[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur dynamischen Klassifikation
von Objekten und/oder Verkehrssituationen.
[0002] Die Unterstützung des Fahrers eines Kraftfahrzeuges mit Hilfe technischer Mittel
hat in der jüngeren Vergangenheit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Solche technischen
Hilfsmittel werden je nach Verwendungszweck auch als Fahrerassistenz- bzw. Sicherheitssysteme
bezeichnet.
[0003] Eine Gruppe von Fahrerassistenz- bzw. Sicherheitssystemen ist die Gruppe der so genannten
vorausschauenden Fahrerassistenz- bzw. Sicherheitssysteme. Mit diesen Systemen sollen
durch technische Hilfsmittel, insbesondere durch Kameras oder sonstige Sensorik Objekte
und/oder Verkehrssituationen erkannt und klassifiziert werden, um den Fahrer ggf.
frühzeitig auf etwaige Gefahrensituationen aufmerksam zu machen oder Gegenmaßnahmen
einleiten zu können. Solche Gegenmaßnahmen sind beispielsweise die Auslösung von Gurtstraffersystemen
sowie Eingriffe in Bremse oder Lenkung.
[0004] Zur Klassifikation von Objekten und/oder Verkehrssituationen werden unterschiedliche
Klassifikationsverfahren, beispielsweise auf Basis von Entscheidungsbäumen, Neuronalen
Netzen oder Support Vector Machines, eingesetzt. Auf der Grundlage solcher Klassifikationsverfahren
erstellte Softwaremodule zur Klassifizierung werden als Klassifikatoren bezeichnet.
[0005] Klassifikatoren können mit Hilfe von Trainingsdaten optimiert werden, um die Zahl
der zu erkennenden Objekte und/oder Verkehrssituationen sowie die Erfolgsquote zu
erhöhen. Nachteilig ist jedoch, dass das Trainieren der Klassifikatoren nicht nur
aufwändig ist, sondern darüber hinaus die Gefahr besteht, dass Klassifikatoren "übertrainiert"
werden. Ein zu intensives Trainieren eines Klassifikators führt nämlich dazu, dass
dieser Klassifikator in Bezug auf die antrainierten Muster eine hohe Leistungsfähigkeit
aufweist, wohingegen die Leistungsfähigkeit bei der Klassifikation von nicht antrainierten
Mustern deutlich vermindert ist. Ein generalisierter Klassifikator hingegen weist
auch in Bezug auf nicht antrainierte Muster eine hohe Leistungsfähigkeit auf, erreicht
jedoch in Spezialfällen nicht die Leistungsfähigkeit eines spezialisierten Klassifikators.
Klassifikatoren lassen sich daher nicht so auslegen, dass sie ähnlich wie das menschliche
Gehirn in nahezu sämtlichen Anwendungsfällen eine hohe Klassifikationsleistung aufweisen.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zur
Klassifikation von Objekten und/oder Verkehrssituationen mit erhöhter Leistungsfähigkeit
zur Verfügung zu stellen.
[0007] Die Lösung der Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß mit den Merkmalen der Ansprüche 1
bzw. 13.
[0008] Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren werden zur Klassifikation von Objekten und/oder
Verkehrssituationen für die Klassifikation mindestens eines Objektes bzw. einer Verkehrssituation
ein erster Klassifikator und mindestens ein zweiter Klassifikator zur Verfügung gestellt,
wobei der erste Klassifikator und der mindestens zweite Klassifikator unterschiedliche
oder unterschiedlich trainierte Klassifikatoren sind. Vor einer Klassifikatorauswahl
werden mindestens ein Mal Randbedingungen ermittelt, und aufgrund der ermittelten
Randbedingungen erfolgt dann die Auswahl eines zu verwendenden Klassifikators. Randbedingungen
können in diesem Zusammenhang sämtliche erfassbaren Parameter im Umfeld des Durchführungsortes
des Verfahrens sein. Falls das Verfahren in einem Kraftfahrzeug durchgeführt wird,
können solche Randbedingungen beispielsweise Informationen zur Außentemperatur, zur
Position des Kraftfahrzeuges, über die Licht- und/oder Straßenverhältnisse, einzelne
Fahrzeugparameter etc. sein. Durch die Bereitstellung von mindestens zwei unterschiedlichen
oder unterschiedlich trainierten Klassifikatoren und die Berücksichtigung von Randbedingungen
ist der zu verwendende Klassifikator nicht starr vorgegeben, sondern es kann eine
an die entsprechenden Randbedingungen angepasste Klassifikatorauswahl erfolgen. Mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren kann daher wirksam vermieden werden, dass unter bestimmten
Randbedingungen ungeeignete Klassifikatoren zum Einsatz kommen.
[0009] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die
Randbedingungen periodisch ermittelt, so dass eine Klassifikatorauswahl dynamisch
an die Randbedingungen angepasst erfolgen kann. Eine periodische Ermittlung der Randbedingungen
hat insbesondere dann, wenn zwischen den einzelnen Ermittlungen nur kleine Zeitintervalle
liegen, den Vorteil, dass Veränderungen der Randbedingungen zeitnah erfasst werden
und unmittelbar bei der Klassifikatorauswahl berücksichtigt werden können. Fährt ein
Fahrzeug beispielsweise an einem sonnigen Tag in einen Tunnel, ändern sich innerhalb
kürzester Zeit die Lichtverhältnisse, während die übrigen Randbedingungen im wesentlichen
konstant bleiben. Bei periodischer Ermittlung der Randbedingungen wird diese Veränderung
innerhalb eines Zyklus unmittelbar erkannt und dahingehend berücksichtigt, dass -
sofern ein speziell für Dunkelheit vorgesehener oder ein für Dunkelheit besser geeigneter
Klassifikator zur Verfügung steht - unmittelbar dieser Klassifikator ausgewählt wird.
[0010] In einer weiter bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
die Ermittlung der Randbedingungen mit Hilfe von in einem Kraftfahrzeug angeordneten
Hilfsmitteln durchgeführt. Die meisten modernen Kraftfahrzeuge weisen bereits ihrer
Basisausstattung eine Vielzahl von Hilfsmitteln auf, welche dazu geeignet sind in
Bezug auf eine Klassifikatorauswahl nützliche Informationen zu liefern. Solche Hilfsmittel
können nahezu ohne zusätzlichen technischen und finanziellen Mehraufwand zur Ermittlung
von Randbedingungen eingesetzt werden.
[0011] Ein erstes Beispiel für ein solches Hilfsmittel ist eine etwaig vorhandene Zustands-
und Umfeldsensorik, insbesondere ein Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), eine
Kamera, ein Radarsystem, die Information eines Global Positioning System (GPS) etc.
Mit einer Zustands- und Umfeldsensorik kann beispielsweise die aktuelle Position (Koordinaten)
eines Fahrzeuges und damit das Land ermittelt werden, in welchem sich ein Fahrzeug
befindet. Ferner lässt sich die Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung sowie die aktuelle
Traktion des Fahrzeuges ermitteln. Solche Informationen können dahingehend genutzt
werden, dass auf deren Grundlage etwaig vorhandene länderspezifische Klassifikatoren
ausgewählt werden, welche in Bezug auf länderspezifische Markierungen, Links- oder
Rechtsverkehr, eine länderspezifische Anordnung von Verkehrszeichen (z.B. Verkehrszeichen
überwiegend am rechten Straßenrand angeordnet), länderspezifische Verkehrszeichen
etc. trainiert sind.
[0012] Weitere Beispiele für in einem Kraftfahrzeug angeordnete Hilfsmittel sind Telematik-
und Wetterdienste sowie Datums- und/oder Uhrzeitinformationen, wobei der Begriff Telematikdienste
auch die Verwendung von GPS und digitalisierten Karten umfasst. Mit solchen Hilfsmitteln
können insbesondere Besonderheiten in Bezug auf die Witterung bzw. in Bezug auf die
aktuelle Tages- und/oder Jahreszeit berücksichtigt werden.
[0013] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgt
eine Klassifikatorauswahl aufgrund einer Korrelationstabelle, wobei in der Korrelationstabelle
festgelegt ist, unter welchen Randbedingungen welcher Klassifikator am leistungsstärksten
ist. Dies kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass im Vorfeld ein Gütemaß für die
Leistungsfähigkeit festgelegt wird und dass mit Hilfe von Versuchen für jede Kombination
von Randbedingungen ein Klassifikator bestimmt wird, welcher unter den jeweils vorliegenden
Randbedingungen am leistungsstärksten ist. Ein Beispiel für ein verwendbares Gütemaß
ist die Trefferquote der Klassifikatoren, d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass ein Klassifikator
bei vorgegebenen Randbedingungen eine korrekte Klassifikation vornimmt. Die Zuordnung
zwischen den erfassten Randbedingungen und dem jeweils leistungsstärksten Klassifikator
muss nicht zwingend mittels einer Korrelationstabelle erfolgen. Es können auch alternative
Zuordnungsmodelle verwendet werden.
[0014] Gemäß einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgt eine
Klassifikation eines Objektes bzw. einer Verkehrssituation aufgrund von zwei oder
mehr Klassifikatoren, wobei die ausgewählten Klassifikatoren sequentiell eingesetzt
werden. Durch den sequentiellen Einsatz von Klassifikatoren können beispielsweise
die Vorteile eines generalisierten Klassifikators mit den Vorteilen von spezialisierten
Klassifikatoren verknüpft werden, indem durch einen ersten Klassifikator eine grobe
Klassifikation durchgeführt und dann mit Hilfe eines zweiten, nachgeschalteten Klassifikators
eine Verfeinerung der Klassifikation vorgenommen wird.
[0015] Die Klassifikatorauswahl kann entweder streng deterministisch oder auf Basis eines
übergeordneten Klassifikationsverfahrens wie z.B. mit Hilfe eines Entscheidungsbaumes
oder eines Neuronalen Netzes erfolgen. Dabei kann gemäß einer ersten Alternative vorgegeben
werden, ob die Klassifikatorauswahl durch ein übergeordnetes Klassifikationsverfahren
erfolgen soll oder gemäß einer zweiten Alternative in Abhängigkeit von den ermittelten
Randbedingungen durchgeführt wird.
[0016] Die zweite Alternative ist insbesondere dann geeignet, wenn zu befürchten ist, dass
einzelne Randbedingungen vom System möglicherweise nicht eindeutig ermittelt werden
oder ermittelbar sein können. Stehen beispielsweise aufgrund widersprüchlicher Informationen
zweier Hilfsmittel keine zuverlässigen Informationen über die Witterungssituation
zur Verfügung, kann auf der Grundlage eines Neuronalen Netzes eine Witterungssituation
ermittelt werden, welche aufgrund der übrigen verfügbaren Informationen naheliegend
erscheint.
[0017] Im Zusammenhang mit Applikationen, welche sicherheitsrelevante Aspekte betreffen,
werden Neuronale Netze hingegen selten eingesetzt, da Entscheidungen aufgrund von
Neuronalen Netzen insbesondere mittel- bis langfristig nicht eindeutig vorhersagbar
sind. Dementsprechend wird für derartige Applikationen bevorzugt vorgegeben, dass
eine Klassifikatorauswahl auf der Grundlage eines Entscheidungsbaumes oder aufgrund
eines anderen deterministischen Verfahrens erfolgen soll.
[0018] In einer alternativen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die
ermittelten Randbedingungen vor der Auswahl eines zu verwendenden Klassifikators überprüft
und/oder aufbereitet. Dazu kann insbesondere eine Steuereinheit vorgesehen sein, welche
Informationen über ermittelte Randbedingungen teilweise oder vollständig überprüft
und, insbesondere im Fall von widersprüchlichen oder unvollständigen Informationen,
die Randbedingungen plausibilisiert. Zu einer Plausibilisierung eignen sich auch "unscharfe"
Verfahren, wie z.B. eine Klassifikation mittels Neuronaler Netze.
[0019] Die Erfindung zeigt sich auch an einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Objekt-
und/oder Situationsklassifikation umfassend ein Assistenzsystem mit einem ersten Klassifikator
sowie einen Dateneingang für Randbedingungen, wobei das Assistenzsystem mindestens
einen sich von dem ersten Klassifikator unterscheidenden und/oder einen im Vergleich
zu dem ersten Klassifikator unterschiedlich trainierten zweiten Klassifikator aufweist
und wobei eine Klassifikatorauswahleinheit vorgesehen ist, welche dazu ausgebildet
ist, aufgrund von über den Dateneingang erfassten Randbedingungen eine Klassifikatorauswahl
vorzunehmen. Auf die im Zusammenhang mit dem vorstehend beschriebenen erfindungsgemäßen
Verfahren dargelegten Vorteile wird hiermit verwiesen.
[0020] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich
aus den Unteransprüchen sowie aus der Beschreibung im Zusammenhang mit den Zeichnungen.
Es zeigen:
[0021]
- Fig. 1
- ein System umfassend eine erfindungsgemäße Vorrichtung in einer ersten Ausführungsform
sowie
- Fig. 2
- ein System umfassend eine erfindungsgemäße Vorrichtung in einer zweiten Ausführungsform.
[0022] Fig. 1 zeigt ein System 100 umfassend ein erstes Assistenzsystem 120, ein zweites
Assistenzsystem 140, weitere Assistenzsysteme (in Fig. 1 durch vier Punkte angedeutet)
sowie ein m-tes Assistenzsystem 160. Jedes der Assistenzsysteme 120, 140, 160 ist
eine erfindungsgemäße Vorrichtung zur Objekt- und/oder Situationsklassifikation.
[0023] Die Erfindung wird im Folgenden anhand des zweiten Assistenzsystems 140 näher erläutert,
wobei das zweite Assistenzsystem 140 der Verkehrszeichenerkennung dient und Bestandteil
eines Kraftfahrzeuges (nicht gezeigt) ist.
[0024] Das zweite Assistenzsystem 140 weist einen Dateneingang für Randbedingungen 142,
eine Klassifikatorauswahleinheit 144 sowie einen ersten Klassifikator (K 21) 146,
einen zweiten Klassifikator (K 22) 148, einen dritten Klassifikator (K 23) 150 sowie
einen vierten Klassifikator (K 24) 152 auf. Der erste Klassifikator 146 ist ein generalisierter
Klassifikator, der zweite Klassifikator 148 ist ein auf den Verkehr bei Tag in Deutschland
spezialisierter Klassifikator, der dritte Klassifikator ist ein auf den Verkehr bei
Nacht in Deutschland spezialisierter Klassifikator, und der vierte Klassifikator ist
ein spezialisierter Klassifikator für den Verkehr außerhalb Deutschlands. Die Klassifikatorauswahleinheit
144 weist eine Abfrageeinheit (nicht gezeigt) auf, über welche das zweite Assistenzsystem
140 permanent Daten des im Fahrzeug vorhandenen GPS-System sowie Datums- und Uhrzeitinformationen
abfragen kann.
[0025] Wird das zweite Assistenzsystem 140 aktiviert, erfolgt mit Hilfe der Abfrageeinheit
sogleich eine Abfrage des GPS über die Position des Fahrzeuges sowie ein Abfrage über
das aktuelle Datum und die aktuelle Uhrzeit. Die so abgefragten Randbedingungen werden
über den Dateneingang 142 an die Klassifikatorauswahleinheit 144 übermittelt, welche
die ermittelten Randbedingungen mit einer Korrelationstabelle vergleicht.
[0026] Die Korrelationstabelle enthält für jede vollständige Konstellation von Randbedingungen,
d.h. für jede Kombination aus Standort des Fahrzeuges, Datum und Uhrzeit eine Zuweisung
eines für diese Kombination besonders geeigneten Klassifikators. Mit Hilfe eines Vergleichsmoduls
(nicht gezeigt) entscheidet die Klassifikatorauswahleinheit 144 auf der Grundlage
dieser Korrelationstabelle, welcher Klassifikator für die Klassifikation des Verkehrszeichens
verwendet wird.
[0027] Ist eine Randbedingung nicht verfügbar, beispielsweise weil das GPS zum Ermittlungszeitpunkt
keinen Werte über die Position des Fahrzeuges (innerhalb oder außerhalb Deutschlands)
liefert, bestimmt die Klassifikatorauswahleinheit 144, dass in einem ersten Schritt
der erste generalisierte Klassifikator 146 verwendet wird, um eine erste grobe Klassifikation
vorzunehmen und mit Hilfe eines Neuronalen Netzes zu bestimmen, welche Position des
Fahrzeuges am wahrscheinlichsten ist. Auf der Grundlage dieser ersten Klassifikation
wird dann in einem zweiten Schritt eine zweite Klassifikation mit dem Klassifikator
vorgenommen, wobei der Klassifikator ausgewählt wird, welcher aufgrund den nach der
ersten Klassifikation vorliegenden Informationen am leistungsstärksten ist.
[0028] Wie in Fig. 1 gezeigt, sind die übrigen Assistenzsysteme 120, 160 analog aufgebaut,
wobei die Zahl der in die jeweiligen Assistenzsysteme integrierten Klassifikatoren
je nach gewünschter Leistung variierbar ist, was durch die punktierten Linien zwischen
K 12 und K 1 n bzw. K m1 und K mn angedeutet ist. Gemeinsam ist den Assistenzsystemen
jedoch, dass auch das erste und das m-te Assistenzsystem 120, 160 einen Dateneingang
122 bzw. 162 aufweisen, wobei die Datenübertragung zu sämtlichen Assistenzsystemen
120, 140, 160, insbesondere wenn diese in räumlicher Nähe zueinander angeordnet sind,
über eine gemeinsame Datenleitung 180, insbesondere einen CAN-Bus erfolgen kann.
[0029] Das in Fig. 2 gezeigte System 200 umfasst ein erstes Assistenzsystem 220, ein zweites
Assistenzsystem 240, weitere Assistenzsysteme (in Fig. 2 durch vier Punkte angedeutet)
sowie ein m-tes Assistenzsystem 260 und ist insoweit analog zu dem in Fig. 1 gezeigten
System 100 aufgebaut. Für gleiche Elemente werden daher bei dem in Fig. 2 gezeigten
zweiten Assistenzsystem 200 um 100 erhöhte Bezugszeichen verwendet.
[0030] Das in Fig. 2 gezeigte System 200 unterscheidet sich von dem in Fig. 1 gezeigten
System 100 dadurch, dass das System 200 zusätzlich eine Steuereinheit 290 umfasst.
Diese nimmt zunächst sämtliche Informationen über die vorherrschenden Randbedingungen
auf und plausibilisiert diese, sofern widersprüchliche oder unvollständige Informationen
vorliegen. Zur Plausibilisierung werden in dem in Fig. 2 dargestellten System Neuronale
Netze eingesetzt. Dadurch wird gewährleistet, dass die Klassifikatorauswahleinheiten
224, 244, 264 der Assistenzsysteme 220, 240, 260 stets mit vollständigen Informationen
versorgt werden, denn fehlende Informationen werden mit Hilfe der Steuereinheit 290
ergänzt. Dementsprechend kann bei den in Fig. 2 gezeigten Assistenzsystemen 220, 240,
260 auf generalisierte Klassifikatoren verzichtet werden, sofern für jede Konstellation
von Randbedingungen spezifische Klassifikatoren zur Verfügung stehen und gewährleistet
ist, dass durch die Steuereinheit fehlende Randbedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit
richtig ergänzt werden.
1. Verfahren zur Klassifikation von Objekten und/oder Verkehrssituationen,
dadurch gekennzeichnet, dass
für die Klassifikation mindestens eines Objektes bzw. einer Verkehrssituation ein
erster Klassifikator (146; 246) und mindestens ein zweiter Klassifikator (148; 248)
zur Verfügung gestellt werden,
wobei der erste Klassifikator (146; 246) und der mindestens zweite Klassifikator (148;
248) unterschiedliche oder unterschiedlich trainierte Klassifikatoren sind,
wobei vor einer Klassifikatorauswahl mindestens ein Mal Randbedingungen ermittelt
werden und
wobei die Auswahl eines zu verwendenden Klassifikators aufgrund der ermittelten Randbedingungen
erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Randbedingungen periodisch ermittelt werden und eine Klassifikatorauswahl dynamisch
an die periodisch ermittelten Randbedingungen angepasst erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Ermittlung der Randbedingungen mit Hilfe von in einem Kraftfahrzeug angeordneten
Hilfsmitteln durchgeführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
als Hilfsmittel Zustands- und/oder Umfeldsensorik eines Kraftfahrzeuges verwendet
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
als Hilfsmittel Telematik- und/oder Wetterdienste verwendet werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
als Hilfsmittel Datums- und/oder Uhrzeitinformationen verwendet werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Klassifikatorauswahl aufgrund einer Korrelationstabelle erfolgt,
wobei in der Korrelationstabelle festgelegt ist, unter welchen Randbedingungen welcher
Klassifikator am leistungsstärksten ist.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Klassifikation eines Objektes bzw. einer Verkehrssituation aufgrund von zwei
oder mehr Klassifikatoren erfolgt, wobei die ausgewählten Klassifikatoren sequentiell
eingesetzt werden.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Klassifikatorauswahl aufgrund eines übergeordneten Klassifikationsverfahrens wie
eines Entscheidungsbaumes und/oder aufgrund eines Neuronalen Netzes und/oder aufgrund
einer Support Vector Machine und/oder eines anders gearteten regelbasierten Systems
erfolgt.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Auswahl, ob die Klassifikatorauswahl aufgrund eines Entscheidungsbaumes und/oder
aufgrund eines Neuronalen Netzes erfolgt, in Abhängigkeit von den ermittelten Randbedingungen
erfolgt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet, dass
die ermittelten Randbedingungen vor der Auswahl eines zu verwendenden Klassifikators
überprüft und/oder aufbereitet werden.
12. Verfahren nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
zur Aufbereitung ein unscharfes Verfahren, insbesondere eine Klassifikation mittels
Neuronaler Netze, angewendet wird.
13. Vorrichtung zur Objekt- und/oder Situationsklassifikation umfassend ein Assistenzsystem
(120; 140; 160; 220; 240; 260) mit einem ersten Klassifikator (146; 246) sowie einen
Dateneingang für Randbedingungen (122; 142; 162; 222; 242; 262),
dadurch gekennzeichnet, dass
das Assistenzsystem (120; 140; 160; 220; 240; 260) mindestens einen sich von dem ersten
Klassifikator (146; 246) unterscheidenden und/oder einen im Vergleich zu dem ersten
Klassifikator unterschiedlich trainierten zweiten (148; 248) Klassifikator aufweist
und wobei eine Klassifikatorauswahleinheit (124; 144; 164; 224; 244; 264) vorgesehen
ist, welche dazu ausgebildet ist, aufgrund von über den Dateneingang (122; 142; 162;
222; 242; 262) erfassten Randbedingungen eine Klassifikatorauswahl vorzunehmen.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Klassifikatorauswahleinheit (124; 144; 164; 224; 244; 264) dazu ausgebildet ist,
den Dateneingang (122; 142; 162; 222; 242; 262) periodisch auf eine Veränderung der
erfassten Randbedingungen zu überprüfen.
15. Vorrichtung nach Anspruch 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Klassifikatorauswahleinheit (124; 144; 164; 224; 244; 264) eine Abfrageeinheit
aufweist, welche dazu ausgebildet ist, selbständig auf Hilfsmittel zur Erfassung von
Randbedingungen eines Kraftfahrzeuges und/oder auf die von Hilfsmitteln eines Kraftfahrzeuges
erfassten Randbedingungen zuzugreifen.
16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 13 bis 15,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Klassifikatorauswahleinheit (124; 144; 164; 224; 244; 264) einen Speicher für
eine Korrelationstabelle sowie ein Vergleichsmodul aufweist.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 13 bis 16,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Klassifikatorauswahleinheit (124; 144; 164; 224; 244; 264) die Implementierung
eines Entscheidungsbaumes und/oder eines Neuronalen Netzes und/oder einer Support
Vector Machine und/oder eines anders gearteten regelbasierten Systems ermöglicht.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 13 bis 17,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Klassifikatorauswahleinheit (124; 144; 164; 224; 244; 264) eine Steuereinheit
zur Überprüfung und/oder Aufbereitung erfasster Randbedingungen aufweist.
19. System zur Objekt- und/oder Situationsklassifikation, umfassend mehrere Vorrichtungen
nach einem der Ansprüche 13 bis 18.