(19)
(11) EP 1 946 676 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
23.07.2008  Patentblatt  2008/30

(21) Anmeldenummer: 07121220.3

(22) Anmeldetag:  21.11.2007
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
A47C 7/14(2006.01)
A47C 9/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MT NL PL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL BA HR MK RS

(30) Priorität: 16.01.2007 DE 102007002284

(71) Anmelder: WILKHAHN WILKENING + HAHNE GMBH + CO.
31848 Bad Münder 2 (DE)

(72) Erfinder:
  • Becker, Erich
    31832, Springe (DE)
  • Büttner, Heiko
    30161, Hannover (DE)
  • Gehner, Carsten
    30163, Hannover (DE)

(74) Vertreter: Tetzner, Michael et al
Anwaltskanzlei Dr. Tetzner Van-Gogh-Strasse 3
81479 München
81479 München (DE)

   


(54) Stuhl


(57) Der erfindungsgemäße Stuhl weist einen Sitz (1) und eine Sitzmechanik (2) auf, wobei der Sitz (1) und die Sitzmechanik (2) derart ausgebildet sind, dass die eine Seite des Sitzes (1) bei der seitlichen Schwenkbewegung des Sitzes (1) unabhängig von der anderen Seite des Sitzes (1) bewegbar ist, wobei der Sitz (1) um eine Schwenk- bzw. Drehachse (22) schwenkbar gelagert ist, die parallel zur Knieachse des Benutzers liegt.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft einen Stuhl mit einem Sitz und einer Sitzmechanik, wobei die Sitzmechanik eine seitliche Schwenkbewegung des Sitzes erlaubt.

[0002] Aus der Praxis sind Konzepte bekannt, die eine allseitige Schwenkbarkeit des Sitzes erlauben. Hierbei liegt das Schwenkgelenk zentral nahe der vertikale Mittelachse durch die Sitzfläche (siehe beispielsweise EP-B-1 051 931). Dieses Mechanikkonzept hat jedoch den Nachteil, dass das Sitzen eine ständige Mitwirkung des Benutzers erfordert, um ein ungewolltes Abkippen zu verhindern. Zwar lässt sich oft die Flexibilität in ihrer Härte einstellen, jedoch wird dadurch die Bewegungsfreiheit und dadurch die Anpassung an die Körperbewegungen des Benutzers eingeschränkt.

[0003] Aus der US 5,713,632 ist ein Stuhl bekannt, der zwei Sitzhälften aufweist, die jeweils um eine etwa parallel zum Oberschenkel eines Benutzers verlaufende Achsen verschwenkbar sind. Dieser Stuhl soll ein bequemes Sitzen auch über einen längeren Zeitraum ermöglichen.

[0004] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde ein neues Bewegungskonzept zu entwickeln, das einerseits eine seitliche Schwenkbewegung des Sitzes erlaubt, aber dennoch dem Benutzer auch in der geraden Stellung genügend Sicherheit und Stabilität vermittelt.

[0005] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Merkmale des Anspruches 1 gelöst.

[0006] Der erfindungsgemäße Stuhl weist insbesondere einen Sitz und eine Sitzmechanik auf, wobei der Sitz und die Sitzmechanik derart ausgebildet sind, dass die eine Seite des Sitzes bei der seitlichen Schwenkbewegung des Sitzes unabhängig von der anderen Seite des Sitzes bewegbar ist, und wobei der Sitz um eine Schwenk- bzw. Drehachse schwenkbar gelagert ist, die parallel zur Knieachse des Benutzers liegt.

[0007] Im Gegensatz zu den bisher verfolgten Konzepten, bei welchen der gesamte Sitz und insbesondere die gesamte Sitzfläche als starres Element nach rechts oder links kippen, soll der erfindungsgemäße Sitz so ausgebildet sein, dass die rechte und linke Seite des Sitzes unabhängig voneinander bewegbar sind. Ein derartiger Stuhl ist in der Lage dem Benutzer bei seinen natürlichen dreidimensionalen Bewegungen zu folgen und dabei dennoch in der geraden Haltung genügend Sicherheit zu bieten.

[0008] Weitere Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.

[0009] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist der Sitz eine Sitzfläche und eine Rückenlehne auf, wobei Rückenlehne und Sitzfläche relativ zueinander beweglich sind.

[0010] Gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel weist die Sitzmechanik zwei seitliche, unabhängig voneinander reagierende Tragarme auf, an welchen der Sitz befestigt ist. Die beiden Tragarme sind dabei vorzugsweise im Bereich der Knieachse eines Benutzers schwenkbar gelagert. Die Verbindung des Sitzes mit dem Tragarmen kann beispielsweise mittels Kugelgelenken erfolgen, wobei ein erstes und ein zweites Kugelgelenk im unteren Bereich der Rückenlehne des Sitzes und ein drittes und viertes Kugelgelenk im vorderen Bereich der Sitzfläche angeordnet sein können.

[0011] Gemäß einer zweiten Ausgestaltung der Erfindung ist der Sitz lediglich im vorderen Bereich seiner Sitzfläche mit der Sitzmechanik verbunden. Dabei können insbesondere für die Relativbewegung von Rückenlehne und Sitzfläche zwei unabhängig voneinander abgefederte Biege- oder Schwenkzonen zwischen Rückenlehne und Sitzfläche vorgesehen werden. Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die Sitzfläche dabei schwenkbeweglich an einem Basisträger und die Rückenlehne schwenkbeweglich der Sitzfläche gehaltert, wobei zwischen Basisträger und Sitzfläche ein erstes Federsystem und zwischen Sitzfläche und Rückenlehne ein zweites Federsystem vorgesehen sind.

[0012] Als weitere Ausgestaltung können dabei Mittel zur Verstellung des Federverhaltens beide Federsysteme vorgesehen werden, um die Schwenkbeweglichkeit der Sitzfläche bezüglich dem Basisträger bzw. die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne bezüglich der Sitzfläche an unterschiedlicher Anforderungen, insbesondere unterschiedlich schwere Benutzer anpassen zu können.

[0013] Gemäß einem dritten und vierten Ausführungsbeispiel der Erfindung ist die Sitzmechanik so ausgebildet, dass sie eine mechanische Synchronisierung von Sitzflächen- und Rückenlehneneigung bewirkt.

[0014] Im einem fünften Ausführungsbeispiel der Erfindung sind Sitzfläche und Rückenlehne einstückig ausgebildet, wobei dennoch die rechte und linke Seite des Sitzes relativ zueinander bewegbar sind.

[0015] Weitere Vorteile und Ausgestaltung der Erfindung werden im Folgenden anhand der Beschreibung einiger Ausführungsbeispiele und der Zeichnung näher erläutert.

[0016] In der Zeichnung zeigen
Fig. 1a - Fig. 1c
verschiedene Ansichten (Draufsicht, Rückansicht, Seitenansicht) eines Stuhls gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel,
Fig. 1d und Fig. 1 e
Rückansichten des Stuhles in der aufrechten bzw. seitlich geneigten Stellung,
Fig. 1f und Fig. 1g
Seitenansichten des Stuhles in der Normalposition bzw. in der zurückgeneigten Stellung,
Fig. 1h bis Fig. 1j
Seitenansichten des Stuhles in unterschiedlich geneigten Positionen mit Mitteln gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel,
Fig. 2a - Fig. 2c
verschiedene Ansichten (Draufsicht, Rückansicht, Seitenansicht) eines Stuhls gemäß einem dritten Ausführungsbeispiel,
Fig. 2d und Fig. 2e
Rückansichten des Stuhles in der aufrechten bzw. seitlich geneigten Stellung,
Fig. 2f und Fig. 2g
Seitenansichten des Stuhles in der Normalposition bzw. in der zurückgeneigten Stellung.
Fig. 2h und Fig. 2i
Seitenansichten des Stuhles in der Normalposition bzw. in der zurückgeneigten Stellung, wobei der Abstand der beiden Gelenkachsen gegenüber der Darstellung in den Fig. 2f und Fig. 2g verkürzt ist,
Fig. 3a - Fig. 3c
verschiedene Ansichten (Draufsicht, Rückansicht, Seitenansicht) eines Stuhls gemäß einem vierten Ausführungsbeispiel,
Fig. 3d und Fig. 3e
Rückansichten des Stuhles in der aufrechten bzw. seitlich geneigten Stellung,
Fig. 3f und Fig. 3g
Seitenansichten des Stuhles in der Normalposition bzw. in der zurückgeneigten Stellung.
Fig. 4a - Fig. 4c
verschiedene Ansichten (Draufsicht, Rückansicht, Seitenansicht) eines Stuhls gemäß einem fünften Ausführungsbeispiel,
Fig. 4d und Fig. 4e
Rückansichten des Stuhles in der aufrechten bzw. seitlich geneigten Stellung.
Fig. 4f und Fig. 4g
Seitenansichten des Stuhles in der Normalposition bzw. in der zurückgeneigten Stellung.


[0017] Der in Fig. 1a bis Fig. 1g dargestellte Stuhl gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel besteht im Wesentlichen aus einem Sitz 1, eine Sitzmechanik 2 sowie einen Basisträger 3. Der Sitz weist wiederum eine Sitzfläche 10 und eine Rückenlehne 11 auf, die relativ zueinander beweglich sind. Die relative Beweglichkeit kann dabei durch eine geeignete Schwenk- oder Biegezone gebildet werden, wobei Sitzfläche 10 und Rückenlehne 11 sowohl einstückig als auch durch separate Teile ausgebildet sein können.

[0018] Der Basisträger weist in üblicherweise ein beliebig ausgestaltetes Fußgestell auf und dient zur Halterung des Sitzes sowie der Sitzmechanik.

[0019] Die Sitzmechanik 2 weist im dargestellten Ausführungsbeispiel zwei seitliche, unabhängig voneinander reagierende Tragarme 20, 21 auf, an denen der Sitz 1 befestigt ist. Die beiden Tragarme 20, 21 sind um eine Schwenk- oder Drehachse 22 schwenkbar gelagert, wobei die Schwenk- bzw. Drehachse 22 derart am Basisträger 3 gehaltert ist, dass die Schwenk- oder Drehachse 22 etwa im Bereich der Knieachse eines Benutzers angeordnet ist.

[0020] Der Sitz 1 ist im dargestellten Ausführungsbeispiel mittels Kugelgelenken an den Tragarmen 20, 21 gelagert. Dabei ist ein erstes und ein zweites Kugelgelenk 23, 24 im unteren Bereich der Rückenlehne 11 und ein drittes und viertes Kugelgelenk 25, 26 im vorderen Bereich der Sitzfläche 10 angeordnet. Die Kugelgelenke 23, 24 bzw. 25, 26 sind jeweils symmetrische zur Mittelebene 4 des Stuhles angeordnet. Der Abstand des ersten und zweiten Kugelgelenks 23, 24 zur Hüftgelenkachse eines Benutzers beträgt vorzugsweise weniger als 0,2 m. Weiterhin beträgt der Abstand a der beiden Kugelgelenke zwischen 0,1 m und 0,5 m.

[0021] Weiterhin ist die Sitzfläche 10 im Bereich des dritten und vierten Kugelgelenks 25, 26 und/oder die Rückenlehne 11 im Bereich des ersten und zweiten Kugelgelenks 23, 24 relativ zu den Tragarmen 20, 21 verschiebbar gehaltert. Im konkreten Ausführungsbeispiel ist die Verschiebbarkeit des dritten und vierten Kugelgelenks 25, 26 vorgesehen, welche sich dann ergibt, wenn die Rückenlehne nach hinten bzw. vorne schwenkt, wie das aus denen Fig. 1f und Fig. 1g ersichtlich wird. Die Schwenkbewegung der Rückenlehne verursacht nicht nur eine Verschiebung der Sitzfläche nach vorne, sondern bewirkt auch ein Schwenken der Rückenlehne 11 um das erste bzw. zweite Kugelgelenk 23, 24. Die Rückenlehne 11 und die Sitzfläche 10 sind außerdem derart miteinander gekoppelt, dass ein Schwenken der Rückenlehne nach hinten ein Anheben der Sitzfläche relativ zu den Tragarmen bewirkt. Dieses Anheben der Sitzfläche erfolgt vor allem im hinteren Teil der Sitzfläche, wobei durch die gleichzeitige Absenkung der Tragarme insgesamt einer Bewegung des hinteren Teils der Sitzfläche 10 nach unten bewirkt wird.

[0022] Die Schwenkbewegung der Rückenlehne 11 nach hinten wird somit im Wesentlichen durch die Schwenkbewegung der Tragarme 10, 21 um die Schwenk- oder Drehachse 22 realisiert. Die Verschiebbarkeit der Kugelgelenke 25, 26 ermöglicht zudem beim Zurücklehnen eine Vergrößerung des Winkels zwischen Sitzfläche 10 und Rückenlehne 11.

[0023] Gemäß einem zweiten Ausführungsbeispiel sind die Kugelgelenke 25 und 26 in einem Abstand A von der Schwenk- bzw. Drehachse 22 angeordnet. Die Sitzfläche 10 ist bezüglich der Kugelgelenke 25, 26 nach vom bzw. hinten in verschiebbar gehaltert, wobei eine nach hinten gerichtete Verschiebung widerstandslos möglich ist, während eine nach vorne gerichtete Verschiebung durch eine Begrenzung 40 begrenzt wird. Die Begrenzung 40 kann durch einem festen oder einen unter Druck nachgiebigen Anschlag gebildet werden.

[0024] Die Figur 1i zeigt, dass eine Gesamtneigung bzw. Abwippen des Sitzes widerstandsfrei möglich ist, ohne dass es zu einer Drehung der Rückenlehne um die Kugelgelenke 23, 24 kommen muss. Der Winkel α1 zwischen Sitzfläche 10 und Rückenlehne 11 kann somit bei dieser Wippbewegung konstant gehalten werden.

[0025] Eine Drehung der Rückenlehne 11 ist immer auch mit einer Verschiebung der Sitzfläche bezüglich der Kugelgelenke 25 und 26 verbunden. Wie aus Figur 1h deutlich erkennbar ist, sind die Kugelgelenke 25 und 26 in Kontakt mit der Begrenzung 40, sodass eine alleinige Drehung der Rückenlehne um die Gelenke 23, 24 aus dieser Stellung nicht möglich ist. Es ist daher erforderlich, dass die Sitzfläche ihrerseits durch den Druck der Begrenzung 40 gegen die Kugelgelenke 25, 26 in eine Abwärtsneigung gedrückt wird.

[0026] Aus dieser Konstellation ergibt sich eine mechanische Synchronisierung von Sitzflächenneigung und Rückenlehnenneigung (β1-β2/α2-α1), die nur in eine Richtung wirksam ist. Für den Benutzer ergibt sich der Vorteil, dass er durch das freie Wippen beim Niederlassen auf den Stuhl angenehm einfedert, ohne den Rückenlehnenkontakt zu verlieren, und dass ihm dennoch beim Zurücklehnen eine mechanische Synchronisierung mit harmonischem und definierten Verlauf von Sitzflächenneigung und Rückenlehnenneigung zur Verfügung steht.

[0027] Im Zusammenhang mit dem Merkmal der unabhängigen Bewegung von rechter und linker Sitzseite ist diese zweite Ausführungsform der Erfindung in der Lage, auf seitliche Gewichtsverlagerungen durch einseitige Sitzflächenneigung zu reagieren, ohne, dass der Benutzer den Rückenlehnenkontakt verliert.

[0028] Die beiden Tragarme 20, 21 werden über geeignete Federelemente in die Normalposition, d.h. in die aufrechte Position, gemäß Fig. 1f gedrückt. Die Federelemente sind in der üblichen Form individuell vom Benutzer einstellbar, um dadurch das Schwenkverhalten zu verändern.

[0029] Die beiden Tragarme können sowohl gemeinsam, d.h. synchron ohne Schwenk- bzw. Drehachse 22 als auch unabhängig voneinander um die Schwenk bzw. Drehachse 22 schwenken. Diese unabhängige Schwenkbarkeit ermöglicht eine seitliche Schwenkbarkeit des Sitzes, wie dies in Fig. 1e gegenüber der geraden Stellung gemäß Fig. 1d dargestellt ist. Neben den unabhängig voneinander reagierenden Tragarmen 20, 21 ist auch der Sitz selbst derart ausgebildet, dass eine Seite, d.h. die linke oder rechte Seite des Sitzes bei der seitlichen Schwenkbewegung unabhängig von der jeweils anderen Seite des Sitzes bewegbar ist. Mit anderen Worten wird nicht der komplette Sitz seitlich gekippt, sondern es kommt insbesondere zu einer unabhängigen Bewegung der rechten und linken Hälfte des Sitzes, insbesondere der Sitzfläche. Im dargestellten Ausführungsbeispiel ist die Schwenk- bzw. Drehachse 22 starr ausgebildet und auch die Anlenkung an den Sitz ermöglicht lediglich eine etwa horizontale Verschiebung des Sitzes, jedoch keine Absenkung des Sitzes in seinem vorderen Bereich. Bei einer seitliche Schwenkung des Sitzes, wie dies in Fig. 1e dargestellt ist, kommt es somit zur einer Verwindung des Sitzes, insbesondere der Sitzfläche. Selbstverständlich kann bei dieser Bewegung zusätzlich auch noch ein Verschwenken und oder Verwinden der Rückenlehne überlagert sein.

[0030] Anhand der Fig. 2a bis Fig. 2i wird im Folgenden ein drittes Ausführungsbeispiel erläutert.

[0031] Zum leichteren Verständnis werden für gleiche Bauteile die selben Bezugszeichen wie beim ersten Ausführungsbeispiel verwendet.

[0032] Der Sitz 2 ist hier lediglich im vorderen Bereich seiner Sitzfläche 10 mit der Sitzmechanik verbunden, wobei die Sitzfläche 10 schwenkbeweglich am Basisträger 3 und die Rückenlehne schwenkbeweglich an der Sitzfläche 10 gehaltert sind. Die Sitzmechanik wird hier im Wesentlichen durch zwei Federsysteme gebildet, wobei zwischen Basisträger 3 und Sitzfläche 10 ein erstes Federsystem 27 und zwischen Sitzfläche 10 und Rückenlehne 11 ein zweites Federsystem 28 vorgesehen sind. Nähere Ausgestaltungen dieser Sitzmechanik sind aus der DE-A-10 2006 023 982 der selben Anmelderin zu entnehmen.

[0033] Indem die Schwenkbewegung der Rückenlehne 11 bezüglich der Sitzfläche 10 mechanisch nicht mit der Schwenkbewegung der Sitzfläche 10 bezüglich des Basisträgers gekoppelt ist, kann der Stuhl in beiden Schwenkbereichen individuell auf die unterschiedlichsten Anforderungen abgestimmt werden. Durch den Wegfall der mechanischen Kopplung der beiden Gelenke wird für die Stuhlmechanik weniger Bauraum benötigt und eröffnet neue Möglichkeiten beim Stuhldesign.

[0034] Weiterhin können nicht näher dargestellte Mittel zur Verstellung des Federverhaltens beide Federsysteme 27, 28 vorgesehen werden, um die Schwenkbeweglichkeit der Sitzfläche 10 bezüglich dem Basisträger 3 bzw. die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne 11 bezüglich der Sitzfläche 10 an unterschiedlicher Anforderungen, insbesondere unterschiedlich schwere Benutzer, anpassen zu können. Dabei sind insbesondere auch Mittel denkbar, die beide Federsysteme 27, 28 gemeinsam verstellen, wie das insbesondere in der DE-A-10 2006 023 962 näher beschrieben ist. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass auch für unterschiedlich schwere Benutzer im Wesentlichen das gleiche Synchronverhältnis zwischen Sitzflächenneigung und Rückenlehnenneigung ermöglicht wird.

[0035] Die Schwenkbewegung der Sitzfläche 10 um den Basisträger 3 erfolgt um eine erste Gelenkachse 29 und die Schwenkbewegung der Rückenlehne 11 um die Sitzfläche 10 wird durch eine zweite Gelenkachse 30 ermöglicht. Durch die fehlende mechanische Kopplung von Sitzfläche und Rückenlehne besteht die Möglichkeit, den Abstand zwischen den beiden Gelenkachsen 29, 30 einstellbar zu gestalten und dadurch eine Sitztiefenverstellung zu erreichen. In den Fig. 2f und Fig. 2g beträgt die Sitztiefe S1 (d.h. der Abstand zwischen den beiden Gelenkachse 29, 30), während in den Fig. 2h und 2i die Sitztiefe auf S2 verkleinert worden ist.

[0036] Darüber hinaus ist aber auch bei diesem Ausführungsbeispiel die seitliche Schwenkbeweglichkeit des Sitzes realisiert. Zu diesem Zweck sind wiederum zwei seitliche Tragarme 39a, 39b vorgesehen, die unabhängig von einander über zwei unabhängige Federelemente 27a, 27b schwenkbar sind. Auch das Federsystem 28 ist mit zwei seitlichen, unabhängig voneinander reagierenden Federelementen 28a, 28b ausgestattet. Auf diese Weise kann sich wiederum eine Seite des Sitzes bei der seitlichen Schwenkbewegung des Sitzes unabhängig von der anderen Seite des Sitzes bewegen, wie das aus den Fig. 2d und Fig. 2e ersichtlich wird.

[0037] Außerdem sind die Sitzfläche 10 und vorzugsweise auch die Rückenlehne 11 so ausgebildet, dass es bei der seitlichen Schwenkbewegung zur einer Verwindung von Sitzfläche und Rückenlehne kommen kann.

[0038] Anhand der Fig. 3a bis Fig. 3e wird im Folgenden ein viertes Ausführungsbeispiel eines Stuhles näher beschrieben, der sich durch eine Sitzmechanik auszeichnet, die eine mechanische Synchronisierung von Sitzflächen- und Rückenlehneneigung bewirkt. Die Sitzfläche 10 ist wiederum in ihrem vorderen Bereich über eine Gelenkachse 31 am Basisträger 3 schwenkbeweglich gehaltert. Die Rückenlehne 11 ist über zwei seitliche Kopplungsarme 34a, 34b über Gelenke 35a, 35b seitlich an der Sitzfläche 10 angelenkt. Eine Verlängerung der Kopplungsarme 34a, 34b ist zudem mittels Gelenken 36a, 36b am Basisträger 3 angekoppelt.

[0039] Diese Synchronmechanik ist so abgestimmt, dass sich ein geeignetes Synchronverhältnis, beispielsweise im Bereich von 1 zu 1,5 bis 1 zu 3,5, ergibt. Das Synchronverhältnis ergibt sich dabei aus dem Verhältnis des Winkels, um den sich die Sitzfläche 10 bezüglich des Basisträgers 3 neigt und dem Winkel, mit dem sich die Rückenlehne 11 bezüglich ihrer aufrechten Stellung neigt. Grundsätzlich kann die Synchronmechanik auch in jeder anderen Art und Weise ausgebildet sein, solange sie eine mechanische Synchronisierung von Sitzflächen- und Rückenlehneneigung bewirkt.

[0040] Zur Befestigung der Sitzfläche 10 an der Gelenkachse 31 sind wiederum zwei seitliche Tragarme 32, 33 vorgesehen, die unabhängig voneinander um die Gelenkachse 31 schwenkbeweglich gelagert sind und in geeigneter Weise mit der Sitzfläche verbunden sind. Die unabhängige Schwenkbeweglichkeit dieser beiden Tragarme ermöglicht wiederum, dass eine Seite des Sitzes bei einer seitlichen Schwenkbewegung des Sitzes unabhängig von der anderen Seite des Sitzes bewegbar ist. Da sich dabei das vordere Ende des Sitzes keine seitliche Neigung ausführt, kommt es wie schon bei den anderen Ausführungsbeispielen zu einer Verwindung der Sitzfläche 10 und über die Kopplungsarme 34a, 34b auch zu einer entsprechenden Verwindung der Rückenlehne 11.

[0041] Das in den Fig. 4a bis Fig. 4g dargestellte fünfte Ausführungsbeispiel unterscheidet sich vom dritten Ausführungsbeispiel im Wesentlichen nur dadurch, dass das dort vorgesehne zweite Federsystem 28 weggelassen wird.

[0042] Sitzfläche 10 und Rückenlehne 11 sind einstückig ausgebildet, wobei ein Übergangsbereich zwischen Sitzfläche 10 und Rückenlehne 11 eine relative Beweglichkeit von Sitzfläche und Rückenlehne ermöglicht.

[0043] Die seitliche Schwenkbeweglichkeit des Sitzes wird wiederum dadurch erreicht, dass der Sitz 10 in seinem vorderen Bereich durch zwei seitliche, unabhängig voneinander reagierende Federelemente 37a, 37b angelenkt und abgefedert ist. Die Verbindung zwischen Sitzfläche 10 und Basisträger 3 kann dabei wie auch schon bei den vorhergehenden Ausführungsbeispielen mittels seitlichen Tragarmen 38a, 38b erfolgen, die durch die beiden Federelementen 37a, 37 unabhängig voneinander beweglich sind. Die einstückig ausgebildete Sitzschale, bestehend aus Sitzfläche 10 und Rückenlehne 11, wird zweckmäßigerweise aus Kunststoff gefertigt und lässt sich zur Realisierung der seitlichen Schwenkbarkeit des Sitzes (siehe Fig. 4e) entsprechend verwenden.

[0044] Bei allen Ausführungsbeispielen ist die Sitzfläche 10 an ihrem vorderen Ende um eine Gelenkachse schwenkbar, wobei im Bereich dieser Gelenkachse 2 separate Federelemente vorgesehen sind, die ein unabhängiges Schwenken der linken und rechten Seite des Sitzes um die vordere Gelenkachse ermöglichen. Der Sitz ist vorzugsweise an zwei seitlichen, um die vordere Gelenkachse unabhängig voneinander reagierenden Tragarmen befestigt.


Ansprüche

1. Stuhl mit einem Sitz (1) und einer Sitzmechanik (2), wobei die Sitzmechanik eine seitliche Schwenkbewegung des Sitzes erlaubt, wobei der Sitz (1) und die Sitzmechanik (2) derart ausgebildet sind, dass die eine Seite des Sitzes bei der seitlichen Schwenkbewegung des Sitzes unabhängig von der anderen Seite des Sitzes bewegbar ist,
dadurch gekennzeichnet, das die Sitzmechanik derart ausgebildet ist, dass der Sitz um eine Drehachse (22) schwenkbar gelagert ist, die parallel zur Knieachse des Benutzers liegt.
 
2. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Sitz (1) eine Sitzfläche (10) und eine Rückenlehne (11) aufweist, wobei Rückenlehne und Sitzfläche relativ zueinander beweglich sind.
 
3. Stuhl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Sitzmechanik (2) zwei seitliche, unabhängig voneinander reagierende Tragarme (20, 21; 32, 33; 38a, 38b, 39a, 39b) aufweist, an welchen der Sitz befestigt ist.
 
4. Stuhl nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Tragarme (20, 21; 32, 33; 38a, 38b, 39a, 39b) im Bereich der Knieachse eines Benutzers schwenkbar gelagert sind.
 
5. Stuhl nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Sitz (1) mittels Kugelgelenken (23, 24, 25, 26) an den Tragarmen (20, 21) gehaltert ist.
 
6. Stuhl nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein erstes und ein zweites Kugelgelenk (23, 24) im unteren Bereich einer Rückenlehne (11) des Sitzes (1) und ein drittes und ein viertes Kugelgelenk (25, 26) im vorderen Bereich einer Sitzfläche (10) des Sitzes angeordnet sind.
 
7. Stuhl nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass zwei Kugelgelenke (23, 24) symmetrisch zur Mittelebene des Stuhls derart angeordnet sind, dass ihr Abstand zum Hüftgelenk eines Benutzers weniger als 0,2m und der Abstand (a) zueinander zwischen 0,1m und 0,5m beträgt.
 
8. Stuhl nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Sitzfläche (10) im Bereich des dritten und vierten Kugelgelenks (25, 26) und/oder die Rückenlehne (11) im Bereich des ersten und zweiten Kugelgelenks (23, 24relativ zu den Tragarmen (20, 21) verschiebbar gehaltert ist.
 
9. Stuhl nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Rückenlehne (11) um das erste und zweite Kugelgelenk (23, 24) schwenkbar ist und die Rückenlehne und die Sitzfläche (10) derart miteinander gekoppelt sind, das ein Schwenken der Rückenlehne nach hinten ein Anheben der Sitzfläche relativ zu den Tragarmen (20, 21) bewirkt.
 
10. Stuhl nach den Ansprüchen 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Sitz (1) lediglich im vorderen Bereich seiner Sitzfläche (10) mit der Sitzmechanik (2) verbunden ist.
 
11. Stuhl nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass für die Relativbewegung von Rückenlehne (11) und Sitzfläche (10) zwei unabhängig voneinander abgefederte Biege- oder Schwenkzonen zwischen Rückenlehne und Sitzfläche vorgesehen sind.
 
12. Stuhl nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Sitzfläche (10) schwenkbeweglich an einem Basisträger (3) und die Rückenlehne (11) schwenkbeweglich an der Sitzfläche (10) gehaltert sind und zwischen Basisträger und Sitzfläche ein erstes Federsystem (27) und zwischen Sitzfläche und Rückenlehne ein zweites Federsystem (28) vorgesehen sind.
 
13. Stuhl nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass Mittel zur Verstellung des Federverhaltens beider Federsysteme (27, 28) vorgesehen sind, um die Schwenkbeweglichkeit der Sitzfläche (1=) bezüglich dem Basisträger (3) bzw. die Schwenkbeweglichkeit der Rückenlehne (11) bezüglich der Sitzfläche (10) an unterschiedliche Anforderungen, insbesondere unterschiedlich schwere Benutzer, anpassen zu können.
 
14. Stuhl nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Sitzmechanik (2) so ausgebildet ist, dass sie eine mechanische Synchronisierung von Sitzflächen- und Rückenlehnenneigung bewirkt.
 
15. Stuhl nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass Sitzfläche (10) und Rückenlehne (11) einstückig ausgebildet sind, wobei die rechte und linke Seite des Sitzes relativ zueinander bewegbar sind.
 
16. Stuhl nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Sitzfläche (10) schwenkbeweglich um eine erste Gelenkachse (29) an einem Basisträger (3) und die Rückenlehne (11) schwenkbeweglich um eine zweite Gelenkachse (30) an der Sitzfläche (10) gehaltert sind, wobei die beiden Gelenkachsen (29, 30) relativ zueinander verschiebbar angeordnet sind.
 




Zeichnung

















































Recherchenbericht










Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente