[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ansteuerung von Matrixanzeigen gemäß dem
Oberbegriff des Anspruchs 1, welche aus mehreren als Zeilen und Spalten ausgebildeten
Reihen mit einzelnen Pixeln aufgebaut sind, wobei einzelne Reihen selektiv angesteuert
werden, indem Zeilen für eine bestimmte Zeilenadressierzeit aktiviert und die Spalten
korreliert zu der aktivierten Zeile entsprechend der gewünschten Helligkeit in den
Pixeln mit einem Betriebsstrom oder einer entsprechenden Spannung, d.h. einen elektrischen
Signal zur Ansteuerung, beaufschlagt werden.
[0002] Im Folgenden werden die horizontalen Reihen als Zeilen und die orthogonal dazu verlaufenden,
vertikalen Reihen als Spalten bezeichnet. Dies dient dem einfacheren Verständnis.
Die Erfindung ist jedoch nicht auf genau diese Anordnung beschränkt. Insbesondere
ist es möglich, die Zeilen und Spalten in ihrer Funktion zu vertauschen oder eine
nicht orthogonale Beziehung zwischen den Zeilen und Spalten zu wählen.
[0003] Die Bilddaten bzw. die gewünschte Helligkeit D
ij einzelner Pixel ij werden mit der nachfolgend dargestellten Matrix D beschrieben.

[0004] Die Indizes entsprechen den Positionen der Pixel auf dem Display, welches durch die
Matrix bzw. Matrixanzeige D gegeben ist. Jede Zeile i der Matrix D und jede Spalte
j auf der Matrix D entsprechen jeweils der geometrischen Zeile und Spalte auf dem
Display. Jedem ansteuerbaren Pixel ij der Matrixanzeige D ist eine Pixel-Diode oder
dgl. Element zur Erzeugung eines Pixels einer Anzeige zugeordnet. Die zeitlich gemittelte
Leuchtintensität (entsprechend der Helligkeit D
ij) in jedem Pixel korrespondiert mit dem entsprechenden Element in der Matrix D. Alle
Einträge der Matrix D ergeben zusammen das darzustellende Bild.
[0005] Die Pixel ij auf der Matrixanzeige D, von denen jedes insbesondere als OLED (Organic
Light Emitting Diode) ausgebildet sein kann, werden bisher zeilenweise aktiviert.
Dazu werden die OLEDs auf einer selektierten Zeile i durch einen Schalter aktiviert,
indem sie z.B. mit Masse verbunden werden. In den Spalten j wird jeweils ein Betriebsstrom
I eingeprägt, der die Pixel ij im Schnittpunkt dieser Zeile i und den Spalten j zum
Leuchten bringt. Die Leuchtintensität L ist in erster Nährung proportional zu Ladung,
die während der aktiven Phase (Zeilenadressierzeit) eingeprägt und in dem OLED-Pixel
strahlend rekombiniert wird. Bei höherer Wiederholungsfrequenz der Adressierung der
Display-Matrix bzw. Matrixanzeige D nimmt das menschliche Auge folgenden Mittelwert
der Intensität L des Lichts wahr:

[0006] T
Frame ist die Gesamtzeit, die für den Aufbau eines kompletten Bildes benötigt wird, wenn
alle n Zeilen der Matrixanzeige D einmal aktiviert werden. Der Betriebsstrom I
OLED bzw. I oder I
0 wird in jedem Pixel eingeprägt. Bei einer Amplitudenmodulation zur Helligkeitssteuerung
ist der Betriebsstrom über den Zeitraum T
Frame /n aktiv, welcher der Zeilenadressierzeit entspricht. Bei einer Pulsweitenmodulation
ist die Dauer des Betriebsstroms kleiner, nämlich d* T
Frame /n. Dabei ist d das Pulsweitenmodulations-Tastverhältnis und liegt zwischen Null
und Eins:

[0007] Der Strom I
0 ist nun unabhängig von der Leuchtintensität des Pixels konstant. Die Intensität L
wird mittels des Tastverhältnisses d eingestellt. Eine derartige Helligkeitssteuerung
ist im Vergleich zu einer Amplitudenmodulation einfacher und genauer, da die Zeiteinheiten
in der Elektronik sehr genau eingestellt werden können und folglich auch d. Nur ein
Referenzstrom I
0 reicht zur Ansteuerung aller Pixel ij aus. Bei der Amplitudenmodulation muss dagegen
jeweils die Amplitude entsprechend der gewünschten Helligkeit D
ij angepasst werden.
[0008] Durch die Ansteuerung aller Spalten j jeweils nur einer Zeile i kann jede Diode bzw.
jedes Pixel ij maximal nur zu einem n-tel der Gesamtzeit T
Frame aktiv sein. Um auf eine bestimmte Durchschnittshelligkeit D
ij zu kommen, muss der entsprechende Betriebsstrom also im Vergleich zu dem Fall, in
dem ein Pixel über die Gesamtzeit T
Frame mit Betriebstrom versorgt würde, mit der Anzahl n der Zeilen multipliziert werden.
Das heißt, je höher die Zeilenanzahl ist, umso höher muss der gepulste Betriebsstrom
I bzw. I
0 sein. Außerdem ist der Betriebsstrom bei einer Pulsweitenmodulation zur Helligkeitseinstellung
immer hoch, auch wenn das anzusteuernde Pixels ij sehr dunkel ist. In diesem Fall
ist lediglich die Aufschaltzeit des Betriebsstroms sehr kurz.
[0009] Der hohe Betriebsstrom kann jedoch zu einer signifikanten Reduzierung der OLED-Lebensdauer
führen. Um den hohen benötigten Betriebsstrom zu erreichen, muss auch die Spannung
an den OLEDs erhöht werden, wodurch der Leistungsverbrauch ansteigt und der Wirkungsgrad
sinkt. Diese erhöhte Verlustleistung entlädt nicht nur den Akku bzw. die Batterie
schneller, sondern macht das Display auch wärmer, wodurch die Lebensdauer ebenfalls
reduziert wird. Um dennoch ein großes, hoch auflösendes Display zu realisieren, könnte
wie bei LCDs (Liquid Crystal Display, Flüssigkristallanzeige) eine sog. "aktive Matrix"
eingesetzt werden, wodurch der Betriebsstrom nicht mehr gepulst geliefert wird, sondern
als Konstantstrom vorliegt. Allerdings erfordert eine Aktive-Matrix-Ansteuerung (TFT-Backplane)
für ein OLED-Display signifikante Zusatzkosten.
[0010] Ein Treiber für ein eingangs diskutiertes OLED-Display ist in der
WO 03/091983 A1 beschrieben, der dazu dient, Passiv-Matrix-Displays mit höherer Effizienz anzusteuern.
Dazu ist in dem Treiber-Schaltkreis ein Identifizierer für leere, d.h. nicht oder
nicht nennenswert beleuchtete Zeilen von Pixeln vorgesehen. Derartige Zeilen werden
in der Ansteuerung vollständig ausgelassen. Dadurch erhöht sich die Helligkeit der
verbleibenden, angesteuerten Zeilen. Dieser Effekt kann auch dazu verwendet werden,
die Energiezufuhr an das Display proportional zu den ausgelassenen Zeilen zu verringern.
Die Zeit, mit der eine Zeile angesteuert wird, ist dabei immer gleich. Aus dem Datenblatt
MXED301 der Clare Micronix ist ein Controller für ein OLED Display bekannt, der in
einem Partial-Scan-Betriebsmodus und in einen Screen-Saver-Betriebsmodus selektiv
bestimmte Zeilen ansteuert und andere Zeilen des Display bei der Ansteuerung nicht
berücksichtigt. Eine angesteuerte Zeile wird jedoch mit der vorgesehenen Zeilenadressierzeit
gescannt.
[0011] Aus der
WO 97/16811 A1 ist ein Verfahren zum Ansteuern einer elektroluminiszenten Matrixanzeige bekannt,
bei der mit Ausnahme der ersten Zeile jeweils zwei Zeilen gleichzeitig angesteuert
werden, so dass jede dieser Zeile insgesamt zweimal angesteuert wird. Hierdurch kann
die Luminanz pro Ansteuerung eines Pixels reduziert werden, da das Pixel pro Ansteuerperiode
insgesamt zweimal angesteuert wird. Bei gleichem Strom lässt sich die Luminanz verdoppeln.
Ähnliches offenbart die
JP 2001-337649A, wonach zwei oder mehr Zeilen mit gleichen Bildinhalten gemeinsam angesteuert werden
können, um die durchschnittliche Leuchtdauer der Anzeige zu erhöhen.
[0012] Die
EP 1 437 704 A2 offenbart eine Ansteuerung für ein Matrixdisplay, bei dem die Ansteuerzeit für eine
oder mehrere angesteuerte Zeile(n) variabel auf Basis der jeweiligen Pixeldaten festgelegt
wird, um die Peak-Luminanz des Displays zu erhöhen und Schwarzpegel-Luminanz zu vermindern
und somit den Kontrast zu verbessern. Zur Erreichung der in einem Pixel gewünschten
Luminanz wird eine Pulsweiten- und/oder Amplitudenmodulation vorgeschlagen.
[0013] Aus der nachveröffentlichten
WO 2006/035248 A1 ist ein Verfahren zur Multiline-Adressierung bekannt, bei dem die Bilddaten eine
Bildmatrix definieren, die in ein Produkt wenigstens einer ersten und einer zweiten
Faktormatrix faktorisiert werden. Die erste Faktormatrix definiert Zeilenansteuerungssignale
und die zweite Faktormatrix definiert Spaltenansteuerungssignale für das anzusteuernde
Display. Die beschriebene non-negative matrix factorisation (NMF) führt zu einer Datenkompression.
Die Fehler für die verschiedenen Farbkanäle können bei diesem Rechenverfahren unterschiedlich
gewichtet und minimiert werden.
[0014] Die auch nachveröffentlichte
WO 2006/035246 A1 beschreibt ein ähnliches Verfahren zur Mulitline-Adressierung, wonach Gruppen von
ersten und zweiten Spaltenelektroden mit verschiedenen Spalten-Ansteuersignalen angetrieben
werden, denen jeweils erste und zweite Gruppen von Zeilenelektroden zugewiesen werden,
die jeweils gleichzeitig mit den ersten und zweiten Gruppen von Spaltenelektroden
angesteuert werden. Die Ermittlung der Matrizen erfolgt mit der vorbeschriebenen Factorisierung.
[0015] In Weiterentwicklung der vorstehend beschriebenen Technologie offenbart die auch
nachveröffentlichte
WO 2007/023251 A1, für welche die nationale Phase nicht eingeleitet wurde und die daher keinen Stand
der Technik darstellt, die Anwendung variabler Zeilenadressierzeiten im Sinne der
EP 1 437 704 A2 auch bei der Multiline-Adressierung, deren Matrizen wiederum durch Faktorisierung
gewonnen werden.
[0016] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur Ansteuerung von Matrixanzeigen
entsprechend der eingangs genannten Art vorzuschlagen, mit dem die Lebensdauer von
OLED-Display erhöht oder die Performance einer beliebigen Matrixanzeige verbessert
werden kann.
[0017] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen der Ansprüche 1 und 15 gelöst.
Die Zeilenadressierzeit wird t
i für jede Zeile i in Abhängigkeit von der maximalen Helligkeit D
imax aller Spalten j der Zeile i festgelegt. Dadurch kann die Zeilenadressierzeit t
i kleiner oder gleich einer konstanten Zeilenadressierzeit t
L gewählt werden, die sich ergibt, wenn jede Zeile der Matrixanzeige solange adressiert
wird, dass mit dem aufgeprägten Betriebsstrom eine maximale Pixelhelligkeit D
max erreicht werden könnte. Die erfindungsgemäße Zeilenadressierzeit t
i entspricht also der konstanten Zeilenadressierzeit t
L multipliziert mit dem Verhältnis der maximalen Helligkeit D
imax der Pixel in allen Spalten j der Zeile i zu der maximal möglichen Pixelhelligkeit
D
max in der gesamten Matrixanzeige.
[0018] Die maximale Pixelhelligkeit D
max ist definiert als die Leuchtintensität (Helligkeit) in einem Pixel ij, die erreicht
wird, wenn das Pixel während der konstanten Zeilenadressierzeit t
L mit dem Betriebsstrom I
0 beaufschlagt wird. Daraus ergibt sich, dass die Zeitsumme T
Sum der Zeitenadressierzeiten t
i über die Anzahl n aller Zeilen kleiner oder gleich der Gesamtzeit T
Frame zur Aktivierung aller n Zeilen ist, welche durch das n-fache der konstanten Zeilenadressierzeit
t
L gegeben ist. Bei konstantem Betriebsstrom I
0 kann daher die Gesamtzeit zur Ansteuerung der Matrixanzeige erfindungsgemäß auf die
Zeitsumme T
Sum < T
Frame der Zeilenadressierzeiten reduziert werden. Dies ermöglicht bspw. eine höhere Bildwiederholfrequenz
und steigert damit die erreichbare Performance einer Matrixanzeige.
[0019] Da die Leuchtintensität eines Pixels ij in erster Näherung proportional zu der Ladung
ist, die in ein Pixel ij eingeprägt wird, d.h. proportional zu dem Produkt aus Zeilenadressierzeit
t
i und Betriebsstrom ist, kann die Abhängigkeit der Zeilenadressierzeit t
i von der maximalen Helligkeit über die Spalten einer Zeile auch verwendet werden,
um den Betriebsstrom zu reduzieren. Dazu kann die Gesamtzeit T
Frame zur Aktivierung aller Zeilen i konstant gehalten werden, so dass die Summe der Zeilenadressierzeiten
t'
i über alle Zeilen n der Gesamtzeit T
Frame entspricht. Die Zeilenadressierzeiten t'
i werden gemäß dieser erfindungsgemäßen Verfahrensvariante also entsprechend verlängert,
so dass ihre Summe gleich der Gesamtzeit T
Frame ist. Gleichzeitig kann erfindungsgemäß der Betriebstrom I
0 um das Verhältnis der Zeitsumme T
Sum der (unbedingt benötigten) Zeilenadressierzeiten t
i aller Zeilen n zu der Gesamtzeit (T
Frame) zur Aktivierung aller Zeilen mit konstanter Zeilenadressierzeit t
L auf den Betriebstrom I
1 gesenkt werden. Die Leuchtintensität der einzelnen Pixel verändert sich dabei nicht,
weil das Produkt aus der Zeilenadressierzeit und dem Betriebsstrom t
i * I
0 = t'
i * I
1 konstant bleibt. Bei OLEDs ist die Quanteneffizienz η im Bereich eines geringeren
Betriebsstroms in der Regel größer als bei höherem Betriebsstrom. Daher kann der Betriebstrom
I
1 zusätzlich um das Verhältnis der Quanteneffizienzen η(I
1) / η(I
0) reduziert werden. Nachfolgend wird auch die (verlängerte bzw. auf T
Frame normierte) Zeilenadressierzeit t'
i der Einfachheit halber als t
i bezeichnet.
[0020] Durch die erfindungsgemäße Anpassung der Zeilenadressierzeiten t
i zur Adressierung der Diodenpixel kann also die selektive Phase (Zeilenadressierzeit)
der einzelnen Diodenpixel ij des Displays D, d.h. die Zeit, während der das Diodenpixel
ij mit dem Betriebsstrom 1 beaufschlagt wird, deutlich verlängert werden. Der aktive
Betriebsstrom I
1 kann dabei umgekehrt proportional zur Dauer des selektierten Phase reduziert werden.
Damit kann der Wirkungsgrad der Matrixanzeige D insgesamt erhöht und insbesondere
bei OLED-Displays die Lebensdauer verlängert werden. Eine grundlegende Idee dieser
Erfindung liegt also darin, die Dauer des Betriebsstroms durch eine zeilenabhängige
Verkürzung bzw. Anpassung der Zeilenadressierzeiten zu verlängern. Da für eine bestimmte
Leuchtintensität primär die Ladung entscheidend ist, bedeutet mehr Zeit zur Einprägung
des Betriebsstroms somit einen in der Amplitude niedrigeren Strom.
[0021] Eine verbesserte Handhabung und eine weitere Reduzierung des Betriebsstroms wird
erfindungsgemäß erreicht, indem die Matrixanzeige D in mehrere Matrizen S, M zerlegt
wird, die separat angesteuert werden. Die Überlagerung aller Matrizen erzeugt dann
das Bild der Matrixanzeige D in der gewünschten Helligkeit D
ij der jeweiligen Pixel ij. Dabei sollte die aus der Summe der Einzelhelligkeiten S
ij, M
jj der mehreren Matrizen gebildete Gesamthelligkeit D
ij der insgesamt gewünschten Helligkeit D
ij der Matrixanzeige D in dem Pixel ij entsprechen. Die Matrizen können erfindungsgemäß
nacheinander oder ineinander verschachtelt, vorzugsweise jeweils unter Anwendung des
vorbeschriebenen Verfahrens, zeilen- und spaltenweise abgearbeitet werden. Im Falle
einer Aufteilung in zwei Matrizen, wobei eine Matrix S die Ansteuerung einer Zeile
i und eine Matrix M2 eine gleichzeitige Ansteuerung von zwei Zeilen i vorsieht, können
die Zeilen der Matrizen S, M2 abwechselnd adressiert werden. Für Passiv-Matrix-Displaytypen,
wie OLED-Displays oder LCD, kann also ein Quellenbild, das in der Matrixanzeige D
beschrieben ist, in mehrere Bildmatrizen zerlegt werden. Jede dieser gewonnenen Matrizen
ist für den Displaytyp bspw. durch die nachfolgend beschriebene Multi-Line-Adressierung
gut umzusetzen, so dass die Summe der Bilder besser umgesetzt wird als bei einer direkten
Ansteuerung des Displays auf Basis der ursprünglichen Matrix D.
[0022] Ferner ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass mehrere Zeilen i gleichzeitig angesteuert
werden. Die Pixel ij in jeder Spalte j der angesteuerten Zeilen i haben jeweils dasselbe
Signal und dieselbe Leuchtintensität. Damit die Leuchtintensität eines Pixels ij der
Leuchtintensität bei Ansteuerung nur einer Zeile i entspricht, wird der Betriebstrom
I
0, I
1 um das Mehrfache entsprechend der Anzahl der gleichzeitig angesteuerten Zeilen erhöht,
bei gleichzeitiger Ansteuerung von zwei Zeilen also verdoppelt. Die gleichzeitige
Ansteuerung mehrerer Zeilen wird auch "Multi-Line-Adressierung" (MLA) genannt, in
Abgrenzung zu der Ansteuerung nur einer Zeile, die auch als "Single-Line-Adressierung"
(SLA) bezeichnet wird.
[0023] Bei einer gleichzeitigen Ansteuerung mehrerer Zeilen können vorzugsweise benachbarte
Zeilen angesteuert werden. Es ist erfindungsgemäß jedoch auch möglich, dass vorzugsweise
um wenige Zeilen voneinander getrennte Zeilen i gleichzeitig angesteuert werden, bspw.
jede übernächste Zeile. Eine enge Nachbarschaft gleichzeitig angesteuerter Zeilen
ist deswegen besonders sinnvoll, weil in einem Bild benachbarte Zeilen der Matrixanzeige
D häufig eine ähnliche Helligkeitsverteilung aufweisen.
[0024] Um bei mehreren, gleichzeitig angesteuerten Zeilen auch Intensitätsunterschiede zwischen
den einzelnen Zeilen und/oder Spalten erzeugen zu können, werden erfindungsgemäß eine
Matrix (S), in der eine Zeile (i) angesteuert wird, und eine oder mehrere Matrizen
(M2, M3, M4), in denen mehrere Zeilen (i) angesteuert werden, miteinander kombiniert.
Durch das Vorsehen einer Matrix S mit einer Single-Line-Adressierung kann die gewünschte
Helligkeit D
ij für jedes Pixel ij individuell angepasst werden. Diese Matrix S wird auch Rest-Single-Line-Matrix
genannt.
[0025] Erfindungsgemäß kann für die Helligkeitssteuerung eine Pulsweitenmodulation verwendet
werden, d.h. dass bspw. die Aufschaltung des Betriebsstroms I während einer Zeilenadressierzeit
t
i nur für einen Teil der Zeilenadressierzeit t
i erfolgt und der Betriebsstrom I in der verbleibenden Zeit der Zeilenadressierzeit
t
i ausgeschaltet ist. folgt und der Betriebsstrom I in der verbleibenden Zeit der Zeilenadressierzeit
t
i ausgeschaltet ist.
[0026] Alternativ kann für die Helligkeitssteuerung auch eine Amplitudenmodulation verwendet
werden, d.h. dass die Amplitude des Betriebsstroms I entsprechend der gewünschten
Helligkeit D
ij angepasst wird. Erfindungsgemäß können die Pulsweitenmodulation und die Amplitudenmodulation
zur Helligkeitssteuerung auch miteinander kombiniert werden. Dann ist es besonders
vorteilhaft, wenn die Helligkeit D
ij in quantisierten Schritten vorgegeben ist, weil die Amplitude des Betriebsstroms
dann in quantisierten Schritten reduziert werden kann, während das Pulsweiten-Tastverhältnis
dementsprechend erhöht wird. Diese Ansteuerung ist auch gerätetechnisch besonders
einfach umsetzbar. Dieses kombinierte Verfahren kann flexibel insbesondere dann eingesetzt
werden, wenn die Zeit für die Aufschaltung des Betriebsstroms I in einer Spalte j
nach einer Erhöhung des Pulsweiten-Tastverhältnisses die Zeilenadressierzeit t
i nicht übersteigt. Damit kann die Entscheidung einer Kombination der Amplitudenmodulation
mit der Pulsweitenmodulation abhängig von der hierfür benötigten Betriebsstrom-Aufschaltzeit
und der vorgesehenen Zeilenadressierzeit für jede Zeile i und Spalte j der Matrixanzeige
D individuell erfolgen. Bei der kombinierten Pulsweiten- und Amplitudenmodulation
kann die Amplitude also mit quantisierten Schritten reduziert werden, während das
Pulsweitenmodulations-Tastverhältnis dementsprechend erhöht wird. Die Umsetzung der
Quantisierung kann mit mehreren Transistorzellen erfolgen, mit denen auch die Multi-Line-Adressierung
umgesetzt werden kann.
[0027] Zur Erzeugung der für die Ansteuerung der Matrixpixel verwendeten Matrizen wird gemäß
einer bevorzugten Ausführungsform vorgeschlagen, die Matrixanzeige in eine Fluss-Matrix
zu überführen, welche als Einträge Knoten aufweist, die dem Bedarf an Helligkeit bzw.
Helligkeitsunterschiede einzelner Pixel in den jeweiligen Spalten entsprechen. Dies
kann mit einer geeigneten Steuerung erfolgen, in welcher das vorbeschriebene Verfahren
implementiert ist und welche geeignete Rechenmittel aufweist, um die einzelnen Verfahrensschritte
durchzuführen. Eine derartige Steuerung ist auch Gegenstand der vorliegenden Erfindung.
Durch diese Überführung kann die Matrix-Zerlegung mit einer kombinatorischen Methode
durchgeführt werden, die auf dem bekannten MaxFlow / Min-Cut Prinzip beruht. Der Hardware-Implementierungsaufwand
für derartige kombinatorische Algorithmen ist bekanntlich gering. Außerdem können
kombinatorische Algorithmen schnell abgearbeitet werden, so dass sich diese Algorithmen
besonders für die Steuerung einer Matrixanzeige eignen.
[0028] Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Fluss-Matrix aus der Differenz zweier
Matrizen abgebildet wird, wobei die erste Matrix aus der Matrixanzeige und einer am
Ende der Matrixanzeige angehängten Zeile mit Nulleinträgen und die zweite Matrix aus
der Matrixanzeige und einer der Matrixanzeige vorgeschalteten Zeile mit Nulleinträgen
bestehen. Bei einer Matrixzerlegung in Multi-Line-Matrizen und (Rest-)Single-Line-Matrix
ist es entscheidend, die Helligkeitsunterschiede einzelner Pixel auf der Spalte optimal
abzudecken. Die erfindungsgemäß vorgeschlagene Fluss-Matrix beschreibt die Unterschiede
zwischen den Pixeln in der Spalte und bietet die Grundlage bzw. einen optimalen Ausgangspunkt
für die Optimierung mit einer kombinatorischen Methode.
[0029] In einer Fluss-Matrix gemäß der vorliegenden Erfindung sind die Knoten vorzugsweise
durch als Kanten bezeichnete Pfeile verbunden, denen eine Belegung zugeordnet ist,
welche vorzugsweise entsprechend ihrer Länge den Einträgen der mehreren, separat angesteuerten
Matrizen (bspw. S, M2. M3, M4) entsprechen, in welche die Matrixanzeige wie oben beschrieben
zerlegt werden kann. Damit wird die Matrixzerlegung vollständig in eine Flussoptimierung
überführt. Das Ergebnis der Flussoptimierung, d.h. die Kantenbelegungen, sind dann
unmittelbar die entsprechenden Matrix-Elemente der Single- und Multi-Line-Matrizen
S, M2, M3, M4 etc..
[0030] Für die Flussoptimierung insbesondere bei der Ansteuerung eines Passiv-Matrix-Displays
ist es vorteilhaft, jeder Zeile der beteiligten Matrizen (S, M2, M3, M4) eine Kapazität
bzw. einen Kapazitätswert für zuzuordnen. Der Kapazitätswert entspricht dem Maximum
der Pixelwerte der jeweiligen Zeile. Die Summe aller Kapazitäten soll dann minimiert
werden.
[0031] Während bei bekannten Min-Cut-Verfahren bzw. Max-Flow-Verfahren die Kapazität konstant
gehalten und der Fluss maximiert wird, ist der Fluss in diesem Verfahren aus der Quellenmatrix
(Matrixanzeige D) abgeleitet und somit vorgegeben. Das Ziel der Optimierung ist die
Minimierung der Summe aller Kapazitäten. Daher wird die Kapazität erfindungsgemäß
variabel gestaltet. Die Kapazitäten werden nach einer später beschriebenen Strategie
so lange erhöht, bis alle Flüsse ausgeglichen bzw. balanciert sind. Dann ist eine
gültige Zuordnung der Kanten erreicht und die Matrix-Zerlegung abgeschlossen. Es kann
angenommen werden, dass die Summe der Kapazitätswerte minimal bzw. sehr klein ist.
Als Güte der Optimierung wird das Verhältnis zwischen dem theoretischen Minimum und
der Summe der Kapazitätswerte bezeichnet. Um die Anzahl der notwendigen Iterationen
bei der Erhöhung der Kapazitätswerte zu verringern, kann in einer Initialisierung
eine Zuordnung der Kanten als Startwert erzeugt werden.
[0032] Erfindungsgemäß werden bei jeder Iteration diejenigen Kapazitäten ausgewählt und
erhöht, welche einen Flaschenhals darstellen, der eine gültige Lösung verhindert.
Diese Kantenmenge, auch minimaler Schnitt (Min-Cut) genannt, kann als Auswahlkriterium
für die zu erhöhenden Kapazitäten verwendet werden.
[0033] Zusätzlich können erfindungsgemäß die Informationen vorangegangener Min-Cuts als
Auswahlkriterium mitverwendet werden, wobei eine Gewichtung der Min-Cuts der letzten
Iterationen erfolgen kann. Dies ermöglicht eine schnelle bzw. effiziente Lösung.
[0034] Um die Iteration zu beschleunigen, kann die Schrittweite, mit welcher der Kapazitätswert
erhöht wird, dynamisch angepasst werden. Dadurch wird erreicht, dass weniger Iterationen
durchgeführt werden müssen, ohne viel an Optimierungsgüte gegenüber der kleinsten
Schrittweite von "Eins" zu verlieren.
[0035] Zur Erhöhung der Rechengeschwindigkeit und Reduktion des benötigten Spei-cherplatzbedarfs
kann die Matrixanzeige in mehrere, kleinere Submatrizen aufgeteilt werden und die
Submatrizen separat zerlegt in Sub-Fluss-Matrizen werden. Eine solche Optimierung
wird als lokale Optimierung betrachtet, wäh-rend die Matrix-Zerlegung in einer einzigen
Optimierung als globale Optimierung betrachtet wird. Da bei der Optimierung kleinerer
Matrix viel weniger Iterationen benötigt werden, ist es auch möglich, dass die Ergebnis
von S, M2, M3, M4 etc. zeilenweise an die Register für den Ausgangstreiber direkt
weiterzugeben, ohne Zwischenspeicher für diese Matrizen zu benötigen. Damit ist der
Speicheraufwand deutlich geringer.
[0036] Ferner kann erfindungsgemäß eine gemischte lokale und globale Optimierung durchgeführt
werden, wobei aus einer Sub-Fluss-Matrix eine oder wenige Zeilen von Multi-Line-Matrizen
(M2, M3, M4) und/oder Rest-Single-Line-Matrizen (S) gewonnen werden. Damit ist ein
guter Kompromiss zwischen der lokalen und der globalen Optimierung, nämlich Geschwindigkeit
und Speicherplatzbedarf auf einer Seite und Optimierungsgüte auf der anderen Seite,
erreicht. Die Ergebnisse werden zeilenweise bzw. submatrixweise ausgegeben, so dass
kein Speicherplatzbedarf für die Speicherung vollständiger Matrizen besteht.
[0037] Bevorzugte Anwendungen des Verfahrens ergeben sich für die Ansteuerung selbstleuchtender
Displays, bspw. OLED-Displays, oder nicht-selbstleuchtender Displays, bspw. LCDs.
Eine weitere, erfindungsgemäße Anwendung des Verfahrens, die nicht auf die Ansteuerung
von Matrixanzeigen gerichtet ist, sondern bezieht sich allgemein auf das Auslesen
von Matrizen, bspw. Sensormatrizen in CCD-Kameras.
[0038] Weitere Vorteile, Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung
ergeben sich auch aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausfüh-rungsbeispielen und
der Zeichnung. Dabei bilden alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale
den Gegenstand der vorliegenden Erfindung, unabhängig von ihrer Zusammenfassung in
den Ansprüchen oder deren Rückbezügen.
[0039] Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch verschiedene Ausführungsformen der Ansteuerung einer Matrixanzeige gemäß
der vorliegenden Erfindung zur an-schaulichen Erläuterung der Single-Line- und der
Multi-LineAdressierung;
- Fig. 2
- schematisch Zeitdiagramme des Betriebsstroms (oder der zugehörenden Spannung) zur
Ansteuerung der Pixel einer Spalte der in Fig. 1 dargestellten Matrixanzeige;
- Fig. 3
- eine Matrixanzeige D aus drei Spalten und fünf Zeilen und den zur Ansteuerung einer
Spalte benötigten Strom;
- Fig. 4
- Ersatzschaltung einer Matrixanzeige mit m Spalten (Cm) und n Zeilen (Rn);
- Fig. 5
- eine Definition von Singe- und Multi-Line-Matrizen;
- Fig. 6
- eine erfindungsgemäße Zerlegung einer Matrixanzeige D in eine Zwei-Line-Matrix und
eine Single-Line-Matrix;
- Fig. 7
- eine erfindungsgemäße Zerlegung einer der in Fig. 6 gezeigten Matrixanzeige D in eine
Drei-Line-, eine Zwei-Line- und eine Single-Line-Matrix;
- Fig. 8
- Spannungs- und Stromverläufe für ausgewählte Reihen von Matrizen gemäß Fig. 6;
- Fig. 9
- eine Zerlegung der Matrix D in eine Fluss-Matrix d';
- Fig. 10
- ein Flussdiagramm der Fluss-Matrix d' gemäß Fig. 9;
- Fig. 11
- ein konkretes Beispiel der in die Flussmatrix d' überführte Matrix D gemäß Fig. 6;
- Fig. 12
- ein Flussdiagramm der Fluss-Matrix d' gemäß Fig. 11 in einem ersten Optimierungsschritt;
- Fig. 13
- ein Flussdiagramm der Fluss-Matrix d' gemäß Fig. 11 nach dem Optimierungsschritt;
- Fig. 14
- einen mathematischen Ablaufplan zum Erstellen der Fluss-Matrix d' und eines optimierten
Flussdiagramms;
- Fig. 15
- eine erfindungsgemäße Ausführungsform zur Erzeugung des Betriebsstroms;
- Fig. 16
- eine Helligkeitssteuerung durch eine Pulsweitenmodulation;
- Fig. 17
- eine Helligkeitssteuerung durch eine kombinierte Amplituden- und Pulsweitenmodulation
und Fig. 18;
- Fig. 18
- einen Algorithmus zur Durchführung einer Helligkeitssteuerung gemäß Fig. 17.
[0040] Fig. 1 stellt schematisch eine Matrixanzeige D, die aus vier Zeilen i und vier Spalten
j aufgebaut ist. Entsprechend weist die Matrixanzeige D insgesamt sechzehn Pixel ij
auf, welche die Helligkeit D
ij haben sollen. Jedes Pixel ij ist durch ein Rechteck dargestellt, in dem der digitale
Helligkeitswert D
ij als Zahlenangabe eingetragen ist. Der Helligkeitswert "0" steht für ein dunkles Pixel
ij, der Helligkeitswert "1" steht für ein schwach leuchtendes Pixel ij und der Helligkeitswert
"2" steht für ein hell leuchtendes Pixel.
[0041] Daher zeigt Fig. 1a eine Matrixanzeige D, auf der ein Kreuz mit einem halbdunklen
Zentrum in dem Pixel ij=23 und vier hellen Pixeln an dessen Kanten zu sehen ist. In
der herkömmlichen Single-Line-Adressierung (SLA) wird die Matrixanzeige D derart angesteuert,
dass nacheinander die Zeilen eins bis vier jeweils für eine konstante Zeilenadressierzeit
t
L aktiviert werden, welche in beliebigen Einheiten mit dem Wert "1" angegeben sind.
Während der Aktivierung der ersten Zeile wird die dritte Spalte mit einem Betriebsstrom
I beaufschlagt, der eine der gewünschten Helligkeit "2" entsprechende Ladung in dem
Pixel ij=13 deponiert. Nach einer Zeilenadressierzeit von t
L=1 wird auf die zweite Zeile umgeschaltet. In dieser zweiten Zeile werden gleichzeitig
die Spalten zwei und vier mit einem der Helligkeit "2" entsprechenden Betriebsstrom
I und die Spalte drei mit einem der Helligkeit "1" entsprechenden Betriebsstrom I
versorgt. Ein analoges Verhalten ergibt sich im Falle eines nicht-selbstleuchtenden
Displays für die an den einzelnen Spalten zur Ansteuerung angelegte Spannung. Ein
typischer Anwendungsfall sind LCDs (Liquid Crystal Display).
[0042] Nach einer weiteren Zeilenadressierzeit tL=1 wird die dritte Zeile analog zu der
ersten Zeile angesteuert. Schließlich wird für eine weitere Zeilenadressierzeit t
L =1 die vierte Zeile aktiviert, die jedoch vollständig dunkel ist, d.h. dass während
der selektierten Phase der vierten Zeile (Zeilenadressierzeit für die vierte Zeile)
in keiner der Spalten eins bis vier ein Pixel ij mit einem Betriebsstrom beaufschlagt
wird.
[0043] Nach einer Gesamtzeit T
Frame = 4 * t
L wurden alle Pixel ij der Bildmatrix D einmal angesteuert. Das menschliche Auge integriert
die nacheinander erleuchteten Pixel ij zu einem Gesamtbild auf.
[0044] Dieses herkömmliche Verfahren zur Ansteuerung einer Matrixanzeige D mittels einer
Single-Line-Adressierung wird erfindungsgemäß wie in Fig. 1b dargestellt dahingehend
modifiziert, dass die Zeilenadressierzeit t
i für jede Zeile i in Abhängigkeit von der maximalen Helligkeit D
imax aller Pixel auf den Kreuzungspunkten aller Spalten j mit der Zeile i festgelegt wird.
Dieses Verfahren wird nachfolgend auch als "Improved Single-Line-Adressierung" (ISLA)
bezeichnet. Die Zeilenadressierzeit t
i wird dabei so bemessen, dass die Summe T
Sum der Zeilenadressierzeiten t
i über alle vier Zeilen der Gesamtzeit T
Frame = 4 * t
L entspricht.
[0045] Bei der Bemessung der Zeilenadressierzeiten t
i kann wie folgt vorgegangen werden. Die maximale Helligkeit D
imax aller Spalten beträgt für die ersten drei Zeilen jeweils "2", so dass die Zeilenadressierzeit
t
i für diese ersten drei Zeilen jeweils gleich sein muss. In der vierten Zeile beträgt
die maximale Helligkeit "0", so dass diese Zeile überhaupt nicht angesteuert werden
muss und t
i=0 gewählt werden kann. Die Gesamtzeit T
Frame = 4 * t
L kann also auf drei Zeilenadressierzeiten t
i aufgeteilt werden, so dass t
i für die Zeilen eins bis drei um ein Drittel länger gewählt werden kann als die konstante
Zeilenadressierzeit t
L, d.h.

[0046] Die ersten drei Zeilen können also jeweils um ein Drittel länger aktiviert werden
als bei der Ansteuerung gemäß Fig. 1a. Da die Leuchtintensität bei einem OLED-Display
von der in den OLEDs eingeprägten Ladung abhängt, die sich aus dem Produkt des beaufschlagten
Betriebsstrom mit der Zeilenadressierzeit ergibt, kann der Betriebsstrom entsprechend
um ein Viertel reduziert werden, um in auf denselben integrierten Helligkeitswert
D
ij zu kommen, d.h.

[0047] Damit ist das Produkt aus t
L und I
0 gleich dem Produkt aus t
i und I
1. Dies ist anschaulich auch dem Vergleich der beiden Fig. 2a und 2b zu entnehmen.
Die Darstellungen in Fig. 2 zeigen den der dritten Spalte aus Fig. 1 über alle Zeilen
eins bis vier beaufschlagten Betriebsstrom bzw. die dazu proportionale Betriebsspannung.
Aufgetragen sind der beaufschlagte Strom (bzw. die entsprechend angelegte Spannung)
während der Zeilenadressierzeit. Wie Fig. 2a zu entnehmen entspricht die Breite eines
dargestellten Kastens gerade der konstanten Zeilenadressierzeit t
L, die in dem vorbeschriebenen Beispiel als Normierungsgröße verwendet worden ist.
Ein Kasten entspricht damit der Aktivierungszeit einer Zeile. Die Gesamtbreite bestehend
aus vier Kästen entspricht der Gesamtzeit T
Frame, innerhalb der ein Bild der Matrixanzeige vollständig aufgebaut werden kann.
[0048] In Fig. 2a wird der Stromverlauf bei der bekannten Single-Line-Adressierung beschrieben.
In der ersten Zeile ist der Strom entsprechend dem gewünschten Helligkeitswert "2"
maximal. Zur Verdeutlichung ist der zugehörige Ansteuerpuls (Strom x Zeit) für das
Pixel im Kreuzungspunkt der dritten Spalte mit der ersten Zeile schraffiert dargestellt.
Dies gilt jeweils auch für die weiteren Darstellungen der Fig. 2b) und 2c). In der
zweiten Zeile mit dem Helligkeitswert "1" ist der Strom halbiert. In der dritten Zeile
ist der Strom wieder maximal, um den Helligkeitswert "2" zu erreichen. Für die letzte
Zeile mit abgeschaltetem Pixel ist der Strom abgeschaltet. Diese Art der Ansteuerung
entspricht einer Amplitudenmodulation.
[0049] In Fig. 2b ist der Stromverlauf für die Improved Single-Line-Adressierung gemäß der
Erfindung dargestellt. Wie beschrieben wurden die Zeilenadressierzeiten t
i entsprechend um ein Drittel verlängert. Dies ist durch die gestrichelten Linien dargestellt.
Die vierte Zeile wird überhaupt nicht aktiviert. Die Helligkeit eines Pixels ij ist
proportional zu der eingeprägten Ladungsmenge, die durch den über die Zeit integrierten
Strom (Betriebstrom) bestimmt wird. Wie Fig. 2b zu entnehmen ist, ist die Fläche unter
der Stromkurve in Fig., 2b gleich der Fläche unter der Stromkurve in Fig. 2a, obwohl
der Strom (respektive die angelegte Spannung) jeweils um ein Viertel reduziert werden
konnte. Dies ist für die Lebensdauer von OLEDs von Vorteil.
[0050] Mit Bezug auf Fig. 1c wird eine weitere Ausführungsform der vorliegenden Erfindung
beschrieben. Bei diesem Verfahren zur Ansteuerung werden mehrere Zeilen gleichzeitig
angesteuert (Multi-Line-Adressierung). In dem vorliegenden Beispiel sind dies die
Zeilen eins und drei, in denen jeweils in der dritten Spalte ein Pixel mit der Helligkeit
"2" erzeugt werden muss (vgl. Fig. 1 a). Da zwei Zeilen zusammengefasst wurden, kann
die Zeilenadressierzeit verdoppelt werden. Entsprechend wird der Betriebsstrom (respektive
die entsprechende Spannung) je Pixel halbiert (vgl. Fig. 2c für ein Pixel).
[0051] Wie in Fig. 1d dargestellt ist es besonders vorteilhaft, das in Bezug auf Fig. 1c
beschriebene Verfahren der Multi-Line-Adressierung mit der Improved Single-Line-Adressierung
entsprechend Fig. 1b zu kombinieren. Dadurch ist es möglich, bei einer Multi-Line-Adressierung
beliebige Bilder zu erzeugen, da bei der Multi-Line-Adressierung alle aktivierten
Zeilen identisch angesteuert werden. Verbleibende Unterschiede und/oder Restzeilen
können dann durch die Improved Single-Line-Adressierung (MISLA) ausgeglichen werden.
[0052] So wird in Fig. 1d die zweite Zeile gemäß Fig. 1a durch eine gesonderte Ansteuerung
einer zweiten Matrix erzeugt. Dies entspricht einer Zerlegung der Matrixanzeige D
in mehrere Matrizen, die separat angesteuert werden und in der Summe das gewünschte
Bild der Matrixanzeige D erzeugen. Die Ansteuerung erfolgt dabei in einem so schnellen
Zeittakt, dass das menschliche Auge die sequentiell erfolgenden Ansteuerungen der
jeweiligen Zeilen und/oder Matrizen nicht trennen kann und zu einem Gesamtbild zusammensetzt.
Daher sollte auch bei einer Ansteuerung durch mehrere Matrizen die Gesamtzeit T
Frame, die für den vollständigen Aufbau eines Bildes benötigt wird, nicht verlängert werden.
Es ist ein vorteilhaftes Vorgehen, die Gesamtzeit T
Frame zur Aktivierung aller anzusteuernder Zeilen in allen Matrizen konstant zu halten
und die jeweiligen Zeilenadressierzeiten t
i entsprechend anzupassen. Dabei kann die Zeilenadressierzeit t
i für eine Zeile durchaus anders sein als die für eine andere Zeile, abhängig von der
maximalen Helligkeit der Spalten in der jeweiligen Zeile. Dieser Fall tritt in dem
derzeit beschriebenen Beispiel jedoch nicht auf.
[0053] Für die Kombination der Matrizen gemäß Fig. 1c und Fig. 1d ergibt sich folgendes
Verfahren. Für die Ansteuerung wird pro Matrix jeweils genau eine Zeilenadressierzeit
benötigt. Die dabei zu erzielenden maximalen Helligkeiten D
ij sind jeweils gleich. Daraus ergibt sich, dass zwei gleiche Zeilenadressierzeiten
t
i = 2 * t
L benötigt werden, um auf eine Gesamtzeit T
Frame = 4 * t
L zu kommen. Entsprechend der Verdopplung der Zeilenadressierzeit gegenüber der Single-Line-Adressierung
gemäß Fig. 1c kann der Betriebsstrom bzw. die Spannung für jedes einzelne Pixel ij
damit halbiert werden, wobei bei der Zwei-Zeilen-Adressierung (Zwei-Line-Adressierung)
berücksichtigt werden muss, dass die spaltenweise Ansteuerung mehrer Zeilen in der
schaltungstechnischen Realisierung einer Parallelschaltung entspricht und der beaufschlagte
Betriebsstrom daher gleichmäßig auf die Pixel aller aktivierten Zeilen verteilt wird.
Bei einer Zwei-Zeilen-Adressierung in einer Matrix ist der aufgeschaltete Betriebsstrom
daher zu verdoppeln, damit an jedem Pixel derselbe Betriebsstrom zur Verfügung steht.
[0054] Die Stromverteilung für die kombinierte Ansteuerung gemäß den Fig. 1c und 1d ist
Fig. 2c zu entnehmen und zeigt eine weitere Absenkung des maximalen Betriebsstroms
ohne Helligkeitseinbußen in der Matrixanzeige D.
[0055] Das anhand der Fig. 1 und 2 beschriebene Ansteuerungsverfahren stellt eine gegenüber
der praktischen Anwendung stark vereinfachte Ausführung dar und dient der Erläuterung
der zugrundeliegenden Idee. Erfindungsgemäß ist dieses Verfahren vorteilhaft auch
mit Elementen herkömmlicher oder bekannter Verfahren kombinierbar, bspw. in Verbindung
mit Precharge- und Discharge-Techniken oder dgl..
[0056] Nachfolgend wird ein komplexeres Beispiel zur Ansteuerung von Matrixanzeigen beschrieben,
wobei sämtliche der beschrieben Merkmale Gegenstand und Teil der Erfindung sind.
[0057] Ausgangspunkt der Beschreibung sind die Eigenschaften einer Matrixanzeige D, die
in Fig. 3 dargestellt ist. Die Helligkeit D
ij einer Matrixanzeige kann in digitalen Werten angegeben werden, wobei der Wert "0"
ein ausgeschaltetes Pixel beschreibt. Die maximale Helligkeit in der Matrix sei D
max (z.B.: Wert "255" bei 8-Bit). Der entsprechende Betriebsstrom ist I
0. Die Höhe von I
0 wird von der Anwendung vorgegeben bzw. eingestellt. Sie repräsentiert die gewünschte
Helligkeit des Displays.
[0058] Gemäß dem dem Stand der Technik entsprechenden bisherigen SLA-Verfahren (Single-Line-Adressierung)
bekommt jede Zeile innerhalb einer Frame-Periode (Gesamtzeit T
Frame) eine gleiche, fixe bzw. konstante Zeilenadressierzeit t
L zugewiesen, in der die maximale Helligkeit D
max erzeugt werden kann. Für genau ein Bit an Helligkeit gibt es einen korrespondierenden
Zeittakt t
0.

[0059] Eine bestimmte Helligkeit wird bei einer Helligkeitssteuerung mittels einer Pulsweitenmodulation
(PWM) in eine Anzahl der Zeittakte t
0 umgesetzt. Für die maximale Helligkeit fließt für die Zeilenadressierzeit von t
i = D
max * t
0 der Betriebsstrom I
0.
[0060] In der vorliegenden Erfindung wird die notwendige Selektionsdauer einer Zeile, d.h.
die für diese Zeile gewählte Zeilenadressierzeit t
i, von der maximalen Helligkeit D
ij sämtlicher Pixel ij in der selektierten Zeile i bestimmt. Wenn die maximale Helligkeit
in dieser Zeile kleiner als D
max ist, kann die nächste Zeile früher aktiviert werden, d.h. die gewählte Zeilenadressierzeit
t
i kann kürzer sein als t
L. Die erforderliche Gesamtzeit zum Aufbau eines Bildes ist somit:

wobei

die Summe der maximalen Helligkeiten D
imax einer Zeile über alle Zeilen ist. D
imax ist also die größte Helligkeit aller Spalten in der Zeile i.
[0061] Diese Zeit T
Sum ist kleiner bzw. gleich der Gesamtzeit T
Frame und kann auf T
Frame ausgedehnt werden, indem der Betriebsstrom I
0 auf den Betriebsstrom I
1 reduziert wird. Der Betriebsstrom I
1, der der gewünschten Helligkeit angepasst ist; ergibt sich aus:

[0062] Der reduzierte Betriebsstrom I
1 wird also dadurch erreicht, dass die aktive bzw. selektierte Phase einer Zeile (Zeilenadressierzeit
t
i) nicht fest an t
L gebunden ist. Statt dessen bleibt jede Zeile i nur solange aktiv, wie es das hellste
Pixel ij mit der Helligkeit D
imax auf dieser Zeile erfordert. Wenn die erforderliche Zeit für das hellste Pixel erreicht
ist, wird sofort auf die nächste Zeile umgeschaltet.
[0063] Mit diesem zeitoptimierten Steuerverfahren sind der Betriebsstrom I
1 und der Zeittakt für die Zeilenadressierung t
i erfindungsgemäß variabel. Der Betriebsstrom wird auf I
1 reduziert und der Zeittakt für genau ein Bit an Helligkeit (LSB, least significant
bit) von t
0 auf t
1 erhöht:

[0064] Ein einfaches Beispiel wird hierfür ist in Fig. 3 illustriert. Das Bild der Matrixanzeige
in Fig. 3a wird entsprechend Fig. 1 mit der Matrix D beschrieben, welche die Helligkeitswerte
D
ij an den einzelnen Pixelpositionen ij enthält.
[0065] Die Matrix D repräsentiert drei helle Streifen mit je einem dazwischenliegenden dunklen
Streifen, wobei der Einfachheit halber Grausstufen bis 3-Bit, d.h. eine maximale Helligkeit
von D
max = 7, angenommen werden. Insgesamt enthält die Matrixanzeige D also fünf Zeilen und
drei Spalten.
[0066] In den Fig. 3b) und 3c) ist der Zeitverlauf des in die zweite Spalte eingeprägten
(Betriebs-)Stroms dargestellt. Fig. 3b) stellt den Stromverlauf bei einer konventionellen
Single-Line-Adressierung (SLA) dar, der in Fig. 3c) dem Zeitverlauf der erfindungsgemäßen
Improved-Single-Line-Adressierung (ISLA) gegenübergestellt ist.
[0067] Während bei der Single-Line-Adressierung (Fig. 3b) die Stromamplitude beispielsweise
konstant 70 µA beträgt und jede Zeile mit einer konstanten Zeilenadressierzeit t
L von 2,8 msec aktiviert wird, beträgt bei der Improved-Single-Line-Adressierung (Fig.
3c) die Stromamplitude 40 µA. Die erste, die dritte und die fünfte Zeile sind jeweils
für eine Zeit (Zeilenadressierzeit t
i) von 4,2 msec und die zweite und die vierte Zeile für eine Zeit (Zeilenadressierzeit
t
i) von 0,7 msec aktiv.
[0068] Der für die Ansteuerung der gesamten Matrix D in gleicher Weise verwendete Betriebsstrom
I
1 und der Zeittakt t
1 für genau ein Bit an Helligkeit sind nun abhängig von dem jeweils darzustellenden
Bild. Da bei Passiv-Matrix-OLEDs der Diodenstrom aufgrund des Multiplex-Verfahrens
recht hoch ist, ist die Quanteneffizienz bzw. die Leuchtintensität pro Stromeinheit
relativ gering. Bei reduziertem Betriebsstrom steigt die Quanteneffizienz, was zu
einem weiter reduzierten Betriebsstrom führen kann:

η(I) ist die Quanteneffizienz bei dem Strom I in der Einheit Cd/A. Der Verlauf der
Quanteneffizienz wird in einer Gamma-Tabelle abgespeichert und kann durch eine erfindungsgemäße
Ansteuerelektronik, welche das beschriebene Verfahren umsetzt, für die obige Berechnung
herangezogen werden.
[0069] Da der Betriebsstrom I
1 gegenüber einer bekannten Ansteuerung reduziert ist, sinkt auch die Flussspannung
der OLED-Dioden. Dadurch steigt auch der Wirkungsgrad mit der Einheit Lm/W, da die
verbrauchte Energie gleich der Integration des Produktes von Strom und Spannung über
die Frame-Periode ist. Der erreichte höhere Wirkungsgrad bedeutet auch eine geringere
Eigenerwärmung des Displays, was zu einer Erhöhung der Display-Lebensdauer führt.
[0070] Der Umsetzungsaufwand ist hierfür gering, weil der Betriebsstrom I
1 für das Display nur einmal festgelegt werden muss und ein Zeittakt t
i leicht zu implementieren ist.
[0071] Bei der vorbeschriebenen Variante der Ansteuerung ist die Summe D
Sum der maximalen Helligkeiten D
imax einer Zeile eine vorgegebene, nicht veränderbare Größe. Wenn mehrere Zeilen zusammengefasst
und in einer Matrix gleichzeitig angesteuert werden, gibt es die Möglichkeit, D
Sum zu minimieren bzw. weiter zu verkleinern. Während einer Zeilenadressierzeit t
i werden dann mehrere Zeilen gleichzeitig selektiert, so dass die erforderliche Zeit
für die Ansteuerung der gesamten Bildmatrix insgesamt reduziert werden kann. Damit
kann auch der Betriebsstrom weiter reduziert werden.
[0072] In Fig. 4 ist schaltungstechnisch dargestellt, wie zwei Zeilen Ri und Ri+1 gleichzeitig
adressiert werden. Der eingeprägte Spaltenstrom ist nun 2*I
1 und wird auf die beiden Dioden der einzelnen Zeilen Ri und Ri+1 gleich verteilt.
Die Dioden auf den restlichen Zeilen sind passiv und werden nur mit der parasitären
Kapazität C
p dargestellt. Die Leuchtintensitäten sind bei den jeweiligen Dioden einer Spalte in
den gleichzeitig angesteuerten Zeilen gleich, weil sie jeweils mit demselben Strom
beaufschlagt werden. Für die zwei Zeilen wird daher im Vergleich zur Single-Line-Adressierung
nur eine Zeilenadressierzeit t
i benötigt, um dieselbe Helligkeit in den angesteuerten Pixeln zu erzeugen.
[0073] Diese Betrachtungsweise gilt auch, wenn mehr als zwei Zeilen gleichzeitig adressiert
werden. Die Zeiteinsparung ist umso größer, je mehr Zeilen zusammengefasst werden.
Dies ist eine dann Multi-Line-Adressierung.
[0074] Die Zusammenfassung mehrerer Zeilen ist jedoch nicht ohne Weiteres möglich, da nun
mehrere Pixel einer Spalte in mehreren Zeilen gleich angesteuert werden. Es gibt in
der Helligkeit also keinen Unterschied zwischen diesen Pixeln mehr, so dass differentielle
Informationen verloren gehen bzw. die Auflösung reduziert wird.
[0075] Dieses Problem wird dadurch gelöst, dass die Multi-Line-Adressierung (MLA) mit der
zuvor beschriebenen, optimierten Improved-Single-Line-Adressierung (ISLA) kombiniert
wird, indem die gewünschte Matrixanzeige D in mehrere Matrizen zerlegt wird. Das heißt,
dass eine Zeile in verschiedenen Matrizen S, M sowohl alleine als auch mit anderen
Zeilen gemeinsam adressiert wird. Der Unterschied in der Leuchtintensität zwischen
den Pixeln in den verschiedenen, in der Multi-Line-Adressierung aber gemeinsam angesteuerten
Zeilen der jeweiligen Spalte wird durch die Improved-Single-Line-Adressierung mit
der Matrix S realisiert. Die Multi-Line-Adressierung soll die erforderlichen Gesamtzeit
T
Sum minimieren. Die Überführung einer Matrixanzeige D in eine Single-Line-Matrix S und
Multi-Line-Matrix M wird mathematisch wie folgt dargestellt.

wobei M2 die Matrix für eine Zwei-Zeilen-Adressierung ist. Die Matrix S wird auch
als Rest-Single-Line-Matrix bezeichnet. Der grundsätzliche Aufbau ist der Matrizen
ist Fig. 5 zu entnehmen.
[0076] Die Quellendaten für die einzelnen Pixelhelligkeiten D
ij der Matrixanzeige D, welche zu dem gewünschten Bild zusammengesetzt werden, werden
in zwei Matrizen S und M2 zerlegt. S ist die Single-Line-Matrix, die durch die Improved-Single-Line-Adressierung
angesteuert wird. M2 ist die Multi-Line-Matrix, für deren Ansteuerung jeweils zwei
Zeilen zusammengefasst und gemeinsam adressiert bzw. aktiviert werden. Die Darstellung
von M2 in n-1 Matrizen, wobei n die Anzahl der Zeilen der Matrixanzeige D ist, zeigt,
dass für jede dieser Matrizen M zwei Zeilen zusammengefasst werden, da die Einträge
in den zwei Zeilen identisch sind. Die Zusammenfassung zweier Zeilen wird vorzugsweise
für zwei aufeinander folgende Zeilen vorgenommen, weil angenommen wird, dass aufeinander
folgeride Zeilen eines Bildes die größten Ähnlichkeiten besitzen und die Verteilung
der zweifachen Betriebsströme in zwei Pixel bei aufeinander folgenden Zeilen eines
reellen Displays am homogensten ist. Zudem ist die mathematische Zerlegung für diese
Einschränkung einfacher als wenn zwei beliebige Zeilen zusammengefasst werden. Die
Implementierung der Algorithmen ist dann von geringerem Aufwand und wird weiter unten
in einer erfindungsgemäßen Realisierung noch genauer beschrieben.
[0077] Natürlich können je nach Anwendung auch nicht benachbarte Zeilen zusammengefasst
werden. Bspw. können mit der Zusammenfassung von zwei durch eine Zwischenzeile voneinander
getrennte Zeilen Schachbrettmuster sehr gut mit der Multi-Line-Adressierung abgebildet
werden.
[0078] Die Zeilenadressierzeit t
i, die jede "Zweizeile" für die Aktivierung bekommt, hängt analog zu der vorbeschriebenen
Realisierung von der maximalen Helligkeit Mij eines Pixels in dieser Zweizeile ab.
Das zeitoptimierte Ansteuerverfahren, das bereits für die Single-Line-Adressierung
beschrieben wurde, wird auch hier eingesetzt. Die Summe der Zeilenadressierzeiten
ergibt sich also wie folgt:

wobei max(S
il,...S
im) und max(M2
il, ..., M2
im) jeweils die maximale Helligkeit einer Zeile angeben, die proportional zu der jeweiligen
Zeilenadressierzeit t
i ist.
[0079] Das Ziel der Zerlegung in mehrere Matrizen ist eine weitere Reduktion des Betriebsstroms
I
1, d.h. eine Minimierung von D
Sum. Das wird erreicht, indem jede Helligkeit M2
ij der Multi-Line-Matrix M2 zwei Elemente in der Single-Line-Matrix, nämlich S
ij und S
i+lj um den Betrag M2
ij von der Originaldaten D
ij und D
i+lj reduziert. Dafür wird jedoch nur eine Zeilenadressierzeit t
i benötigt, nämlich die Zeit für die Adressierung von M2
ij. Bei mehreren Zeilen ist die Wirkung entsprechend höher.
[0080] Die Transformation der Quellendaten (Matrixanzeige D) in mehrere Multi-Line-Matrizen
wird analog durch

definiert, wobei M3 eine gleichzeitige Ansteuerung von drei Zeilen beschreibt (vgl.
Fig. 5). Eine gleichzeitige Adressierung von noch mehr Zeilen geschieht entsprechend.
[0081] Es ist auch möglich, manche Multi-Line-Matrizen auszulassen, bspw. gemäß der Definition

in welcher die Matrix M3 mit Null belegt wird. Die Single-Line-Adressierung kann auch
so interpretiert werden, dass alle Elemente der Multi-Line-Matrizen Mx mit Null belegt
sind.
[0082] Die Idee, ein Bild bzw. eine Bildmatrix D in mehrere Bilder respektive Bildmatrizen
S, M aufzuteilen, die leichter anzusteuern sind, kann für alle Matrix-Display-Arten,
einschließlich LCD- und Plasma-Displays, angewendet werden. Die Multi-Line-Matrix
ist ein gutes Beispiel für eine einfache und effiziente Ansteuerung.
[0083] Nachfolgend wird eine vollständige Multi-Line-Adressierung einschließlich einer Single-Line-Adressierung
an einem konkreten Beispiel beschrieben. Das Ziel der vorgenommenen Transformationen
ist dabei die Minimierung von D
Sum. Das Ergebnis ist, dass der Betriebsstrom nicht mehr I
0 ist, sondern (bildabhängig) deutlich kleiner werden kann:

[0084] Bei dem in Fig. 6 dargestellten Beispiel wird eine 4X9-Matrix D in zwei Matrizen
M2 und S zerlegt. Die Anzahl der Zeilen dieser Matrix D ist n=9. D
max soll den Helligkeitswert "15" (4 bit) haben.
[0085] Die erste Matrix in Fig. 6 gibt die gewünschten Helligkeiten D
ij der Matrixanzeige D an. Die zweite Matrix ist Zweizeilen-Matrix M2 und die dritte
ist die Rest-Single-Line-Matrix S. M2 ist noch einmal gesondert dargestellt, wobei
der Summendarstellung zu entnehmen ist, wie die Helligkeiten jeweils auf zwei benachbarte
Zeilen bei gleichzeitiger Adressierung verteilt werden. D
Sum, d.h. Summe der maximalen Helligkeiten gleichzeitig aktivierter Zeilen, beträgt bei
Anwendung der Zweizeilen-Matrix D
Sum = 72. Wenn lediglich die Improved Single-Line-Adressierung angewendet wird, ist D
Sum = 107. Gegenüber n*D
max = 9 * 15 = 135 wird der benötigte Betriebsstrom durch Anwendung der Zweizeilen-Matrix
also auf 53% des konventionellen Ansteuerverfahrens reduziert.
[0086] Wenn eine Dreizeilen-Matrix-Adressierung M3 entsprechend Fig. 7 eingesetzt wird,
lässt sich D
Sum weiter reduzieren. Die erste Matrix gemäß Fig. 7 ist gleich der Quellenmatrix aus
Fig. 6 und gibt die gewünschten Helligkeitän D
ij der Matrixanzeige D wieder. Die zweite Matrix ist die Dreizeilen-Matrix M3, die dritte
Matrix ist die Zweizeilen-Matrix M2 und die vierte ist die Rest-Single-Line-Matrix
S. D
Sum reduziert sich in diesem Fall weiter auf 58. Gegenüber n*D
max =135 wird eine also Reduktion der Betriebsstromamplitude um 57% erzielt.
[0087] In Fig. 8 werden der Spannungsverlauf der achten Zeile, der Strom- und Spannungsverlauf
der zweiten Spalte sowie die Spannung an einer Diode (D
82) für die Zweizeilen-Adressierung gemäß Fig. 6 dargestellt.
[0088] In dem dargestellten Beispiel beträgt der Betriebsstrom I
0 für die konventionelle Single-Line-Adressierung 100 µA. Entsprechend der Reduktion
auf 53% beträgt der Betriebsstrom bei einer Ansteuerung einer Zeile also I
1 = 53 µA ist. Die Flussspanriung der OLED bei 53 µA beträgt 6 V. Die Schwellenspannung
der OLED beträgt 3 V. Eine Frame-Periode, d.h. die Gesamtzeit T
Frame, beträgt 13,5 msec. Bei der konventionellen Single-Line-Adressierung beträgt die
konstante Zeilenadressierzeit t
0 = 0,1 msec. Mit der Multi-Line-Adressierung entsprechend Fig. 6 beträgt t
1 = 0,1875 msec. Ein Frame besteht nun aus 72 (D
Sum) t
l-Takten.
[0089] Die S-Matrix und M2-Matrix werden abwechselnd aktiviert. Es wird zuerst die erste
Zeile der S-Matrix adressiert, dann die erste Zweizeile der M2-Matrix (d.h. deren
Zeilen 1 und 2), dann die zweite Zeile der S-Matrix, dann die zweite Zweizeile der
M2-Matrix (d.h. deren Zeilen 2 und 3), usw..
[0090] In Fig. 8a ist der Spannungsverlauf der achten Zeile dargestellt. Ein entsprechender
Zeilenschalter (vgl. entsprechend Fig. 4) ist dann geschlossen, wenn diese Zeile adressiert
ist, so dass ein Strom fließen kann. Die Spannung ist dann Null. Sonst ist der Zeilenschalter
offen. Da ein Spaltenstrom immer fließt, herrscht mindestens eine Spaltenspannung
von 6 V. Die Zeilenspannung von 3 V ergibt sich aus der 6V Spaltenspannung abzüglich
einer Schwellenspannung von z.B. 3 V im Falle einer OLED. Die achte Zeile ist für
2,625 msec (von 9,375 msec bis 12 msec) adressiert.
[0091] In Fig. 8b wird der Betriebsstrom in der zweiten Spalte dargestellt. In dem Stromverlauf
zeigen sich drei Stufen, nämlich Null, wenn keine Pixeldiode aktiv ist, 53 µA, wenn
nur eine Pixeldiode aktiv ist und 106 µA, wenn zwei Pixeldioden (im Rahmen der Zweizeilen-Adressierung)
aktiv sind. Im Falle der Zweizeilenadressierung beträgt die Stromamplitude an jeder
Diode auch 53 µA, weil sich der Gesamtstrom gleichmäßig auf beide der gleichzeitig
angesteuerten Pixeldioden verteilt.
[0092] Die Zeitspanne (Zeilenadressierzeit t
i), in der die achte Zeile aktiviert ist, besteht aus drei Phasen. Während der ersten
vier Takte (von 9,375 msec bis 10,125 msec) sind Zeile 7 und Zeile 8 gemeinsam adressiert.
Der Strom beträgt daher auch 2*53 µA. Das entspricht der Zeilenadressierung von M2
72.
[0093] In den nächsten fünf Takten wird die Zeile 8 von S
82 adressiert. Die insgesamt fünf Takte der Zeilenadressierzeit t
i kommen daher, dass das Maximum der Helligkeit Sij der achten Zeile der Matrix S den
Wert 5 hat (siehe 1. Spalte, 8. Zeile). Es fließt ein Strom von 53 µA für eine Zeit
von 0,1875 msec (ein Takt). Dann ist der Strom für vier weitere Takte Null, da das
Maximum der achten Zeile der S-Matrix (S
81) 5 beträgt und die Helligkeitssteuerung durch eine Pulsweitenmodulation vorgenommen
wird.
[0094] Die letzte Phase dauert 5 Takte, in der die achte und der neunte Zeile der Matrix
M2 adressiert sind. Der Strom beträgt wieder 106 µA. Der Strom fließt jedoch nur 4
Takte lang, da M2
82 4 beträgt. Der Strom sinkt für einen Takt wieder auf Null. In der dritten Spalte
fließt auch in diesem letzten Takt noch Strom (nicht dargestellt), weil die maximale
Helligkeit in der dritten Spalte M2
83=5 beträgt. Die gesamte Dauer, in der das Pixel ij = 82 mit Betriebsstrom beaufschlagt
wird (aktiven Zeit) beträgt 9 Takte, was D
82 entspricht.
[0095] Die Spannung in der zweiten Spalte ist in Fig. 8c im Zeitverlauf dargestellt. Sie
beträgt 6 Volt, wenn ein Betriebsstrom fließt und ist unabhängig davon, ob der Betriebsstrom
53 µA oder 106 µA beträgt, da bei 106 µA der Betriebsstrom durch zwei Dioden geteilt
wird. Wenn kein Strom fließt, sinkt die Spannung auf 3 Volt. Dies entspricht der Schwellenspannung,
unterhalb derer kein Diodenstrom fließen kann.
[0096] In Fig. 8d wird die Spannung an der Diode in dem Pixel ij=82 im zeitlichen Verlauf
dargestellt. Die Spannung beträgt 6 Volt, wenn ein Betriebsstrom in Höhe von 53 µA
durch diese Diode fließt. Während der adressierten Zeit der achten Zeile fließt für
4 Takte kein Strom. In dieser Zeit ist die Spannung am Pixel 3 V (Schwellenspannung).
Wenn in der zweiten Spalte kein Strom fließt, ist die Spannung am Zeilenschalter und
am Spaltenschalter 3 V, daher ist die Spannung an diesem Pixel dann auf Null. Wenn
durch die zweite Spalte ein Strom fließt, ist die Spaltenspannung 6 V und zieht das
Potential dieser nicht adressierten Zeile 8 auf 3 V (6V minus Schwellenspannung).
[0097] Die technische Realisierung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Ansteuerung von
Matrixanzeigen ist ähnlich einfach wie bei konventionellen Single-Line-Adressierungs-Verfahren.
An jeder Zeile befindet sich ein Schalter und jede Spalte ist mit einer Stromquelle
versehen, die bei einer Zwei-Zeilen-Adressierung drei Stromstufen (wie 0, 1 und 2)
aufweist, während es bei einem konventionellem Single-Line-Adressierungs-Verfahren
nur zwei Stufen (wie 0 und 1) gibt. Dies liegt daran, dass bei der gleichzeitigen
Adressierung von mehreren Zeilen der entsprechend erhöhte Strom verfügbar sein muss.
Allgemein gilt, dass bei einer gleichzeitigen Adressierung von n Zeilen eine Abstufung
mit n+1 Stufen erforderlich ist. Dies ist jedoch mit einem geringen Aufwand zu realisieren.
Eine konkrete Schaltung für eine gemischte Amplituden-PulsweitenModulation zur Helligkeitssteuerung
wird später noch genauer beschrieben.
[0098] In dem vorbeschriebenen Beispiel wurde eine Pulsweitenmodulation des Betriebsstroms
verwendet. Natürlich können die S- und die M2-Matrizen auch durch eine Amplitudenmodulation
des Betriebesstroms abgebildet werden. Bei der Amplitudenmodulation wird jede Zeile
bzw. jede Mehrzeile wird so lange adressiert, wie es dem Maximum auf dieser Zeile
bzw. Mehrzeile entspricht. Das ist bei der Pulsweitenmodulation gleich. Der einzige
Unterschied besteht darin, dass der Betriebsstrom während der Zeilenadressierungszeit
t
i ständig fließt und die Höhe seiner Amplitude angepasst wird.
[0099] Damit der Betriebsstrom minimiert wird, ist die optimierte und effiziente Überführung
der Quellenmatrix (Matrixanzeige D) in Multi-Line-Matrizen M und eine Single-Line-Matrix
S entscheidend. Optimiert bedeutet eine Minimierung der Summe der maximalen Helligkeiten
D
Sum und effizient bedeutet eine mit geringem Hardware-Aufwand und schnell durchführbare
Überführung.
[0100] Die Gewinnung bzw. Bestimmung der Matrizen M und S ist grundsätzlich mit bekannten
Methoden wie Linearer Programmierung und mit Standard-Software durchführbar. Allerdings
müssen dann aufwendige arithmetische Operationen, wie Multiplikation und Division,
angewendet werden, so dass diese Methode sehr rechenintensiv und langsam ist. Außerdem
steigt die Komplexität mehr als quadratisch mit der Größe der Bildmatrix an.
[0101] Daher wird erfindungsgemäß eine kombinatorische Methode vorgeschlagen, die auf dem
sogenannten "MaxFlow / MinCut"-Prinzip beruht. Da die Güte des Optimums im Wesentlichen
davon abhängt, wie sich zwei aufeinander folgende Zeilen unterscheiden, wird die Nebenbedingung
D = S + M2 + M3 + ... umgeformt, indem die Differenz zweier aufeinander folgender
Gleichungen gebildet wird, ohne dabei den Lösungsraum zu verändern. Dabei entstehen
die Matrizen d', S' und M2', M3', wie in Fig. 9 dargestellt. Die Matrix S' wird analog
zu der Matrix d' gebildet. Die Summe jeder Spalte der Matrizen ist Null.
[0102] Die umgeformten Nebenbedingungen lassen sich durch den in Fig. 10 dargestellten Graph
visualisieren.
[0103] Hierbei stellt jeder als Kreis dargestellter Knoten (aus einer Knotenmenge V) einen
Eintrag in der umgeformten Matrix d' dar. d'
ij im Kreis repräsentiert das entsprechende Element der Matrix d', die in Fig. 9 dargestellt
ist. Der Wert dieser Knoten ist also gleich dem Wert des Matrixelements d'
ij. Die Kanten zwischen den Matrixelementen d'
ij sind die Pfeile, die von einem Knoten bzw. Kreis zu einem anderen Knoten bzw. Kreis
führen. Jede diese Kante hat eine Richtung, die durch den Pfeil dargestellt und mit
einer Zahl belegt wird. Diese Belegung (Zahl) der Kanten (aus der Kantenmenge A) spiegelt
den Wert wieder, den die entsprechende Variable in der Zerlegung der Quelldaten-Matrixanzeige
hat. Kanten, die von einer Zeile zur nächsten reichen, gehören zur Matrix S. Kanten,
die eine Zeile überspringen, also die Länge "2" haben, sind der Matrix M2 zuzuordnen.
Kanten mit Länge drei werden entsprechend der Matrix M3 zugeordnet und für die Matrizen
M4, M5 etc. ergibt sich eine analoge Zuordnung. Die Indices der Kanten werden mit
ij bezeichnet, wobei "i" die Zeilennummer für den Startknoten (Kreis) und "j" die
Nummer für die Spalte ist.
[0104] Dies wird nachfolgend anhand des bereits in den Fig. 6 und 7 behandelten Beispiels
erläutert. Die 4X9-Matrix D aus Fig. 6 wird in eine 4X10-Fluss-Matrix d' transformiert,
die in Fig. 11 angegeben ist. Diese Matrix d' ist in Fig. 12 als zu balancierender
Fluss dargestellt.
[0105] Jedes Element der d'-Matrix entspricht einem Knoten in der entsprechenden Position.
Die Kanten sind noch alle mit Null belegt, da es hier um den Start der Matrixzerlegung
handelt. Eine gültige Zerlegung ist genau dann erreicht, wenn die Summe der Belegungen
(Zahlen) der ausgehenden Kanten (von dem Kreis ausgehenden Pfeile) minus der Summe
der Belegungen (Zahlen) der eingehenden Kanten (an dem Kreis ankommende Pfeile) jeden
Knotens (Kreises) gleich seines jeweiligen Wertes (Bedarf) der Knotens ist. Dabei
sind alle Kantenbelegungen nicht negativ.
[0106] In Fig. 13 wird das Ergebnis des balancierten Flusses dargestellt. Aus den Belegungen
der Kanten erhält man alle Elemente der Matrizen M3, M2 und S.
[0107] Nachfolgend wird das mathematische Verfahren genauer beschrieben, mit dem der in
Fig. 13 dargestellte balancierte Fluss erstellt wird.
[0108] Zwei Kanten (Pfeile) in Fig. 13 sollen vom gleichen Typ heißen, wenn Start- und Endknoten
beider Kanten jeweils in derselben Zeile liegen. Das Ziel ist es, eine gültige Belegung
der Kanten zu finden, sodass die Summe der maximalen Kanten eines jeden Kantentyps
minimiert wird. Mathematisch lässt sich das folgendermaßen beschreiben. Gegeben ist
ein gerichteter Graph G = (V, A) wobei die Kantenmenge A nach Typen partitioniert
ist in
A =
A1 ∪̇
A2 ∪̇...∪̇
Ap. p ist die Anzahl der Zeilen der Multi-Line-Matrizen M und der Rest-Single-Line-Matrix
S. Ferner gibt es eine Funktion
b :
V →
Z, die jedem Knoten seinen Bedarf zuordnet. Z ist eine ganze Zahl (Integer). Gesucht
ist eine Funktion
f :
A → Z
≥0(, sodass für jeden Knoten
v ∈
V die Gleichung

gilt und

minimal ist. Die obere Gleichung wird auch "Flusserhaltung" genannt und entspricht
der Kirchhoffschen Knotengleichung. b(v) ist der Bedarf dieses Knotens und kann als
den Stromfluss aus der Masse in diesen Knoten betrachtet werden (wobei bei negativem
Bedarf der Strom vom Knoten in die Masse fließt). D
Sum ist zu minimieren.
[0109] Die vorgenannte Aufgabe ist äquivalent zu dem Problem, jedem Kantentyp
Ak, k = 1,...,
p eine nichtnegative Zahl (eine sogenannte Kapazität) zuzuordnen, so dass die Summe
dieser Kapazitäten minimal ist und eine gültige Belegung der Kanten existiert, welche
die Kapazitäten nicht überschreitet.
[0110] Das Besondere an diesem neuen Verfahren ist, dass die Kapazität für alle Kanten einer
bestimmten Länge einer Zeile gültig ist. Der Fluss auf jeder dieser Kanten ist kleiner
oder gleich dieser Kapazität. Die Kapazitäten selbst sind variabel und stellen in
gewisser Weise die Kosten bzw. den Aufwand für die Optimierung dar. Die Summe aller
Kapazitäten muss minimiert werden. Im Gegensatz zu einer bekannten Max-Flow / Min-Cut
Methode, bei der bei gegebenen Kapazitäten der Fluss maximiert wird, wird hier bei
gegebenem Fluss die Kapazität minimiert.
[0111] Die Kapazitäten sind eine Funktion
u:{1,...,
p}→Z
≥0c, so dass für alle
k ∈ {1,...,
p} und
a ∈
Ak gilt:
f(
a) ≤
u(
k).
[0112] Die vorbeschriebene Minimierung lässt sich grundsätzlich auch als lineares Programm
modellieren und lösen, was jedoch wie bereits erwähnt sehr rechenintensiv ist. Wie
nachfolgend gezeigt lässt sich das vorbeschriebene, erfindungsgemäße Verfahren mit
nur geringem Aufwand mathematisch wie folgt umsetzen.
[0113] Dazu werden die Kapazitäten sukzessive, d.h. schrittweise, von Null an erhöht, bis
eine gültige Zerlegung möglich ist. Damit wird auch sichergestellt, dass die Kapazität
größer oder gleich Null ist. Dabei wird in jeder Iteration die Menge an Kanten bestimmt,
deren Belegung gleich der Kapazität ist und somit einen Flaschenhals darstellt, der
eine gültige Lösung verhindert. Diese Kantenmenge, auch minimaler Schnitt genannt,
trennt die Knoten mit positivem Bedarf von denen mit negativen Bedarf. Danach werden
die Kapazitäten der Kanten aus dem minimalen Schnitt erhöht. Vorzugsweise geschieht
dies aber nur für die Kapazität, die es den meisten Kanten erlaubt, den Flaschenhals
zu verlassen. Die Belegungen werden nun so weit erhöht, bis entweder eine gültige
Lösung gefunden ist oder ein erneuter Flaschenhals auftritt, woraufhin die beschriebenen
Schritte wiederholt werden.
[0114] Eine mathematische Formulierung des Verfahrensablaufs ist Fig. 14 zu entnehmen. Die
Programmmodule "MaxFIow" und "MinCut" sind die aus der Literatur bekannten Standardverfahren.
Das Programmmodule "Initialisiere" legt die Startwerte für u fest, bspw. kann u(k)
= 0 für alle
k ∈ {1,...,
p} gelten. Vorzugsweise werden jedoch untere Schranken verwendet, die durch eine Vorverarbeitung
der Daten erzeugt wurden. Die Menge H beschreibt die Historie der berechneten MinCuts.
Dabei werden mit
C ⊂
A die ausgehenden Kanten des aktuellen MinCuts bzw. mit
Ci ⊂
A die ausgehenden Kanten des MinCuts der Iteration i bezeichnet. Der Parameter Δ
u bestimmt die Schrittweite, mit der die einzelnen Kapazitäten erhöht werden. Vorzugsweise
werden nur wenige Kapazitäten pro Iteration erhöht (z.B. nur für die k, für die |
Ak ∩
C| bzw. die gewichtete

Summe maximal ist, wobei ältere Schnitte weniger stark gewichtet werden. Dabei beschreibt
w die Gewichtung der Historie. Die Wahl der Größe des Schritts ermöglicht einen Kompromiss
zwischen der Güte des Verfahrens (kleine Δ
u, z.B. Δ
u = 1) und Laufzeit (größere Δ
u) und kann auch dynamisch angepasst werden.
[0115] Das Verfahren dieser Erfindung kann natürlich auch für einen Teilbereich einer Bildmatrix
eingesetzt werden. So kann ein Bild in mehrere Segmente aufgeteilt und jedes für sich
optimiert werden, was einer lokalen Optimierung entspricht.
[0116] Ebenso kann eine gemischte globale und lokale Optimierung durchgeführt werden, indem
ein Segment bestimmter Größe zeilenweise oder um mehrere Zeilen verschoben wird. Die
Submatrix wird gebildet aus einer bestimmten Anzahl von Zeilen. Sie wird zuerst aus
den oberen Zeilen der Quellenmatrix gebildet. Bei jeder Optimierung werden die Matrixeinträge
(S, M2, M3 etc.) für die oberste Zeile oder wenige oberste Zeilen gewonnen. Die nächste
Submatrix wird dementsprechend um eine oder mehrere Zeile nach unten verschoben. Der
Einfluss der zuvor gewonnenen Multi-Line-Matrix-Zeile auf diese neue Submatrix muss
abgezogen werden. Dann werden wieder eine oder mehrere Zeilen von S, M2, M3 etc. gewonnen.
Die Submatrix läuft bis zum Ende der Quellenmatrix und wird dann komplett zerlegt.
Damit erhält man alle Einträge von S, M2, M3 etc..
[0117] Die Zerlegung einer kleineren Matrix erfordert weniger Speicherplatz und weniger
Iterationen. Bei einer globaler Optimierung, bei der die Matrix in der Regel groß
ist, muss das Ergebnis der Matrix-Zerlegung in einen Zwischenspeicher, wie SRAM oder
dgl., abgelegt werden. Erst unmittelbar vor der Aktivierung werden die Informationen
dann zeilenweise in Register für den Ausgangstreiber eingelesen. Bei segmentierter
/ lokaler bzw. gemischter Optimierung können die Kapazitäten zuerst durch die Submatrix-Zerlegung
gewonnen, folglich auch deren Summe, bzw. t
l und I
1. Dank der schnellen Zerlegung wird dann sukzessiv das Zeilenergebnis noch einmal
berechnet und direkt dem Register für den Ausgangstreiber weitergereicht, so dass
der große Zwischenspeicher entfallen kann. Der Hardware-Aufwand kann durch die segmentierte
/ lokale bzw. gemischte Optimierung reduziert werden, während die Güte der Optimierung
in diesem Fall etwas abnehmen kann.
[0118] Wenn die Matrizen M, S mit den den einzelnen Pixeln ij entsprechenden Helligkeiten
feststehen, müssen die Dioden entsprechend angesteuert werden. Die einzelnen Zeilenadressierzeiten
t
i können von Zeile zu Zeilen variieren und richten sich jeweils nach dem maximalen
Helligkeitswert dieser Zeilen. Die Helligkeitssteuerung kann dann durch eine Pulsweitenmodulation
bzw. eine Amplitudenmodulation des Strom erreicht werden.
[0119] Bei der Pulsweitenmodulation werden nur die Pixel ij mit der maximalen Helligkeit
während der gesamten Zeilenadressierzeit angeschaltet, d.h. von dem Betriebsstrom
durchflossen. Die übrigen Pixel ij leuchten nur zeitweise, wobei die jeweilige Leuchtzeit
mit dem jeweiligen Helligkeitswert Sij, Mij korreliert ist.
[0120] Alternativ kann auch eine Amplitudenmodulation zur Helligkeitssteuerung eingesetzt
werden, so dass alle Pixel ij in der aktiven Phase, d.h. während der jeweiligen Zeilenadressierzeit
t
i, zu 100% der Zeit eingeschaltet sind und der Betriebsstrom bei Pixeln ij mit geringerer
Helligkeit entsprechend verkleinert ist. Allerdings ist die Amplitudenmodulation in
Bezug auf die Hardware schwieriger zu implementieren. Dies gilt insbesondere für eine
hohe Farbtiefe bzw. viele Graustufen, während eine Pulsweitenmodulation vergleichsweise
einfach und genau implementierbar ist, ohne dass ein hoher Aufwand für die eingesetzte
Hardware erforderlich ist.
[0121] Besonders vorteilhaft ist es, eine Pulsweitenmodulation mit einer Amplitudenmodulation
zu kombinieren, um den Betriebsstrom bei Pixeln ij mit geringerer Helligkeit zu reduzieren.
Diese erfindungsgemäße gemischte bzw. kombinierte Amplituden- und Pulsweitenmodulation
wird nachfolgend mit Bezug auf die Fig. 15 bis Fig. 18 erläutert.
[0122] Für die vorbeschriebene Multi-Line-Adressierung gemäß der Erfindung muss der Betriebsstrom
quantifiziert, d.h. in mehrere verschiedene Stufen eingeteilt, werden, um die Ströme
für Ein-, Zwei- und Mehrzeilenadressierung in die Spalten einzuspeisen und die Höhe
des Stroms dementsprechend einzustellen. Beispielsweise muss für vier gleichzeitig
angesteuerte Zeilen bei einer Multi-Line-Adressierung M4 auch der vierfache Betriebsstrom
(4*I
1) eingeprägt werden.
[0123] Dazu kann die Stromquelle mit drei Transistoren, wie in Fig. 15 dargestellt, bestehend
aus zwei Eintransistor-Zellen und einer Zweitransistor-Zelle realisiert werden. Diese
drei Transistoren bekommen dieselbe Steuerspannung an das Gate, wenn ein Betriebsstrom
I = 4*I
1 für vier Zeilen gefordert wird. Wenn ein Betriebsstrom von I = 3*I
1 benötigt wird, liegt an einer Eintransistor-Zelle keine Steuerspannung an, während
eine Steuerspannung für die Zweitransistor-Zelle und die andere Eintransistor-Zelle
an deren jeweiliges Gate angelegt wird. Für einen Betriebsstrom von I = 2*I
1 sind entweder die Zweitransistor-Zelle aktiv und die beiden Eintransistor-Zelle passiv
oder umgekehrt. Für einen Betriebsstrom I = I
l ist nur eine Eintransistor-Zelle aktiv.
[0124] Der quantifizierte Betriebsstrom kann auch genutzt werden, um den Betriebsstrom bei
einem Matrix-Eintrag, dessen Helligkeitswert M
ij, S
ij nicht ein Maximum ist, abermals zu reduzieren. Dazu kann bspw. der in Fig. 18 für
die Helligkeitswerte M
ij dargestellte Algorithmus genutzt werden. Das Ergebnis entspricht einer kombinierten
Pulsweiten- und Amplitudenmodulation zur Helligkeitssteuerung.
[0125] Das Ergebnis dieser kombinierten Helligkeitssteuerung ist in Fig. 17 im Vergleich
zu einer ausschließlichen Pulsweitenmodulation zur Helligkeitssteuerung (Fig. 16)
dargestellt. Bei einer reinen Pulsweitenmodulation beträgt die Stromamplitude bspw.
konstant 100 µA. Die Pulsweite des ersten Pulses beträgt 6 von 10 Einheiten (6/10),
wobei die aktive Dauer dieser Zeile ist 10 Einheiten beträgt (Zeilenadressierzeit
von 10 Einheiten). Da 6 Einheiten größer als die Hälfte von 10 Einheiten und kleiner
als ¾ von 10 Einheiten ist, wird mit der gemischten Amplituden-Pulsweitenmodulation
die Pulsweite des ersten Pulses auf 4/3 des ursprünglichen Wertes ausgedehnt. Gleichzeitig
wird die Amplitude auf ¾ der ursprünglichen Amplitude (d.h. im Beispiel 75 µA) reduziert.
Dies ist auch Fig. 17 im Vergleich zu Fig. 16 zu entnehmen. Die Pulsweite des zweiten
Pulses wird verdoppelt, während die Amplitude analog dazu halbiert wird. Der dritte
und der fünfte Puls können nicht ausgedehnt werden, da ihre Pulsweiten nah bei der
aktiven Dauer (Zeilenadressierzeit) der jeweiligen Zeile sind. Die Weite des vierten
Pulses kann hingegen vervierfacht werden.
[0126] Es ist in Fig. 17 deutlich zu erkennen, dass die mittlere Amplitude des Betriebsstroms
bei einer gemischten bzw. kombinierten Amplituden- und Pulsweitenmodulation zur Helligkeitssteuerung
reduziert wird.
[0127] Natürlich können auch nur Teile der obigen, in Fig. 18 dargestellten Algorithmen
angewendet werden. Diese Algorithmen gelten auch für die Single-Line-Matrix. Bei einer
Multi-Line-Adressierung mit anderer Zeilenanzahl werden die Algorithmen in entsprechender
Weise formuliert. Die Algorithmen richten sich nach der Quantifizierung der Stromquelle.
[0128] Mit dem vorliegenden Verfahren zur Ansteuerung von Matrixanzeigen und einer zur Durchführung
des zuvor beschriebenen Verfahrens eingerichteten Displaysteuerung, auf welche sich
die Erfindung auch bezieht, ist es also möglich, eine optimierte Ansteuerung von Matrixanzeigen
zu erreichen. Diese kann zur Performancesteigerung, bspw. einer erhöhten Bildwiederholfrequenz,
und/oder zur Reduzierung des für die Ansteuerung der einzelnen Pixel erforderlichen
Betriebsstroms verwendet werden. Wesentliche Merkmale sind dabei, dass die Zeilenadressierzeit
für jede Zeile in Abhängigkeit von der maximalen Helligkeit, die ein Pixel in dieser
Zeile erreichen muss, abhängt und/oder die Matrixanzeige in mehrere separate Matrizen
zerlegt wird, von denen einige eine Mehr- oder Multizeilenansteuerung repräsentieren.
[0129] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auch auf eine Steuerung zur Durchführung des
vorbeschriebenen Verfahrens. Dazu kann das beanspruchte Verfahren in einem anwendungsspezifischen
IC (ASIC), wenn bspw. der Display-Controller und der Displaytreiber in einem Chip
integriert sind, implementiert sein. Die Erzeugung von t
1 und I
1 geschieht in dem Treiber. Die Matrix-Zerlegung wird mit einer kombinatorischen Logik
realisiert, die einfach und schnell ist.
[0130] Da ein Bild und folglich auch die abgeleiteten Matrizen immer datenintensiv sind,
wird ferner Speicher benötigt. Dieser Bedarf kann mit einem modernen Halbleiterprozess
oder wie vorbeschrieben auch mit lokaler bzw. gemischter Optimierung reduziert werden.
Natürlich kann das vorliegende Verfahren auch auf mehreren Chips aufgeteilt werden.