[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Planieren von Metallbändern,
insbesondere dünnen Metallbändern, im Zuge des Walzens, Richtens und/oder Zugreckens.
Eine solche Vorrichtung weist zumindest einen Spannrollensatz mit zumindest zwei Spannrollen
auf. Dünne Bänder meint im Rahmen der Erfindung insbesondere Metallbänder einer Dicke
von 0,05 mm bis 1 mm, vorzugsweise 0,1 mm bis 0,5 mm. Metallbänder meint insbesondere
Bänder aus Aluminiumlegierungen.
[0002] Metallbänder und insbesondere dünne Metallbänder müssen nach heutigem Standard immer
höhere Anforderungen an die Bandplanheit bei höchster Qualität der Bandoberfläche
erfüllen. In diesem Zusammenhang kennt man verschiedene Verfahren zum Planieren von
Metallbändern, z. B. das Walzen (insbesondere Dressierwalzen), das Richten (insbesondere
Streckbiegerichten) und das Zugrecken. Die dazu eingesetzten Vorrichtungen weisen
häufig einen Einlaufspannrollensatz zum Zugaufbau und einen Auslaufspannrollensatz
zum Zugabbau auf. Dieses gilt insbesondere für das Streckbiegerichten und Zugrecken
sowie für das Dressieren im Falle von Inline-Dressierverfahren. Beim Dressierwalzen
ist dann zwischen diesen Spannrollensätzen das Dressierwalzgerüst angeordnet, während
beim Streckbiegerichten zwischen diesen Spannrollensätzen die Streckbiegeeinheit vorgesehen
sein kann. Bei einer Zugreckvorrichtung ist zwischen dem Einlaufspannrollensatz und
dem Auslaufspannrollensatz üblicherweise zumindest ein weiterer Spannrollensatz als
Zugreckrollensatz vorgesehen.
[0003] Mit dem bekannten Verfahren zum Planieren von Metallbändern durch Walzen, Richten
und/oder Zugrecken lassen sich insbesondere Welligkeiten (Randwellen und Mittenwellen)
oder Bandsäbel sowie zur Bandmitte unsymmetrische Planlageprofile kaum vollständig
beseitigen, so dass eine ideale Planlage nur selten erreicht wird. Um die Planlage
weiter zu verbessern ist es bekannt, zum Beseitigen von Welligkeiten und Bandsäbeln,
z. B. beim Dressierwalzen ein über die Bandbreite veränderbares Temperaturprofil zur
Beeinflussung der Zugspannungsverteilung zu erzeugen, so dass sich der Planiergrad
durch die Veränderung der Zugspannungsverteilung einstellen lässt (vgl.
DE 199 33 610 A1).
[0004] Außerdem ist es zum Verringern von Randwellen oder Mittenschüsseln im Zuge des Planierens
von Metallbändern vorgeschlagen worden, bei einem Spannrollensatz eine einstellbare
Kontur mit z. B. konvexer Außenwölbung und/oder konkaver Innenwölbung vorzusehen (vgl.
EP 0 587 995 A1).
[0005] Ferner kennt man eine Vorrichtung zum Biegerichten von Metallband mit parallel zueinander
angeordneten Führungsrollen und einer in dem Zwickel zweier Führungsrollen angeordneten
Richtrolle, bei der das Band die Richtrolle zwischen zwei Berührungslinien formschlüssig
umschlingt, längs derer die Führungsrollen über das Band in mittelbarer Berührung
mit der Richtrolle stehen. Um die Eintauchtiefe und damit auch den von den Richtrollenradien
bzw. den Berührungslinien bestimmten Umschlingungswinkel in Abhängigkeit von der Banddicke
und der Festigkeit des Bandwerkstoffes ändern zu können, sind die Stützrollen, die
Führungsrolle und die Richtrolle auf einer gemeinsamen Konsole gelagert, die sich
um einen Drehpunkt verschwenken lässt (vgl.
DE 197 08 488 A1). Durch diese Maßnahmen wird die Zugspannungsverteilung über die Bandbreite nicht
variiert, so dass sich auch der Planiergrad nicht über die Bandbreite variieren lässt.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Planieren von Metallbändern
der eingangs beschriebenen Art derart weiterzubilden, dass sich die Planheit des Bandes
auf einfache und zugleich kostengünstige Weise verbessern lässt. Insbesondere sollen
Randwellen, Mittenwellen und/oder Bandsäbel nahezu vollständig unterdrückt werden.
[0007] Zur Lösung dieser Aufgabe lehrt die Erfindung bei einer gattungsgemäßen Vorrichtung
der eingangs beschriebenen Art, dass zumindest eine der Spannrollen des Spannrollensatzes
zur Beeinflussung des Planiergrades über die Bandbreite in der Bandlaufebene und/oder
quer bzw. senkrecht zur Bandlaufebene verschwenkbar ist. Eine solche Spannrolle ist
üblicherweise beidseitig in Lagerstellen drehbar gelagert. In diesem Falle schlägt
die Erfindung vor, dass die Position einer Lagerstelle oder beider Lagerstellen und
folglich die Position eines Achsen- bzw. Wellenendes oder beider Achsen- bzw. Wellenenden
einer Spannrolle in der Bandlaufebene und/oder quer zur Bandlaufebene einstellbar
ist. In einer Walzanlage, z. B. Dressieranlage kann es sich um eine oder auch um mehrere
Rollen des Einlaufspannrollensatzes und/oder des Auslaufspannrollensatzes handeln.
Gleiches gilt für eine Richtvorrichtung, z. B. Streckbiegerichtvorrichtung. Im Falle
einer Zugreckanlage, bei der zwischen dem Einlaufspannrollensatz und dem Auslaufspannrollensatz
üblicherweise ein oder auch mehrere weitere Spannrollensätze unter Bildung von Reckzonen
vorgesehen sind, ist es zweckmäßig, wenn eine oder mehrere dieser Spannrollen des
Zugreckrollensatzes erfindungsgemäß verstellbar sind.
[0008] Dabei geht die Erfindung von der Erkenntnis aus, dass sich durch die einstellbare
Schiefstellung bzw. Schrägstellung einer Spannrolle der Planiergrad beeinflussen bzw.
eine über die Bandbreite variabler Planiergrad einstellen lässt. So lässt sich z.
B. beim Walzen bzw. Dressieren oder Richten bzw. Streckbiegerichten zwischen den Spannrollensätzen
die Zugspannungsverteilung innerhalb des Metallbandes beeinflussen und eine über die
Bandbreite variable Zugspannungsverteilung einstellen. Erfolgt beispielsweise eine
Schiefstellung innerhalb der Bandlaufebene, so hat dieses zur Folge, dass die eine
Seite des Bandes "strammer" und die andere Seite "lockerer" wird, d. h. an einer der
Bandkanten erhöht sich die Bandzugspannung, an der anderen Bandkante verringert sie
sich. Da die beschriebenen Prozesse (insbes. Walzen und Richten) empfindlich von der
Zugspannungsverteilung bzw. Bandzugspannung abhängen, lassen sich durch einstellbare
Schiefstellung innerhalb der Bandlaufebene insbesondere einseitige Planlagefehler
wie z. B. einseitige Randwellen, Bandsäbel oder zur Bandmitte unsymmetrische Planlageprofile
eliminieren. Im Rahmen der Erfindung besteht jedoch nicht nur die Möglichkeit, die
jeweilige Spannrolle in der Bandlaufebene zu verschwenken, sondern alternativ oder
ergänzend kann die Spannrolle auch quer zur Bandlaufebene bzw. senkrecht zur Bandlaufebene
verschwenkt werden. Bandlaufebene meint dabei stets die Bandlaufebene in der jeweiligen
Verformungszone. Durch Verschwenken einer Spannrolle senkrecht zur Bandlaufebene wird
die Bandzugspannungsverteilung ebenfalls beeinflusst, da die Bandränder gegenüber
der Bandmitte strammer werden, d. h. im Bereich der Bandmitte erhöht sich die Bandzugspannung
gegenüber den beiden Bandkanten. Eine solche Verstellung kann daher zur Kompensation
von Mittenwelligkeiten benutzt werden. Beim Walzen und Richten, bei welchem die Bandzugspannung
zwischen den Spannrollensätzen üblicherweise unterhalb der Streckgrenze liegt, wird
durch die beschriebene Schiefstellung bzw. Winkelverstellung die Zugspannungsverteilung
und damit dann der Planiergrad beeinflusst. Doch auch beim Zugrecken, bei welchem
die Bandzugspannung in der Reckzone im Bereich der Streckgrenze liegt, wird der Planiergrad
durch die Schiefstellung bzw. Winkelverstellung einer oder mehrerer Walzen beeinflusst.
So wird die Zugspannungsverteilung unter Annahme idealplastischer Bedingungen in der
Reckzone durch die Schiefstellung zwar nicht beeinflusst. Dennoch hängt auch der Planiergrad
beim Zugrecken von der Winkelstellung der Rolle ab, da diese unmittelbar die plastische
Dehnungsverteilung und damit die plastische Bandverlängerung über die Bandbreite variabel
beeinflusst.
[0009] Die Erfindung umfasst Ausführungsformen, bei welchen lediglich eine Rolle eines Spannrollensatzes
verstellt bzw. verschwenkt wird. Es liegt aber auch im Rahmen der Erfindung, dass
mehrere Rollen innerhalb eines Spannrollensatzes, z. B. beide Rollen eines S-Rollenpaares
verstellt werden.
[0010] Nach einem weiteren Vorschlag der Erfindung ist vorgesehen, dass das Metallband um
die verschwenkbare Spannrolle mit einem Umschlingungswinkel von zumindest 45° geführt
ist, da ab einem Umschlingungswinkel von 45° (oder mehr) der gewünschte Effekt, nämlich
die Beeinflussung des Planiergrades durch Verschwenken der Rolle deutlich hervortritt.
Bevorzugt wird ein Umschlingungswinkel von zumindest 90° bzw. mehr als 90° gewählt.
Nach einer besonders bevorzugten Ausführungsform beträgt der Umschlingungswinkel im
Bereich der verschwenkbaren Rolle zumindest 180°.
[0011] Nach einem weiteren Vorschlag der Erfindung ist vorgesehen, dass die Vorrichtung
zumindest eine Planheitsmessvorrichtung aufweist, die z. B. dem Spannrollensatz nachgeordnet
sein kann. Eine solche Planheitsmessvorrichtung ist erfindungsgemäß mit einer Steuer-
und/oder Regelvorrichtung verbunden, welche wiederum mit der verstellbaren Spannrolle
zusammenwirkt. Durch eine nachfolgende Messung der Zugspannungsverteilung im Band
nach dem Walzen oder nach dem Richten oder nach dem Zugrecken kann ein geschlossener
Planheitsregelkreis realisiert werden.
[0012] Zum Einstellen der Schieflage bzw. Schräglage bzw. zur Positionierung der beiden
Lagerstellen einer solchen Spannrolle können den beiden Lagerstellen jeweils ein separater
oder auch mehrere separate Stellantriebe zugeordnet sein. Bei diesen Stellantrieben
kann es sich um hydraulische (oder auch pneumatische) Zylinderkolbenanordnungen, um
elektromotorische Stelltriebe oder dergleichen handeln. Dabei ist es zweckmäßig, wenn
diese Stellantriebe von der beschriebenen Steuer- und/oder Regeleinheit ggf. unter
Berücksichtigung von Planheitsmessergebnissen angesteuert werden.
[0013] Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zum Planieren von Metallbändern im
Zuge des Walzens, Richtens und/oder Zugreckens. Ein derartiges Verfahren wird vorzugsweise
mit einer Vorrichtung der beschriebenen Art durchgeführt, wobei das unter Bandzug
stehende Metallband zumindest bereichsweise plastisch verformt wird. Dabei schlägt
die Erfindung vor, dass durch Verschwenken zumindest einer Spannrolle ein über die
Bandbreite variabler Planiergrad eingestellt wird. Im Falle des Walzens (z. B. Dressierwalzens)
oder Richtens (z. B. Streckbiegerichtens) beeinflusst das Verschwenken die Zugspannungsverteilung
über die Bandbreite und damit den Planiergrad. Im Falle des Zugreckens beeinflusst
das Verschwenken direkt die plastische Bandverlängerung bzw. die plastische Dehnungsverteilung.
Die Spannrolle wird dabei z. B. in der Bandlaufebene und/oder quer bzw. senkrecht
zur Bandlaufebene verschwenkt und folglich verkippt bzw. schräg gestellt. Die Spannrolle
wird dabei um eine Schwenkachse verschwenkt, welche (im Wesentlichen) senkrecht auf
die Rotationsachse der Spannrolle steht. Die Spannrolle (bzw. deren Achse) kann dabei
zum Einstellen der Zugspannungsverteilung um einen Winkel von 0 bis 5°, vorzugsweise
0 bis 3°, verschwenkt werden. Dazu kann die Spannrolle im Bereich einer Lagerstelle
oder auch im Bereich beider Lagerstellen um einen Weg von 0 bis 2 mm, z. B. 0 bis
1 mm verstellt werden. Vorzugsweise wird (nach dem Planieren des Bandes) die Planheit
des Bandes ermittelt, z. B. mit einer Planheitsmessrolle oder dergleichen und die
Einstellung der Spannrolle wird dann in Abhängigkeit von der ermittelten Planheit
gesteuert und/oder geregelt.
[0014] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von lediglich Ausführungsbeispielen darstellenden
Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- eine erfindungsgemäße Vorrichtung zum Planieren von Metallbändern im Wege des Walzens
in einer schematischen Seitenansicht,
- Fig. 2
- eine vereinfachte Draufsicht mit angedeuteter Zugspannungsverteilung,
- Fig. 3
- eine abgewandelte Ausführungsform des Gegenstandes nach Fig. 1,
- Fig. 4
- die Zugspannungsverteilung über die Bandbreite b beim Gegenstand nach Fig. 3 und
- Fig. 5
- eine erfindungsgemäße Vorrichtung zum Planieren von Metallbändern durch Zugrecken
in einer schematischen Seitenansicht.
[0015] In den Figuren ist in verschiedenen Ausführungsformen eine Vorrichtung zum Planieren
von Metallbändern 1, insbesondere dünnen Metallbändern aus Aluminiumlegierungen dargestellt.
Eine solche Vorrichtung weist zumindest einen als Einlaufspannrollensatz ausgebildeten
Spannrollensatz 2 und zumindest einen als Auslaufspannrollensatz ausgebildeten Spannrollensatz
3 auf, wobei der Einlaufspannrollensatz 2 dem Zugaufbau und der Auslaufspannrollensatz
3 dem Zugabbau dient. Zwischen dem Einlaufspannrollensatz 2 und dem Auslaufspannrollensatz
3 kann eine Bandbehandlungseinrichtung, z. B. ein Walzgerüst 4 (Fig. 1 bis 4) und/oder
eine Zugreckeinheit 5 (Fig. 5) angeordnet sein. Die Zugreckeinheit 5 gemäß Fig. 5
weist einen weiteren Spannrollensatz 6 auf, der als Zugreckrollensatz ausgebildet
ist.
[0016] Erfindungsgemäß ist nun vorgesehen, dass zumindest eine der Spannrollen 7, 8 zumindest
eines Spannrollensatzes 2, 3, 6 in der Bandlaufebene B und/oder quer zur Bandlaufebene
B verschwenkbar ist. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass eine solche Spannrolle
8 beidseitig in Lagerstellen 9 drehbar gelagert ist, ist vorgesehen, dass die Position
einer dieser Lagerstellen 9 oder auch beider Lagerstellen 9 in der Bandlaufebene B
und/oder quer zur Bandlaufebene B einstellbar ist. Dazu können an die Lagerstellen
9 Positionsantriebe bzw. Stellantriebe angeschlossen sein, die in den Figuren nicht
dargestellt sind.
[0017] Im Folgenden soll die Erfindung beispielhaft anhand des Walzens erläutert werden
(vgl. Fig. 1 bis 4). Zwischen dem Einlaufspannrollensatz 2 und dem Auslaufspannrollensatz
3 ist gemäß Fig. 1 und 3 ein Walzgerüst 4 angeordnet. Gemäß Fig. 1 lässt sich die
dem Walzgerüst 4 unmittelbar vor- oder nachgeordnete Spannrolle 8 eines Spannrollensatzes
2 innerhalb der Bandlaufebene B verschwenken und folglich schiefstellen. Auf diese
Weise konzentriert sich der Bandzug auf eine Seite, d. h. im Bereich einer Bandkante
erhöht sich die Bandzugspannung, während sie sich an der anderen Bandkante verringert.
Die Schrägstellung der Rolle 8 innerhalb der Bandlaufebene B ist in Fig. 2 (stark
überzeichnet) dargestellt. Der Schwenkwinkel α in der Bandlaufebene beträgt üblicherweise
lediglich 0 bis 2°, vorzugsweise lediglich 0 bis 1°. Die daraus resultierende Zugspannungsverteilung
Z ist in Fig. 2 ebenfalls angedeutet. Auf die dargestellte Weise lässt sich z. B.
ein Bandsäbel korrigieren. In dem dargestellten Ausführungsbeispiel muss die betreffende
Rolle 8 nicht angetrieben sein. Im Rahmen der Erfindung werden jedoch stets sowohl
(rotierend) angetriebene als auch nicht angetriebene Spannrollen umfasst. Im Übrigen
ist in Fig. 1 erkennbar, dass es zweckmäßig ist, wenn der Umschlingungswinkel ca.
180° oder mehr beträgt. Die Schiefstellung der Rolle 8 bzw. der Verstellwinkel α ist
- wie erläutert - verhältnismäßig klein, so dass eine Verschiebung einer Lagerstelle
9 von weniger als einem Millimeter ausreichen kann. Überraschenderweise reichen derart
geringe Verstellungen aus, so dass zugleich Probleme mit einem unzulässigen Bandverlauf
vermieden werden. Um den Gesamtplanheitsstellbereich zu erweitern, besteht die Möglichkeit,
die dargestellte Rolle 8 mit den übrigen Planheitsstellgliedern eines Walzwerkes 4
zu kombinieren.
[0018] Während bei dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 1 die Spannrolle 8 in der Bandlaufebene
B verschwenkt wird, zeigt Fig. 3 eine Ausführungsform, bei welcher die dem Walzgerüst
4 direkt vor- oder nachgeordnete Rolle 8 senkrecht zur Bandlaufebene B verschwenkt
wird. Fig. 4 macht deutlich, dass sich auf diese Weise die Zugspannungen Z im Band
1 auf die Bandkanten bzw. Ränder konzentrieren, folglich liegt im Bereich der Bandkanten
eine höhere Bandzugspannung vor, als im Bereich der Bandmitte. Als Konsequenz erhöht
sich an den Rändern die Walzreduktion bzw. bei Dressiergerüsten der Dressiergrad und
es entsteht eine Tendenz zu Randwelligkeiten, so dass sich durch geeignete Verfahrensführung
Mittenwelligkeiten kompensieren lassen. Auch bei diesem Ausführungsbeispiel ist es
zweckmäßig, die Einstellung der Schieflage mit den übrigen Planheitsstellgliedern
des Walzwerkes abzustimmen, um den Gesamtplanheitsstellbereich zu erweitern.
[0019] In ähnlicher Weise wie bei dem Walzen gemäß Fig. 1 bis 4 lässt sich der erfindungsgemäße
Effekt auch beim Streckbiegerichten erzielen. Eine solche Ausführungsform ist in den
Figuren nicht dargestellt. An der Stelle im Band, wo eine höhere Zugspannung als an
den anderen Stellen herrscht, wird das Band stärker plastisch gestreckt und folglich
verlängert.
[0020] Fig. 5 zeigt eine erfindungsgemäße Zugreckvorrichtung. Diese weist ebenfalls einen
Einlaufspannrollensatz 2 zum Zugaufbau und einen Auslaufspannrollensatz 3 zum Zugabbau
auf. Zwischen dem Einlaufspannrollensatz und dem Auslaufspannrollensatz ist ein weiterer
Spannrollensatz 6 angeordnet, der als Zugreckrollensatz mit zwei Zugreckrollen 7,
8 ausgebildet ist. Zwischen diesen beiden Zugreckrollen 7, 8 wird die Reckzone R gebildet,
innerhalb der die plastische Verformung zur Beeinflussung der Bandplanheit erfolgt.
Erfindungsgemäß ist nun vorgesehen, dass zumindest eine dieser Zugreckrollen 7, 8,
z. B. die auslaufseitige Zugreckrolle 8, in der Bandlaufebene B und/oder quer zur
Bandlaufebene B verschwenkbar ist. Bandlaufebene B meint auch hier die Bandlaufebene
B im Bereich der Verformungszone und folglich im Bereich der Reckzone R. In der Fig.
5 ist lediglich eine Verstellung quer bzw. senkrecht zur Bandlaufebene B angedeutet.
Beim Zugrecken liegt die Zugspannung in der Reckzone in der Größenordnung der Streckgrenze.
Bei idealplastischen Bedingungen, bei denen keine Kaltverfestigung auftritt, ist davon
auszugehen, dass das Verschwenken die Zugspannungsverteilung im Band in der Reckzone
nicht beeinflusst. Das Verschwenken beeinflusst jedoch unmittelbar den Planiergrad,
da das plastische Dehnungsverhalten des Bandes in der Reckzone von der Winkelstellung
der Rolle abhängt. Die verstellbare Rolle 8 funktioniert gleichsam als weiteres Planheitsstellglied.
[0021] Stets ist es zweckmäßig, wenn in die beschriebenen Anlagen eine Planheitsmessvorrichtung
10 integriert wird. Dabei kann es sich um eine Planheitsmessrolle 10 oder auch um
eine Planheitsmessvorrichtung anderer Art, z. B. eine berührungslose Planheitsmessvorrichtung,
handeln. In Fig. 5 ist angedeutet, dass es zweckmäßig ist, diese Planheitsmessvorrichtung
10 hinter dem Auslaufspannrollensatz 3 anzuordnen. Durch eine nachfolgende Messung
der Zugspannungsverteilung im Band nach dem Walzen oder Richten oder Zugrecken kann
die Einstellung der beschriebenen erfindungsgemäßen Spannrolle 8 gesteuert und/oder
geregelt werden. Ggf. kann ein geschlossener Planheitsregelkreis eingerichtet werden.
Die Erfindung lässt sich dabei auch mit anderen Planheitsstellgliedern wie z. B. einer
konturvariablen Rolle kombinieren.
1. Vorrichtung zum Planieren von Metallbändern (1), insbesondere dünnen Metallbändern
aus z. B. Aluminiumlegierungen, im Zuge des Walzens, Richtens und/oder Zugreckens,
mit zumindest einem Spannrollensatz (2, 3, 6) mit zumindest zwei Spannrollen (7, 8),
dadurch gekennzeichnet, dass
zumindest eine der Spannrollen (7, 8) des Spannrollensatzes (2, 3, 6) in der Bandlaufebene
(B) und/oder quer zur Bandlaufebene (B) verschwenkbar ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, mit zumindest einem als Einlaufspannrollensatz (2) ausgebildeten
Spannrollensatz zum Zugaufbau und zumindest einem als Auslaufspannrollensatz (3) ausgebildeten
Spannrollensatz zum Zugabbau, wobei zwischen dem Einlaufspannrollensatz (2) und dem
Auslaufspannrollensatz (3) zumindest ein Walzgerüst (4), eine Richtvorrichtung und/oder
eine Zugreckvorrichtung (5) mit zumindest einem als Zugreckrollensatz (6) ausgebildeten
Spannrollensatz angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine der Spannrollen (7, 8) zumindest eines der Spannrollensätze (2, 3,
6) in der Bandlaufebene (B) und/oder quer zur Bandlaufebene (B) verschwenkbar ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Spannrolle zumindest eine der Spannrollen
(7, 8) beidseitig in Lagerstellen (9) drehbar gelagert ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Position einer Lagerstelle (9) oder beider Lagerstellen (9) in der Bandlaufebene
(B) und/oder quer zur Bandlaufebene (B) einstellbar ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Position einer Lagerstelle (9) oder beider Lagerstellen (9) mittels einer oder
mehrerer Positions-Stellantriebe einstellbar ist.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Metallband (1) um die verschwenkbare Spannrolle (8) unter einem Umschlingungswinkel
von zumindest 45°, vorzugsweise zumindest 90°, besonders bevorzugt zumindest 180°
geführt ist.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass dem Spannrollensatz (2, 3, 6) zumindest eine Planheitsmessvorrichtung (10) nachgeordnet
ist, welche mit einer der verschwenkbaren Spannrolle (8) zugeordneten Steuer- und/oder
Regelvorrichtung verbunden ist.
7. Verfahren zum Planieren von Metallbändern im Zuge des Walzens, Richtens und/oder Zugreckens,
insbesondere mit einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
wobei das unter Bandzug stehende Metallband zumindest bereichsweise plastisch verformt
wird, dadurch gekennzeichnet, dass durch Verschwenken zumindest einer Spannrolle ein über die Bandbreite variabler Planiergrad
eingestellt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Spannrolle zur Einstellung des Planiergrades in der Bandebene und/oder quer zur
Bandebene um einen Winkel α = 0° bis 5°, vorzugsweise 0° bis 3° verschwenkt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Spannrolle zum Einstellen des Planiergrades im Bereich einer Lagerstelle oder
im Bereich beider Lagerstellen in der Bandebene und/oder quer zur Bandebene um 0 bis
2 mm, z. B. 0 bis 1 mm verstellt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Planheit des Bandes ermittelt und die Spannrolle in Abhängigkeit von der ermittelten
Planheit gesteuert und/oder geregelt wird.