[0001] In der Medizin stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung, die innere
Strukturen eines zu untersuchenden Körpers sichtbar machen. Seit langer Zeit gibt
es Röntgenaufnahmen, die ein zweidimensionales Abbild der durchleuchteten Strukturen
liefern, andere Verfahren, wie die (Computertomographie)CT- oder die (Magnetresonanz)MR-Tomographie
können auch dreidimensionale, so genannte Voxeldatensätze liefern. Der Begriff Voxel
setzt sich aus den Begriffen "Volumetric" und "Pixel" zusammen. Bei einem räumlichen
Voxeldatensatz, der in diskretisierter Form in kartesischen Koordinaten vorliegt,
entspricht ein Voxel einem zugehörigen diskreten Wert an einer XYZ-Koordinate des
Datensatzes. Ein Voxel bildet folglich ein dreidimensionales Äquivalent eines Pixels.
Üblicherweise handelt es sich bei den in einem Voxeldatensatz enthaltenen Daten um
skalare Größen, beispielsweise um Intensitätswerte oder Farbwerte, die mit den Mitteln
der Volumengrafik zur Visualisierung bestimmt sind.
[0002] Leider sind diese letztgenannten Verfahren heute noch teuer und zeitaufwendig oder
auch (bei CT) mit höherer Strahlenbelastung verbunden. Daher werden oft, auch wenn
- z.B. bei der Operationsplanung - dreidimensionale Aufnahmen wünschenswert wären,
normale zweidimensionale Röntgenaufnahmen verwendet. Obwohl darin keine Tiefeninformationen
enthalten sind, können Ärzte sich die abgebildeten dreidimensionalen Strukturen aufgrund
ihrer Erfahrung vorstellen.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Visualisieren und/oder
Auswerten von Messdaten aus bildgebenden Verfahren zur Verfügung zu stellen, das eine
leistungsfähige Auswertung der gemessenen Daten und insbesondere die Berechnung von
Volumenmodellen aus den Messdaten zweidimensionaler Aufnahmen ermöglicht.
[0008] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch ein Verfahren nach Anspruch 1, dessen Wortlaut
hiermit zum Inhalt der Beschreibung gemacht wird, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden.
[0009] Die Beispielvektoren werden auf der Basis der Beispiel-Voxeldatensätze ermittelt.
Zur Ermittlung bzw. Berechnung der Beispielvektoren kann neben einer Reparametrisierung
auch eine Parameterreduktion erfolgen.
[0010] Bei dem Verfahren werden zur Verarbeitung von Messdaten aus bildgebenden Verfahren
aus Beispiel-Voxeldatensätzen ein parametrisiertes statistisches Modell berechnet,
Modellparameter für dieses Modell so bestimmt, dass aus dem Modell berechnete Daten
optimal mit den gemessenen Daten übereinstimmen, und das so gewonnene Modell zur Visualisierung
oder Weiterverarbeitung ausgegeben.
[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht unter anderem die Berechnung von Volumenmodellen
aus zweidimensionalen Aufnahmen (z.B. Röntgenaufnahmen oder einzelnen aufgenommenen
Schichtbildern) dadurch, dass mit Hilfe eines aus Beispieldatensätzen generierten
statistischen Modells die wahrscheinlichste Konfiguration berechnet wird, die zu der
Aufnahme geführt haben könnte. Der Erfahrung des Arztes, der sich eine dreidimensionale
Konfiguration vorstellen kann, die zu einer bestimmten Aufnahme geführt hat, entspricht
hier die aus den Beispieldaten gewonnene statistische Information. Entsprechende Techniken
werden bisher nur auf dem Gebiet der Modellierung zweidimensionaler Bilder [1] oder
dreidimensionaler Flächenmodelle (Morphable Models [2]) eingesetzt, nicht aber für
Volumenmodelle.
[0012] In einer Weiterbildung des Verfahrens wird ein durch die Beispielvektoren aufgespannter
Vektorraum reparametrisiert.
[0013] In einer Weiterbildung des Verfahrens umfasst das Auswerten des parametrisierten
statistischen Modells im Schritt f) eine Detektion von Anomalien in den realen Messdaten,
indem Abweichung zwischen den realen Messdaten und den virtuellen Messdaten festgestellt
werden.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren oder bestimmte Teilschritte des Verfahrens können
bevorzugt auf Spezialhardware, beispielsweise auf der Basis von programmierbaren Logikbausteinen,
ausgeführt werden.
[0015] Die Erfindung wird nachfolgend anhand typischer Anwendungszenarien und unter Bezugnahme
auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben. Hierbei zeigen schematisch:
- Fig. 1
- ein Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Erzeugung parametrisier- ter statistischer
Volumenmodelle,
- Fig. 2
- ein Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Berechnung eines Volu- menmodells aus einem
oder mehreren einfachen Röntgenbildern oder anderen Messdatensätzen und
- Fig. 3
- ein Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Analyse der Modellpara- meter eines parametrisierten
statistischen Volumenmodells mit or- thogonalen Basisvektoren aus einem gemessenen
vollständigen Datensatz.
Berechnung eines statistischen Volumenmodells aus Beispieldatensätzen
[0016] Zur Berechnung des statistischen Volumenmodells werden Beispielvolumendatensätze
V
j (j=1..n) benötigt, die alle Objekte der gleichen Objektklasse darstellen. Hier sollen
zunächst CT-Voxeldatensätze betrachtet werden, wobei entsprechende Modelle auch für
MR-Tomographieaufnahmen erzeugt werden können. Dass die Objekte alle einer gemeinsamen
Objektklasse angehören bedeutet, dass zu jedem Objektpunkt in einem Datensatz in jedem
anderen Datensatz ein Punkt identifiziert werden kann, der ein entsprechendes Objektmerkmal
darstellt. In einem ersten Schritt werden diese Korrespondenzen identifiziert; allgemein
wird dieser Schritt als Registrierung der Modelle bezeichnet. Dies kann manuell durch
Kennzeichnung korrespondierender Punkte in den Beispieldatensätzen und Interpolation
der dazwischenliegenden Punktpositionen erfolgten, aber auch durch automatische Verfahren,
siehe z.B. [3] und [4].
[0017] Anschließend wird aus jedem Beispieldatensatz ein Vektor
B̃j berechnet, der den Datensatz vollständig beschreibt und im folgenden als Beispielvektor
bezeichnet wird. Der erste dieser Beispielvektoren
B̃1 kann z.B. dadurch erzeugt werden, dass für den ersten der Beispieldatensätze für
jedes Voxel x-, y-, und z-Position sowie die Voxelintensität als Vektorkomponenten
hintereinandergeschrieben werden, wodurch der Vektor eine Zahl von Komponenten hat,
die dem Vierfachen der Voxelzahl entspricht. Für alle weiteren Beispieldatensätze
werden die Beispielvektoren dadurch gebildet, dass für jedes Voxel des ersten Beispieldatensatzes
das aufgrund der erfolgten Registrierung bekannte korrespondierende Voxel des weiteren
Beispieldatensatzes bestimmt wird, und dessen x-, y-, und z-Position sowie dessen
Voxelintensität als Vektorkomponenten hintereinandergeschrieben werden. Solcherart
erzeugte Vektoren können nun linear kombiniert werden. Die Linearkombinationen stellen
neue Volumendatensätze dar, bestehend aus Positionen und Intensitäten. Durch Interpolation
und Neuabtastung können aus solchen Linearkombinationen auch wieder regelmäßig abgetastete
Voxeldatensätze erzeugt werden.
[0018] Die Willkür bei der Zuordnung der Beispielvektorkomponenten zu den Voxeln des beliebig
gewählten ersten Beispieldatensatzes lässt sich dadurch entfernen, dass das Berechnungsverfahren
wiederholt wird, wobei beim zweiten Durchgang statt des beliebig gewählten ersten
Beispieldatensatzes ein aus dem Durchschnittsvektor der Beispielvektoren berechneter
Voxeldatensatz zur Korrespondenzberechnung und Beispielvektorgenerierung verwendet
wird.
[0019] In einem zweiten Schritt wird der durch die Beispielvektoren
B̃j aufgespannte Vektorraum reparametrisiert. Dazu kann z.B., wie in [2] beschrieben,
eine Hauptkomponentenanalyse (PCA) eingesetzt werden. Bei der PCA werden Eigenvektoren
und Eigenwerte der Kovarianzmatrix der Beispielvektoren berechnet, nachdem die Koordinaten
der Vektoren so transformiert wurden, dass der Durchschnittsvektor

der Beispielvektoren im Ursprung liegt. Es ist bekannt, dass sich diese für kleine
n effizient ohne explizite Berechnung der hochdimensionalen Kovarianzmatrix berechnen
lassen. Linearkombinationen der Vektoren können nun als Summe des Durchschnittsvektors
B0 und der durch Parameter
ai gewichteten Eigenvektoren
Bi der Kovarianzmatrix dargestellt werden, welche somit eine neue Basis für den Vektorraum
der Linearkombinationen der Beispielvektoren darstellen. Unter der Voraussetzung,
dass die Beispieldatensätze eine höchstens (n-1)-dimensionale Normalverteilung repräsentieren,
kann diese Verteilung aus den Beispieldatensätzen geschätzt werden. In diesem Fall
repräsentieren die zu den Eigenvektoren gehörenden Eigenwerte der Kovarianzmatrix
die Varianz der Projektion der transformierten Beispielvektoren auf die dazu gehörenden
Eigenvektoren und werden dazu verwendet, für konkrete Parameterkombinationen die Wahrscheinlichkeit
ihres Auftretens zu berechnen.
[0020] Falls die Beispielobjekte nicht schon bei der Aufnahme gleich positioniert und ausgerichtet
waren, ist es vor Durchführung der Hauptkomponentenanalyse sinnvoll, die in den Beispielvektoren
enthaltenen Ortskoordinaten so zu rotieren und zu verschieben, dass Lage und Ausrichtung
der Beispielobjekte möglichst gut übereinstimmen. Für die beschriebene Erfindung ist
es unerheblich, ob dies manuell oder mit automatischen Verfahren wie Fitting von Momenten
geschieht. Besteht ein betrachtetes Objekt aus mehreren Teilobjekten, die relativ
zueinander bewegt werden können (wie z.B. mehrere durch Gelenke verbundene Knochen),
so sollte diese Ausrichtung für die Teilobjekte getrennt durchgeführt werden. Auch
die Parameter dieser Ausrichtungstransformation (z.B. Drehwinkel und Verschiebungsvektoren)
können als Vektoren aufgefasst werden, die Lage und Ausrichtung eines Objekts bzw.
Lage und Ausrichtung der Teilobjekte beschreiben, und deren Linearkombinationen ebenfalls
einen Vektorraum bilden, der auch mit linearen oder nichtlinearen Techniken wie z.B.
PCA oder Kernel-PCA reparametrisiert werden kann. Ziel der Reparametrisierung, die
auch für Teilobjekte getrennt erfolgen kann, ist die Bestimmung von Parametern, die
Kombinationen der Beispielvektoren beschreiben können und zwar in einer solchen Weise,
dass diese Parameter nach ihrer Wichtigkeit geordnet werden können. Bei der PCA kann
die Wichtigkeit eines Parameters durch den durchschnittlichen quadratischen Fehler
definiert werden, der auftritt, wenn bei der Beschreibung der Beispielvektoren im
durch die PCA gegebenen Koordinatensystem der entsprechende Parameter weggelassen
wird. Parameter, bei denen das Weglassen keinen Fehler bei der Darstellung der Beispielvektoren
erzeugt, können weggelassen werden. Die verbleibenden Parameter liefern eine redundanzfreie
Darstellung der Beispielvektoren und - wenn diese die Gesamtheit der Volumendatensätze
einer Objektklasse gut repräsentieren - auch eine redundanzarme Darstellungsmöglichkeit
für Volumendatensätze eines beliebigen neuen Objekts aus der betrachteten Objektklasse.
[0021] Hat man nun auf diese Weise ein statistisches Modell gewonnen, so können durch Einstellung
der entsprechenden Parameter beliebige Kombinationen der ursprünglichen Beispieldatensätze
erzeugt werden. Die dadurch entstehenden Datensätze können mit bekannten Volumenvisualisierungsverfahren
visualisiert werden. Beispielsweise ist es sehr einfach, durch Integration entlang
der von einer virtuellen Röntgenstrahlenquelle ausgehenden Strahlungslinien aus einem
CT-Datensatz ein Bild zu berechnen, das einer normalen Röntgenaufnahme entspricht.
Berechnung eines Volumenmodells aus einer Röntgenaufnahme
[0022] Eine wichtige Aufgabe, die mit der beschriebenen Erfindung gelöst werden kann, ist
die Berechnung eines Volumenmodells aus einer einfachen Röntgenaufnahme. Dies geschieht
in folgender Weise:
- a) Das statistische parametrisierte Volumenmodell wird so initialisiert, dass das
Durchschnittsobjekt dargestellt wird. Normalerweise wird die Parametrisierung so gewählt
sein, dass das Durchschnittsobjekt dadurch repräsentiert wird, dass alle Parameter
ai den Wert 0 haben. Alternativ kann ein initialer Parametersatz manuell festgelegt
werden.
- b) Von diesem Modell mit den eingestellten Parametern ai wird eine virtuelle Röntgenaufnahme erzeugt. Die Darstellungsparameter (Position
der Strahlungsquelle und Position und Ausrichtung der Bildebene) sollen ähnlich wie
bei der zu analysierenden normalen Röntgenaufnahme gewählt werden.
- c) Die virtuell erzeugte Röntgenaufnahme wird mit der realen normalen Röntgenaufnahme
verglichen. Als Vergleichsmaß kann z.B. die Summe der quadrierten Intensitätsdifferenzen
dienen.
- d) Nun wird in iterativer Weise durch wiederholtes Durchlaufen der Schritte 2 und
3 mit veränderten Modellparametern ai und Visualisierungsparametern (Position von Bildebene und Strahlenquelle) die Übereinstimmung
zwischen virtuell erzeugtem und realem Röntgenbild verbessert. Für die Anpassung der
Parameter können dabei verschiedene numerische Standardoptimierungstechniken eingesetzt
werden wie z.B. verschiedene hierarchische gradientenbasierte Verfahren, Simulated-Annealing
oder Simplex-Verfahren [5].
[0023] Dieses Vorgehen entspricht einem Analysis-by-Synthesis-Verfahren, wie es z.B. für
die Analyse von zweidimensionalen Bildern bekannt ist [6].
[0024] Ergebnis des Verfahrens ist ein Satz von Modellparametern, die das spezielle, durch
das statistische parametrisierte Volumenmodell darstellbare Volumenmodell charakterisieren,
das am besten zu der analysierten realen Röntgenaufnahme passt. Dieses Modell kann
nun mit Standardvisualisierungstechniken dargestellt werden, z.B. ist es möglich,
es von allen Seiten zu betrachten. Verbessert werden kann das Verfahren, wenn statt
einer einzelnen realen Röntgenaufnahme zwei oder mehrere Aufnahmen verwendet werden.
Das Modell muss in der Analysephase dann so angepasst werden, dass beide Aufnahmen
mit den ihnen entsprechenden virtuellen Aufnahmen übereinstimmen. Dazu kann in Schritt
3 als Vergleichsmaß die Summe der quadrierten Intensitätsdifferenzen zwischen jedem
der betrachteten aufgenommenen Bilder und dem ihm entsprechenden berechneten Bild
verwendet werden. Die restlichen Schritte bleiben unverändert.
[0025] Grundsätzlich kann mit Hilfe des statistischen Modells das aufgrund der Beispieldatensätze
plausibelste Modell berechnet werden, das zu bestimmten Aufnahmen geführt hat. Ist
eine Übereinstimmung in bestimmten Bildbereichen nicht zu erzielen, so liegt der Grund
darin, dass kein Modell, das sich als Kombination der Beispieldaten darstellen lässt,
ein Bild erzeugen kann, das dem aufgenommenen Bild entspricht. Bereiche, in denen
hohe Differenzen auftreten, können z.B. farblich markiert werden, da sie vom Normalen
abweichende Gegebenheiten darstellen. Ähnliches gilt, wenn einzelne Modellparameter
Größen annehmen, die weit außerhalb der durch die Beispieldaten gegebenen Varianz
liegen.
[0026] Werden für die Berechnung des statistischen Modells multimodale Beispieldatensätze
verwendet, so ergeben sich weitere Einsatzmöglichkeiten für die Analyse aufgenommener
Daten. Enthält der Beispieldatensatz neben CT-Daten z.B. auch verschiedene MR-Daten,
so kann aus einem Röntgenbild nicht nur ein CT-Datensatz bestimmt werden, der zu diesem
Röntgenbild passt, sondern es stehen automatisch auch die dazu am plausibelsten passenden
MR-Daten zur Verfügung.
[0027] Das für Röntgenbilder beschriebene Analyseverfahren kann nicht nur für normale Röntgenbilder
angewendet werden, sondern für alle Darstellungen, die sich aus dem parametrisierten
Modell berechnen lassen. Anstelle einer Röntgenaufnahme kann also z.B. auch ein einzelner
CT-Schnitt verwendet werden. Das dazu passende Modell wird wie für die Röntgenbilder
beschrieben bestimmt und stellt das Modell dar, das nach der durch die Beispieldaten
gegebenen Statistik am besten zu diesem Schnitt passt. Eine weitere sehr wichtige
Anwendung besteht in der Analyse von Rohdaten, wie sie bei der CT-Aufnahme anfallen.
Da auch solche Darstellungen aus Volumendaten berechnet werden können, ist es möglich,
auch aus einer kleineren Menge von aufgenommenen Daten qualitativ hochwertige CT-Bilder
zu berechnen, ohne die inverse Radontransformation (gefilterte Rückprojektion) durchzuführen.
Beachtet werden muss hier lediglich, dass die Beispieldatensätze genügend Variation
aufweisen müssen, um die Gegebenheiten richtig darstellen zu können. Ist dies nicht
der Fall, so kann immerhin eine Abweichung der Messdaten von den aus dem Modell abgeleiteten
Daten detektiert und getrennt behandelt werden.
Analyse vollständiger Volumendatensätze
[0028] Auch die Analyse vollständiger Volumendatensätze ist sinnvoll. Sie erfolgt durch
Registrierung, wie sie bei der Erstellung des statistischen Modells eingesetzt wird.
Bei linearen Vektorräumen und einer Parametrisierung durch PCA ist die Parameterbestimmung
besonders einfach und erfolgt durch einfache Projektion der entstehenden Vektoren
auf die durch die PCA bestimmten Hauptachsen und Subtraktion der Projektionen des
Durchschnittsvektors der Beispielvektoren auf diese Hauptachsen.
[0029] Ist das parametrisierte statistische Modell kein lineares Modell mit orthogonalen
Basisfunktionen, sondern wurde z.B. mit Hilfe nichtlinearer Parameterreduzierungstechniken
erzeugt, so kann ein vollständiger Volumendatensatz auch mit dem oben beschriebenen
Verfahren zur Berechnung eines Volumenmodells aus einer Röntgenaufnahme analysiert
werden, wenn anstelle der Röntgenaufnahme der vollständige zu analysierende Datensatz
verwendet wird. Der Schritt der Berechnung einer virtuellen Aufnahme kann hier entfallen,
da der gemessene Volumendatensatz direkt mit dem aus den Modellparametern erzeugten
Volumendatensatz verglichen werden kann.
[0030] Ist das statistische Modell multimodal, so kann mit den so bestimmten Parametern
auch die jeweils andere Modalität erzeugt werden; aus MR-Daten lässt sich eine CT
-Darstellung berechnen und umgekehrt. Allerdings muss beachtet werden, dass diese
Darstellung nur ein plausibles Modell und nicht eine Messung darstellt. Besonders
interessant ist die Anwendung in der Diagnostik von Anomalien, da diese sich in starken
Abweichungen der gemessenen Daten von den Modelldaten ausdrücken. Mit gelabelten Beispieldaten
wäre es sogar möglich, durch die Parameterbestimmung für gemessene Daten eine automatische
Zuordnung zu bestimmten Gruppen vorzunehmen (Geschlecht, Alter, bestimmte Krankheiten).
Für solche diagnostischen Zwecke würden sich allerdings andere Parametrisierungen
anbieten; so sollte zur Unterscheidung zweier Gruppen (z.B. bestimmte Krankheit vorhanden
/ nicht vorhanden) statt der Hauptkomponentenanalyse eine Diskriminanzanalyse vorgenommen
werden.
Vorrichtung zur Erzeugung eines parametrisierten statistischen Volumenmodells
[0031] Fig. 1 zeigt beispielhaft das Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Erzeugung parametrisierter
statistischer Volumenmodelle.
[0032] Über einen Eingabeport 11 werden Beispiel-Voxeldatensätze V
j (j=1..n) einer Objektklasse in eine Speichereinheit 12 für Beispiel-Voxeldatensätze
geladen. Von dort werden die Beispiel-Voxeldatensätze an eine Verarbeitungseinheit
13 zur Registrierung und Beispielvektorberechnung weitergegeben, wo Punktkorrespondenzen
zwischen den Datensätzen bestimmt werden, und anschließend aus diesen Korrespondenzen
für jeden Beispiel-Voxeldatensatz ein Beispielvektor berechnet wird.
[0033] Dann wird der Durchschnittsvektor

aller Beispielvektoren bestimmt, und anschließend von jedem Beispielvektor abgezogen.
Die resultierenden Differenzvektoren
Bi =
B̃i -
B0 werden an eine Verarbeitungseinheit 14 zur Reparametrisierung durch PCA weitergegeben,
wo sie einer Hauptkomponentenanalyse unterzogen werden. Als Ergebnis steht ein parametrisiertes
statistisches Volumenmodell zur Verfügung, das aus dem Vektor
P0 =
B0 und den Eigenvektoren
Pi der Kovarianzmatrix der Differenzvektoren, sowie aus den dazugehörigen Eigenwerten
ν
i besteht. Dieses Modell kann über einen Ausgabeport 15 ausgegeben werden, oder an
eine Verarbeitungseinheit 16 zur Generierung eines Voxelmodells für bestimmte Parameter
ai weitergegeben werden, wo aus über einen Eingabeport 17 eingegebenen Parametern
ai und den Modellvektoren
Pi der Summenvektor

berechnet wird, der ein durch die Parameter
ai definiertes konkretes Volumenmodell repräsentiert. Aus diesem Summenvektor wird anschließend
durch Resampling ein Voxelmodell auf einem regelmäßigen Gitter berechnet, das über
einen Ausgabeport 18 ausgegeben werden kann.
Vorrichtung zur Bestimmung von Modellparametern aus einem oder mehreren Röntgenbildern
oder anderen Messdatensätzen
[0034] Fig. 2 zeigt beispielhaft das Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Berechnung eines
Volumenmodells aus einem oder mehreren einfachen Röntgenbildern oder anderen Messdatensätzen.
[0035] Über einen Eingabeport 21 wird ein parametrisiertes statistisches Volumenmodell in
Form der Vektoren
Pi (i=O..n) und der dazugehörigen Varianzen
νi (i=1..n) sowie die Messdaten M, z.B. in Form eines einfachen Röntgenbildes in eine
Speichereinheit 22 für Volumenmodell und Messdaten geladen. Für die folgende Beschreibung
wird angenommen, dass die Messdaten M ein einfaches Röntgenbild darstellen. Die Vektoren
werden an eine Verarbeitungseinheit 23 zur Generierung eines Voxelmodells für bestimmte
Parameter
ai weitergegeben. Diese Verarbeitungseinheit wird von einer Verarbeitungseinheit 24
zur Optimierung der Parameter
ai und der Darstellungsparameter mit Parametern versorgt. Aus diesen und den Vektoren
Pi berechnet sie ein Voxelmodell, das an eine Verarbeitungseinheit 25 zur Generierung
virtueller Messdaten M' aus einem Voxelmodell weitergegeben wird. In dieser Verarbeitungseinheit,
die z.B. aus einem gebräuchlichen Voxelvisualisierungsgerät bestehen kann, und die
die Darstellungsparameter auch von der Verarbeitungseinheit 24 zur Optimierung der
Parameter
ai und der Darstellungsparameter erhält, wird ein virtueller Messdatensatz M', z.B.
ein virtuelles Röntgenbild, erzeugt und an eine Verarbeitungseinheit 26 zur Berechnung
eines Ähnlichkeitsmaßes zwischen Messdaten M und virtuellen Messdaten M' weitergegeben.
In dieser Verarbeitungseinheit wird das virtuelle Röntgenbild mit dem aufgenommenen
zu analysierenden Röntgenbild aus der Speichereinheit 22 verglichen. Dieses Vergleichsmaß
wird an die Verarbeitungseinheit 24 zur Optimierung der Parameter und der Darstellungsparameter
weitergegeben, wo entsprechend einem Optimierungsalgorithmus in iterativer Weise,
beginnend mit einem initialen Parametersatz so lang neue Parameter
ai und neue Darstellungsparameter erzeugt werden, bis das Vergleichsmaß einen Extremwert
erreicht, der anzeigt, dass maximal mögliche Übereinstimmung zwischen real aufgenommenem
und virtuell erzeugtem Messdatensatz erreicht wurde. Dieser Algorithmus kann auch
auf die in der Speichereinheit 22 für Volumenmodell und Messdaten gespeicherten Varianzen
zurückgreifen. Die initialen Parameter
ai sind entweder fest eingestellte Standardwerte (z.B. 0) oder können alternativ über
einen Eingabeport 27 eingegeben werden. Die initalen Darstellungsparameter sollen
den Aufnahmeparametern der Messdaten entsprechen und werden ebenfalls über den Eingabeport
27 eingegeben. Mit mehreren Sätzen von Darstellungsparametern kann die Vorrichtung
auch dazu benutzt werden, mehrere Röntgenbilder eines Objektes simultan zu analysieren.
[0036] Ist die Iteration zum Abschluss gekommen, so steht an einem Ausgabeport 28 das aus
den optimierten Parametern berechnete Voxelmodell zur Verfügung, das mit Standard-Visualisierungsverfahren
für Voxelmodelle visualisiert werden kann. Es bietet sich an, für diese Visualisierung
eine Vorrichtung zu nutzen, die der Verarbeitungseinheit 25 zur Generierung virtueller
Messdaten M' aus einem Voxelmodell entspricht.
[0037] An einem Ausgabeport 29 stehen die optimierten Modellparameter zur Verfügung, die
das berechnete optimierte Modell sehr kompakt repräsentieren, und auch dazu verwendet
werden können, die Plausibilität des berechneten Modells mit Hilfe der durch das statistische
Modell gegebenen Wahrscheinlichkeitsverteilung zu bestimmen.
Vorrichtung zur Analyse der Modellparameter eines parametrisierten statistischen Volumenmodells
mit orthogonalen Basisfunktionen aus einem gemessenen vollständigen Datensatz
[0038] Fig. 3 zeigt beispielhaft das Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Analyse der Modellparameter
eines parametrisierten statistischen Volumenmodells mit orthogonalen Basisvektoren
aus einem gemessenen vollständigen Datensatz.
[0039] Über einen Eingabeport 31 wird ein parametrisiertes statistisches Volumenmodell in
Form der orthogonalen normierten Vektoren
Pi (i=O..n), sowie der gemessene vollständige Volumendatensatz K in eine Speichereinheit
32 für Volumenmodell und Messdaten geladen. Der gemessene vollständige Volumendatensatz
K wird anschließend in einer Verarbeitungseinheit 33 zur Registrierung von
K mit dem durch den Durchschnittsvektor
P0 des parametrisierten statistischen Modells dargestellten Volumendatensatz registriert.
Nach dieser Registrierung wird wie bei der Generierung des parametrisierten statistischen
Modells aus den Korrespondenzen und den Intensitäten von
K ein Vektor berechnet, der den zu analysierenden gemessenen vollständigen Volumendatensatz
repräsentiert. Dieser Vektor wird anschließend durch Subtraktion von
P0 in das Koordinatensystem des parametrisierten statistischen Modells transformiert.
Der so berechnete transformierte Messdatenvektor
VK wird an eine Verarbeitungseinheit 34 zur Berechnung der Modellparameter
ai weitergeleitet, wo die Parameter
ai durch Projektion auf die orthonormalen Basisvektoren
Pi des parametrisierten statistischen Volumenmodells berechnet werden. Die so berechneten
Parameter
ai werden anschließend über einen Ausgabeport 35 ausgegeben.
[0040] Zusammenfassen dient das beschriebene Verfahren zur Verarbeitung von Daten eines
Objektes, die mit bildgebenden Verfahren wie z.B. MR-Tomographie, CT, oder einfachen
Röntgenaufnahmen gewonnen wurden, durch Erstellung eines parametrisierten statistischen
Volumenmodells aus Beispiel-Volumendatensätzen bzw. Beispiel-Voxeldatensätzen und
Anpassen der Modellparameter an die gewonnenen Daten. Die Erstellung des parametrisierten
statistischen Volumenmodells aus Beispiel-Voxeldatensätzen erfolgt dabei durch manuelle
oder automatische Registrierung der Volumen- bzw. Voxeldatensätze, Speicherung der
Korrespondenzen als hochdimensionale Vektoren und anschließender Parameterreduktion.
Die Beispiel-Voxeldatensätze können semantische Zusatzinformationen, wie sie z.B.
durch manuelle Segmentierung erzeugt werden, enthalten. Die Anpassung der Modellparameter
an die durch bildgebende Verfahren gewonnenen zu verarbeitenden Daten erfolgt durch
Anwendung von Analysis-by-Synthesis-Verfahren. Ergebnis ist ein mit Standardverfahren
visualisierbares Volumenmodell des aufgenommenen Objekts auf Basis der Beispieldatensätze.
Anwendungen sind z.B. die Erzeugung eines dreidimensionalen Volumenmodells aus einer
einzigen oder wenigen einzelnen Röntgenaufnahmen, oder auch die automatische Detektion
von außergewöhnlichen Strukturen durch Vergleich der aus dem statistischen Modell
berechneten Daten mit den aufgenommenen Volumendaten.
Weiterentwicklungen
[0041] Eine Weiterentwicklung der beschriebenen Verfahren und Vorrichtungen in verschiedenen
Hinsichten ist möglich. So können z.B. für die Bestimmung initialer Parametersätze
bei der Analyse von Daten ähnlich wie in [6], Machine-Learning-Verfahren eingesetzt
werden.
Referenzen
[0042]
- [1] T.F. Cootes, G.J. Edwards, and C.J. Taylor. Active appearance models. In Burkhardt
and Neumann, editors, Computer Vision - ECCV'98Vol. II, Freiburg, Germany, 1998. Springer,
Lecture Notes in Computer Science 1407.
- [2] V. Blanz, T. Vetter. Method and device for the processing of images based on morphable
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- [3] D. L. Collins, P. Neelin, T. M. Peters, and A. C. Evans, "Automatic 3D intersubject
registration of MR volumetric data in standardized Talairach space," Journal of Computer
Assisted Tomography, Vol. 18, pages 192-205.
- [4] J. Modersitzki. Numerical Methods for Image Registration. Numerical Mathematicsand
Scientific Computation. Oxford University Press (2004).
- [5] James C. Spall. Introduction to Stochastic Search and Optimization, ISBN: 0471330523,Wiley-Interscience,
2003.
- [6] A. Schilling. Introduction to Analysis by Synthesis Methods, in: H.Bülthoff, H. Mallot,
R. Ulrich, F. Wichmann (Hrg.), Proceedings of TWK05: 8th Tübingen Perception Conference,
Feb. 2005, Symposium 1 Symposium 1: Analysis by Synthesis Methods in Computer Vision and Perception,
2005.
- [7] Cris Curio. Analysis by Synthesis for Human Pose Tracking: Merging View-Based and
Model-Based Approaches, in: H.Bülthoff, H. Mallot, R. Ulrich, F. Wichmann (Hrg.),
Proceedings of TWK05: 8th Tübingen Perception Conference, Feb. 2005, Symposium 1 Symposium 1: Analysis by Synthesis Methods in Computer Vision and Perception,
2005.