[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Inertisieren einer zum Transportieren eines
kryogenen Mediums im festen oder flüssigen Zustand dienenden Transportleitung sowie
ein System zum Transportieren von kryogenen Medien.
[0002] Kohlendioxidpartikel in Form von Pellets oder Trockeneisschnee werden nach ihrer
Erzeugung in thermisch isolierten Leitungen zu ihrem Einsatzort gefördert. Als Treibmittel
dient dabei in der Regel Druckluft, die aufgrund der tiefen Temperaturen der Kohlendioxidpartikel
von bis zu minus 78°C zuvor einem Trocknungsprozess unterworfen wird, um die Gefahr
einer Eisbildung zu vermeiden. Während des Einsatzes der Transportleitung ist der
Druck in der Transportleitung höher als der in der Außenumgebung; auf diese Weise
wird vermieden, dass feuchte Außenluft durch möglicherweise vorhandene Leckagen in
der Transportleitung eintritt.
[0003] Während einer Betriebspause sinkt jedoch der Druck in der Transportleitung allmählich
auf den Druck der äußeren Atmosphäre ab. Dies hat zur Folge, dass feuchte Außenluft
durch etwaig vorhandene Leckagen, durch offen gelassene Verbindungselemente oder durch
angeschlossene, nicht gasdichte Apparaturen eintreten kann. Die in der Luft vorhandene
Feuchte Luft gefriert beim Kontakt mit dem Trockeneis oder an unterkühlten Wandabschnitten
der Transportleitung und kann dadurch zur Beeinträchtigung des Betriebsablaufs bis
hin zur völligen Verstopfung der Transportleitung führen. Das Gleiche gilt im Falle
längerer Stillstandzeiten: Der sich im Laufe der Zeit ansammelnde Wasserdampf kondensiert
bei Betriebsaufnahme durch den Kontakt mit dem geförderten Trockeneis. Dadurch wird
ein erheblicher Teil der in den Trockeneisteilchen enthaltenen Kälteenergie absorbiert
und verschlechtert somit die Qualität des transportierten Trockeneises. Bei länger
andauernden Betriebspausen führt zudem das sich an den Wandabschnitten anlagernde
Wasser zu einem erheblich höheren Energieaufwand beim Abkühlen der Transportleitung
auf seine Betriebstemperatur von beispielsweise minus 78°C.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist daher, die Präsenz von Wasser in der Transportleitung
dauerhaft zu vermeiden und zudem während Betriebspausen die Temperatur im Innern der
Transportleitung möglichst lang möglichst niedrig zu halten.
[0005] Diese Aufgabe ist gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 sowie
durch ein Transportsystem mit den Merkmalen des Anspruchs 4.
[0006] Beim erfindungsgemäßen Verfahren handelt es sich um ein Verfahren zum Inertisieren
einer zum Transportieren eines kryogenen Mediums im festen oder flüssigen Zustand
dienenden Transportleitung, bei dem während des Betriebs der Transportleitung ein
mit der Transportleitung strömungsverbundenes oder in diese integriertes Speichervolumen
zumindest teilweise mit dem transportierten Medium gefüllt, zu Beginn einer Betriebspause
jedoch von der Transportleitung bzw. den übrigen Abschnitten der Transportleitung
strömungstechnisch getrennt wird, woraufhin das im Speichervolumen verbliebene kryogene
Medium verdampft und das verdampfte Medium zumindest in einen Leitungsabschnitt oder
mehrere Leitungsabschnitte der Transportleitung eingeleitet wird.
[0007] Durch das Verdampfen des kryogenen Mediums im Speichervolumen bildet sich dort ein
Gasüberdruck gegenüber der Außenatmosphäre aus. Das Gas strömt in die mit dem Speichervolumen
strömungsverbundenen Abschnitte der Transportleitung ein und verdrängt dort etwaig
vorhandene feuchte Luft. Durch die fortwährende Zufuhr des verdampften Mediums aus
dem Speichervolumen bildet sich auch in den gefluteten Abschnitten der Transportleitung
ein geringer Überdruck aus, der auch das Eindringen feuchter Außenluft durch etwaige
Leckagen verhindert. Zugleich wird die Transportleitung aufgrund der tiefen Temperatur
des verdampften kryogenen Mediums von zunächst nur wenig über dem Siede- bzw. Sublimationspunkt
auf einer tiefen Temperatur gehalten, die bei Wiederaufnahme des Betriebs die zur
Abkühlung der Transportleitung auf ihrer Betriebstemperatur aufzuwendende Energie
deutlich reduziert. Der durch das Verdampfen des kryogenen Medium erzeugte Überdruck
kann zudem dazu eingesetzt werden, eine Leckage in der Transportleitung aufzuspüren.
Die Transportleitung kann in zwei, drei oder mehr Leitungsabschnitte unterteilt sein,
die jeweils gemeinsam oder nur zum Teil mit verdampftem kryogenem Medium versorgt
werden können.
[0008] Bevorzugt wird das verdampfte Medium erst bei Erreichen eines vorgegebenen Grenzdruckes
im Speichervolumen die Leitungsabschnitte eingeleitet.
[0009] Als kryogenes Medium kommt vorzugsweise Kohlendioxid zum Einsatz, insbesondere festes
Kohlendioxid, das in Form von Pellets oder Schnee durch die Transportleitung gefördert
wird. Bei Beginn einer Betriebspause verbleiben Kohlendioxidpartikel im Speichervolumen,
die mit allmählich zunehmender Temperatur sublimieren und in der genannten Weise die
Transportleitung inertisieren.
[0010] Die Aufgabe der Erfindung wird auch mit einem System zum Transportieren eines kryogenen
Mediums im flüssigen oder festen Zustand durch eine Transportleitung gelöst, das mit
einem mit der Transportleitung strömungsverbundenen, jedoch gegenüber dieser gasdicht
abschließbaren Speichervolumen, das mit der Außenumgebung in thermischen Kontakt bringbar
ist, ausgerüstet ist und eine das Speichervolumen mit zumindest einem Abschnitt der
Transportleitung verbindende und mit einem Druckventil ausgerüstete Gasleitung aufweist.
[0011] Während der Durchleitung des kryogenen Mediums durch die *Transportleitung wird also
das mit diesem strömungsverbundene Speichervolumen mit dem kryogenen Medium zumindest
teilweise gefüllt, wobei sich das Medium zumindest teilweise im flüssigen oder festen
Zustand befindet. Beim Eintritt einer Betriebspause bleibt ein Teil des Mediums im
Speichervolumen zurück. Aufgrund des thermischen Kontakts mit der Umgebung erwärmt
sich das Speichervolumen und das in ihm befindliche Medium geht in den gasförmigen
Zustand über. Dadurch kommt es zu einem Druckanstieg im Innern des Speichervolumens.
Das in der Gasleitung montierte Druckventil ist derart ausgelegt, dass es oberhalb
eines bestimmten, bauartbedingt vorgegebenen oder einstellbaren Grenzdrucks öffnet
und die Strömungsverbindung zwischen dem Speichervolumen und den mit diesem strömungsverbundenen
Abschnitten der Transportleitung freigibt. Dadurch werden diese Abschnitte mit dem
verdampften Medium geflutet und es kommt zu einer gleichmäßigen Inertisierung und
Kühlung dieser Leitungsabschnitte.
[0012] Das Speichervolumen ist in einer bevorzugten Ausgestaltung von der Transportleitung
mittels ansteuerbarer Schließarmaturen strömungstechnisch trennbar, die automatisch
beim Eintritt der Betriebspause in ihren Schließzustand und beim Ende der Betriebspause
in ihren Öffnungszustand übergehen.
[0013] In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung handelt es sich bei
dem Speichervolumen um einen Leitungsabschnitt der Transportleitung selbst. Beim Eintritt
einer Betriebspause wird dieses strömungstechnisch von den übrigen Leitungsabschnitten
getrennt, bleibt jedoch über eine separate Gasleitung, die bevorzugt zunächst noch
mittels des Druckventils geschlossen ist, mit diesen verbunden. Mit der Verdampfung
bzw. Sublimation des kryogenen Mediums steigt der Druck innerhalb des abgetrennten
Leitungsabschnitts an. Oberhalb eines vorgegebenen oder gewählten Grenzdrucks wird
die Gasleitung durch das Druckventil geöffnet und das verdampfte Medium strömt in
die verbundenen Leitungsabschnitte und sorgt dort für eine Inertisierung.
[0014] Anhand der Zeichnung soll ein Ausführungsbeispiel der Erfindung näher erläutert werden.
Die einzige Zeichnung (Fig. 1) zeigt schematisch eine erfindungsgemäßes System zum
Transportieren eines kryogenen Mediums.
[0015] Bei dem Transportsystem 1 handelt es sich um eine Einrichtung, bei der Kohlendioxidpartikel
in Form von Pellets oder Schnee mittels Druckluft gefördert werden. Derartige Kohlendioxidpartikel
kommen in vielfältigen Bereichen zum Einsatz, beispielsweise bei der Reinigung von
Oberflächen, bei der Kühlung von Lebensmittelprodukten oder pharmazeutischen Präparaten,
ebenso wie bei verschiedenen Einsatzmöglichkeiten aus dem Bereich der Chemie, der
Metallurgie oder der Elektronik.
[0016] Das Transportsystem 1 umfasst eine Transportleitung 2, in der die Kohlendioxidpartikel
mittels einer Fördereinrichtung 3 gefördert werden. Stromauf zur Fördereinrichtung
3 ist die Transportleitung in hier nicht weiter interessierender Weise mit einem Vorratsbehälter
für die Kohlendioxidpartikel verbunden. Die Transportleitung 2 ist überwiegend mit
einer thermischen Isolierung 4 versehen, die jedoch im Bereich eines Leitungsabschnitts
5 zumindest teilweise unterbrochen ist.
[0017] Dieser Leitungsabschnitt 5 ist mittels Stellventile 6,7 strömungstechnisch von den
übrigen, thermisch vollständig isolierten Leitungsabschnitten 9 der Transportleitung
2 trennbar. Vom Leitungsabschnitt 5 mündet eine Gasleitung 8 aus, die über Verbindungsleitungen
10,11 mit weitern Leitungsabschnitten 9 der Transportleitung 2 verbunden sind. An
Abzweigpunkten 12,13 können Verbindungen mit weiteren, hier nicht gezeigten Leitungsabschnitten
hergestellt werden. In der Gasleitung 8 ist ein Druckventil 15 vorgesehen, das oberhalb
eines bestimmten Gasdrucks im Innern des Leitungsabschnitts 5 die Gasleitung 8 freigibt,
unterhalb dieses Gasdrucks jedoch schließt. Eine Steuereinheit 16 überwacht und steuert
den Motor der Fördereinrichtung 3 und die Stellventile 6,7.
[0018] Beim Betrieb des Transportsystems 1 sind die Stellventile 6,7 geöffnet. Das Druckventil
15 ist geschlossen. Kohlendioxidpartikel werden unter der Wirkung der Fördereinrichtung
3 mittels Druckluft durch die Transportleitung 2 gefördert. Beim Eintritt einer Betriebspause
wird der Motor der Fördereinrichtung 3 durch ein Signal der Steuereinheit 16 abgestellt.
In Innern der gesamten Transportleitung 2 bleiben Kohlendioxidpartikel zurück. Um
eine besonders große Menge an zurückbleibenden Kohlendioxidpartikeln im Innern des
Leitungsabschnitts 5 zu gewährleisten, kann der Leitungsabschnitt 5 auch eine hierzu
geeignete Geometrie aufweisen oder an einer besonderen Stelle innerhalb der Transportleitung
2 angeordnet sein, an der ein besonders hoher Anfall an Partikeln zu erwarten ist.
Beispielsweise kann der Leitungsabschnitt 5 gegenüber den übrigen Leitungsabschnitten
verbreitert oder im Bereich eines Knicks in der Transportleitung 2 angeordnet sein,
oder es kann ein zusätzliches Volumen mit dem Leitungsabschnitt 5 in Strömungsverbindung
stehen, das dann als eigentliches Speichervolumen für das Kohlendioxid fungiert. Zugleich
mit der Fördereinrichtung werden die gleichfalls mit der Steuereinheit 16 in Datenaustausch
stehenden Stellventile 6,7 geschlossen. Der Leitungsabschnitt 5 ist somit hermetisch
von den übrigen Leitungsabschnitten 9 der Transportleitung 2 getrennt. Aufgrund der
im Bereich des Leitungsabschnitts 5 (beziehungsweise eines an den Leitungsabschnitt
angeschlossenen Speichervolumens) zumindest teilweise fehlenden thermischen Isolierung
4 erwärmen sich die im Innern des Leitungsabschnitts 5 befindliche Kohlendioxidpartikel
und sublimieren zu Kohlendioxidgas, das den Leitungsabschnitt 5 bei allmählich ansteigendem
Druck ausfüllt. Oberhalb eines vorgegebenen Grenzdrucks öffnet das Druckventil 15
und das gasförmige Kohlendioxid strömt in die mit der Gasleitung 8 strömungsverbundenen
Leitungsabschnitte 9 der Transportleitung 2. Dadurch entsteht in den Leitungsabschnitten
9 eine Atmosphäre von Kohlendioxid, die gegenüber der Außenatmosphäre einen geringen
Überdruck aufweist und dadurch das Eindringen von feuchter Außenluft weitgehend verhindert.
Zugleich werden die Leitungsabschnitte 9 vom Kohlendioxidgas, das nach seiner Sublimation
einer Temperatur von nur wenig über minus 78°C aufweist, gekühlt. Die thermisch isolierten
Leitungsabschnitte können so wirkungsvoll über einen längeren Zeitraum kalt gehalten
werden werden. In dem Fall, dass ein Leitungsabschnitt strömungsoffen ist, also beispielsweise
eine Leckage aufweist oder eine nicht gasdichte Verbindung mit einem Endgerät aufweist,
erfolgt ein gleichmäßiger Kohlendioxidstrom durch den betreffenden Leitungsabschnitt
hindurch. Nach Beendigung der Betriebspause werden die Stellventile 6,7 geöffnet und
der Transport von Kohlendioxidpartikeln durch die Transportleitung 2 wird wieder aufgenommen.
[0019] Die Entstehung von Wassereis in der Transportleitung 2 wird auf diese Weise wirkungsvoll
unterbunden. Verluste an Energie und Arbeitszeit werden dadurch deutlich verringert.
Bezugszeichenliste
[0020]
- 1
- Transporteinrichtung
- 2
- Transportleitung
- 3
- Fördereinrichtung
- 4
- Isolierung
- 5
- Leitungsabschnitt
- 6
- Stellventil
- 7
- Stellventil
- 8
- Gasleitung
- 9
- Leitungsabschnitt
- 10
- Verbindungsleitung
- 11
- Verbindungsleitung
- 12
- Abzweigpunkt
- 13
- Abzweigpunkt
- 14
- -
- 15
- Druckventil
- 16
- Steuereinheit
1. Verfahren zum Inertisieren einer zum Transportieren eines kryogenen Mediums im festen
oder flüssigen Zustand bestimmten Transportleitung (2), bei dem während des Betriebs
der Transportleitung (2) ein mit der Transportleitung (2) strömungsverbundenes und/oder
in diesen integriertes Speichervolumen (5) zumindest teilweise mit dem kryogenen Medium
gefüllt wird, zu Beginn einer Betriebspause mehrere Leitungsabschnitte (5,9) der Transportleitung
(2) strömungstechnisch voneinander getrennt werden, im Speichervolumen (5) verbliebenes
kryogenes Medium verdampft und das verdampfte Medium in Leitungsabschnitte (9) der
Transportleitung (2) eingeleitet wird und dort eine Atmosphäre aus verdampften Medium
erzeugt, die einen Überdruck gegenüber der Au ßenatmosphäre aufweist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das verdampfte Medium erst bei Erreichen eines vorgegebenen Grenzdruckes im Speichervolumen
(5) in die Leitungsabschnitte (9) eingeleitet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als kryogenes Medium Kohlendioxid zum Einsatz kommt.
4. System zum Transportieren eines kryogenen Mediums im flüssigen oder festen Zustand
durch eine Transportleitung (2), die mehrere gasdicht voneinander abtrennbare Leitungsabschnitte
(5,9) aufweist, wobei wenigstens ein Leitungsabschnitt (5) mit einem Speichervolumen
verbunden ist, das mit der Außenumgebung in thermischen Kontakt bringbar ist, und
mit einer das Speichervolumen (5) mit zumindest einem weiteren Leitungsabschnitt (9)
der Transportleitung (2) verbindenden und mit einem Druckregelventil (15) ausgerüsteten
Gasleitung (8).
5. Transportsystem nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Speichervolumen (5) von der Transportleitung (2) mittels ansteuerbarer Schließarmaturen
(6,7) strömungstechnisch trennbar ist, die automatisch beim Eintritt der Betriebspause
in ihren Schließzustand und beim Ende der Betriebspause in ihren Öffnungszustand übergehen.
6. Transportsystem nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Speichervolumen (5) ein Leitungsabschnitt der Transportleitung (2) vorgesehen
ist.