TECHNISCHES GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung betrifft einen Flugkörper für den Überschallbereich mit einem sich
von einer vorderen Stirnfläche des Flugkörpers erstreckenden Aero-Spike.
STAND DER TECHNIK
[0002] Bei Flugkörpern für den Überschallbereich werden im Bereich der vorderen Stirnfläche
so genannte Aero-Spikes eingesetzt, die in Form eines Dornes oder eines Stabes direkt
an einer Nase oder einem Dom des Flugkörpers angebracht sind und gegen die Strömung
ausgerichtet sind. Eine Ablösung der Grenzschicht an einer Oberfläche des Aero-Spikes
durch das Einwirken eines Bugstoßes ist dafür verantwortlich, dass der an sich intensive
Bugstoß durch eine Kombination von wesentlich schwächeren schrägen Verdichtungsstößen
ersetzt wird, vgl. Fig. 1. Dies hat zur Folge, dass Verluste in Folge der Verdichtungsstöße
reduziert werden, was einen verringerten so genannten Wellenwiderstand bedeutet. Bis
zu einer gewissen Längserstreckung des Aero-Spikes im Verhältnis zu seiner Quererstreckung
oder einem Durchmesser des Flugkörpers findet eine Ablösung unmittelbar an einer vorderen
Stirnseite des Aero-Spikes statt, so dass eine einfache Verlängerung des Aero-Spikes
zu einer weiteren Reduzierung des Wellenwiderstandes führen kann. Allerdings ist festgestellt
worden, dass ab einer bestimmten Länge des Aero-Spikes eine Ablösung der Grenzschicht
erst hinter der vorderen Stirnseite des Aero-Spikes erfolgt. Die Länge einer sich
bildenden so genannten Ablöseblase stabilisiert sich und verhält sich praktisch unabhängig
von der Länge des Aero-Spikes, vgl. Fig. 2. Der Grund hierfür ist, dass die Größe
einer Ablöseblase an dem Aero-Spike naturgemäß limitiert ist, wobei diese Größe insbesondere
von der Form der vorderen Stirnseite und der Form des Aero-Spikes sowie von Strömungsparametern,
wie beispielsweise dem Zustand der Grenzschicht an dem Aero-Spike, der Flugmachzahl
und ähnlichem, abhängt. Dies kann dazu führen, dass die Effizienz einer gewählten
Konfiguration eines Aero-Spikes von den vorherrschenden Flugbedingungen abhängig ist,
so dass sich die Strömungswirkung mit verändernden Flugbedingungen ändern kann.
[0003] Insbesondere bei Flug in Bodennähe können sehr hohe Staudrücke wirken, was beispielsweise
dazu führen kann, dass sich eine Grenzschicht an dem Aero-Spike von einem laminaren
Zustand zu einem turbulenten Zustand verändert, was zur Folge hat, dass eine Ablöseblase
hinsichtlich Ihrer Erstreckung stark verringert wird. Dies bedingt wiederum eine Reduzierung
des effektiven Schlankheitsgrades des Flugkörpers, wodurch der Bugwiderstand erhöht
wird. Dieser Effekt kann durch eine einfache Vergrößerung der Länge des Aero-Spikes
nicht zwingend beseitigt werden, da die Längserstreckung der Ablöseblase von der Länge
des Aero-Spikes weitestgehend unabhängig ist.
[0004] Als Kompromisslösung für die zuvor erwähnte Problematik ist es bekannt, im Bereich
der Stirnseite des Aero-Spikes einen Stirnkörper in Form einer Erweiterung, eines
Prallkörpers oder einer so genannten Aero-Disk anzuordnen, wodurch eine gewisse Stabilisierung
erfolgen kann. Hierbei ist allerdings die Konfiguration und die Wahl der Geometrie
des Stirnkörpers auf die im Flugbetrieb zu erwartenden ungünstigsten Bedingungen auszulegen,
so dass ein letztlich erzielbarer Gewinn suboptimal ist. Die Wirkung eines Aero-Spikes,
der mit einer Aero-Disk ausgestattet ist, ist Fig. 4 zu entnehmen. Mit zunehmender
Vergrößerung der Länge des Aero-Spikes tritt allerdings der Effekt ein, dass sich
die im Bereich der Stirnseite des Flugkörpers sowie im Bereich der Aero-Disk gebildeten
Ablöseblasen voneinander trennen, so dass zwischen diesen zwei Ablöseblasen ein Teilbereich
gebildet ist, in dem sich die Strömung an den Aero-Spike anlegt, s. Fig. 5. Damit
ist die eigentlich gewünschte Wirkung beseitigt und für derartige Strömungsbedingungen
ist im Vergleich zu einem herkömmlichen Aero-Spike gemäß Fig. 2 der sich ergebende
Gesamtwiderstand sogar um den durch die Aero-Disk hervorgerufenen zusätzlichen Anteil
erhöht.
[0005] Der Wissensstand zur allgemeinen Problematik einer Reduzierung des Wellenwiderstandes
unter Einsatz von Aero-Spikes an stumpfen Körpern kann beispielsweise den folgenden
Veröffentlichungen entnommen werden.
Chang, P.K., "Separation of Flow", Pergamon Press, 1970, 777p. [1] Fomin V.M., Tretyakov P.K., Taran J.-P. "Flow control using various plasma and aerodynamic
approaches (Short review)", Aerospace Science and Technology, 8, 2004, pp, 411-421. [2]
Gnemmi P., Srulijes J., Roussel K., Runne K., "Flowfield Around Spiked-Tipped Bodies
for High Attack Angles at Ach 4.5", Journal of Spacecraft and Rockets, Vol. 40, No.
5, pp. 622-631, Sept.-Oct. 2003. [3]
Huebner L.D., Mitchell A.M. and Boudreaux E.J. "Experimental Results on the Feasibility
of an Aerospike Hypersonic Missiles," AIAA Paper 95-0737, Jan. 1995. [4]
Boudreaux E.J., Krishnamurty V.S., Mitchell A.M. and Shyy W., "Experiments and Analysis
of an Aerospike Flow Environment for Protecting Infrared Missile Dome," RTO-MP-5,
Proceedings of the RTO-Meeting "Missile Aerodynamics", Sorrento, Italy, 11-14 May
1998, NATO RTO, 1998. [5]
Reding J.P., Guenther R.A., Jecmen D.M., "Scale Effects on Fluctuating Pressures in
Spike-Induced Flow Separation", Journal of Spacecraft and Rockets, Vol.17, No.2, pp.112-118,
March-April 1980 [6]
[0006] JP 2001174200 A offenbart einen Flugkörper, dessen Nase einen Aero-Spike trägt, an dessen vorderem
Endbereich ein als Kugel ausgebildeter Stirnkörper angeordnet ist.
[0007] JP 05254497 A offenbart einen Flugkörper, bei dem ein Aero-Spike mit einem halbkugelförmigen Stirnkörper
in Längsrichtung des Flugkörpers aus der Nase nach vorne ausfahrbar ist. Das Ausfahren
erfolgt je nach Flugzustand des Flugkörpers über einen geeigneten Stellmotor.
[0008] US 3,713,607 offenbart einen Flugkörper mit einem rohrartigen Aero-Spike, der entlang seiner Längsachse
mehrere radiale Bohrungen besitzt. Hierbei können die Bohrungen in mehreren Querebenen
in Umfangsrichtung verteilt angeordnet sein und unterschiedliche Durchmesser aufweisen
derart, dass der Durchmesser der Bohrungen größer wird mit zunehmendem Abstand von
dem vorderen Endbereich des Aero-Spikes. Weiterhin ist in
US 3,713,607 angesprochen, dass eine Befestigung unter Ermöglichung einer Winkelanpassung an dem
die Stirnfläche des Flugkörpers bildenden Dom, offensichtlich während der Montage
des Aero-Spikes, möglich ist.
[0009] US 3,643,901 offenbart einen Flugkörper mit einem Aero-Spike, der einen mit zwei Abschnitten gebildeten
Stirnkörper aufweist, wobei die Mantelflächen der Abschnitte auf einer Kegelfläche
liegen, dessen Spitze nach vorne weist. Der vordere Abschnitt besitzt eine zentrische
Durchgangsbohrung mit konstantem Durchmesser, wobei die vordere Stirnfläche als spitze
umlaufende Kante ausgebildet ist. Der erste und zweite Abschnitt sind durch einen
Spalt voneinander getrennt, in dem die Abschnitte über radial außen liegende, sich
in Längsrichtung erstreckende Streben miteinander verbunden sind. In die Durchgangsbohrung
des ersten Abschnittes eintretende Luft wird von einer Stirnfläche des zweiten Abschnitts
radial nach außen gelenkt und tritt aus dem Stirnkörper aus zwischen den Stäben gebildeten
Öffnungen radial nach außen aus. In
US 3,643,901 ist ebenfalls angesprochen, dass eine Vielzahl von Öffnungen oder Durchtrittsbahnen
an dem Stirnkörper vorgesehen sein können.
[0010] US 6,698,684 B1 offenbart einen teleskopierbaren Aero-Spike für ein Flugzeug, wobei das Teleskopieren
des Aero-Spikes in Abhängigkeit der Flugbedingungen erfolgt.
[0011] Die nicht vorveröffentlichte Patentanmeldung
DE 2006 003 638.7-15 der Anmelderin offenbart einen quer zu einer Längsachse des Flugkörpers verschwenkbaren
Aero-Spike. Hierbei kann gemäß einem ersten Vorschlag der Aero-Spike passiv verschwenkt
werden, beispielsweise durch Strömungsflächen oder Gitterleitwerke, welche den Aero-Spike
auch während einer schrägen Anströmung zur Anströmung ausrichten können. Alternativ
kann eine aktive Verschwenkung erfolgen, beispielsweise auf Grundlage eines Messorgans,
welches Flugbedingungen wie den Anströmwinkel erfasst und einer Verschwenkung des
Aero-Spikes mittels eines geeigneten Stellorgans.
[0012] Aus der weiteren nicht vorveröffentlichten Patentanmeldung
DE 10 22006 025 270.5 der Anmelderin ist es bekannt, den Aero-Spike selber mit einem porösen Material,
beispielsweise einem Sintermaterial oder einer Keramik, zu bilden, dessen offene Poren
Strömungskanäle bilden. Hierbei kann der Aero-Spike als Vollquerschnitt ausgebildet
sein oder als stirnseitig offene Längsausnehmung, in die von der Stirnseite Luft eintreten
kann, die dann über die durch die offenen Porten gebildeten Strömungskanäle zumindest
mit radialer Komponente aus dem Aero-Spike austreten können. Zusätzlich können radiale
Ausnehmungen, Bohrungen, Schlitze oder Perforationen an dem Aero-Spike vorgesehen
sein. Weiterhin schlägt die Anmeldung vor, zur Beeinflussung der Strömungsbedingungen
die Mantelfläche des Aero-Spikes gezielt mit einer Rauhigkeit in Richtung der Längsachse
zu versehen, beispielsweise mit Rauhigkeiten im Bereich von mehr als 100 µm, mehr
als 200 oder 300 µm. In die Mantelfläche des Aero-Spikes können darüber hinaus gezielt
Rillen, Riefen, Kerben eingebracht werden oder Beschichtungen aus Partikeln gleicher
oder unterschiedlicher Größe aufgebracht werden.
[0013] Schließlich offenbart die nicht vorveröffentlichte Patentanmeldung
DE 2006 015 952.7 der Anmelderin, anstelle eine rohr- oder stangenförmigen zentralen Aero-Spikes mehrere
stangenartige dezentrale Aero-Spikes vorzusehen. Um ein Sichtfeld für ein Informationserfassungsorgan
wie einen Suchkopf nicht unnötig einzuschränken, sind die dezentralen Aero-Spikes
quer zur Längsachse des Flugkörpers bewegbar, beispielsweise auf einer Kreisbahn um
die Längsachse verdrehbar angeordnet. Hierbei kann eine Verdrehung nach Maßgabe eines
Stellorgans oder durch passive Maßnahmen, wie beispielsweise Strömungsflächenelemente
in vorderen Endbereich der Aero-Spikes, erfolgen.
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0014] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Flugkörper vorzuschlagen,
für den das Strömungs- oder Flugverhalten und der Widerstand, insbesondere durch die
Flug- und Umgebungsbedingungen und/oder bei verhältnismäßig langen Aero-Spikes, verbessert
sind.
LÖSUNG
[0015] Die Aufgabe der Erfindung wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen des unabhängigen
Patentanspruchs 1 gelöst. Weitere Ausgestaltungen eines erfindungsgemäßen Flugkörpers
ergeben sich entsprechend den abhängigen Ansprüchen 2 bis 9.
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
[0016] Die Erfindung geht zunächst aus von dem Grundgedanken gemäß
DE 2006 025 270.5 Diese Patentanmeldung betraf eine Weiterbildung eines aus [5] bekannten, dort als
"Aeroscoop" bezeichneten Ausführungsform, bei der der Aero-Spike als hohles Rohr ausgebildet
ist. In Folge des Staudruckes im Bereich der vorderen offenen Stirnseite des Aero-Spikes
tritt für einen derartigen Aeroscoop Luft in das Innere des rohrförmigen Aero-Spikes
ein. Der Aero-Spike gemäß [5] besitzt mehrere Öffnungen, die entlang des Aero-Spikes
angeordnet sind, durch die die Luft aus dem Inneren des Aero-Spikes heraus geblasen
wird. Die heraus geblasene Luft führt dazu, dass eine Außenströmung und eine Druckwelle
von dem Aero-Spike weg gedrückt werden kann. Während eine Fertigung der erforderlichen
Vielzahl diskreter Öffnungen für einen derartigen Aeroscoop eine aufwändige Fertigung
erfordert und Schwächungen der Tragstruktur des Aero-Spikes darstellt, schlägt
DE 10 2006 025 270 vor, den Aero-Spike zumindest in Teilbereichen oder vollständig mit einem porösen
Material zu bilden. In einem derartigen porösen Material können Strömungskanäle durch
offene Poren gebildet sein, durch die gezielt Luft "ausgeblasen" werden kann, um ein
unerwünschtes Anlegen einer Strömung im Bereich der Mantelfläche des Aero-Spikes zu
vermeiden. Von Vorteil sollte hierbei sein, dass die Poren nicht diskret verteilt
sind, wie bei einem Aeroscoop und somit nur lokal auf die Umströmung des Aero-Spikes
einwirken, sondern vielmehr die Strömungskanäle mehr oder weniger fein über die Außenfläche
des porösen Materials verteilt sein können. Hierdurch kann eine nahezu kontinuierliche
Strömungsbeeinflussung erfolgen, wobei mit der ausströmenden Luft der Aero-Spike "kissenartig"
mit einem Polster aus ausströmender Luft umgeben sein kann.
DE 10 2006 025 270 zeigt auch die Anordnung eines Stirnkörpers im vorderen Endbereich des Aero-Spikes,
wobei dieser zwecks Kommunikation mit dem Inneren des hohlen Aero-Spikes eine in das
Innere mündende Bohrung aufweist. Diese Bohrung stellt wie zuvor bereits angesprochen
eine Schwächung der Struktur dar. Weiterhin schränkt die Verwendung eines gebohrten
Stirnkörpers die Auslegungsmöglichkeiten für die Strömungsbedingungen ein, da für
einen derartigen offenen inneren Kanal der Druck im Inneren des Stirnkörpers und des
Aero-Spikes im Wesentlichen dem Staudruck vor dem Stirnkörper entspricht. Für eine
zur Erzielung einer vorgegebenen Wirkung gewünschte Stirnfläche des Stirnkörpers bedeutet
weiterhin die Anordnung der zentralen Bohrung des Stirnkörpers gemäß
DE 10 2006 025 270, dass der Stirnkörper eine größere Erstreckung quer zur Längsachse des Flugkörpers
besitzen muss.
[0017] Auf Grundlage der zuvor aufgeführten Erkenntnisse schlägt die Erfindung vor, den
Stirnkörper mit einem porösen Material zu bilden, dessen offene Poren Strömungskanäle
bilden. Durch Vorgabe der Porengröße und Porendichte kann auf einfache Weise konstruktiv
vorgegeben werden, welcher Anteil einer Strömung durch den Stirnkörper hindurch geleitet
wird und welcher Anteil an diesem radial außen liegende vorbeiströmen muss. Hierbei
ist es möglich, dass die Porosität in Querrichtung konstant ist oder veränderlich
ist. Durch die Ausbildung von Strömungskanälen mittels offener Poren kann einerseits
im Bereich des Eintrittes der Luft in die Strömungskanäle je nach Porengröße und damit
Querschnitt der Strömungskanäle eine Art Drosselwirkung erzielt werden. Andererseits
können die Ausströmbedingungen der Luft aus den Strömungskanälen auf der Rückseite
des Stirnkörpers durch die Porosität vorgegeben werden. Hierbei ist vom Gegenstand
der Erfindung sowohl umfasst, dass sich an den Stirnkörper ein geschlossener Aero-Spike
anschließt, als auch dass ein geschlossener Aero-Spike vorgesehen ist oder ein solcher,
der Strömungskanäle, beispielsweise in Form von (Längs- und/oder Quer-) Bohrungen,
Ausnehmungen oder ebenfalls Poren besitzt, in die die Strömungskanäle in Folge der
Poren des Stirnkörpers einmünden können.
[0018] Eine Gestaltung der Geometrie der mit den offenen Poren gebildeten Strömungskanäle
kann während der Fertigung des Stirnkörpers aus dem porösen Material, u. U. gemeinsam
mit dem porösen Aero-Spike, einfach vorgegeben werden, beispielsweise durch
- Vorgabe von Partikelgrößen eines zu dem porösen Material umzuwandelnden Rohmaterials,
- die Gestaltung von Druckverhältnissen bei einem Verpressen derartiger Partikel,
- die Auswahl geeigneter Zusatzpartikel,
- einen Einsatz und eine Dosierung eines Treibmittels oder Porenbildners und/oder
- die Gestaltung der Temperaturverhältnisse und anderer Fertigungsparameter.
Erfindungsgemäß kann ausgenutzt werden, dass in einem porösen Material unter Umständen
nicht lediglich Poren gleicher Strömungsquerschnitte gebildet sind, sondern sich beispielsweise
ein stochastische Verteilung von Porengrößen ergeben kann, so dass unter Umständen
die Strömungsverhältnisse in den einzelnen Poren unterschiedlich gestaltet werden
können. Damit können auch die Druckverhältnisse bei Eintritt und Austritt der Luft
aus dem Stirnkörper stochastisch verteilt werden, wodurch sich eine verbesserte Einwirkung
auf die Umströmung ergeben kann. Beispielsweise sind die Porengrößen um einen Mittelwert
stochastisch oder mit einer Normalverteilung verteilt. Auch ist eine beliebige gleiche
oder unterschiedliche, u. U. geschlungene Orientierung der Poren möglich.
Andererseits kann für den Fall, dass ein verhältnismäßig großer Anteil einer von Austrittsöffnungen
überdeckten Austrittsfläche für Luft im Bereich der Mantelfläche des Stirnkörpers
oder Rückseite des Stirnkörpers gegenüber geschlossenen Teilbereichen derselben Flächen
gewünscht ist, die diskrete Anordnung von Öffnungen, beispielsweise in Form axialer
Bohrungen, nachteilig sein, da hierdurch der Stirnkörper geschwächt werden könnte.
Für eine Bildung der Ein- und Austrittsöffnungen und der Strömungskanäle mit einem
porösen Material kann der Anteil der Ein- und Austrittsfläche gegenüber geschlossenen
Teilbereichen der Fläche unter Umständen bis zu einem Verhältnis von 1:1 vorgegeben
werden, wobei gleichzeitig eine große mechanische Beanspruchbarkeit gewährleistet
werden kann.
Ein mögliches poröses Material, mit dem zumindest Teilbereiche des Aero-Spikes gebildet
sein können, kann ein Sintermaterial oder Sintermetall sein. Bei einem derartigen
Sintern werden beispielsweise Hohlraummassen vorgeformt, so dass sich ein maximaler
Zusammenhalt der Pulverpartikel ergibt. Ein derartiges Zwischenprodukt wird einer
Wärmebehandlung unterhalb der Schmelztemperatur des Werkstoffes ausgesetzt mit einer
Verdichtung und Aushärtung. Die Herstellung des Zwischenproduktes kann hierbei durch
ein Verpressen der Pulvermassen und/oder durch Formung und anschließendes Trocknen
erfolgen. Unter ein derartiges erfindungsgemäßes Sintern fällt auch eine Pulvermetallurgie
oder der Einsatz plastikartiger gesinterter Kunststoffe. Ebenfalls möglich ist der
Einsatz eines Keramikwerkstoffes, der sich durch eine besondere Versteifsfestigkeit,
Härte, Druckfestigkeit, Hochtemperaturbeständigkeit, gute Wäremeleitfähigkeit und/oder
elektrische Isolation auszeichnet.
Während der Stirnkörper grundsätzlich einen beliebigen Längs- und Querschnitt besitzen
kann, beispielsweise eine kugelförmige Geometrie, eine kegelförmige Geometrie oder
eine beliebig gekrümmte Geometrie, ist der Stirnkörper gemäß einem weiteren Vorschlag
der Erfindung als Aero-Disk ausgebildet, also scheibenförmig mit Erstreckung quer
zur Längsachse des Flugkörpers. Die Dicke eines derartigen scheibenartigen Stirnkörpers
wird beispielsweise ausreichend bemessen, damit dieser auch bei Einsatz des Flugkörpers
im Überschallbereich eine hinreichende Festigkeit besitzt. Mittels eines scheibenartigen
Stirnkörpers kann eine große Stirnfläche des Stirnkörpers, u. U. mit einer Vielzahl
von Strömungskanälen im Bereich der offenen Poren, bereitgestellt werden. Andererseits
ist für einen scheibenartigen Stirnkörper ermöglicht, dass "gedrosselte" Luft auf
der Rückseite des Stirnkörpers über einen größeren Bereich unterschiedlicher Radien
austreten kann, um beispielsweise das Anlegen einer Strömung an einen nachgeschalteten
Aero-Spike zu vermeiden.
Während gemäß US 3,643,901 grundsätzlich eine Stirnfläche vermieden wird, aber in einen Strömungskanal eintretende
Luft in radialer Richtung umgelenkt werden soll, um die Umströmung und die Ausbildung
einer Grenzschicht zu beeinflussen, nimmt eine weitere Ausgestaltung der Erfindung
gezielt in Kauf, dass der Stirnkörper eine quer zur Längsachse des Flugkörpers orientierte
Stirnfläche aufweist. Hierbei ist es möglich, dass der Stirnkörper in Strömungsrichtung
durchlässig ist, so dass Luft weitestgehend in Strömungsrichtung und in Richtung der
Längsachse des Flugkörpers mit einem möglichst hohen Impulsverlust in Folge der Drosselwirkung
durch die Strömungskanäle und Poren durch den Stirnkörper hindurchtritt.
Während beliebige Tragstrukturen zwischen vorderer Stirnfläche des Flugkörpers und
Stirnkörper möglich sind, ist für eine besonders einfache Ausgestaltung der Erfindung
der Aero-Spike mit einer Stange gebildet, die den Stirnkörper trägt. Hierbei ist es
durchaus möglich, dass der stangenförmige Aero-Spike entsprechend einer der in DE 10 2006 025 270.5 dargelegten Ausführungsformen ausgestaltet ist mit einem porösen, Strömungskanäle
bildenden Material.
Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Patentansprüchen,
der Beschreibung und den Zeichnungen. Die in der Beschreibungseinleitung genannten
Vorteile von Merkmalen und von Kombinationen mehrerer Merkmale sind lediglich beispielhaft
und können alternativ oder kumulativ zur Wirkung kommen, ohne dass die Vorteile zwingend
von erfindungsgemäßen Ausführungsformen erzielt werden müssen. Weitere Merkmale sind
den Zeichnungen - insbesondere den dargestellten Geometrien und den relativen Abmessungen
mehrerer Bauteile zueinander sowie deren relativer Anordnung und Wirkverbindung -
zu entnehmen. Die Kombination von Merkmalen unterschiedlicher Ausführungsformen der
Erfindung oder von Merkmalen unterschiedlicher Patentansprüche ist ebenfalls abweichend
von den gewählten Rückbeziehungen der Patentansprüche möglich und wird hiermit angeregt.
Dies betrifft auch solche Merkmale, die in separaten Zeichnungen dargestellt sind
oder bei deren Beschreibung genannt werden. Diese Merkmale können auch mit Merkmalen
unterschiedlicher Patentansprüche kombiniert werden. Ebenso können in den Patentansprüchen
aufgeführte Merkmale für weitere Ausführungsformen der Erfindung entfallen.
KURZBESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0019] Im Folgenden wird die Erfindung anhand in den Figuren dargestellter bevorzugter Ausführungsbeispiele
weiter erläutert und beschrieben.
- Fig. 1
- zeigt einen schematisch dargestellten Flugkörper entsprechend dem Stand der Technik
in Seitenansicht mit einem verhältnismäßig kurzen Aero-Spike in umströmtem Zustand.
- Fig. 2
- zeigt einen schematisch dargestellten Flugkörper entsprechend dem Stand der Technik
in Seitenansicht mit einem verhältnismäßig langen Aero-Spike in umströmtem Zustand.
- Fig. 3
- zeigt aus dem Stand der Technik bekannte Konfigurationen eines Flugkörpers mit Aero-Spike
und unterschiedlichen Endbereichen des Aero-Spikes und Stirnkörpern in Seitenansicht.
- Fig. 4
- zeigt einen schematisch dargestellten Flugkörper entsprechend dem Stand der Technik
in Seitenansicht mit einem eine Aero-Disk aufweisenden, verhältnismäßig kurzen Aero-Spike
bei Anströmung in einem Auslegungsbereich.
- Fig. 5
- zeigt einen schematisch dargestellten Flugkörper entsprechend dem Stand der Technik
in Seitenansicht mit einem eine Aero-Disk aufweisenden, verhältnismäßig langen Aero-Spike.
- Fig. 6
- zeigt einen Flugkörper gemäß DE 10 2006 025 270.5 in schematischer Seitenansicht mit der sich ergebenden verbesserten Umströmung.
- Fig. 7
- zeigt einen Aero-Spike mit einem Stirnkörper gemäß DE 10 2006 025 270.5 mit einer stirnseitig offenen Längsausnehmung für einen Einsatz in einem erfindungsgemäßen
Flugkörper in einem Teillängsschnitt.
- Fig. 8
- zeigt die Druckverhältnisse über die Längserstreckung eines Aero-Spikes mit einem
Stirnkörper gemäß DE 10 2006 025 270.5 für eine Umströmung eines Flugkörpers entsprechend Fig. 5.
- Fig. 9
- zeigt einen erfindungsgemäßen Flugkörper im Längsschnitt mit einem von einem Aero-Spike
getragenen porösen, scheibenförmigen Stirnkörper mit den sich ergebenden Strömungsbedingungen.
- Fig. 10
- zeigt ein Detail des Aero-Spikes und des Stirnkörpers gemäß Fig. 9 in einer Seitenansicht.
- Fig. 11
- zeigt den Stirnkörper gemäß Fig. 9 und 10 in einer Vorderansicht.
- Fig. 12
- zeigt einen Stirnkörper mit einer Vielzahl von Längsbohrungen in einer Seitenansicht.
- Fig. 13
- zeigt den Stirnkörper gemäß Fig. 12 in einer Vorderansicht.
- Fig. 14
- zeigt ein Detail einer Seitenansicht eines erfindungsgemäßen Flugkörpers, bei dem
durch einen porösen Stirnkörper hindurchgeleitete Luft im Übergangsbereich zum Aero-Spike
umgelenkt wird.
- Fig. 15
- zeigt einen Stirnkörper mit sich stromabwärts trichterförmig erweiterter zentrischer
Durchgangsbohrung mit der zugeordneten Umströmung des nachgeschalteten Aero-Spikes
in einer Seitenansicht.
- Fig. 16
- zeigt den Stirnkörper gemäß Fig. 15 in einer Vorderansicht.
- Fig. 17
- zeigt ein Detail eines erfindungsgemäßen Flugkörpers in Seitenansicht mit einem porösen,
scheibenartigen Stirnkörper, dem ein sich stromabwärts erweiternder kegelförmiger
vorderer Endbereich des Aero-Spikes nachgeschaltet ist.
- Fig. 18
- zeigt die Befestigung des Stirnkörpers über einen an sich bekannten Aero-Spike an
der vordern Stirnfläche des Flugkörpers in einer Seitenansicht.
- Fig. 19
- zeigt eine alternative Ausführungsform einer Befestigung des Stirnkörpers an der vorderen
Stirnfläche des Flugkörpers in einer Seitenansicht.
- Fig. 20
- zeigt eine im Wesentlichen Fig. 19 entsprechende Ausführungsform, bei der allerdings
sowohl Stirnkörper als auch Aero-Spike mit einem porösen Material gebildet sind.
- Fig. 21
- zeigt einen Flugkörper in einer Seitenansicht, bei der der Stirnkörper über außermittig
angeordnete Streben mit der vorderen Stirnfläche des Flugkörpers verbunden ist.
- Fig. 22
- zeigt eine weitere Ausführungsform eines Flugkörpers in Seitenansicht, bei der der
Stirnkörper durch eine einzige, außermittige und gekrümmte Strebe von dem Flugkörper
gehalten ist.
FIGURENBESCHREIBUNG
[0020] Fig. 1 zeigt einen Flugkörper 1. Bei einem derartigen Flugkörper handelt es sich insbesondere
um eine Rakete, eine Drohne oder ein Projektil oder einen Flugkörper, der wenigstens
über einen Teil seiner Flugbahn durch einen Antrieb selbstangetrieben ist, beispielsweise
durch ein Düsentriebwerk, welches sowohl den Brennstoff als auch ein Oxidationsmittel
dafür trägt. Hierbei kann es sich um nach dem Start gelenkte oder ungelenkte Flugkörper
handeln, die sich lediglich in der Luft bewegen oder zumindest teilweise im Wasser.
Der Flugkörper bewegt sich zumindest teilweise in der Luft mit Überschallgeschwindigkeit.
Gleichermaßen kann es sich bei dem Flugkörper um ein Fluggerät, Luftfahrzeug oder
Kampfflugzeug handeln, welches oder dessen Anbauteile
- eine in erster, grober Näherung zylindrische Form besitzen,
- eine stumpfe Nase oder Stirnfläche besitzen,
- sich zumindest teilweise mit Überschallgeschwindigkeit bewegen und
- mit einem Aero-Spike ausgestattet sind,
insbesondere Außentanks, Abwurfmunition, Pylone, Antennen an Flügeln.
[0021] Der Flugkörper 1 ist zur Vereinfachung bei Anströmung in eine axiale Strömungsrichtung
2 dargestellt ist. Einer Stirnfläche 3, einem Dom oder einer Nase ist ein Aero-Spike
4 stromaufwärts vorgelagert, wobei sich der Aero-Spike 4 koaxial zur Längsachse des
Flugkörpers 1 erstreckt.
[0022] Weiterhin ist in Fig. 1 die Umströmung des Flugkörpers 1 dargestellt: Im Bereich
einer vorderen Stirnfläche 5 des Aero-Spikes 4 bildet sich unter einem Ablösewinkel
7 eine abgelöste Grenzschicht 6, die zur Folge hat, dass (anstelle eines intensiven
Bugstoßes für einen Flugkörper 1 ohne Aero-Spike 4) die Grenzschicht 6 im Bereich
der Stirnfläche 3 mit einem wesentlich schwächeren, schrägen Verdichtungsstoß auf
die Stirnfläche 3 des Flugkörpers trifft, was zu einer Reduktion des Wellenwiderstandes
führt. Innerhalb der unter dem Ablösewinkel 7 verlaufenden abgelösten Grenzschicht
6 bildet sich eine bugseitige Ablöseblase 8 aus, in der Luft auch gegen die Strömungsrichtung
2 zirkulieren kann.
[0023] Während gemäß Fig. 1 die Längserstreckung des Aero-Spikes 4 dem Durchmesser des Flugkörpers
1 entspricht oder kleiner ist als diese, ist in Fig. 2 ein Flugkörper 1 dargestellt
mit einem Aero-Spike 4, dessen Längserstreckung größer ist als der Durchmesser des
Querschnittes des Flugkörpers 1 oder dessen maximale stirnseitige Quererstreckung,
insbesondere ungefähr doppelt so groß. In einem derartigen Fall kommt es erst hinter
einem Bereich 9, in dem die Strömung an die Mantelfläche des Aero-Spikes 4 angelegt
ist, unter dem Ablösewinkel 7 zu einer abgelösten Grenzschicht 6. Innerhalb der unter
dem Ablösewinkel 7 verlaufenden abgelösten Grenzschicht 6 bildet sich eine bugseitige
Ablöseblase 8 aus, in der Luft auch gegen die Strömungsrichtung 2 zirkulieren kann.
[0024] Fig. 3 zeigt beispielhaft unterschiedliche Ausgestaltungsformen für prinzipielle Grundkonfigurationen
eines Aero-Spikes 4 an einer Stirnfläche 3 eines Flugkörpers 1, nämlich:
- Fig. 3a einen Aero-Spike mit konstantem Querschnitt, der beispielsweise zylinderförmig
ausgebildet ist,
- Fig. 3b einen Aero-Spike mit dreieckförmigem Längsschnitt oder kegelförmiger Konfiguration,
- Fig. 3c einen Aero-Spike mit einem durch eine sphärische Verdickung gebildeten Stirnkörper
an dem distalen Ende,
- Fig. 3d einen Aero-Spike mit einem angespritzten oder kegelförmigen Endbereich und
einem mittigen Teilbereich konstanten Querschnitts,
- Fig. 3e einen Aero-Spike mit einer durch eine Verdickung des distalen Endes gebildeten
Stirnkörper, die im Längsschnitt ungefähr dreieckförmig mit in Flugrichtung orientierter
Spitze ausgebildet ist,
- Fig. 3f einen Aero-Spike mit einem im distalen Endbereich angeordneten Stirnkörper
in Form einer Scheibe.
[0025] Möglich ist ebenfalls der Einsatz eines Aero-Spikes mit einem sogenannten "Jet-Spike"
oder einem "Beam-Spike", für den eine lokalisierte optische, elektrische oder elektromagnetische
Erhitzung der Luft vor dem Bugstoß im Bereich eines Stirnkörpers erfolgt.
[0026] Fig. 4 zeigt die Umströmung eines Flugkörpers 1, welcher einen mit einer Aero-Disk 10 ausgestatteten
Aero-Spike 4 besitzt. In einem derartigen Fall kommt es nicht ungefähr im Bereich
der Längsachse 11-11 im Bereich der Stirnfläche 5 des Aero-Spikes entsprechend Fig.
1 zur Strömungsablösung, sondern vielmehr im radialen Randbereich der Aero-Disk 10,
so dass die abgelöste Grenzschicht 6 radial weiter nach außen verlagert ist. Bei Einsatz
einer Aero-Disk 10 bildet sich naturgemäß hinter der Aero-Disk eine "heckseitige"
Ablöseblase 12 aus, die für die gemäß Fig. 4 dargestellten Bedingungen gemeinsam mit
der bugseitigen Ablöseblase 8, die der Stirnfläche3 des Flugkörpers 1 unmittelbar
vorgelagert ist, zu einer gemeinsamen längeren Ablöseblase verbunden ist. Durch die
Vereinigung der Ablöseblasen 8, 12 kann eine gemeinsame Ablöseblase mit einem flacheren
Ablösewinkel 7 erzielt werden, was eine Reduzierung des Bugwiderstandes zur Folge
hat.
[0027] Fig. 5. zeigt einen Flugkörper 1 in veränderten Flugbedingungen, insbesondere mit einem gegenüber
Fig. 4 verlängerten Aero-Spike 4. Für derartige Bedingungen ist die bugseitige Ablöseblase
8 über einen Bereich 9 angelegter Strömung getrennt von der heckseitigen Ablöseblase
12 hinter der Aero-Disk 10. Ziel der vorliegenden Erfindung ist es, einen derartigen
Bereich 9 einer angelegten Strömung zu vermeiden, so dass die Ablöseblasen 8, 12 ineinander
übergehen zu einer einzigen Ablösebase, wie dieses in
Fig. 6 dargestellt ist.
[0028] Dies wir erfindungsgemäß dadurch erreicht, dass aus einer Mantelfläche 13 des Aero-Spikes
4 Luft in Austrittsrichtungen 14 austritt, die "kissenartig" die Mantelfläche 13 umgibt
und die abgelöste Grenzschicht 6 von dem Aero-Spike 4 "weg drückt". Hierzu sind in
dem Aero-Spike Strömungskanäle 15 vorgesehen, die in die Mantelfläche 13 münden, beispielsweise
bei radialer Orientierung. Bei einem derartigen Strömungskanal kann es sich bspw.
um
- einen Schlitz, insbesondere einen Längsschlitz oder Querschlitz,
- eine Bohrung,
- eine Perforation,
- beliebige Ausnehmungen
handeln. Gemäß einem besonderen erfindungsgemäßen Vorschlag ist der Aero-Spike 4 zumindest
teilweise mit einem porösen Material gebildet, wobei in diesem Fall die Strömungskanäle
15 zumindest teilweise von Poren des porösen Materiales gebildet sein.
[0029] Gemäß
Fig. 7 besitzt der Aero-Spike 4 einen Stirnkörper 24, der hier als Aero-Disk 10 ausgebildet
ist und eine vordere Stirnfläche 25 und eine hintere Stirnfläche 26 besitzt. Von der
vorderen Stirnfläche 5 geht eine in Richtung der Längsachse 11-11 orientierte Längsausnehmung
16 aus, die beispielsweise als Sacklochbohrung ausgebildet ist und sich teilweise
in dem Aero-Spike 4 erstreckt. Hinter der Aero-Disk 10 ist die Längsausnehmung 16
mit einem hohlzylinderförmigen porösen Teilbereich 17 gebildet, bei dem Poren die
Strömungskanäle 15 bilden und die Längsausnehmung 16 mit der Mantelfläche 13 strömungsdurchlässig
verbinden. Bei bewegtem Flugkörper 1 wirkt ein Staudruck 18 in der Längsausnehmung
16, so dass es infolge des Druckgefälles zwischen dem Staudruck 18 in der Längsausnehmung
16 einerseits und im Bereich der Mantelfläche 13 andererseits zu einem Transport von
Luft von der Längsausnehmung 16 zu der Umgebung der Mantelfläche 13 des Aero-Spikes
4 kommt. Der poröse Teilbereich 17 ist vorzugsweise stoffschlüssig an einen endseitigen
Teilbereich 19 sowie einem der Stirnfläche 3 zugewandten Teilbereich 20 angebunden.
Der endseitige Teilbereich 19 kann ein- oder mehrstückig mit der Aero-Disk 10 ausgebildet
sein.
[0030] Fig. 8 zeigt schematisch eine im Wesentlichen Fig. 5 entsprechende Umströmung eines Flugkörpers
1 mit dem zugeordneten Druckverlauf über die Längserstreckung des Aero-Spikes 4. Hierbei
ist erfindungsgemäß festgestellt worden, dass im Bereich der Ablöseblase 12 ein Druck
21 vorherrscht, der kleiner ist als der Druck 22 im Bereich 9 angelegter Strömung,
wobei der Druck 22 im Wesentlichen p
∞ entspricht. Der Druck 22 im Bereich 9 der angelegten Strömung ist wiederum kleiner
als der Druck 23 im Bereich der bugseitigen Ablöseblase 8.
[0031] Fig. 9 zeigt eine erfindungsgemäße Ausgestaltung des Flugkörpers 1, bei der der Stirnkörper
24 bzw. eine Aero-Disk 10 mit einem porösen Material ausgebildet ist. In Folge der
Anströmung in Strömungsrichtung 2 bildet sich im Bereich der vorderen Stirnfläche
25 ein Staudruck aus, welcher bewirkt, dass Luft (vorzugsweise in Richtung der Längsachse
11-11) durch mit den Poren gebildete Strömungskanäle hindurchtritt und aus der hinteren
Stirnfläche 26 unter hohem Impulsverlust wieder austritt. Diese Luft führt zu einer
Strömung 27 mit geringer Geschwindigkeit benachbart zu dem Stirnkörper und im Bereich
der vorderen Mantelfläche des Aero-Spikes, welche bewirkt, dass sich hinter dem Stirnkörper
24 im Umgebungsbereich des Aero-Spikes 4 eine Art Luftkissen bildet, die eine heckseitige
Ablöseblase 12 verlängern kann und somit einem Anlegen der Strömung an den Aero-Spike
5 gemäß Fig. 5 entgegenwirkt (vgl. a. Fig. 10).
[0032] In
Fig. 10, 11 sind einzelne Partikel 28 des porösen Materials des Stirnkörpers 24 zu erkennen mit
zwischen benachbarten Partikeln 28 ausgebildeten Strömungkanälen 29. In Folge der
unregelmäßigen, stochastischen Anordnung der Partikel 28 ist die Längsachse der Strömungskanäle
29 kurvenförmig um die Partikel 28 gewunden. Der Querschnitt der Strömungskanäle 29
kann über den Verlauf desselben variieren. Es versteht sich, dass die Strömungskanäle
29 nicht zwingend in sich geschlossen sind, sondern vielmehr mit benachbarten (Teil-)Strömungskanälen
verbunden sein können, so dass diese verzweigen. Vorzugsweise erfolgt vorrangig eine
Durchströmung des Stirnkörpers 24 ungefähr parallel zur Längsachse 11-11, was durch
die Ausbildung der Strömungskanäle 29 und das verwendete Herstellungsverfahren für
das poröse Material vorgegeben sein kann und/oder durch die Druckverhältnisse, nämlich
eine starke Druckdifferenz im Bereich der vorderen Stirnfläche 25 einerseits und der
hinteren Stirnfläche 26 andererseits begünstigt sein kann.
[0033] Fig. 12, 13 zeigen eine alternative Ausführungsform, bei der der Stirnkörper 24 anstelle der
Strömungskanäle in Folge der Porösität oder zusätzlich zu diesen Bohrungen 30 besitzt,
die parallel zur Längsachse 11-11 orientiert sind. Die Bohrungen 30 können gleichmäßig
sowohl in radialer Richtung als auch in Umfangsrichtung verteilt sein oder, wie aus
Fig. 13 ersichtlich ist, unregelmäßig verteilt sein.
[0034] Fig. 14 zeigt eine Ausführungsform der Erfindung, bei der der Stirnkörper 24 im Wesentlichen
entsprechend dem in den Fig. 10, 11 dargestellten Stirnkörper ausgebildet ist. Zwischen
einer Stirnfläche 5 des Aero-Spikes und der rückseitigen Stirnfläche 26 des Stirnkörpers
24 ist ein Zwischenraum 31 gebildet, in den im Bereich der hinteren Stirnfläche 26
Luft aus den Strömungskanälen 29 eintritt. Über die Stirnfläche 5 des Aero-Spikes
4 wird diese Luft radial nach außen umgelenkt soweit, dass diese die Mantelfläche
des Aero-Spikes 4 (mit geringer Geschwindigkeit) umströmen kann und hier, wie bereits
zuvor erläutert, ein "Luftkissen" bilden kann. In Fig. 12 ist ein erforderliches Befestigungselement
zwischen dem Aero-Spike 4 sowie dem Stirnkörper 24 nicht dargestellt, wobei dieses
beliebig ausgebildet sein kann, beispielsweise geradlinig oder gekrümmt als sich zwischen
den beiden den Zwischenraum begrenzenden Bauelementen erstreckende Strebe, mehrere
derartige Streben oder Ähnliches, wobei über ein derartiges Befestigungselement ergänzend
eine Strömungsberuhigung und/oder eine Umlenkung der Strömung erfolgen kann. Ebenfalls
möglich ist, dass ein derartiges Befestigungselement ebenfalls porös ausgebildet ist.
[0035] Bei grundsätzlich Fig. 14 entsprechender Ausgestaltung mit einem Zwischenraum 31
zwischen Aero-Spike 4 und Stirnkörper 24 besitzt gemäß
Fig. 15 der poröse oder nicht poröse Stirnkörper 24 eine zentrische Durchgangsbohrung 32,
die koaxial zur Längsachse 11-11 orientiert ist. Die Durchgangsbohrung 32 besitzt
im Bereich der vorderen Stirnfläche 25 einen Durchmesser, der kleiner ist als der
Durchmesser der Stirnfläche 5 des Aero-Spikes 4. Der Durchmesser der Durchgangsbohrung
32 vergrößert sich in Richtung des Aero-Spikes 4 kontinuierlich in einem Ausmaß derart,
dass der Durchmesser der Durchgangsbohrung 32 im Bereich der hinteren Stirnfläche
26 größer ist als der der Stirnfläche 5 des Aero-Spikes 4. In einem Halblängsschnitt
ist die Durchgangsbohrung beliebig kurvenförmig ausgebildet, beispielsweise halbkreisförmig
oder parabelförmig. Für eine derartige Gestaltung kann somit die Strömung 27 bereits
in der Durchgangsbohrung 32 eine radial orientierte Komponente erhalten, während weiterhin
die Stirnfläche 5 des Aero-Spikes für eine Umlenkung der Luft radial nach außen in
dem Zwischenraum 31 erforderlich sein kann.
[0036] Für das in
Fig. 17 dargestellte Ausführungsbeispiel tritt die Luft vorrangig parallel zur Längsachse
11-11 durch den porösen Stirnkörper 24 hindurch. In dem dem Stirnkörper 24 benachbarten
Endbereich 33 ist der Aero-Spike 4 kegelförmig ausgebildet, was zur Folge hat, dass
die Strömung 27 entsprechend dem Öffnungswinkel des kegelförmigen Endbereiches 33
mit einer radialen Komponente versehen wird und sich die Strömung 27 mit geringer
Geschwindigkeit an die weitere Mantelfläche des Aero-Spikes 4 zur Ausbildung eines
"Luftkissens" anlegen kann.
[0037] Fig. 18 zeigt die Befestigung des Stirnkörpers 24 über einen stangenförmigen Aero-Spike 4
an einer Stirnfläche 3 des Flugkörpers 1, wobei der Aero-Spike 4 mit einem konstanten
Durchmesser mit einem Vollprofil oder Hohlprofil aus geschlossenem oder porösem Material
ausgebildet sein kann. Aero-Spike 4 sowie Stirnkörper 24 sind koaxial zur Längsachse
11-11 angeordnet.
[0038] Für das in
Fig. 19 dargestellte Ausführungsbeispiel erstreckt sich der Aero-Spike 4 nicht vollständig
bis zu der Stirnfläche 3 des Flugkörpers 1. Vielmehr beträgt die Länge des Aero-Spikes
4 lediglich ca. 2/3 des Abstands des Stirnkörpers 24 von der Stirnfläche 3. Der Aero-Spike
4 ist in diesem Fall über ein zusätzliches Halteelement 34 gehalten, welches in einem
Endbereich an der Stirnfläche 3 angebunden ist sowie im anderen Endbereich an dem
der Stirnfläche 3 zugewandten Endbereich des verkürzten Aero-Spikes 4 angebunden ist.
Bei dem Halteelement 4 kann es sich beispielsweise um mehrere über den Umfang verteilte
Streben handeln. Vorzugsweise ist das Halteelement 34 als kegelartiger Körper ausgebildet
mit in Umfangsrichtung durchgehender Mantelfläche.
[0039] Fig. 20 zeigt eine im Wesentlichen Fig. 19 entsprechende Ausgestaltung, wobei allerdings
hier sowohl der Stirnkörper 24 als auch der Aero-Spike 4 mit oder aus einem porösen
Material gebildet sind. Für das in Fig. 20 dargestellte Ausführungsbeispiel besitzt
der Aero-Spike eine koaxial zur Längsachse 11-11 orientierte Längsausnehmung 16, die
sich als einseitig offene Bohrung von einem Innenraum des Halteelementes 34 bis zu
dem Stirnkörper 24 erstreckt.
[0040] Für das in
Fig. 21 dargestellte Ausführungsbeispiel ist der Aero-Spike 4 vollständig entfallen, wobei
sich in diesem Fall das Halteelement 34 von der Stirnfläche 3 des Flugkörpers 1 bis
zu dem Stirnkörper 24 erstreckt.
[0041] Schließlich zeigt
Fig. 22 die Ausbildung des Halteelements 24 als Strebe 35. Die Strebe ist ungefähr bündig
an die Mantelfläche des Flugkörpers bei anfänglich paralleler Orientierung zur Längsachse
11-11. Da für das dargestellte Ausführungsbeispiel der Stirnkörper 24 einen geringeren
Durchmesser besitzt als die Stirnfläche 3 des Flugkörpers 1 ist die Strebe 35 in dem
dem Stirnkörper 24 zugewandten Endbereich in Richtung der Längsachse 11-11 gekrümmt
ausgebildet und in dem in Fig. 22 unteren Randbereich an dem Stirnkörper 24 angebunden.
[0042] Abweichend zu der in den Fig. 9 bis 22 dargestellten scheibenförmigen Ausbildung
des Stirnkörpers 24 kann dieser eine beliebige Geometrie aufweisen, beispielsweise
als poröse Kugel, Halbkugel, Kegel, als rotationssymmetrischer Körper, als Vollmaterial
oder innen hohl oder als Material mit einer porösen äußeren Schale ausgebildet sein.
[0043] In Fig. 15 bildet die Stirnfläche 5, in Fig. 17 die Mantelfläche des Endbereichs
33, in Fig. 14 die Stirnfläche 5 eine Umlenkeinrichtung 36, die eine grundsätzlich
parallel zur Längsachse 11-11 orientierte Strömung 27 an dem Aero-Spike 4 vorbeiführt
unter Erzeugung zumindest einer radial orientierten Komponente der Strömung 27.
[0044] In den Figuren sind die Partikel zur Bildung der Poren schematisch und vergrößert
dargestellt. Beispielsweise können die Poren für den Einsatz eines Sintermetalles
eine Porengröße von ca. 10 µm bis ca. 0,3 mm besitzen.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0045]
- 1
- Flugkörper
- 2
- Strömungsrichtung
- 3
- Stirnfläche Flugkörper
- 4
- Aero-Spike
- 5
- Stirnfläche Aero-Spike
- 6
- abgelöste Grenzschicht
- 7
- Ablösewinkel
- 8
- bugseitige Ablöseblase
- 9
- Bereich angelegter Strömung
- 10
- Aero-Disk
- 11
- Längsachse
- 12
- heckseitige Ablöseblase
- 13
- Mantelfläche
- 14
- Austrittsrichtung
- 15
- Strömungskanal
- 16
- Längsausnehmung
- 17
- poröser Teilbereich
- 18
- Staudruck
- 19
- endseitiger Teilbereich
- 20
- nasenseitiger Teilbereich
- 21
- Druck
- 22
- Druck
- 23
- Druck
- 24
- Stirnkörper
- 25
- vordere Stirnfläche
- 26
- hintere Stirnfläche
- 27
- Strömung
- 28
- Partikel
- 29
- Strömungskanal
- 30
- Bohrung
- 31
- Zwischenraum
- 32
- Durchgangsbohrung
- 33
- Endbereich
- 34
- Halteelement
- 35
- Strebe
- 36
- Umlenkeinrichtung
1. Flugkörper für den Überschallbereich mit einem sich von einer vorderen Stirnfläche
(3) erstreckenden Aero-Spike (4), wobei der Aero-Spike (4) einen Stirnkörper (24)
aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass der Stirnkörper (24) mit einem porösen Material gebildet ist, dessen offene Poren
Strömungskanäle (29) bilden.
2. Flugkörper nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Stirnkörper (24) mit einem Sintermaterial gebildet ist.
3. Flugkörper nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Stirnkörper (24) mit Keramik gebildet ist.
4. Flugkörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Stirnkörper (24) eine Aero-Disk (10) ist.
5. Flugkörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Stirnkörper (24) eine quer zur Längsachse (11-11) des Flugkörpers (1) orientierte
Stirnfläche (25) aufweist.
6. Flugkörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass stromabwärts der Strömungskanäle (29) des Stirnkörpers (24) eine Umlenkeinrichtung
(36) vorgesehen ist, die die Strömungskanäle (29) durchströmende Luft radial nach
außen umlenkt.
7. Flugkörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Aero-Spike (4) mit einer Stange gebildet ist, welche den Stirnkörper (24) trägt
und die über einen Tragkörper, Halteelement (34) oder mindestens eine Strebe (35)
gegenüber der vorderen Stirnfläche (3) abgestützt ist.
8. Flugkörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Stirnkörper (24) und die oder eine den Stirnkörper (24) tragende Stange oder
Strebe (35) mit einem porösen Material gebildet sind.
9. Flugkörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Stirnkörper (24) über eine abseits der Längsachs$e (11-11) des Flugkörpers (1)
verlaufende Strebe (35) gegenüber der vorderen Stirnfläche (3) abgestützt ist.