[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung, um mittels
einer Stickmaschine flächige Materialstücke von gewünschter Form auf einen Stickboden
zu applizieren. Die Erfindung betrifft ferner auch eine Stickmaschine mit mindestens
einer solcher Vorrichtung.
[0002] Unter Stickmaschinen werden hier in Übereinstimmung mit dem Werk von
Schöner/Fricker "Stickereitechniken", Leipzig 1982, S. 18/20, Stiche erzeugende Maschinen verstanden, die in der Lage sind, die Richtung und in
der Regel auch die Grösse jedes einzelnen Stiches innerhalb der technischen Grenzen
frei zu variieren. Dies ermöglicht es, dekorative Muster zu erzeugen. Stickmaschinen
werden aber seit einiger Zeit auch dazu verwendet, Muster mit technischen Funktionen
zu erzeugen. Die meisten heute im Einsatz stehenden Stickmaschinen arbeiten nach dem
Zweifadensystem, und die Erzeugung der Stickmuster auf dem Stickboden erfolgt programmgesteuert.
Im wesentlichen unterscheidet man Grossstick- und Kleinstickmaschinen. Als Grossstickmaschinen
haben die Schifflistickmaschinen die grösste Verbreitung. Bei Schifflistickmaschinen
sind die Nadeln in einer Reihe linear angeordnet. Weniger verbreitet sind die vor
allem von der Firma Pfaff hergestellten Flächenstickmaschinen, bei denen die Nadeln
über das gesamte Stickfeld verteilt sind. Gemäss Schöner/Freier, S. 100, dienen sie
der Herstellung von grossflächigen Waren wie Tischdecken, Gardinen, Stick-Steppwaren,
usw. Auch sogenannte Steppmaschinen sind technisch gesehen Grossstickmaschinen. Sie
arbeiten ebenfalls mit Schiffchen, besitzen aber im Gegensatz zu Flächenstickmaschinen,
mit denen ebenfalls Stick-Steppware hergestellt werden können, nur eine Reihe von
Nadeln. Als Kleinstickmaschinen sind insbesondere Ein- und Mehrkopf-Stickautomaten
bekannt.
[0003] Im Werk von Schöner/Freier, S. 310 f. wird unter dem Begriff "Applikation" das Aufnähen
von anderen Materialien oder Gegenständen, im engeren Sinne von ausgeschnittenen Stoffteilen,
beziehungsweise Stofffiguren oder Formen aus anderem Material wie Leder, Papier, Filz
und dergleichen verstanden. Weiter heisst es: "Unter Applikationsarbeit versteht man
in der Stickereiindustrie das Arbeiten mit verschiedenen aufeinandergehefteten Stoffen,
von denen entweder vor oder nach dem Aufnähen gewissse Teile zum Zwecke der Musterbildung
weg- beziehungsweise ausgeschnitten werden. Die zu applizierenden Stoffe müssen sich
dabei - wenn sie die ornamentale Aufgaben erfüllen sollen - hinsichtlich ihrer Farbe
oder Textur unterscheiden, sie müssen sich entweder materialmässig oder sonstwie durch
Gegensätze, wie Mattheit und Glanz usw., voneinander abheben. "Schöner/ Freier unterscheiden
zwei Gruppen von Applikationen, nämlich solche bei denen bereits ausgeschnittene Formteile
als Figuren aufgestickt werden und solche bei denen mit zwei oder mehr zusammen gestickten
Stoffen, von denen nach dem Befestigen, bzw. nach dem Besticken Teile ausgeschnitten
werden.
[0004] Ausser dem Aufsticken von flächigen Materialstücken ist es auch schon seit langem
bekannt, andere Gegenstände aufzusticken. In der Fachliteratur wird dabei zwischen
der sogenannten Soutache - und der Perl- oder Flitterstickerei unterschieden. Bei
der Soutachestickerei wird schnur- oder bandförmiges Material in der gewünschten Verzierungsform
auf den Stickboden aufgestickt. Bei der Perl- und Flitterstickerei geht es um das
Aufsticken von kleinen Gegenständen, wie bei Pailletten, Perlen oder dergleichen.
Für diese Art von Stickerei gibt es schon seit langem verschiedenartige Vorrichtungen.
Bezüglich neuer Vorrichtungen kann auf
EP-A-1 764 434 und
EP-A-1 764 435 verwiesen werden.
[0005] Im Werk von Schöner/Freier, S. 312, wird weiter erwähnt, dass die Verbindungsstickerei
zwischen den beiden Stoffen verschieden ausgeführt werden kann. So sei es möglich,
die Umrisslinien der Figur mit Steppstichen abzunähen und danach den Stoff auszuschneiden
und die Ränder nochmals eng zu umsticken. Weiter heisst es, dass bei allen Arbeiten,
ob Hand- oder Maschinenstickerei auf das sorgfältige Ausschneiden des Stoffes zu achten
sei. Man verwende dazu eine feine Stickschere, deren breitere Klinge nach unter gerichtet
werde. Schneide man mit nach unten gerichteter Spitze, so bestehe die Gefahr, dass
in den Stickboden eingeschnitten werde.
[0006] In der bereits im Jahre 1995 veröffentlichten
DE 44 26 817 wird ein Verfahren zum Sticken beschrieben bei dem ein Rahmen, in welchem zwei Materialschichten
eingespannt sind, entsprechend der aus der oberen Materialschicht auszuschneidenden
Form bewegt wird. Dabei wird die obere Materialschicht durch einen Laserstrahl geschnitten.
Anschliessend wird für einen Stickvorgang die Nadelstange bewegt und die Stickerei
entlang des Schnittrandes erstellt. Auch die auf der Priorität des Jahres 1995 basierenden
US 5 915 316 zeigt eine Mehrkopf-Stickmaschine mit einem Laserkopf zur Herstellung von Applikationen.
Das Schneiden mit Laser hat erhebliche Nachteile. Da sind einmal die ausserordentlich
hohen Kosten für das Lasersystem. In der Regel schliesst dies die Möglichkeit aus,
eine Vielzahl von solchen Systemen auf einer Maschine anzuordnen. Nachteilig ist auch,
dass ein Lasersystem viel Platz im Maschinenumfeld beansprucht. Weiter müssen Schutzvorkehrungen
getroffen werden, damit Bedienungspersonen nicht durch den Laserstrahl verletzt werden
können. Da beim Laserschneiden Rauchgase entstehen sind Absaugeinrichtungen notwendig.
Besonders nachteilig sind auch die hohe Schneidtemperaturen, welche die unter dem
Applikationsmaterial liegende Materialschicht verletzen können. Trotzdem wurde bis
heute am Laserschneiden festgehalten. So zeigt auch die
DE 10 2005 050 482 eine Schifflistickmaschine mit einem durch einen Spindelantrieb auf der Vorderseite
der Maschine längs positionierbaren Laserschneidkopf. Dieser weist ebenfalls die vorangehend
erwähnten Nachteile auf.
[0007] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen,
welche es erlaubt, mittels einer Stickmaschine flächige Materialstücke, zum Beispiel
in Form von Figuren aus Textilmaterial oder einem anderen geeigneten Material, auf
einen Stickboden zu applizieren ohne dass ein manuelles Ausschneiden oder ein Schneiden
mit teuren Lasersystemen und allen ihren Nachteilen notwendig ist.
[0008] Erfindungsgemäss wird dies erreicht durch ein Verfahren gemäss Anspruch 1.
[0009] Nach langen Versuchen und Testläufen wurde gefunden, dass das Schneiden der Materialschicht
durch die beheizbare Spitze recht zuverlässig erfolgen kann. Bedenken, dass dadurch
der unter der Materialschicht liegende Stickboden durch die Hitze beschädigt wird,
haben sich weitgehend als unbegründet erwiesen. Voraussetzung ist jedoch die richtige
Materialwahl und die richtige Vorschubsgeschwindigkeit, sowie die richtige Temperatur
der beheizbaren Spitze. Erfahrungswerte hierfür können durch Probeläufe ermittelt
werden. Es hat sich als zweckmässig erwiesen, als Stickboden ein Gewebe aus Naturfasern
und als Materialschicht ein Gewebe aus Kunstfasern zu verwenden. Bei der richtigen
Vorschubsgeschwindigkeit und Hitze der beheizbaren Spitze erfolgt das Schneiden durch
Schmelzen der Kunstfasern.
[0010] Wenn der Stickboden relativ wärmeempfindlich ist, empfiehlt es sich zur Wärmedämmung
zwischen dem Stickboden und der Materialschicht eine Zwischenlage einzulegen, welche
mittels eines Lösungsmittels aufgelöst werden kann. Es kann dann nach der Beendigung
der Stick- und Applikationsarbeiten die Zwischenlage durch Einlegen der Stickerei
in ein Lösungsmittelbad entfernt werden.
[0011] Als Zwischenlage kann ein Gewebe verwendet werden. Für besonders wärmeempfindliche
Stickböden eignet sich eine Zwischenlage, welche eine wärmereflektierende Beschichtung
aufweist.
[0012] Die Erfindung ist nicht auf das Applizieren von Gewebestücken beschränkt. Es eignen
sich auch andere Materialien, wie zum Beispiel Kunststofffolien oder Nonwoven.
[0013] Die Erfindung bezieht sich auch auf eine Vorrichtung für eine Stickmaschine, um auf
dem Stickboden flächige Materialstücke, zum Beispiel Figuren aus einem anderen Material
und/oder einer anderen Farbe als das Material des Stickbodens durch Aufsticken zu
applizieren. Erfindungsgemäss ist die Vorrichtung gekennzeichnet durch einen Support
zum Befestigen der Vorrichtung an der Stickmaschine, eine beheizbare Spitze zum Schneiden
der der Applikation dienenden Materialschicht, und Mitteln um die beheizbare Spitze
von der Ruhestellung in die Schneidstellung, und umgekehrt, zu bringen. Dem Heizen
der Spitze dient vorteilhaft eine elektrische Heizpatrone. Die Vorteile einer solchen
beheizbaren Spitze sind bereits vorangehend beschrieben worden. Zweckmässigerweise
ist die beheizbare Spitze Schneidinstrument auf einem durch einen Aktuator, zum Beispiel
einen pneumatischen Zylinder, hin und her beweglichen Schlitten gelagert. Dies ermöglicht
es das Schneidinstrument, gesteuert durch das Programm der Stickmaschine in die Schneidstellung,
beziehungsweise Ruhestellung zu bewegen. Es hat sich als besonders empfehlendwert
erwiesen, bei der beheizbaren Spitze einen Abstandhalter vorzusehen. Dieser Abstandhalter
drückt in der Arbeitsstellung des Schneidinstruments gegen die Stoffschichten und
gewährleistet, dass die Spitze nur in die zu schneidende Materialschicht, nicht aber
in den Stickboden eindringen kann. Zweckmässigerweise ist der Abstandhalter verstellbar,
um die Eindringtiefe der beheizbaren Spitze in die Materialschicht festzulegen.
[0014] Weil die Vorrichtung mit einer beheizbaren Spitze im Vergleich zu Lasersystemen ausserordentlich
preisgünstig ist, empfiehlt es sich, Stickmaschinen mit einer Vielzahl von solchen
Vorrichtungen auszurüsten.
[0015] Die Erfindung betrifft auch eine Stickmaschine mit mindestens einer Vorrichtung,
welche wie vorangehend beschrieben ausgebildet ist. Zweckmässigerweise weist eine
Stickmaschine, zum Beispiel Schifflistickmaschien, einen über die Länge der Maschine
sich erstreckenden Träger auf, an welchem in bestimmten Rapporten die Vorrichtungen
zum Applizieren angeordnet sind.
[0016] Es ist möglich, am genannten Träger nicht nur Vorrichtungen zum Applizieren anzuordnen,
sondern auch Vorrichtungen zum Ansticken von Pailletten und Vorrichtungen zum Ansticken
von Schnüren. Dies ergibt eine grosse Flexibilität für die Herstellungen von Stickereien.
[0017] Der Träger kann Gewindelöcher zum Befestigen und Führungslöcher zur Aufnahme von
Führungsstiften der Vorrichtungen aufweisen. Dies ermöglicht es, die Vorrichtungen
genau zu platzieren. Zur Befestigung kann eine Schnellbefestigungsvorrichtung dienen,
um ein rasches Auswechseln zu ermöglichen. Zum leichten Auswechseln der Vorrichtungen
können Steckverbindungen für die elektrischen und pneumatischen Anschlüsse vorgesehen
sein.
[0018] Zweckmässigerweise besitzt die Stickmaschine eine über die Länge der Maschine sich
erstreckende Energieversorgungsschiene für die Vorrichtungen zum Applizieren von flächigem
Material.
[0019] In der nachfolgenden Beschreibung wird die Vorrichtung zum Applizieren von flächigen
Materialstücken kurz als Applikationskopf bezeichnet. Dies erfolgt in Analogie zu
den Vorrichtungen zum Anbringen von Pailletten, beziehungsweise zum Anbringen von
Schnüren, die kurz als Paillettenköpfe, beziehungsweise Soutacheköpfe bezeichnet werden.
[0020] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nun unter Bezugnahme auf die Zeichnungen
beschrieben. Es zeigt:
- Fig. 1
- eine Anzahl von auf einer Schifflistickmaschine montierten Applikationsköpfen in Kombination
mit Paillettenköpfen und Soutacheköpfen,
- Fig. 2
- Eine Seitenansicht eines Applikationskopfes,
- Fig. 3
- den Applikationskopf von Figur 2 von der Schiffliseite her betrachtet,
- Fig. 3a
- einen vergrösserten Ausschnitt aus Figur 3,
- Fig. 4
- den Applikationskopf von Figur 2 von der Nadelseite her betrachtet,
- Fig. 5
- eine Seitenansicht des Applikationskopfs von Figur 4 in Ruhestellung,
- Fig. 6
- den Applikationskopf von Figur 4 in der Arbeitsstellung und
- Fig. 7
- eine Spitze zum Schneiden in starkvergrösserter Darstellung.
- Fig. 8
- die Anordnung von Applikationsköpfen bei einer Kleinstickmaschine,
- Fig. 9
- die Anordnung von Applikationsköpfen bei einer sogenannten Steppmaschine, und
- Fig. 10
- die Maschine von Fig. 9 mit den Applikationsköpfen in Ausser-Betrieb-Stellung
[0021] Figur 1 zeigt zwei Applikationsköpfe 11 zusammen mit Paillettenköpfen 13 und Soutacheköpfen
15. Die Paillettenköpfe 13 sind wie in der eingangs erwähnten
EP-A-1 764 434 ausgebildet und die Soutacheköpfe 15 wie in der ebenfalls eingangs erwähnten
EP-A-1 764 435. Alle diese Applikations-, Pailletten- und Soutacheköpfe 11, 13,15 sind leicht auswechselbar
an einem Träger 17 der Stickmaschine befestigt, der zu diesem Zweck Gewindelöcher
19 für Schrauben 21 und Führungslöcher 23 für Führungsstifte 25 aufweist. Dies erlaubt
eine genaue Platzierung der Applikations-, Pailletten- und Soutacheköpfen 11, 13,
15. Eine Schiene 27 erstreckt sich ebenfalls über die Länge der Maschine. In dieser
verläuft die Energieversorgung für die Applikationsköpfe 11. Vom Anschluss- und Sicherungskasten
29 verlaufen das Stromkabel 31 und die Pneumatikschläuche 33, 34 zum Applikationskopf
11. Mit dem Bezugszeichen 35 sind Spulen für Paillettenbänder bezeichnet. Aus der
Zeichnung ersichtlich sind auch Nadeln 37.
[0022] Die Anordnung des Applikationskopfs 11 auf dem Träger 17 ist auch aus Figur 2 ersichtlich.
Weiter sind in dieser Figur noch Teile eines Paillettenkopfes ersichtlich, welche
aber für das Verständnis der vorliegenden Erfindung nicht von Bedeutung sind. Teile
des Paillettenkopfes 13 sind die Vorschubwelle 39, der Rückstellzylinder 41 und der
Greifer 43 zum Abschalten des Vorschubs für die Pailletten. Das Paillettenband ist
nicht eingezeichnet, wohl aber die Spule 35 für das Paillettenband.
[0023] Die Figuren 2 bis 4 zeigen den Applikationskopf 11 in Details. Der Applikationskopf
11 besitzt einen Support 45, mit welchem er mittels der Schrauben 21 am Träger 17
befestigt ist. Als Schneidinstrument dient eine auswechselbare Spitze 47 aus gut wärmeleitendem
Material, welche durch eine elektrisch beheizbare Patrone 49 beheizbar ist. Ein Schutzblech
50 schützt vor Berührung der heissen Heizpatrone. Die Heizpatrone 49 ist über die
Leitung 31 und den Stecker 51 am Anschluss- und Sicherungskasten 29 anschliessbar,
der eine Sicherung 53 aufweist. Die Verwendung einer mit einer elektrischen Heizpatrone
49 beheizbaren Spitze 47 ist besonders kostengünstig und im Betrieb sehr zuverlässig.
Bei der Spitze 47 ist ein Abstandhalter 55 (Fig. 3) vorgesehen. Der Abstandhalter
55 besitzt vorn einen scheibenförmigen Teil 56 mit einer Öffnung 58 aus welcher die
Spitze 47 etwas herausragt. Dieser Abstandhalter 55 drückt in der Schneidstellung
gegen die Stoffschichten, also gegen die zu schneidende Materialschicht 44 über dem
Stickboden 42 (Fig. 6), und gewährleistet, dass die Spitze 47 nur in die zu schneidende
Materialschicht 44 eindringt. Die Heizpatrone 49 mit der Spitze 47 und dem Abstandhalter
55 sind auf einem Schlitten 57 gelagert, der durch einen Aktuator 59 hin und her beweglich
ist, nämlich von der Ruhestellung in die Schneidstellung und umgekehrt. Als Aktuator
59 dient ein pneumatischer Zylinder. Möglich wäre aber auch zum Beispiel die Verwendung
eines Solenoids. Ein Führungsstab 60 dient der Führung des Schlittens 57.
[0024] Um Applikationsarbeiten auszuführen, wird der Stickboden 42 zusammen mit dem Applikationsmaterial
44, zum Beispiel ein Gewebe aus Kunstfasern, auf das Gatter der Stickmaschine aufgespannt.
Durch Sticken werden dann an verschiedenen Applikationsstellen die beiden Gewebe miteinander
verbunden. Wie in "Stickereitechniken" erwähnt, können beispielsweise die Umrisslinien
der zu applizierenden Figur gestickt werden. Das Ausschneiden der Figur erfolgt programmgesteuert.
Durch das Startsignal wird die Spitze 47 in Schneidstellung
[0025] (Fig. 6) gebracht, worauf das Programm eine Relativbewegung zwischen der Spitze 47
und der auf den Stickboden 42 aufgestickten Materialschicht 44 erzeugt und die gewünschte
Figur ausschneidet.
[0026] Nach dem Ausschneiden der Figuren kann die überflüssige Materialschicht entfernt
werden. Hierauf können weitere Stickarbeiten vorgenommen werden. So können beispielsweise
die Ränder der Figuren mit Saumstichen befestigt werden. Möglich wäre ferner das Einfassen
der Ränder durch Aufnähen von Schnüren mittels der Soutacheköpfe 15 (Fig. 1). Schliesslich
könnten auch weitere Stickarbeiten vorgenommen werden, sei es auf dem applizierten
Material oder ausserhalb desselben auf dem Stickboden. Bei Bedarf können auch durch
die Paillettenköpfe 13 Pailletten angestickt werden.
[0027] Fig. 7 zeigt eine Spitze 47' welche keine Heizpatrone 49 benötigt. Die Spitze 47'
besteht aus einem Drahtstück 61 aus einem Material mit hohem Schmelzpunkt, zum Beispiel
Nickel oder Wolfram und ist von einem Rohr 63 oder einer Schicht aus Keramik ummantelt.
Eine Metallschicht 65 mit ebenfalls hohem Schmelzpunkt, zum Beispiel Wolfram, umgibt
vorn und aussen das Rohr 63 derart, dass eine elektrische Verbindung zwischen dem
vorderen Ende des Drahtstücks 61 und der Metallschicht 65 besteht. Das Rohr 63 mit
der Metallschicht 65 ist weiter mit einem relativ dicken Metallmantel 66 zum Beispiel
aus Kupfer, umgeben, der aber den Schneidbereich 67 frei lässt. Der Metallmantel 66
ist durch eine Isolationsschicht 69 isoliert. Hinten sind elektrische Anschlüsse 71,
72 am Drahtstück 61 und am Metallmantel 66 angeordnet.
[0028] Im Betrieb wird durch den Stromfluss der Schneidbereich 67 erhitzt. Es erfolgt also
die Wärmeerzeugung durch elektrische Widerstandsheizung im Schneidbereich. Es ist
möglich die Hitze rasch zu ändern, weil die Masse der sich erwärmenden Metallschicht
im Heizbereich 67 sehr klein ist. Dies ist von besonderem Vorteil beim Ausschneiden
von zackigen Konturen.
[0029] Die Kleinstickmaschine gemäss dem Beispiel von Fig. 8 besitzt ein oder mehrere Nadelgruppen
75 mit einer Anzahl, zum Beispiel acht, Nadeln 37. Jeder Nadelgruppe 75 ist ein Applikationskopf
11 zugeordnet, wobei einer (links) in Arbeitsstellung und einer (rechts) in Ausser-Betrieb-Stellung
dargestellt ist. Normalerweise befinden sich aber beide Applikationsköpfen11 in der
gleichen Stellung. Auf dem Markt befindet sich eine Vielfalt von Kleinstickmaschinen.
Schon Schöner/ Freier, S. 39-41, zeigt Maschinen mit 1 bis 24 Nadeln. Solche Maschinen
können mit einem oder mehreren Applikationsköpfen 11 ausgerüstet werden.
[0030] Bei der Steppmaschine gemäss den Figuren 9 und 10 sind zum Beispiel vier Applikationsköpfe11
an einem nach unten verschwenkbaren Balken 77 angeordnet. Dieser ist in Fig. 9 in
Arbeitsstellung und in Fig. 10 in Ausser-Betreib-Stellung. Eine ähnliche Anordnung
wäre auch bei Flächenstickmaschinen möglich.
Zusammenfassend kann folgendes festgehalten werden:
[0031] Die Vorrichtung (11) kann für Applikationsarbeiten auf einer Stickmaschine eingesetzt
werden. Auf einem Support (45) befindet sich ein Schlitten, mit eine beheizbare Spitze
(47) die aus einer Ruhestellung in die dargestellte Schneidstellung gebracht werden
kann. In der Schneidlage drückt ein Abstandhalter (55) auf die der Applikation dienenden
Materialschicht, welche auf dem Stickboden angestickt ist, wobei die beheizbare Spitze
(47) eine vorbestimmte Tiefe in die Materialschicht, vorzugsweise ein Kunststofffasergewebe,
eindringt. Gesteuert durch das Programm der Stickmaschine erfolgt eine Relativbewegung
zwischen der beheizbaren Spitze (47) und der Materialschicht, so dass diese geschnitten
wird. Das Schneiden erfolgt durch Schmelzen der Kunstfasern.
1. Verfahren, um mittels einer Stickmaschine flächige Materialstücke von gewünschter
Form auf einen Stickboden, (Fig. 6: 42) zu applizieren, wobei,
mindestens eine Materialschicht über dem Stickboden (42) angeordnet wird, und gesteuert
durch das Programm der Stickmaschine eine Relativbewegung zwischen einer Schneidvorrichtung
(47) und der Materialschicht (Fig.6: 44) erzeugt und dadurch ein flächiges Materialstück der gewünschten Form aus der Materialschicht (44) ausgeschnitten
wird, dadurch gekennzeichnet, dass das Schneiden durch eine beheizbare Spitze (47) erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass durch mehrere beheizbaren Spitzen (47) mehrere flächige Materialstücke gleichzeitig
ausgeschnitten werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Stickboden (42) und der Materialschicht (44) eine in einem Lösungsmittel
auflösbare Zwischenschicht eingelegt wird und dass nach der Beendigung der Stick-
und Applikationsarbeiten die Zwischenschicht in einem Lösungsmittelbad entfernt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Zwischenschicht ein Gewebe oder eine Folie verwendet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Zwischenschicht eine wärmereflektierende Beschichtung aufweist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass als Stickboden ein Gewebe aus Naturfasern und als Materialschicht ein Gewebe aus
Kunstfasern verwendet wird.
7. Vorrichtung für eine Stickmaschine, um auf dem Stickboden (42) flächige Materialstücke,
zum Beispiel Figuren aus einem anderen Material (44) und/oder einer anderen Farbe
als das Material des Stickbodens durch Aufsticken zu applizieren,
gekennzeichnet durch
- einen Support (45) zur Befestigung der Vorrichtung an einer Stickmaschine,
- eine beheizbare Spitze (47) zum Schneiden der zur Applikation verwendeten Materialschicht
(44),
- und Mitteln (57, 59) um die beheizbare Spitze von der Ruhestellung in die Schneidstellung,
und umgekehrt, zu bringen.
8. Vorrichtungen nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Schneidinstrument eine beheizbare Spitze (47) ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die beheizbare Spitze (47) auf einem durch einen Aktuator (59), zum Beispiel eine
pneumatischen Zylinder, hin und her beweglichen Schlitten (57) gelagert ist.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass bei der beheizbaren Spitze (47) ein Abstandhalter (55) vorgesehen ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstandhalter (55) vorn einen scheibenförmigen Teil (56) mit einer Öffnung (58)
aufweist, durch welche die beheizbare Spitze (47) ragt.
12. Vorrichtung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstandhalter (55) verstellbar ist, um die Eindringtiefe der beheizbaren Spitze
(47) in die Materialschicht (44) festzulegen.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Spitze (47) durch eine Heizpatrone (49) beheizbar ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Spitze (47') eine elektrische Widerstandsheizung im Schneidbereich (67) aufweist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14 dadurch gekennzeichnet, dass die Spitze (47') ein Drahtstück (61) in einem Rohr (63) aus keramischem Material
aufweist, vorn und aussen von einer Metallschicht (65) umgeben ist, die im Schneidbereich
(67) als elektrische Widerstandsheizung dient.
16. Stickmaschine mit mindestens einer Vorrichtung (11) nach einem der Ansprüche 7 bis
15
17. Stickmaschine nach Anspruch 16 dadurch gekennzeichnet, dass sie einen über die Länge der Maschine sich erstreckenden Träger (17) aufweist, an
welchem die Vorrichtungen (11) zum Applizieren und gegebenenfalls auch Vorrichtungen
(13) zum Ansticken von Pailletten und Vorrichtungen (15) zum Ansticken von Schnüren
in bestimmten Rapporten angeordnet sind.
18. Stickmaschine nach Anspruch 17 dadurch gekennzeichnet, dass der Träger (17) Gewindelöcher (19) zum Befestigen der Vorrichtungen (11, 13, 15)
und Führungslöcher zur Aufnahme von Führungsstiften zur genauen Platzierung der Vorrichtungen
(11, 13, 15) aufweist.
19. Stickmaschine nach einem der Ansprüche 16 bis 18 dadurch gekennzeichnet, dass sie eine über die Länge der Maschine sich erstreckende Energieversorgungsschiene
(27) für die Vorrichtungen (11) zum Applizieren von flächigem Material aufweist.