[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Leder,
dadurch gekennzeichnet, dass man Tierhäute im Anschluss an das Äschern, Entkälken und ggf. Pickeln oder beim Pickeln
behandelt mit
(a) mindestens einem organischen Gerbstoff, gewählt aus Aldehyden, Dialdehyden und
Verbindungen, die bei saurem pH-Wert in Gegenwart von Wasser Formaldehyd, Acetaldehyd
oder Dialdehyde abspalten können,
und
(b) einem Gemisch von
(b1) mindestens einer C3-C12-Dicarbonsäure
(b2) und mindestens einer weiteren sauren Verbindung, gewählt aus C1-C3-Mono- oder C3-C12-Dicarbonsäuren, oder deren Salzen, die jeweils ungleich C3-C12-Dicarbonsäuren (b1) sind.
[0002] Weiterhin betrifft die vorliegende Erfindung Formulierungen, enthaltend
(a) mindestens einen organischen Gerbstoff, gewählt aus Dialdehyden und Verbindungen,
die bei saurem pH-Wert Dialdehyde abspalten können, und
(b) ein Gemisch von
(b1) mindestens einer C3-C12-Dicarbonsäure,
(b2) und mindestens einer weiteren sauren Verbindung, gewählt aus C1-C3-Mono- oder C3-C12-Dicarbonsäuren, oder deren Salzen, die jeweils ungleich C3-C12-Dicarbonsäure (b1) sind.
[0003] Weiterhin betrifft die vorliegende Erfindung erfindungsgemäß hergestellte Leder.
[0004] Beim Gerben unterscheidet man die Chrom-Gerbung und die chromfreie Gerbung, die zu
Wet-blue bzw. Wet-white-Halbzeugen führt. Dabei bietet die chromfreie Gerbung gewisse
ökologische Vorteile: es entstehen keine chromhaltigen Abwässer, und die Falzabfälle
sind ebenfalls chromfrei und müssen nicht speziell entsorgt werden.
[0005] Wichtige Gerbstoffe für die chromfreie Gerbung sind beispielsweise Polymere und Aldehyde,
insbesondere Dialdehyde wie beispielsweise Glutardialdehyd. Wenn man Wet-white-Halbzeuge
herzustellen wünscht, beobachtet man in vielen Fällen, dass man bei der Verwendung
von Aldehyden, insbesondere Dialdehyden wie beispielsweise Glutardialdehyd nicht die
erwünschten weißen Halbzeuge erhält, sondern gelbstichige Produkte, siehe beispielsweise
Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, 6. Auflage, Band 19, Stichwort: "Leather". Auch lassen sich in einigen Fällen die erhaltenen Halbzeuge schlecht abwelken bzw.
schlecht falzen. Diese Probleme beobachtet man insbesondere bei der Verwendung von
hartem Wasser, beispielsweise mit 20° dH oder mehr. Diese Probleme beobachtet man
außerdem, wenn man die Blößen nicht vollständig entkälkt hat. Unter Entkälkung versteht
man dabei im Rahmen der vorliegenden Erfindung den Schritt der Entfernung von im Äscher
eingesetzten basischen Substanzen aus der Blöße, insbesondere von CaO/Ca(OH)
2.
[0006] Es ist möglich, das zum Gerben eingesetzte Wasser vorzubehandeln, beispielsweise
mit Hilfe eines lonenaustauschers, und damit die Härte zu reduzieren. Eine derartige
Vorgehensweise ist jedoch aufwändig und nicht praktikabel.
[0007] DD 255 360 betrifft ein Verfahren zur Entkälkung von Blößen. Speziell offenbart
DD 255 360 eine dazu geeignete Formulierung, die Formaldehyd und ein organisches Säuregemisch
aus Maleinsäure, Essigsäure, Acrylsäure und Propionsäure in gewissen Anteilen enthält.
Durch den Einsatz des in
DD 255 360 offenbarten Gemisches kann die Abwasserbelastung mit Salzen und insbesondere mit
Ammonium beim Äschern reduziert werden kann. Dabei wurde ein spezielles Abfallprodukt
der chemischen Industrie genutzt.
[0008] In
WO 03/95681 werden zahlreiche organische Verbindungen offenbart, die als Gerbmittel und als Konservierungsmittel
geeignet sind und die bei saurem pH-Wert einen oder mehrere Aldehyde oder Dialdehyde
freisetzen können. Es wird eine Gerbung von Rindsblößen offenbart. Der pH-Wert wird
durch die sauren Blößen eingestellt.
[0009] Es bestand also die Aufgabe, ein Verfahren zur Herstellung von Leder bereit zu stellen,
durch das man bei der chromfreien Gerbung und insbesondere bei der Gerbung mit Aldehyden,
ganz besonders Dialdehyden wie beispielsweise Glutardialdehyd, unabhängig von der
Wahl des Entkälkungsverfahrens und der Güte (Vollständigkeit) der Entkälkung, weiße
Halbzeuge erhält, die keinen Gelbstich zeigen. Es bestand weiterhin die Aufgabe, Formulierungen
bereit zu stellen, die zur chromfreien Herstellung von Leder, insbesondere zur Gerbung
mit Aldehyden geeignet sind und die oben genannten Nachteile vermeiden. Es bestand
weiterhin die Aufgabe, Leder mit geringer Neigung zum Gelbstich zur Verfügung zu stellen.
[0010] Demgemäß wurde das eingangs definierte Verfahren gefunden.
[0011] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden vorgegerbte oder gegerbte Tierhäute,
bei denen noch eine Nachgerbung erforderlich ist, als Halbfabrikate bezeichnet. Im
Rahmen der vorliegenden Erfindung werden nachgegerbte Halbfabrikate und fertig gegerbte
Tierhäute, bei denen keine Nachgerbung mehr erforderlich ist, als Leder bezeichnen.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren geht aus von Tierhäuten, die von beliebigen toten
Tieren erhalten sein können, insbesondere von Rinderhäuten, Kalbshäuten, Ziegenhäuten,
Hirschhäuten oder Schweinehäuten.
[0013] Das erfindungsgemäße Verfahren geht aus von Tierhäuten, die nach beliebigen Verfahren
geäschert und entkälkt, d.h. von überschüssigem CaO und Ca(OH)
2 oder anderen basischen Substanzen wie beispielsweise NaOH befreit sind. Zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte Tierhäute können weiterhin gepickelt,
d.h. nach der Entkälkung mit Ameisensäure oder Essigsäure vorbehandelt sein.
[0014] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung geht man aus von Tierhäuten,
die unter Verwendung von Borsäure entkält sind, beispielsweise unter Verwendung von
Mischungen aus Borsäure und C
1-C
3-Carbonsäure oder unter Verwendung von Mischungen von Borsäure und C
1-C
3-Carbonsäure und Alkalimetallsulfit. In einer anderen Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung geht man aus von Tierhäuten, die unter Verwendung von einem oder mehreren
Ammoniumsalzen entkälkt sind, insbesondere unter Verwendung von Mischungen von Ammoniumschlorid
und Ammoniumsulfat. In einer anderen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung geht
man aus von Tierhäuten, die unter Verwendung von CO
2 oder von einer oder mehreren organischen Verbindungen, die in wässrigem Milieu CO
2 abspalten können, insbesondere unter Verwendung von einem oder mehreren organischen
Carbonaten entkälkt sind, insbesondere unter Verwendung von Mischungen von Ethylencarbonat
und Propylencarbonat.
[0015] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens setzt man ein:
- (a) mindestens einen organischen Gerbstoff, der gewählt wird aus Aldehyden, Dialdehyden
und Verbindungen, die bei saurem pH-Wert Formaldehyd, Acetaldehyd oder Dialdehyde
abspalten können, insbesondere im wässrigen Milieu bei pH-Werten im Bereich von 1,5
bis 6,5. Bevorzugte Aldehyde sind Formaldehyd, Acetaldehyd und Glyoxalsäure. Bevorzugte
Dialdehyde sind Glyoxal und Verbindungen der allgemeinen Formel OHC-(CH2)x-CHO, bei denen x eine ganze Zahl im Bereich von 1 bis 10 sein kann, bevorzugt 2 bis
7 und ganz besonders bevorzugt 3 oder 4. Die Verbindung der Formel OHC-(CH2)3-CHO entspricht dem Glutardialdehyd. Bevorzugte Verbindungen, die bei saurem pH-Wert,
insbesondere im wässrigen Milieu bei pH-Werten im Bereich von 1,5 bis 6,5 Formaldehyd
oder Dialdehyde abspalten können, sind beispielsweise Dimere, Trimere, Polymere, Hydrate,
Dihydrate, Acetale, Halbacetale, Acylale von Formaldehyd, Acetaldehyd oder Dialdehyden.
Als Beispiele seien genannt:

in denen R
1 jeweils gleich oder verschieden sein können und gewählt aus C
1-C
10-Alkyl beispielsweise Methyl, Ethyl, n-Propyl, iso-Propyl, n-Butyl, iso-Butyl, sec.-Butyl,
tert.-Butyl, n-Pentyl, iso-Pentyl, sec.-Pentyl, neo-Pentyl, 1,2-Dimethylpropyl, iso-Amyl,
n-Hexyl, iso-Hexyl, sec.-Hexyl, n-Heptyl, iso-Heptyl, n-Octyl, n-Nonyl, n-Decyl, bevorzugt
C
1-
6-Alkyl wie Methyl, Ethyl, n-Propyl, iso-Propyl, n-Butyl, iso-Butyl, sec.-Butyl, tert.-Butyl,
n-Pentyl, iso-Pentyl, sec.-Pentyl, neo-Pentyl, 1,2-Dimethylpropyl, iso-Amyl, n-Hexyl,
iso-Hexyl, sec.-Hexyl, besonders bevorzugt C
1-C
4-Alkyl wie Methyl, Ethyl, n-Propyl, iso-Propyl, n-Butyl, iso-Butyl, sec.-Butyl und
tert.-Butyl und ganz besonders bevorzugt Methyl,
C
1-C
3-Acyl, beispielsweise Formyl, Acetyl, Propionyl,
und insbesondere Wasserstoff.
[0016] Weitere geeignete Verbindungen, die bei saurem pH-Wert Dialdehyde abspalten können,
sind beispielsweise in
WO 03/95681 und
WO 04/67782 offengelegt.
[0017] Weitere geeignete Verbindungen, die bei saurem pH-Wert Dialdehyde abspalten können,
sind von beispielsweise OHC-(CH
2)
x-CHO abgeleitete bis-Oxazolidinone.
[0018] Weitere geeignete Verbindungen, die bei saurem pH-Wert Formaldehyd oder Acetaldehyd
abspalten können, sind Tetrakishydroxymethylphosphoniumsalze und Tetrakishydroxyethylphosphoniumsalze,
insbesondere Tetrakishydroxymethylphosphoniumchlorid.
[0019] Ganz besonders bevorzugt wählt man organischen Gerbstoff (a) aus Glutardialdehyd,
beispielsweise als cyclisches Dihydrat

oder als Dimethylacetal

(Me = CH
3)
[0020] Weiterhin behandelt man Tierhäute mit einem Gemisch (b) von
(b1) mindestens einer C3-C12-Dicarbonsäure, bevorzugt mindestens einer olefinisch ungesättigten C4-C12-Dicarbonsäure oder besonders bevorzugt mindestens einer aliphatischen C3-C12-Dicarbonsäure, beispielsweise Malonsäure, Methylmalonsäure, Maleinsäure, Fumarsäure,
Bernsteinsäure, Citraconsäure, Metaconsäure, Glutarsäure, Itaconsäure, Adipinsäure,
Sebacinsäure, Pimelinsäure, Phthalsäure, Terephthalsäure, Isophthalsäure, insbesondere
Bernsteinsäure, Glutarsäure und Adipinsäure,
(b2) mindestens einer weiteren sauren Verbindung, gewählt aus C1-C3-Monocarbonsäuren wie Ameisensäure, Essigsäure oder Propionsäure, C3-C12-Dicarbonsäuren, beispielsweise Phthalsäure, Terephthalsäure, Isophthalsäure, bevorzugt
olefinisch ungesättigten C4-C12-Dicarbonsäuren oder besonders bevorzugt aliphatischen C3-C12-Dicarbonsäuren, beispielsweise Malonsäure, Methylmalonsäure, Maleinsäure, Fumarsäure,
Bernsteinsäure, Citraconsäure, Metaconsäure, Glutarsäure, Itaconsäure, Adipinsäure,
Sebacinsäure, Pimelinsäure, insbesondere Bernsteinsäure, Glutarsäure und Adipinsäure.
[0021] Dabei ist für den Fall, dass man weitere saure Verbindung (b2) aus C
3-C
12-Dicarbonsäuren wählt, natürlich die C
3-C
12-Dicarbonsäure (b2) ungleich der C
3-C
12-Dicarbonsäure (b1).
[0022] Dabei können C
3-C
12-Dicarbonsäuren (b1) und/oder weitere saure Verbindung (b2), gewählt aus C
3-C
12-Dicarbonsäuren und C
1-C
3-Monocarbonsäuren, jeweils als freie Säure oder in Form von deren Salzen eingesetzt
werden. Als Salze sind beispielsweise Alkalimetallsalze wie Natrium- oder Kaliumsalze
zu nennen. Prinzipiell sind weiterhin auch Salze von Aminen wie beispielsweise H
1-yN(R
2)
y geeignet.
[0023] Dabei ist R
2 jeweils gleich oder verschieden und unabhängig voneinander gewählt aus C
1-C
4-Alkyl wie Methyl, Ethyl, n-Propyl, iso-Propyl, n-Butyl, iso-Butyl, sec.-Butyl und
tert.-Butyl und ganz besonders bevorzugt Methyl oder Ethyl,
und ω-Hydroxy-C
2-C
4-Alkylen wie beispielsweise 3-Hydroxypropyl, 4-Hydroxybutyl und insbesondere 2-Hydroxyethyl.
[0024] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind eingesetzte C
3-C
12-Dicarbonsäuren (b1) und/oder weitere saure Verbindung (b2), gewählt aus C
3-C
12-Dicarbonsäuren und C
1-C
3-Monocarbonsäuren, partiell neutralisiert.
[0025] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung behandelt man mit einem Gemisch,
enthaltend zwei verschiedene C
3-C
12-Dicarbonsäuren und eine C
1-C
3-Monocarbonsäure.
[0026] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wählt man als C
3-C
12-Dicarbonsäure (b1) Adipinsäure und zwei weitere saure Verbindungen (b2), und zwar
eine C
3-C
12-Dicarbonsäure und eine C
1-C
3-Monocarbonsäure.
[0027] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wählt man als C
3-C
12-Dicarbonsäure (b1) Adipinsäure und zwei weitere saure Verbindungen (b2), und zwar
zwei C
3-C
12-Dicarbonsäuren, bevorzugt Glutarsäure und Bernsteinsäure.
[0028] Bevorzugt führt man das erfindungsgemäße Verfahren in wässriger Flotte durch. Als
geeignete Geräte sind beispielsweise Fässer, bevorzugt drehbare Fässer und insbesondere
drehbare Fässer mit strömungsbrechenden Einbauten zu nennen.
[0029] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung setzt man organischen Gerbstoff
(a) und Gemisch (b) in einem Gewichtsverhältnis von 100 : 1 bis 1 : 1 ein, bevorzugt
5 : 1 bis 1,5 : 1.
[0030] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung behandelt man Tierhaut mit 0,1
bis 10 Gew.-% Gerbstoff (a), bezogen auf das Falzgewicht, bevorzugt 1,5 bis 5 Gew.-%.
[0031] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung führt man das erfindungsgemäße
Verfahren bei einer Temperatur im Bereich von 15 bis 50°C durch, bevorzugt 20 bis
35°C.
[0032] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung stellt man zur Durchführung des
erfindungsgemäßen Verfahrens einen pH-Wert im Bereich von 2,0 bis 6,5, bevorzugt 2,8
bis 5,0 ein.
[0033] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung kann man das erfindungsgemäße
Verfahren über einen Zeitraum von 5 Minuten bis 24 Stunden ausführen, bevorzugt 60
Minuten bis 6 Stunden.
[0034] Das erfindungsgemäße Verfahren lässt sich unter Verwendung von weichem Wasser durchführen,
beispielsweise Wasser mit 0 bis 7 °dH (Deutscher Härte). In einer besonderen Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung führt man das erfindungsgemäße Verfahren unter Verwendung
von mittelhartem Wasser durch, beispielsweise Wasser mit 7 bis 19 °dH, bevorzugt mit
hartem Wasser von mindestens 20 bis 200 °dH.
[0035] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung setzt man während der Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens einen oder mehrere Lederfarbstoffe zu. In einer anderen
Ausführungsform führt man das erfindungsgemäße Verfahren ohne Zusatz von Lederfarbstoffen
durch.
[0036] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung setzt man während der Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens einen oder mehrere weitere chromfreie Gerbmittel
zu, beispielsweise mineralische Gerbmittel wie beispielsweise Aluminiumverbindungen,
insbesondere Aluminiumsulfat oder Alaun, Zirkonverbindungen wie beispielsweise Zr(SO
4)
2 oder ZrSO
4(OH)
2 oder Titanverbindungen wie beispielsweise Ti(SO
4)
2 oder TiSO
4(OH)
2, Harzgerbstoffe, Vegetabilgerbstoffe oder enzymatische Gerbmittel oder synthetische
Gerbstoffe wie beispielsweise Kondensationsprodukte von Carbonylverbindungen wie beispielsweise
Formaldehyd mit einer oder mehreren aromatischen Sulfonsäuren. Weiterhin kann man
ein oder mehrere Dispergiermittel zusetzen, insbesondere ein oder mehrere nichtionische
Tenside, beispielsweise mehrfach ethoxylierte aliphatische C
6-C
20-Alkohole, verzweigt oder unverzweigt.
[0037] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung führt man das erfindungsgemäße
Verfahren als Vorgerbung oder als Gerbung durch.
[0038] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann man organischen Gerbstoff
(a) und Gemisch (b) getrennt oder vorzugsweise gemeinsam dosieren.
[0039] In einer speziellen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung führt man das erfindungsgemäße
Verfahren als Nachgerbung durch, beispielsweise bei einem pH-Wert im Bereich von 3
bis 6 und einer Temperatur im Bereich von 20 bis 65°C.
[0040] In einer speziellen Variante der vorliegenden Erfindung führt man das erfindungsgemäße
Verfahren so durch, dass man beim Pickeln behandelt mit
(a) mindestens einem organischen Gerbstoff und
(b) einem Gemisch von
(b1) mindestens einer C3-C12-Dicarbonsäure
(b2) und mindestens einer weiteren sauren Verbindung, gewählt aus C1-C3-Mono- oder C3-C12-Dicarbonsäuren, oder deren Salzen, die jeweils ungleich C3-C12-Dicarbonsäure (b1) sind.
[0041] Zur Durchführung der letztgenannten Variante der vorliegenden Erfindung geht man
von Blößen aus.
[0042] Zur Durchführung der letztgenannten Variante der vorliegenden Erfindung kann man
ein oder mehrere Alkalimetallhalogenide, insbesondere Kochsalz, zusetzen, beispielsweise
1 bis 10 Gew.-%, bezogen auf Blöße, bevorzugt 4 bis 7 Gew.-%. Man kann jedoch Alkalimetallhalogenid
vollständig oder anteilig durch ionische Polymere ersetzen.
[0043] Die Verweilzeit der Blößen im Pickel beträgt bei der letztgenannten Variante der
vorliegenden Erfindung beispielsweise 10 Minuten bis 24 Stunden, bevorzugt 15 Minuten
bis 2 Stunden und besonders bevorzugt 15 bis 45 Minuten.
[0044] Das Pickeln in der letztgenannten Variante der vorliegenden Erfindung verläuft unter
ansonsten gerbereiüblichen Bedingungen, die Temperatur beträgt 10 bis 35°C und der
Druck 1 bis 10 bar, besonders zweckmäßig ist Normaldruck.
[0045] Im Anschluss an die Durchführung von einem oder mehreren der vorstehend beschriebenen
Schritte des erfindungsgemäßen Verfahrens kann man nach an sich bekannten Verfahren
nachgerben, beispielsweise mit einem oder mehreren synthetischen Gerbstoffen, Harzgerbstoffen
oder Vegetabilgerbstoffen oder Mischungen der vorgenannten Nachgerbmittel, weiterhin
fetten, hydrophobieren und aufarbeiten.
[0046] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Halbfabrikate und Leder zeichnen
sich auch bei der Verwendung von hartem Wasser durch besonders gute Weißegrade, gute
Fülle und Weichheit und eine besonders geringe Tendenz zur Vergilbung aus und sind
besonders gut geeignet zur Herstellung von Bekleidungsstücken wie beispielsweise Mäntel,
Jacken, Gürteln, Schuhen, Handschuhen, weiterhin Möbeln und Autoinnenteilen. Weiterhin
zeigen nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Halbfabrikate gute bis sehr
gute Falzbarkeit und ein gutes bis sehr gutes Abwelkverhalten und lassen sich sehr
gut zu Leder verarbeiten.
[0047] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Formulierungen, insbesondere
wässrige Formulierungen, enthaltend
(a) mindestens einen organischen Gerbstoff, gewählt aus Dialdehyden und Verbindungen,
die bei saurern pH-Wert Dialdehyde abspalten können, und
(b) ein Gemisch von
(b1) mindestens einer C3-C12-Dicarbonsäure
(b2) und mindestens einer weiteren sauren Verbindung, gewählt aus C1-C3-Mono- oder C3-C12-Dicarbonsäuren, oder deren Salzen, die jeweils ungleich C3-C12-Dicarbonsäure (b1) sind.
[0048] Dabei sind organischer Gerbstoff (a), gewählt aus Dialdehyden und Verbindungen, die
bei saurem pH-Wert Dialdehyde abspalten können, und Gemisch (b) wie vorstehend definiert.
[0049] Ganz besonders bevorzugt wählt man als Gerbstoff (a) Glutardialdehyd.
[0050] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung umfasst Gemisch (b) mindestens
zwei C
3-C
12-Dicarbonsäuren, gewählt aus Adipinsäure, Glutarsäure, Maleinsäure und Bernsteinsäure,
oder deren Salze.
[0051] Erfindungsgemäße Formulierungen können beispielsweise im Bereich von 30 bis 80 Gew.-%
Wasser enthalten.
[0052] Erfindungsgemäße Formulierungen können bevorzugt einen pH-Wert im Bereich von 2,5
bis 6,5, besonders bevorzugt im Bereich von 3,0 bis 5,0 aufweisen.
[0053] Erfindungsgemäße Formulierungen können beispielsweise enthalten insgesamt im Bereich
von 10 bis 70 Gew.-% organischen Gerbstoff (a), bevorzugt 15 bis 40 Gew.-%,
[0054] im Bereich von 2,5 bis 50 Gew.-% Gemisch (b), bevorzugt 5 bis 25 Gew.-%,
wobei Angaben in Gew.-% auf gesamte erfindungsgemäße Formulierung bezogen sind, der
Rest ist beispielsweise Wasser.
[0055] In erfindungsgemäßer Formulierung enthaltenes Gemisch (b) kann beispielsweise enthalten
insgesamt im Bereich von 30 bis 99 Gew.-% C
3-C
12-Dicarbonsäure (b1),
insgesamt im Bereich von 1 bis 70 Gew.-% weiteren saure Verbindung (b2),
wobei Angaben in Gew.-% auf Gemisch (b) bezogen sind.
[0056] Erfindungsgemäße Formulierungen sind zur Durchführung des vorstehend beschriebenen
erfindungsgemäßen Verfahrens besonders gut geeignet.
[0057] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung von erfindungsgemäßen
Formulierungen zur Herstellung von Leder, beispielsweise zur Vorgerbung, Gerbung,
Nachgerbung oder im Pickel. Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist
ein Verfahren zur Herstellung von Leder, beispielsweise ein Verfahren zur Vorgerbung,
Gerbung, Nachgerbung oder zum Pickeln, unter Verwendung von erfindungsgemäßer Formulierung.
Dabei sind die Vorgerbung und die Gerbung besonders bevorzugt. Man kann jedoch auch
speziell im Pickel eine erfindungsgemäße Formulierung einsetzen.
[0058] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Halbfabrikate und Leder,
hergestellt nach dem erfindungsgemäßen Verfahren. Erfindungsgemäße Leder zeichnen
sich auch bei der Verwendung von hartem Wasser durch gute Weißegrade, gute Fülle und
Weichheit und eine besonders geringe Tendenz zur Vergilbung aus und sind besonders
gut geeignet zur Herstellung von Bekleidungsstücken wie beispielsweise Mäntel, Jacken,
Gürteln, Schuhen, insbesondere Futter und Oberleder, Handschuhen, weiterhin Möbeln
und Autoinnenteilen. Weiterhin zeigen nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte
Halbfabrikate gute bis sehr gute Falzbarkeit und ein gutes bis sehr gutes Abwelkverhalten
und lassen sich sehr gut zu Leder verarbeiten.
[0059] Ein weiterer Gegenstand der vorliegende Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung
von erfindungsgemäßen Formulierungen, im Folgenden auch erfindungsgemäßes Herstellverfahren
genannt. Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Herstellverfahrens kann man beispielsweise
so vorgehen, dass man zunächst ein Gemisch (b) von mindestens einer C
3-C
12-Dicarbonsäure (b1) und mindestens einer weiteren sauren Verbindung (b2), gewählt
aus C
1-C
3-Mono- oder C
3-C
12-Dicarbonsäuren, in Wasser herstellt, gegebenenfalls partiell oder vollständig mit
Base wie beispielsweise basischem Alkalimetallsalz, beispielsweise Kalium- oder Natriumsalzen
wie Carbonaten oder Hydrogencarbonaten, insbesondere Natriumhydroxid, oder mit Ammoniak
oder organischem Amin neutralisiert, und danach mindestens einen organischen Gerbstoff
(a) zumischt.
[0060] Die Erfindung wird durch Arbeitsbeispiele erläutert.
I. Herstellung von erfindungsgemäßen Formulierungen
I.1 Herstellung von erfindungsgemäßer Formulierung F-1
[0061] In einem Rührgefäß wurden 18 g (123 mmol) Adipinsäure (b1-1), 12 g (102 mmol) Bernsteinsäure
(b2-1) und 3 g (65 mmol) konzentrierte Ameisensäure (b2-2) und 210 ml destilliertes
Wasser miteinander vermischt. Man setzte 8 g einer 50 Gew.-% wässrigen Natronlauge
zu (entsprechend 100 mmol NaOH). Anschließend dosierte man unter Rühren 240 g einer
50 Gew.-% wässrigen Lösung von Glutardialdehyd (a-1) zu. Man erhielt erfindungsgemäße
wässrige Formulierung F-1. Erfindungsgemäße wässrige Formulierung F-1 wies einen pH-Wert
von 3 bis 4 auf.
I.2 Herstellung von erfindungsgemäßer Formulierung F-2
[0062] In einem Rührgefäß wurden 22 g (151 mmol) Adipinsäure (b1-1), 8 g (69 mmol) Maleinsäure
(b2-3) und 2,5 g (26 mmol) Natriumpropionat (b2-4) und 210 ml destilliertes Wasser
miteinander vermischt. Man setzte 8 g einer 50 Gew.-% wässrigen Natronlauge zu (entsprechend
100 mmol NaOH). Anschließend dosierte man unter Rühren 240 g einer 50 Gew.-% wässrigen
Lösung von Glutardialdehyd (a-1) zu. Man erhielt erfindungsgemäße wässrige Formulierung
F-2. Erfindungsgemäße wässrige Formulierung F-2 wies einen pH-Wert von 3 bis 4 auf.
[0063] Als Vergleichsformulierung V-F-3 wurde eine 50 Gew.-% wässrige Lösung von Glutardialdehyd
verwendet, pH-Wert 3 bis 4.
II. Herstellung von Leder
[0064] Im Folgenden beziehen sich Angaben in Gew.-% auf im jeweiligen Schritt eingesetzte
Ausgangsmaterial (Spalt, Blöße, Haut), wenn nicht ausdrücklich anders angegeben. Behandlungsschritte
erfolgten bei Zimmertemperatur, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben.
[0065] Es wurde Wasser mit 24 °dH verwendet, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben. LVE:
Löhlein-Volhard-Einheiten, bestimmbar beispielsweise durch Methoden, die auf dem Abbau
von Kasein durch ein zu untersuchendes Enzym und der anschließenden Titration der
freigesetzten Carboxylgruppen mit 0,1 N NaOH beruht. Eine LVE entspricht 0,00575 ml
0,1 N NaOH.
II.1 Vorarbeiten: Äschern und Entkälken
II.1.1 Äschern mit anschließender Entkälkung mit Borsäure
[0066] 40 kg Rinderhäute (süddeutsche Ware) wurden geweicht und mit 3 Gew.-% Kalk, 1,5 Gew.-%
Natriumsulfid und 0,7 Gew.-% Natriumhydrogensulfid bei einer Flottenlänge von 150%
über 16 Stunden geäschert. Anschließend wurde mit Wasser gewaschen, entfleischt und
auf eine Spaltstärke von 2,5 mm gespalten. Man erhielt Spalte, die man in zwei Hälften
pro Rind aufschnitt.
[0067] In einem drehbaren Fass mit strömungsbrechenden Einbauten versetzte man den Spalt
eines Rinds mit 100 Gew.-% Wasser, 0,4 Gew.-% Borsäure und 0,1 Gew.-% Ameisensäure
und 0,1 Gew.-% Na
2SO
3. Man walkte über einen Zeitraum von 30 Minuten. Danach ließ man die Flotte ab und
versetzte mit 50 Gew.-% Wasser, 1,0 Gew.-% Borsäure und 0,2 Gew.-% Ameisensäure und
0,1 Gew.-% Na
2SO
3. Man walkte weitere 45 Minuten und gab weitere 100 Gew.-% Wasser zu, weiterhin 0,5
Gew.-% kommerziell erhältliches Pankreatin mit 1000 LVE/g und 0,1 Gew.-% eines Tensids
(mit 6 Äquivalenten Ethylenoxid ethoxyliertes 2-Ethylhexanol). Man walkte weitere
30 Minuten bei 32°C. Danach ließ man die Flotte ab und wusch die entkälkten Blößen
BI-1 zweimal mit je 150 Gew.-% Wasser.
II.1.2 Äschern mit anschließender Entkälkung mit Ammoniumsalzen
[0068] 40 kg Rinderhäute (süddeutsche Ware) wurden geweicht und mit 3 Gew.-% Kalk, 1,5 Gew.-%
Natriumsulfid und 0,7 Gew.-% Natriumhydrogensulfid bei einer Flottenlänge von 150%
über 16 Stunden geäschert. Anschließend wurde mit Wasser gewaschen, entfleischt und
auf eine Spaltstärke von 2,5 mm gespalten. Man erhielt Spalte, die man in zwei Hälften
pro Rind aufschnitt.
[0069] In einem drehbaren Fass mit strömungsbrechenden Einbauten versetzte man den Spalt
eines Rinds mit 100 Gew.-% Wasser, 0,35 Gew.-% NH
4Cl und 0,15 Gew.-% (NH
4)
2SO
4 und 0,1 Gew.-% Na
2SO
3. Man walkte über einen Zeitraum von 30 Minuten. Danach ließ man die Flotte ab und
versetzte mit 50 Gew.-% Wasser, 0,8 Gew.-% NH
4Cl und 0,4 Gew.-% (NH
4)
2SO
4 und 0,1 Gew.-% Na
2SO
3. Man walkte weitere 45 Minuten und gab weitere 100 Gew.-% Wasser zu, weiterhin 0,5
Gew.-% kommerziell erhältliches Pankreatin mit 1000 LVE/g und 0,1 Gew.-% eines Tensids
(mit 6 Äquivalenten Ethylenoxid ethoxyliertes 2-Ethylhexanol). Man walkte weitere
30 Minuten bei 32°C. Danach ließ man die Flotte ab und wusch die entkälkten Blößen
BI-2 zweimal mit je 150 Gew.-% Wasser.
II.1.3 Äschern mit anschließender Entkälkung mit organischen Carbonaten
[0070] 40 kg Rinderhäute (süddeutsche Ware) wurden geweicht und mit 3 Gew.-% Kalk, 1,5 Gew.-%
Natriumsulfid und 0,7 Gew.-% Natriumhydrogensulfid bei einer Flottenlänge von 150%
über 16 Stunden geäschert. Anschließend wurde mit Wasser gewaschen, entfleischt und
auf eine Spaltstärke von 2,5 mm gespalten. Man erhielt Spalte, die man in zwei Hälften
pro Rind aufschnitt.
[0071] In einem drehbaren Fass mit strömungsbrechenden Einbauten versetzte man den Spalt
eines Rinds mit 100 Gew.-% Wasser, 0,15 Gew.-% Ethylencarbonat und 0,15 Gew.-% Propylencarbonat
und 0,1 Gew.-% Na
2SO
3. Man walkte über einen Zeitraum von 30 Minuten. Danach ließ man die Flotte ab und
versetzte mit 50 Gew.-% Wasser, 0,6 Gew.-% Ethylencarbonat und 0,6 Gew.-% Propylencarbonat
und 0,1 Gew.-% Na
2SO
3. Man walkte weitere 45 Minuten und gab weitere 100 Gew.-% Wasser zu, weiterhin 0,5
Gew.-% kommerziell erhältliches Pankreatin mit 1000 LVE/g und 0,1 Gew.-% eines Tensids
(mit 6 Äquivalenten Ethylenoxid ethoxyliertes 2-Ethylhexanol). Man walkte weitere
30 Minuten bei 32°C. Danach ließ man die Flotte ab und wusch die entkälkten Blößen
BI-3 zweimal mit je 150 Gew.-% Wasser.
II.2 Pickeln
[0072] Man bereitete die Pickelflotten PF-1 bis PF-4 durch Vermischen der Substanzen nach
Tabelle 1 und Auffüllen mit Wasser. Die so erhältlichen Pickelflotten PF-1 bis PF-4
hatten einen pH-Wert von 2,8.
Tabelle 1 Zusammensetzung von eingesetzten Pickelflotten PF-1 bis PF-4
| |
H2SO4 |
HCOOH |
NaCl |
MgCl2 |
CaCl2 |
[°dH] |
| |
[g/l] |
[g/l] |
[°Be] |
[mmol/l] |
[mmol/l] |
|
| PF-1 |
15 |
8 |
7,0 |
- |
- |
0 |
| PF-2 |
15 |
8 |
7,0 |
0,54 |
3 |
20 |
| PF-3 |
15 |
8 |
7,0 |
1,1 |
6,1 |
40 |
| PF-4 |
15 |
8 |
7,0 |
2,7 |
15,3 |
100 |
| MgCl2 wurde als Hexahydrat eingesetzt. |
[0073] Die entkälkten Blößen aus BI-1 bis BI-3 wurden jeweils halbiert und in getrennten
Fässern über einen Zeitraum von 90 Minuten mit 150 Gew.-% von einer der Pickelflotten
PF-1 bis PF-4 behandelt (s. Tabelle 2). Man erhielt die Pickelblößen PB-1 bis PB-12.
Man schnitt PB-1 bis PB-12 jeweils in drei gleich große Stücke zu je 1,5 kg Blößengewicht.
II.3 Vorgerben und Gerben (allgemeine Vorschrift)
[0074] In einem drehbaren Fass mit strömungsbrechenden Einbauten versetzte man ein Stück
Pickelblöße aus II.2 mit 120 Gew.-% Pickelflotte aus II.2 und danach mit 3 Gew.-%
einer erfindungsgemäßen Formulierung F-1 oder F-2 (erfindungsgemäße Beispiele) oder
Vergleichsformulierung V-F-3. Man walkte 30 Minuten und setzte anschließend 3 Gew.-%
Sulfongerbstoff aus
EP-B 0 459 168, Beispiel K1 zu. Man walkte weitere 90 Minuten und stumpfte danach mit einer Mischung
(Gewichtsverhältnis 1 : 2) von Natriumformiat und Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-Kondensationsprodukt,
hergestellt nach
US 5,186,846, Beispiel "Dispergiermittel 1", auf einen pH-Wert von 4 ab. Das so erhältliche Halbfabrikat
wurde zweimal mit Wasser gewaschen, abgewelkt und auf 1,8 mm Stärke gefalzt. Dabei
bewertete man das Abwelkverhalten, die Falzbarkeit und den Weißegrad. Weiterhin bestimmte
man die Schrumpftemperatur.
[0075] Die Schrumpftemperaturen wurden gemäß der Vorschrift aus DIN 53 336 (Jahr 1977) bestimmt,
wobei die Vorschrift wie folgt modifiziert wurde:
- Punkt 4.1:
- Die Probestücke hatten die Abmessungen 3 cm · 1 cm; die Dicke wurde nicht bestimmt.
- Punkt 4.2:
- es wurde nur eine anstatt 2 Proben pro Ledermuster geprüft.
- Punkt 6:
- entfiel
- Punkt 7:
- die Trocknung im Vakuumexsikkator entfiel.
- Punkt 8:
- bei Rückgang des Zeigers wurde die Schrumpfungstemperatur gemes- sen.
[0076] Zur Beurteilung der fertigen Leder gerbte man nach der in Beispiel II.4 angegebenen
Vorschrift nach.
[0077] Die Ergebnisse der anwendungstechnischen Prüfungen sind in Tabelle 2 und 3 aufgeführt.
II.4 Allgemeine Vorschrift für die Nachgerbung
[0078] Halbfabrikat nach Beispiel II.3 wurde in einem drehbaren Fass mit strömungsbrechenden
Einbauten mit 150 Gew.-% Wasser versetzt. Man gab jeweils im Abstand von 15 Minuten
zu:
2 Gew.-% Fettungsmittel C2 aus WO 03/70988,
4 Gew.-% einer 30 Gew.-% wässrigen, mit NaOH teilneutralisierten Lösung eines Methacrylsäure-Homopolymers
mit den folgenden analytischen Daten: Mn 10.000 g/mol; K-Wert nach Fikentscher: 12 (bestimmt als 1 Gew.-% wässrige Lösung),
Viskosität der 30 Gew.-% Lösung: 65 mPa·s (DIN EN ISO 3219, 23°C), pH-Wert 5,1.
5 Gew.-% Sulfongerbstoff aus EP-B 0 459 168, Beispiel K1.
[0079] Danach dosierte man: 4 Gew.-% eines Vegetabilgerbstoffs (Quebracho), 4 Gew.-% Melamin-Formaldehyd-Harz
(Harzgerbstoff), weitere 2 Gew.-% Fettungsmittel C2 aus
WO 03/70988 und 2 Gew.-% eines braunen Farbstoffgemischs, das wie folgt zusammengesetzt war:
70 Gewichtsteile Farbstoff aus EP-B 0 970 148, Beispiel 2.18,
30 Gewichtsteile Acid Brown 75 (Eisenkomplex), Color Index 1.7.16.
[0080] Man walkte eine Stunde bei 30°C, stellte mit Ameisensäure einen pH-Wert von 3,6 ein
und gab weitere 5,5 Gew.-% Fettungsmittel C2 aus
WO 03/70988 zu. Man säuerte mit Ameisensäure auf einen pH-Wert von 3,2 ab und zog eine Probe
der Flotte.
[0081] Die so erhältlichen Leder wurden zweimal mit 100 Gew.-% Wasser gewaschen, über Nacht
feucht gelagert und nach dem Abwalken auf Spannrahmen bei 50°C getrocknet. Man erhielt
die erfindungsgemäßen Leder L-1 bis L-24 und die Vergleichsleder V-L-25 bis V-L-36.
Nach dem Stollen wurden die Leder wie unten stehend beurteilt.
[0082] Die Bewertung erfolgte nach einem Notensystem von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft).
Die Bewertung des Weißegrads und der Egalität erfolgte visuell. Das Abwelkverhalten
wurde bei jeweils identischem Abwelkdruck von 100 bar anhand der Güte der Entwässerung
und der Faserstruktur auf der Fleischseite beurteilt (isolierte Fasern mit geringen
Faser-Verklebungen stellen den idealen Zustand dar). Die Falzbarkeit wurde anhand
der Egalität des Falzergebnisses über die Fläche, den Falzspänen (isolierte Fasern,
lockere Struktur), der Morphologie der Fleischseite (durch die Temperaturentwicklung
kann es ungewollt zu irreversiblen Verhärtungen kommen) und dem Verbleib von (störenden)
Falzspänen auf der Fleischseite beurteilt.
[0083] Die Beurteilung der Fülle; Narbenfestigkeit und Weichheit erfolgte jeweils im direkten
Vergleich durch entsprechend geschulte Leder-Techniker.
Tabelle 2: Hergestellte Leder
| Leder |
Formulierung |
Entkälkung (Vorschrift) |
Pickelflotte |
| L-1 |
F-1 |
II.1.1 |
PF-1 |
| L-2 |
F-1 |
II.1.1 |
PF-2 |
| L-3 |
F-1 |
II.1.1 |
PF-3 |
| L-4 |
F-1 |
II.1.1 |
PF-4 |
| L-5 |
F-1 |
II.1.2 |
PF-1 |
| L-6 |
F-1 |
II.1.2 |
PF-2 |
| L-7 |
F-1 |
II.1.2 |
PF-3 |
| L-8 |
F-1 |
II.1.2 |
PF-4 |
| L-9 |
F-1 |
II.1.3 |
PF-1 |
| L-10 |
F-1 |
II.1.3 |
PF-2 |
| L-11 |
F-1 |
II.1.3 |
PF-3 |
| L-12 |
F-1 |
II.1.3 |
PF-4 |
| L-13 |
F-2 |
II.1.1 |
PF-1 |
| L-14 |
F-2 |
II.1.1 |
PF-2 |
| L-15 |
F-2 |
II.1.1 |
PF-3 |
| L-16 |
F-2 |
II.1.1 |
PF-4 |
| L-17 |
F-2 |
II.1.2 |
PF-1 |
| L-18 |
F-2 |
II.1.2 |
PF-2 |
| L-19 |
F-2 |
II.1.2 |
PF-3 |
| L-20 |
F-2 |
II.1.2 |
PF-4 |
| L-21 |
F-2 |
II.1.3 |
PF-1 |
| L-22 |
F-2 |
II.1.3 |
PF-2 |
| L-23 |
F-2 |
II.1.3 |
PF-3 |
| L-24 |
F-2 |
II.1.3 |
PF-4 |
| V-L-25 |
V-F-3 |
II.1.1 |
PF-1 |
| V-L-26 |
V-F-3 |
II.1.1 |
PF-2 |
| V-L-27 |
V-F-3 |
II.1.1 |
PF-3 |
| V-L-28 |
V-F-3 |
II.1.1 |
PF-4 |
| V-L-29 |
V-F-3 |
II.1.2 |
PF-1 |
| V-L-30 |
V-F-3 |
II.1.2 |
PF-2 |
| V-L-31 |
V-F-3 |
II.1.2 |
PF-3 |
| V-L-32 |
V-F-3 |
II.1.2 |
PF-4 |
| V-L-33 |
V-F-3 |
II.1.3 |
PF-1 |
| V-L-34 |
V-F-3 |
II.1.3 |
PF-2 |
| V-L-35 |
V-F-3 |
II.1.3 |
PF-3 |
| V-L-36 |
V-F-3 |
II.1.3 |
PF-4 |
Tabelle 3: Ergebnisse der anwendungstechnischen Untersuchungen
| Leder |
Schrumpf-temperatur |
Weißegrad wet white |
Abwelk-verhalten |
Falzbarkeit |
Egalität |
Fülle |
Narben-festigkeit |
Weich heit |
| |
[°C] |
|
wet white |
wet white |
Leder |
Leder |
Leder |
Leder |
| L-1 |
78 |
1,5 |
2 |
1 |
2 |
2,5 |
2,0 |
1,5 |
| L-2 |
76 |
1,5 |
1 |
2 |
2 |
2,5 |
2,0 |
1,5 |
| L-3 |
79 |
1,0 |
1 |
1 |
1 |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
| L-4 |
77 |
1,5 |
1 |
1 |
2 |
2,0 |
2,0 |
1,5 |
| L-5 |
75 |
2,0 |
2 |
2 |
2 |
2,5 |
2,0 |
1,5 |
| L-6 |
76 |
1,5 |
2 |
2 |
2 |
3,0 |
2,0 |
2,5 |
| L-7 |
77 |
2,0 |
2 |
1 |
2 |
2,5 |
2,5 |
2,0 |
| L-8 |
74 |
2,0 |
2 |
2 |
2 |
3,0 |
3,0 |
2,0 |
| L-9 |
74 |
2,0 |
1 |
1 |
1 |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
| L-10 |
75 |
1,5 |
1 |
1 |
1 |
2,5 |
2,0 |
2,5 |
| L-11 |
76 |
1,5 |
1 |
1 |
2 |
1,5 |
2,0 |
2,5 |
| L-12 |
74 |
2,5 |
2 |
2 |
1 |
2,0 |
2,5 |
2,5 |
| L-13 |
76 |
1,5 |
1 |
1 |
2 |
1,5 |
1,5 |
3,0 |
| L-14 |
73 |
1,5 |
1 |
1 |
2 |
1,0 |
1,5 |
2,0 |
| L-15 |
75 |
2,0 |
2 |
1 |
1 |
1,5 |
2,0 |
2,0 |
| L-16 |
76 |
2,0 |
2 |
2 |
1 |
2,5 |
2,0 |
2,0 |
| L-17 |
77 |
2,0 |
3 |
1 |
2 |
2,0 |
2,0 |
2,5 |
| L-18 |
75 |
2,5 |
2 |
2 |
3 |
2,0 |
2,0 |
2,5 |
| L-19 |
75 |
2,5 |
2 |
1 |
2 |
2,5 |
2,0 |
3,0 |
| L-20 |
76 |
2,0 |
2 |
2 |
2 |
2,5 |
2,5 |
2,5 |
| L-21 |
75 |
2,0 |
2 |
2 |
2 |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
| L-22 |
74 |
2,5 |
2 |
2 |
2 |
2,0 |
1,5 |
2,0 |
| L-23 |
76 |
2,5 |
1 |
1 |
2 |
2,0 |
2,5 |
2,0 |
| L-24 |
75 |
2,0 |
1 |
2 |
2 |
2,0 |
2,5 |
2,5 |
| V-L-25 |
75 |
2,5 |
3 |
2 |
3 |
3,0 |
2,5 |
2,5 |
| V-L-26 |
73 |
2,5 |
3 |
3 |
3 |
2,5 |
2,0 |
3,0 |
| V-L-27 |
74 |
3,0 |
3 |
4 |
4 |
3,5 |
3,0 |
3,0 |
| V-L-28 |
73 |
3,0 |
4 |
4 |
4 |
3,0 |
3,0 |
3,0 |
| V-L-29 |
75 |
3,0 |
4 |
4 |
4 |
3,5 |
3,0 |
3,0 |
| V-L-30 |
74 |
4,5 |
4 |
4 |
3 |
4,0 |
3,0 |
3,5 |
| V-L-31 |
73 |
4,5 |
4 |
5 |
5 |
3,0 |
4,0 |
4,0 |
| V-L-32 |
72 |
5,0 |
4 |
5 |
5 |
3,5 |
4,0 |
4,0 |
| V-L-33 |
72 |
3,0 |
3 |
3 |
4 |
3,0 |
3,0 |
3,0 |
| V-L-34 |
73 |
4,0 |
4 |
4 |
3 |
3,0 |
3,0 |
3,0 |
| V-L-35 |
71 |
3,5 |
4 |
4 |
4 |
3,0 |
4,0 |
3,0 |
| V-L-36 |
70 |
4,0 |
3 |
5 |
4 |
4,5 |
3,5 |
4,0 |