[0001] Die Erfindung betrifft ein elektromagnetisches Schaltgerät mit den Merkmalen gemäß
dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1. Die Erfindung betrifft weiter ein Verfahren
zum Betrieb eines derartigen Schaltgeräts gemäß dem Patentanspruch 8.
[0002] In einem Schaltgerät der eingangs genannten Art erregt ein Steuer- oder Hilfsstrom
den Magnetantrieb, der die beweglichen und die festen Kontaktstücke in einem Starkstromkreis
solange kontaktiert hält, solange der Steuerstrom fließt. Ein solches Schaltgerät
wird insbesondere auch als ein Schütz bezeichnet. Ebenso ist es aber auch möglich,
den Stromkreis geöffnet zu halten, solange der Steuerstrom fließt. Dann ist der Starkstromkreis
geschlossen, wenn der Magnetantrieb ausgeschaltet ist. Durch einen schwachen Steuerstrom
kann demnach ein Starkstromkreis geschlossen bzw. geöffnet werden.
[0003] Wird der Steuerstrom ausgeschaltet, so beschleunigt der Kontaktträger aufgrund der
gespeicherten Energien der Rückstellmittel in Richtung auf den Ausanschlag, wobei
bei der Ausgestaltung als Schütz die Kontaktierung zwischen den festen und den beweglichen
Kontaktstücken geöffnet wird. Durch die Beschleunigung schlägt der Kontaktträger mit
hoher Geschwindigkeit auf den Ausanschlag.
[0004] Der Anschlag des Kontaktträgers auf dem Ausanschlag führt zu einer erheblichen Belastung
der Mechanik des Schaltgeräts. Bei heute erzielbaren mehreren Millionen Schaltspielen
führt dies zu einer hohen Abnutzung nicht nur der direkt beteiligten Teile und somit
zu einer Begrenzung der erreichbaren Lebensdauer des Schaltgeräts. Weiter führt der
Anschlag des Kontaktträgers auf dem Ausanschlag durch die dabei auftretende enorme
Beschleunigung auch zu einer akustischen Beeinträchtigung der Umgebung.
[0005] Des Weiteren kann das Ausschaltvermögen eines als Schütz ausgebildeten Schaltgeräts
durch hohe Rückprallwerte und einer damit einhergehenden kurzfristigen Verringerung
der Kontaktöffnung negativ beeinflusst werden. Dem kann nur dadurch begegnet werden,
dass die Ausschaltgeschwindigkeit gering gehalten wird, wodurch sich aber keine kurzen
Schaltzeiten realisieren lassen.
[0006] Zur Lösung der angesprochenen Problematik sind Dämpfungsmaterialien am Ausanschlag
bekannt, die den Anschlag dämpfen. Nachteiligerweise haben derartige Dämpfungsmaterialien
eine begrenzte Lebensdauer. Auch kann die enorme mechanische Belastung nur ungenügend
aufgefangen werden. Auch lässt sich damit die Geräuschbelästigung nur innerhalb gewisser
Grenzen verringern.
[0007] Aus
WO 01/41174 A1 ist ein elektromagnetisches Schaltgerät bekannt, das mit Hilfe eines Magnetfeldsensors
das Weg-Zeitverhalten eines Kontaktträgers misst und in Abhängigkeit des Ausgangssignals
des Magnetfeldsensors den Strom der Spule des Elektromagnetsystems steuert.
[0008] Aus
DE 100 10 756 A1 ist ein Verfahren zur Regelung des Bewegungsablaufs eines Ankers bekannt, welches
mittels eines Regelkreises einen Fangstrom für einen Elektromagneten generiert, um
ein sanftes Auftreffen des Ankers zu erzielen.
[0009] Aufgabe der Erfindung ist es, ein elektromagnetisches Schaltgerät der eingangs genannten
Art anzugeben, welches gegenüber herkömmlichen Schaltgeräten eine verbesserte Lebensdauer
und einen geringeren Schallpegel des Ausanschlags aufweist.
[0010] Weiter ist es Aufgabe der Erfindung, für ein elektromagnetisches Schaltgerät der
eingangs genannten Art ein Verfahren zum Betrieb anzugeben, mit welchem sich gegenüber
herkömmlichen Schaltgeräten eine verbesserte Lebensdauer und ein geringerer Schallpegel
des Ausanschlags erzielen lässt.
[0011] Die erstgenannte Aufgabe wird für ein elektromagnetisches Schaltgerät mit einer Anzahl
von festen Kontaktstücken, mit einem Magnetantrieb und mit einem vom Magnetantrieb
gegen Rückstellmittel bewegbaren Kontaktträger, auf dem eine Anzahl von beweglichen
Kontaktstücken angeordnet ist, sowie mit einem Ausanschlag für den Kontaktträger,
erfindungsgemäß gelöst durch einen Sensor zur Erfassung der Position des Kontaktträgers
und durch eine mit dem Sensor verbundene Kontrolleinheit, die den Magnetantrieb während
eines Ausschaltvorgangs zum Abbremsen des Kontaktträgers vor dem Anschlag auf den
Ausanschlag regelt und/oder steuert.
[0012] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, dass es durch die Erfassung der
Position des Kontaktträgers möglich wird, den Bewegungsablauf des Kontaktträgers zu
verfolgen. Insbesondere wird es dann möglich, die Bewegung des Kontaktträgers vor
dem Auftreffen auf dem Ausanschlag zu kontrollieren. Dabei kann die Erfassung der
Position des Kontaktträgers direkt am Kontaktträger, an damit in Verbindung stehenden
Teilen wie dem Anker oder mittels eines an den mit dem Kontaktträger bewegten Teilen
befestigten Geber vorgenommen werden.
[0013] In einem weiteren Schritt geht die Erfindung von der Erkenntnis aus, dass der Magnetantrieb
in einem Schaltgerät der eingangs genannten Art zur Beschleunigung des Kontaktträgers
gegen die Rückstellmittel eingesetzt wird. Wird der Magnetantrieb in einer Einschaltstellung
mit einem Steuerstrom beaufschlagt, so wird der Anker und damit der Kontaktträger
gegen die Rückstellmittel beschleunigt. Wird der Magnetantrieb ausgeschaltet, so beschleunigt
der Kontaktträger infolge der Rückstellmittel hin auf den Ausanschlag. Die Erfindung
erkennt nun in einem dritten Schritt, dass der Magnetantrieb aufgrund seiner Wirkung
einer Beschleunigung des Kontaktträgers gegen die Rückstellmittel in einer Ausschaltphase
gezielt auch zum Abbremsen des auf den Ausanschlag beschleunigten Kontaktträgers eingesetzt
werden kann. Eine solche Abbremsung kann beispielsweise durch einen kurzen Stromimpuls
auf den Magnetantrieb geschehen, kurz bevor der Kontaktträger auf den Ausanschlag
trifft.
[0014] Durch einen oder mehrere Stromimpulse auf den Magnetantrieb kann beispielsweise die
Geschwindigkeit des Kontaktträgers kurz vor dem Ausanschlag so verlangsamt werden,
dass der Kontaktträger mit einer Geschwindigkeit, die gegen Null geht, auf den Ausanschlag
trifft. Zur Steuerung und/oder Regelung dieser Auftreffgeschwindigkeit ist eine Kontrolleinheit
eingesetzt, die mittels des Positionssensors die Bewegung oder Position des Kontaktträgers
verfolgt und in Abhängigkeit von diesen Sensorsignalen mittels des Magnetantriebs
die Geschwindigkeit des Kontaktträgers vor dem Auftreffen auf den Ausanschlag beeinflusst.
[0015] Als Sensoren kommen optische, magnetische, mechanische oder kapazitive Sensoren in
Frage. Auch können so genannte Näherungsschalter eingesetzt werden, die mit Schall,
Magneteffekten oder kapazitiv arbeiten. Auch können einfache Schleifkontakte verwendet
werden.
[0016] Durch das Abbremsen des Kontaktträgers vor dem Auftreffen auf den Ausanschlag wird
der vom Kontaktträger auf den Ausanschlag übertragene Impuls und damit die mechanische
Belastung der betroffenen Bauteile deutlich verringert. Dies erhöht die Lebensdauer
des Schaltgeräts. Weiter wird die akustische Belastung der Umwelt deutlich verringert.
[0017] Sind die beweglichen Kontaktstücke in einer Einschaltstellung des Magnetantriebs
gegen die festen Kontaktstücke kontaktiert und in einer Ausschaltstellung des Magnetantriebs
geöffnet, so hat die Maßnahme zudem keine negative Wirkung auf die Ausschaltverzugszeit,
da die Bewegung des Kontaktträgers unmittelbar vor dem Auftreffen auf den Ausanschlag
abgebremst wird. Die Stromimpulse auf den Magnetantrieb können so bemessen werden,
dass der Kontaktträger wenige Millimeter vor dem Ausanschlag abgebremst wird und sanft
auftrifft. Der Ausschaltrückprall kann dann als vernachlässigbar angesehen werden.
Aufwändige mechanische Konstruktionen zur Reduzierung des Ausschaltrückpralls sind
nicht mehr erforderlich und unterliegen über die Lebensdauer auch keinem Verschleiß.
[0018] In einer vorteilhaften Ausgestaltung umfasst der Magnetantrieb eine elektromagnetische
Schließspule und einen Anker, der mit dem Kontaktträger verbunden ist. Wird die Schließspule
von Strom durchflossen, so wird durch das entstehende Magnetfeld der Anker und damit
der Kontaktträger auf die Spule hinbewegt.
[0019] Zweckmäßigerweise wird die Kontrolleinheit, die zur Ansteuerung bzw. Regelung der
Bewegung des Kontaktträgers während eines Ausschaltvorgangs vorgesehen ist, auch zum
Öffnen oder Schließen der Kontakte an sich, d.h. zur Steuerung oder Regelung des Steuerstroms
für den Magnetantrieb verwendet. Es wird dann für das Schaltgerät nur eine einzige
Kontrolleinheit benötigt, die sowohl den Einschalt- bzw. Ausschaltvorgang als auch
die Bewegung des Kontaktträgers vor dem Auftreffen auf dem Ausanschlag steuert bzw.
regelt.
[0020] Als Rückstellmittel können prinzipiell magnetische oder elektrische Mittel eingesetzt
werden. Vorteilhafterweise werden jedoch mechanische Rückstellmittel, insbesondere
Rückstellfedern, eingesetzt. Diese sind preiswert und haben sich bewährt. Dabei können
mechanische Rückstellfedern sowohl in Druck- als auch in Zugrichtung verwendet werden.
[0021] Üblicherweise führt bei einem Schütz eine für den Anschlag des Kontaktträgers günstige
Beeinflussung des Ausschaltvorgangs, wie z.B. eine Verringerung der Rückstellkräfte,
zu einer unerwünschten Erhöhung der Ausschaltverzugszeit des Schaltgeräts. Weiter
nimmt bei mechanischen Rückstellfedern nach dem Ausschalten die Rückstellkraft und
damit die Beschleunigung des Kontaktträgers mit zunehmender Nähe zum Ausanschlag ab.
Bei einem konventionell konstruierten Schaltgerät ist daher eine weitere Erhöhung
der Beschleunigung des Kontaktträgers nach dem Ausschalten und damit eine weitere
Verkürzung der Ausschaltverzugszeit oder der Ausschaltgeschwindigkeit nicht möglich.
Wird jedoch eine Kontrolleinheit zur Beeinflussung des Bewegungsverlaufs des Kontaktträgers,
insbesondere zur Abbremsung des Kontaktträgers vor dem Auftreffen auf dem Ausanschlag,
eingesetzt, so können vorteilhafterweise Beschleunigungsmittel zur Beschleunigung
des Kontaktträgers während des Ausschaltvorgangs in Richtung auf den Ausanschlag eingesetzt
werden. Die dadurch gezielt gesteigerte Geschwindigkeit des Kontaktträgers wird vor
dem Auftreffen auf dem Ausanschlag wieder verringert. Werden derartige Beschleunigungsmittel
eingesetzt, so kann die Ausschaltgeschwindigkeit des Schaltgeräts deutlich erhöht
werden.
[0022] In einer Weiterbildung der Erfindung wird als Beschleunigungsmittel ein Permanentmagnet
eingesetzt. Durch den Einsatz eines Permanentmagneten beispielsweise am Ausanschlag
wird es möglich, nach dem Ausschalten des Magnetantriebs einen Anstieg der auf den
Kontaktträger wirkenden Rückstellkraft in Richtung auf den Ausanschlag hin zu erreichen.
Damit wird die Ausschalt- oder Kontaktöffnungsgeschwindigkeit des Schaltgeräts gesteigert.
[0023] Alternativ zu einem Permanentmagneten kann eine elektromagnetische Öffnungsspule
verwendet werden. Diese kann durch Steuerung des sie durchfließenden Stroms zur Beschleunigung
des Kontaktträgers eingesetzt werden. Hierbei können beispielsweise auf dem Anker,
insbesondere dem Ankerrücken, Magnetpolflächen angebracht sein. Eine Spule bietet
gegenüber einem Permanentmagneten den Vorteil, dass die Beschleunigung des Kontaktträgers
regel- bzw. steuerbar wird.
[0024] Zweckmäßigerweise wird auch zur Regelung oder Steuerung der Öffnungsspule die bereits
zur Abbremsung des Kontaktträgers eingesetzte Kontrolleinheit herangezogen.
[0025] Die Aufgabe bezüglich des Verfahrens zum Betrieb zum Betrieb eines elektromagnetischen
Schaltgeräts mit einer Anzahl von festen Kontaktstücken, mit einem Magnetantrieb und
mit einem vom Magnetantrieb gegen Rückstellmittel bewegbaren Kontaktträger, auf dem
eine Anzahl von beweglichen Kontaktstücken angeordnet ist, sowie mit einem Ausanschlag
für den Kontaktträger, wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Position des
Kontaktträgers erfasst und der Magnetantrieb derart gesteuert oder geregelt wird,
dass während eines Ausschaltvorgangs der Kontaktträger vor dem Anschlag auf den Ausanschlag
abgebremst wird.
[0026] Mit einem derartigen Verfahren werden die bereits genannten Vorteile erzielt.
[0027] Weitere Vorteile ergeben sich, wenn der Kontaktträger vor dem Abbremsen durch Beschleunigungsmittel
auf den Ausanschlag hin beschleunigt wird. Dies führt zu der bereits erwähnten Verkürzung
der Ausschaltzeit des als Schütz ausgebildeten Schaltgeräts. Insbesondere ist es vorteilhaft,
wenn diese Beschleunigungsmittel gesteuert- und/oder geregelt werden.
[0028] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden durch eine Zeichnung näher erläutert. Dabei
zeigen:
- FIG 1
- schematisch ein Schaltgerät mit einem Aus- anschlag für den Kontaktträger, einem Magnet-
antrieb und einer damit verbundenen Kontroll- einheit zum Abbremsen des Kontaktträgers,
- FIG 2
- schematisch ein Schaltgerät gemäß FIG 1, wobei zur Beschleunigung des Kontaktträgers
nach dem Ausschalten ein Permanentmagnet eingesetzt ist,
- FIG 3
- schematisch ein Schaltgerät gemäß FIG 1, wobei zur Beschleunigung des Kontaktträgers
nach dem Ausschalten eine elektromagnetische Öffnungs- spule eingesetzt ist und
- FIG 4
- für ein Schaltgerät gemäß FIG 3 in einem Dia- gramm den zeitlichen Verlauf der Steuerströme
einer Schließspule und einer Öffnungsspule so- wie der Geschwindigkeit des Kontaktträgers
während des Ausschaltvorgangs.
[0029] FIG 1 zeigt schematisch ein Schaltgerät 1 mit einem bewegbaren Kontaktträger 4 und
einem zur Bewegung des Kontaktträgers 4 vorgesehenen Magnetantrieb 6. Der Kontaktträger
4 weist Schaltstückträger 8 auf, auf dessen Enden bewegliche Kontaktstücke 9 sitzen.
Auf einem festen Sockel 11 im Vordergrund des Schaltgeräts 1 sind feste Kontaktstücke
12 angeordnet. Im Hintergrund, jedoch nicht eingezeichnet, befindet sich ein zu dem
Sockel 11 identisch ausgestalteter weiterer Sockel mit weiteren festen Kontaktstücken.
Die vorderen festen Kontaktstücke 12 sowie die hinteren festen Kontaktstücke sind
in einen zu schaltenden Starkstromkreis integriert.
[0030] Im dargestellten Zustand ist der Starkstromkreis geöffnet; die beweglichen Kontaktstücke
9 sind mit den festen Kontaktstücken 12 nicht kontaktiert. Der Kontaktträger 4 ruht
an dem Ausanschlag 14. Im geschlossenen Zustand kontaktieren die beweglichen Kontaktstücke
9 die im Vordergrund befindlichen festen Kontaktstücke 12 mit den nicht eingezeichneten
festen hinteren Kontaktstücken, wodurch ein Starkstromkreis geschlossen wird. Die
beweglichen Kontaktstücke 9 werden gewissermaßen als Brücke in den Starkstromkreis
geschaltet.
[0031] Zum Antrieb des Kontaktträgers 4 weist der Magnetantrieb 6 elektromagnetische Schließspulen
16 sowie ein metallisches Joch 18 zum Schließen der Magnetfeldlinien auf. Wird ein
Steuerstrom durch die Schließspulen 16 geleitet, so wird durch das entstehende Magnetfeld
der Anker 20 und mit ihm der damit fest verbundene Kontaktträger 4 nach unten in Richtung
auf die Schließspulen 16 hin gezogen. Dieser Bewegung des Kontaktträgers 4 wirken
als Rückstellmittel an den Schaltstückträger 8 angeordnete mechanische Hauptkontaktfedern
22 sowie am Kontaktträger 4 direkt ansetzende mechanische Rückdruckfedern 23 entgegen.
Der Übersichtlichkeit halber ist jeweils nur eine Hauptkontaktfeder 22 und eine Rückdruckfeder
23 gezeichnet. Bei Einschalten des Magnetantriebs 6 werden die Hauptkontaktfedern
22 gedehnt und die Rückdruckfedern 23 gestaucht, wobei die für den Öffnungsvorgang
notwendige potentielle Feder-Energie gespeichert wird.
[0032] Solange ein Steuerstrom durch die Schließspulen 16 fließt, ist der Anker 20 und damit
der Kontaktträger 4 nach unten gezogen. Die beweglichen Kontaktstücke 9 und die festen
Kontaktstücke 12 sind elektrisch kontaktiert. Der Starkstromkreis ist geschlossen.
Wird der Steuerstrom durch die Schließspulen 16 abgeschaltet, so baut sich das den
Anker 20 haltende Magnetfeld ab und der Kontaktträger 4 beschleunigt aufgrund der
in den Hauptkontaktfedern 22 und den Rückdruckfedern 23 gespeicherten potentiellen
Energie in Richtung auf den Ausanschlag 14. Im Zuge dieser Bewegung wird der elektrische
Kontakt zwischen den beweglichen Kontaktstücken 9 und den festen Kontaktstücken 12
geöffnet.
[0033] Zur Ansteuerung und Regelung des Magnetantriebs 6 ist eine Kontrolleinheit 25 vorgesehen,
die einen Gleichrichter 27, einen Mikrocontroller 29 sowie eine Leistungsbaugruppe
30 umfasst. Zur Leistungsaufnahme ist der Gleichrichter 27 an eine Wechselspannung
angeschlossen. Über die Leistungsbaugruppe 30 wird der über die Schließspulen 16 fließende
Steuerstrom ausgegeben. Über den Steuerstrom steuert die Kontrolleinheit 25 den Einschalt-
und den Ausschaltvorgang des Schaltgeräts 1. Weiter ist der Mikrocontroller 29 mit
einem Positionssensor 32 verbunden, der mittels eines Sensorgebers 33 die Position
des Kontaktträgers 4 erfasst. Im Ausführungsbeispiel ist der Sensorgeber 33 an dem
Kontaktträger 4 befestigt. Es ist aber ebenso gut möglich, als Sensorgeber auch eines
der bewegten Teile, wie z.B. den Kontaktträger 4 oder den Anker 20, selbst zu verwenden.
Der Positionssensor 32 ist als ein optischer Sensor ausgestaltet, der über auf dem
Sensorgeber 33 angebrachte Markierungen die Position des Kontaktträgers 4 überwacht.
[0034] Wird ausgehend von einer Einschaltposition des Schaltgeräts 1 mit eingeschaltetem
Magnetantrieb 6 der über die Schließspulen 16 fließende Steuerstrom abgeschaltet,
so beschleunigt der Kontaktträger 4 auf den Ausanschlag 14 zu. Der Mikrocontroller
29 überwacht dabei mittels des Positionssensors 32 die Position des Kontaktträgers
4. Wird eine voreingestellte Position in unmittelbarer Nähe vor dem Ausanschlag 14
detektiert, so gibt die Kontrolleinheit 25 einen oder mehrere Stromimpulse auf die
Schließspulen 16, wodurch der Kontaktträger 4 abgebremst wird. Durch kontinuierliche
Beobachtung der Bewegung des Kontaktträgers 4 wird dabei die Auftreffgeschwindigkeit
des Kontaktträgers auf den Ausanschlag 14 auf einen festen, gegen Null gehenden Wert
abgeregelt. Auf diese Weise werden sowohl der Geräuschpegel des Anschlags als auch
die durch die Impulsübertragung auf den Ausanschlag 14 ausgehenden mechanischen Belastungen
klein gegenüber herkömmlichen Schaltgeräten. Die Lebensdauer des Schaltgeräts 1 ist
gegenüber herkömmlichen Schaltgeräten verlängert. Durch die Abregelung der Auftreffgeschwindigkeit
auf den Ausanschlag 14 wird weiter der Ausschaltrückprallwert verbessert.
[0035] FIG 2 zeigt ein Schaltgerät 2, welches gegenüber dem in FIG 1 dargestellten Schaltgerät
1 zusätzlich seitlich des Magnetantriebs 6 angeordnete Permanentmagneten 35 aufweist.
Die als Rückstellmittel eingesetzten Hauptkontaktfedern 22 und Rückdruckfedern 23
sind der Übersichtlichkeit halber nicht mehr eingezeichnet. Weiter ist ein fester
magnetischer Rückschlussbügel 36 an den Permanentmagneten 35 angeordnet. Zusätzlich
weist der Kontaktträger 4 mit den Permanentmagneten 35 wechselwirkende Magnetpolflächen
38 auf. Die Magnetpolflächen 38 und die Permanentmagnete 35 sind dabei derart ausgerichtet,
dass zwischen ihnen eine repulsive Wechselwirkung entsteht. Der Sensorgeber 33 ist
über den magnetischen Rückschlussbügel 36 hinaus verlängert.
[0036] Im eingeschalteten Zustand liegt der Anker 20 dem Magnetantrieb 6 an. Die festen
Kontaktstücke 12 sind mit den beweglichen Kontaktstücken 9 kontaktiert. Die Magnetpolflächen
38 liegen in geringem Abstand in der Nähe der Permanentmagneten 35. Wird der durch
die Schließspulen 16 fließende Steuerstrom abgeschaltet, so beschleunigt der Kontaktträger
4 aufgrund der in den Hauptkontaktfedern 22 und den Rückdruckfedern 23 gespeicherten
Energie auf den Ausanschlag 14 zu. Zusätzlich wird der Kontaktträger 4 nun noch durch
die repulsive magnetische Wechselwirkung zwischen den Magnetpolflächen 38 und den
Permanentmagneten 35 beschleunigt. Hierdurch wird die Öffnungsgeschwindigkeit der
Kontakte gesteigert bzw. die Ausschaltverzugszeit des Schaltgeräts 2 gegenüber dem
Schaltgerät 1 weiter verringert.
[0037] Die durch die Permanentmagneten 35 erzielte zusätzliche Beschleunigung des Kontaktträgers
4 in Richtung auf den Ausanschlag 14 mit der damit verbundenen Verringerung der Ausschaltverzugszeit
wäre am Ausanschlag mit erhöhten mechanischen Belastungen und einer Verschlechterung
der Ausschaltrückprallwerte verbunden. Dies ist jedoch bei dem gezeigten Schaltgerät
2 nicht der Fall, da wie im Fall des Schaltgeräts 1 die Kontrolleinheit 25 mittels
des Positionssensors 32 und des Sensorgebers 33 die Position des Kontaktträgers 4
überwacht und seine Geschwindigkeit zum Auftreffen auf den Ausanschlag 14 durch gezielte
Ansteuerung der Schließspulen 16 auf einen eingestellten Wert herabregelt. Das gezeigte
Schaltgerät 2 weist somit gegenüber herkömmlichen Schaltgeräten nicht nur eine verbesserte
Ausschaltverzugszeit sondern gleichermaßen auch verringerte Ausschaltrückprallwerte,
eine geringere Schallbelastung und eine höhere Lebensdauer auf.
[0038] Bei dem in FIG 3 gezeigten Schaltgerät 3 sind die Permanentmagnete 35 durch um die
magnetischen Rückschlussbügel 36 angeordnete elektromagnetische Öffnungsspulen 40
ersetzt. Die Öffnungsspulen 40 sind mit der Leistungsbaugruppe 30 der Kontrolleinheit
25 verbunden.
[0039] Die Konstruktion des Schaltgeräts 3 ermöglicht eine gesteuerte oder geregelte Beschleunigung
des Ausschaltvorgangs durch Ansteuerung der Öffnungspulen 40 durch die Kontrolleinheit
25. Damit lässt sich eine weitere Erhöhung der Ausschaltverzugszeit bzw. der Kontaktöffnungszeit
erzielen. Gleichzeitig kann der Bewegungsablauf des Kontaktträgers 4 sanft abgebremst
werden.
[0040] In FIG 4 sind für das Schaltgerät 3 in einem vereinfachten Diagramm - aufgetragen
über der Zeit - der Stromverlauf 45 einer Schließspule 16, der Stromverlauf 47 einer
Öffnungsspule 40 sowie der Geschwindigkeitsverlauf 49 des Kontaktträgers 4 während
des Ausschaltvorgangs dargestellt.
[0041] Zu Beginn sind gemäß Abschnitt 50 für das Schaltgerät 3 die Kontakte geschlossen.
An der Schließspule 16 liegt ein Steuerstrom an. Die Öffnungsspule 40 wird nicht angesteuert.
Der Kontaktträger 4 ruht.
[0042] Zurzeit 51 wird der Steuerstrom der Schließspule 16 abgeschaltet. Gleichzeitig wird
die Öffnungsspule 40 in Abschnitt 52 mit einem Steuerstrom beaufschlagt. Sowohl infolge
mechanischer Rückstellmittel als auch durch das sich in der Öffnungsspule 40 einstellende
Magnetfeld wird der Kontaktträger 4 auf den Ausanschlag 14 hin beschleunigt. Seine
Geschwindigkeit nimmt zu. Die Ausschaltverzugszeit wird durch die zusätzliche Beschleunigung
verkürzt. Um nicht zu hohe Geschwindigkeiten zu erreichen, wird der Steuerstrom der
Öffnungspule 40 allmählich verringert. Bei Erreichen einer voreingestellten Geschwindigkeit
wird der Steuerstrom der Öffnungsspule 40 abgeschaltet. Die durch die mechanischen
Rückstellmittel wirkende Kraft auf den Kontaktträger 4 nimmt mit zunehmendem Abstand
ab. Im gezeigten Beispiel reicht diese Kraft nach Abschalten des Steuerstroms der
Öffnungsspule 40 nicht aus, um die erreichte Geschwindigkeit aufrecht zu halten. Die
Geschwindigkeit des Kontaktträgers 4 verringert sich.
[0043] Zum Zeitpunkt 53 öffnen sich die Kontakte. Nach Öffnung der Kontakte wird erneut
ein Steuerstrom auf die Schließspulen 16 gegeben. Dieser führt zu einem Abbremsen
der Bewegung des Kontaktträgers 4. Durch eine stetige Verringerung des Steuerstroms
der Schließspule 16 in Abschnitt 54 wird die Geschwindigkeit des Kontaktträgers 4
sanft verlangsamt.
[0044] Zum Zeitpunkt 55 trifft der Kontaktträger 4 fast ruhend auf den Ausanschlag 14. Im
Abschnitt 56 ist das Schaltgerät 3 in offenem Zustand. Der Kontaktträger 4 ruht am
Ausanschlag 14.
1. Elektromagnetisches Schaltgerät (1, 2, 3) mit einer Anzahl von festen Kontaktstücken
(12), mit einem Magnetantrieb (6), mit einem vom Magnetantrieb (6) gegen Rückstellmittel
bewegbaren Kontaktträger (4), auf dem eine Anzahl von beweglichen Kontaktstücken (9)
angeordnet ist, sowie mit einem Ausanschlag (14) für den Kontaktträger (4) und mit
einem Sensor (32) zur Erfassung der Position des Kontaktträgers (4),
gekennzeichnet durch Mittel zur Beschleunigung des Kontaktträgers (4) während des Ausschaltvorgangs in
Richtung auf den Ausanschlag (14) und eine mit dem Sensor (32) verbundene Kontrolleinheit
(25), die den Magnetantrieb (6) während des Ausschaltvorgangs zum Abbremsen des Kontaktträgers
(4) vor dem Anschlag auf den Ausanschlag (14) regelt und/oder steuert.
2. Elektromagnetisches Schaltgerät (1, 2, 3) nach Anspruch 1, wobei der Magnetantrieb
(6) eine elektromagnetische Schließspule (16) und einen Anker (20) umfasst, wobei
der Anker (20) mit dem Kontaktträger (4) verbunden ist.
3. Elektromagnetisches Schaltgerät (1, 2, 3) nach Anspruch 1 oder 2, wobei durch die
Kontrolleinheit (25) auch die Einschalt- und Ausschaltstellung des Magnetantriebs
(6) regel- und/oder steuerbar ist.
4. Elektromagnetisches Schaltgerät (1, 2, 3) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei
die Rückstellmittel mechanische Rückstellmittel, insbesondere Rückstellfedern (22,
23), sind.
5. Elektromagnetisches Schaltgerät (1, 2, 3) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei
als Mittel zur Beschleunigung ein Permanentmagnet (35) eingesetzt ist.
6. Elektromagnetisches Schaltgerät (1, 2, 3) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei
als Mittel zur Beschleunigung eine elektromagnetische Öffnungsspule (40) eingesetzt
ist.
7. Elektromagnetisches Schaltgerät (1, 2, 3) nach Anspruch 6, wobei die Öffnungsspule
(40) durch die Kontrolleinheit (25) steuer- oder regelbar ist.
8. Verfahren zum Betrieb eines elektromagnetischen Schaltgeräts (1, 2, 3) mit einer Anzahl
von festen Kontaktstücken (12), mit einem Magnetantrieb (6) und mit einem vom Magnetantrieb
(6) gegen Rückstellmittel bewegbaren Kontaktträger (4), auf dem eine Anzahl von beweglichen
Kontaktstücken (9) angeordnet ist, sowie mit einem Ausanschlag (14) für den Kontaktträger
(4), wobei die Position des Kontaktträgers (4) erfasst und der Magnetantrieb (6) derart
gesteuert und/oder geregelt wird, dass während eines Ausschaltvorgangs der Kontaktträger
(4) durch Beschleunigungsmittel in Richtung auf den Ausanschlag (14) beschleunigt
und vor dem Anschlag auf den Ausanschlag (14) abgebremst wird.
9. Verfahren zum Betrieb eines elektromagnetischen Schaltgeräts (1, 2, 3) nach Anspruch
8, wobei die Beschleunigungsmittel gesteuert und/oder geregelt werden.
1. Electromagnetic switching device (1, 2, 3) with a number of fixed contact pieces (12),
with a magnet drive (6) and with a contact carrier (4), which is capable of being
moved by the magnet drive (6) counter to restoring means and on which a number of
movable contact pieces (9) is arranged, and with an off stop (14) for the contact
carrier (4) and with a sensor (32) for detecting the position of the contact carrier
(4),
characterized by means for accelerating the contact carrier (4) during the switch-off operation in
the direction of the off stop (14) and a control unit (25), which is connected to
the sensor (32) and regulates and/or controls the magnet drive (6) during the switch-off
operation for braking the contact carrier (4) before the off stop (14) is struck.
2. Electromagnetic switching device (1, 2, 3) according to Claim 1, the magnet drive
(6) comprising an electromagnetic closing coil (16) and an armature (20), the armature
(20) being connected to the contact carrier (4).
3. Electromagnetic switching device (1, 2, 3) according to Claim 1 or 2, the switch-on
and switch-off position of the magnet drive (6) being capable of being regulated and/or
controlled by the control unit (25).
4. Electromagnetic switching device (1, 2, 3) according to one of Claims 1 to 3, the
restoring means being mechanical restoring means, in particular restoring springs
(22, 23).
5. Electromagnetic switching device (1, 2, 3) according to one of Claims 1 to 4, a permanent
magnet (35) being used as the accelerating means.
6. Electromagnetic switching device (1, 2, 3) according to one of Claims 1 to 4, an electromagnetic
opening coil (40) being used as the accelerating means.
7. Electromagnetic switching device (1, 2, 3) according to Claim 6, the opening coil
(40) being capable of being controlled or regulated by the control unit (25).
8. Method for operating an electromagnetic switching device (1, 2, 3) with a number of
fixed contact pieces (12), with a magnet drive (6) and with a contact carrier (4),
which is capable of being moved by the magnet drive (6) counter to restoring means
and on which a number of movable contact pieces (9) is arranged, and with an off stop
(14) for the contact carrier (4), the position of the contact carrier (4) being detected
and the magnet drive (6) being controlled and/or regulated in such a way that the
contact carrier (4) is accelerated by accelerating means in the direction towards
the off stop (14) and, during a switch-off operation, is braked before the off stop
(14) is struck.
9. Method for operating an electromagnetic switching device (1, 2, 3) according to Claim
8, the accelerating means being controlled and/or regulated.
1. Appareil de commutation électromagnétique (1, 2, 3) comprenant un nombre de pièces
de contact fixes (12), un entraînement magnétique (6), un support de contacts (4)
pouvant être déplacé par l' entraînement magnétique (6) contre des moyens de rappel
et sur lequel est disposé un nombre de pièces de contact mobiles (9), ainsi qu'une
butée de coupure (14) pour le support de contacts (4) et un capteur (32) pour détecter
la position du support de contacts (4),
caractérisé par des moyens d'accélération du support de contacts (4) pendant l'opération de coupure
en direction de la butée de coupure (14) et une unité de contrôle (25) reliée au capteur
(32), et qui règle et/ou commande l'entraînement magnétique (6) pendant l'opération
de coupure afin de freiner le support de contacts (4) avant qu'il ne vienne heurter
la butée de coupure (14).
2. Appareil de commutation électromagnétique (1, 2, 3) selon la revendication 1, dans
lequel l'entraînement magnétique (6) comprend une bobine de fermeture électromagnétique
(16) et un induit (20), l'induit (20) étant relié au support de contacts (4).
3. Appareil de commutation électromagnétique (1, 2, 3) selon la revendication 1 ou 2,
dans lequel l'unité de contrôle (25) peut régler et/ou commander aussi la position
d'enclenchement et de coupure de l'entraînement magnétique (6).
4. Appareil de commutation électromagnétique (1, 2, 3) selon l'une des revendications
1 à 3, dans lequel les moyens de rappel sont des moyens de rappel mécaniques, en particulier
des ressorts de rappel (22, 23).
5. Appareil de commutation électromagnétique (1, 2, 3) selon l'une des revendications
1 à 4, dans lequel un aimant permanent (35) est utilisé comme moyen d'accélération.
6. Appareil de commutation électromagnétique (1, 2, 3) selon l'une des revendications
1 à 4, dans lequel une bobine d'ouverture électromagnétique (40) est utilisée comme
moyen d'accélération.
7. Appareil de commutation électromagnétique (1, 2, 3) selon la revendication 6, dans
lequel la bobine d'ouverture (40) peut être commandée ou réglée par l'unité de contrôle
(25).
8. Procédé pour faire fonctionner un appareil de commutation électromagnétique (1, 2,
3) comprenant un nombre de pièces de contact fixes (12), un entraînement magnétique
(6) et un support de contacts (4) pouvant être déplacé par l'entraînement magnétique
(6) contre des moyens de rappel et sur lequel est disposé un nombre de pièces de contact
mobiles (9), ainsi qu'une butée de coupure (14) pour le support de contacts (4), dans
lequel la position du support de contacts (4) est détectée et l'entraînement magnétique
(6) est commandé et/ou réglé de telle sorte que pendant une opération de coupure,
le support de contacts (4) est accéléré par des moyens d'accélération en direction
de la butée de coupure (14) et freiné avant qu'il ne vienne heurter la butée de coupure
(14).
9. Procédé pour faire fonctionner un appareil de commutation électromagnétique (1, 2,
3) selon la revendication 8, dans lequel les moyens d'accélération sont commandés
et/ou réglés.