[0001] Die Erfindung betrifft ein HS-PVD- oder Coldspray-Verfahren für die Beschichtung
eines Substrates mit einer Haftvermittlerschicht, bei dem ein Teilchenstrom aus einem
Beschichtungsmaterial erzeugt, auf dem Substrat abgeschieden und einer anschließenden
Wärmebehandlung unterzogen wird.
Die Erfindung betrifft weiterhin eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Im Stand der Technik ist bekannt, Substrate wie Turbinenschaufeln mit Hilfe eines
HS-PVD-Verfahrens (High Speed Physical Vapour Deposition) mit einer Haftvermittlerschicht,
beispielsweise aus MCrAlY, zu versehen. Dazu wird aus einem MCrAlY-Ingot mittels eines
beschleunigten Argonionenstroms eine MCrAlY-Dampfwolke erzeugt. Durch elektrische
und magnetische Felder wird dieser Dampf durch einen Spalt abgegeben und in Richtung
des zu beschichtenden Substrats, an welchem ebenfalls ein elektrisches Feld anliegt,
beschleunigt und dort abgeschieden. Anschließend wird die aufgebrachte MCrAlY-Schicht
einer Wärmebehandlung unterzogen.
[0003] Es ist ebenfalls bekannt, eine MCrAlY-Haftvermittlerschicht durch ein Coldspray-Verfahren
auf eine Turbinenschaufel aufzubringen. Dabei wird ein MCrAlY-Pulver mit einer Körnung
von ca. 22 µm - 45 µm in einem Gasstrom über eine Vorwärmeinheit auf eine Temperatur
von bis zu 600°C erwärmt und durch ein anschließendes Beschleunigen auf eine Geschwindigkeit
von bis zu 3 Mach mit der nötigen kinetischen Energie versehen. Der so gebildete Teilchenstrom
wird auf dem Substrat abgeschieden und dann ebenfalls einer Wärmebehandlung unterzogen.
[0004] Bei den beiden bekannten Verfahren wird jeweils eine glatte homogene MCrAlY-Beschichtung
erhalten, die schlecht für eine Beschichtung mit einer Wärmedämmschicht wie z.B. eine
APS-TBC geeignet ist. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die Haftung
der Wärmedämmschicht an der Haftvermittlerschicht zu gering ist.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Verfahren der eingangs genannten
Art so auszubilden, dass eine raue Haftvermittlerschicht auf dem Substrat aufgebracht
werden kann, welche eine bessere Haftung der Wärmedämmschicht gewährleistet.
[0006] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
dass dem Teilchenstrom Pulverpartikel mit einer größeren Körnung zugesetzt werden.
[0007] Grundgedanke der Erfindung ist es also, dem Teilchenstrom aus dem Beschichtungsmaterial,
welcher durch ein HS-PVD- oder durch ein Coldspray-Verfahren erzeugt wird, Pulverpartikel
zuzusetzen, deren Körnung größer ist als die Körnung der Teilchen. Der so modifizierte
gemischte Teilchenstrom wird dann auf dem Bauteil abgeschieden, so dass eine Beschichtung
erhalten wird, in der zumindest Teilchen bzw. Partikel mit zwei unterschiedlichen
Körnungen enthalten sind. Diese Schicht kann auch als Duplex-Schicht ausgebildet sein,
wobei nur der oberen Schicht die grobe Körnung zugesetzt wird. Nach der anschließenden
Wärmebehandlung erhält man eine Haftvermittlerschicht, die auf Grund der unterschiedlichen
Körnungen der enthaltenen Teilchen bzw. Partikel eine raue Oberfläche aufweist. Diese
Oberflächeneigenschaften sorgen für eine feste Anbindung einer eventuell später aufgebrachten
Wärmedämmschicht.
[0008] Gemäß einer ersten Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, dass als Beschichtungsmaterial
MCrAlY verwendet wird. Dieses Material ist insbesondere geeignet, da es eine gute
Haftung auf verschiedenen Substraten gewährleistet und weiterhin einen chemisch und
physikalisch beständigen Untergrund für verschiedene Wärmedämmschichten bildet.
[0009] Es ist ebenfalls vorgesehen, dass dem Teilchenstrom Pulverpartikel aus dem Beschichtungsmaterial
zugesetzt werden können. Hierdurch erhält man eine Haftvermittlerschicht mit einer
homogenen Materialzusammensetzung. Alternativ oder zusätzlich ist es auch möglich,
dem Teilchenstrom Pulverpartikel zuzusetzen, die nicht aus dem Beschichtungsmaterial
bestehen.
[0010] Die Körnung der Pulverpartikel kann zwischen 45 µm bis 85 µm liegen. In diesem Fall
wird eine Haftvermittlerschicht erhalten, bei der die Pulverpartikel in einer Matrix
aus feineren Teilchen eingebettet sind, so dass eine hohe Rauheit erhalten wird.
[0011] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, dass die Pulverpartikel
auf eine Geschwindigkeit im Bereich der Schallgeschwindigkeit beschleunigt und dann
dem Teilchenstrom zugesetzt werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die
Pulverpartikel vollständiger in der Haftvermittlerschicht eingebaut werden, da ausgeschlossen
wird, dass Teile der Pulverpartikel von der Oberfläche des Substrates auf Grund einer
zu hohen Geschwindigkeit elastisch reflektiert werden.
[0012] Es kann sinnvoll sein, die Pulverpartikel vor der Zugabe zu dem Teilchenstrom zu
erwärmen, um zu verhindern, dass das Temperaturniveau des Teilchenstroms durch die
Zugabe der Pulverpartikel reduziert wird. Dabei sollte die Temperatur insbesondere
im Bereich zwischen 550°C und 650°C liegen.
[0013] Als Substrat kann eine Turbinenschaufel mit der Haftvermittlerschicht beschichtet
werden. Hierbei ist es vorteilhaft, dass die erhaltene Haftvermittlerschicht besonders
gut den hohen Anforderungen während des Betriebs einer Turbine genügt und eine starke
Haftung einer eventuell auf ihr aufgebrachten Wärmedämmschicht sicherstellt.
[0014] Die Aufgabe wird ebenfalls durch eine Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens gelöst.
[0015] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von zwei Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf die beiliegenden Zeichnungen näher erläutert.
[0016] In den Zeichnungen zeigen
- Figur 1
- eine schematische Darstellung einer ersten erfindungsgemäßen Vorrichtung, und
- Figur 2
- eine schematische Darstellung einer zweiten erfindungsgemäßen Vorrichtung.
[0017] In der Figur 1 ist eine erste erfindungsgemäße Vorrichtung für die Durchführung des
erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt. Die Vorrichtung weist eine Coldspray-Einrichtung
1 und eine Zuführeinrichtung 2 für Pulverpartikel auf. Die Coldspray-Einrichtung hat
eine Gaszuführeinrichtung 3, die zusätzlich mit einer nicht gezeigten Heizeinrichtung
zum Erwärmen des Gases versehen ist. Die Gaszuführeinrichtung 3 ist über eine Leitung
4 mit einer Sprüheinrichtung 5 verbunden. Die Sprüheinrichtung 5 ist weiterhin über
eine Leitung 2 mit einem Pulverreservoir 6 verbunden, welches pulverförmige Teilchen
eines Beschichtungsmaterials aus MCrAlY mit einer Körnung von 15 bis 30 µm enthält.
Die Sprüheinrichtung 5 weist außerdem eine Abgabedüse 7 auf, aus der ein Teilchenstrom
8 in Richtung einer zu beschichtenden Turbinenschaufel 9 abgegeben wird.
[0018] Die Zuführeinrichtung 2 beinhaltet ein Reservoir 10, welches Pulverpartikel aus MCrAlY
mit einer Körnung zwischen 45 bis 85 µm enthält sowie eine Vorwärmeinheit 11, um die
Pulverpartikel vorzuwärmen und schließlich eine unmittelbar vor einer Abgabeöffnung
12 angeordnete Beschleunigungseinheit 13 zum Beschleunigen der Pulverpartikel.
[0019] Aus der Abgabeöffnung 12 tritt ein Strom von Pulverpartikeln 14 aus und trifft gleichzeitig
mit dem Teilchenstrom 8 auf die Oberfläche der Turbinenschaufel 9.
[0020] Um mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung die Turbinenschaufel 9 mit einer MCrAlY
Haftvermittlerschicht zu beschichten, wird in der Gaszuführeinrichtung 3 ein Gas bereitgestellt
und auf eine Temperatur von bis zu 600°C erwärmt. Dieses Gas strömt durch die Leitung
4 in die Sprüheinrichtung 5, in der in den Gasstrom die aus dem Pulverreservoir 6
stammenden Teilchen eingedüst werden.
[0021] Das entstandene Gas-Teilchen-Gemisch wird dann in der Sprüheinrichtung 5 bis auf
eine Geschwindigkeit von bis zu 3 Mach beschleunigt, durch die Abgabedüse 7 in Richtung
der Turbinenschaufel 9 abgegeben, auf deren Oberfläche es schließlich auftrifft. Dabei
werden die MCrAlY-Teilchen auf Grund ihrer hohen kinetischen Energie mit dem Substrat
und untereinander kalt verschweißt.
[0022] Gleichzeitig werden in der Zuführeinrichtung 2 von dem Reservoir 10 die Pulverpartikel
an die Vorwärmeinheit 11 abgegeben und in dieser auf eine Temperatur von ca. 600°C
erwärmt. Aus der Vorwärmeinheit 11 gelangen die Pulverpartikel in die Beschleunigungseinheit
13, wo sie auf eine Geschwindigkeit im Bereich der Schallgeschwindigkeit beschleunigt
werden und anschließend durch die Austrittsöffnung 12 in Richtung Turbinenschaufel
9 abgegeben werden.
[0023] Der dabei entstehende Strom von Pulverpartikeln 14 trifft gleichzeitig mit dem Teilchenstrom
8 unter Durchmischung mit diesem auf der Oberfläche der Turbinenschaufel 9 auf. Letztendlich
wird ein gemischter Strahl abgeschieden.
[0024] In der auf der Oberfläche der Turbinenschaufel 9 ausgebildeten Beschichtung 15 sind
sowohl Pulverförmige Teilchen mit einer Körnung von 15 µm bis 30 µm als auch Pulverpartikel
mit einer Körnung zwischen 45 µm bis 85 µm enthalten.
[0025] Nachdem die Beschichtung 15 auf die Turbinenschaufel 9 aufgetragen ist, wird diese
einer anschließenden Wärmebehandlung mit Hilfe einer nicht gezeigten Heizeinrichtung
unterzogen, bei der die Pulverpartikel durch Diffusion mit dem Substrat reagieren,
um so eine fest anhaftende raue Haftvermittlerschicht zu bilden.
[0026] In der Figur 2 ist eine zweite erfindungsgemäße Vorrichtung zum Beschichten eines
Substrates mit einer Haftvermittlerschicht gezeigt. Die Vorrichtung weist eine HS-PVD-Einrichtung
16 und eine Zuführeinrichtung für Pulverpartikel 2 auf.
[0027] Die HS-PVD-Einrichtung 16 hat eine Austrittplatte 18 und eine Ionenquelle 17, die
eine nicht gezeigte Kathode aus einem MCrAlY-Ingot enthält, aus der mittels eines
ebenfalls nicht gezeigten Argonionenstroms eine MCrAlY-Ionendampfwolke erzeugt wird.
[0028] An dem Austrittsspalt 18 der HS-PVD-Einrichtung 16 und an der Turbinenschaufel 9
ist mit Hilfe der Stromquelle 19 ein elektrisches Feld angelegt. Durch dieses werden
die MCrAlY-Ionen durch den Austrittsspalt 18 gebündelt und in Richtung der Turbinenschaufel
9 als fokussierter Teilchenstrom 8 abgegeben. Dieser trifft auf die Oberfläche einer
Turbinenschaufel 9 und wird dort abgeschieden.
[0029] Die Zuführeinrichtung 2 ist identisch mit der in der Figur 1 beschriebenen Zuführeinrichtung
2.
[0030] Um mit der zweiten erfindungsgemäßen Vorrichtung die Turbinenschaufel 9 zu beschichten,
werden in der Ionenquelle 17 der HS-PVD-Einrichtung 16 MCrAlY-Ionen erzeugt, die mit
Hilfe des angelegten elektrischen Feldes durch den Austrittsspalt 18 zu dem Teilchenstrom
8 gebündelt und in Richtung der Turbinenschaufel 9 abgegeben werden.
[0031] Gleichzeitig werden in der oben beschriebenen Weise von der Zuführeinrichtung 2 Pulverpartikel,
deren Körnung zwischen 45 µm und 85 µm liegt, erwärmt, beschleunigt und in Richtung
der Turbinenschaufel 9 abgegeben.
[0032] Diese Pulverpartikel treffen in der bereits oben beschriebenen Weise gleichzeitig
mit dem Teilchenstrom 8 auf der Oberfläche der Turbinenschaufel 9 auf und bilden gemeinsam
mit diesen eine Beschichtung 15.
[0033] Durch eine anschließende Wärmebehandlung wird die Haftvermittlerschicht in ihrer
endgültigen Form ausgebildet.
[0034] Die beiden oben beschriebenen Haftvermittlerschichten sind auf Grund ihrer großen
Rauheit sehr gut dafür geeignet, eine starke Haftung einer auf ihnen aufgebrachten
Wärmedämmschicht sicherzustellen.
1. Ein HS-PVD- oder Coldspray-Verfahren für die Beschichtung eines Substrates mit einer
Haftvermittlerschicht, bei dem ein Teilchenstrom (8) aus einem Beschichtungsmaterial
erzeugt, auf dem Substrat (9) abgeschieden und einer anschließenden Wärmebehandlung
unterzogen wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
dem Teilchenstrom (8) Pulverpartikel (14) mit einer größeren Körnung zugesetzt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
als Beschichtungsmaterial MCrAlY verwendet wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
dem Teilchenstrom (8) Pulverpartikel (14) aus dem Beschichtungsmaterial zugesetzt
werden.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
Pulverpartikel (14) mit einer Körnung zwischen 45 µm bis 85 µm dem Teilchenstrom (8)
zugesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Pulverpartikel (14) auf eine Geschwindigkeit im Bereich der Schallgeschwindigkeit
beschleunigt und dann dem Teilchenstrom (8) zugesetzt werden.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Pulverpartikel (14), bevor sie dem Teilchenstrom (8) zugesetzt werden, erwärmt
werden, insbesondere auf eine Temperatur im Bereich zwischen 550°C und 650°C.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
als Substrat (9) eine Turbinenschaufel mit der Haftvermittlerschicht beschichtet ist.
8. Vorrichtung zum Beschichten eines Substrates (9) mit einer Haftvermittlerschicht,
mit einer Coldspray- (1) oder HS-PVD-Einrichtung (16) zur Erzeugung und Abscheidung
eines Teilchenstroms (8) aus einem Beschichtungsmaterial auf dem Substrat (9) und
mit einer Heizeinrichtung zur Wärmebehandlung des abgeschiedenen Beschichtungsmaterials
(15),
dadurch gekennzeichnet,
dass sie eine Zuführeinrichtung (2) zur Eindüsung von Pulverpartikeln in den Teilchenstrom
(8) aufweist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Zuführeinrichtung (2) eine Vorwärmeinheit (11) zum Vorwärmen der Pulverpartikel
aufweist.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Zuführeinrichtung (2) eine Beschleunigungseinheit (13) zum Beschleunigen der Pulverpartikel
aufweist.