[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Abwehr und zum Schutz von Geschossen,
insbesondere Hohlladungsgeschossen gemäss dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Es ist bekannt, zur Abwehr von Hohlladungsgeschossen beispielsweise an Kampffahrzeugen
eine Art Schutzgitter rund herum bzw. mehrere gitterartige Schutzwände aus Stahlprofilen
und Stahllamellen und/oder ähnlichen geschweissten Stahlelementen anzubringen, deren
Zweck ist, die Geschosse zu stören und dadurch ausser Funktion zu setzen oder zumindest
ihre volle Auswirkung zu verhindern. Derartige Vorrichtungen sind relativ massiv,
ihre Montage nicht einfach (es werden viele Verbindungsteile benötigt) und sie beeinträchtigen
oft die Sicht und reduzieren durch ihr relativ grosses Gewicht die Nutzlasten dieser
Fahrzeuge.
[0003] Insbesondere bietet dieses erfindungsgemässe Geflecht Schutz gegen Granatgeschosse
mit Hohlladungsgeschossen oder ähnlichen Geflechtsköpfen.
[0004] Weitere Anwendungsmöglichkeiten dieser speziellen Schutzgeflechte gibt es aber auch
im Bereich von beispielsweise Container-Schutz, Immobilienschutz, Perimeterschutz,
Schutz von maritimen Einrichtungen, Schiffen, Plattformen, Verstärkung von Fensterfronten,
etc.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung der eingangs
genannten Art zu schaffen, die gewichtmässig vorteilhaft ist, bessere Sichtverhältnisse
für die Besatzung schafft und eine hohe Sicherheit für das zu schützende Objekt bietet.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des
Anspruches 1 gelöst.
[0007] Weitere bevorzugte Ausgestaltungen der erfindungsgemässen Vorrichtung bilden den
Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0008] Die erfindungsgemässe Vorrichtung zur Abwehr von Geschossen, insbesondere Hohlladungsgeschossen,
deren Schutzwand bzw. Schutzwände aus einem vorzugsweise rautenförmige Maschen bildenden
Geflecht besteht bzw. bestehen, ist im Vergleich zu den herkömmlichen Schutzgittern
wesentlich leichter, und ihr Aufbau (Montage und Demontage) ist erheblich einfacher.
Es werden wesentlich weniger Verbindungsteile gebraucht, insbesondere wenn für die
Befestigung durch Randmaschen und/oder durch schlaufenartigen Endelemente geführte
Drähte, Seile oder Stangen verwendet werden. Die Vorrichtung ist zum Beispiel mit
dem Flugzeug leicht transportierbar, da das Drahtgeflecht zusammengelegt oder zusammengerollt
werden kann. Ebenfalls können diese speziellen Geflechte dank ihrer Materialbeschaffenheit
vorgespannt werden, ohne dass es gleich zu plastischen Verformungen kommt, was den
Einbau erleichtert und die Funktion auf den Fahrzeugen optimiert.
[0009] Nebst dem bietet diese Vorrichtung eine hohe Sicherheit in dem Sinne, dass solche
Geschosse durch diese Geflechte gestört und dadurch quasi zu Blindgängern werden.
Sie verlieren dabei ihre Wirkung, weil dieser normalerweise beim Aufprall entstehende
Flüssigmetallstrahl nicht auftritt oder stark gestört wird.
[0010] Zudem wird - wenn beispielsweise ein Kraftfahrzeug mit der erfindungsgemässen Vorrichtung
geschützt wird - die Sicht z.B. für den Kampffahrzeugfahrer oder für die Besatzung
wesentlich besser als bei den herkömmlichen Schutzgittern.
[0011] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein Kampffahrzeug als ein Ausführungsbeispiel eines vor Granatgeschossen zu schützenden
Objekts, ausgerüstet mit einer erfindungsgemässen Vorrichtung zur Abwehr von Geschossen;
und
- Fig. 2
- einen Teil der Vorrichtung zur Abwehr von Geschossen nach Fig. 1 in einem vergrösserten
Massstab.
[0012] In Fig.1 ist als Beispiel eines vor Geschossen, insbesondere Hohlladungsgeschossen,
wie beispielsweise Granatgeschossen, zu schützenden Objektes ein Kampffahrzeug 1 dargestellt,
das mit einer erfindungsgemässen Vorrichtung 2 zur Abwehr von Geschossen ausgerüstet
ist. Die Vorrichtung 2 weist mehrere rund um das Kampffahrzeug 1 herum angeordnete
Schutzwände auf, die erfindungsgemäss aus einem Drahtgeflecht 3 bestehen. Beim Drahtgeflecht
3 handelt es sich um ein Diagonalgeflecht, das rautenförmige Maschen 4 bildet und
vorzugsweise aus Stahldrähten geflochten ist.
[0013] Eine besonders bevorzugte Ausführungsform des Drahtgeflechtes 3 ist in Fig. 2 veranschaulicht.
Gemäss Fig. 2 ist das Drahtgeflecht 3 aus wendelförmig gebogenen Drähten 5, 6, 7,
8 etc. geflochten, die einen Steigungswinkel α (vorzugsweise 25° bis 35°) aufweisen.
Es werden jeweils zwei benachbarte Drähte 5, 6; 6, 7; 7, 8 etc. im Bereich A ihrer
Biegungen zueinander gelenkig gehalten. Das Drahtgeflecht 3 weist eine dreidimensionale
Struktur mit einer Dicke auf, die ein Mehrfaches der Drahtdicke beträgt.
[0014] Die Drähte 5 bis 8 sind an ihren Enden mit Schlaufen oder Knoten 5a, 6a, 7a, 8a etc.
versehen und durch diese paarweise miteinander gelenkig verbunden.
[0015] Durch die gelenkige Verbindung der benachbarten Drahtpaare sowohl in den Anlenkungsbereichen
A als auch in den Endbereichen kann das Drahtgeflecht 3 problemlos für die Lagerung
und den Transport zusammengelegt bzw. zusammengerollt werden.
[0016] Es ist auch möglich, dieses Drahtgeflecht mit einem Mitteldraht zwischen den Berührungspunkten
der einzelnen Wendel auszubilden. Es eignet sich zudem ein Geflecht mit einer Ausbildung,
welches aus zwei oder mehreren Drähten oder Drahtlitzen aus Stahl gebildet ist (siehe
EP-A- 1 628 790).
[0017] Am oberen und am unteren Ende des Drahtgeflechtes 3 kann in den wendelförmig gebogenen
Randdraht 5 je ein Draht, ein Seil, eine Stange 10 oder ein anderes Rahmenelement
eingeschlauft werden, mittels denen das Drahtgeflecht 3 in seiner Längsstreckung gespannt
werden kann, und die dann am Kampffahrzeug 1 befestigt werden. Für die Befestigung
am Kampffahrzeug 1 könnten allerdings auch entsprechende Befestigungsmittel direkt
die Randdrahtschlaufen 5' halten. Das Drahtgeflecht 3 kann auch seitlich mittels ähnlichen,
durch die Schlaufen oder Knoten 5a, 6a, 7a, 8a etc. geführten Elementen (Drähte, Seile,
Stangen oder direkt eingreifende Befestigungsmittel) befestigt werden.
[0018] Die einzelnen Schutzwände der Vorrichtung 2 können auch durch Drahtgeflechtabschnitte
mit einem z.B. aus Stangen gebildeten Rahmen begrenzt sein und die Vorrichtung 2 aus
diesen zusammenmontiert werden. Befestigungselemente können auch durch Seile, Drähte
oder Litzen ausgebildet sein. Je nach Anwendung ist zudem auch das leicht runde, konische,
konkave und/oder konvexe Aufspannen auf eine Oberfläche vorteilhaft.
[0019] Die Grösse der rautenförmigen Maschen 4, insbesondere ihr Inkreisdurchmesser B (Fig.
2) ist so gewählt, dass sie im wesentlichen dem maximalen Durchmesser der abzuwehrenden
Granatgeschosse entspricht oder etwas kleiner oder grösser ist als dieser Durchmesser.
Das Granatgeschoss kann zwar durch die Masche 4 hindurchdringen, wird jedoch durch
Berührung des Geflechts gestört und dabei im gewissen Sinne "beschädigt", so dass
es zu der vorgesehenen Explosion gar nicht kommt oder diese nur im reduzierten Masse
erfolgt. Die dreidimensionale Struktur des Drahtgeflechtes (3) trägt dazu bei, dass
insbesondere bei schräg eintreffenden Einschüssen die Wahrscheinlichkeit, dass das
Geschoss das Drahtgeflecht (3) berührt, grösser ist als bei einem flachen, lediglich
eine der Drahtdicke entsprechende Dicke aufweisenden Drahtgeflecht.
[0020] Die erfindungsgemässe Vorrichtung zur Abwehr von Granatgeschossen ist im Vergleich
zu den herkömmlichen Schutzgittern wesentlich leichter, und ihr Aufbau (Montage und
Demontage) ist erheblich einfacher, da wesentlich weniger Verbindungsteile gebraucht
werden, insbesondere wenn die vorstehend erwähnten, durch die Randmaschen und/oder
durch die schlaufenartigen Endelemente geführten Drähte, Seile oder Stangen für die
Befestigung verwendet werden.
[0021] Die Vorrichtung ist zum Beispiel mit dem Flugzeug leicht transportierbar, da das
Drahtgeflecht zusammengelegt oder zusammengerollt werden kann. Zudem wird die Sicht
z.B. für den Kampffahrzeugfahrer oder für die Besatzung wesentlich besser als bei
den herkömmlichen Schutzgittern. Das Drahtgeflecht kann näher zum Objekt angeordnet
werden, dies aufgrund der Vorspannung im Geflecht sowie aufgrund des optimalen Spannungs-Dehnungsverhaltens
sowie des Deformationsverhaltens des Spezialgeflechtes, so dass beispielsweise bei
einem Kampffahrzeug seine Gesamtbreite reduziert werden kann, was den Einsatz z.B.
in Städten erleichtert.
[0022] Selbstverständlich kann die erfindungsgemässe Vorrichtung zur Abwehr von Granatgeschossen
zum Schutze von vielen anderen Objekten als von Kampffahrzeugen oder fahrbaren Objekten
generell eingesetzt werden. So können z.B. auch strategisch wichtige Objekte wie beispielsweise
überwachte Einfahrten mit der erfindungsgemässen Vorrichtung ausgerüstet sein (da
würde unter Umständen eine einzige Schutzwand ausreichen) oder andere Objekte auch
nur vorübergehend geschützt werden.
[0023] Es ist besonders vorteilhaft, das Drahtgeflecht 3 aus Drähten herzustellen, die aus
einem hochfesten Stahl mit einer Nennfestigkeit zwischen 1'000 und 3'000 N/mm
2 bestehen, wobei es sich auch um Federstahldrähte nach der DIN-Norm 17223 handeln
kann. Dies erlaubt, bei gleicher Festigkeit wesentlich dünnere Drähte zu verwenden,
wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Granatgeschoss frontal mit dem Zündteil direkt
auf einen Draht auftrifft und folglich doch zu einer Vollexplosion kommt, vermindert
wird. Zudem wird das Gesamtgewicht der erfindungsgemässen Vorrichtung noch weiter
reduziert und die Sicht z.B. für den Kampffahrzeugfahrer oder für die Besatzung noch
weiter verbessert.
[0024] Die Maschengrösse eines Geflechtes 3 kann aber auch derart gering gewählt werden,
dass das Geflecht eine Schutzschildfunktion ausübt. Bei einem Aufprall eines Granatgeschosses
entsteht dann immer oder zumindest grösstenteils eine Detonation. Aber aufgrund eines
ausreichenden Abstandes des Geflechtes zum Objekt 1 kann eine Beschädigung vom Objekt
verhindert bzw. stark verringert werden. Die Maschengrösse respektive der Innkreisdurchmesser
des Geflechtes beträgt in einem solchen Falle vorteilhaft weniger als 30 mm.
[0025] Anstelle von einzelnen, vorzugsweise wendelförmig gebogenen Drähten könnten für das
Drahtgeflecht 3 auch Drahtelemente wie Drahtlitzen, Drahtseile, Drahtbündel oder ähnlichem
verwendet werden.
[0026] Das Geflecht 3 kann grundsätzlich aus rechteckigen, dreieckigen, polygon- und/oder
rautenförmigen Maschen 4 bestehen. Es könnte auch eine wabenförmige oder hexagonale
Ausbildung wie bei Gartenhagnetzen aufweisen. Es ist weiter möglich, dass aus Kunststoffen
und/oder Teilen von Kunststoffen und/oder Teilen von kombinierten Werkstoffen solche
Geflechtsstrukturen nachgeformt oder andersartig hergestellt werden, welche dann auch
die bereits erwähnten Maschenformen ergeben können.
[0027] Als Geflecht kann grundsätzlich auch ein solches verstanden werden, welches als Netz
ausgebildet ist, wie dies zum Beispiel in der Druckschrift
EP-A-0 679 457 dargelegt ist.
1. Vorrichtung zur Abwehr und zum Schutz von Geschossen, insbesondere Hohlladungsgeschossen,
mit mindestens einer gitterartigen Schutzwand zum Schutze eines Objektes (1) durch
Ablenkung, Teilauslösung, Auslösung und/oder Beschädigung der Geschosse, dadurch gekennzeichnet, dass
die Schutzwand aus einem Maschen (4) bildenden Geflecht (3) besteht.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Geflecht (3) aus rechteckigen, dreieckigen, hexagonalen, polygon- und/ oder rautenförmigen
Maschen (4) besteht.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschen (4) eine Inkreisdurchmesser (B) aufweisen, die im wesentlichen dem Geschossdurchmesser
entspricht oder etwas kleiner bzw. leicht grösser ist als dieser Durchmesser.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Geflecht (3) aus Stahldrähten, Seilen, Litzen und/oder aus Kunststoff geflochten
ist oder aus Kunststoffen so hergestellt ist, dass sich eine Art Geflechtsstruktur
ergibt.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Geflecht (3) aus wendelförmig gebogenen Drähten (5, 6, 7, 8) geflochten ist,
wobei jeweils zwei benachbarte wendelförmige Drähte (5, 6; 6, 7; 7, 8) zueinander
gelenkig gehalten sind, wobei die Drähte (5, 6, 7, 8) an ihren Enden mit Schlaufen
oder Knoten (5a, 6a, 7a, 8a) versehen sind, und die miteinander verflochtenen wendelförmigen
Drähte (5, 6, 7, 8) paarweise über diese Endelemente (5a, 6a, 7a, 8a) miteinander
gelenkig verbunden sind.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Geflecht (3) eine Dicke aufweist, die wenigstens mehr als das Doppelte der Drahtdicke
beträgt.
7. Vorrichtung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Drähte des Geflechtes (3) aus einem hochfesten Stahl mit einer Nennfestigkeit
zwischen 900 und 3'000 N/mm2 bestehen.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Geflecht (3) mehrere Schutzwände für das Objekt (1) bildet und am Objekt (1)
befestigbar ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Geflecht (3) an einem fahrbaren Objekt (1) montierbar ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass durch Randmaschen des Geflechtes (3) und/oder durch die die wendelförmigen Drähte
(5, 6, 7, 8) paarweise verbindende Endelemente (5a, 6a, 7a, 8a) Drähte, Seile oder
Stangen (10) geführt sind, über welche das Geflecht (3) am Objekt (1) befestigbar
ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die einzelnen Schutzwände durch Geflechtabschnitte gebildet sind, die durch eine
aus Stangen gebildeten Rahmen begrenzt sind, wobei die Stangen durch Randmaschen des
Geflechtes (3) und durch die die wendelförmigen Drähte (5, 6, 7, 8) paarweise verbindende
Endelemente (5a, 6a, 7a, 8a) hindurchgeführt sind.
12. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschengrösse derart gering ist, dass das Geflecht eine Schutzschildfunktion
ausübt, so dass bei einem Aufprall eines Granatgeschosses eine Detonation, Auslösung
oder Teilauslösung des Geschosses erfolgt, dass aber aufgrund eines ausreichenden
Abstandes des Geflechtes zum Objekt (1) eine Beschädigung von letzterem verhindert
bzw. stark verringert werden kann.
13. Vorrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschengrösse weniger oder leicht mehr als 30 mm beträgt.