[0001] Die Erfindung betrifft eine Elektrodenanordnung als Hochspannungselektrode für die
kontinuierliche Plasmabehandlung oder Plasmabeschichtung von Bahnmaterial mit einer
Mehrzahl von quer zu einer Transportrichtung des Bahnmaterials angeordneten, im wesentlichen
parallel zueinander stehenden Messerelektroden.
[0002] Derartige Elektrodenanordnungen sind bekannt und werden vielfältig in der Plasmabehandlung
oder Plasmabeschichtung von in der Regel elektrisch nicht leitendem Bahnmaterial,
z.B. Kunststofffolie oder dgl., eingesetzt. Diese Elektroden werden typischerweise
als Hochspannungselektroden verwendet mit einer den freien Enden der Messerelektroden
gegenüberliegenden, als Gegenelektrode ausgebildeten Transportwalze.
[0003] Durch die Spannungsdifferenz wird die Plasmaentladung zwischen Messerelektroden im
Gasspalt zur Gegenelektrode gezündet, und das Material plasmabehandelt bzw. -beschichtet.
[0004] Eine Plasmabehandlung erfolgt dabei typischerweise ohne den Einsatz von Precursoren,
wobei hier aufgrund des gezündeten Plasmas lediglich eine Veränderung der Oberflächenzustände
des behandelten Materials erfolgt, um beispielsweise die Adhäsion eines später aufgebrachten
Beschichtungsmaterials oder dgl. zu verbessern. In gleicher Art und Weise kann auch
eine Plasmabeschichtung mit solchen Elektroden durchgeführt werden, wobei hier Precursoren
in den zwischen den Elektroden und dem Bahnmaterial gebildeten Spalt bzw. Raum eingebracht
werden, die die Ausgangsstoffe für die Beschichtung liefern.
[0005] Bei den sogenannten Messerelektroden handelt es sich um langgestreckte, klingenähnliche
Elektroden, die in der Regel mit einer ihrer Längskanten in einer Hochspannungsanordnung
festgelegt sind und mit ihrer anderen Längskante die eigentliche Entladungsfläche
bilden.
[0006] Bei den bisher bekannten vergleichbaren Elektrodenanordnungen werden die Messerelektroden
in gleichem Abstand zwischen benachbarten Elektroden, also äquidistant, angeordnet.
[0007] In von der Anmelderin durchgeführten Versuchen hat sich gezeigt, dass mit solchen
Elektrodenanordnungen erzielte Plasmabehandlungs- bzw. Plasmabeschichtungsergebnisse
hinsichtlich der Homogenität noch verbesserungswürdig sind. Insbesondere stellen Gleitentladungen
entlang der Materialoberfläche vielfach eine starke, inhomogene, thermische Belastung
des Materials dar, die den Einsatz eines Elektrodensystems oft gegrenzt. Entsprechend
stellte sich den Erfindern die Aufgabe, die bekannten Elektrodenanordnungen zu verbessern,
um ein verbessertes Behandlungs- bzw. Beschichtungsergebnis auf dem plasmabehandelten
bzw. plasmabeschichteten Bahnmaterial zu erzielen.
[0008] Am Ende einer langen und ausgedehnten Versuchsreihe hat sich überraschend herausgestellt,
dass sich eine solchermaßen angestrebte Verbesserung dann erzielen lässt, wenn wie
im kennzeichnenden Teil des Anspruches 1 angegeben die Abstände benachbarter Messerelektroden
anders als im bekannten Stand der Technik unterschiedlich sind. Die physikalische
Ursache für die beobachtete Verbesserung ist bisher nicht vollständig geklärt und
noch Gegenstand weitergehender Untersuchungen. Entscheidend für die Verbesserung scheint
jedoch zu sein, dass die neue Anordnung der Messerelektroden die Vorteile eines großen
Messerabstandes hinsichtlich der Problematik der Gleitentladungen mit den Vorteilen
eines geringeren Messerabstandes hinsichtlich der spezifischen elektrischen Belastbarkeit
kombiniert.
[0009] Bevorzugt sind die Abstände benachbarter Messerelektroden am Rand der Elektrodenanordnung
größer als in deren Zentrum. Mit Rand der Elektrodenanordnung sind dabei diejenigen
Bereiche gemeint, die in einer Transportrichtung der Bahnmaterials gesehen am vorderen
bzw. hinteren Ende der Elektrodenanordnung liegen (vgl. Anspruch 2).
[0010] Als geeignete Abstände zwischen den benachbarten Messerelektroden haben sich am Rand
der Elektrodenanordnung Abstände zwischen 8 und 12 mm, im Zentrum der Elektrodenanordnung
zwischen 2 und 6 mm erwiesen (Anspruch 3).
[0011] Eine weitere Verbesserung des Entladungsbildes der Elektrodenanordnung bzw. der mit
dieser zu erzielenden Plasmabehandlungs- bzw. Plasmabeschichtungsergebnisse ließ sich
erzielen, wenn die freistehenden Kanten der Messerelektroden entsprechend der in Anspruch
4 genannten vorteilhaften Weiterbildung mit im Querschnitt im wesentlichen kreis-
bzw. teilkreisförmigen Entladungsleisten versehen waren. Diese Ausbildung der Entladungsleisten
bei Messerelektroden, so hat sich herausgestellt, ergibt nicht nur bei der erfindungsgemäß
mit Messerelektroden mit divergierenden Abständen versehenen Elektrodenanordnung,
sondern auch bei solchen Elektrodenanordnungen mit Messerelektroden in äquidistanter
Anordnung ein verbessertes Ergebnis. Die Ausbildung der Entladungskanten stellt insoweit
und für sich genommen eine eigenständige Erfindung dar. Dabei müssen die Krümmungsradien
der Entladungskanten nicht durchgehend gleich sein, sondern können im Gegenteil mit
Vorteil innerhalb der Elektrodenanordnung differieren (vgl. Anspruch 5). So werden
starke Gleitentladungen am Rand und somit am vorderen bzw. hinteren Ende der Elektrodenanordnung
1 minimiert.
[0012] Um einen gleich bleibenden Abstand zwischen den Entladungskanten der Messerelektroden
und der Oberfläche der Plasma zu behandelnden bzw. Plasma zu beschichtenden Materialbahn
beizubehalten, sind die Messerelektroden vorzugsweise entsprechend den Vorgaben des
Anspruchs 6 angeordnet.
[0013] Gegenstand der Erfindung ist schließlich noch eine Vorrichtung zur kontinuierlichen
Plasmabehandlung oder Plasmabeschichtung von Bahnmaterial mit den Merkmalen des Anspruches
7. Hier ist wesentlich, dass die Vorrichtung eine wie oben beschriebene Elektrodenanordnung
enthält.
[0014] Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
eines Ausführungsbeispiels anhand der beigefügten Figuren. Dabei zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Ansicht einer erfindungsgemäßen Elektrodenanordnung der kontinuierlichen
Plasmabehandlung bzw. -beschichtung von Bahnmaterial; und
- Fig. 2
- eine vergrößerte Darstellung der erfindungsgemäßen Elektrodenanordnung.
[0015] In Fig. 1 ist eine mit einer erfindungsgemäßen Elektrodenanordnung 1 versehene Plasmabehandlungs-
bzw. -beschichtungsvorrichtung 10 in Ausschnitten und schematisch gezeigt. In dieser
Vorrichtung ist in einem im wesentlichen geschlossenen Raum die Elektrodenanordnung
1 über eine mit Isolatoren 11 gegenüber der restlichen Vorrichtung 10 getrennte Hochspannungsversorgung
angeschlossen. Gegenüber einer Behandlungsstrecke 12 liegt, hier nicht näher dargestellt,
eine als Gegenelektrode ausgebildete Transportwalze, mit der das zu behandelnde bzw.
zu beschichtende Bahnmaterial durch den Zwischenraum zwischen dieser Transportwalze
und der Elektrodenanordnung 1 geführt wird. Das Plasma - in Fig. 1 nicht dargestellt
- wird zwischen Plasmabehandlungs- bzw. Plasmabeschichtungsvorrichtung 10 und Transportwalze
gezündet.
[0016] In Fig. 2 ist die Elektrodenanordnung 1 noch einmal vergrößert dargestellt. Sie enthält
einen Elektrodenhalter 2 und eine Mehrzahl, in diesem Ausführungsbeispiel insgesamt
14, Messerelektroden 3. Diese Messerelektroden sind im Querschnitt knochenartig aufgebaut
mit an beiden Längskanten angeformten, im Querschnitt im wesentlichen kreis- bzw.
teilkreisförmigen Verdickungen. Die erste dieser Verdickungen 4, die an der in dem
Elektrodenhalter 2 angeordneten Kante der Messerelektrode 3 ausgebildet ist, dient
dem Halt der Messerelektrode 3 in dem Elektrodenhalter 2. Die zweite, an der freistehenden
Kante der Messerelektrode ausgebildete Verdickung bildet eine Entladungsleiste 5.
Diese Entladungsleiste 5 ist im Querschnitt dicker bzw. stärker ausgebildet als die
sich daran anschließende Klinge 6 der Messerelektrode 3.
[0017] Der Durchmesser der Entladungsleiste 5 muss in der Elektrodenanordnung nicht gleich
sein, wodurch starke Gleitentladungen am Rand und somit am vorderen bzw. hinteren
Ende der Elektrodenanordnung 1 minimiert werden.
[0018] Die einzelnen, benachbarten Messerelektroden 3 sind mit variablen Abständen zueinander
angeordnet, wobei die Abstände zwischen benachbarten Messerelektroden 3 an den äußeren
Rändern der Elektrodenanordnung 1 größer sind als die Abstände benachbarter Messerelektroden
3 im Zentrum der Anordnung 1.
[0019] In diesem Beispiel sind insgesamt fünf verschiedene Abstände vorgesehen und in der
Figur mit den Ziffern a bis e bezeichnet, wobei die Abstände von a bis e jeweils kleiner
werden. In einem Ausführungsbeispiel können die Abstände a bis e z.B. wie folgt gebildet
sein:
a = 10 mm
b = 9 mm
c = 8 mm
d = 7 mm
e = 6 mm
[0020] Der erfindungsgemäße Aufbau der Elektrodenanordnung 1 mit sich im wesentlichen parallel
zueinander erstreckenden, in Transportrichtung des zu behandelnden bzw. zu beschichtenden
Bahnmaterials hintereinander angeordneten Messerelektroden 3 in unterschiedlichem
Abstand schafft eine verbesserte Homogenität und Qualität der mit dieser durchgeführten
Plasmabehandlung bzw. Plasmabeschichtung des unter dieser Elektrodenanordnung 1 auf
der als Gegenelektrode ausgebildeten Transportwalze hindurch geführten Bahnmaterials.
Dies konnte experimentell bestätigt werden. Auch die Ausbildung der Entladungsleisten
5 mit der Kreis- bzw. Teilkreisform im Querschnitt ergab eine gegenüber bekannter
Entladungskantenformen verbesserte Qualität der Plasmabeschichtung bzw. -behandlung.
[0021] Die in dem Ausführungsbeispiel gezeigte Form der Elektrodenanordnung 1 und die dort
angegebenen Abstände a bis e sind nicht beschränkend, es können stattdessen diverse
unterschiedliche Formen und Abstandsverteilungen eingehalten werden. Die erfindungswesentlichen
Merkmale sind in den Ansprüchen wiedergegeben, welche den Umfang der Erfindung bzw.
des Schutzes definieren sollen.
Bezgugszeichenliste
[0022]
- 1
- Elektrodenanordnung
- 2
- Elektrodenhalter
- 3
- Messerelektrode
- 4
- Verdickung
- 5
- Entladungsleiste
- 6
- Klinge
- 10
- Plasmabehandlungs- bzw. beschichtungsvorrichtung
- 11
- Isolator
- 12
- Behandlungsstrecke
- a
- Abstand
- b
- Abstand
- c
- Abstand
- d
- Abstand
- e
- Abstand
1. Elektrodenanordnung als Hochspannungselektrode für die kontinuierliche Plasmabehandlung
oder Plasmabeschichtung von Bahnmaterial mit einer Mehrzahl von quer zu einer Transportrichtung
des Bahnmaterials angeordneten, im wesentlichen parallel zueinander stehenden Messerelektroden
(3), dadurch gekennzeichnet, dass die Abstände (a-e) benachbarter Messerelektroden (3) unterschiedlich sind.
2. Elektrodenanordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Abstände (a) benachbarter Messerelektroden (3) am Rand der Elektrodenanordnung
(1) größer sind als die Abstände (e) benachbarter Messerelektroden (3) in deren Zentrum.
3. Elektrodenanordnung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die größten Abstände (a) zwischen benachbarten Messerelektroden (3) am Rand der Elektrodenanordnung
(1) zwischen 8 und 12 mm und die kleinsten Abstände (e) zwischen benachbarten Messelektroden
(3) im Zentrum der Elektrodenanordnung (1) zwischen 2 und 6 mm betragen.
4. Elektrodenanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die frei stehenden Kanten der Messerelektroden (3) eine im Querschnitt im wesentlichen
kreis- bzw. teilkreisförmige, gegenüber der sich an diese anschließenden Klinge (6)
vorzugsweise verdickt ausgebildete, Entladungsleiste (5) aufweisen.
5. Elektrodenanordnung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die kreis- bzw. teilkreisförmigen Kanten der Messerelektroden innerhalb einer Elektrodenanordnung
unterschiedliche Krümmungsradien aufweisen.
6. Elektrodenanordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Verbindungslinie entlang der frei stehenden Kanten der Messerelektroden (3)
in der Transportrichtung gekrümmt verläuft entsprechend der Außenkontur einer zur
Anordnung an der Elektrodenanordnung (1) vorgesehenen, eine Gegenelektrode bildenden
Transportwalze.
7. Vorrichtung zur kontinuierlichen Plasmabehandlung oder Plasmabeschichtung von Bahnmaterial
mit einer Elektrodenanordnung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6 und mit einer dieser
gegenüberliegenden, eine Gegenelektrode bildenden Transportwalze.