[0001] Die Erfindung richtet sich auf ein Dampferzeugerbauteil oder eine Dampferzeugerbaugruppe
oder eine Kraftwerkskomponente, das/die zumindest im Wesentlichen aus einem legierten,
insbesondere chromhaltigen, Werkstoff besteht und zumindest zum Teil, insbesondere
im Wesentlichen, mittels Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting) behandelt
ist. Weiterhin richtet sich die Erfindung auf ein Verfahren zur Herstellung eines
Dampferzeugerbauteils oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente, das/die im Wesentlichen
aus einem legierten, insbesondere chromhaltigen Werkstoff besteht, bei welchem eine
Bauteil- oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche, insbesondere eine Rohrinnenfläche,
mittels Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting) behandelt wird.
[0002] Dampferzeugerbauteile oder Kraftwerkskomponenten sind insbesondere auf der Dampfseite
von Dampferzeugern von Kraftwerksanlagen den oxidierenden Bedingungen des Dampfes
ausgesetzt, mit dem sie in Berührung kommen. Überhitzer-und/oder Zwischenüberhitzerstufen
von Dampferzeugern werden daher heutzutage bereits zum Teil oder auch im Wesentlichen
aus austenitischen Materialien, insbesondere austenitischen Stählen, mit einem Chromanteil
von 18 Gew.-% hergestellt, wobei das austenitische Material zur Verbesserung und des
Oxidationsverhaltens dieser Materialien mittels Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting)
behandelt wird. Insbesondere in japanischen Kraftwerken mit Dampftemperaturen um 600
°C werden derartig behandelte Materialien eingesetzt.
[0003] Beim Oberflächenstrahlen oder shot-peening/shot-blasting-Verfahren wird die mit Behandlungspartikeln
bzw. Strahlpartikeln bzw. Strahlgut beaufschlagte Fläche, bei Rohrleitungen üblicherweise
die innere Oberfläche des jeweiligen Rohres, verformt, wodurch ein Wandern, d.h. die
Diffusion, von Chrom aus dem Grundwerkstoff, d.h. der Matrix, an die behandelte Oberfläche
begünstigt wird und erfolgt. Hierdurch bildet sich an der behandelten Oberfläche eine
dünne, chromreiche Schicht aus, die dem Wachsen von epitaktischen und topotaktischen
Schichten entgegenwirkt. Beim Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting) wird
artgleiches Strahlgut gegen die zu behandelnde Oberfläche geblasen. Dies fördert die
Diffusion von Chrom aus der Matrix des Grundwerkstoffes in diese Schicht und damit
die Oxidationsbeständigkeit dieser Schicht.
[0004] Bei den bisher im Überhitzer- und Zwischenüberhitzerbereich eingesetzten chromreichen
austenitischen Stählen mit einem mittleren Chromgehalt von ≥ 18 Gew.-% wird mittels
des shot-peening- oder shot-blasting-Verfahrens eine Deformation der behandelten Rohrinnenfläche
des jeweiligen Materialgefüges bis zu einer Tiefe von 100 µm erreicht, was zur Ausbildung
einer entsprechenden chromreichen Schicht führt. Aus der Tiefe der Gefügestruktur
(Matrix) diffundiert Chrom in diese behandelte Schicht und reichert diese mit Chrom
an. Auf dieser chromreichen Schicht ist das Wachstum von Spinell- und Magnetitschichten
unter den in den jeweiligen Kraftwerksbauteilen herrschenden Bedingungen im Vergleich
zu unbehandelten Oberflächen deutlich langsamer und somit auf der Dampfseite, mit
der diese Flächen in Verbindung stehen, das Oxidationsverhalten des eingesetzten und
behandelten Werkstoffes verbessert.
[0005] Im Kraftwerksbau geht die Tendenz nun dahin, Kraftwerke zu errichten, die mit Dampftemperaturen
von über 600 °C und sogar ≥ 700 °C betrieben werden. Bei diesen hohen Dampftemperaturen
gerät zunehmend die Problematik der dampfseitigen Oxidation von Kraftwerkskomponenten
oder Dampferzeugerbauteilen in den Fokus der Betrachtungen. Insbesondere besteht dort
auch die Problematik, dass die bisher verwendeten chromhaltigen Stähle ein martensitisches
oder bei oberflächenstrahlbehandelten Chromgehalten mit ≥ 18 Gew.-% ein austenitisches
Gefüge aufweisen und bei den beim Betrieb der Kraftwerke dieser neuen Generation erwarteten
Dampftemperaturen nicht mehr ausreichend oxidationsbeständig sind oder einen extrem
teuren Werkstoffeinsatz mit sich bringen.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Lösung zu schaffen, mit welcher
Materialien zur Verfügung gestellt werden, die bei Dampferzeugern mit Austrittstemperaturen
von ≥ 700 °C in Kraftwerkskomponenten, insbesondere Dampferzeugerbauteilen, eine ausreichende
Festigkeit, insbesondere Zeitstandfestigkeit, und eine ausreichende Korrosionsbeständigkeit
sowie Oxidationsbeständigkeit aufweisen.
[0007] Bei einem Dampferzeugerbauteil oder einer Dampferzeugerbaugruppe oder einer Kraftwerkskomponente
der eingangs bezeichneten Art wird diese Aufgabe erfindungsgemäß mit den Merkmalen
des Anspruches 1 gelöst. Bei einem Verfahren zur Herstellung eines Dampferzeugerbauteils
oder - baugruppe oder Kraftwerkskomponente, das/die im Wesentlichen aus einem legierten,
insbesondere chromhaltigen Werkstoff besteht, bei welchem eine Bauteil- oder Baugruppenfläche
oder Komponentenfläche, insbesondere eine Rohrinnenfläche, mittels Oberflächenstrahlen
(shot-peening/shot-blasting) behandelt wird, wird diese Aufgabe erfindungsgemäß mit
den Merkmalen des Anspruches 13 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich
aus den jeweiligen Unteransprüchen.
[0008] Die Erfindung geht dabei von der Erkenntnis aus, dass es möglich ist, bei den Dampferzeugern
der Kraftwerksanlagen der neuen Generation, die Austrittstemperaturen von über 600
°C, insbesondere ≥ 700 °C, aufweisen werden, in ihrem Chromgehalt gegenüber den bisher
verwendeten Stahlqualitäten deutlich verminderte Stähle oder Stahlmaterialien dann
einzusetzen, wenn oxidierenden Bedingungen ausgesetzte Oberflächenbereiche, da es
sich im Wesentlichen um Rohrleitungen handelt also die Innenoberflächen der entsprechenden
Rohre oder rohrförmigen Körper, mittels Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting)
behandelt werden und dann in die Kraftwerksanlage, insbesondere den Dampferzeuger,
eingebaut werden. Hierdurch wird es möglich, Stahlqualitäten zu verwenden, die auf
der einen Seite relativ kostengünstig sind, auf der anderen Seite aber auch die für
die nun hohen Temperaturen benötigte, ausreichende Festigkeit bzw. das entsprechende
Festigkeitsverhalten sowie die notwendige Oxidations- aber auch Korrosionsbeständigkeit
aufweisen. Die bei diesen Temperaturen notwendige Oxidationsbeständigkeit lässt sich
nun dadurch erreichen, dass die Wasser; Flüssigkeit oder Dampf führende Seite - die
Dampfseite - des jeweiligen Bauteiles oder der jeweiligen Baugruppe oder der jeweiligen
Kraftwerkskomponente, insbesondere die Innenfläche von rohrförmigen Körpern, mittels
Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting) behandelt wird. Hierbei reichert
sich dann das in der Matrix des jeweiligen Materials, insbesondere Stahlwerkstoffs,
vorhandene Chrom, insbesondere durch Ausbildung einer Cr
2O
3-Schicht auf der behandelten (Außen-)Fläche des Werkstoffes an. Erfahrungen haben
gezeigt, dass mittels des Oberflächenstrahlenverfahrens (shot-peening/shot-blasting)
eine Chromanreicherung in der entsprechend behandelten Schicht um ca. 50 % möglich
ist. Es ist mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens somit möglich, beispielsweise
Stahlqualitäten, die einen durchschnittlichen Chromgehalt von 9 Gew.-% aufweisen mit
einer außenseitigen Schicht auf dem Werkstoff, in der Regel auf der Innenoberfläche
eines Rohres, zu versehen, die dann - nach der Behandlung - einen durchschnittlichen
Chromgehalt von ca. 12 Gew.-% aufweist und damit auch unter den Bedingungen der neuen
Kraftwerksgenerationen bei Dampfaustrittstemperaturen von ≥ 700 °C ausreichend oxidationsstabil
ausgebildet ist.
[0009] Überraschenderweise hat sich - entgegen anderweitigen fachmännischen Erwartungen
- herausgestellt, dass diese Verbesserung des Oxidationsverhaltens oder die Erreichung
einer dampfseitigen ausreichenden Oxidationsbeständigkeit nicht verbunden ist mit
einer gleichzeitigen Verschlechterung des Hochtemperaturkorrosionsverhaltens des jeweils
behandelten Dampferzeugerbauteils oder der jeweils behandelten Dampferzeugerbauteilgruppe
oder der jeweiligen Kraftwerkskomponente auf der Rauchgasseite. Der Anwendung des
Oberflächenstrahlens bzw. shot-peening/shot-blasting bei Stahlwerkstoffen mit niedrigerem
Chromgehalt, d.h. Stähle mit einem Chromgehalt von ≤ 18 Gew.-%, stand nämlich die
allgemeine Befürchtung der Fachwelt gegenüber, dass die Anwendung dieses Verfahrens
zu einer ungünstigen Chromverteilung in dem behandelten Werkstoff führen könnte. Das
sich in der dampfseitigen bzw. behandelten Schicht anreichernde Chrom in Form von
Chromoxiden ist aus der Grundmatrix, d.h. dem Grundkörper des Werkstoffes, in diese
Schicht diffundiert. Da von außen kein Chrom dem Werkstoff zugeführt wird, führt diese
Diffusion dazu, dass dieses Chrom bzw. diese Chrompartikel nun an anderer Stelle des
Werkstoffes nicht mehr vorhanden sind. Es stand nun zu befürchten, dass dies dazu
führen könnte, dass auf der der behandelten Seite gegenüber liegenden Seite des jeweiligen
Bauteils, bei einem Rohr somit auf der Außenseite des Rohres, sich ein verringerter
Chromgehalt einstellen könnte. Da bei Kraftwerkskomponenten die Außenseite dieser
Rohre den korrosiven und aggressiven Bedingungen der daran vorbei strömenden Rauchgasströme
ausgesetzt ist, müssen diese ein ausreichendes Korrosionsverhalten, d.h. eine ausreichende
Korrosionsbeständigkeit aufweisen. Hierzu müssen die dem Rauchgas ausgesetzten Oberflächen
ebenfalls einen bestimmten Chromgehalt aufweisen. Vermindert sich der Chromgehalt
in diesen Flächen, so wird dadurch die Korrosionsbeständigkeit des Bauteils vermindert.
Es bestand somit die Befürchtung, dass bei Behandeln der Rohrinnenfläche mittels des
Oberflächenstrahlens (shot-peening/shot-blasting) zwar eine erhöhte oder ausreichende
Oxidationsbeständigkeit erreicht werden konnte, dafür aber auf der gegenüber liegenden
Außenfläche sich eine verminderte oder verschlechterte Korrosionsbeständigkeit einstellen
würde.
[0010] Weiterhin stand zu befürchten, dass sich aufgrund der bewirkten Ungleichverteilung
des Chromgehaltes das Schweißverhalten des Werkstoffes an seiner Außenfläche und seiner
Innenfläche bzw. seiner nicht oberflächenstrahlbehandelten und seiner oberflächenstrahlbehandelten
Seite unterschiedlich gestalten würde, so dass beim Verschweißen dieser Bauteile mit
Schwierigkeiten gerechnet wurde.
[0011] Während diese Probleme bei Stahlqualitäten mit einem Chromgehalt von ≥ 18 Gew.-%
weniger ins Gewicht fallen, da dort aufgrund des relativ hohen Chromanteils eine ausreichende
Menge an Chrom, um auch in problematischen Fällen die notwendige dampfseitige Oxidationsbeständigkeit
und rauchgasseitige Korrosionsbeständigkeit sicherzustellen, vorhanden ist, bestanden
in der Fachwelt Befürchtungen, dass dies bei niedrig legierten, d.h. Stähle mit einem
deutlich geringeren Chromgehalt, nicht mehr gewährleistet sein könnte. Insbesondere
kommt hierbei der Aspekt noch zum Tragen, dass als weitere Komponente auch die ausreichende
Zeitstandfestigkeit des Werkstoffsgewährleistet sein muss.
[0012] Insbesondere zeigt die Hochtemperaturkorrosionsbeständigkeit, also die Korrosionsbeständigkeit
auf der Rauchgasseite eines Dampferzeugers bei Chromgehalten unter 18 Gew.-% eine
exponentiell verlaufende Verschlechterung. Untersuchungen haben gezeigt, dass der
Materialabtrag in Form eines Gewichtsverlustes in mg/cm
2 und damit die Verminderung der Korrosionsbeständigkeit des Werkstoffes bei Chromgehalten
unterhalb 20 Gew.-%, speziell unterhalb 18 Gew.-%, sehr stark zunimmt. Insbesondere
nimmt die Hochtemperaturkorrosion mit steigender Temperatur, d.h. steigender Materialtemperatur
zu, so dass der Hochtemperaturkorrosionsbeständigkeit gerade bei den Kraftwerken der
nächsten Generation, die mit deutlich höheren Dampfaustrittstemperaturen arbeiten
werden, dieser Problematik besonderes Gewicht gewidmet wird. Maßnahmen, die eine Minderung
des Hochtemperaturkorrosionsverhaltens eines Werkstoffes mit sich bringen könnten,
werden daher nicht als realistischer Weise realisierbare Maßnahmen betrachtet.
[0013] Überraschenderweise wurde nun aber gefunden, dass das erfindungsgemäße Verfahren
zu einer ausreichenden Oxidationsbeständigkeit der Bauteile/Baugruppen/Komponenten
führt, ohne die Korrosionsbeständigkeit zu verschlechtern.
[0014] Überraschenderweise hat sich dabei herausgestellt, dass insbesondere Werkstoffe,
die ein ferritisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt von ≤ 8 Gew.-% oder ein
martensitisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt von ≤ 14 Gew.-%, insbesondere
im Bereich von 9 - 12 Gew.-% oder ein austenitisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt
von ≤ 18 Gew.-% aufweisen, oberflächengestrahlt für den Einsatz als Dampferzeugerbauteil
oder Dampferzeugerbaugruppe oder Kraftwerkskomponente auch bei den Belastungen, die
bei Austritttemperaturen von ≥ 600 °C, insbesondere ≥ 700 °C auftreten, einsetzbar
sind bzw. derartige Gefüge für das Oberflächenstrahlen ausgewählt werden können.
[0015] Insbesondere ergibt sich diese Einsatzmöglichkeit dann, wenn die entsprechenden Bauteile
bzw. Flächen mittels Oberflächenstrahlen mit einem zum eingesetzten Werkstoff artgleichen
oder gefügegleichen und/oder materialgleichen Material oder einem Material mit gegenüber
dem Werkstoff höheren Chromgehalt behandelt ist oder wird, was die Erfindung in Ausgestaltung
vorsieht.
[0016] Mit der Erfindung ist es möglich, Dampferzeuger mit hohen Dampfparametern, insbesondere
Dampferzeuger mit Dampfaustrittstemperaturen von ≥ 700 °C mit Dampferzeugerbauteilen
oder -baugruppen oder Kraftwerkskomponenten auszustatten, die ausreichend temperaturstabil
und darüber hinaus auch ausreichend korrosionsbeständig und ausreichend oxidationsbeständig
sind. Insbesondere sind mit der Erfindung auch Stähle mit ferritischem oder martensitischem
oder austenitischem Gefüge nutzbar, die keinen hohen Chromgehalt aufweisen. Beispielsweise
sind martensitische Stähle mit der Werkstoffbezeichnung T91/P91 oder T92/P92 oder
auch austenitische Stähle, wie beispielsweise X3CrNiMoBN17-13-3 (Werkstoff Nr. 1.4910),
geeignete Stähle, die durch die Oberflächenstrahlbehandlung neben ihrer Festigkeit
auch die notwendige Korrosionsbeständigkeit und Oxidationsbeständigkeit gegenüber
Atmosphären und Umgebungen aufweisen, die in Dampferzeugern mit Austrittstemperaturen
von ≥ 700 °C herrschen. Aus diesen Materialien lassen sich die verschiedensten Dampferzeugerbauteile
und Kraftwerkskomponenten herstellen, wie Membranwände, spiralgewickelte Dampferzeugerwände,
Verbindungsleitungen, Dampfabscheider und Wasserflaschen, Einspritzkühler, Heizflächen,
Sammler und Verteiler, Tragrohrschotte, Tragrohre, Übergangsstücke etc. Insbesondere
hochbelastete Sammler- und Rohrleitungen sowie Membranwände der neuen 700 °C-Kraftwerke
mit Dampfaustrittstemperaturen von ≥ 700 °C lassen sich mit den erfindungsgemäßen
Dampferzeugerbauteilen herstellen. Wie auch bei den bisher bei geringeren Dampfaustritttemperaturen
eingesetzten Stählen führt die Anwendung des shot-peening-oder shot-blasting-Verfahrens
oder Oberflächenstrahlens dazu, dass das Wachstum einer Spinell- oder Magnetitschicht
auf der entsprechend behandelten Oberfläche, d.h. der durch Oberflächenstrahlen kaltverfestigten
und plastisch verformten und aufgrund der sich als Folge der Behandlung ergebenden,
einen gegenüber der Grundwerkstoffmatrix erhöhten Chromgehalt aufweisenden Oberfläche
im Vergleich zu unbehandelten Oberflächen wesentlich langsamer erfolgt. Es ist somit
lediglich notwendig, für diesen Kraftwerkstyp der neueren Generation entsprechend
hochwarmfeste Stähle auszuwählen, die dann durch die Behandlung mittels Oberflächenstrahlen
oder shot-peening/shot-blasting auf der dampfseitigen Oberfläche entsprechend oxidationsbeständig
gemacht werden.
[0017] Als besonders geeignete Werkstoffe haben sich martensitische Stähle mit einem mittleren
Chromgehalt von 9-12 Gew.-% und austenitische Stähle mit einem Chromgehalt von ≤ 18
Gew.-% erwiesen/herausgestellt. Die Bezeichnungen ferritisch oder martensitisch oder
austenitisch beziehen sich auf das jeweils ausgebildete Materialgefüge.
[0018] Das Oberflächenstrahlen oder shot-peening oder shot-peening/shot-blasting wird insbesondere
unter derartigen Bedingungen durchgeführt bzw. es werden derartige Bedingungen eingestellt,
dass die behandelte Bauteils- oder Baugruppenfläche oder Kraftwerkskomponentenfläche
bis zu einer Materialtiefe von 200 µm, vorzugsweise bis 100 µm, in ihrer Gefügestruktur
beeinflussbar ist oder wird und/oder beeinflusst ist oder wird. Im Rahmen dieser Schichtstärke
von bis zum 200 µm oder bis zu 100 µm bildet sich die gewünschte Chromanreicherung
aus. Dabei ist die sich in dieser Schicht ergebende Verfestigung aufgrund der dünnen
Schichtstärke dieses dem Oberflächenstrahlen ausgesetzten Gefügevolumens aufgrund
der im Verhältnis zur Wandstärke des jeweiligen Bauteils oder jeweiligen Bauteilgruppe
oder der jeweiligen Werkstoffkomponente geringen Schichtdicke unerheblich, so dass
die Festigkeit des behandelten Bauteils oder der behandelten Bauteilgruppe oder Kraftwerkskomponente
im Wesentlichen unverändert bleibt. Der üblicherweise im Vordergrund stehende festigkeitssteigernde
Effekt des Kugelstrahlens spielt bei dem Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting)
gemäß der Erfindung überhaupt keine Rolle, er soll vielmehr auch keine Rolle spielen.
Ausschlaggebend ist allein die sich durch Anwendung dieses Verfahrens ergebende Möglichkeit,
die äußere Schicht oder einen äußeren Schichtbereich des jeweiligen Werkstückes oder
Bauteils (beispielsweise einer Rohrinnenfläche) derart zu beeinflussen, dass eine
Anreicherung mit Chrom in diesem Bereich stattfindet.
[0019] Die Bedingungen des Oberflächenstrahlens bzw. shot-peening/shot-blasting werden dabei
so eingestellt, dass sich in der behandelten Fläche bzw. der behandelten Schicht eine
Festigkeitssteigerung im Bereich von +50 - +150 HV, insbesondere von ca. +100 HV bezogen
auf die Ursprungshärte des Materials/Werkstoffes einstellt. Dabei wird das Oberflächenstrahlen
nicht nur mit zum behandelten Werkstoff artgleichem oder gefügegleichem oder materialgleichem
Material oder mit einem Material mit höherem Chromgehalt als der Grundwerkstoff bestrahlt,
sondern es können auch keramische Blaswerkstoffe, Glaskugeln oder Ähnliches Verwendung
finden. Insbesondere wird aber das artgleiche oder gefügegleiche oder materialgleiche
Werkstoffmaterial verwendet. Hierzu wird beispielsweise ein Draht aus dem identischen
Material kleingehackt, gegebenenfalls an seinen Enden abgerundet und dann mithilfe
eines Fluidstrahles auf die zu behandelnde Werkstofffläche geblasen.
[0020] Das Oberflächenstrahlen oder shot-peening/shot-blasting wird üblicherweise mit einem
Strahlrohr mit einer endseitigen 360°-Strahldüse durchgeführt, so dass innenseitig
durch das Rohr Strahlgut geführt und dann durch die Strahldüse hindurch an die Innenoberfläche
von Rohren bzw. des jeweils behandelten Rohres gebracht werden kann. Hierbei wird
mit einem Volumenstrom von bis zum 9 m
3/min und einem maximalen Blasdruck von 0,7 MPa gearbeitet. Hierbei wird die Strahldüse
mit einer Düsenvorschubsgeschwindigkeit von 100-800 mm/min durch das zu behandelnde
Rohr hindurch geführt. Der "shot-blasting"-Effekt besteht darin, dass sich auf der
behandelten Seite des Materials eine durch das shot-blasting oder Oberflächenstrahlen
kaltverformte Schicht ausbildet. Unterhalb dieser kaltverformten Schicht befindet
sich in der Matrix des Grundwerkstoffes eine Diffusionszone. Aus der Diffusionszone
diffundiert Chrom durch die kaltverformte Schicht hindurch und bildet auf der Außenseite,
d.h. oberhalb der kaltverformten Schicht eine Oxidschicht, insbesondere einer Cr
2O
3-Schicht aus, oberhalb welcher sich dann später im Betriebszustand die topotaktische
und die epitaktische Schicht ausbildet. Durch die Cr
2O
3-Schicht wird aber die Fe-Diffusion reduziert und das Magnetitwachstum vermindert.
1. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente, das/die zumindest
im Wesentlichen aus einem legierten, insbesondere chromhaltigen, Werkstoff besteht
und zumindest zum Teil, insbesondere im Wesentlichen, aus einem Werkstoff besteht,
der mittels Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting) behandelt ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass es/sie zumindest im Wesentlichen aus einem Werkstoff mit ferritischem oder martensitischem
oder austenitischem Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt ≤ 18 Gew.-% besteht und
zumindest eine Bauteils- oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche zumindest teilweise
mittels Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting) behandelt ist.
2. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteils- oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche mittels Oberflächenstrahlen
(shot-peening/shot-blasting) mit einem zum Werkstoff artgleichen oder gefügegleichen
und/oder materialgleichen Material oder einem Material mit gegenüber dem Werkstoff
höherem Chromgehalt behandelt ist.
3. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach Anspruch 1 oder
2, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteils- oder Baugruppenfläche oder Kraftwerkskomponentenfläche Bestandteil
eines Bauteils oder einer Baugruppe oder einer Kraftwerkskomponente ist, die auf der
Dampfseite eines Dampferzeugers eingebaut ist, dessen Dampfaustrittstemperatur ≥ 600
°C, insbesondere ≥ 700 °C, beträgt.
4. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einen der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es/sie Bestandteil einer Heizfläche, einer Membranwand, einer spiralgewickelten Dampferzeugerwand,
einer Verbindungsleitung, eines Dampfabscheiders, einer Wasserflasche, eines Einspritzkühlers,
einer Heizfläche, eines Sammlers, eines Verteilers, eines Tragrohrschotts, eines Tragrohres,
eines Übergangsstückes oder eines Dampferzeugers einer Kraftwerksanlage ist oder solche
ausbildet.
5. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkstoff ein ferritischer oder ein martensitischer oder austenitischer Stahl
ist.
6. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkstoff ein Material mit einem mittleren Chromgehalt von ≤ 14 Gew.-%, insbesondere
≤ 9 Gew.-%, ist.
7. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkstoff ein ferritisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt von ≤ 8 Gew.-%
oder ein martensitisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt von ≤ 14 Gew.-%, insbesondere
im Bereich von 9 - 12 Gew.-%, oder ein austenitisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt
von ≤ 18 Gew.-% aufweist.
8. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Werkstoff ein martensitisches Material, insbesondere T91 oder P91 oder T92 oder
P92, oder ein austenitisches Material, insbesondere ein Stahl X3CrNiMoBN17-13-3, ist.
9. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bedingungen des Oberflächenstrahlens (shot-peening/shot-blasting) derart eingestellt
sind, dass die behandelte Bauteils-oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche bis
zu einer Materialtiefe von 200 µm, vorzugsweise bis 100 µm, in ihrer Gefügestruktur
beeinflussbar und/oder beeinflusst ist.
10. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bedingungen des Oberflächenstrahlens (shot-peening/shot-blasting) derart eingestellt
sind, dass die behandelte Bauteils-oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche eine
gegenüber der Matrix des Werkstoffes erhöhte Härte von +50 - +150 HV, insbesondere
+90 - +110 HV.
11. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bedingungen des Oberflächenstrahlens (shot-peening/shot-blasting) derart eingestellt
sind, dass die Festigkeit des behandelte Bauteils oder der behandelten Bauteilgruppe
oder Kraftwerkskomponente im Wesentlichen unverändert bleibt.
12. Dampferzeugerbauteil oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mittels Oberflächenstrahlens (shot-peening/shot-blasting) behandelte Bauteils-
oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche die Innenfläche eines Rohres ist.
13. Verfahren zur Herstellung eines Dampferzeugerbauteils oder -baugruppe oder Kraftwerkskomponente,
das/die im Wesentlichen aus einem legierten, insbesondere chromhaltigen Werkstoff
besteht, bei welchem eine Bauteil- oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche, insbesondere
eine Rohrinnenfläche, mittels Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting) behandelt
wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass zur Ausführung des Oberflächenstrahlens (shot-peening/shot-blasting) eine ein ferritisches
oder martensitisches oder austenitisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt von
≤ 18 Gew.-% aufweisende Bauteils- oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche ausgewählt
wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Oberflächenstrahlen (shot-peening/shot-blasting) mit einem zum Gefüge der oberflächengestrahlten
Fläche artgleichen oder gefügegleichen und/oder materialgleichen Material oder mit
einem Material mit dem Flächenmaterial gegenüber höherem Chromgehalt durchgeführt
wird.
15. Verfahren nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass eine ein ferritisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt von ≤ B Gew.-% oder
ein martensitisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt von ≤ 14 Gew.-%, insbesondere
im Bereich von 9 - 12 Gew.-%, oder ein austenitisches Gefüge mit einem mittleren Chromgehalt
von ≤ 18 Gew.-% aufweisende Bauteils- oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche
ausgewählt wird.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Bedingungen des Oberflächenstrahlens (shot-peening/shot-blasting) derart eingestellt
werden, dass die Härte der behandelten Bauteils- oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche
gegenüber der Matrix des Werkstoffes um eine Härte von +50 - +150 HV, insbesondere
+90 - +110 HV, erhöht wird.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Bedingungen des Oberflächenstrahlens (shot-peening/shot-blasting) derart eingestellt
werden, dass die behandelte Bauteils- oder Baugruppenfläche oder Komponentenfläche
bis zu einer Materialtiefe von 200 µm, vorzugsweise bis 100 µm, in ihrer Gefügestruktur
beeinflusst wird.