der Bremswirkung an der schrägen Bremsfläche der Bremsscheibe
zur Anlage kommt. Die Art der Gestaltung der Bremseinrichtung führt zu einer Herbeiführung
von Klemmkräften im Bereich des hinteren Sitzrahmens, wodurch die Bewegung des Sitzrahmens
und des damit verbundenen Rückenlehnenrahmens der Überwindung eines gewissen Anfangsmomentes
bedarf, so dass nicht jede (mehr oder wenige kleine) Verlagerung des Körpers des im
Stuhl befindlichen Kranken oder Behinderten eine Verstellung der Sitzposition auszulösen
vermag.
[0013] Um die ergonomisch vorteilhafte Position des Patienten oder Behinderten innerhalb
des Rollstuhles zusätzlich zu verbessern, kann es darüber hinaus vorteilhaft sein,
dass am vorderen Endbereich des Sitzrahmens eine Fußstütze um eine horizontale Drehachse
schwenkbar angelenkt ist, wobei zwischen dem dem Sitzrahmen abgewandten vorderen Bereich
der Fußstütze und dem Rückenlehnenrahmen mindestens eine Koppelstrebe angeordnet ist,
die an ihren beiden Enden Verbindungsgelenke zu ihrer drehbaren Festlegung an Fußstütze
und Rückenlehnenrahmen aufweist. Eine derartige Gestaltung ermöglicht es, dass bei
einer Rückwärtsbewegung des Rückenlehnenrahmens und einer damit verbundenen Schrägstellung
des Sitzrahmens zusätzlich eine Unterstützung des Unterschenkelbereiches des Patienten
oder Behinderten durch Ausfahren der Fußstütze ermöglicht werden kann.
[0014] Die Koppelstrebe kann dabei aus zwei teleskopartig ineinander verschiebbaren Rohren
bestehen, die mittels einer Feststellvorrichtung zueinander fixierbar sind. Die Verstellbarkeit
der Länge der Koppelstrebe ermöglicht eine Neigungsverstellung der Fußstütze, so dass
auch Bewegungseinschränkungen des im Rollstuhl sitzenden Patienten oder Behinderten
im Hinblick auf die Position seiner Beinextremitäten berücksichtigt werden können.
[0015] Entsprechend einer weiteren zweckmäßigen Ausgestaltung kann die Rückenlehne mit dem
Rückenlehnenrahmen und dem daran festgelegten Rückenpolster einstückig aus Kunststoff
gespritzt oder formgeschäumt sein. Dabei versteht es sich von selbst, dass der Kunststoff
formund temperaturbeständig ist, um auch die insbesondere im Krankenhausbereich notwendige
Hitzesterilisation unbeschadet zu überstehen.
[0016] Es versteht sich darüber hinaus von selbst, dass die Oberfläche aller Rollstuhlbestandteile
möglichst glatt ist, um Keimansiedlungen in Spalten und Fugen von vornherein gering
zu halten. Bei der Auswahl der metallischen Werkstoffe des Rollstuhles steht dabei
selbstverständlich die Korrosionsbeständigkeit im Vordergrund.
[0017] Entsprechend einer weiteren vorteilhaften Weiterbildung des Erfindungsgegenstandes
sind die in den Sitzrahmen wie auch in den Rückenlehnenrahmen einsetzbaren Sitzpolsterelemente
bzw. Rückenpolsterelemente austauschbar gestaltet derart, dass sie mit einfachen Handgriffen
einsetzbar und auch wieder abnehmbar sind, um so etwa zu Reinigungszwecken oder zum
Anpassen an andere Gegebenheiten ausgetauscht werden zu können.
[0018] Dabei werden die Sitzpolster bzw. Rückenpolsterelemente vorteilhafter Weise mittels
formschlüssig wirkender Befestigungselemente fixierbar vorgesehen. So kann jedes der
Polsterelemente ausgewechselt werden, ohne den zugeordneten Rahmen abnehmen zu müssen.
[0019] Zur bequemeren Lage der Patienten oder Behinderten kann es darüber hinaus vorteilhaft
sein, wenn der Rückenlehnenrahmen mit einer Aufnahme für eine Kopfstütze versehen
ist, wobei der Abstand zwischen dem oberen Endbereich des Rückenlehnenrahmens und
der Kopfstütze veränderbar ist. Auf diese Weise kann die Kopfstütze, die ein Teil
der Benutzer des Rollstuhles benötigt, den unterschiedlichen Körpergrößen angepasst
werden.
[0020] Rückenlehnenrahmen, Untergestell und Sitzrahmen als wesentliche Elemente des Rollstuhles
können dabei aus Kunststoff gefertigt sein, was sowohl eine rationale Fertigung als
auch eine bedeutende Verringerung der zu bewegenden Masse des Rollstuhles unterstützt.
Beschreibung der Zeichnungen
[0021] Im Folgenden wird ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Rollstuhles an Hand
der beigefügten Zeichnungen näher erläutert. Es zeigt:
- Figur 1
- eine Vorderansicht des erfindungsgemäßen Roll stuhls,
- Figur 2
- eine vergrößerte Darstellung des Untergestells des Rollstuhls aus Figur 1 mit abgenommenen
Sitzpolsterelement,
- Figur 3
- eine schematische Seitenansicht des Rollstuhls aus den Figuren 1 und 2 in senkrechter
Position des Rückenlehnenrahmens,
- Figur 4
- eine schematische Seitenansicht des Rollstuhls aus Figur 3 mit geneigtem Rückenlehnenrahmen,
- Figur 5
- eine vergrößerte Schnittdarstellung des Details B aus Figur 2 mit darin enthaltener
Bremseinrichtung,
- Figur 6a und Figur 6b
- Schnittdarstellungen des Details C der Koppel stange aus Figur 3,
- Figur 7
- eine schematische Seitenansicht des erfindungsgemäßen Rollstuhls in zusammengefahrener
Stellung der verstellbaren Koppelstange,
- Figur 8
- eine schematische Seitenansicht des Rollstuhls aus Figur 7 mit ausgefahrener Koppelstange,
und
- Figur 9
- eine vergrößerte Detailansicht eines Sitzpolsteroder Rückenpolsterelementes im Bereich
des Befestigungselementes zur Fixierung am Sitzrahmen oder am Rückenlehnenrahmen.
Ausführungsbeispiele
[0022] Der in der Ansicht dargestellte erfindungsgemäße Rollstuhl für Kranke oder Behinderte
zum Einsatz als Dusch- Toiletten- oder Pflegestuhl besitzt als wesentliche Elemente
ein aus zwei Seitenrahmen 1, 2 und die Seitenrahmen 1 und 2 verbindenden Quertraversen
3 bestehendes Untergestell. Im hinteren Bereich des Untergestells ist an diesem ein
Rückenlehnenrahmen 4 festgelegt. An der Oberseite des Untergestells ist ein mit einem
auswechselbaren Sitzpolsterelement 6 versehener Sitzrahmen 5 angeordnet, wobei der
Sitzrahmen 5 im wesentlichen rechteckig ausgestaltet ist und aus zwei Längsträgern
7, 8 sowie zwei die Längsträger 7, 8 verbindenden Querträgern 9, 10 gebildet ist.
[0023] Die Einzelheiten des Untergestells ergeben sich zur Verdeutlichung zusätzlich aus
der Darstellung der Figur 2.
[0024] Erfindungswesentlich ist der dargestellte Rollstuhl so gestaltet, dass der Rückenlehnenrahmen
4 am Untergestell mittels zweier Drehgelenke 12A, 12B schwenkbar um eine in einem
parallelen Abstand zu den Quertraversen 3 des Untergestells verlaufenden Schwenkachse
3 angelenkt ist. Die Position der Drehgelenke 12A und 12B befindet sich gegenüber
dem Untergestell an hochstehenden Auslegern 39A und 39B. Diese Ausleger 39A und 39B
sind den schematischen Darstellungen der Figuren 3, 4 sowie 7 und 8 besonders gut
zu entnehmen.
[0025] Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass im weiteren Verlauf der Beschreibung
die den Positionsziffern zugeordneten Großbuchstaben A und B generell die gemäß Vorderansicht
rechte und linke Seite des Rollstuhls bezeichnen, so dass die entsprechenden Bezugsziffern
mit diesen Zusätzen eindeutig zugeordnet werden können.
[0026] Weiteres erfindungswesentliches Merkmal des Rollstuhls ist es, dass der Sitzrahmen
5 an seinen vorderen und hinteren Endbereichen jeweils seitlich vorstehende Halteglieder
14A, 14B bzw. 15A, 15B aufweist, die in korrespondierende Kulissenführungen 16A, 16B
bzw. 17A, 17B eingreifen, die in den Seitenrahmen 1, 2 angeordnet sind. Die Halteglieder
15A, 15B im vorderen Teilbereich des Sitzrahmens 5 können dabei als Stiftelemente
ausgebildet sein.
[0027] Um die erfindungsgemäße Aufgabe einer Verstellmöglichkeit des Rollstuhles unter ergonomischen
Gesichtspunkten zu gewährleisten, ist als drittes erfindungswesentliches Merkmal zwischen
Rückenlehnenrahmen 4 und Sitzrahmen 5 mindestens ein Koppelelement, im dargestellten
Ausführungsbeispiel zwei Koppelelemente 18A bzw. 18B vorgesehen, welche ein Verschwenken
des Rückenlehenrahmens 4 dergestalt auf den Sitzrahmen 5 übertragen, dass dieser sich
mittels der Halteglieder 14A, 14B, 15A und 15B in den Kulissenführungen 16A, 16B,
17A, 17B verschiebt.
[0028] Die beschriebenen Merkmale ermöglichen zum einen eine Veränderlichkeit des Rückenlehnenrahmens
4 in seiner Steilheit, wobei die Koppelelemente 18A, 18B eine Synchronisierung der
Bewegung zwischen Sitzrahmen 5 und Rückenlehnenrahmen 4 ermöglichen, so dass eine
Rückbewegung des Rückenlehnenrahmens 4 gleichzeitig ein Vorschieben des Sitzrahmens
5 bewirkt. Die Veränderung der Positionen von Rückenlehnenrahmen 4 und Sitzrahmen
5 wird dabei aus den Figuren 3 und 4 deutlich, wobei die Figur 3 eine übliche senkrechte
Position der Rückenlehne des Rollstuhles darstellt, wohingegen in der Figur 4 die
rückwärts geneigte Position der Rückenlehne in der Kombination mit der damit verbundenen
Veränderung der Position des Sitzrahmens 5 dargestellt ist. Aus diesen Figuren ist
darüber hinaus zu ersehen, dass die dem vorderen Endbereich des Sitzrahmens 5 zugeordneten
in den Seitenrahmen 1, 2 angeordneten Kulissenführungen 17A und 17B gegen die horizontale
Geneigte angeordnet sind, dergestalt, dass das hintere, dem Rückenlehnenrahmen 4 zugewandte
Ende der Kulissenführungen niedriger liegt als das vordere Ende der Kulissenführung
17A und 17A. Somit wird beim Vorschieben des Sitzrahmens 5 das vordere Ende automatisch
angehoben, was in Verbindung mit der Rückwärtsbewegung des Rückenlehnenrahmens 4 eine
besonders günstige ergonomische Position des Patienten oder Behinderten gestattet.
[0029] Den Figuren 3 und 4 ist darüber hinaus zu entnehmen, dass sich die Verschiebung des
hinteren Bereiches des Sitzrahmens 5 entsprechend der zugeordneten Kulissenführung
16A und 16B im wesentlichen horizontal von statten geht, da die entsprechenden Kulissenführungen
16A und 16B horizontal in den Seitenrahmen 1, 2 angeordnet sind.
[0030] Die konstruktive Gestaltung sieht dabei vor, dass die für die synchrone Bewegung
von Rückenlehnenrahmen 4 und Sitzrahmen 5 verantwortlichen Koppelelemente 18A und
18B auf einem Drehachselement 20 angeordnet sind, dass sich auf der Position der Mittelachse
21 des hinteren Querträgers des Sitzrahmens befindet und innerhalb des rohrförmigen
Querträgers 10 angeordnet ist.
[0031] Auf dem Drehachselement ist darüber hinaus eine in ihrer Gesamtheit mit 19 bezeichnete
Bremseinrichtung gelagert. Die Bremseinrichtung ist dafür vorgesehen, die für die
Bewegung von Rückenlehnenrahmen 4 und Sitzrahmen 5 erforderlichen Antriebskräfte zu
erhöhen, so dass es einer gewissen Anfangskraft bedarf, um die Bewegung von Rückenlehnenrahmen
4 in Verbindung mit dem Sitzrahmen 5 einzuleiten, so dass eine Verlagerung des Körpers
eines Patienten oder Behinderten nicht unmittelbar eine Verstellung der Sitzposition
auszulösen vermag.
[0032] Die Einzelheiten der Bremseinrichtung 19 ergeben sich dabei entsprechend dem Detail
B aus Figur 2 aus der vergrößerten Schnittdarstellung der Figur 5. Dort ist das innerhalb
des Querträgers 10 des Sitzrahmens verlaufendes Drehachselement 20 dargestellt. Der
Querträger 10 ist dabei als Rohrelement ausgeführt und besitzt an seinen beiden Endbereichen
jeweils den angesprochenen Längsträger 7 bzw. 8. An der Außenseite des aus dem Querträger
10, 9 und den zugehörigen Längsträgern 7 und 8 gebildeten Sitzrahmens 5 sind die Koppelelemente
18A und 18B auf das Drehachselement aufgefädelt. An das Koppelelement 18B wiederum
schließt sich auf dem Drehachselement 20 ein handbetätigter Bremshebel 23 sowie den
Bremshebel 23 unmittel benachbart eine Bremsscheibe 22 an, die wiederum an ihrer dem
Bremshebel 23 abgewandten Außenseite am Gestell 1 zur Anlage kommt. Das Drehachselement
20 ist dabei so weit nach außen verlängert, dass es gleichzeitig mit seinen äußeren
freien Enden als Halteglied 14A bzw. 14B wirkt und in den korrespondierenden Kulissenführungen
16A und 16B verschieblich ist.
[0033] Wie der Darstellung der Figur 5 zu entnehmen ist, besitzt die Bremsscheibe 22 an
ihrer dem Bremshebel 23 zugewandten Flachseite eine schräge Bremsfläche 24, mit der
der Bremshebel zusammen wirkt, welcher ein korrespondierendes Scheibenelement 25 aufweist,
dessen eine der Bremsscheibe 22 zugewandte Flachseite zur Erzielung der Bremswirkung
an der schrägen Bremsfläche 24 der Bremsscheibe 22 zur Anlage kommt. Durch die Gestaltung
von Bremsscheibe 22 und Bremshebel 23 kann der Sitzrahmens 5 zwischen den Seitenrahmen
1 und 2 verspannt werden, so dass die entsprechenden Bremskräfte bereitgestellt werden.
[0034] Um die ergonomisch günstige Position des Patienten oder Behinderten zusätzlich zu
verbessern, ist der in den Figuren dargestellte Rollstuhl zusätzlich mit einer Fußstütze
26 versehen, die in einer Drehachse 27 am Sitzrahmen 5 schwenkbar gelagert ist. Die
Fußstütze 26 ist dabei mittels zweier Koppelstreben 28A und 28B mit den Rückenlehnenrahmen
4 verbunden, wobei der Rückenlehnenrahmen 4 zu diesem Zweck nach unten für den Bereich
der Anlenkung der Koppelelemente 18A und 18B zwei Streben 40A und 40B aufweist. Am
Ende der Streben 40A und 40B sind diese mit zwei Verbindungsgelenken 29A und 29B ausgestattet,
an die die Koppelstreben 28A und 28B angelenkt sind. Analog zu dieser Ausgestaltung
sind die Koppelstreben 28A und 28B an ihrem vorderen, der Fußstütze 26 zugewandten
Ende mit Verbindungsgelenken 30A und 30B versehen.
[0035] Die beschriebene Gestaltung von Fußstütze 26 in Verbindung mit den Koppelstreben
28A und 28B bewirkt entsprechend der Darstellung der Figuren 3 und 4 bei einer Rückwärtsbewegung
des Rückenlehnenrahmens 4 ein gleichzeitiges Vorschieben der Fußstütze 26.
[0036] Um eine Anpassung der Schrägstellung der Fußstütze 26 an unterschiedliche Gegebenheiten
und Erfordernisse des Patienten bzw. Behinderten zu ermöglichen, sind die Koppelstreben
28A und 28B entsprechend dem Detail C der Figur 3 sowie den Figuren 6A und 6B längsverschieblich
ausgebildet.
[0037] Die Längsverschieblichkeit ergibt sich dadurch, dass die Koppelstreben 28A und 28B
aus zwei teleskopartig ineinander schiebbaren Rohren, einem Innenrohr 31A bzw. 31B
sowie aus einem Außenrohr 32A, 32B aufgebaut sind. Die ineinander schiebbaren Rohre
31A. 31B, 32A, 32B sind dabei mittels einer Feststellvorrichtung 33 zueinander fixierbar.
Wie dies insbesondere in Figur 6A und 6B zeigen, besteht die Feststellvorrichtung
33 im wesentlichen aus mehreren Bohrungen 34, die sowohl in den Innenrohren 31A. 31B
als auch in der Wandung des Außenrohres 32A und 32B angeordnet sind. Durch die Bohrungen
34 wird für jede Koppelstrebe 28A bzw. 28B ein Stift 35 hindurchgesteckt, so dass
nach Fixierung des Stiftes 35 ein Ineinanderschieben von Innenrohr 31A, 31B und Außenrohr
32A. 32B ausgeschlossen ist. Somit sind die Koppelstreben 28A und 28B in ihrer Längenausdehnung
entsprechend fixiert.
[0038] Den Figuren 7 und 8 ist ergänzend zu entnehmen, wie sich bei schräg gestellter gleicher
Rückenlehnenrahmenposition die Position der Fußstütze 26 in ihrer Neigung verändert.
Dabei ist in der Figur 7 die kurze Version der Koppelstreben 28A und 28B dargestellt,
wohingegen in der Darstellung der Figur 8 die ausgefahrene Stellung der Koppelstreben
28A und 28B verdeutlicht ist. In der ausgefahrenen Position steht die Fußstrebe 26
in einer annähernd horizontalen Position, wohingegen in der zusammengefahrenen Position
der Koppelstreben 28A und 28B die Fußstütze fast senkrecht steht.
[0039] Eine weitere ergänzende ergonomische, vorteilhafte Gestaltung des Rollstuhles lässt
sich dadurch herbeiführen, wie dies insbesondere aus der Figur 1 deutlich wird, dass
der Rückenlehnenrahmen mit einer Aufnahme 38 für eine Kopfstütze 37 versehen ist.
Die Aufnahme ist dabei so ausgebildet, dass der Abstand zwischen dem oberen Endbereich
des Rückenlehnenrahmens 4 und der Kopfstütze 37 veränderbar gestaltet werden kann,
so dass die Position der Kopfstütze auch an kleine, sowie an besonders große Personen,
anpassbar ist.
[0040] Abschließend ist der Figur 9 als Detaildarstellung zu entnehmen, wie die zur Polsterung
dienenden Rückenlehnenpolsterelemente 6 bzw. Sitzpolsterelemente 36 an den korrespondierenden
Rückenlehnenrahmen 4 oder Sitzrahmen 5 austauschbar festgelegt sein können. Diese
Austauschbarkeit ist insbesondere für eine einfache Reinigung von Vorteil.
[0041] Die Festlegung des Rückenpolsters erfolgt mittels einer Schraubklemmbaugruppe. Innerhalb
des Rückenlehnenpolsterelementes 36 ist eine Einschraubmutter 41 eingeschäumt, in
die eine Klemmschraube 42 bei montiertem Rückenlehnenpolsterelement 36 eingreift.
Das Rückenlehnenpolsterelement 36 besitzt an seiner Rückseite zwei parallel beabstandet
an den Seitenbereichen angeordnete, im Querschitt nasenartig vorstehende Schnappprofile
43A und 43B, die die senkrechten Streben des Rückenlehnenrahmens 4 umgreifen. Zwischen
den senkrechten Streben des Rückenlehnenrahmens 4 ist zugehörig zur Schraubklemmbaugruppe
ein Halteelement 44 angeordnet, welches mit seinen seitlichen Aussenkanten ebenfalls
die senkrechten Streben des Rückenlehnenrahmens 4 umgreift und durch die Klemmschraube
42 gehalten ist.
[0042] Darüber hinaus kann der erfindungsgemäße Rollstuhl in Bezug auf das Sitzpolsterelement
so gestaltet sein, dass er als Toilettenstuhl nutzbar ist. Zu diesem Zweck ist das
Polsterelement 6 mit einer Durchbrechung versehen und gleichzeitig unterhalb des Sitzpolsterelementes
6 eine in den Zeichnungen nicht näher dargestellte Wanne zur Aufnahme der Ausscheidungen
des Patienten vorgesehen.
[0043] Die Wanne wird dabei auf einer zusätzlichen Strebe 40 des Untergestells des Rollstuhles
aufgesetzt, die zu diesem Zweck eine im wesentlichen U-förmige Gestaltung aufweist.
Bezugszeichenliste
[0044]
- 01
- Seitenrahmen
- 02
- Seitenrahmen
- 03
- Quertraverse
- 04
- Rückenlehnenrahmen
- 05
- Sitzrahmen
- 06
- Sitzpolsterelement
- 07
- Längsträger
- 08
- Längsträger
- 09
- Querträger
- 10
- Querträger
- 11
- Laufrolle
- 12 12A
- Drehgelenk
- 12B
- Drehgelenk
- 13
- Schwenkachse
- 14 14A
- Halteglied
- 14B
- Halteglied
- 15 15A
- Halteglied
- 15B
- Halteglied
- 16 16A
- Kulissenführung
- 16B
- Kulissenführung
- 17 17A
- Kulissenführung
- 18 18A
- Koppelelement
- 18B
- Koppelelement
- 19
- Bremseinheit
- 20
- Drehachselement
- 21
- Mittelachse
- 22
- Bremsscheibe
- 23
- Bremshebel
- 24
- Bremsfläche
- 25
- Scheibenelement
- 26
- Fußstütze
- 27
- Drehachse
- 28 28A
- Koppelstrebe
- 28B
- Koppelstrebe
- 29 29A
- Verbindungsgelenk
- 29B
- Verbindungsgelenk
- 30 30A
- Verbindungsgelenk
- 30B
- Verbindungsgelenk
- 31 31A
- Innenrohr
- 31B
- Innenrohr
- 32 32A
- Außenrohr
- 32B
- Außenrohr
- 33
- Feststellvorrichtung
- 34
- Bohrung
- 35
- Stift
- 36
- Rückenlehnenpolsterelement
- 37
- Kopfstütze
- 38
- Aufnahme
- 39 39A
- Ausleger
- 39B
- Ausleger
- 40
- Strebe
- 41
- Einschraubmutter
- 42
- Klemmschraube
- 43 43A
- Schnappprofil
- 43B
- Schnappprofil
- 44
- Halteelement
1. Rollstuhl für Kranke oder Behinderte zum Einsatz als Dusch-, Toiletten- oder Pflegestuhl
mit einem aus zwei Seitenrahmen und die Seitenrahmen verbindenden Quertraversen bestehenden
Untergestell, einem im hinteren Bereich des Untergestells an diesem festgelegten Rückenlehnenrahmen
und einem an der Oberseite des Untergestells angeordneten, mit einem austauschbaren
Sitzpolster ausgestatteten Sitzrahmen, welcher im Wesentlichen rechteckig aus zwei
Längsträgern und zwei Querträgern gebildet ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Rückenlehnenrahmen (4) am Untergestell mittels zweier Drehgelenke (12A, 12B)
schwenkbar um eine in einem parallelen Abstand zu den Quertraversen (3) verlaufenden
Schwenkachse (13) angelenkt ist, dass der Sitzrahmen (5) an seinen vorderen und hinteren
Endbereichen jeweils seitlich vorstehende Halteglieder (14A, 14B, 15A, 15B) aufweist,
die in Kulissenführungen (16A, 16B, 17A, 17B) eingreifen, die im Seitenrahmen (1.
2) angeordnet sind und dass zwischen Rückenlehnenrahmen (4) und Sitzrahmen (5) mindestens
ein Koppelelement (18A, 18B) vorgesehen ist, welches ein Verschwenken des Rückenlehnenrahmens
(4) dergestalt auf den Sitzrahmen (5) überträgt, dass dieser sich mittels der Halteglieder
(14A, 14B, 15A, 15B) in den Kulissenführungen (16A, 16B, 17A, 17B) verschiebt.
2. Rollstuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass dem Koppelelement (18A, 18B) eine Bremseinrichtung (19) zugeordnet ist, durch die
die für die Bewegung von Rückenlehnenrahmen (4) und Sitzrahmen (5) erforderlichen
Antriebskräfte erhöht werden.
3. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Koppelelement (18A, 18B) und die Bremseinrichtung (19) auf einem gemeinsamen
Drehachselement (20) angeordnet sind, das sich auf der Position der Mittelachse (21)
des hinteren Querträgers (10) des Sitzrahmens (5) befindet.
4. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die dem vorderen Endbereich des Sitzrahmens (5) zugeordneten, in den Seitenrahmen
(1, 2) angeordneten Kulissenführungen (17A, 17B) gegen die Horizontale geneigt angeordnet
sind dergestalt, dass das hintere, dem Rückenlehnenrahmen (4) zugewandte Ende der
Kulissenführungen (17A, 17B) niedriger liegt als das vordere Ende der Kulissenführungen
(17A, 17B).
5. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die dem hinteren Bereich des Sitzrahmens (5) zugeordneten, in den Seitenrahmen (1,
2) angeordneten Kulissenführungen (16A, 16B) im Wesentlichen horizontal angeordnet
sind.
6. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Bremseinrichtung (19) mindestens eine Bremsscheibe (22) und einen handbetätigbaren
Bremshebel (23) aufweist, die auf dem Drehachselement (20) angeordnet sind, wobei
an einer der zur Mittelachse senkrechten Flachseiten der Bremsscheibe (22) sich eine
schräge Bremsfläche (24) befindet, mit der der Bremshebel (23) zusammenwirkt, welcher
ein korrespondierendes Scheibenelement (25) aufweist, dessen eine Flachseite zur Erzielung
der Bremswirkung an der schrägen Bremsfläche (24) der Bremsscheibe (22) zur Anlage
kommt.
7. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass am vorderen Endbereich des Sitzrahmens (1, 2) eine Fußstütze (26) um eine horizontale
Drehachse (27) schwenkbar angelenkt ist, wobei zwischen dem dem Sitzrahmen (5) abgewandten
vorderen Bereich der Fußstütze (26) und dem Rückenlehnenrahmen (4) mindestens eine
Koppelstrebe (28A, 28B) angeordnet ist, die an ihren beiden Enden Verbindungsgelenke
(29A, 29B, 30A, 30B) zur drehbaren Festlegung an Fußstütze (26) und Rückenlehnenrahmen
(4) aufweist.
8. Rollstuhl nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Koppelstrebe (28A, 28B) aus zwei teleskopartig ineinander verschiebbaren Rohren
(31A, 31B, 32A, 32B) besteht, die mittels einer Feststellvorrichtung (33) zueinander
fixierbar sind.
9. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass Sitzrahmen (5) und Rückenlehnenrahmen (4) mit durch formschlüssige elastische Befestigungselemente
fixierbaren Polsterelementen (6, 36) versehen sind.
10. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Rückenlehnenrahmen (4) mit einer Aufnahme (38) für eine Kopfstütze (37) versehen
ist, wobei der Abstand zwischen dem oberen Endbereich des Rückenlehnenrahmens (4)
und der Kopfstütze (37) veränderbar ist.
11. Rollstuhl nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die wesentlichen Elemente des Rollstuhls wie Rückenlehnenrahmen (4), Untergestell
und Sitzrahmen (5) aus Kunststoff gefertigt sind.